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Udo Pollmer über Bauer Willi und die billigen Lebensmittel

Udo Pollmer, bekannter Lebensmittelchemiker und Sachbuchautor,  nimmt im Deutschlandradio Bezug auf Bauer Willi und sagt:

…Endlich hat die Landwirtschaft eine Stimme, die auch gehört wird. Unter dem Pseudonym „Bauer Willi“ hat ein Landwirt vom Niederrhein einen Brandbrief an die Verbraucher gerichtet….

Doch nach dem Zuspruch mahnt Pollmer zu mehr Nachdenklichkeit:

…Sein Frust ist verständlich, aber glaubt er ernsthaft, dass das Geld in seinen Taschen landet, wenn die Kunden das Doppelte bezahlen?…

Pollmer sinniert weiter:

…Es ist nicht klar, wem es mehr an Wertschätzung für unser Essen mangelt – dem Verbraucher oder dem Erzeuger….

Um letztlich ein bemerkenswertes Resumee zu ziehen:

…Die Diskussion, die „Bauer Willi“ angestoßen hat, ist wichtig – aber gegenseitige Schuldzuweisungen helfen nicht weiter, doch das wird er längst selbst wissen. Es stimmt auch, dass viele Verbraucher geradezu abenteuerliche Vorstellungen von der Landwirtschaft haben, und es ist nur logisch, dass Landwirten bei den oft unqualifizierten Angriffen der Geduldsfaden reißt. Allerdings gilt das auch umgekehrt. Vielen Bauern fehlt jede Vorstellung davon, wie Verbraucher ticken. Dank Bauer Willi beginnt sich das zu ändern. Mahlzeit!

Den vollständigen Beitrag finden Sie auf der Webseite von www.deutschlandradio.de http://www.deutschlandradiokultur.de/landwirtschaft-bauer-willi-und-die-billig-lebensmittel.993.de.html?dram%3Aarticle_id=319834

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8 Kommentare

  1. Hertha Kerz sagt

    Zitat: „Vielen Bauern fehlt jede Vorstellung davon, wie Verbraucher ticken. Dank Bauer Willi beginnt sich das zu ändern. Mahlzeit!“

    In der Tat. Beispielsweise die Wegwerfmentalität. Hier könnte Bauer vielleicht eine Tipp-Rubrik einsetzen, wie der normale Bürger Gemüse (und Obst) sinnvoll und machbar aufbewahrt. Durch Zufall habe ich herausbekommen, dass sich Lauchzwiebeln und porree viermal so lange halten, wenn ich sie in ein Glas mit Wasser stelle. Radieschen, wenn ich das Grün kurz über dem Radieschenkopf abschneide und mit diesem Ende in eine Schale mit Wasser lege.

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    • Bauer Willi sagt

      Liebe Hertha
      ich antworte Dir hier auch gleich auf die Bio-Frage. In der Tat wollte ich deutlich machen, dass eine Umstellung mit erheblichen Kosten verbunden ist. Das Risiko würde ich schon eingehen, wenn ich erkennen würde, dass die Investitionen wieder „eingespielt“ werden.

      Zu den Tipps für Verbraucher: das würde diese Seite sehr unübersichtlich machen. Uns geht es mehr um grundsätzliche Fragen. Für die Probleme des Alltags gibt es andere Seiten.
      Bauer Willi

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  2. Uli49 sagt

    Die veröffentlichungen von Eurostat sind eine wahre Fundgrube, siehe hier, Seite 7:
    http://ec.europa.eu/agriculture/statistics/factsheets/pdf/de_en.pdf
    Da steht, daß das Einkommen in der Landwirtschaft in D von 2005 bis 2014 um 63,6% gestiegen ist. Das ist im Schnitt pro Jahr eine Steigerung um 5,6%. Von solchen Werten können normale Arbeitnehmer nur träumen (Vergleich siehe Seite 9). Wenn es einigen Bauern schlecht geht, dann kann das nur heißen, daß dafür andere sehr, sehr gut verdient haben.
    Auf Seite 10 sieht man, daß die Lebensmittelpreise in den letzten 10 Jahren deutlich stärker gestiegen sind, als das allgemeine Preisniveau.
    Interessant ist auch die Zahl für die Subventionen: 2014 betrug das gesamte Einkommen in der Landwirtschaft in D 18 Milliarden Euro, davon waren 7,2 Milliarden Subventionen. D.h. die Landwirte werden zu 40% vom Steuerzahler alimentiert. Man kann es natürlich auch so sehen, daß die Landwirte sich vom Einzelhandel die Butter vom Brot nehmen lassen und die Lebensmittelketten die Subventionen bei den Bauern abschöpfen.
    Auf Seite 13 sieht man, daß Bauer Willi mit seinen 40ha schon zu den Großen gehört. Nur 28% der Betriebe in D haben mehr als 50ha.
    Wer nicht polemisieren will, sondern mit Fakten argumentiert, für den ist Eurostat eine Goldgrube.
    Uli

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Uli,
      die Statistik ist wirklich der Hammer.
      Ich habe mich bisher immer bei „Destatis“ rumgeplagt um statistische Daten der Landwirtschaft zeitnah zu bekommen.
      Nun sind diese Zahlen doch ernüchternd, wenn nicht sogar schockierend. 28% der landw. Betriebe gaben also von 2005 auf 2013 auf: Und 40% des Einkommens der verbliebenen Landwirte sind „Alimente des Staates“, sprich Subventionen. Ich sag da nur: „Wer zahlt, schafft an!“ Ich glaube, dieser Staat will den ruinösen Wettbewerb der Bauern untereinander, er will die Überproduktion, er will billige Erzeuger- und damit Lebensmittelpreise für den Verbraucher. Egal, ob da langfristig ökologische Zeitbomben ticken in Form von Nitrat usw. Verantworten darf das dann nur wieder der Bauer, bzw. auch die Bauernverbände. Egal, die sind eh nur eine Randgruppe…. sagt sich da Mancher…
      Quer Beet, durch alle Farben der politischen Landschaft lese ich in den politischen Programmen: „Bezahlbare Lebensmittel“. Als Argument wird auch „soziale Verantwortung“ genannt. Toll, aber die Wahrheit ist, dass der gebildete, neuzeitliche Mensch, der sog. „Homo sapiens consumenticus“ ein Recht auf billige Lebensmittel hat, damit er sich alle „lebensnotwendige Konsumgüter“ wie iPhone und Auto und… auch leisten kann.
      Brot und Spiele, das wussten schon die Römer. So kann man ungestört regieren. Aber Achtung, die Römer sind schließlich untergegangen…

      Alois

      1+
      • Markus M. sagt

        Subventionen sind da nicht gerechtfertigt, wo sie unbegründet den Wettbewerb verzerren. Allerdings erfüllen Bauern ja auch weitere wichtige Funktionen wie Landschafts-, Umwelt- und Naturschutz. Dass also z.B. bayerische kleinbäuerliche Strukturen subventioniert werden, damit die gesamte Gesellschaft jetzt und in Zukunft davon etwas hat, finde ich vollkommen gerechtfertigt! Kühe auf der Alm können eben nicht mit dem Weltmarktpreis mithalten…

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  3. bauerhans sagt

    pollmers neues buch wurde in „aspekte“ diskutiert,u.a. mit sarah wiener,die sich ziemlich zurück hielt. sie ist doch jetzt auch landwirtin auf gut kerkow.

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