Bauer Willi
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Im Dialog: Heute mit Tanja Busse

Tanja Busse hat das Buch „Die Wegwerfkuh“ geschrieben, das für viel Diskussionsstoff sorgt. Die Öffentlichkeit ist erschreckt, viele Landwirte hingegen fühlen sich angegriffen. Konfrontation bringt niemanden weiter. Wir wollen Dialog. Deshalb hat Willi an Tanja einige Fragen gestellt. Bilden Sie sich selbst eine Meinung und diskutieren Sie mit.

 

Willi: Tanja, Du kommst von einem Bauernhof. Was war der Grund, ein Buch mit einem solchen Titel zu schreiben?

Tanja: In einem Vortrag hatte ich gehört, dass die durchschnittliche Nutzungsdauer von Milchkühen deutlich unter drei Jahren liegt – und das hat mich umgehauen. Ich bin ja in den siebziger Jahren auf einem Hof mit Milchkühen aufgewachsen, daher kenne ich das enge Verhältnis der Milchbauern und -bäuerinnen zu ihren Kühen. Ich wollte rausfinden, wie es dazu kommen konnte, dass ausgerechnet Kühe so früh vom Hof gehen – und warum?

Da investieren die Landwirte in moderne Boxenlaufställe mit viel Licht und Platz und züchten wertvolle, leistungsfähige Tiere, die gigantische Milchleistungen bringen – und dann kollabieren die Kühe und werden mit vier oder fünf Jahren zum Schlachten geschickt? Wo sie bis zu achtzehn Jahre alt werden können. Das ist doch ein Widerspruch!

Und die Statistiken des Holstein-Verbandes zeigen: Je größer die Herden werden, desto niedriger die Nutzungsdauer. Aber nur Betriebe mit mehreren hundert Kühen werden als weltmarktfähig bezeichnet!

Ich wollte das unbedingt aufschreiben und mein Verlag war sofort interessiert, und natürlich braucht ein Buch einen provokanten Titel. Doch jetzt habe ich ein Problem: Ich bekomme ganz viele Briefe von Bäuerinnen und Bauern, die mein Buch gelesen haben und ihre Sorgen darin wiederfinden – gleichzeitig trägt das Buch einen Titel, der Landwirte als Leser abschreckt! Wie hätte ich es nennen sollen, um Bäuerinnen und Bauern anzusprechen?

Willi: Was würdest Du von „Kühe und Bauern unter Druck“ halten? Ist zwar nicht so knapp und knackig, aber beschreibt trotzdem, worum es geht. So hat Dein Buch für viel Furore gesorgt. Die Medien haben einiges davon zitiert, besonders der Spiegel. Wie korrekt fandest Du persönlich die Berichterstattung?

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Bild Copyright Dieter Müller

Tanja: Ich hatte Spiegel Online einen Text zu meinem Buch angeboten, und die Redaktion wollte vor allem etwas zu den Bullenkälbern. Ich beschreibe ja im Buch, wie ich auf der Recherche zur Nutzungsdauer auf einen Milchbauern stoße, der sein Bullenkalb nicht los wird, weil es zu klein ist. Daraufhin habe ich recherchiert, welche Folgen die – tendenziell – viel zu niedrigen Preise für Bullenkälber aus Milchrassen haben und das auch auf Spiegel Online geschrieben: Es ist für Milchbetriebe oft unwirtschaftlich, sich intensiv um den männlichen Nachwuchs zu kümmern. Die Kosten für Tierarzt und Milchaustauscher sind höher als der mögliche Erlös. Aber es gehört zur bäuerlichen Ethik, sich trotzdem um die Tiere zu kümmern.

Gleichzeitig erschien im gedruckten Spiegel ein Text über das gleiche Thema mit der etwas pauschalen Aussage: Die Milchbauern lassen die Bullenkälber verrecken. So pauschal hätte ich das nicht geschrieben, weil es einfach nicht richtig ist. Natürlich hört man immer wieder Gerüchte, zuletzt von Jerseyhaltern aus Dänemark, und es gibt auch Studien der TiHo Hannover, die zeigen, dass große Betriebe aus wirtschaftlichen Gründen Personal einsparen und dafür Kälberverluste in Kauf nehmen. Aber die Bäuerinnen und Bauern, die ich kennen gelernt habe, kümmern sich trotz aller finanziellen Verluste gut um ihre Kälber.

Gegen den Text im Spiegel wurde in den landwirtschaftlichen Foren natürlich heftig gewettert. Dass in meinem Text auf Spiegel Online etwas anderes stand, das ist dabei untergegangen. Top agrar hat das erst online korrigiert, als ich an die Redaktion geschrieben habe.

Was mich ärgert: In den Foren wurde nur über die Berichterstattung des Spiegel gewettert, aber die Bullenkälber sind dabei in Vergessenheit geraten. Ich finde aber wichtig, dass darüber gesprochen wird: Die Spezialisierung auf Milch und Fleisch führt tendenziell dazu, dass die meisten männlichen Bullenkälber nicht gebraucht werden. In Australien und Neuseeland dürfen diese Kälber ganz legal wenige Tage nach der Geburt geschlachtet oder sogar auf dem Hof erschlagen werden. Ich glaube, dass können sich die meisten Milchbauern hier nicht vorstellen. Ich kenne jedenfalls keinen Milchbauern, der das gerne tun würde! Und deshalb finde ich es wichtig, dieses Problem nicht zu verdrängen, sondern gemeinsam nach Lösungen zu suchen, also mit dem Handel und Konsumenten. Gesextes Sperma zu verwenden, also solches, das nur weibliche Kälber hervorbringt, hilft langfristig auch nicht weiter, denn zu viel weiblichen Nachwuchs kann auch nicht jeder Betrieb gebrauchen.

Es hilft nicht weiter, wenn der Bauernverband als Replik auf den Spiegel-Artikel einen Faktencheck zur Milchviehhaltung herausgibt, in dem steht: Alles super bei uns! Ja, wie um alles in der Welt wollen die Bauern denn höhere Preise für ihre wertvolle Milch einfordern, wenn ihr Verband sagt, alles bestens – und das bei 29 Cent pro Liter! Solche Erzeugerpreise sind entwürdigend für die Landwirte und die Kühe.

Die Bauern müssen den Konsumenten und der Politik klar sagen: Die derzeitigen Preise setzen Landwirte und Kühe gleichermaßen unter Druck, dafür brauchen wir eine Lösung, und die kann nicht sein, dass die Milch bei Aldi noch billiger wird.

Willi: Wir Bauern fühlen uns durch Dein Buch angegriffen, ja fast diffamiert. Wieder sollen wir als „die Bösen“ dargestellt werden. Kannst Du nachvollziehen, wenn manche Bauern wütend reagieren?

Tanja: Also, mir schreiben gerade ganz viele Landwirte, vor allem Milchbauern und auch ehemalige Berater, dass sie sich in meinem Buch wiederfinden und es weiterempfehlen! Wer meint, in meinem Buch würden Bauern als die Bösen dargestellt, der soll gerne erst einmal ein paar Seiten lesen! Auf der Seite des Verlags kann man die ersten Seiten umsonst lesen, auch das Vorwort, was ich extra für die Landwirte geschrieben haben.

Aber natürlich weiß ich, dass der Titel provoziert. Und ich weiß auch, wie sehr der öffentliche Druck den Landwirtinnen und Landwirte zu schaffen macht. Und wie nervig es ist, wenn Leute, die von Landwirtschaft keine Ahnung haben, Bäuerinnen und Bauern so aus dem Bauch heraus kritisieren. Nach dem Motto „Dein Pony friert aber draußen, das muss in den Stall!“ So was habe ich früher im Winter oft gehört.

Aber nur weil es Leute gibt, die Unsinn reden, heisst das ja nicht, dass über Probleme in der Landwirtschaft nicht gesprochen werden darf. Einfach zu sagen, alles bestens bei uns, hilft nicht weiter, denke ich. Vor allem nicht, wenn man Verarbeiter, Handel und Konsumenten klar machen muss, dass landwirtschaftliche Leistungen besser bezahlt werden müssen! Damit die Landwirte mehr Luft haben, um etwas anders und besser zu machen.

Willi: Das kann ich unterstreichen. Zum einen die idyllischen Vorstellungen unser Mitbürger, zum anderen was die faire Bezahlung der erbrachten Leistungen angeht. Von daher ist mir die kürzliche Milchpreissenkung des Handels ein absolutes Rätsel, da sich ja an der Milchmenge nichts geändert hat. Das Geld fehlt jetzt auch noch für noch mehr Tierschutz. Kannst Du verstehen, dass die Bauern wütend sind?

Tanja: Natürlich kann ich das verstehen. Viele sind zu Recht wütend darüber – oder auch verzweifelt, dass sie viel Geld in ein Produktionssystem investiert haben, in dem sie kein Auskommen finden und aus dem sie nicht mehr rauskommen. melk_karussellDie Betriebszweigauswertungen der Landwirtschaftskammern bringen immer wieder ans Licht, dass etwa ein Viertel der Geflügelmäster über Jahre rote Zahlen schreibt und sogar Betriebsreserven mobilisieren musste – und das bei einer Schuldenlast von einer halben Million Euro und mehr. Da kann ich doch nicht sagen, die machen alle Managementfehler! Das sind immerhin alles Leute, die was können, sonst hätten ihnen die Banken nicht diese großen Kredite anvertraut.

Wenn ich die Verbände oder Berater darauf angesprochen habe, habe ich immer wieder gehört: Die Schlechten hören auf, die Guten packen das! Ich finde das zutiefst unsolidarisch, denn jeder Landwirt weiß, dass auch bei bestem Management Tiere krank werden können, Krankheiten oder Seuchen ausbrechen oder Futtermittel schlechte Qualität haben können. Vor allem, wenn ich in der Integrationsmast Küken und Futter vom Integrator bekomme und kaum noch unternehmerische Freiheit habe. Das ist etwas, was die Bauerntochter Tanja wütend macht, lieber Bauer Willi!

Willi: Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Zustände kritisiert werden, die nicht in Ordnung sind. Doch Kritik ist immer einfach. Wie könnten Deiner Meinung nach praktikable Lösungen aussehen?

Tanja: So einfach finde ich Kritik gar nicht, wenn sie gleich als Pauschalangriff verurteilt und pauschal abgewiesen wird. Meine Lösungsvorschläge: Wir müssen die Kluft zwischen Konsumenten und Landwirten schließen. Die Konsumenten müssen wissen, wo ihre Milch, ihr Fleisch und ihr Gemüse herkommen. Es ist genau richtig, dass immer mehr Landwirte ihre Höfe zeigen wollen. Ich halte allerdings moderne Mastanlagen oder Sauen in Kastenständen für nicht vermittelbar. Auch wenn sich die Bauern in diesen Ställen intensiv um ihre Tiere kümmern – bestimmte Haltungsformen wirken auf die meisten Konsumenten eher abschreckend. Ich glaube auch, wenn man erst duschen und Schutzkleidung anziehen muss, bevor man in einen Stall geht, wirkt das nicht vertrauenserweckend im Sinne von so sauber und sicher ist das hier, sondern eher gefährlich.

stallgasseMein nächster Vorschlag: Wir müssen die Informationslücken schließen. Es kann doch nicht sein, dass ich als Landwirt vor der Frage stehe, ob ich eine Million in einen Stall investiere oder nicht, wenn ich gar nicht die Alternativen kenne. Ich habe in den letzten Jahren stapelweise Wochenblätter und top agrar und die Fachblätter der einzelnen Betriebszweige gesichtet, und manchmal kommt es mir vor, als sei es in diesen Redaktionen verboten, über etwas zu schreiben, was nicht auf der offiziellen Linie liegt. Zum Beispiel seitenweise Berichte über Ketose bei Kühen, dazu viele Anzeigen für Medikamente dagegen – aber kein Hinweis darauf, dass Veterinäre die Ketose mit der negativen Energiebilanz in Verbindung bringen und dass die Ketose auch eine Folge der Zuchtausrichtung auf frühe Jahreshöchstleistung ist?

Wenn man parallel dazu die Bauernstimme liest, glaubt man, das sind zwei völlig verschiedenen Welten. Aber man muss doch zumindest wissen, was die anderen so beschäftigt!

Willi: Nun bin ich ja kein Tierhalter, aber den Begriff Ketose und die Gründe dafür habe ich von Menschen, die Fachleute sind, genau so erklärt bekommen, wie Du es beschreibst. Was das Vermitteln von aktuellen Haltungsformen und die dazugehörigen Hygieneregeln  angeht, habe ich eine andere Meinung. Ich kann mir  durchaus vorstellen, dass wir das dem Verbraucher erklären können. Und  wir müssen es auch tun, denn schließlich ist es die Realität. Was wären denn Deiner Meinung nach Alternativen, die Erzeuger und Verbraucher wieder mehr zusammenbringen?

Tanja: Meine Lieblingsvorschläge sind solidarische Landwirtschaft und ein Bauernhof für jede Schule. Solidarische Landwirtschaft ist in Japan und den USA richtig weit verbreitet, aber auch in Deutschland sind in den letzten zwei Jahren richtig viele Höfe dazu gekommen. Die Idee ist es, nicht das einzelne Lebensmittel zu bezahlen, sondern eine Art Ernährungspauschale an einen Hof zu zahlen und sich dann alles, was er erwirtschaftet, aus einer gemeinsamen Speisekammer zu holen. Oder liefern zu lassen, je nachdem. Der Vorteil ist natürlich, dass Verantwortung und Risiko geteilt werden. Das ist ja nicht nur für einen kompletten Betrieb denkbar, sondern zum Beispiel für eine kleine Hühnerhaltung. Warum sollten sich nicht die Leute im Dorf zusammensetzen und sagen, der und der hält ohnehin Hühner, wir zahlen ihm einen monatlichen Beitrag und holen uns die Eier ab. Dann entscheiden alle gemeinsam über die Haltungsform, über die Rassen und vielleicht kommen ja sogar mal Kinder vorbei zum Mithelfen. Das ist auf jeden Fall Landwirtschaft, die Spaß macht. Von solidarischer Landwirtschaft sind gerade viele Städter begeistert – die einerseits sagen, dass sie Tiere lieben und andererseits aber wenig über Nutztiere wissen. Gerade da ist die Aufklärung, das Zeigen und etwas gemeinsam machen ganz wichtig.

Und meine Idee mit den Bauernhöfen für die Schulen würde gleich viele Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wenn einer Schule ein Bauernhof in der Nähe zugeordnet würde, als Versorger für die Schulkantine, als außerschulischer Lernort und als Erholungs- und Freizeitort, dann wäre der Unterricht lebendiger und anschaulicher, das Kantinenessen gesünder und ein Hof hätte ein vertraglich abgesichertes Einkommen – und vermutlich auch eine erfüllende Arbeit. Der Hof Pente bei Osnabrück verbindet beides, solidarische Landwirtschaft und einen Kindergarten auf dem Bauernhof. Das hätte ich auch gern für meine Kinder.

Die Bauernhöfe sollten wieder Gemeinschaftsorte werden, wie sie es früher waren, wo viele hinkommen, sich austauschen, ein Ort, an dem Kinder Kinder sein dürfen und Tiere und Pflanzen kennenlernen!
Nicht jeder will Leute auf seinem Hof haben, deshalb brauchen wir eine Lösung für die niedrigen Preise und die schlechte Verhandlungsposition gegenüber den Verarbeitern. Mein Ansatz dabei ist: Wenn es Tierschützern und Tierrechtlern und der Zeitschrift
Landlust gelingt, aus der Tierliebe und Natursehnsucht der Deutschen Kapital zu schlagen, warum sollte es ausgerechnet den Bauern nicht gelingen?

Einige Bio-Verarbeiter treffen mit ihren Lieferanten Absprachen darüber, wie viel die Landwirte brauchen, um kostendeckend und gewinnbringend anbauen zu können. Das ist vor allem da wichtig, wo die Verarbeiter auf eine gute Qualität angewiesen sind, zum Beispiel bei Braugerste, aber vielleicht ist dieses Modell ja auch für die übrige Landwirtschaft gut: Die Preisbildung vom Erzeuger her zu denken und gute, mindestens kostendeckende Preise einzufordern! Dieser Vorschlag ist sogar von einer PR-Expertin gelobt worden.

(http://www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/essperten-statt-experten-warum-wir-lebenskunde-brauchen_b_7306626.html)

Aber natürlich muss die Preisbildung insgesamt auch geklärt werden! Das ist eine Machtfrage, und da müssen sich die Bauern organisieren und richtig Druck machen! 

Willi: An wen richtet sich Dein Buch? Für wen hast Du es geschrieben? Und gibt es Gründe, warum auch Landwirte dieses Buch lesen sollten?

Tanja: Es richtet sich natürlich an alle, die wissen wollen, wie die Milch, die sie im Supermarkt kaufen, produziert wird und wie es den Tieren dabei geht. Aber ich wünsche mir natürlich auch Landwirtinnen und Landwirte als Leser, vor allem diejenigen, die sich fragen, wohin das mit dem Wachsen und Weichen noch führen sollen und wie groß die Betriebe noch werden müssen, damit man über die Massenproduktion ein gutes Auskommen finden kann und ein gutes Leben hat.

Ich glaube, viele Landwirte zweifeln daran, dass es gut ist, immer weiter zu wachsen und immer mehr zu investieren – obwohl alle Experten sagen, die Weltmarktpreise werden immer volatiler. Sie lieben ihren Beruf, die Tiere, die Natur, die Möglichkeit, als Familie einen Betrieb zu führen, die Kinder bei der Arbeit dabei zu haben – aber sie fürchten den Wachstumszwang. Sie sollten sich zusammen tun und für gute Preise für eine gute Landwirtschaft kämpfen.

Ich hab mir die Schweineproduktion in North Carolina angeguckt: Güllelagunen, die in die Flüsse überschwappen und überhaupt keine Flächenbindungen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Landwirt bei uns Lust hätte, so zu arbeiten!

Liebe Tanja, vielen Dank für dieses Gespräch. Es hat mich in einigen Punkten nachdenklich gemacht. Was die Lösungen angeht, so bleiben bei mir persönlich Zweifel, dass das die Vermarktung so funktionieren kann. Die Einbindung der Schulkinder und Lehrer in die Lebensmittelproduktion finde ich eine sehr gute Idee. Wir werden in jedem Fall im Dialog bleiben.

Tanja: Im Dialog bleiben möchte ich sehr gerne – ich würde mich freuen, wenn sich auch viele Landwirtinnen und Landwirte an der Diskussion beteiligen!

tanja

Bild Copyright Anja Weber

 

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201 Kommentare

  1. Bärbel Hermann sagt

    Verstehen kann ich an der Stelle nicht, dass sich Landwirte über das Buch an den Pranger gestellt fühlen.
    Das Gegenteil ist der Fall. Aber der reißerische Titel ohne den Inhalt zu lesen, bewegt die Gemüter einseitig. Habe das Buch die Wegwerfkuh von Dr. Tanja Busse gelesen und für mich liegt es auf derselben Ebene wie Burnout-Kids „Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert“ von Prof. Dr. Schulte-Markwort. Ja, ich kenne Landwirtschaft sehr gut und nein, das Buch „Die Wegwerfkuh“ richtet sich nicht gegen Landwirte und deren Tierliebe.
    Als Verbraucher und Bürger einer Gesellschaft sind wir in dieser Zeit sehr gefordert und sollen auch noch eine Meinung z.B. zum Freihandelsabkommen haben. Das lässt sich nicht bewerkstelligen. Dennoch brauchen wir mehr Bekenntnisse und Stoppschilder: So soll und kann es nicht mehr weitergehen.
    Dann kommt noch der Clou: Wir wollen Kinder und wir wissen, dass wir Nachwuchs aus den eigenen Reihen wollen und auch brauchen. Die eine Geburtsklinik (Kreis KA) ist geschlossen, bei der nächsten kann nach 17.00 Uhr wegen Personalmangel nicht mehr entbunden werden und die Hebammen für Hausgeburten werden so schlecht bezahlt und können die Versicherungen nicht mehr leisten. Ja, wir wollen Kinder und die sollen Leistung bringen usw. Der Vergleich zur Wegwerfkuh hinkt nicht, es wird gemolken „auf Teufel und komm raus“!
    Stören Sie sich nicht an der Reihenfolge: Aber Worte wie Menschlichkeit, Tiergerechtigkeit, Innovation, Sicherheit, Nächstenliebe, Armutsbewältigung, Fluchthilfe, Stärkung der Frauen in Drittländern, Ressourcenschonung, gesunde Nahrungsmittel, Ausbildungschancen und noch vieles mehr – sind solange werbewirksam und haben einen guten Klang, bis bei konkreten Lösungsansätzen jemand die Macht verliert oder gehindert wird noch mehr Geld zu scheffeln! Dann schlägt das Pendel um!
    Gremien- und Lobbyarbeit und die unsäglichen Pauschalurteile machen Stimmung. Das tut der Bevölkerung nicht gut. Aufbrausen und dann wieder gleichgültig werden, ohne über Lösungen nachzudenken, bringt uns keinen Schritt voran. Wenn die Wegwerfkuh z.B. für Tiermaterial steht, wofür steht dann Schülermaterial? Für Burnout-Kids? Nein, ich bringe nichts durcheinander. Wie können wir Wegwerfnahrungsmittel produzieren und gleichzeitig die Zunahme von Tafelläden akzeptieren? Wie kann es sein, dass Arbeitslose bezahlt werden, obwohl es Arbeit in Hülle und Fülle gibt?
    Und dann noch: Mindestlohn in landwirtschaftlichen Betrieben verhindert, dass in der Familie noch Betriebe übernommen werden können – und alles bleibt ruhig???

    Lösungen sind: die Dialoge so zu führen, dass Menschen dort abgeholt werden, wo sie stehen und ihre Bedürfnisse gesehen werden. Dazu ist aber das Interesse an dem Anderen wichtig!

    Über Ideen, wie wir das gesunde Miteinander erreichen können, freue ich mich!!!

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    • Bauer Willi sagt

      Liebe Bärbel
      Dein vorletzte Satz ist der Grund, warum wir den Dialog hier führen. Und mittlerweile über 200 Kommentare in einem anständigen, aber kritischen Stil zeigen, dass ein Miteinander möglich ist. Danke für Deinen Beitrag.
      Bauer Willi

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  2. Sohn eines Landwirts sagt

    Sehr geehrte Diskussionteilnehmer,

    ich bin seit einiger Zeit stiller Mitleser eurer Beiträge, leider habe ich es nicht geschafft alle zu lesen. Ich bin selbst Landwirtsohn, jedoch arbeite ich in der Industrie, weit weg vom elterlichen Betrieb, und kenne somit beide Seiten.

    Ich habe ein paar Fragen zu dem weiteren Vorgehen:
    1. Wie geht es jetzt weiter mit dem viel beschworenen Dialog zwischen Bauern und Verbrauchern? Bauer Willi hat ja schon damit, mit dieser Seite angefangen und seine Lösung gefunden. Aber was ist mit dem Dialog im „Großen“ wie er zu Beginn hier gefordert wurde und wie Prof. Isermeyer ihn fordert. Wer traut sich daran? Oder machen alle einfach weiter wie bisher? Man konnte hier ja sehr gut sehen, dass eine Kluft zw. Verbrauchern und Landwirten gibt. Alles was die Landwirte machen ist aus Ihrer Sicht richtig, sie sind ja auch die Experten auf ihrem Gebiet. Jedoch ist es auch nicht unbedingt, dass was der Verbraucher wirklich will, oder vielleicht doch? Dies gilt es mit dem Dialog herauszufinden.

    2. Wer organisiert diese Dialoge? Wer wird eingeladen? Einfach eine Anzeige in dem Regionalteil der Zeitung? Dann kommen jedoch nur die, die wirklich interessiert sind, aber wie werden die restlichen Verbraucher erreicht. Oder kann man auf diese verzichten?
    3. Wer moderiert die Dialoge? Ich bin der Meinung, dass dieser Dialog von Profis moderiert werden sollte. Profis werden nötig sein, da die Tierschutzorganisationen, sicherlich kräftig mitmischen wollen und diese über entsprechende Mittel und Erfahrung verfügen, um solche Dialoge in ihrem Sinne zu führen/drehen. Jedoch muss das ja nicht die Meinung der Verbraucher sein, sondern es ist, zurzeit noch, nur die Meinung einer Minderheit .Frau Busse machen Sie mit? Zumindest in den ersten Runden?

    Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gekommen, dass es wirklich möglich ist die Verbraucher zu erreichen und die Kluft sehr wahrscheinlich gar nicht so groß ist. Der Verbraucher möchte einfach Transparenz und er will wissen, wie es den Tieren geht. Ich war gestern wieder mal auf einem Tag des offenen Hofes in der Gegend und ich habe keinen Verbraucher erlebt, hier das Tierwohl angezweifelt hat. Vielmehr kam die Frage auf, „und wo kann ich Ihre Milch kaufen?“ Tja. Von einer großen Milch Erzeuger Gesellschaft, die national und international agiert. Also für den Verbraucher ist unmöglich „die Milch“ von den gesehenen Tieren zu kaufen.

    Mich haben die ganzen Diskussionen, vor allem die Meinung der wenigen Verbraucher hier im Forum, aber auch die Gespräche, die ich im realen Leben geführt habe, darin bestärkt, dass es wirklich einen Weg gibt, den es sich lohnt zu gehen. Und hierzu gehört als aller erstes der Dialog. Wenn dieser nicht im großen Rahmen durchgeführt wird, dann werden wir diesen im kleinen Gruppen führen müssen.

    Viele Grüße

    1+
    • Bauer Willi sagt

      Lieber Sohn eines Landwirtes
      ja, leider haben sich die Verbraucher mittlerweile aus diesem Forum zurückgezogen, aber wenn Du die 700 Kommentare auf den Brief an den Verbraucher liest, haben wir sie damit doch erreicht. Die kamen fast ausschließlich von Verbrauchern.
      Zum großen Dialog: ja, diese Frage treibt mich auch um. Selbst Prof. Isermeyer hat es ja bei der Idee belassen. Das einfachste wäre es ja, ihn selbst zu fragen, warum er diese Idee nicht weiter verfolgt. Vielleicht mache ich das ja, ihn fragen. Aber gerne kannst Du das auch übernehmen. 🙂
      Eine Anzeige in der Zeitung wird nicht viel bringen. Wie Du schon sagst, kommen nur die, die es interessiert, also vehemente Befürworter und vehemente Kritiker. Das wird uns nicht weiterbringen. So wie ich Isermeyer verstanden habe, will er den Normalbürger in den Dialog einbinden, eben nicht die Interessensgruppen. Vermutlich wird dabei herauskommen, dass die Zahl der Kritiker gar nicht so groß ist, wie sie medial dargestellt wird. Der Normalo kauft doch jeden Tag unsere Produkte und macht sich nicht allzu viele Gedanken. Wahrscheinlich will er nur darin bestätigt werden, dass er unseren Produkten und damit uns Landwirten vertrauen kann. Das macht er beim Autokauf ja auch und fragt nicht nach, wie das Auto hergestellt wurde.
      Vertrauen herzustellen geht über Emotionen. Ich glaube nicht, dass wir ihn mit Fakten „erschlagen“ können. Wenn wir die 80 Mi. Verbraucher auf den Tag des offenen Hofes bekommen könnten, würden sie wahrscheinlich alle so reagieren, wie du es dargestellt hast „Wo kann ich deine Milch kaufen“. Und da beginnt das Problem. 80 Mio. kann man nur über die Medien erreichen und dazu bedarf es, so meine Meinung, einer lang angelegten Kommunikationsstrategie. Ich habe diese ausformuliert in meinem Rechner und suche dafür Mitstreiter. Ein paar habe ich schon, vielleicht übernehme ich mit diesem Projekt auch maßlos. Aber es ist ein Versuch wert. Ich habe in den nächsten Wochen und Monate einige Termine, wo ich dieses Konzept vorstellen werde.
      Ansonsten ist jeder aufgefordert, Stellung zu beziehen. Ich bekomme aber auch Kommentare von Berufskollegen, die es einen Scheißdreck interessiert, wie der Verbraucher zu uns Landwirten stehen. Die wollen einfach ihren Betrieb noch größer, noch effizienter machen und die Stückkosten weiter senken. Die wünschen sich auch, dass Bauer Willi endlich die Schnauze hält. Doch das werde ich nicht tun, vorerst nicht. Dein Kommentar motiviert mich, weiter nach Wegen zu suchen, wie wir den angefangenen Dialog weiterführen können. Ich bin für jede Unterstützung und jeden Kommentar von deinem Format dankbar.
      Bauer Willi

      0
      • Kirsten Wosnitza sagt

        Lieber Willi,

        was denkst Du, würden diejenigen, von denen Du sagst, sie würden nach jedem Hofbesuch fragen „Wo kann ich Deine Milch kaufen“ dies auch bei allen anderen tierischen (Fleisch-) Produkten tun? Sie haben ja auch beim Milchbauern nach der Milch und nicht nach dem Fleisch gefragt.

        Meiner Meinung nach ist das zu einfach gedacht und trifft den Kern der Debatte nicht. Milch ist einfach, Fleisch nicht.

        0
      • Gerhard Kuhlmann sagt

        Lieber Bauer Willi, ich bin Verbraucher mehr und mehr kritisch geworden, insbesondere durch div. Dokumentationen über die ‚Qualität‘ der im Einzelhandel angebotenen Lebensmittel. Auch machten mich Gespräche mit meinen über 90jährigen Eltern, die beide aus kleinbäuerlichen Betrieben stammen, über die (gefühlte/nachgewiese?) Zunahme bestimmter Krankheiten stutzig. Ich frage nach und stieß so auf Felix von Löwenstein und Tanja Busse.
        Mit meinem Bruder teile ich seit kurzem ein Fleichpaket aus ökologischer Haltung (Angusrinder). Ich werde teilnehmen an solidarischer Landwirtschaft.
        Gleichwohl fällt mir auf (z.B. an den Klickzahlen auf Youtube), dass fundierte und umfassende Kritik an unserer Ernährung/Produktionsweise/Resourcenverschwendung wenig registriert wird. Auch bei den politischen Parteien ist das alles leideer nur ein Randthema.
        ‚Ich sprüh’s auf jede Wand‘ ökologische Landwirtschaft braucht das Land!

        0
  3. Andreas H. sagt

    Wenn hier die Diskussion „abebbt“, liegt das aber nicht an Frau Busse, sondern wohl an zu hoher Emotionalität der Bauern. Ein Dialog sollte ein fortlaufender Prozess sein und ergebnisoffen.

    Ich sage es noch einmal, der Titel „Wegwerfkuh“ ist total richtig. Bei den Milchrindern ist der Fleischansatz Nebensache und Schlachterlöse nebensächlich. In der DDR gab es auch so Hungerhaken die von Viehhändler als „halbe Kühe“ gehandelt wurden. Habe ich selbst gesehen und gehört.

    Seid nicht so empfindlich und schreibt so, dass sich Verbraucher hier endlich melden. Außerdem schreibt so, dass es auch noch Nachahmer der Frau Busse geben wird.

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    • bauerhans sagt

      ..in der ddr gabs keine viehhändler,höchstens westdeutsche aufkäufer….

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      • Andreas H. sagt

        Wie kann man so spitzfindig sein. Unglaublich. 89/90 ist die ganze „Infrastruktur“ der DDR zusammengebrochen. Natürlich habe ich von der Zeit nach dem Mauerfall gesprochen, als Viehhändler pro LKW Tour (Ost) 15000 DM hatten und wir unser Vieh nicht mehr los wurden.
        Ich überlege wirklich die Diskussions“unkultur“ im Netz als krank zu bezeichnen, insbesondere bei Bauern. Es geht nur noch darum den Diskussionspartner anzusauen und schlecht zu machen. Möglicherweise bildet der Bauernverband sogar so aus. Es gibt da ja Kurse…

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    • Bernd K sagt

      Soweit ich mich erinnern kann, hatten sich die DDR Tierzuchtwissenschaftler eine eigene Rasse zusammengebastelt, die einen hohen Genanteil Jersey hatte und ein extremes Einnutzungsrind war. Eine Holsteinkuh hat ein ganz anderes Kaliber.

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      • bauerhans sagt

        SMR rinder hiessen die,glaube ich.
        ich weiss noch,dass ich 1992 einen wiedereinrichter im oderbruch besucht hatte,der HF rinder in die kleinen boxen der SMR rinder stellte und nur probleme bekam,der hatte sogar ne melkerfamilie aus bayern oder bawü mitgebracht.

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  4. Sehr geehrte Frau Busse,
    die Diskussion ebbt hier so langsam ab. Ich möchte Sie aber noch auf ein Phänomen aufmerksam machen, wie ihre (z.T. berechtigte) Kritik mit schlagzeilenträchtigen Überschriften von radikalen Tierschützern, Veganern und anderen Extremisten verwendet wird, einen völligen Rundumschlag gegen die deutsche Landwirtschaft zu unternehmen. Diese Gruppen fühlen sich sich in ihrem Handeln auch durch mit „Wegwerfkuh“ titulierten Büchern bestärkt. So haben viele Landwirte es mit ernst gemeinter Kritik zu tun, aber im Schlepptau auch immer mit heftiger Ablehnung.
    Dass die Landwirtschaft dabei selber auch zu dieser Situation beträgt, möchte ich gar nicht leugnen. Wir (ich bin selber auch Landwirt) müssen kritikfähiger werden und noch früher mehr Mut zur Selbstreflexion und Selbstkritik entwickeln.
    Ich würde mich freuen, wenn Sie sich in einigen Diskussionen einschalten würden und den radikalen Diskutanten („Bullenkälber werden Ermordet“ „Zwangschwangerschaft von Kühen“ „Vergewaltigung“ „Schlachtkörper sind Leichen“ etc.) ein wenig den Wind aus den Segeln nähmen…
    Aktuell gibt es im ländlichen Emsland ein Projekt zwischen Landwirten und einer Grundschule, in dem wöchentlich den Kindern die Arbeit der Landwirte (theoretisch, kulinarisch und praktisch vor Ort) vorgestellt wird.
    Eine lobende Erwähnung meinerseits auf Facebook erntete promt Fundamentalkritik:
    https://www.facebook.com/BlogAgrar/posts/10155672086350352?hc_location=ufi

    Im März erntete ich einen kleinen veganen Shitstorm, nachdem ich ein Kinderbuch über moderne Landwirtschaft vorgestellt habe. (https://www.facebook.com/BlogAgrar/posts/10155321901125352)

    Ich hoffe, sie verstehen, was ich meine. Wollen wir über Veränderungen in der Tierhaltung reden oder steht die Tierhaltung als Ganzes zur Disposition? An dieser Stelle vermisse ich eine sehr deutliche Abgrenzung zu Hilal Sezgin, Peter Singer, PeTA !

    2+
    • Biobauer Andreas sagt

      vornweg: Peta, Hilal etc. sind auch nicht meine Freunde, aber als Landwirt UND Tierschützer darf ich meinen Kollegen einen Rat geben: Achtet auf die Wortwahl!

      Das Beispiel: „von radikalen Tierschützern, Veganern und anderen Extremisten..“ heisst letztlich exakt, dass alle Veganer Extremisten sind und das beleidigt diejenigen, die bewusst auf alles tierisches verzichten, aber sehr wohl uns Bauern dankbar sind, dass wir leckeres Getreide und Gemüse für sie anbauen. Denn das wird in den Diskussionen gerne vergessen: Bauer scheint nur der zu sein, der Vieh hält. Was aber ist mit Gemüsebauern und viehlosen Betrieben? Sie bekommen die volle Pauschalkritik ab, nur weil einige Tierhalter wirklich kritikwürdig handeln (müssen).

      Zweitens: viele Kollegen habe (in anderen Foren und auf Facebook) das Buch von Tanja heftigst kritisiert, es aber (auf Nachfrage) gar nicht gelesen! Und das geht nun mal gar nicht. Man kann Tanja meinetwegen vorwerfen, dass der Titel reisserisch ist und gedacht war zunächst viel Aufmerksamkeit für das Buch zu erzeugen, aber was da von einigen über Tanja Busse zu lesen war, war unter aller Würde!

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      • Bernd K sagt

        Naja, wenn man ein Buch „die Wegwerfkuh“ betitelt, darf man sich nicht wundern. Ein weniger poentierter Buchtitel hätte aber auch nicht genug Leser aus dem angepeilten Lager gefunden. Da darf sich Frau Busse nicht über Anfeindungen wundern, und ich glaub sie kann ganz gut damit leben.
        Noch was: sollte ein Biobauer nicht auch Vieh halten, wegen der Kreisläufe und so? Aber ich will da nicht so ins Detail gehen. Sonst artet dieses Forum noch mehr in ethische und weltpolitische Spähren aus!

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        • Biobauer Andreas sagt

          Tanja hat ja im Willi-Interview eingeräumt, dass der Titel unglücklich gewählt war, vermutlich hat aber auch der Verlag, denn dem geht es meist eher um Auflage da auch Druck gemacht. Für mich zählt der Inhalt und nicht die Verpackung, der Name oder die Person, die es geschrieben hat und am Inhalt gibt es kaum was zu bemängeln.

          Biobauer können, aber müssen kein Vieh halten (ausser bei Demeter, da ist es aus ideologischen Gründen Vorschrift) 25% aller Bioland Betriebe arbeiten viehlos.

          In der öffentlichen Diskussion tritt aber oft die Differenzierung zwischen guter Biobauer und schlimmer Konventioneller auf. Das halte ich für Unsinn, obwohl auch ich als radikaler Vertreter von Bio das konventionelle System kritisiere. Aber es gibt gute und schlechte Bauern, auch bei den Biobauern und wenn man schaut, was meine grössenwahnsinnigen Biokollegen so alles anstellen, kommt der „Biobauer“ in der Diskussion oft zu gut weg, andererseits steht Bio immer unter dem Generalverdacht „alles Betrug“, oder wie im ironischen Beitrag von Alex „eh alles aus dem Ausland, das meiste davon eingeflogen“ was auch wieder dämlich ist. Daher brauchen wir Dialog, zwischen Bauern und vor allem mit den Verbrauchern.

          2+
  5. Andreas H. sagt

    Der WLV Bauernverband ist offenkundig für Weidehaltung. Ist doch was.

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  6. Rufer aus der Wüste sagt

    Kommentare sind ja schon viel geschrieben worden. Nur mit den Loesungen tut man sich noch schwer. Oder gibt es schon Loesungen in den tausenden von Kommentaren?

    Hier wird blos gejammert. Egal welche Seite, wie es einem schlecht geht, anstatt das man die Politik oder die Interessenvertreter mal bedraengt an der Sache etwas zu aendern.

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    • Kirsten Wosnitza sagt

      Lieber Wüstenrufer, ja, es sind schon Lösungen vorgebracht worden und ja, im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter treten wir den Politikern und Vertretern der Milchindustrie ständig auf die Füße und suchen wo es geht den Kontakt zu Verbrauchern und gesellschaftlichen Gruppen. Von daher ziehe ich mir den Vorwurf des „bloß Jammern“ nicht an. Was machst DU konkret?

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      • Rufer aus der Wüste sagt

        Ich bin ausgewandert. Glaubt irgend jemand das den Politikern oder den Konzernen das Wohl der Verbraucher am Herz liegt?
        Da geht es nur um Rendite, nichts anderes. Und das um jeden Preis.

        Wie soll der deutsche Bauer mit den grossen Hoefen im Ausland konkurieren?
        Durch billige auslaendische Arbeitskraefte, oder?

        Sucht euch Loesungen ohne die Politik und die Interessenvertreter, denn die Vergangenheit hat gezeigt das man durch die nur verraten wird.

        Oder haben sich welche kaufen lassen durch Festschreibung der Preise bei den erneuerbaren Energien? Auf 20 Jahre eine Preisfestschreibung ist schon ein Sahnestueckchen. Wer bekommt das schon?

        Manchen Kommentarschreibern wuerde ich einmal empfehlen sich an das Rinderschlachtband zu stellen. Ganz am Anfang wo die Fuesse und alles noch dran ist. Da sieht man dann erst was die Bauern alles im Stall haben und dann raus muss.

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    • bauerhans sagt

      das stimmt aber nicht,dass hier nur gejammert wird!!!
      ich finde,es sollten mehr verbraucher ihre meinung schreiben…..

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  7. Holger Martens sagt

    „Wegwerfkuh“ ist ein journalistischer Appetizer, der die Aufmerksamkeit auf ein Problem lenkt, das über Jahrzehnte vernachlässigt bzw. bagatellisieret worden ist. Es ist die Problematik der zu kurzen Nutzungsdauer der Milchkühe, die zurzeit im Durchschnitt weniger als 3 Laktationen beträgt. Diese geringe Nutzungsdauer ist ökonomisch fragwürdig, weil sich das maximale Leistungsvermögen der Milchkühe erst in der 3. bis 5. Laktationen ergibt und die optimale ökonomische Nutzungsdauer sogar 7 Laktationen umfasst. Das vorzeitige Ausscheiden der Kühe aus dem Produktionsprozess ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen primären Selektion auf Milchleistung unter Vernachlässigung gesundheitlicher Aspekte. Hohe Erkrankungsraten – Fruchtbarkeitsstörungen, Eutererkrankungen, Lahmheiten und Belastungen des Stoffwechsels – sind die Folge hoher Milchleistungen und verursachen die erwähnte und viel zu kurze Nutzungsdauer. Eine Kritik dieses Zustandes richtet sich nicht gegen die Landwirte, die unter hohem Einsatz und mit viel Sachverstand Milchviel halten und die Ernährung mit Milch und Milchprodukten sicherstellen, sondern wirft das Schlaglicht auf einen Sachverhalt, der weder ökonomisch noch aus Gründen der Verantwortung gegenüber dem Nutztier Milchrind gerechtfertigt werden kann. Diese Diskussion ist überfällig, schließt die Problematik des Schicksals der Bullenkälber und den beschämend niedrigen Milchpreis ein – zum Vorteil der Landwirte und zum Nutzen der Gesundheit der Tiere.

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    • Biobauer Andreas sagt

      Lieber Herr Martens,
      wie schätzen Sie die Möglichkeit ein, weniger Kälber zu erzeugen, indem man die Zwischenkalbezeit sagen wir mal 3 Monate verlängert. Wie würde sich das auf die Gesundheit der Kühe auswirken?

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      • Kirsten Wosnitza sagt

        Ich bin zwar nicht Herr Martens, aber würde gerne etwas dazu sagen: Gerade bei Hochleistungskühen ist es gar kein Problem, die Besamung etwas heraus zu zögern. Alles eine Frage des Managements. In einem Kommentar wurde auch das Erstkalbealter angesprochen. Meiner Meinung nach ist es für den betrieblichen Erfolg nicht kriegsentscheidend, ob das Rind mit 24 oder 27 oder 29 Monaten kalbt. Wenn man in die Statistik schaut, haben durchaus auch Kühe mit höchsten Lebensleistungen nicht unbedingt ein ganz junges Erstkalbealter. Was mich beunruhigt ist, dass anscheinend immer bei großen Jungtierzahlen Hormonprogramme gefahren werden, um die Färsen zu besamen. Wenn dies zum Standard wird, wird es nicht zur Akzeptanz unseres „natürlichen“ Produktes Milch beitragen.

        1+
        • Biobauer Andreas sagt

          nach meiner Grafik erzielt man die höchste Nutzungsdauer, wenn das EKA über 30 Monate liegt, mir leuchtet auch nicht ein, warum man Färsen nicht so knapp füttern kann, dass sie nicht verfetten und dann auch älter noch gut aufnehmen. http://lebenshof.org/hh/31.jpg

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          • Kirsten Wosnitza sagt

            Also es ist ja kein Problem, die Färsen schon rechtzeitig zu besamen, wenn sie gut drauf sind und alles passt. Man MUSS sie ja nicht zum ersten Abkalben 30 Monate werden lassen. Aber ich halte nichts davon, sie so enorm zu pushen. Färsen sollten natürlich auch bestes Futter bekommen, sind aber oftmals Resteverwerter auf den Betrieben, was häufig auch nicht schadet. Wenn sie auf der Weide aufgezogen werden und man keinen Bullen möchte, verschiebt sich das EKA ohnehin ein wenig.

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  8. Gülle-Doktor sagt

    Traut sich jemand der Diskussionsteilnehmer zu, die bisherige Diskussion so zusammenzufassen, dass auch diejenigen, die sie nicht laufend verfolgen konnten, etwas davon mitnehmen können. Mich würde beispielsweise brennend interessieren, ob es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Jahres-Milchleistung, Bestandsgröße und Nutzungsdauer bzw. Lebenserwartung der Kühe gibt. Ich vermute allerdings, dass die Qualität und das Können des Halters die o.g. Einflüsse überdeckt.

    Gibt es jemanden mit dem notwendigen Sachverstand und Mut. Vielleicht tun sich ja auch zwei zusammen. Ich würde mich freuen.

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    • Biobauer Andreas sagt

      mein Versuch:
      es ging u.a. darum, ob bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von 2,9 Laktationen, bzw. einem Abgangsalter von 5,7 Jahren der Begriff „Wegwerfkuh“ angemessen ist.

      Entsprechend, ob bei einer Kälbersterblichkeit von > 10% man von passivem Töten durch Vernachlässigung sprechen kann.

      Anbetracht eines biologisch möglichen Alters von ca. 20 Jahren sind die 5,7 Jahre für einige ein Skandal, andere sehen darin kein Problem, solange 2-3 Kälber zur Weiterzucht geboren werden. Den Mittelweg bilden jene, die in längerer Nutzungsdauer die höhere Wirtschaftlichkeit erkennen und die Chance bei Milchrassen mehr mit Fleischbullen zu besamen, um die Kälber besser vermarkten zu können.

      Umstritten war, ob das Abgangsalter in den letzten Jahren gesunken oder gestiegen ist. Nach meinen Daten ging es in den letzten 40 Jahren um 2 Jahre im Schnitt zurück, hat sich aber in den letzten 10 Jahren stabilisiert und steigt seit ca. 3 Jahren wieder leicht an.

      Ebenso strittig ist, ob der Rückgang der Nutzungsdauer ein Indiz für weniger Tierwohl ist. Angeführt wurde, dass durch Laufställe und besseres Management das Tierwohl enorm gewachsen sei, eine Auswirkung auf die Nutzungsdauer hatte es wohl nur indirekt, indem es negative Auswirkungen einer einseitigen Zucht auf Milchleistung abgemildert hat.

      Uneinigkeit besteht in der Frage, warum Kühe aus dem Bestand gehen und ob diese im Bestand auch schon krank sind. Laut unterschiedlichen MLP Daten gehen Kühe zu 3/4 wegen Unfruchtbarkeit und Krankheit und nur zu 1/4 zur Zucht oder wegen geringer Leistung aus dem Bestand. Eine unfruchtbare Kuh geht i.d.R. ohne vorher zu leiden zum Schlachter, bei Klauen- und Euterproblemen dürfte das aber anders sein, so dass die Aussage, dass ein Teil (wieviel?) der Kühe im Bestand chronisch krank sind, nicht ganz falsch ist.

      Zu Deinen Fragen Zusammenhang Bestandsgrösse / Leistung scheinen die Daten recht eindeutig zu sein. z.B. steigt die Kälbersterblichkeit statistisch mit der Bestandsgrösse und das Abgangsalter von Hochleistungsrassen HF liegt unter dem anderer BV, FV. Ebenso ist die Nutzungdauer in Bundesländern mit grossen Kuhbeständen (z.B. MV) deutlich geringer als bei den kleiner strukturierten Ländern Bayern und BaWü.

      Der Ansatz weniger Kälber durch längere Zwischenkalbezeit zu erzeugen scheint auch umstritten. Es besteht hier sicher Forschungsbedarf, eine leichte Verlängerung der ZKZ bei Hochleistungskühen scheint aber möglich und vor allem auch wirtschaftlich zu sein Quelle: http://www.landwirtschaft-mv.de/cms2/LFA_prod/LFA/content/de/Fachinformationen/Betriebswirtschaft/Oekonomie_Tierproduktion/Zwischenkalbezeit/Zwischenkalbezeit.pdf

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    • Kirsten Wosnitza sagt

      Der Deutsche Holstein Verband hat gerade seine Zahlen über seine Herdbuchkühe (ich glaube ca 2/3 der Kühe) veröffentlicht. In Bezug auf die Nutzungsdauer in Monaten ergeben sich folgende Zahlen

      < 40 Kühe 39,7 / 40 – 99,9 Kühe 39,4 /100 – 199,9 Kühe 39,1/ 200 – 499,9 Kühe 36,6/ 500 Kühe 34,7

      also 5 Monate Unterschied zwischen der kleinsten und größten Klasse. Wie das im Vergleich zu anderen Rassen mit geringerer Durchschnittsleistung aussieht kann ich nicht sagen. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat sich die Nutzungsdauer in der großen Klasse um 1 Monat im Vergleich zum Vorjahr erhöht, während sie in der kleinen Klasse stabil geblieben ist.

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      • Andrea Rahn-Farr sagt

        Kirsten Wosnitza, sind das die Zahlen der Abgangskühe oder des lebenden Bestandes? Die Unterscheidung ist wichtig – in wachsenden Betrieben ist der Anteil an Färsen im Bestand immer höher als in nicht wachsenden.

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        • Kirsten Wosnitza sagt

          Das ist quasi die Ergänzung zur Tabelle Milchrind 2 2015 S 32, abgegangene Kühe.

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  9. Uli49 sagt

    Frau Sauter fordert mich auf konkret zu werden und Frau Rahn-Farr fragt, was mich denn bewegt. Tatsächlich sehe ich die Milchviehhaltung nicht als die aller dringendste Baustelle an. Wie weiter unten beschrieben, ärgert mich am meisten, daß ich mir die Hacken ablaufe und trotzdem kein Fleisch aus artgerechter Haltung kaufen kann. Frau Busse beschränkt sich in ihrem Buch (ich habe es gelesen) nicht nur auf die Milchkühe, sondern der Blick geht auf die gesamte landwirtschaftliche Produktion. Auf Wunsch von Frau Rahn-Farr kann ich aber gerne ein Beispiel aus der Milchviehhaltung nehmen. Das, was mir wichtig ist, kann ich daran ebenfalls aufzeigen. Ich habe mir auf stallbesuch.de die 3 Videos mit Frau R-F. angesehen. Hut ab, Sie sind ein wirklicher PR-Profi. Besonders der Kuß von der Kuh („wie süß“) wird alle Landlust-Leserinnen dahinschmelzen lassen. Trotzdem wollte ich bei Frau R-F keine Kuh sein. Lieber wäre ich eine Kuh bei meinem Nachbarn. Ich wohne im Außenbereich und mein Nachbar ist Milchbauer, 100 Meter von meinem Grundstück beginnt seine Weide. Gestern sah es da so aus:

    Die Wiese könnte zwar etwas besser gepflegt sein, aber die Kühe scheinen sich wohl zu fühlen, man beachte die Hörner! Mein Nachbar ist ein konventioneller Landwirt, mit Öko hat er nichts am Hut. Er hat seinen Bestand in den letzten Jahren nicht erweitert, die Vergrößerung seines Stalls vor 2 Jahren musste er machen, weil er davor noch Anbindehaltung hatte. Man könnte ja nun (frei nach Friedrich dem Großen) sagen, daß jeder nach seiner Facon selig werden soll, aber das verhindert Frau R-F. In ihrem Video erklärt sie, daß sie gerade erst ihren Bestand vergrößert hat und die nächste Ausbaustufe bereits fest beschlossen ist. Diese aggressive Expansion der „modernen“ Betriebe wird mein Nachbar nicht überleben. In diesem Wettbewerb um den niedrigsten Preis, den Betriebe wie der von Frau R-F auslösen, versucht er z.Zt. noch durch Selbstausbeutung sich zu behaupten, aber das wird nicht mehr lange gut gehen. Auch volkswirtschaftlich ist die Bilanz negativ. Frau R-F gibt im Video an, daß ihre Angestellten Minijobber auf 450 Euro Basis sind. Bei der nächsten Betriebserweiterung wird sie diese Beschäftigung ausweiten. Dafür fallen bei meinem Nachbarn 4 Vollzeitarbeitsstellen weg. Die modernen Landwirte werden sagen, das sind eben die Marktgesetze und die Globalisierung, wenn wir nicht billiger werden, dann kommt die Milch aus dem Ausland. Für Bauern wie meinen Nachbarn ist da halt kein Platz mehr. Wollen wir das?
    Warum werden Agrarsubventionen nicht an das Tierwohl gekoppelt? Wer Weidegang anbietet bekommt mehr als der mit Laufstall und bei Anbindehaltung gibt es nichts. Dann könnte mein Nachbar überleben. Prof. Isermeyer hält solche nationalen Lösungen in der EU mittlerweile für Machbar. Das Pendel schwingt gerade zurück, es muß nicht mehr alles EU-einheitlich geregelt werden (siehe Atomausstieg).
    Ich habe auch noch ein privates Interesse, daß mein Nachbar überlebt. Die Straße zu seinem Hof führt an meinem Haus vorbei und wird für das Milchauto im Winter jeden morgen als erstes geräumt. Wenn das wegfällt, wird es schwer für uns, zur Arbeit zu kommen. Die Infrastruktur auf dem Land leidet, wenn die Höfe sterben.
    Grüße Uli

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    • Kirsten Wosnitza sagt

      Ich glaube, eine Schwarz-Weiß Sicht, Groß-Klein, Gut-Böse bringt uns nicht weiter. BISHER war es möglich, in den unterschiedlichen Regionen angepasst an Standorte, soziale Verhältnisse, Alternativen usw. unterschiedliche Strukturen lebendig zu erhalten. Auch ich habe Sorge, dass wir immer mehr zum Einheitsbetrieb kommen, wie zB in der Geflügel- oder beginnend auch in der Schweinehaltung. Die dort verwendeten Normställe können fast überall auf der Welt aufgebaut werden. Mit Futtermittelimport und Nährstoffexport wird noch mehr möglich. PRODUZENTEN WERDEN AUSTAUSCHBAR! Was beflügelt eine solche Entwicklung. Zum Einen Agrarpolitik. Die Verteilung der Prämien (lange Zeit hat Acker deutlich mehr bekommen als Grünland) ist ein Eckpunkt. Unterstützend wirkte und wirkt auch eine einseitig ausgerichtete Beratung. In beiden Punkten sind wir Milchviehhalter selbst viel zu lange passiv gewesen, haben zu wenig eingefordert und Dinge einfach geschehen lassen. Was ich sagen möchte ist, dass es Standorte gibt, an denen eine gute Stallhaltung durchaus von Vorteil für Mensch, Tier, Region sein kann. Auf anderen Standorten passt Weidehaltung hervorragend – nur leider wird sie den Milchviehhaltern dort viel zu oft von Politik und Beratung ausgeredet. Da sollten wir Landwirte unsere unkritische Haltung ablegen und von Beratung und Wissenschaft deutlich mehr einfordern und auch mal nach links und rechts schauen, um herauszufinden, was individuell passend und richtig ist. Sicherlich sollte auch am Prämiensystem etwas geändert werden. Das TI hat längst ausgerechnet, dass ein Ausgleich für die höheren Ackerbaustandards in der EU im Vergleich zum Weltmarkt deutlich unter den derzeitigen Prämien liegt. Wenn man möchte, dass arbeitsintensive Verfahren, wie intensive Tierbetreuung bei uns in der EU bleiben, dann muss hier nachgesteuert und die Prämienverteilung an den Arbeitszeitbedarf gekoppelt werden. Das muss nur politisch gewollt sein.

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    • Andrea Rahn-Farr sagt

      Hallo Uli49,
      schön dass sie sich den Beitrag auf stallbesuch.de angeschaut haben. Als „PR-Profi“ hat mich bisher noch keiner bezeichnet – warum auch, wenn ich mich auch nur 5 Minuten in irgendeine Ecke des Stalls stelle, bin ich umringt von einem Pulk meiner Damen. Das gute Verhältnis zwischen Mensch und Kuh in einem Milchviehbetrieb als PR-Gag anzusehen, ist für mich irgendwie herabwürdigend.
      Anscheinend habe ich mich nicht immer klar ausgedrückt in dem Film – wir beschäftigen neben den 5 fest angestellten Mitarbeitern auch noch Minijobber. Aktuell helfen mir zwei junge Frauen (mit kleinen Kindern) für 2-3 Melkzeiten die Woche beim Melken. Ich halte das nicht für verwerflich, vielleicht wäre es auch für Ihren Nachbarn geeignet als eine kleine Maßnahme gegen die von Ihnen beschriebene Selbstausbeutung.
      Ich fürchte allerdings, dass ich Sie mit keiner noch so großen Anstrengung meinerseits beeindrucken kann – weder mit Kälbersterblichkeitsraten von unter 2%, noch mit Weidegang, den wir den trocken stehenden Kühen Sommers wie Winters gewähren (zur freien Auswahl), noch mit guten Fruchtbarkeitskennzahlen. Erst recht nicht mit der Aussage, dass wir die geplante Vergrößerung der Herde komplett aus der eigenen Nachzucht machen. Auch nicht damit, dass wir gleichzeitig mit dem Einzug in den Neubau zwei alte Ställe für Rinder, die in keinster Weise den Anforderungen an das Tierwohl genügen, stilllegen werden.
      Ich kann sie mit all dem nicht beeindrucken, weil das alles nicht ihrem Bild der Landwirtschaft entspricht. Bei uns gibt es nicht genug „Kuschelfaktor“, damit meine ich positive Emotionen beim Ihnen, dem hier exemplarisch vertretenen Verbraucher.
      Um es mit den Worten von Monika Mayer, einer sehr engagierten Biobäuerin aus Bayern, zu sagen: „Das Gegenteil eines wirtschaftlich denkenden Bauern ist nicht ein besserer Bauer, sondern gar kein Bauer.“

      Ich bin jedenfalls durch die Diskussion hier ein Stückchen weiter gekommen, warum es bei der Kommunikation zwischen Bauer und Verbraucher zu so vielen Missverständnissen kommt – der Bauer redet von Fakten und Zahlen, er zeigt, was er macht und warum er es macht, er versucht sich in Transparenz, um verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen – aber der Verbraucher sucht nach Emotionen, nicht nach produktionstechnischen Details.

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      • Kirsten Wosnitza sagt

        Frau Rahn Fahr, die Erkenntnis, dass eine rein „faktenbasierte“ Diskussion nicht erfolgreich ist, wurde in den letzten Wochen mehrfach auf verschiedenen Veranstaltungen anhand von Studien dargestellt. Hier geht es in der Tat um mehr, neben den ethischen Aspekten letztendlich auch um die Diskussion eines „Systems“ (was auch immer man dazu zählen mag). Als Milchviehhalterin finde ich Ihre Zahlen sehr beeindruckend und bin mir absolut sicher, dass Ihre Tiere auf einem sehr hohen Tierwohlniveau leben. Dass Sie und Ihre Familie Ihre volle Energie in all diese (Lebens-) Projekte investieren – mit besten Erfolgen. Da stellt sich tatsächlich die Frage – woran scheitert letztendlich die Kommunikation und noch wichtiger, das gegenseitige Verständnis? Vielleicht doch wieder die Einstellung zum „System“. Welche Art von Landwirtschaft wünschen sich kritische Verbraucher? Was muss sich an dem ändern, was wir tun? Wie stehen wir zu Wachsen oder/und Weichen? Wie viel Liberalisierung verträgt Landwirtschaft? Wie sieht es mit den Machtverteilungen im System der Ernährungswirtschaft aus? Diskutieren wir vielleicht an den falschen Schauplätzen? Sind wir selbstkritisch genug um glaubwürdig zu bleiben? Ich glaube, was die Menschen am meisten abhält Landwirten „zu glauben“ ist eine „Alls ist gut“ Strategie. Das ist jetzt allgemein formuliert und nicht auf Sie gemünzt.

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        • Schweinebauer Piet sagt

          In unserem Dorf haben wir Bauern schon Ansehen und man interessiert sich für das was wir machen. Die Frage die sich stellt ist vielmehr, ob die schlechte Stimmung gegenüber der Landwirtschaft nur Medien und Politik gemacht ist oder wie wirklich über unser Tun gedacht wird.

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          • Kirsten Wosnitza sagt

            Frag doch einfach die Leute, die sich kritisch Dir gegenüber äußern Piet. Bei der überwiegenden Mehrheit habe ich festgestellt, dass es sich um konkrete inhaltliche Kritik handelt.

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            • Schweinebauer Piet sagt

              Die Frage von mir sollte eher die Feststellung sein, dass die Landwirtschaft von den Medien und der Politik schlecht dargestellt wird. Die Dorfbewohner sehen das ähnlich.

              Was meinen Sie dazu?

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        • W. Toft sagt

          Hallo Kollegen, ich sehe ja schon bei Euch Differenzen, wie man mit dem komplexen Thema umgeht. Wie will man den Verbraucher mit ins Boot nehmen? Am meisten hilft ein Praktikum, wo der Praktikant alle Situationen auf dem Betrieb mitbekommt. Auf der sachlichen Basis hier im Netz kommen wir nicht weiter. Das bei all unseren Bemühungen, sich jetzt Aldi- Süd anschickt auf höhere Standards zu pochen, und das mit ruinösen Preisen, ist der blanke Hohn. Wir werden nur noch vorgeführt, müssen 365 Tage für unseren Betrieb da sein, und der gesellschaftliche Wert unseres Handelns wird nicht mal ein wenig gewürdigt.

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          • Kirsten Wosnitza sagt

            Willi mit wem redest Du, so dass Du zu hören bekommst, dass der gesellschaftliche Wert unseres Handelns nicht gewürdigt wird? Wie viele Menschen haben Dir das bereits gesagt, wenn Du mit Ihnen drüber gesprochen hast? In direktem Gespräch oder schriftlichem Austausch habe ich das bisher nur in absoluter Minderzahl wahrnehmen können.

            Es ist allerdings so, dass den Bauern von ihrem eigenen Berufsverband immer wieder suggeriert wird, dass jede Kritik an Haltungs- und Produktionssystemen eine Kritik am Bauern selbst bedeuten würde.

            Und wie man sieht, ist dieser Berufsverband damit recht erfolgreich.

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            • W. Toft sagt

              Hallo Kirsten, bei uns im Dorf ist die Welt noch relativ in Ordnung, da ist der Bezug auch eher da. Hast Du mal versucht einen Städter(Soll keine Wertung sein) die Landwirtschaft zu erklären, nachdem er nur die Medienberichte kennt. Ich habe das auch schon bei einigen unserer Bewohner mitbekommen, wie sie sich von den Medien angesprochen fühlen. In Einzelgesprächen werden wir keine Aufklärung betreiben können. Versuch mal die Menschen zu dem Thema einzuladen, da kommen nicht viele. Die Menschen werden immer abstumpfter durch die Medien-Flut! Der BV versucht das Beste, hat aber auch kein richtiges Konzept!

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              • Kirsten Wosnitza sagt

                Willi, ich habe schon viele Gespräche mit Städtern geführt, von denen 90 % sehr interessant und konstruktiv waren. Ich habe auch Anregungen und Nachdenkliches mitnehmen können. Auch mit verschiedenen Medien gab es schon gute Gespräche und gute Reportagen. Natürlich auch negatives, allerdings deutlich weniger. Und das passiert nicht nur uns Landwirten.

                Ich bin der Meinung, dass der Bauernverband sehr wohl ein Konzept hat. Da geht es in erster Linie darum, die Reihen nach innen zu schließen. (Und die Bauern in ihrer Opferhaltung verharren zu lassen.) Wenn Du die Diskussion um erfolgreiche Medienarbeit in den letzten Wochen verfolgt hast (zb Top Agrar online), dann wird Dir aufgefallen sein, dass es einige wichtige Kritikpunkte an der Öffentlichkeitsarbeit des Bauernverbandes gibt. Da sollte doch mal die Frage aufkommen, warum der Bauernverband dann nichts ändert….

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                • W. Toft sagt

                  Hallo Kirsten! Die Reihen hinter sich zu schließen ist doch eine gute Sache. Der BV vertritt die komplexen Interessen der Landwirtschaft gegenüber Politik, und hilft bei Rechtsfragen. Der BV wird auch bei neuen Gesetzesvorhaben gehört, aber eben neben all den anderen Verbänden, die sich dort Tummeln. Der Einfluss ist schwierig genug, sich dort Gehör zu verschaffen. Ich bin kein Funktionär des BV, damit wir das gleich klar stellen, wenn wir den BV noch besser aufstellen wollen, muss es aus den Reihen der Landwirte kommen. Wir müssen den Verband besser aufstellen, und alle Mitglied sein, damit auch die notwendigen Mittel für eine bessere Außendarstellung vorhanden sind.

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                • Kirsten Wosnitza sagt

                  Hallo Willi T., noch mal die Frage, wie viele Menschen haben Dir schon mal gesagt, dass sie Deine Arbeit nicht wertschätzen? Und – was ist so gut daran, wenn sich die Bauern in einer Opferhaltung (alle sind gegen uns) befinden? Wem nützt das (außer dem, der gerne der „Beschützer“ sein will)? Was hilft es den Bauern, wenn nach innen die Reihen geschlossen werden, nach außen aber eine Politik betrieben wird, die uns Bauern immer weiter ins gesellschaftliche Abseits stellt? Das hat nichts mit der Arbeit in den
                  Geschäftsstellen zur rechtlichen Beratung usw. zu tun, sondern mit Verbandspolitik.

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                • W. Toft sagt

                  Hallo Kirsten, direkt noch Keiner, denn ich muss mich ja ökonomisch verhalten, wurde mir entgegnet. Ich habe viel mit Naturschutzvereinen und Verbänden zu tun, die würden alle mehr ausgeben für Nahrungsmittel, wenn denn alles auf Biobasis produziert wird. Nur die Arbeit bleibt bei uns hängen, und wenn das Portmonee aufgemacht wird, greift man doch zum günstigen Lebensmittel. Du weißt das, ich weiß das, worüber unterhalten wir uns? Wie willst Du, der manchmal haltlosen Kritik Herr werden? Da kann sich der Verband um Richtigstellung bemühen, auf der anderen(Politischen) Seite wird ein neues Fass aufgemacht. Wenn ich jeden Tag meine Arbeit mache, ist das Frustrierend, was da auf uns ein-gedroschen wird, in den Medien. Der BV könnte dann in großen „Anzeigen“ das richtig stellen, was auch nicht billig ist. Das nenne ich Kreislaufwirtschaft, wir haben da nur nichts von. Wie willst Du diesen Kreislauf unterbrechen?? Wenn Du den Zirkel richtig ansetzt, hört das ganze Problem nicht an unserer Staatsgrenze auf, aber da haben wir keinen Einfluss darauf. Wir können aus D heraus auch nicht die ganze Welt verändern, wir können nur versuchen sie ein wenig hier vor unserer Tür verbessern.

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                • Kirsten Wosnitza sagt

                  Willi ich finde es ganz ganz schade, wie viel Frustration aus Deinen Worten spricht! Die Naturschutzleute geben vermutlich mehr Geld aus als der Durchschnitt, sie gehören zu den Biokunden. Andere kaufen konventionell. Sicherlich kommen auch Rufe nach billigen Lebensmitteln für sozial schwache Mitbürger. Hier muss ich aber sagen – die Bauern sind nicht das Sozialamt, wir können nichts dafür, wenn sich Menschen keine gute Ernährung leisten können, da muss man über das Thema Einkommen reden (niemand stellt eine generelle Forderung nach billigem Wohnraum auf. Es gibt Sozialwohnungen oder Zuschüsse, aber es sind nicht ALLE Wohnungen billig!).

                  An welche haltlose Kritik denkst Du konkret Willi?

                  Ich finde es gibt durchaus Dinge, die auch wir Bauern kritisieren würden – wenn wir uns trauen würden. Allerdings haben wir uns jahrzehntelang einreden lassen, alles was wir tun (sollen) sei ALTERNATIVLOS. Solch eine Grundhaltung ist in meinen Augen das Ende einer Weiterentwicklung der Landwirtschaft und dient nur zum Manifestieren des Alten (von dem oft Andere profitieren als wir Bauern) und ganz bestimmt nicht dazu, in Zukunft inmitten der Gesellschaft zu stehen, sondern vielmehr an ihrem Rand.

                  Wir können nicht die Welt verändern – das nächste Totschlagargument, das uns Bauern ruhig halten soll. Deutschland hat den Mut zum Ausstieg aus der Atomenergie gehabt. Wie sich die Energiewende weiter entwickeln wird, das wird man sehen. Nur – wenn nie irgendjemand voran geht, wird sich auch nie etwas verändern. Was meinst Du, wie viele Pessimisten es in der DDR gegeben hat. Hätte es nicht die vergleichsweise wenigen Mutigen am Anfang gegeben, dann hätte sich dort nie etwas verändert.

                  Deutschland kann seine Agrarpolitik in Maßen gestalten und hat großen Einfluss in Brüssel. Europa wiederum hat eine äußerst starke Agrarpolitik. Jährlich werden Milliarden eingesetzt, um Landwirtschaft in die eine oder andere Richtung zu lenken. All das passiert AKTIV. Und – noch haben wir in vielen Bereichen wirksamen Außenschutz in der EU. Es liegt schlichtweg an uns, ob wir diesen aufgeben oder sinnvoll gestalten.

                  Also alles in allem kein Grund mutlos zu sein Willi!

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      • Schweinebauer Piet sagt

        Guten Morgen, ein paar Besucher hatten wir in unserem Stall, die schon an Fakten und Zahlen interessiert waren. Beim Thema Geld und mehr Platz, haben sie zum Teil einsichtig gesagt, dass sie ja selber das billige Fleisch kaufen, also nicht mehr platz erwarten können.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Uli,
      es ist schön, wenn Du als Verbraucher Deine Sichtweise formulierst. Das geschieht leider nicht oft, dass Verbraucher klar zu einer Meinung stehen und auch zu einem wirklichen Dialog bereit sind. Dein Bild sagt klar, so will ich es haben mit dem Impuls, dieses „zu kaufen“, wenn Du die Möglichkeit dazu hättest. Das kannst Du aber so nicht kaufen, sondern Du kaufst Milchprodukte oder Rindfleisch und da sollte Deiner Meinung nach Dein Bild so mit dabei sein. Aber Dein Nachbar hat wahrscheinlich nun keine Direktvermarktung, sodass Du ihn direkt nicht unterstützen kannst, ausser Du gibst ihm einfach Geld dafür, dass er so weiter macht wie bisher.
      Was ich jetzt da so holprig beschreibe ist nämlich das Dilemma der Kunden oder auch des Staates mit den Landwirten. Das Geld wird an der Scannerkasse ausgegeben. Und von dieser Kasse sind die Landwirte sehr weit weg. Das „direkt Geld geben“ sind die Subventionen des Staates, der schon Jahrzehnte lang versucht ein bestimmtes Bild der Landwirtschaft (aus einem gesellschaftlichen Konsens heraus) zu formen oder zu erhalten. Dazu hat der Staat sogar eine beamtete Landwirtschaftsverwaltung aufgebaut, die es in keinem anderen Berufszweig gibt. Vor Jahrzehnten wurden auch schon mal garantierte Erzeugerpreise gezahlt (was zu Butterbergen führte) und die jetzt erst beendete Quotenregelung brachte eine bis dahin unbekannte Spezies der Landwirtschaft hervor: Die Sofamelker. Aber Deinem Wunschbild hat das wenig gebracht.
      Die Frage ist doch, wer kann was konkret tun? Wer übernimmt welche Verantwortung? Ich glaube, dass die Eigenverantwortung jedes Landwirtes und auch von jedem Verbraucher gefragt ist. Oder wollen wir tatsächlich, dass der Staat für den Einzelnen immer mehr Verantwortung übernimmt? (Zuckerbrot oder Peitsche). Ich glaube schon, dass ein Landwirt erkennen muss, dass er Unternehmer ist. Einfach nur zu produzieren und zu hoffen einen ausreichenden Preis zu bekommen ist wahrlich zu wenig Unternehmertum. Ebenso kann ein Verbraucher auch nicht einfach sich eine heile Welt wünschen, aber dafür immer weniger bezahlen wollen.
      Landwirte und Verbraucher müssen an der Scannerkasse zusammenkommen. Ich weiss, das ist auch ein Wunschbild von mir. Vielleicht ist es auch das Wunschbild, das hinter der solidarischen Landwirtschaft von Frau Busse steckt. Aber wir brauchen solche Wunschbilder, weil unser Unterbewusstsein genau dorthin steuert. Danke Uli für das Bild.

      Alois

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      • Kirsten Wosnitza sagt

        Alois, nur die Scannerkasse zu bedienen ist viel zu einfach. Wenn wir alle unserer Verantwortung gerecht werden würden, dann würde die Blitzkamera nicht vor dem Kindergarten des Nachbarortes Mütter von Kindern im Kindergartenalter mit überhöhter Geschwindigkeit fotografieren. Das Leben ist anders, wir sind alle nur Menschen!

        Ich persönlich würde einfach gerne in Deutschland in einen Laden gehen und nicht bei jedem Hosenkauf erst mal zu hause das Internet bemühen müssen um herauszufinden, ob Kinderarbeit bei meinem Kleidungsstück beteiligt war. Ähnlich geht es Konsumenten mit Nahrungsmitteln und so manch einer gibt auch wegen der Intransparenz im Laden auf.

        Natürlich greifen die Leute zum Schnitzel für 3,99 bei Famila. Sie würden vermutlich auch noch bei 5,99 zugreifen, wenn es das Angebot für 3,99 nicht gäbe! Bei 10,99 würden sie deutlich weniger kaufen, zumal sie ja schon jahrelang Schnitzel für 4,99 eingekauft haben. Bei der Milch wird es uns bald ähnlich gehen, sie wird zum Billigprodukt verkommen.

        Du sprichst von der Verantwortung des Produzenten. Da hast Du aber völlig Recht! Wir Milchviehhalter haben oft genug die Forderung gestellt, in Markt-Krisenzeiten allgemeinverbindlich in Europa die Produktion zu drosseln, um einen Preisverfall, wie wir ihn gerade jetzt wieder erleben zu vermeiden. Dies wird von der Milchindustrie (braucht genau diese billige Milch) und dem Bauernverband erfolgreich verhindert. Gerade gestern hat der BV wieder die Forderung nach politischen Instrumenten aus der Mottenkiste aufgestellt: Interventionspreis anheben! DAS FÜHRT NICHT SCHNELL ZU MARKTGLEICHGEWICHTEN, sondern eher wieder zu Pulverbergen. Und billige Kredite soll es geben, das bringt uns Bauern noch weiter in die Abhängigkeit vom Fremdkapital und in eine Endlosschleife. Welcher Verbraucher soll das noch verstehen? Es sind DIE BAUERN SELBST die BILLIG BILLIG produzieren und nicht Aldi und Co, die reagieren nur auf das Angebot am Markt!

        Die Politik soll sich raushalten schreibst Du. Naja, sie hat ja gerne den Ackerbauern viel Geld für ihr Land gegeben und das Grünland ohne Prämie gehen lassen. Dies war eine bewusste Steuerung der Landwirtschaft in eine Richtung, auch und gerade der Milchproduktion. Gerade die deutsche Bundesregierung sträubt sich dagegen, Prämien zB nach Arbeitsaufwand (zB Betreuungsaufwand Tierproduktion) zu verteilen und hat keine Problem, auch den 20 tausendsten Hektar einer Gesellschaft mit der selben Prämienhöhe zu versehen wie den 50. Hektar eines Milchviehbetriebes. Hier wird ganz bewusst Landwirtschaft in eine Richtung gesteuert. Leider verdrängen viele Bauern das.

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      • Uli49 sagt

        Hallo Alois, ich bin enttäuscht von der Diskussion. Ich will bestimmt keinen Streichelzoo, vielmehr habe ich mich ganz klar gegen das emotionale Video mit der küssenden Kuh ausgesprochen. Mir geht es um Fakten wie das Höfesterben. Ich habe dazu einen ganz konkreten Vorschlag gemacht, nämlich die Subventionen an das Tierwohl zu koppeln und z.B. für Weidegang mehr zu bezahlen. In meiner Naivität hatte ich gehofft daß jemand sagen würde „ich denke darüber nach“. Statt dessen wurde mir von Frau Wosnitza eine Schwarz-Weiß-Sicht vorgeworfen und Frau Rahn-Farr dreht meine Argumentation ins Gegenteil und behauptet, ich suche nur nach Emotionen. Ich habe darauf hingewiesen, daß das noch weitere Wachsen der Großen meinen Nachbarn zur Aufgabe zwingen wird und habe gefragt, ob die Gesellschaft das will, mit den aufgezeigten Folgen für die Infrastruktur. Frau R-F antwortet, daß sie die Vergrößerung der Herde komplett aus der eigenen Nachzucht machen wird. Als ob es eine Rolle spielt, woher die neuen Kühe kommen. Sie vergrößert ihre Produktionsmenge, das ist doch der Punkt. Wenn ich darauf hinweise, dann geht es mir doch nicht um Emotionen, es geht vielmehr um volkswirtschaftliche Fragen, um das Höfesterben. Im Moment handeln die großen Betriebe nach dem Motto „The winner takes it all“. Wenn ich dann noch lese, daß der unsägliche Jammer-Bauer Wessels aus der Jauch-Sendung im letzten Jahr 325.000 Euro Subventionen bekommen hat, kommt mir die Galle hoch. Frau R-F ist wahrscheinlich der Meinung, daß ich ihren Einsatz für ihre Tiere nicht genügend würdige. Ich bin sicher, sie gehört zu denen, die sich Gedanken über das Tierwohl machen, aber es gibt eben Bauern, die noch mehr tun. Es ist eine ethische und volkswirtschaftliche Frage, ob diese Bauern, die noch mehr für das Tierwohl tun, verschwinden sollen, oder ob wir uns Gedanken machen, wie wir deren Existenz stützen können. Es zeichnet sich ein langsamer Wertewandel in der Gesellschaft ab. Aldi ist da ganz nah am Verbraucher und registriert kleinste Veränderungen im Käuferverhalten. Aldi bringt jetzt eine „Bauernmilch“ heraus: http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/aldi-verkauft-kuenftig-regionale-bauernmilch-13617301.html
        Man mag davon denken was man will, ich sehe darin die Bereitschaft des Verbrauchers, mehr zu bezahlen, wenn er dafür auch einen Mehrwert bekommt. Einfach zu schreien wie Bauer Wessels „ich will mehr Geld“ honoriert der Verbraucher eher nicht. Ich kaufe übrigens Vorzugsmilch im Hofladen im Dorf.
        Grüße, Uli

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        • Kirsten Wosnitza sagt

          Hallo Uli, ich sehe keinen Grund zur Enttäuschung über diese Diskussion. Es nehmen verschiedene Menschen teil, die unterschiedliche Meinungen haben. Das finde ich gut, wir sind doch in keinem Einheitsstaat! Im Übrigen habe ich Ihnen nichts „vorgeworfen“, sondern nur meine Meinung gesagt. DAS ist Sinn einer Diskussion. Ich bin die Groß-Klein Debatte leid, weil ich in jeder Betriebsgröße Gutes und auch Schlechtes gesehen habe. Es gibt natürlich auch Dinge, die jeweils große oder kleine Betriebe besser leisten können. Und sicherlich gibt es immer wieder einen Punkt, an dem es abzuwägen gilt, ob und wann kritische Grenzen überschritten worden sind. Im Übrigen ist es auch nicht nur das Wachstum des Nachbarn, welches zum Aufhören „zwingt“. Wenn ich mit meinem kleinen oder mittleren Betrieb gutes Geld verdiene und gute Arbeitsbedingungen habe, dann kann es mir egal sein, wie groß mein Nachbar ist. Da kommt es vielleicht auf das Verhalten dieses Nachbarn an, ob er aggressiv nach „meinen“ Flächen schielt oder kollegial handelt. Auch dies ist nicht von der Größe abhängig.

          Aber natürlich ist es auch notwendig, eine Strukturdebatte zu führen. Das erfordert Mut von allen Seiten. Am meisten von den Bauern, bzw. ihren Verbänden selbst. Und dann natürlich von der Politik. Ohne ein „Leitbild“ wird man da nicht weiter kommen. Wie kann man in der Politik gestalten, wenn man gar kein Ziel vor Augen hat? Ich bin allerdings der Meinung, dass Verbände und die meisten Politiker sehr wohl ein Bild vor Augen haben, sich aber nicht trauen, dieses zu benennen.

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          • Biobauer Andreas sagt

            Uli49, ich kann Deine Enttäuschung ein Stück weit verstehen und evtl. auch erklären. Es gibt ja schon Bestrebungen aus dem politisch grünen Umfeld und von den Bioverbänden Tierwohl stärker zu fördern, so gibt es z.B. hier in BaWü seit dieses Jahr eine Weideprämie. Ich verzichte darauf, denn wie so oft, ist es zu bürokratisch, ich bin Bauer geworden um draussen zu sein, mit den Tieren oder auf dem Traktor, aber nicht um im Büro das geforderte Weidetagebuch zu führen und zu begründen, warum bei Starkregen meine Tiere lieber im Stall bzw. auf dem Auslauf bleiben, usw. Gerade im Biobereich unterliegen wir immer dem unterschwelligen „das ist sowieso alles Betrug“, dass die Politik selbst sich mit irrsinniger Bürokratie abzusichern versucht.

            Mein Vorschlag wäre auch z.B. Zuschüsse zu Stallbauten, wenn sie Erweiterungen sind, immer an den Nachweis zu koppeln, dass der Betrieb zu dem besten 1/4 in Sachen Tierwohl gehört.

            Doch zum eigentlichen Punkt: ich glaube oft scheitert die Diskussion an einer gewissen Betriebsblindheit bei Landwirten. [****] ein gutes Beispiel, [****] denkt und redet in Fachbegriffen, stets unter wirtschaftlicher Prämisse. Aber [****] bleibt innerhalb des Systems und tut sich schwer zu verstehen, dass es andere gibt, die das System als solches kritisieren. Und hier gehört Bauer Willi gelobt, dass er Systemkritiker wie Tanja Busse oder Felix zu Löwenstein zu Wort kommen lässt und sie den Bauern nahe bringt (denn leider lesen ja fast nur noch Bauern hier mit).

            Sicher kann man, wie [****], innerhalb eines Systems absolut erfolgreich sein, nur 2% Kälbersterblichkeit sind ein absoluter Topp-Wert. Aber zur Wahrheit gehört auch dass (bildlich gesprochen) [****] direkter Nachbar mit genausoviel Kühen eine Sterblichkeit von 18% hat, d.h. jedes fünfte Kalb stirbt (denn statistisch liegt der Mittelwert über 10%) und das ist doch der Skandal und zu dem habe ich noch nie ein einzig kritsches Wort von Andrea RF gehört.

            Wenn wir anschauen, was [****] macht: [****] vergrössert den Bestand, produziert mehr Milch, für die wir hierzulande keinerlei Nachfrage haben, Selbstversorgungsgrad Milch liegt im Land bei 120%. D.h. diese Milch wird z.B nach China exportiert, wo Kleinbauern ihre Milch wegschütten müssen, ihren Betrieb aufgeben und als Wanderarbeiter in die Städte ziehen und verarmen. Und das lässt sich [****] mit 84000 € Subventionen 2014 noch vom Steuerzahler bezuschussen. Von der von ihr geforderten Wirtschaftlichkeit ist [****] ja selbst als Vorzeigebetrieb weit weg.
            Selbst innerhalb des Systems könnte [****] auf Bioerzeugung umstellen. ARLA sucht zur Zeit Millionen kg Biomilch für den heimischen Markt, aber dann müssten eben alle Kühe auf die Weide und nicht nur die Trockensteher für 5 Wochen im Jahr.

            Aber denken wir in einem anderen System, und schauen was der Verbraucher wünscht und das ist einfach festzustellen, wir schauen an, was die Werbung ihm suggeriert: Das stehen behornte Kühe auf Weiden im Dauergrünland. Und da stellt sich die Frage, warum verstehen wir Bauern uns nicht mehr als Dienstleister und geben den Menschen was sie wollen? Ein Argument ist immer: weil sie es nicht bezahlen wollen. Aber das ist falsch! Der Milchpreis wird von Aldi gemacht und nicht von den Verbrauchern. Jeder würde locker 20 ct mehr zahlen können, 75 ct statt 55 ct je Liter Milch, wenn er wüsste das Geld kommt bei den Bauern an und diese verwenden es für mehr Tierwohl (und Bauernwohl, denn das die Betriebsleiter mit hohem Tierwohl das oft nur durch Selbstausbeutung erreichen, wurde schon gesagt). Aber mehr Geld versickert bei Molkereien, Verbänden und den Familien Albrecht (Aldi) und Schwarz (Kaufland, Lidl) die ohnehin schon zu den Top 10 Milliardären im Land gehören.

            Und wie gesagt, der Verbraucher ist auch Steuerzahler und somit bezahlt er im Schnitt 1/3 des Einkommens der Bauern auch jetzt schon und dafür hat er meines Erachtens das Recht zu erwarten, dass Tiere vernünftig gehalten werden und Kühe nicht nach 3 Kälbern überwiegend krank zum Schlachter gehen, er kann erwarten dass Artenvielfalt erhalten wird und nicht durch frühen Schnitt mit Silierketten kaum mehr Blühpflanzen auf den Wiesen zu finden sind, Schmetterlinge, Wildbienen usw. aussterben und er möchte hochwertige Produkte, z.B. mit hohen gesundem Omega-3-Fettsäurengehalt, die aber nur Kühe machen, die weniger Kraftfutter bekommen und vor allem auf der Weide ihr Futter selber suchen und nicht optimierten Einheitsbrei (TMR) vorgesetzt bekommen.

            Es wurde mir schon vorgeworfen, ich würde immer mit Ethik daherkommen, vielleicht habe ich das Thema nicht verstanden und in Willi´s Interview mit Tanja ging es nur um das technische Produkt Milch, ABER dann würde ich Willi bitten, als einen der nächsten Partner mal Jan Gerdes vom Kuhaltersheim Hof Butenland zu interviewen. Dann können wir auch über Ethik diskutieren.

            [Dieser Kommentar wurde Moderator abgeändert:
            Die Änderungen sind mit [****] gekennzeichnet. Persönliche Diffamierungen und Verletzungen sind nicht gestattet. Sie ersticken die Diskussion. Siehe Spielregeln ]

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            • Kirsten Wosnitza sagt

              Andreas, Du sprichst von den Steuermilliarden, die der EU Bürger für Agrar Politik und Maßnahmen für den ländlichen Raum ausgibt. Eigentlich könnten die Prämien doch weg oder eben für konkrete Maßnahmen ausgegeben werden. Dann würden Deine Argumente – der Bürger kann erwarten…. allerdings nicht mehr zählen. Ist es das was Du willst? Du schreibst doch selbst, dass Du keine Lust hast, dies und das zu dokumentieren. Das solltest Du auch anderen, konventionellen, Berufskollegen zubilligen.

              Wie stellst Du Dir die Zukunft dann vor – weniger 2. Säule (also Dokumentation) und dafür mehr Ordnungsrecht und damit mehr Kontrolle PLUS Dokumentation? Wie willst Du konkret umsetzen, dass es beispielsweise hauptsächlich Betriebe mit 60 Kühen und grundsätzlichem Weidegang gibt? Wie sieht Dein Leitbild aus und wie willst Du dort hin kommen?

              Im Übrigen sind mittlerweile in (meist grünen) verschiedenen Bundesländern Investitionsförderungen an Tierwohlkriterien gekoppelt, bzw. die Förderungssummen eingeschränkt. Ein Weideprogramm gibt es abgespeckt auch in SH.

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        • Alois Wohlfahrt sagt

          Hallo Uli,
          das ist Schade, dass Du enttäuscht bist von der Diskussion. Ich bin es nicht. Jedoch habe ich auch keine persönliche Zustimmung erwartet. Denn dadurch, dass Du Verbraucherwünsche formuliert hast, erleben wir eine mehr oder weniger typische Reaktion der landwirtschaftlichen Seite. Der Verbraucher hat emotionale-ethische Wünsche und der Landwirt antwortet mit verteidigenden Fakten. Wir sehen hier den absolut wunden Punkt der Kommunikation. Praktisch bedeuted das: Der Landwirt versteht den Verbraucher nicht und der Verbraucher versteht den Landwirt nicht. Weil wir gar nicht vom Selben reden.
          Das liegt für mich eindeutig daran, dass die Landwirte nicht den Verbraucher als Kunden haben, sondern die Verarbeiter und Großhändler. Aus deren Sicht machen die Landwirte hier alles richtig. Sie produzieren viel, sogar zuviel zum niedrigen Preis bei hoher Qualität. Der Verarbeiter verarbeitet dann den Rohstoff zum Verbraucherprodukt das den Wünschen der Verbraucher entspricht. Das machen Aldi & Co richtig gut. Sie binden dadurch Verbraucher und Lieferanten gleichzeitig.
          Nun, was kann man denn wirklich tun, damit sich da etwas zum Positiven verändert?
          Dein Vorschlag Subventionen an Tierwohl zu koppeln ist schon auf dem Weg. Das ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Ich glaube aber, der Schritt ist sogar zu klein. In der Praxis wird das ein Bürokratiemonster und es wird vor allem eines nicht bewirken: Die Grundeinstellung der Landwirte verändern. Diese werden weiterhin ihren Beratern das Wachsen oder Weichen als goldenen Weg abkaufen.
          Nein, wir müssen näher an die Wurzel des Übels heran. Beim Schachspiel gilt die einfach Faustregel: Wer das Zentrum beherrscht, beherrst das Spiel. Das Zentrum ist in diesem Falle der Kaufort der Produkte, oder wie ich schon in einem anderen Kommentar sagte, die Scannerkasse. Die Landwirte erkennen die Marktmacht der Giganten Aldi & co auch, aber mehr als verbale Attacken oder Aufrufe kommt dabei nicht heraus. Allerdings ist es auch nicht so einfach, dieses Zentrum erfolgreich zu nehmen.
          Aber wir können Strategien entwickeln, die uns Alternativen ermöglichen werden. Als erstes steht die Überlegung, wie wir Landwirte und Verbraucher in ihren Ansichten zusammenbringen? Und da mache ich nun einen unkonventionellen Vorschlag: Bindung von beruflicher Weiterbildung in Richtung Verbraucher- und Verkaufsschulung an die Vergabe von Subventionen. Das täte den landw. Unternehmern persönlich sehr gut, weil es den Horizont erweitert.
          Ich mache diesen Vorschlag aus einer eigenen Lebenserfahrung heraus. Ich war jahrelang „Feneberg von Hier-Landwirt“. Und Feneberg verlangt von seinen Vertragslandwirten, dass sie für Marketingzwecke jährlich mindestens 20 Stunden persönlich in den Supermärkten den Verbrauchern Rede und Antwort stehen. Aber Feneberg schult seine Landwirte auch entsprechend (die ganze Palette, von rechtlich bis Verkaufspsychologie) und bringt auch sein Verkaufspersonal mit den Landwirten zusammen, damit die Leute an der Theke den Verbraucher optimal beraten und informieren können. Mir hat diese Zeit sehr gut getan. Ich profitiere heute noch davon.
          Ich wünsche mir, dass alle Landwirte solche persönliche Erfahrungen machen sollten. Denn dann weiss jeder Landwirt, dass er mit der Fachsimpelei von „Remontierungsraten“ keinen Verbraucher davon überzeugt ein paar Cent mehr für seine Milch zu bezahlen, sondern dass man sich erst mit dem Verbraucher emotional synchronisieren muss, um überhaupt an ihn ranzukommen.
          Ich bin mir sicher, dass solche Weiterbildungen jeden Landwirt persönlich wie auch betrieblich sehr viel nützen würden und schließlich auch das Handeln der landwirtschaftlichen Unternehmer in der Zukunft in Richtung erfolgreicher Marktwirtschaft stark zum positiven beeinflussen würden.
          Alois

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          • Kirsten Wosnitza sagt

            Alois, Du hast bereits einige wichtige Punkte benannt, andere fehlen noch.

            Der Landwirt muss seiner Verantwortung gerecht werden. Auch als Unternehmer. Gerade der Berufsstand versucht den Milchbauern seit einigen Jahren einzureden, sie seien ja nun landwirtschaftliche Unternehmer. Das Wort BAUER war mitunter nur noch in der Bezeichnung des Verbandes, aber nicht mehr in der Kommunikation den Mitgliedern gegenüber zu finden. Seit zwei Jahren redet auch der BV ständig wieder von „bäuerlicher“ Landwirtschaft, denn man hat feststellen müssen, dass die Kommunikation in Richtung Gesellschaft – und Bauern – dies erforderte. Das Wort „Agrarindustrie“ darf aber dennoch nicht benutzt werden – ja wozu dann der Schwenk zurück auf das „bäuerlich“, wenn kein Gegenpol definiert werden darf…. Hier sehen wir einen weiteren Schwachpunkt einer wenig glaubwürdigen und somit nicht erfolgreichen Kommunikation, denn der Verbraucher ist ja nicht dumm.

            Aber zurück zum Thema. Der Bauer verhält sich keineswegs unternehmerisch (auch wenn gerade viele junge Landwirte das meinen, nur weil sie 1 oder2 Millionen in ihren Betrieb investieren) Ohne die Betrachtung des MARKTES taugt das langfristig alles nichts. „Allerdings ist es auch nicht so einfach, dieses Zentrum erfolgreich zu nehmen.“ sagst Du Alois. Der direkte Weg zum Zentrum ist die Reaktion/Beeinflussung auf die Nachfrage. Wer munter in einen gesättigten Markt hineinproduziert (nach der Quote haben wir endlich die unternehmerische Freiheit, juhu) und sich vom eigenen Verband von allzu rosigen Nachfrageprognosen treiben lässt, der liefert dem Zentrum der Macht eine Steilvorlage nach der nächsten. Aldi und die Ernährungsindustrie reiben sich die Hände, wenn der BV für sie eine Situation kreiert, in der unsere landwirtschaftlichen Rohstoffe IMMER REICHLICH vorhanden sein werden! DIE MILCHMENGE WIRD STEIGEN, oder IN SCHLESWIG-HOLSTEIN KÖNNEN WIR FÜR NUR XY CENT PRODUZIEREN! Die Schäfchen bestellen selbst ihren Transporteur zum Schlachthof.

            Statt dessen lassen sich die Schäfchen einreden, sie bräuchten nicht einmal Verträge mit ihren Abnehmern, den Molkereien, über Laufzeiten, Mengen und Preise ihres Produktes. Unternehmerisch? DA nützen auch keine Kommunikationsseminare um die BILLIG Strategie für unsere hochwerteigen Produkte zu durchbrechen. Die Bauern lassen sich mit einem – Du bist Mengenanpasser, da kann man nichts machen, abspeisen. Statt dessen liefert man ihnen ein Rückzugsgebiet zum kollektiven Jammern über die böse Gesellschaft. Und ganz brav lassen sie sich das Risiko des Marktes auch weiter von ihren Molkereien überstülpen und produzieren immer billiger.

            „In der Praxis wird das ein Bürokratiemonster und es wird vor allem eines nicht bewirken: Die Grundeinstellung der Landwirte verändern. Diese werden weiterhin ihren Beratern das Wachsen oder Weichen als goldenen Weg abkaufen.“ WARUM sollten wir Bauern das tun? Warum sollten wir nicht selbst definieren, was gut für uns ist? DARIN sollten die Bauern geschult werden. Es gibt unterschiedliche Betriebe, die unterschiedliche Strategien benötigen, da ist ein ABKAUFEN von Beratern wahrlich zu wenig. Wenn sich hier etwas ändert, wird die Synchronisation mit der Gesellschaft viel einfacher geschehen.

            Schönen Sonntag!

            2+
          • Schweinebauer Piet sagt

            Hallo Alois, eben habe ich einer jungen Dame unsere Ferkel durch das Stallfenster gezeigt. Sie fand die Tiere süß und meinte, dass sie zufrieden aussehen. Die schlechte Berichterstattung der Medien kann sie gar nicht verstehen. Auch nicht die Antibiotika-Debatte, da die Tiere noch keins gesehen haben. Dazu meinte sie auch, dass es bestimmt auch teuer ist.
            Den Anreiz von uns Bauern im Stall muntere und gesunde Tiere zu halten, will sie weiter geben, da bestimmt noch Freunde von ihr Interesse haben, die Ferkel zu sehen.

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  10. Uli49 sagt

    Es scheint so als ob ich hier der letzte Verbraucher bin, der noch mitliest. Die restlichen Verbraucher wurden wohl erfolgreich in die Flucht geschlagen. Das liegt daran, daß Willis Blog mittlerweile von Hardliner/innen gekapert wurde, die an einem echten Dialog nicht wirklich interessiert sind. Wenn Bauern glauben, sie müßten nur den dummen Verbraucher aufklären, dann haben sie die Lage nicht verstanden. Die Frage lautet vielmehr, wie Nutztiere in D in Zukunft gehalten werden sollen. Dies ist eine ethische Frage, die in einer Demokratie die gesamte Bevölkerung angeht und nicht nur die Bauern. Wenn es um ethische Fragen geht, ist meine Meinung genau so fundiert, wie die eines Bauern, dazu muß ich nicht selbst 100 Kühe halten. Es gibt dazu ein brilliantes Interview mit Prof. Isermeyer:
    http://www.stallbesuch.de/ein-nationaler-dialog-zur-nutztierhaltung/
    Im Video spricht er ab der Minute 10:00 auch zum Thema Kommunikation. Er fordert einen ergebnisoffenen Dialog. Das kann ich nur unterstreichen.
    Es gibt hier im Blog eine Kommentatorin die mit ihrer Fliegenklatsche die Threads durchforstet und auf jede abweichende Meinung draufhaut. Zum Schluß sind dann die Hardliner/innen unter sich und haben „gewonnen“. Ist das das Ziel?

    3+
    • Schweinebauer Piet sagt

      Hallo Uli, auf Deine Frage hier ist man doch umfangreich eingegangen. Meine Ferkel kannst Du hier bei Willi sehen. Gab es da noch eine offene Frage? In unseren Maststall habe ich schon mal über die Zeitung eingeladen und die wenigen, die da waren, fanden es gut. Noch offene Fragen?

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      • Alois Wohlfahrt sagt

        Hallo Piet,
        ich hatte mal ein Seminar zum Thema Versammlungleitung besucht. Einen Tipp davon weiss ich immer noch:
        Willst Du eine Diskussion beenden, dann stelle folgende Frage: „Gibt es sonst noch Fragen?“

        Eigentlich bestätigst Du mit Deiner Abschlußfrage dem Uli seine These, dass wir Landwirte und die hochgebildeten Berater und Fachspezialisten allzuoft gar nicht mit dem „dummen Verbraucher“ reden wollen, weil wir meinen, der versteht doch sowieso nichts. Der Dr. Isermeyer hat vollkommen Recht, wenn er einen „ergebnisoffenen Dialog“ propagiert. Lass uns daran arbeiten.

        Alois

        2+
    • bauerhans sagt

      uli 49,den gemeinen verbraucher in D interessiert,wie er günstig durchs leben kommt(geizistgeil).
      komme ich mit einzelnen ins gespräch,wird entweder polemisiert,weil im internet war zu lesen…. oder im fernsehen wurde gezeigt….. oder es wird interessiert gefragt,weil keinerlei kenntnisse vorhanden sind.

      1+
      • Kirsten Wosnitza sagt

        Es ist wirklich schade Hans, dass Du bisher nur auf so wenig dialogbereite Menschen getroffen bist. Meine Erfahrung sieht da ganz anders aus. Mir sind immer wieder interessierte Leute begegnet, die wirklich gerne wissen wollten, wie es in der landwirtschaftlichen Praxis aussieht. Also nicht aufgeben.

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    • Biobauer Andreas sagt

      Uli49 : danke ich sehe das genauso. ob es einem Verbraucherdialog förderlich ist, wenn ich die Verbraucher dadurch beleidige wie Bauer Hans, dass es ihm nur noch um „geiz ist geil“ geht, oder jeder Einwand mit zum Teil erheblich falschen Zahlen/Fakten niedergemacht wird. Ich könnte nun als Landwirt auf viele Themen hier kontern, nachweisen, dass in 40 Jahren die Nutzungsdauer bei Kühen um 2 Jahre gesunken ist, nachweisen, dass die Kälbersterblichkeit weit über 10% liegt und in grossen Beständen höher ist, usw. Das alles hat Tanja Busse in ihrem Buch getan und einige Kollegen sollten es besser erst lesen und dann darüber diskutieren. Daher bitte ich die Kollegen, einfach zur Kenntnis zu nehmen, dass es sehr vielen Verbrauchern (einigen ist es leider wirklich egal!) nicht gefällt, wenn schwangere Kühe geschlachtet werden und das Kalb dabei erstickt, dass Kälbern die Hornansätze ausgebrannt werden, damit die Ställe enger gebaut werden können, Kühe nur 5 Jahre alt werden und doch 20 Jahre alt werden könnten, und eben ausgerechnet bei den Rassen, bei der sich eine Mast nicht lohnt und in grossen Betrieben statistisch mehr Kälber sterben. Keiner (ausser dem Spiegel) hat Bauern vorgeworfen aktiv unerwünschte Kälber zu töten, aber eine nachlassende Betreuung aus Kostengründen führt zu höherer Sterblichkeit, die scheint statistisch belegbar zu sein und das würde ich eben passives Töten nennen.

      1+
      • Crux sagt

        Schon wieder dieses vermeintliche Wissen das keines ist… Wie war es denn vor 30 Jahren? Genau wie heute. Außer, dass die Milchleistung ein Drittel geringer war. Was ist mit der heutigen Ferkelsterblichkeit? Wer kenn diese? Dort wird viel über Ferkeltötungen gejammert. Aber wie hoch ist sie wirklich? Nach meinen Informationen ist sie wesentlich geringer als vor 10 Jahren. Warum? Weil die bösen Agrarfabriken genau wie leistungsorientierte Milchbauern kein Interesse daran haben, ihre Produktion krepieren zu lassen anstatt damit Geld zu verdienen? Natürlich ist nicht alles optimal. Aber um die Probleme zu lösen muss man sich der Realität stellen und sich vor allem aus Absurdistan heraus bewegen. Das gilt übrigens nicht nur für die Ökos, sondern auch für die Bauern und die vermeintliche Gesellschaft!

        2+
      • Kirsten Wosnitza sagt

        Zur Kälbersterblichkeit: Sicherlich ist da noch Luft nach oben. Wobei so mancher „Großbetrieb“ hier auch ganz hervorragende Zahlen hat. Wenn beispielsweise drei Mal täglich gemolken wird, dann ist fast rund um die Uhr jemand auf dem Betrieb, der dann auch den Abkalbebereich kontrolliert und Geburtshilfe leistet, bzw. Kuh und Kalb nach der Geburt entsprechend versorgen kann. Hier muss ich sagen, dass wir Familienbetriebe solch einen Service nicht leisten können. Irgendwann geht das an die Substanz, zumal auf vielen Betrieben ganzjährig Kalbungen erfolgen. Dennoch können auch hier gute Ergebnisse erzielt werden. Bei uns finden die Geburten fast sechs Monate draußen statt, das ist hygienisch einfach und die Kuh hat rund um die Geburt viel Bewegung und ist daher körperlich sehr fit. So kann jedes System Vor- und Nachteile haben.

        Außerdem hat uns die Zucht in diesem Fall schon sehr geholfen. Durch den Einsatz spezieller „Färsenbullen“ kann die Geburt enorm erleichtert werden. Vorsicht ist da eher beim Einsatz von Fleischbullen geboten. UND: Gibt es eine Statistik über die Sterblichkeit von Kälbern bei Wiederkäuern in der Natur? Ich könnte mir vorstellen, dass es auch dort die meisten Probleme gibt und wir es hier auch wieder einmal mit Biologie und Natur zu tun haben. Generell verursachen Bullkälber häufiger Schwergeburten als Kuhkälber und tauchen daher öfter in der Statistik auf, was also nichts damit zu tun hat, dass sie bei der Geburt vernachlässigt werden!

        Ein anderer Punkt sind dann die Aufzuchtverluste. Hier gibt es neben den „normalen“ Problemen bei der Aufzucht junger Tiere leider auch immer mal Phasen auf Betrieben, in denen der eine oder andere Erreger Ärger machen kann. Dann ist echt Stress angesagt und alle sind stark gefordert, diese Situation wieder in den Griff zu bekommen. Jungtiere sind wirklich empfindlich und erfordern viel Aufmerksamkeit, wenn sie mal krank sind.

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    • Birgit Sauter sagt

      Uli, ich sehe es anders.
      Ich habe ganz bewusst Beispiele herausgesucht. Aber leider bekomme ich – wenn überhaupt – nur pauschale Antworten.
      Die Landwirte müssen etwas ändern ist die Forderung. Dazu brauchen ich/wir aber konkrete Beispiele wie wir es machen sollen und darauf können wir dann antworten. Was hier auch geschehen ist.

      Ergebnisoffen heißt es allerdings für beide Seiten, auch für den Verbraucher. Sonst kann es zu keinem Dialog kommen.

      1+
    • Andrea Rahn-Farr sagt

      Lieber Uli49, danke für Deinen Post – und das meine ich ganz ernst und nicht ironisch. Du hast damit nämlich ganz genau den wunden Punkt getroffen, der die Debatte so schwierig macht: Dass es bei der Nutztierhaltung um eine ethische Fragestellung ginge und da jeder Mensch eine gleichermaßen fundierte Meinung dazu haben könne.
      Ich kann Dir da insoweit folgen, dass die allgemeine Frage, ob Menschen Tiere zu ihrem eigenen Nutzen überhaupt halten dürfen, eine ethische Frage ist. Ein Tierrechtler beantwortet diese Frage anders als ein Tierschützer. Ich persönlich habe diese Frage für mich so beantwortet, dass ich Nutztierhaltung für legitim halte (wir können das gerne woanders philosophisch-ethisch diskutieren). Als Bäuerin mit Milchvieh sehe ich mich deshalb auf der Seite der Tierschützer, denn Tiere nutzen und Tiere schützen gehört zusammen.
      Soweit die Theorie. In der Praxis stellen sich dann Tausende von KONKRETEN Fragen, wie eine tiergerechte Milchkuhhaltung aussieht. Und hier bin ich der Meinung, dass man diese Fragen ohne Sachkenntnis (quasi „mit bloßem Auge“) NICHT beantworten kann. Der Mensch ist nicht das Maß aller Dinge – will ich der Kuh gerecht werden, muss ich mit den Augen einer Kuh sehen. Hier ist vor allem die Wissenschaft gefragt, z. B. über Wahlversuche festzustellen, was Kühe am liebsten mögen. Vieles davon wurde bereits erforscht und in der Praxis umgesetzt – dabei hängt dann viel vom Betriebsleiter ab, vor allem von seinem „Kuhverstand“. Es sind aber noch genug Fragen offen!
      Der Wissenschaft obliegt es auch, Zielgrößen zu definieren, mit denen man das erreichte Tierwohl messen kann. Z. B. ist der Anteil von Kühen mit Technopathien (geschwollene Sprunggelenke oder Verletzungen) ein guter Gradmesser für eine tiergerechte Aufstallung. Hier geht der Trend in der Praxis eindeutig weg von den arbeitswirtschaftlich guten, aber vom Tierkomfort her schlechteren Hochboxen mit Gummiauflage zu den für die Kühe bequemen Tiefboxen mit Stroheinstreu oder hin zum Kompostierungsstall (ohne Liegeboxen, mit einer freien großen Liegefläche).

      Auch die Aufschlüsselung der Abgangsursachen gehört dazu! Das Durchschnittliche Abgangsalter der Kühe wird dadurch zwar nicht steigen (weil bei konstanter Herdengröße jede Kuh immer nur sich selbst ersetzt), die Wirtschaftlichkeit steigt aber bei höherer Nutzungsdauer trotzdem an, weil mehr Rinder für die Mast oder für den Export zur Verfügung stehen. Wichtig ist hier, dass ein niedriger Anteil an Kühen wegen Problemen geschlachtet werden muss. Selektion auf gute Tiere (das heißt Schlachtung von Kühen mit unerwünschten Merkmalen oder zu schwacher Leistung) kann dann verstärkt stattfinden.

      Und bitte, lieber Uli49, wirf mir nicht wieder Euphemismus vor – eine sachliche Debatte kommt ohne ein gewisses Maß an Fachtermini nicht aus.

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      • Biobauer Andreas sagt

        Andrea Rahn-Farr Da stimme ich Dir zum Teil zu, es sollte ein niedriger Anteil von Kühen mit Problemen im Stall stehen (subklinisch erkrankt) und Tiere überwiegend zum schlachten gehen, weil deren Leistung nicht passt oder sie zu alt sind. Aber Du weisst auch die aktuellen Zahlen zeichnen ein komplett anderes Bild. Hauptabgangsursache ist Unfruchtbarkeit, gefolgt von diversen Krankheiten, zusammen 3/4 aller Abgänge. Nur 17% gehen wegen Leistung oder Alter.
        Also ist doch klar, was zu tun ist – oder?
        http://lebenshof.org/hh/26.jpg

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        • Birgit Sauter sagt

          Bei der Angabe von Abgangsursachen gibt es momentan nur eine grobe Einteilung. In vielen Fällen müsste man da viel differenzierter einteilen können.
          Viele der Ursachen greifen wieder ineinander über.
          Bei der Statistik wird unterteilt in
          0 verkauft zu Zucht- und Nutzzwecken
          1 Hohes Alter (ab 5. Laktiation)
          2 Geringe Leistung
          3 Unfruchtbarkeit
          4 Krankheit oder Unfall
          5 Euterkrankheit
          6 schlechte Melkbarkeit
          7 Stoffwechselkrankheit
          8 Klauen- und Gliesmassenerkrankung
          9 Sonstige Ursachen.

          Unfruchtbarkeit kann nun aber wiederum ganz verschiedene Gründe haben, z.B. stille/unerkannte Brunst. Das ist in kleineren Betrieben oft das größere Problem, da man ja nicht den ganzen Tag im Stall verbringt. „Größere“ Betriebe arbeiten dort computerunterstützt mit Brunsterkennung und finden meist stillbrünstige Kühe zuverlässsiger.
          Zysten stehen oft in Verbindung mit der Fütterung. Aber auch hier hat der größere Betrieb die besseren Möglichkeiten durch verschiedene Leistungsgruppen viel gezielter füttern zu können.
          Um nur einige Beispiele zu nennen.

          1+
          • Biobauer Andreas sagt

            Richtig ist dass die Abgangsursachen unterschieden werden und das auch noch unterschiedlich je Bundesland bzw. MLP Verband. ABER. das ändert nix an der Tatsache dass 75% der kühe aus Unfruchtbarkeit oder krank aus dem Bestand gehen und 25% zur Zucht, aus mangelnder Leistung oder zu hohem Alter. In der Diskussion kam hier zeitweise der Eindruck auf, dass überwiegend gesunde Kühe die „nicht einschlagen“, wie eine Kollegin es nannte, den Bestand verlassen und das stimmt so nicht. Mehr als die Hälfte der Kühe verlässt krank den Bestand und war es demnach +/- lange davor auch schon und das ist für mich eines von vielen ganz klaren Indizien, dass in der „moderen“ Milcherzeugung einiges schief läuft. Und gute Milchbauern sehen diese Probleme, gestehen sie ein und versuchen gegenzusteuern, dann gibt es die versuchen alles zu verharmlosen oder weit hergeholt zu erklären und eben auch die am Ende der Statistik, die vor lauter Arbeit und Überforderung resigniert haben und wohl bald aufgeben. PS: die Abgangsrate wegen Unfruchtbarkeit ist bei grösseren Betrieben nicht geringer, was gegen die Pseudoerklärung der Brunsterkennung mit Transponder oder Leitfähigkeit spricht.

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            • Kirsten Wosnitza sagt

              Vielleicht sollte man zur Klärung über den Begriff „krank“ diskutieren. Unter krank stellen wir uns ja immer gleichzeitig ein Leiden vor. Natürlich würde im Bereich Fruchtbarkeit „gesund“ bedeuten, dass die Kuh nach einer Abkalbung zügig wieder tragend wird. Managementfehler können zu Fruchtbarkeitsproblemen in der Herde führen, das ist dann aus verschiedenen Gründen verbesserungsbedürftig – muss aber nicht unmittelbar mit einem Leiden der Kuh einhergehen. Abgangsgrund Eutergesundheit muss auch nicht bedeuten, dass eine Kuh monatelang mit einem schmerzenden, entzündeten Euter durch den Stall gelaufen ist. Oft ist es eher so, dass nach wiederholten Entzündungen die Entscheidung getroffen wird, die Kuh nicht wieder zu belegen. Es kann also gut sein, dass sie, wenn sie dann tatsächlich am Ende dieser „Laktation“ zum Schlachter geht eutermäßig gesund ist. Andreas, ich bin wirklich ein Verfechter hoher Nutzungsdauer, aber es wäre falsch den Eindruck zu erwecken, die Kühe würden grundsätzlich krank=leidend den Betrieb verlassen. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, warum ich den Grund 1 Alter angeben sollte!? Es gibt bei uns keine obere Altersgrenze! Solange die Kuh fit ist bleibt sie im Betrieb!

              1+
          • Andrea Rahn-Farr sagt

            Birgit Sauter, ich würde auf die Einwürfe des sog. „Biobauer Andreas“ alias „Stiftung Lebenshof…“ nicht antworten. Wer mit unterschiedlichen Identitäten hier kommentiert, ist nicht glaubwürdig.

            2+
            • Biobauer Andreas sagt

              Andrea Rahn-Farr: ok, ich bin also nicht glaubwürdig, wenn ich auf den offiziellen MLP Bericht 2014 aus BaWü verweise? Mit der Identität liegt daran, dass Alois mich hier erst heute früh wieder frei geschaltet hat. Jeder weiss wer hinter Stiftung Lebenshof steckt, Willi wollte mal anonym bleiben, ich nie, weil ich zu dem stehe, was ich schreibe. Von anderern hier wie „Gülle-Doktor“ kann man das ja nicht gerade behaupten. Also ist Dein Einwand nichts anderes, als der Versuch mich zu diskreditieren, vielleicht weil auch Du gegen die Fakten aus den MLP Daten nicht argumentieren kannst?

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              • Andrea Rahn-Farr sagt

                „Biobauer“ Andreas. Das kannst Du sehen wie Du willst. Wer mit mindestens 4 FB-Profilen unterwegs ist, den kann ich nicht ernst nehmen. Don’t feed the troll.

                1+
        • Kirsten Wosnitza sagt

          In vielen Fällen führt die Änderung des Managements, besonders auch der Fütterung zu einer größeren Steigerung der Leistung als das Ersetzen einer Kuh auf´grund von zu „geringer Leistung“. Ein mittelprächtiges Management lässt sich nur kurzfristig durch verbesserte Genetik aufpeppen, da gerade die leistungsstärkeren Kühe oft nicht so fehlertolerant sind.

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      • Uli49 sagt

        Liebe Frau Rahn-Farr, wir können gerne noch tiefer in die Argumentation einsteigen. Ich halte die Debatte auch nicht für schwierig, Ihr Ansatz top-down zu gehen ist hilfreich. In der ethischen Frage, ob man Nutztiere halten darf, gibt es wohl einen gesellschaftlichen Konsens. Die überwältigende Mehrheit wird diese Frage mit „ja“ beantworten. Die nächste ethische Frage lautet, wie die Tiere zu halten und zu schlachten sind. Das ist bei uns im Tierschutzgesetz geregelt. Die Gesellschaft entwickelt sich allerdings weiter. Was gestern noch die Wertvorstellungen der Mehrheitsgesellschaft richtig abgebildet hat, kann heute schon als überholt gelten. Deshalb werden Gesetze immer wieder geändert und den neuen Werten angepaßt. Als Beispiele seien die ethischen Fragen zu Homosexualität, Abtreibung oder Sterbehilfe genannt. In all diesen Fällen wurden die Gesetze geändert, weil die Wertvorstellungen der Gesellschaft sich geändert haben. Bei all diesen Fragen haben im Bundestag nicht nur Ärzte, Juristen oder Pfarrer abgestimmt, sondern auch Lehrer, Bauern und „ganz normale“ Leute. Diese fachfremden Leute haben sich in die Materie eingearbeitet, haben wissenschaftliche Berichte gelesen und sich so selbst eine Meinung gebildet. Ich halte es für gut, wenn auch Menschen mit dem Blick von außen sich äußern, das bringt noch eine zusätzliche Perspektive. Deshalb bin ich der Meinung daß die ethische Frage, wie Tiere gehalten werden sollen von der gesamten Bevölkerung beantwortet werden muß, nicht nur von den direkt betroffenen Fachleuten. Diese Meinung vertritt auch Prof. Isermeyer. In dem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarpolitik „Wege zu einer gesellschaftlich akzeptierten Nutztierhaltung“ steht auf Seite 102-103, daß es auch bei der Milchviehhaltung Zustände gibt, die so nicht akzeptabel sind. Das Gutachten geht in seinen Empfehlungen zum Tierschutz „von der Einschätzung aus, dass die derzeitigen Haltungsbedingungen eines Großteils der Nutztiere vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels und neuer wissenschaftlicher Bewertungsansätze nicht zukunftsfähig sind.“ Dieses Gutachten wurde vom BMEL erstellt, der Minister ist in der CSU, nicht bei den Grünen. Diese Aussagen sind für mich glaubwürdig. Gerne höre ich mir gegenteilige Sachargumente an.
        Grüße, Uli

        3+
        • Biobauer Andreas sagt

          für Andrea Rahn-Farr noch ein bisschen Philosophie am Abend:

          Ein starker Geist diskutiert Ideen.
          Ein durchschnittlicher Geist diskutiert Ereignisse.
          Ein schwacher Geist diskutiert Leute.
          (Sokrates)

          1+
          • Birgit Sauter sagt

            Na Herr Fendt………….im Leute „diskutieren“ sind sie auch große Klasse.
            Was schliessen wir daraus?

            Nur leider kommt so auch kein Dialog zustande.

            1+
          • Bernd K sagt

            Mein lieber Biobauer Andreas, ich nehme speziell an diesem Forum teil, weil ich mal schauen wollte wie das in dem Diskurs zwischen Verbrauchern, Landwirten und natürlich auch Biobauern und Tierschützern so abläuft, wenn ein kontroverses Thema diskutiert wird.
            Wie das Thema von Bauer Willi angegangen wurde, Respekt!
            Wie die meisten (und Betonung auf meisten) Teilnehmer diskutiert haben ging voll in Ordnung. Was Frau Rahn- Farr gesagt hat, war zuerst neutral geschrieben (bis Sie sich eingemischt haben) und auch produktiv für die Diskussion.
            Aber wenn man auf ein ethisch und moralisch überlegenes Wesen wie Sie einer sind trifft, helfen keine Argumente mehr, da wird sogar der vor ein paar Jahren leider zu früh verstorbenen brasilianische Fussballspieler Sokrates in unangemessener Weise zitiert 🙂
            Bei Ihrem Verhalten wundert es mich nicht, dass Sie mit allen Landwirten in diesem Forum Stress haben. Dauernd mit der Ethik Keule zu schwingen halte ich für einen der unangenehmsten Züge zu dem der menschliche Charakter fähig ist.

            1+
            • Kirsten Wosnitza sagt

              Hallo Bernd K., ich bin ganz bestimmt nicht in allen Punkten mit Andreas einer Meinung, aber auch ich bin Landwirtin und habe bis jetzt keinen Stress mit ihm. Von daher stimme ich Ihrem „alle“ Landwirte nicht zu. Das Thema ist so komplex, die Ansichten so unterschiedlich, da sollten wir nicht erwarten, schnell mal zu einem Konsens zu kommen.

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            • Biobauer Andreas sagt

              da scheint dann aber ein grossen Mißverständnis vorzuliegen. Meiner Meinung nach dreht sich das ganze, der Diskussion zugrundeliegende, Buch von Tanja Busse nur um eines: Ethik in der Nutztierhaltung.

              Es ist ja kein Fachbuch für „Milchviehhaltung optimieren“.

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        • Andrea Rahn-Farr sagt

          Lieber Uli49,
          zunächst mal muss ich einschränkend sagen, dass ich nur von Milchviehhaltung was verstehe, ich würde mich deshalb gerne darauf beschränken. Wir befinden uns hier ja auch unter einem Interview zum Thema Kühe. Eine Vermischung unter dem Oberbegriff „Nutztierhaltung“ ist einer differenzierten Debatte nicht dienlich, denke ich.
          Das WBA-Gutachten ist finde ich sehr gelungen (wenn man es ganz liest und nicht nur die Zusammenfassung, wie es offenbar viele Journalisten gemacht haben) und listet die aktuellen Umstände, unter denen Milchkühe gehalten werden, umfassend auf. Auch die derzeitigen Schwächen werden aufgeführt (immer noch knapp 50 % der Betriebe mit Anbindehaltung, zu viele Gesundheitsprobleme, wenn das Management nicht mit der Leistung Schritt hält).. Allerdings spricht das Gutachten der modernen MIlchkuhhaltung auch ein Lob aus, z. B. hier: „In einigen Bereichen, wie etwa der Milchviehhaltung, ist der arbeitssparende Fortschritt hingegen häufig günstig für das Tierwohl, insbesondere beim Ersatz der Anbinde- durch Laufstallhaltung oder auch beim Einsatz von Melkrobotern (s. zu diesem Thema auch Driessen & Heutinck, 2014). “
          Die meist genossenschaftlich geführten Zuchtorganisationen für Rinder (bei uns in Hessen ist dies die ZBH, bei der auch wir Genossenschaftsmitglieder sind) haben auf die zeitweise sinkende Nutzungsdauer reagiert – wir sind von der Zucht auf Milchleistung (vor allem in den 90ern) mittlerweile zur Zucht auf eine ausgewogene HOlsteinkuh übergegangen. Der Anteil des Milchzuchtwertes beträgt nur noch 45% des Gesamtzuchtwertes, dafür haben funktionale Merkmale (gutes Euter, gute Beine) und sog. Sekundärmerkmale (Eutergesundheit, Fruchtbarkeit, Nutzungsdauer, Melkbarkeit) die „Mehrheit“. Der Erfolg beginnt sich in einer steigenden Nutzungsdauer schon zu zeigen. Allerdings haben Kühe ein sehr langes Generationsintervall, die Zuchtänderungen brauchen Zeit zum Wirken.
          Ähnlich ist es auch beim Thema Enthornen. Hier ist man dabei, das natürlicherweise in der Population vorkommende Gen für Hornlosigkeit durch gezielte Züchtung weiter zu verbreiten. Wir rechnen allerdings mit einem Zeitraum von 2o Jahren, bis alle Holsteins genetisch hornlos sind, denn man darf auch nicht wegen der Hornlosigkeit die Erfolge in den anderen Merkmalen (s.o.) aufs Spiel setzen. Bis es soweit ist, werden die Rinder weiterhin enthornt werden – mit Sedierung und Schmerzmittel als Kompromiss.

          Was bewegt Sie als Verbraucher denn im Zusammenhang mit MIlchviehhaltung besonders? Was würde in „Ihrem“ Tierschutzgesetz stehen?
          Herzliche Grüße
          Andrea Rahn-Farr

          1+
          • Kirsten Wosnitza sagt

            Ich finde es erstaunlich, dass trotz der Änderungen bezüglich des Zuchtwertes noch so viele Vererber in den Katalogen stehen, die ein riesen Plus an Milch liefern. Natürlich liegt es in der Verantwortung des Bauern, sich die passende Anpaarung auszuwählen, denn mit einem Plus an gut 2000 kg Milch muss man auf seinem Betrieb auch umgehen können.

            1+
      • Kirsten Wosnitza sagt

        Bei einer gut durchgezüchteten Herde sehe ich keine Notwendigkeit, die Remontierungsrate über 20-25% zu halten. In diesem Bereich kann ich bereits gut selektieren und nur von den Tieren weibliche Nachzucht im Betrieb aufziehen, die meinem Zuchtziel entsprechen. Somit könnten 50% der Kühe mit Fleischbullen besamt werden, so dass deren Kälber deutlich bessere Ergebnisse in der Mast bringen würden als reine Holsteins. Aufzucht von Jungvieh, das nicht im Betrieb benötigt wird, ist in den meisten Fällen viel zu kostspielig, so man nicht erfolgreich im Zuchtviehverkauf tätig ist.

        1+
  11. Gülle-Doktor sagt

    Korrektur zur Lebenserwartung bzw. Nutzungsdauer von Kühen

    Anita Lucassen nannte am 25. Mai als Wert für die durchschnittliche Nutzungsdauer von Milchkühen 2,9 Jahre nach der ersten Kalbung. Diese Zahl wollte ich übernehmen habe aber leider einen Fehler gemacht und aus der 2,9 eine 3,9 gemacht. Aber auch mit 2,9 Jahre nach dem ersten Kalb bekommt die Durchschnittskuh insgesamt 4 Kälber. Dieser wert erscheint mir nicht schlecht. Hier fallen ja nicht nur die sehr langlebigen, robusten Kühe drunter sondern auch solche, die als unterschiedlichsten gründen schon nach dem ersten Kalb den Weg zum Metzger antreten müssen. Wenn diese Zahl stimmt, ist das immer noch kein Grund zur Beunruhigung und kein Zeichen von Burn-Out-Syndrom.

    3+
  12. Andreas H. sagt

    Frau Busse hat mein Vertrauen!
    Wir sollten aus diesem Dialog alle, jeder für sich, Lehren ziehen. Und lassen Sie sich nicht von dem „Schweinebauern Piet“ aus der Ruhe bringen. Die ganzen Zahlenspiele bringen überhaupt nichts. Denn, vor 30 Jahren waren die Ställe schlechter. In den guten Ställen heute müssten doch dir Kühe 25 werden. Nein, Hochleistungssport verkürzt das Leben. Sie haben Recht Frau Busse.
    Wir brauchen eine Ethik-Kommission die die Nutztierzucht und Zuchtziele fair bewertet.

    Wir Bauern müssen lernen respektvoll mit Kritikern umzugehen. Das ist nicht einfach, weil man als Bauern schon zu viel hat einstecken müssen. Von „Bauer sucht Frau“ bis „Report Mainz“. Aber dieser Dialog ist genau anders.

    Wenn Frau Busse ein Buch über Schweine oder über den Weltmarkt schreiben möchte, Willi hat meine Anschrift 😉 Gern auch als Co. Autor ;-), dann brauchen Sie sich nicht allein verbal „verbrügeln zu lassen.

    In diesem Sinne,
    weiter so und danke an Frau Busse, Willi und Alois!

    5+
    • Schweinebauer Piet sagt

      Hier Vorschläge für die Ethikkommion:
      Hannes Jaennecke
      Gregor Gisy
      Renate Künast
      Claudia Roth
      Damit haben wir nur Experten in der Runde, die auch nicht 1 und 1 zusammen zählen können.

      0
      • Andreas H. sagt

        Was hast Du für einen Stress hier, Bauer Piet? Man muss denken wie ein Autokonzern. Die werden kritisiert zu viele Dreckschleudern zu bauen. Die werden nicht nervös sondern bauen einfach auch 3 Liter Autos. Hier geht es um Kühe und nicht um unsere „Ehre“. Man muss locker ausrechnen was geht und was man anbieten kann. Weidegang ist auch kein Tabu. Kann auch funktionieren. Eine Chance für kleine Betriebe und Bergregionen.

        5+
        • Kathrin sagt

          Entschuldigung! Das mit dem Daumen nach unten war so nicht geplant hab beim anklicken nicht genau hingesehen, und ändern läßt sich das wohl nicht mehr.
          Ich wollte nur kurz etwas zum Thema Weidegang loswerden:
          Wir sind ein kleiner Bergbauernbetrieb im Nebenerwerb mit 5 Kühen, im Sommerhalbjahr ganztägig Weidegang im Winterhalbjahr Anbindestall. Das wird in der ganzen Region so oder so ähnlich gemacht (nur ganz wenige Ausnahmen). Wir Bergbauern werden viel gelobt und bei div. Versammlungen und Veranstaltungen fast beweihräuchert wie toll wir sind, aber das wars dann auch. Als Chance hab ich das noch nicht empfunden, weil jeder einzelne trotzdem ums Überleben kämpfen muß, und bei immer mehr Bauern die Hofnachfolge nicht mehr gesichert ist.
          Ich war auch nicht mein ganzes Leben Bäuerin, ich bin in einem Dorf im Voralpenland aufgewachsen. Vor ca. 30 Jahren gab es im Dorf noch viele Bauern und an unserem Haus sind jeden Tag fünf Bauern mit ihren Kühen vorbeigezogen. Heute ist es noch einer und der wird bald den Betrieb aufgeben. Und was ist mit den anderen? Ich kann mich an ein Gespräch mit einer Bäuerin erinnern, die damals schon ca. 50 Kühe hatten. Sie hat erzählt, daß die Auflagen der Versicherungen beim Weidetrieb sehr hoch sind, es müssen eigentlich immer 3 Personen mit der Herde mitgehen, aber am schlimmsten sind die Beschimpfungen und Beleidigungen der Autofahrer die sie jeden Tag ertragen muß. Ihr Sohn hat heute einen der größten Laufställe im Ort.
          Jeder will Kühe auf der Weide aber wer mag sie schon vor dem eigenen Haus oder gar vor dem eigenen Auto? Freie Fahrt für freie Bürger!

          3+
          • Birgit Sauter sagt

            An anderer Stelle habe ich gerade wieder von einem Landwirt gehört, bei dem nachts die Zäune mutwillig zerstört wurden.
            Auch das ist ein Grund warum viele auf Weidehaltung verzichten.

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      • Bauer Willi sagt

        Hallo Piet
        einen hast Du noch vergessen: Bauer Willi. Ich würde bei der Ethik-Kommission auch gerne mitmachen… 🙂 Das mit dem 1 und 1 bekomme ich auch noch hin.
        Bauer Willi

        1+
        • Schweinebauer Piet sagt

          Wunderbar Willi ich bin gespannt, ob wir uns irgendwann mal zum Rechnen am Rhein treffen und Schiffe zählen können.

          0
  13. Schweinebauer Piet sagt

    Hier ein Auszug von Bernd Lührmann, Landwirtschaftskammer, Niedersachsen aus Bauernblatt, 19 Oktober 2013.
    Beim Herdenmanagement gibt es Wechselwirkungen zur Fruchtbarkeit. Denn ein funktionierendes Fütterungssystem mit Totalmischration (aber auch Teilmischration) beruht auf einer möglichst homogenen Herde beziehungsweise Haltungsgruppe hinsichtlich der Milchleistung und Körperkondition. Kühe mit langer Zwischenkalbezeit (ZKZ) erschweren das Fütterungsregime dabei erheblich. Sie haben oftmals eine (deutlich) herabgesetzte Milchleistung,was zu einer (erheblichen)
    Nährstoffüberversorgung führt und damit eine ungewollte Verfettung dieser Kühe provoziert. Zudem werden dadurch häufig auch die Geburtsgewichte der Kälber erhöht, was bei diesen Kühen zu schwereren Kalbeverläufen und zu steigenden
    Geburtsverlusten führen kann. Nachfolgend erkranken sie häufiger an Nachgeburtsverhaltungen sowie an Gebärmutterentzündungen als Kühe mit leichten Kalbeverläufen. Außerdem sind solche Kühe aufgrund der Verfettung sehr anfällig für Stoffwechselstörungen (Ketose et cetera). Die Fruchtbarkeit der Vorlaktation
    hat somit erhebliche Auswirkungen auf den Laktationsstart sowie die Tiergesundheit n der Folgelaktation. Insgesamt beeinflusst die Fruchtbar

    mehr hier: http://www.lksh.de/fileadmin/dokumente/Bauernblatt/PDF_Toepper_2013/BB_42_19.10/33-35_Luehrmann.pdf

    das ist auch interessant:
    http://www.portal-rind.de/index.php?module=Downloads&func=prep_hand_out&lid=28

    Auf Frau Busse gehe ich nicht ein, nur auf Fakten, die hat sie ja leider nicht.

    2+
    • Biobauer Andreas sagt

      dass ein Fehler (zuviel schlecht mastfähige Kälber werden erzeugt) mit einem anderen Fehler, nämlich Futterselektierer wie Kühe mit TMR zu füttern einhergeht, lässt nicht den Schluss zu, der 1. Fehler nicht beheben zu können, sondern die Konsequenz parallel auch den 2. zu beheben. Oder anders: ein guter Bauer kann Kühe mit längerer ZKZ ohne TMR so füttern, dass sie nicht verfetten und die beschriebenen Probleme bekommen. Der Rest wäre eine Aufgabe an die Zucht, es wurde ja die auf lange Persistent gezüchtet, im Gegenteil, da das Trockenstellen hochleistender Kühe ein Problem ist, wurde eher auf bauchige Laktationskurve gezüchtet und nicht auf lineare, d.h die Leistung sollte lange anhalten und dann möglichst vor dem Trockenstellen stark absenken. Ein langsames Absenken des Tagesgemelk über z.B. 2 Jahre wäre m.E. für die Kuh schonender. Auf jeden Fall besteht hier grosser Forschungsbedarf!

      1+
  14. Hier ein kleiner Ausschnitt aus meinem Buch zur EFSA-Studie über die Gesundheit der Milchkühe.
    Mich würde interessieren, wie Sie das beurteilen!

    Es gibt eine Stellungnahme der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, kurz EFSA, die in dieser Frage zu einem ganz klaren Ergebnis kommt. Die EFSA hat ihren Sitz in Parma mitten in der fruchtbaren norditalienischen Poebene, wo seit jeher intensiv Landwirtschaft betrieben wird, die Behörde wird vom EU-Parlament finanziert, arbeitet aber unabhängig. Vielen Kritikern gilt sie – vor allem in Fragen der Agro-Gentechnik – als industriefreundlich, und durch besondere Vorliebe für naturnahe Landwirtschaft oder Extensivierung ist sie bislang nicht aufgefallen. Diese Behörde hat im Jahr 2009 eine wissenschaftliche Stellungnahme zum Gesundheitszustand der europäischen Milchkühe veröffentlicht, in der zwanzig europäische Wissenschaftler zu dem Schluss gelangen, dass „die langfristige genetische Selektion auf hohe Milchleistung der Hauptgrund für das schlechte Tierwohl und Gesundheitsprobleme bei Milchkühen“ ist. Vereinfacht gesagt: Zu viel Milch zu geben macht die Kühe krank.
    Die Mitglieder des EFSA-Panels für Tiergesundheit und Tierwohl bestätigen auch den Zusammenhang zwischen negativer Energiebilanz und den Erkrankungen: „Die exzessive oder verlängerte negative Energiebilanz tritt mit größerer Wahrscheinlichkeit bei Tieren mit höchster Leistung auf“, heißt es in der EFSA-Stellungnahme, „sie wird assoziiert mit verringerter Fruchtbarkeit, Erkrankungen des Verdauungstraktes, Stoffwechselstörungen und Infektionen, vor allem Mastitis.“ Die Empfehlung: Bei der Zucht solle verstärkt auf Fruchtbarkeit, Gesundheit und Langlebigkeit geachtet werden. Das werde das Tierwohl erhöhen und den Landwirten größere Gewinne bringen.

    Quelle:
    Scientific Opinion of the Panel on Animal Health and Welfare on a request from European Commission on the overall effects of farming systems on dairy cow welfare and disease, in: The EFSA Journal (2009) 1143, Seite 2.

    2+
    • Bernd K sagt

      Liebe Frau Busse, schlagen Sie bitte mal einen Bullenkatalog auf. Da wird für einen ganzen Haufen Merkmale für jeden einzelnen Bullen ein sogenannter Relativzuchtwert berechnet. Für Milch, für Fruchtbarkeit(!!!) etc,etc……da ist für jede Zuchtvorliebe, oder auch für betriebliche Gegebenheiten der richtige Bulle dabei. In den Gesamtzuchtwert geht die Leistung nur zu 45% ein. Also was wollen Sie denn mehr?

      3+
        • Bernd K sagt

          Naja, einen Generationsintervall haben Kühe auch. Zucht dauert nun mal. Aber wie ich schon unten gesagt habe sind Managementkorrekturen erstmal die beste Möglichkeit Fehler im System zu beheben und Misstände zu beseitigen. Aber die Diskussion wundert mich sowieso. Dieses „früher war alles besser“ ist doch ein in allen Bereichen des Lebens gern gefolgter Trugschluss. Wie ich schon versucht habe darzustellen sind verlässliche Daten nur für die letzten 20 Jahre zu bekommen und da hat sich die Nutzungsdauer nicht verändert. Als Beispiel für Datenerhebung aus der Vergangenheit möchte ich mal folgendes nennen. Ich habe vor 35 Jahren eine landwirtschaftliche Lehre gemacht. In den Betrieben meiner Berufsschul-Mitschüler waren zu 90% Milchkühe, aber nur ca die Hälfte waren an die MLP angeschlossen. Die restlichen haben wenn es hoch kam, eine private Kladde geführt. Also die „guten Betriebe“ haben Lebensdauer, Abgangsursache usw öffentlich dokumentiert, die „schlechten“ eben nicht. So und jetzt muss mir einer sagen, die Daten von früher wären unverfälscht. Es gibt Heute auch noch Faktoren, die man beachten sollte, wenn man über eine durchschnittliche Lebenserwartung diskutiert. Den reinen Durchschnitt zugrunde zu legen würde einem Mathematiker einer Lebensversicherung die Haare zu Berge stehen lassen!
          Ein anderes Beispiel: Die hier viel diskutierte Ketose ist doch nichts Neues, das nur die „Turbokuh“ befällt. Die trat früher auch schon auf, gerade bei den schlecht gemanagten Betrieben. Jeder gute Milchviehhalter weiss, daß Kühe nicht fettleibig abkalben sollen und die Anfütterung zur Laktation stimmen soll.
          Noch zu sagen wäre, das mir die Diskussion mal wieder in die typische Richtung geht. Jeder hat Recht und kann Beispiele für seine Argumentation nennen und dahinter wird sich verschanzt.
          Deshalb habe ich jetzt fertig!

          1+
          • Kirsten Wosnitza sagt

            Bernd, woher weißt Du, ob „früher“ genau so viele Kühe an Ketose litten wie heute? Was ist mit Mortellaro oder Labmagenverlagerungen? Hin oder her. Eine Kuh mit 10 000 Litern ist deutlich anfälliger als ein Tier mit 6000 Liter Jahresleistung. Das heißt, sie erfordert ein intensiveres Management usw, ist weniger Fehlertolerant. Wir haben heute top Ställe, ausgefeilteste Fütterung mit den unglaublichsten Komponenten oder Zusatzstoffen, eine große Bandbreite Medikamente zur Verfügung und gut ausgebildete Landwirte. Dennoch schafft es die Kuh nicht älter zu werden. Ein Grund: Zeit. Es braucht Zeit, um sich um Tiere zu kümmern, die eine problematische Phase haben. Arbeitskräfte mit Fachwissen. Und die sind auf vielen Betrieben Mangelware bzw. lassen sich mit den Erlösen nicht finanzieren. Wir alle halten deutlich mehr Kühe als „früher“. Wenn wir ehrlich sind: Wenn wir Betriebe betrachten, die NICHT quersubventionieren, dann sind auf den „guten“ Betrieben die Betriebsleiter von Früh bis Spät auf den Beinen, die ganze Familie kennt nichts anderes als Kühe. Ansonsten hätten sie nicht diese guten Ergebnisse! Der Grad der freiwilligen Selbstausbeutung ist da sehr hoch. Dass dies kein Zukunftsmodell für viele junge Leute ist, das kann ich verstehen!

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            • Bernd K sagt

              Kirsten, naja eigendlich hatte ich „fertig“, aber für eine sachliche Diskussion bin ich immer bereit. Erstens ich habe nicht behauptet, das es früher gleich viel Ketose gegeben hat aber: sie gab es in schlecht gemanagten Betrieben ganz schön häufig. Ebenso wie Labmagenverdrehungen. Aber wie schon immer gesagt, alle Daten lügen in diesem Bereich und lassen sich so und so interpretieren.
              Man muss auch ehrlicherweise mal zu bedenken geben, dass auch 6000L Milch für eine Kuh einen enormen physiologischen Stress bedeuten. Das ist schon Intensivhaltung! Vor 100 Jahren wäre eine Kuh mit 6000 L eine Rekordkuh gewesen und einige hätten dann auch gesagt: „das hält die nicht aus, die fällt doch nach dem zweiten Kalb um, das ist doch unnatürlich…..usw. Wo wollen wir denn die Grenze ziehen? Ich hab da keine Ahnung.
              Mehr Kühe/AK ist auch eine Folge des technischen Fortschritts. Und wo will man da die Grenze ziehen? Keine Ahnung wie das gehen soll!
              Wie solll man denn die Selbstausbeutung von guten Betriebsleitern und ihren Familien stoppen. Ihnen ein frohes „macht doch mal Urlaub!“ zurufen, oder die ominöse Milchquote wieder einführen, damit jeder produzierte Liter Milch noch mit Quotenkosten belastet ist und man wieder Sofamelker hat? Wiederum hab ich da keine Ahnung.
              so, jetzt ist aber endgültig fertig!

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              • Kirsten Wosnitza sagt

                Bernd, auch wenn sich Deine zu recht gestellten provokativen Fragen nicht einfach so beantworten lassen – ein erster Schritt zur Antwort wäre die offene und ehrliche Diskussion genau dieser Themen innerhalb des Berufsstandes. Hätten wir diese Hausaufgabe bereits erledigt – anstatt uns in einem gebetsmühlenartigem „Alles ist gut“ zu sonnen – wären wir viele Schritte weiter und würden uns deutlich weniger öffentlicher Kritik gegenüber sehen. Da müssen wir uns an die eigene Nase packen. Die Frage, die auch Frau Busse in ihrem Buch beschreibt und die mehr Milchviehhalter umtreibt als man meint, ist doch tatsächlich – wo sind die Grenzen, bis wo bleiben Systeme von der Mehrheit der Nutztierhalter erfolgreich zu bewältigen, wie ist die Interaktion dieser Systeme mit Umwelt, Klima usw. Wir täten sehr schlau daran, uns diese Fragen SCHNELLSTENS selbst zu stellen, sonst werden sie nicht nur von anderen gestellt, sondern auch noch von anderen beantwortet. Wir sind auf dem besten Weg dorthin. Leider.

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            • Birgit Sauter sagt

              Früher hat man halt eine Kuh auchoft schnell noch geschlachtet bevor es zu spät war. Und hat oft gar nicht nachgeforscht was überhaupt war.
              Da hat sie halt nicht gefressen. Punkt.

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              • Kirsten Wosnitza sagt

                Ich weiß ja nicht wie alt Sie sind Frau Sauter, aber „früher“ wurde sogar noch die einzelne Sau vom Tierarzt behandelt. Das Verhältnis Tierarzthonorare zum Wert des Tieres hat sich enorm verändert. Heute wurde das Schnitzel für 3,99 und das Filet vom Schwein für 7,90 Euro annonciert, da erklärt sich einiges. „Früher“ ging eine Kuh nicht einfach mal so vom Hof, weil sie nicht gefressen hat. Wer 30 Kühe zum Leben hatte, dem war schon klar, welchen Verlust die einzelne Kuh bedeutete. Da haben sich die Relationen ganz einfach verschoben, gleichgültig, wie man es bewertet.

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                • Schweinebauer Piet sagt

                  Hallo Kirsten, Deine Kommentare kann man sehr gut lesen und einiges lernen. Das ist für mich ein guter Anreiz meinen Schreibstyl zu verbessern. Ich denke so erreichen wir bei Bauer Willi viel.

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    • Gülle-Doktor sagt

      Eine Korrektur von Zuchtzielen ist immer wieder notwendig und nicht außergewöhnlich. Die Gesamtwirtschaftlichkeit der Milchviehhaltung ist nicht leicht zu ermitteln und eine einseitige Ausrichtung auf die Milchleistung führt langfristig nicht zum Erfolg.

      Allein die Kosten, die durch die Aufzucht eines Rindes bis zur ersten Kalbung entstehen, sorgen dafür, dass der Halter mit seinen Ansprüchen an die Milchleistung auf dem Teppich bleibt und lassen ihn darauf achten, dass die Tiere nicht zu früh verschleißen.

      Aber gerade in Zeiten einer Bestandsvergrößerung infolge einer Stallerweiterung ist das sehr schwierig. Einerseits werden alle Tiere, die vier Beine haben, eingestallt und andererseits muss man Tiergesundheit und Milchleistung im Griff halten. Das gelingt nicht immer.

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  15. @ Gülle-Doktor:
    Wir wollten dieses Forum für einen – dringend notwendigen Dialog zwischen Landwirtschaft und Gesellschaft nutzen. Dazu wäre es aber nötig zuzuhören und zu argumentieren und nicht zu hetzen. Sonst wird das mit ihrem gesellschaftlichen Ansehen nicht besser, denke ich!

    Aber zu den Vorwürfen im Einzelnen:

    Sie schreiben:
    „Wegwerf-Kälber
    Schon in der Jauch-Sendung musste sie erkennen, dass sie von der “Entsorgung” von Bullenkälbern, die für die Milchproduktion nutzlos sind und die sich bei züchterischer Ausrichtung auf die Milchproduktion nicht mehr sinnvoll mästen lassen, aus dem fernen Australien gehört hat. Und sie musste zugeben, dass diese Praxis in Deutschland unbekannt ist.“

    In meinem Buch habe ich einen Fall geschildert, wo ein Bauer sein gesundes Bullenkalb nicht losgeworden ist und es trotzdem gut versorgt hat (bis ich es ihm abgekauft habe).
    Daraufhin habe ich Viehhändler, andere Bauern, die Landwirtschaftskammer in NRW, den Bundesverband der Kälbermäster, die TiHo Hannover etc zu dem Problem befragt und geschrieben, was Sie sagen.
    Mein Fazit: Es gibt ein Problem, das in Australien auf bruale Art und Weise gelöst wird. Das kein Landwirt bei uns so lösen möchte. Aber bei weiterer Spezialisierung und Konkurrenz kommt das Problem auch auf deutsche Milchbauern zu!

    Im Spiegel hat eine andere Autorin anderes behauptet, es wäre nett, wenn Sie mir das nicht vorwerfen, was andere Leute geschrieben haben. Darauf habe ich leider keinen Einfluss!

    „Wegwerf-Kühe bzw. Kühe mit Burn-Out-Syndrom
    Spätestens in dieser Diskussion stellte sich heraus, dass sich die Lebenserwartung von Milchkühen in den letzten Jahrzehnten bei gleichzeitig drastisch gestiegener Jahres-Milchleistung nicht verringert hat. Damit hat sich ihr an die intensiv wirtschaftenden Milchbauern gerichteter Vorwurf in Luft aufgelöst.“

    Die durchschnittliche Nutzungsdauer liegt bei unter drei Jahren, laut Anke Römer von der Landesforschungsanstalt für Landw. MeckPomm in Dummerdorf „dramatisch“ und nicht wirtschaftlich, laut den Zahlen des Holsteinverbands liegt die Nutzungsdauer von großen Betrieben deutlich niedriger als die von kleinen Betrieben.
    Wie kann man daran ablesen, dass es KEINE Probleme gibt?

    Im Buch stelle ich auf zwanzig Seiten eine intensiv wirtschaftenden Milchbetrieb vor, der gut wirtschaftet – da kann sich jeder Leser ein Bild machen. Vielleicht machen Sie sich die Mühe, lieber Gülledoktor, bevor Sie schimpfen? Ich schicke Ihnen das Kapitel gerne!

    „Solidarische Landwirtschaft
    Diesen Begriff hat Frau Busse den Bauern als Gegenmodell zur Vermarktung über Handelsketten als Möglichkeit zur Erzielung höherer Erzeugerpreise empfohlen. Nachdem ihr in dieser Diskussion klargemacht wurde, dass sich dieses Modell nur in Ausnahmefällen verwirklichen lässt, hat sie lapidar gesagt, die Diskussionspartner sollten sich nicht darauf versteifen.“

    Also, ich schrieb im Buch und im Interview, dass es ein gutes Modell gibt, das in Deutschland noch viel zu wenig bekannt ist und gute Chancen hätte – für alle die, die Lust darauf haben! Das heisst nicht, dass ich das für das einzig mögliche halte, sondern für einen guten Weg, gute Landwirtschaft zu machen, ohne angefeindet zu werden.
    Daneben halte ich eine bessere Preisfindung für wichtig: kostendeckende Preise im Dialog von Erzeugern und Produzenten, wie manche Bio-Verarbeiter das jetzt schon machen.

    „Frau Busse hat die Jauch-Sendung zur Werbung für ihr Buch genutzt. Wahrscheinlich hat sie sich auch von dem Interview mit Bauer-Willi eine Steigerung ihrer Absatzzahlen versprochen. Dieser Schuss ist nach hinten losgegangen und sie wurde von den Diskussionsteilnehmern entzaubert.“

    Auch da muss ich Sie enttäuschen: Die Absatzzahlen sind gestiegen! Und natürlich will ich, dass mein Buch gelesen wird! Es soll alle aufwecken, die meinen, man könne guten Gewissens Milch für 49 Cent im Supermarkt kaufen! Und auch alle die, die meinen, alles sei super in der Landwirtschaft! Man kann ruhig wenig zahlen und viel verlangen von den Bauern!

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    • Gülle-Doktor sagt

      Wegwerf-Kälber

      Hier geben Sie Ihre Vermutung über eine zukünftige Entwicklung wieder. Diese kann man weder beweisen noch widerlegen und ist somit ohne Aussagekraft.

      Wegwerf-Kühe bzw. Kühe mit Burn-Out-Syndrom

      Ich verstehe nicht, was mit „“dramatisch“ und nicht wirtschaftlich“ gemeint ist und kann deswegen nicht darauf antworten. In der Diskussion wurde eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 3,9 Jahren nach der ersten Kalbung genannt. Diese Zahl weicht nicht den Erfahrungen ab, die ich von meinem elterlichen Hof mit 30 Kühen habe, wo wir die Milchviehhaltung 1971 bei einem Stalldurchschnitt von ca. 5.000 l/Jahr aufgegeben haben. Dieser Zahl von 3,9 Jahren wurde in der Diskussion nicht widersprochen und demzufolge habe ich sie für bare Münze genommen. Sollten die tatsächlichen aktuellen Werte davon nach unter abweichen, wäre die Situation anders zu bewerten. Ich verstehe aber nicht, warum Sie oder andere nicht widersprochen haben.

      Solidarische Landwirtschaft

      In Ihrer Antwort bestätigen Sie mich in der Annahme, dass es sich dabei um ein Modell für eine kleine Minderheit handelt und es deswegen nicht massentauglich ist. Weder Konsumenten, die in Innenstädten wohnen noch für Erzeuger, die abseits von Ballungsgebieten arbeiten, ist es eine realistische Alternative. Ihr Modell der Preisfindung müssten Sie noch erläutern. Allerdings wird es nur für den oben beschriebenen kleinen Markt haben und somit von eingeschränkter Bedeutung sein.

      Werbung

      Werbung ist notwendig und jeder, der etwas zu verkaufen hat, sollte Werbung treiben. Ob die Werbung gelungen ist, zeigt sich erst hinterher und meine Aussage zum “ Schuss, der nach hinten losgegangen ist“, bezog sich nicht auf den Erfolg Ihrer Werbung sondern auf Ihre Argumentation.

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    • Birgit Sauter sagt

      Na Frau Busse, genau hier in den Kommentaren haben Sie gesagt, wir sollen uns nicht an der solidarischen Landwirtschaft festbeissen………….

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  16. Weiter geht´s mit der „Ponyhof-Ethik“, ich nehme den Begriff mal als Lob, ja?

    Bernd K schrieb:
    Frau Busse sagt, daß es unsolidarisch sei, “schlechte” Landwirte in der Rinderhaltung ökonomisch aussterben zu lassen. Da bin ich mir, auch wenn man den Tierschutz in Betracht zieht, nicht so sicher.

    Herr K, da haben Sie mich missverstanden! Ich meinte, wenn grundsätzlich Verbände, Kammern und Berater sagen, wenn Landwirte kein Geld verdienen, haben sie halt Managementfehler gemacht, dann ist mir das zu einfach!
    Die pauschale Annahme, dass ein Viertel aller Geflügelmäster schlecht wirtschaftet, die finde ich unsolidarisch.
    Dass es jenseits dieser Unterstellung natürlich bessere und schlechtere Landwirte in allen Branchen gibt, ist natürlich klar. Und da sollen die besseren weiter machen!

    Zur nächsten Fragen:
    „Ich möchte Frau Busse einfach mal fragen, ob Sie deutschen Bauern eine gute Nutztierhaltung zutraut und wie man Schritt für Schritt trotz globalen Wettbewerbs dahin kommt. Wie soll`s gehen?“

    Ja, natürlich traue ich den deutschen Bauern eine gute Nutztierhaltung zu!

    Aber ich glaube, dass das mit dem globalen Wettbewerb nicht gehen wird. Zumindest nicht ohne Marktzugangsbeschränkung für Produkte, die nicht unseren Standards entsprechen. Und auch nicht ohne klare Kennzeichnung der Haltungsbedingungen.
    Wenn man sieht, wie in den USA Schweinefleisch produziert wird: Wie sollen denn die Landwirte hier mithalten, wenn sie ihre Gülle ordnungsgemäß entsorgen und dafür entweder viel Fläche brauchen oder aber zahlen? Das ist doch kein fairer Wettbewerb!

    Ich glaube auch nicht, dass es wünschenswert ist, einen globalen Markt für Fleisch und Milch zu befördern. Das ist weder aus ökologischer noch aus entwicklungspolitischer Sicht erstrebenswert.

    Verlässliche regionale Beziehungen halte ich für wesentlich sinnvoller im Bereich Ernährung. Was halten Sie denn von kostendeckenden Preisen, die an Runden Tischen zwischen Erzeugern und Verarbeitern auf regionaler Ebene ausgehandelt werden?

    Und mein nächster Kommentar zur Informationspolitik der Fachzeitschriften:
    Frau Sauter schrieb:
    “ “Diese” Zeitschriften finanzieren sich durch die Werbung. Und sind nicht unbedingt als Fachliteratur anzusehen. Daraus nun zu schliessen, dass alle Kühe krank sind finde ich ziemlich unpassend.
    Wie Ketose entsteht ist den meisten Landwirten bekannt und muss nicht extra erwähnt werden.“

    Das sehe ich komplett anders. Selbst wenn jeder Landwirt das weiß, muss ich es als Journalist doch trotzdem schreiben! Und gerade wenn meine Zeitschrift von Anzeigen lebt, muss ich doch erst recht im redaktionellen Teil alle Seiten beleuchten.

    Zu noch mal zur FNL:
    Ich sehe das ähnlich, Herr Wohlfahrt! Die FNL muss doch eine Antwort auf die Frage haben, wie sie soziale Nachhaltigkeit versteht – bei einem anhaltenden Höfesterben, das meiner Ansicht nach eben nicht sozial nachhaltig ist.
    Hatte sie aber nicht.

    Und noch einmal zu den Kühen:
    Wenn ich im Buch schreibe, dass ein zu frühes Erstkalbealter für die jungen Kühe gefährlich sein kann und dass ein zu spätes erstes Besamen auch gefährlich ist, weil die Färsen dann zu dick werden können und schwere Geburten haben können, dann widerspreche ich mir doch nicht. Sondern dann versuche ich eine komplexe Situation angemessen zu beschrieben: Nämlich, dass es keine einfachen Lösungen gibt, etwa: Einfach später besamen, dann ist alles easy! Sondern dass man als Milchbauer ganz viele Faktoren im Blick haben muss, um seine Tiere optimal zu nutzen.

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  17. Gülle-Doktor sagt

    Die Behauptungen und Forderungen, die Tanja Busse während der Jauch-Sendung und in dem Interview mit Bauer Willi aufgestellt hat, haben sich inzwischen alle in Luft aufgelöst. Heute musste sie sich von Birgit Sauter noch den Vorwurf der schlampigen Recherche gefallen lassen. Sie hat sich auf ganzer Strecke als Sachbuch-Autorin unglaubwürdig gemacht. Ich zähle noch einmal auf:
    Wegwerf-Kälber
    Schon in der Jauch-Sendung musste sie erkennen, dass sie von der „Entsorgung“ von Bullenkälbern, die für die Milchproduktion nutzlos sind und die sich bei züchterischer Ausrichtung auf die Milchproduktion nicht mehr sinnvoll mästen lassen, aus dem fernen Australien gehört hat. Und sie musste zugeben, dass diese Praxis in Deutschland unbekannt ist.
    Wegwerf-Kühe bzw. Kühe mit Burn-Out-Syndrom
    Spätestens in dieser Diskussion stellte sich heraus, dass sich die Lebenserwartung von Milchkühen in den letzten Jahrzehnten bei gleichzeitig drastisch gestiegener Jahres-Milchleistung nicht verringert hat. Damit hat sich ihr an die intensiv wirtschaftenden Milchbauern gerichteter Vorwurf in Luft aufgelöst.
    Solidarische Landwirtschaft
    Diesen Begriff hat Frau Busse den Bauern als Gegenmodell zur Vermarktung über Handelsketten als Möglichkeit zur Erzielung höherer Erzeugerpreise empfohlen. Nachdem ihr in dieser Diskussion klargemacht wurde, dass sich dieses Modell nur in Ausnahmefällen verwirklichen lässt, hat sie lapidar gesagt, die Diskussionspartner sollten sich nicht darauf versteifen.
    Frau Busse hat die Jauch-Sendung zur Werbung für ihr Buch genutzt. Wahrscheinlich hat sie sich auch von dem Interview mit Bauer-Willi eine Steigerung ihrer Absatzzahlen versprochen. Dieser Schuss ist nach hinten losgegangen und sie wurde von den Diskussionsteilnehmern entzaubert.
    Ich danke Bauer-Willi, dass er dazu das Forum geboten hat. Jetzt sollten wir uns aber wieder ernsthafteren Themen zuwenden.

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    • Birgit Sauter sagt

      Nein, ich sage nicht, dass Frau Busse schlecht recherchiert hat……

      Sie hat in meinen Augen nur einseitig reecherchiert und in meinen Augen bewusst auch so geschrieben, dass es der Laie nicht richtig verstehen kann.

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    • Kirsten Wosnitza sagt

      „Gülle Doktor“, ich glaube kaum, dass sich der Betreiber dieses Blogs von einem anonymen Teilnehmer vorschreiben lassen wird, ob und wann er sich „ernsthafteren“ Themen zuwenden sollte. Ist ja kein Kindergarten hier, sondern eine interessante Diskussionsrunde. Als Milchviehhalterin habe ich ein Interesse daran, meine Kühe möglichst lange im Betrieb zu halten. Das kann ökonomisch richtig sein, auf jeden Fall ist es aber von der täglichen Arbeit her sehr befriedigend. Im Vergleich zu anderen Nutztierhaltern haben wir Milchviehhalter noch den „Luxus“, uns um einzelne Tiere kümmern zu können, um unseren Betrieb erfolgreich zu führen. Ich persönlich habe ein Interesse daran, dass dies so bleibt.

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      • Gülle-Doktor sagt

        Sehr geehrte Frau Wosnitza,

        nicht jeder in dieser Runde ist so medienerfahren wie Sie. Ich habe nicht vor, irgendjemandem Vorschriften zu machen; ich möchte nur meine Meinung zum Ausdruck bringen und vermeide dabei persönliche Angriffe. Die Anonymität verleitet mich nicht zu unflätigen Ausdrücken. Vielmehr soll sie das von mir geleitete Unternehmen vor Schaden bewahren, der u.U. dadurch entsteht, dass einzelne Teilnehmer meine Aussagen in den falschen Hals bekommen.

        Mit meiner Wortmeldung wollte ich lediglich aus meiner Erfahrung mit der Milchvielhaltung aus den Sechziger und Siebziger Jahren berichten. Ich bin mir sehr dessen bewusst, dass ich damit der in den letzten Stunden auf fachlich sehr hohen Niveau stattfindenden Diskussion nicht gewachsen bin und halte deshalb meinen Mund. Das soll mich aber nicht von weiteren Wortmeldungen abhalten, wenn ich es für sinnvoll erachte.

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        • Kirsten Wosnitza sagt

          Gülle Doktor, ich glaube nicht, dass ein fachlich hohes Niveau davon abhalten sollte, sich an Diskussionen zu beteiligen. Zum einen gibt es keine dummen Fragen und persönliche Eindrücke und Gefühle sind erlaubt. Wir alle sind auf den allermeisten Gebieten keine Fachleute und müssen uns trotzdem Meinungen bilden und Entscheidungen treffen um durchs Leben zu kommen. Um zu beurteilen, wie es den Kühen auf unseren Betrieben geht, sollten objektive Daten heran gezogen werden. Leider gibt es die derzeit nicht wirklich. Die Meldungen der Landwirte sind abhängig von deren Meldebereitschaft usw, es gibt dazu keinen Zwang. Wirklich interessant wäre die Statistik der Tierkörperverwertungsanstalten über Anzahl und Zustand der angelieferten Tiere je Betrieb.

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  18. Birgit Sauter sagt

    ***Zum Beispiel seitenweise Berichte über Ketose bei Kühen, dazu viele Anzeigen für Medikamente dagegen – aber kein Hinweis darauf, dass Veterinäre die Ketose mit der negativen Energiebilanz in Verbindung bringen und dass die Ketose auch eine Folge der Zuchtausrichtung auf frühe Jahreshöchstleistung ist?***

    „Diese“ Zeitschriften finanzieren sich durch die Werbung. Und sind nicht unbedingt als Fachliteratur anzusehen. Daraus nun zu schliessen, dass alle Kühe krank sind finde ich ziemlich unpassend.
    Wie Ketose entsteht ist den meisten Landwirten bekannt und muss nicht extra erwähnt werden.

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    • Anita Lucassen sagt

      Da ist genau der Punkt, wo ich der Meinung bin, dass Tanja Busse mehr Landwirte vor Ort hätte befragen sollen. Nur anhand der Artikel in diesen Zeitschriften zu urteilen, dass die Kühe alle krank sind, ist nicht realitätsgetreu. Auch wenn Tanja Busse behauptet, die Landwirte hätten ihr alle abgesagt. Wie viele hat sie denn tatsächlich gefragt?

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  19. ABa sagt

    Wieso werden Kühe denn nur ca 2 Jahre gemolken? Ist das nicht einfach nur ein mathematisches Problem?
    Eine Kuh kriegt in diesen 2 Jahren 2 Kälber, durchschnittlich ein weibliches und ein männliches. Das weibliche Kalb ersetzt dann später die Mutter. Wenn jede Kuh länger genutzt werden würde und z.B. durchschnittlich 4 Kälber bekommen würde hätte jede Kuh durchschnittlich 2 weibliche Nachkommen die eines Tages zur Kuh werden, damit würde sich der Kuhbestand sehr schnell vervielfältigen.
    Es wird ja nicht jede Kuh nach 2 Jahren geschlachtet. Gute Kühe werden oft länger genutzt, dafür wandern viele Jungkühe nach dem ersten Kalb zum Metzger weil die Leistung nicht paßt.

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  20. Andreas H. sagt

    So, 71 Meldungen, nicht schlecht. Ob das Dialog ist, weiß ich nicht. Dafür ist mir Frau Busse etwas wortkarg und einige Bäuerinnen und Bauern sind mir zu stur.

    Ich möchte Frau Busse einfach mal fragen, ob Sie deutschen Bauern eine gute Nutztierhaltung zutraut und wie man Schritt für Schritt trotz globalen Wettbewerbs dahin kommt. Wie soll`s gehen?

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    • bauerhans sagt

      die meisten kommentare kommen wohl von bauern/bäuerinnen,verbrauchermeinungen könnten mehr sein,was ja anliegen von bauer willi ist.
      bauern sind nicht stur,sondern halt nicht eloquent.

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  21. Bernd K sagt

    Es ist erstmal toll, dass Bauer Willi sich mit Frau Busse zusammen gesetzt hat und ein vernüftiges Gespräch geführt hat. Nach der Bullenkälberwegwerfgeschichte im Spiegel hätte ich dieses Niveau, auch von Frau Busse , nicht für möglich gehalten. Die Diskussion über „Turbokühe“ ist schon mehr als 30 Jahre alt. Leider sind vernünftige Daten über Remontierungsraten, Zwischenkalbezeiten etc im Netz nicht ohne weiteres zu finden und sind manchmal etwas spekulativ. Sicher ist, das sich die Nutzungsdauer die letzten zwanzig Jahre nicht verändert hat (ca 3 Jahre), bei einer starken Steigerung der Milchmenge. Die Lebensleistung für Milch ist also gestiegen. Da Fertilität und Milchleistung beides reproduktive Leistungen sind, die sich eigentlich gegenseitig ausschließen (Laktationsanöstrosie) bin ich sowieso erstaunt wie weit sich die Milchleistung steigern lies und lässt. Zum Beispiel haben sich auch die 100000 Liter Kühe in den letzten Jahren exponentiell vermehrt was auch ein Indiz für höhere Lebensleistung ist.
    Wie lange eine Kuh in einem Betrieb verbleibt ist und war immer stark von ganz vielen Faktoren abhängig, aber sicher weniger von der Zucht und Rasse und mehr von den Managementfähigkeiten des Halters. Der/die überdurchschnittliche Betriebsleiter/in waren in dem Bereich Lebensleistung auch immer über dem Durchschnitt. Die „Turbokuh“ zwingt die Halter zu einem sehr tiergerechten Stallbau und einer tiergerechten Fütterung, Ist das schlimm?
    Frau Busse sagt, daß es unsolidarisch sei, „schlechte“ Landwirte in der Rinderhaltung ökonomisch aussterben zu lassen. Da bin ich mir, auch wenn man den Tierschutz in Betracht zieht, nicht so sicher.

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    • Kirsten Wosnitza sagt

      Bernd, die von Dir genannten Aspekte sind im Buch doch aufgegriffen worden. Natürlich gibt es immer „die Besten“. Und dann noch 75% „Andere“. Milchviehhaltung ist vielfältig, noch, häufig angepasst an Standorte und den individuellen Betrieb. Nicht jede Kuh passt auf jeden Betrieb. In der Beratung wird aber leider oft suggeriert, dass ein Betrieb keine Zukunft hat, wenn er bestimmte Kennziffern nicht erreicht, zB. Leistung pro Kuh oder Hektar oder AK. Wenn man genauer hinschaut, gleichen Betriebe aber durchaus einiges aus. Leider wird aus oft Sorge, man sei mit seinem eigenen System nicht zukunftsfähig, auf das „intensivere“ System umgestellt, obwohl es vielleicht auf den Betrieb gar nicht passt – und es alternative Möglichkeiten gegeben hätte. Diese werden aber mitunter von der (Standard) Beratung gar nicht in Betracht gezogen und vorgestellt. Unsere Systeme werden immer leistungsfähiger und immer anfälliger und weniger fehlertolerant. Wir arbeiten mit LEBENDIGEM, Biologie lässt sich nicht immer 100%ig kontrollieren. Fehler ziehen in der Milchviehhaltung nicht nur wirtschaftliche Verluste sondern auch Leid bei Tier und Mensch nach sich. Hier gilt es genau abzuwägen, welcher Weg und welches System für den individuellen Betrieb passend ist!

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      • Bernd K sagt

        Kirsten, Du hast Recht, wenn Du die Unterschiede der landwirtschaftlichen Betriebe in Sachen Grösse, Standort usw aufführst. Man sollte also nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Aber wenn jemand als Haupterwerbslandwirt arbeiten will, sollte er seine Chancen genug Geld mit seinem Betrieb zu verdienen doch kennen und gegebenenfalls umdenken und anders wirtschaften (von mir aus „bio“; oder wachsen oder werweiswas) oder die Landwirtschaft aufgeben. Dieses Denken kann und wird man immer von einem Unternehmer erwarten.

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  22. Hertha Kerz sagt

    Ich glaube die Idee mit der „solidarischen Landwirtschaft“ ist eine gute. Ich glaube auch, wir müssen von den Supermärkten insgesamt wegkommen – diese zumindest als eine der vielen Alternativen, die es gibt, ansehen und nicht als den zentralen Lebensmittelversorgungspunkt. Aber ich sehe auch das große Problem der Finanzierung, welches von einer „solidarischen Landwirtschaft“ allein, sicher nicht bestritten werden kann. Hier wären Modelle wie bei vielen Zeitungen denkbar, die sich nicht über den Verkauf der einzelnen Publikation finanzieren, sondern eine Querfinanzierung durchführen. Querfinanzierung durch Angebote wie Seminare oder ähnliches. Bei Höfen wären beispielsweise Übernahmen von Schulstunden wie Biologie denkbar, die schon lange angebotenen Hofferien und was dem geneigten Landwirt sonst noch so einfällt. Ich, ich weiß, jetzt kommt erst einmal die Frage: „Und wo bitte schön, soll ich die Zeit auch noch hernehmen?“. Es handelt sich ja nur um angedachte Ideen.

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    • Thorsten S sagt

      Frau Kerz, wenn Sie von den Supermärkten wegwollen, dann nutzen Sie doch mal die Wochenmärkte. Da haben Sie in der Regel Kontakt zum Erzeuger und bekommen die Ware zu einem fairen Preis.

      Und Nischen sind für eine geringe Zahl an Landwirten nutzbar, sicher nicht für die Masse.

      „Solidarische Landwirtschaft“ hört sich toll an, anscheinend sieht die Mehrzahl der Verbraucher das aber nicht als sinnvoll an.

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  23. Anita Lucassen sagt

    Zum Thema frühe Abgänge von jungen Kühen ist mir folgendes durch den Kopf gegangen und ich würde gerne von Tanja Busse wissen, wie sie diese möglichen Zusammenhänge beurteilt:
    Dass in den letzten Jahren das Abgangsalter der Kühe nicht wesentlich angestiegen ist, hängt meiner Meinung nach auch mit der Milchquote und der in den letzten Jahren wieder angestiegenen Superabgabe zusammen. In dieser Zeit haben sich die Bauern sicher früher von einer Kuh getrennt, die bspw. nicht so schnell tragend werden wollte oder nicht die beste Eutergesundheit hatte und hat sie dafür durch eine junge Färse ersetzt. Ich bin davon überzeugt, dass die Landwirte jetzt eher bereit sind eine Kuh länger zu behalten, wo sie nicht mehr Gefahr laufen, dass sie die Quote zu stark überliefern könnten. Im letzten Herbst haben die Landwirte demnach (wir im übrigen auch) einige Kühe mehr zum Schlachten geschickt, die ohne drohende Superabgabe noch geblieben wären.
    Ein weiterer Gedanke ist, dass wir von dem Begriff der möglichen ‚Qualzucht‘ als Ursache für die relativ geringe Nutzungsdauer weg müssen. Erstens geben nur solche Kühe so viel Milch, wenn sie sich wohlfühlen und das Wohlbefinden der Kühe hängt nicht allein von einem möglichen Weidegang ab, denn sonst würden unsere Kühe nicht schon nach kurzer Zeit trotz für sie angenehmer Temperaturen von der Weide zurück in den Stall gehen. Zum anderen müssten die Nutzungsdauer von sogenannten Robustrassen wie den Schwedisch Rotbunten doch viel höher sein. Sieht man sich jedoch die Werte dieser Rasse in Schweden an, die bereits einen höheren Tierwohlstandard haben, so muss man erkennen, dass sie exakt auf dem gleichen Wert liegen, wie die deutschen Holsteins.

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  24. Andreas H. sagt

    Auf topagrar wurde dieses Video verlinkt. https://www.youtube.com/watch?v=3k2ktEouqHo
    Ich denke langsam selber, der Weltmarkt ist keine Chance sondern Risiko. Wer glaubt in Bergregionen für den Weltmarkt zu erzeugen, hat wohl nicht alle Latten am … Die Grenzen öffnen sich immer weiter, hier hat man uns mit Biogas die Kosten hoch getrieben und Grüne sägen nicht nur an unsere Nerven 🙁

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  25. Mama Oldenburg sagt

    …als alleinerziehende Mutter von vier Kindern, berufstätig und trotzdem vom Staat abhängig möchte ich folgendes beitragen. Ich muss wirklich sehr gut rechnen, um jeden Monat über die Runden zu kommen und trotzdem hat mich Tanjas Buch dazu bewogen, beim Biohof eine wöchendliche Obst und Gemüsekiste zu abonieren. Wir essen noch weniger Fleisch als vorher und wenn dann Bio. Da, wie gesagt, meine Mittel begrenzt sind, muss ich immernoch viel beim Discounter kaufen, achte da aber auch darauf, wenn möglich , Bioprodukte zu nehmen. Und das geht auch mit „Harz IV“. Ich habe das Buch schon an so viele Menschen weiterempfohlen und bin sehr froh ,es gelesen zu haben. Ich finde nicht, dass Tanja die Bauern in ein schlechtes Licht gerückt hat; im Gegenteil: ich habe großes Mitleid mit denen, die sich abhängig gemacht haben und es vieleicht schon bereuen. Für mich persönlich ist das Buch eine große Bereicherung, Danke Tanja! Ich hoffe sehr, dass das Buch noch viele „Normalos“ wie mich ereicht und wir gemeinsam einen besseren Weg für Mensch und Tier finden .

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    • Birgit Sauter sagt

      Mama Oldenburg, wo genau sehen Sie die Abhängigkeit der Landwirte?

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  26. Uli49 sagt

    Nach mühsamer Recherche bin ich jetzt auf das Video über den Stall von Gabriele Mörixmann gestoßen: https://www.bauerwilli.com/billige-lebensmittel-sind-thema-bei-guenther-jauch/#comment-3132
    Es ist zum Heulen! Seit Jahren suche ich Fleisch das so produziert wird, daß es den Anforderungen an eine artgerechte Haltung entspricht, es gibt Bauern die das machen wollen und der Verbraucher erfährt davon nichts. Warum schließen sich die interessierten Bauern nicht zu einem Verband zusammen, suchen sich einen Vermarkter, engagieren eine gute Werbeagentur und rühren endlich mal die Werbetrommel, damit ich als Verbraucher das endlich kaufen kann. Dafür gibt es einen Markt, aber den erschließt man sich nicht mit Geheimhaltung. Es geht auch nicht mit so Wischi-waschi-Reklame wie in den Radiospots „Ich vertraue der heimischen Landwirtschaft“ sondern ganz konkret wie im Video mit Frau Mörixmann mit Hinweis auf das Tierwohl-Label. Dieses Video ist klasse!
    Uli

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Uli,
      nicht verzweifeln, immerhin gibt es diesen Blog 🙂
      Hier ein weiteres Video von Gabriele:
      https://youtu.be/xz-ylUuPgkU
      Und in Facebook steht, dass sie auch Pakete verschickt. Würde ja gerne den Link mitschicken, aber das Profil von Gabriele ist privat
      Ich schick Dir die Adresse per Mail.
      Alois

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          • bauerhans sagt

            im wochenblatt nr.22 seite 43(westfalen-lippe) steht ein bericht über g.mörixmann:sie sagt,dass sie 15ct. mehr braucht für ihren wohlfühlstall. wären dann 30ct. ,mit den von mir geforderten 15ct.

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    • Matthias W. sagt

      Hallo zusammen,
      lese gerade in der Rheinischen Post von heute (26. Mai 2015), dass das Projekt Tierwohl aus Kostengründen nicht alle Bauern berücksichtigen kann, die investierten. Es stünden 85 Mio Euro zur Verfügung; das Geld ist ausgegeben! Zwei Bauern haben im Artikel Vorab-Investtionen in Höhe von € 10.000.- zw. € 30.000.- gemacht und kommen nicht in den Genuß, das versprochene Geld für „Tierwohl“-Aktivitäten zu bekommen… Ganz schön verrückt!!

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        • W. Toft sagt

          Hier profiliert sich der Handel billig, auf Kosten der Landwirte! Der Landwirt kann sich noch so abstrampeln, dass er mal gelobt wird, bzw. die angemessene Entlohnung bekommt, fällt vielen Verbrauchern schwer. Unsere Neidgesellschaft neigt dazu, sich von dem angeblich „reichen Bauern“ auszuhalten. Eigentlich können wir gleich die Bevölkerung zum Mittagstisch einladen, hoffentlich schmeckt es denen. Kritisieren würden sie den Bauern immer noch.

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  27. Kirsten Wosnitza sagt

    Zunächst einmal ein Kompliment sowohl an Bauer Willi, der das Interview geführt hat und diese Diskussion veröffentlicht und dann an Tanja Busse für ihr mutiges und engagiertes Buch. Ich kann Willis Aussaga: „Wir Bauern fühlen uns durch Dein Buch angegriffen, ja fast diffamiert. Wieder sollen wir als “die Bösen” dargestellt werden.“ nicht nachvollziehen. Weder ich noch die Berufskollegen, die das Buch gelesen haben, haben sich vom Inhalt angegriffen gefühlt. Im Gegenteil, oft habe ich gehört, dass Frau Busse vieles ausformuliert und auf den Punkt gebracht hat, was sie schon lange denken. (Leider hat man vielen Bauern den Mut genommen, auch mal Schwäche zu zeigen.) Vielleicht fühlt sich der eine oder andere „angegriffen“, weil er ein System unter Kritik sieht, dem er meint nicht entkommen zu können. Das finde ich aber wenig nach vorne gedacht. Auch als Landwirte müssen wir uns weiter entwickeln. Leider lassen sich zu viele Berufskollegen einreden, es gäbe nur „den“ Weg. Dabei sind gerade unsere Milchviehbetriebe im Gegensatz zu anderen Tierhaltungen noch sehr vielfältig. Diese Vielfalt ist allerdings bedroht. Die Lösungsvorschläge von Frau Busse finde ich interessant und visionär. Das heißt nicht, dass sie für Alle und Alles umzusetzen sind. Um uns gesellschaftsverträglich entwickeln zu können, brauchen wir gemeinsame Lösungen von Bauern, Verbrauchern, Wirtschaft und (Regierungs-) Politik. Leider ist gerade letztere wenig mutig. CDU, FDP und auch die SPD setzen auf ein Weiter So, auch wenn es anders klingen soll. Also braucht es eine starke Allianz von Bauern und Verbrauchern um eine Situation zu schaffen, mit der beide gut (über-) leben können. PS: Willi, wer die Entwicklung auf dem Milchmarkt verfolgt hat, der hat keinen Grund über die Preissenkungen der Discounter überrascht zu sein. Wenn die Milch nicht so reichlich wäre, hätten Aldi und Co nicht so verhandeln können. DAS IST MARKT.

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    • Bauer Willi sagt

      Hallo Kirsten,
      wie ich von Deinen top agrar-Kommentaren weiß, bin ich ja nicht immer dein Freund. Ich auch nicht deiner.
      Doch zu deinem Kommentar hier: ich nehme bei dem „Angriff“ da die Rolle vieler Bauern ein, die das so nicht sagen wollen. Die haben das Buch auch nicht gelesen, sondern lesen nur bestimmte Kommentare. Was die gemeinsamen Lösungen angeht, so würde ich mir die auch sehr wünschen. Aber noch ist da zu wenig Dialogbereitschaft, von allen Seiten! Auch von uns Landwirten in unseren Wagenburgen. Wir fühlen uns halt als „die Bösen“.
      Was den Milchpreis und Aldi angeht: Glaub mir, dass ich weiß, warum die Milchpreissenkung gelingen konnte. Am liebsten würde ich allen Milchbauern europaweit zurufen: Runter mit der Produktion, gerade jetzt ohne Quote! Längere Trockensteherzeiten, weniger besamen! Das hilft kurzfristig.
      Und „visionär“ an die Zuchtverbänden: fangt wieder an mit der Züchtung auf Zweinutzungsrassen! Dann muss es aber auch mehr Euro pro kg Fleisch und pro Liter Milch geben. Das ganze begleitet von Politik und Handel. Und den Medien und den NGO’s. So könnte ein Schuh draus werden.
      Bauer Willi

      4+
      • Birgit Sauter sagt

        Weniger besamen ist aber keine Lösung.
        Dass würde ja wiederum heissen, dass Kühe weggeworfen werden müssten.

        Das schreibt sogar Tanja Busse indirekt in ihrem Buch. Sie schreibt zwei Seiten darüber, dass die Rinder zu früh besamt sind. In einem kleinen Satz am Rande erwähnt sie, dass bei einem späten Erstkalbealter allerdings die Gefahr besteht, dass die Rinder zu fett sind und deswegen Probleme bekommen. Und genauso verhält es sich auch bei Kühen mit einer hohen Zwischenkalbezeit.

        3+
        • Bauer Willi sagt

          Hallo Birgit
          jetzt bin ich ja kein Kuhflüsterer, aber eine längere Zwischenkalbezeit von ein oder zwei Monaten dürfte ja nicht das Problem sein. Und das macht bei Millionen von Kühen dann schon was aus, oder? Aber ich bin da kein Fachmann 🙁
          Bauer Willi

          1+
          • Birgit Sauter sagt

            Ein bis zwei Monate vielleicht nicht. Obwohl es so ist, dass die Kühe bei der , ersten Brunst am Besten aufnehmen. Und häufig wenn die erste Brust versäumt wurde, werden die Kühe weniger gut trächtig.
            Die Forderung von einigen, die in diese Richtung argumentieren, liegt aber bei bis zu einem Jahr. Und das denke ich ist nicht sinnvoll.

            1+
            • Crux sagt

              Hallo Willi,

              hier wird von Birgit ein wunder Punkt der ganzen Debatte aufgezeigt. Der allergrößte Teil der Debatte erfolgt auf der Basis von Nicht- oder Halbwissen. Deswegen kommt es nicht nur zu vielen wahnwitzigen Vorschlägen, sondern selbt du als Bauer kannst dich nicht mit dem Halbwissen von Tanja Busse messen. Auch Tanja Busse zeigt zwar Probleme auf. Ihre Lösungsvorschläge sind aufgrund einer einseitigen Analyse basierend auf selektiv erworbenen Halbwissen auch nicht mehr als eine Art Religionsunterricht. Was etwa ist das ethische Problem an kurzen Remontierungsraten? Sollen Kühe aus ethischen Gründen alleine deswegen länger gehalten werden, um dann ein Jahr später beim Metzger zu landen? Doch nicht wirklich. Längere Zwischekalbezeiten haben auch einen Preis. Kranke Kühe haben einen Preis. Der Ressourcenverbrauch hat seinen Preis. Teilweise werden diese Preise vom Landwirt und dann zumeist am Ende vom Verbraucher gezahlt. Teilweise von der Gesellschaft und den Tieren. Hier muss man ansetzen. Aber basierend auf einer echten ethischen und fachlichen Analyse und entsprechenden Diskussionsprozessen. Nicht auf Ponyhof-Ethik und Halbwissen.

              2+
              • Alois Wohlfahrt sagt

                naja „Vollwissen“ in einem Bereich ist auch keine Garantie alles richtig zu machen. Hochspezialisierte Produktionsexperten gibt es sicher in der Landwirtschaft viele. Vielleicht ist das ja ein Grund warum die Kommunikation der Landwirtschaft mit der übrigen Gesellschaft mittlerweile so schwierig ist. Da hat sich doch völlig vom Spezialwissen unbemerkt so eine „Ponyhof-Ethik“ in weiten Teilen der Gesellschaft entwickelt, die möglicherweise die Macht anstrebt das Spezial- oder Vollwissen teilweise ad absurdum zu führen. Darum macht es durchaus Sinn, wenn jemand mal solche Thesen wie im Buch mit etwas breiterem „Halbwissen“ zur Diskussion bringt. In der Wirtschaft nennt man das Trends erkennen, oder wie der Volksmund sagt: „Über den Tellerrand schauen.“

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      • Schweinebauer Piet sagt

        Genau Willi runter mit der Menge! Auf 3 brüllen wir! !!
        Wer will kann mit machen! !!

        1+
      • Kirsten Wosnitza sagt

        Willi, man muss ja nicht „Freund“ sein, um vernünftig miteinander zu kommunizieren oder auch mal zu streiten! Ich finde den Titel des Buches nicht geeignet, um die Bauern zum Lesen „ins Boot“ zu bekommen. Aber er regt immerhin zum Nachdenken an. Wer allerdings nur aufgrund einiger Auszüge sich den „bösen Bauern“ anzieht, wird kein guter Diskussionspartner sein. Er tut sich als Bauern auch keinen Gefallen, weil er sich in die Opferrolle zurück zieht – und die ist immer schwach!!! Ganz schlechte Position! Ich kann im Übrigen nicht über mangelnde Dialogbereitschaft klagen. Ich melde mich bei Dir, wenn es eine interessante Veranstaltung gibt, vielleicht magst Du dran teilnehmen und den Dialog ausprobieren. Und zum Schluss: Warum schreibst du im Konjunktiv? Ruf es den Bauern doch einfach in Deinem Blog zu! Übernehmt Verantwortung für Eure Produktionsmenge, denkt noch intensiver über Eure Zuchtausrichtung nach und seid mutig, auch mal neue Wege zu beschreiten. Die Medien, NGOs hast Du auf Deiner Seite, auch mutige Bauern. Mit der Politik wird es schon schwieriger. Der Handel wird (wie immer) auf Markt und Öffentlichkeit reagieren. Wer fehlt noch…?

        1+
  28. Ich möchte mich noch einmal zu Wort melden mit zwei Vorschlägen:

    Erstens: Beißen Sie sich bitte nicht an der solidarischen Landwirtschaft fest! Das ist ein Vorschlag für die, denen das Spaß macht, den Landwirten und den natur- und bauernhof-suchenden Familien, die nachmittags lieber zum Bauern fahren wollen als in den Indoorspileplatz zum Beispiel. Das sollte ruhig gefördert werden, aber das heisst natürlich nicht, dass alle so wirtschaften sollen.

    Deshalb, zweitens, würde ich gerne den Vorschlag von Herrn Hoffrogge aufnehmen: Den Marktzugang regeln! Wenn es WTO-konform ist, den Import von Katzen- und Hundefellen zu verbieten, dann müsste es doch auch in anderen Bereichen möglich sein, den Marktzugang für Produkte zu beschränken, die unseren Standards nicht genügen. Ich weiß, das ist politisch sehr schwierig, aber es müsste doch Wege geben: Also, hier die Tierschutzstandards heben und dann eben nicht erlauben, dass sich die Produktion ins Ausland verlagert und wir Fleisch, Eier und Milchprodukte von dort importieren. Sondern unsere Standards verbindlich machen und alles andere eben nicht mehr verkaufen.

    Und ein kleiner Schritt dahin: Klare Kennzeichnung! Die Produktion von Käfigeiern für verarbeitete Produkte hat sich doch nur ins Ausland verlagert, weil auf Lebensmitteln, in denen Eier verarbeitet sind, eben nicht drauf steht, aus welcher Haltungsform die Eier stammen. Das ist nun wirklich so kompliziert durchzusetzen – und würden viel mehr Hühnerhaltern neue Märkte erschaffen!

    Und jemand hatte geschrieben, ich sollte auch auf den Höfen recherchieren. Hab ich natürlich! Mein Buch ist ja ein bisschen länger als das Interview. Ich hab gedacht, wenn die durchschnittliche Nutzungsdauer bei unter drei Jahren liegt, rufe ich einfach den nächsten Milchbauernhof an und begleite eine solche Kuh zum Schlachter. Und was sagte der Landwirt? Klar, kommen Sie vorbei! Bei mir hat gerade eine Kuh ihr sechzehntes Kalb bekommen!
    Ich war sehr beeindruckt: ein Betrieb, der züchterische Leistung und hohe Milchmengen Weidegang und langer Nutzungsdauer verbindet. Ich habe aber auch einige Betriebe angerufen, die eben keine Journalisten auf dem Hof haben wollen, Valentin Thurn ist es genauso gegangen – bei allen großen Betrieben. Das verstärkt natürlich das Mißtrauen!

    Und noch einmal zum Idylle- und Kitsch-Vorwurf: Wir brauchen eine Landwirtschaft, die Biodiversität erhält, die also vielfältig ist und die Ökosysteme erhält, die überhaupt erst entstanden sind, weil unsere Bauern-Vorfahren Wiederkäuer auf Grünland haben grasen lassen. Wenn das Ergebnis, die Almen in den Alpen, die Weiden und Knicks in Schleswig-Holstein, die Blühstreifen an Getreidefeldern überall sonst, wenn das dann schön aussieht und gefällt, ist es doch nur umso besser! Das muss man doch nicht als Kitsch zurückweisen!

    Lieber Alois Wohlfahrt,
    die FNL fehlt in der Dankesliste, weil es ja extra gegründet wurde, um Journalisten und Konsumenten zu informieren. Und ich musste dort so lange um ein Interview betteln. Aber was mich viel mehr interessiert: Wie finden Sie denn das, dass die FNL mit Nachhaltigkeit wirbt, dann aber die Systemgrenzen so eng zieht, dass sie gar nicht wirklich Aussagen treffen kann. Also, Milchleistung loben, ohne die Nutzungsdauer und also die Aufzuchtszeit einzurechnen, oder Ertragssteigerungen als Effizienz ausgeben, ohne das höhere Input gegenzurechnen?
    Ich finde das nicht korrekt. Und Sie?

    3+
    • Birgit Sauter sagt

      Zu erstens:
      Wir beissen uns nicht daran fest. Aber ich (und viele andere) sehen die Gefahr darin, dass nun viele Menschen glauben, dass es das „Richtige“ ist.
      Es ist ein Nischenprodukt – lässt sich aber nicht auf die gesamte Landwirtschaft übertragen.
      Und es ensteht so der Eindruck, dass alles Andere falsch ist.

      2+
    • Birgit Sauter sagt

      Frau Busse, woher kommt das Misstrauen auf den Höfen in Bezug auf Journalisten?
      Daraus jetzt zu schliessen, dass es etwas zu verbergen gibt finde ich eigentlich ziemlich dreist.

      Und auf wievielen kleinen Betrieben hätten sie keine Drehgenehmigung bekommen?

      4+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Frau Busse,
      mich wundert das schon, dass sie bei der FNL um ein Interview „betteln“ mussten, wie sie es sagten. Die haben doch hochkarätige Leute und müssten explizit daran interessiert sein, Ihnen Informationen zu liefern, also mitwirken zu dürfen. Wenn Landwirte zurück schrecken vor Journalisten, das kann ich sehr wohl nachvollziehen. Aber wenn die FNL oder jetzt FML da zaudert ist das peinlich. Denn das sind für mich „Profis“ in Sachen Öffentlichkeitsarbeit, oder sollten es sein. Es scheint mir insgesamt ein Manko zu sein, dass gerade NGO’s sich in der Öffentlichkeit als Informationsgeber erfolgreich anbieten und sich etablieren, während die fachlich fundierten Organisationen, wie Landwirtschaftsberatung, Lehranstalten und Verbände erst mühsam gefragt werden wollen. Das Resultat dieser Passivität ist, dass ganz selbstverständlich Experten von Foodwatch und co. von den Redaktionen als Informationsquelle herangezogen werden. Ich habe das mal bei einem Interview von Bayern 2 (Hörfunk) erlebt, als ich vom Moderator mit einer Expertin von Foodwatch in Sachen Tierwohl konfrontiert worden bin. Diese war fachlich dermassen schwach, hat schließlich sogar noch die Bioproduktion (für die sie ja eigentlich stand) runtergeredet, dass ich nach der Sendung den Moderator nochmals kontaktiert habe und ihn gefragt habe, wie er denn auf die Idee gekommen sei? Da sagte er mir, dass seine Redaktion einfach sonst niemanden gewusst hätte. Das sagt doch Alles.

      2+
      • Birgit Sauter sagt

        Das liegt aber auch daran, dass man den Verbänden und der Landwirtschaftberatung finazielle Interessen und Lobbyarbeit unterstellt. Viele sind gar nicht bereit die dort erhalten Informationen zu nutzen, weil sie nicht in ihr Bild passen.

        0
  29. Birgit Sauter sagt

    Zitat aus dem Buch:
    ***Dank
    Ich danke allen Landwirtinnen und Landwirten, die sich die Zeit für meine Fragen genommen haben und mir ihre Betriebe gezeigt haben. Sehr viele von ihnen, vor allem die Aussteiger und Kritiker, wollten ihre Namen nicht nennen. Ihnen sei besonders gedankt, dass sie mich trotzdem mit Informationen versorgt haben. ***

    Frau Busse,

    mich würde nun interessieren auf wie vielen Bauernhöfen von Nicht-Kritikern und Nicht-Aussteigern sie waren?

    Warum trauen sich die Aussteiger und Kritiker nicht ihre Namen zu nennen? Vor was haben Sie Angst? Wohl nicht vor unerlaubten Stalleinbrüchen.

    3+
    • Kuhstall sagt

      Natürlich jeder darf seine eigene Meinung vertreten das ist ein Grundrecht unserer Gesellschaft. Aber wir müssen dann auch mit den Konsequenzen leben. Für viele Landwirte gibt es auch wegen der finanziellen Zwänge nur noch einen vorgegebenen Weg. Den zu kritisieren kann schon bedrohlich werden. Denn Reden ist Silber und Schweigen ist Gold. Nestbeschmutzer sollten vor allem Angst vor dem Agrarklüngel haben. Das kann mit Ausschluss aus der Dorfgemeinschaft beginnen und muss nicht mit einem gestrichenen Bankdarlehen aufhören.

      1+
  30. Schweinebauer Piet sagt

    Wie viele Bauern oder Verbraucher können denn bei der solidarischen Landwirtschaft mitmachen? 5 Prozent? Welchen Mehrpreis kann denn das bringen? Wir haben ja zum Beispiel auch Aldi, der ziemlich gute Wege vom Erzeuger zum Verbraucher hat. Weiter wird hierdurch auch Menschen mit geringem Einkommen, wie Hartz-IV-Empfängern der Zugang zu guten Nahrungsmitteln ermöglicht. Ich halte die solidarische Landwirtschaft für einen gewaltigen Rückschritt.

    Es wird zwar immer wieder gesagt das Aldi Schuld an niedrigen Preisen ist. Ich glaube aber viel mehr, dass das nur ein Gefühl ist. Vor 2 Jahren hatten wir zum Beispiel sehr gute Milchpreise, als das Angebot knapper war.

    2+
  31. Uli49 sagt

    Sprache ist verräterisch!
    Frau Rahn-Farr schreibt über die „Lebenstagsleistung der Abgangskühe“ und Frau Lucassen: „Wenn bei uns eine Kuh frühzeitig geht, liegt eine genetisch bedingte…“
    Im Klartext heist das: eine völlig überzüchtete Kuh wird nach einem Bruchteil ihrer Lebenserwartung geschlachtet, weil sie nicht mehr die geforderte Leistung erbringt.
    Es ist doch bezeichnend, daß die Frauen das nicht klar sagen, sondern sich hinter einer verschleiernden Sprache verstecken. Diesen Euphemismus kennt man von Firmen, die „Arbeitskräfte freisetzen“, wenn sie in Wirklichkeit Leute entlassen. Solch ein Euphemismus ist immer ein Zeichen mangelnder Empathie.
    Ich verstehe sehr gut, daß in unserer Marktwirtschaft ein Bauer so handeln muß, aber es erschreckt mich, wenn die Menschen, die so handeln, keine Distanz mehr zu ihrem Tun haben. Die Frauen haben die Marktzwänge schon so verinnerlicht, daß sie ihr Handeln nicht mehr hinterfragen können.
    Frau Rahn-Farr schreibt: „Es gibt die Tiere nur, weil sie wirtschaftlich genutzt werden“.
    Das ist absolut richtig, kann aber nicht als Freibrief für jedwedes Handeln gelten. Nach dem Gesetz ist ein Tier zwar nur eine Sache, aber in den Augen vieler Menschen eben auch eine Mitkreatur.
    Ich halte die Lösungsvorschläge von Frau Busse, die in ihrem Buch immer wieder von der Zeitung „Landliebe“ schwärmt, für illusorisch. Ich wünsche mir ein strenges Tierschutzgesetz und strenge und häufige Kontrollen durch die Aufsichtsbehörde. Für mich als Verbraucher wünsche ich mir zur Orientierung ein Tierwohllabel nach Prof. Spiller siehe: http://www.agrarheute.com/interview-geld-fuer-gesellschaftlich-akzeptierte-tierhaltung-umschichten
    Prof. Spiller steht auf der Seite der Bauern. Wer sich für seine Arbeit interessiert:
    http://www.stoppt-den-terror-gegen-unsere-tierhalter.de/interview
    http://www.milchtrends.de/fileadmin/dam_uploads/Projektordner/5_Aktuelles/Tierwohl%20%C2%AD%20Milchtrends%20Interview.pdf
    https://www.aid.de/fachzeitschriften/bub/bubartikel/bub_2011_06_spiller_franz_tierwohl_landwirte.pdf
    Da gäbe es Verdienstmöglichkeiten für Landwirte. Prof. Spiller sieht ein Marktvolumen von 20% für Fleisch mit diesem Label. Machen die Bauern keine Marktstudien?
    Grüße
    Uli

    4+
    • bauerhans sagt

      wo sind die käufer,die freiwillig mehr fürs fleisch zahlen??
      ich hatte früher direkt an den dorfmetzger geliefert(montags morgens um 4.00) und der machte im dorf reklame damit.
      plötzlich fing er an, „haare in der suppe“ zu finden und ich lieferte an den schlachthof,der auch ein eigenes label hatte,aber niemanden mehr aufnahm,weil der absatz sich nicht steigern liess.
      mein heutiger abnehmer,ein kleiner schlachthof,beliefert einen hiesigen discounter,zahlt aber keine zuschläge,im gegenteil,die listungsgebühren werden inform von vorkosten auf die bauern umgelegt.

      1+
    • Bauer Willi sagt

      Hallo Uli
      habe mir gerade einige Artikel von Herrn Spiller angesehen. Hier jetzt nur zum Thema Label: Das Tierwohl-Label wird zwar intensiv in landwirtschaftlichen Kreisen diskutiert, findet aber in der Öffentlichkeit nicht statt. Wenn ich mich auch als Verbraucher sehe, so finde ich keine wirklich wahrnehmbare Aktion des Handels, der auf die Initiative Tierwohl hinweist. Ich gebe Herrn Spiller absolut Recht, wenn er darauf hinweist, dass es um Vertrauen geht. Fakten sind da eher sekundär.
      Von daher finde ich die Rundfunkspots von http://www.heimischelandwirtschaft.de auch einen richtigen Weg, sich dem Thema zu nähern. Mir ist es aber völlig unklar, warum die Landwirtschaft dort nicht mitmacht. Ich bin jedenfalls Mitglied geworden.
      Bauer Willi

      1+
      • Uli49 sagt

        Der erste Anlauf zum Tierwohl-Label vor 3 Jahren war ein PR-Desaster. Anstatt daß Bauern und LEH eine große Kampagne aufziehen, hat man die Werbung dem Tierschutzbund überlassen! Ich habe von der Existenz dieses Labels überhaupt nichts mitbekommen, obwohl ich mir die Hacken ablaufe um Fleisch aus artgerechter Haltung kaufen zu können. Diese Einführung dem Tierschutzbund zu überlassen war so, als ob Volkswagen ein neues Luxusmodell für die solvente Käuferschicht entwickelt und die Werbung und das Marketing der IG Metall überläßt. Ich glaube, den Bauern war es recht, daß das Label scheiterte, damit sie sagen können, „der Verbraucher will es nicht“. Es ärgert mich, daß ich als Verbraucher in meiner Stadt kein Fleisch aus artgerechter Haltung kaufen kann und so wie mir geht es vielen. Seriöse Schätzungen gehen bei entsprechendem Marketing von einem Marktpotential von 10-20% aus. In der Automobilindustrie wird jeder Käuferwunsch bedient. Da gibt es das gleiche Auto mit flacher und steiler Hecktür, mit hohem oder niedrigem Dach. Die Produzenten wollen auch noch den kleinsten Marktanteil mitnehmen. Die Landwirte haben das offensichtlich nicht nötig, denen geht es anscheinend noch zu gut. Ich fühle mich wie in der Planwirtschaft, wo der Kunde das zu akzeptieren hat, was er vorgesetzt bekommt.

        1+
      • bauerhans sagt

        ….mit QS (qualität und sicherheit) können die meisten verbraucher auch nix anfangen….

        0
    • Andreas H. sagt

      @Uli,
      Du sprichst was an, dass wirklich nachdenklich macht. Die Andrea steht sicher nicht exemplarisch für mangelnde Empathie. Da gibt es ganz andere „Kaliber“ die einem das Fürchten lehren. Die werden sogar teilweise vom Bauernverband mit Preisen bedacht.

      Wenn solche, ich sage mal Hardliner (innen) uns künftig repräsentieren sollen, verabschiede ich mich von der Landwirtschaft. Mit dieser Landwirtschaft will ich nichts zu tun haben. Ich bedanke mich beim „Bauern Willi“ und Alois, die sorgen dafür, dass wir nicht als „Radikalinskis“ dastehen. Danke!

      2+
    • Birgit Sauter sagt

      Natürlich spielen auch in der Landwirtschaft finanzielle Gesichtspunkte eine Rolle.
      Das heißt aber nicht automatisch, dass deswegen etwas schlecht sein muss.
      Und auch in kleineren Betrieben mit niedrigerer Milchleistung werden Kühe die zu „wenig“ Milch geben oder nicht mehr trächtig werden verkauft und geschlachtet……….und nicht weggeworfen.
      Unfruchtbarkeit und „zu“ niedrige Milchleistung it keine neumodische Erscheinung.

      1+
  32. Anita Lucassen sagt

    In einem Punkt muss ich meinen Kommentar korrigieren: die Abgangsursache Unfruchtbarkeit ist von 27 auf 20 Prozent zurück gegangen.

    0
  33. Anita Lucassen sagt

    Was mich an der Wortwahl von Frau Busse am meisten stört, ist der Satz: ‚die Kühe kollabieren nach 2 Jahren‘: Hier wird beim Verbraucher der Eindruck erweckt, dass die Kuh nur noch ein Wrack ist und tatsächlich entsorgt, d.h. noch nicht einmal geschlachtet werden könnte. Abgesehen davon, dass es tatsächlich 2,9 Jahre Nutzungsdauer nach der ersten Kalbung sind, wie sollten denn die Landwirte wirtschaftlich damit klar kommen, wenn sie tatsächlich die Kühe nur noch entsorgen und nicht mehr als aufgefleischte Schlachtkuh verkaufen könnten? Mir fehlt hier eine gründliche Recherche auf den Höfen selbst, anstatt der einseitigen Recherche über die Fachzeitschriften. Welches sind die wirklichen Gründe, weshalb einige Kühe vom Landwirt so früh aussortiert werden? Es gibt da aus der Tierhaltungswissenschaft den Begriff der vom Landwirt gewollten Merzung bzw. der vom Landwirt ungewollten Merzung. Wenn bei uns eine Kuh frühzeitig geht, liegt eine genetisch bedingte schlechte Fruchtbarkeit oder Eutergesundheit vor. Wenn man in den Familienstammbaum dieser Tiere schaut, sind bei den Vätern mindestens einer oder mehrere, die in den Bereichen schlechte Zuchtwerte haben. Da das Generationsintervallen bei den Kühen sehr lang ist, kann man das nicht mal eben schnell verändern. Aber daran, dass die Abgangsursache ‚Unfruchtbarkeit‘ in den letzten 15 Jahren von 17 Prozent auf 11 Prozent zurückgegangen sind, sieht man, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

    5+
  34. Ich bin der Meinung, dass alle irgendwo ein wenig Recht haben, einige in der Theorie und einige in der Praxis.
    Der Titel des Buches ist provokant und das darf er auch ruhig sein.
    Die Lösung dieses Problems, welches wir in Deutschland mit der Tierhaltung haben und welches die Bürger anderer Länder nicht mit ihrer meist schlechteren Tierhaltung haben, liegt nach meiner Meinung nicht beim Bauern und nur bedingt beim Verbraucher.
    In diesem System, in dem wir in der Staatengemeinschaft nach Weltmarkt produzieren müssen, muss man sagen, dass der Bauern Verband mit dem Schlag Wort Wachsen oder Weichen Recht.
    Pauschal richtig ist diese Ausrichtung aber sicher auch nicht. Eine andere allgemeine Ausrichtung der Landwirtschaft in Deutschland in den letzten Jahrzehnten hätte keinem Tier eine andere Haltung gebracht, es hätte nur den Wohnsitz der Tier verlagert. Das zeigt auch ganz deutlich der Eiermarkt. 50 % der in Deutschland konsumierten Eier sollen noch aus Käfigen kommen (auch aus der EU, wo diese Haltung seit 2012 verboten ist). Auch Bio Eier werden stark importiert. Wenn man jetzt einfach die 50 % Käfighaltungseier aus den Verarbeitungsprodukten heraus lässt, wo sollen denn dann die Eier dafür her kommen? Aus Deutschland kommen die Eier trotzdem nicht, weil hier niemand mehr effiziente Tierhaltung und sei es Freiland oder Bio, haben will.
    Ich verstehe aber auch alle realen Forderungen nach besseren Haltungsbedingungen und würde diese liebend gerne auch in meiner Schweinehaltung umsetzten. Fakt ist, dass es sich einfach in Deutschland nicht rechnet, also werde ich meine Schweinehaltung konsequenter Weise wohl bald aufgeben müssen.
    Ich kann nicht nach Weltmarkt Preisen produzieren, ich kann aber auch nicht wirtschaftlich interessant und langfristig abgesichert mit anderen Haltungsformen produzieren. Wenn es nach mir ginge, sollte Tierhaltung gerne stärker an die natürlichen Bedürfnissen der Tiere angepasst werden. Dieses ist aber in Deutschland nur in der Nische für den Erzeuger interessant. Praktisch hat der Bauern Verband in dieser Lage Recht, theoretisch bin ich auch nicht weit von Tanja Busse entfernt. Der europäische Gedanke war sowohl wirtschaftlich als auch kulturell ausgerichtet. Nicht erst jetzt Griechenland hat gezeigt, dass die wirtschaftliche Einheit von unterschiedlichen Völkern nicht unbedingt sinnvoll ist. Für mich gibt es für die Tierhaltung in der breite in Deutschland nur eine Lösung. Den Markt schließen. Dann könnten viele theoretische Gedanken noch umgesetzt werden. Man muss in der Wirtschaft einfach unterscheiden ob man ein Blech zusammen schraubt oder ob man Tiere hält.
    Wenn die politische Vereinigung hier keine Veränderungen vor nimmt, wird die Tierhaltung in Deutschland nicht so zu verändern sein, dass wir unsere Tiere „besser“ halten aber trotzdem auch jedem Einkommen den Fleischverzehr ermöglichen. So werden erst kleine Betriebe immer wieder zu machen und bald auch größere, denn der Bau von neuen Stallanlagen stößt in Deutschland an seine Grenzen.
    Wachsen und weichen bis zum Exitus. Aber die Alternative wäre die, den Markt direkt ausländischen Anbietern zu überlassen. Wer als Landwirt jetzt einfach seine Bestände reduziert um die Haltungsformen zu verbessern, oder womöglich kein „Massentierhalter“ mehr zu sein, der kann sich auch gleich schon mal eine neue Beschäftigung suchen, denn der Markt ist knall hart.
    Auch in größeren Einheiten werden Tiere vernünftig gehalten. Das mag vielen Gegnern der Tierhaltung nicht passen oder gar egal sein. Doch muss man sich doch hier auch real fragen was die Alternative ist. Die Alternative heißt nicht Verhinderung der Tierhaltung sondern nur Verlagerung.

    8+
  35. Weiter geht´s!
    @ Andrea Rahn-Farr:

    1. Warum hat sie in den beiden Talkrunden zum Thema nicht KLAR darauf hingewiesen, dass sie diese Praktiken (mit den Kälbern) aus Deutschland nicht kennt. Das kam in einem Nebensatz (beim West-Talk) und wurde nicht wahrgenommen.

    Doch, ich habe klar gesagt, dass in AUSTRALIEN Bullenkälber wenige Tage nach der Geburt geschlachtet werden. Aber in Jauch-Talkshow hätte ich gerne so viele Dinge noch in Ruhe gesagt, aber es war da ja nicht so leicht, gegenüber den marktliberalen Zynikern zu Wort zu kommen. Auf Spiegel Online und in meinem Buch steht es ganz deutlich: Ich würde keinem Bauern bei uns zutrauen, so was zu machen!

    Zur zweiten Frage:
    2. Als Milchbäuerin kann ich nicht nachvollziehen, warum man junge und mittelalte Kühe nicht schlachten soll. Wenn bei mir eine Färse nicht “einschlägt” oder irgendwelche Exterieurfehler hat, dann geht sie eben ohne weitere Besamung zum Schlachter und wird wie eine Mastfärse gehandelt. Nutzungsdauer ist kein Selbstzweck, sondern im Rahmen der Gesamtwirtschaftlichkeit zu beachten.

    Ich suche ja nach einer Lösung, wie man Tiere landwirtschaftlich nutzen kann und ihnen trotzdem ein gutes Leben bieten kann. Und ich meine, ein Tier sollte ein Recht auf ein gutes Leben haben, das länger dauert als ein paar Monate. Mir ist völlig klar, dass dieser Anspruch wirtschaftlichen Zwängen zuwiderläuft. Das macht die ganze Sache ja so schwierig: Da treffen Marktgesetze, bäuerliche Ethik und Tierrechte aufeinander.

    @Bernhard Barkmann und zur Kritik am Modell „solidarische Landwirtschaft“: Solidarisch meint ja nicht, die Guten schleppen die Schlechten mit durch oder so. Sondern solidarische Landwirtschaft meint: direkte Beziehung zwischen Landwirtschaft und Konsumenten, geteiltes Risiko, kein Zwischenhandel, der sich auf Kosten der Bauern bereichert. Wer als solidarischer Landwirt nicht gut kommuniziert und wirtschaftet, wird keine Leute finden, die sich mit ihm in einem Wirtschaftmodell zusammenschließen. Ich glaube, dazu muss man ganz schön gut sein!

    Vielleicht klingt der Begriff „solidarische Landwirtschaft“ aber auch zu sehr nach Zückerchen für die Bauern, vielleicht sollte man es einfach Hofgemeinschaft nennen? Oder habt ihr andere Vorschläge? Und das muss ja gar nicht immer in der Variante Bullerbü organisiert werden, das geht ja auch anders. Es wird eben nur zwischen Konsumenten und Produzenten gemeinsam ausgehandelt: So wollen wir die Tiere halten, das und das wollen wir anbauen, das und das muss ich dafür bezahlen. Das ist der Grundgedanke.

    1+
    • Andrea Rahn-Farr sagt

      Vielen Dank für die schnellen Antworten, Tanja Busse! Ich glaube Ihnen schon, dass Sie die Sache mit den Bullenkälbern gerne richtig dargestellt hätten. Allerdings haben Sie dieses „Fass“ ja ganz bewusst aufgemacht, um einen Aufhänger zu haben, der skandalös genug ist für den Verkauf des Buches.

      Ich gebe Ihnen absolut recht, dass die Tiere ein Recht auf ein gutes Leben haben sollen – im Sinne der Tiere allerdings, nicht das, was Menschen hinein interpretieren. Das heißt für mich: Meine Kühe und Rinder sollen so leben, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden und sie nicht Leiden oder Schmerzen ertragen müssen. Das schließt den Transport zum Metzger und die Schlachtung mit ein! Ich sehe die Aufgabe der praxisbegleitenden Wissenschaft denn auch vor allem darin, diese Bedürfnisse zu erforschen und die Ergebnisse in Praxislösungen für die Tierhalter zu übersetzen.

      Wie lange Nutztiere leben, hängt von ihrer Nutzungsart ab. Wenn die Tiere nicht geschlachtet würden (ob als Kalb, als Bulle oder als Altkuh), würden sie gar nicht leben! Es gibt sie nur, weil sie wirtschaftlich genutzt werden.
      Ich kann das so nüchtern sagen, weil ich unterscheide zwischen Tier und Mensch. Und hier sehe ich die Unterschiede vor allem darin, dass Menschen nach einem Lebenssinn streben und sich dessen bewusst sind. Kategorien wie „Glück“ oder „Liebe“ entstammen dem menschlichen Wertekanon und können auf Tiere nicht angewendet werden – sie handeln nach Instinkt, der oberste Instinkt ist Arterhalt durch Fortpflanzung.

      Trotz dieser eindeutig speziesitischen Sichtweise bin ich persönlich den Tieren (den Rindern als Art und denen auf unserem Hof ) sehr dankbar, dass sie uns ein gutes Leben ermöglichen. Ohne das Rind als Nutztier wäre es zur Sesshaftigkeit unserer Vorfahren womöglich nicht gekommen. Erst die Nutzung von Flächen durch Rinder und die Düngung der Flächen mit deren Kot haben es ihnen ermöglicht, an einem Ort zu bleiben. Zuvor mussten sie immer weiterziehen, wenn der Boden durch die menschliche Nutzung ausgelaugt war.

      Bis heute ist es eine besondere Beziehung – meine Familie und viele andere Milchbauern leben sehr eng mit den Tieren zusammen. Der gesamte Lebensrhythmus wird von ihnen vorgegeben. Das können sich andere Leute meist nicht vorstellen. Deshalb tut es auch so weh, wenn man sich anhören muss, man würde sich nicht ordentlich um die Tiere kümmern. Wir halten 350 Milchkühe und die Nachzucht, und ich bin stolz darauf und zeige sie gerne jedem, der Interesse daran hat.

      7+
    • Gülle-Doktor sagt

      Sehr geehrte Frau Busse,

      Ihre Antworten zu 2. und Bernhard Barkmann kann ich nicht unkommentiert stehen lassen.
      Zu 2.
      Nutztierhaltung zeichnet sich dadurch aus, dass die Tiere zum Nutzen des Halters gehalten werden. Selbstverständlich sind hierbei die Vorgaben des Tierschutzes einzuhalten. Wenn sich vor dem Ender der normalen Nutzungsdauer herausstellt, dass das Tier für die weitere Haltung aus welchem Grund auch immer ungeeignet ist, wird es anderweitig verwertet. D.h., dass es in der Regel nach einer Zeit des Auffütterns geschlachtet wird. Auch wenn es sich für Leute, die der Nutztierhaltung fernstehen, brutal anhört, so ist das doch der normale Gang der Dinge.

      Zu Ihrer Antwort an Bernhard Barkmann

      Die arbeitsteilige Wirtschaft hat sich als vorteilhaft für alle Beteiligten herausgestellt. Ihr Modell der „Solidarischen Landwirtschaft“ entspringt dem Bild, das irrigerweise in Bilderbüchern von der Landwirtschaft gezeichnet wird. Wie soll ein solches Modell beispielsweise in Ballungszentren oder für Landwirte fernab ob von diesen realisiert werden. An der Arbeitsteilung zwischen Urproduktion, Verarbeitung und Handel (ein- oder mehrstufig) wird kaum ein Weg vorbeiführen. Es steht Ihnen allerdings frei, für dieses Modell zu werben und Geldgeber zu finden. Aber ich fürchte, dass es sich entweder nur für eine kleine Minderheit durchführen lässt, und das haben wir schon jetzt mit der landwirtschaftlichen Selbstvermarktung oder es läuft auch ein weiteres Subventionsgrab hinaus.

      Wenn Sie mich jetzt als „marktliberalen Zyniker“ bezeichnen sollten, könnte ich damit gut leben.

      6+
      • Andreas H. sagt

        Nee, Zyniker sind sie nicht. Nur etwas stur und unflexibel. Hochleistungskühe könne nicht die Energie fressen die sie brauchen. Dies macht sie anfällig und sind schnell ausgemergelt. Es gibt Grenzen die man einhalten muss. Auch bei Sauen und Ferkelzahlen. Jeder der da widerspricht, sollte sich nicht mehr Bauer nennen. Der Staat muss sich da aber trotzdem raushalten.

        2+
        • Gülle-Doktor sagt

          Sehr geehrter Andreas H.,

          habe ich mich in irgendeiner Weise für eine wie auch immer geartete Überzüchtung ausgesprochen? Ich sehe das nicht so.

          Auf meinem elterlichen Hof haben wir bis 1971 ca. 30 Milchkühe in Anbindehaltung gehalten. Die Kühe hatten von Frühjahr bis Herbst Weidegang und den Rest des Jahres mussten sie in einem schlecht belüfteten dunklen Stall an der Kette verbringen. Der Stalldurchschnitt unserer Milchleistung lag bei knapp über 5.000 kg/Jahr und war damit guter Durchschnitt.

          Unter diesen Rahmenbedingungen lag die Lebenserwartung unserer Kühe im Schnitt nicht höher als die hier angesprochenen 3,9 Jahre nach dem ersten Kalb. Diesen Zahlen kann nicht entnehmen, dass sich die Lebenserwartung der Kühe in den letzten Jahren verschlechtert hat. Durch den Bau vieler gut belüfteten und belichteten Laufställe haben sich die Haltungsbedingungen jedoch verbessert.

          4+
  36. Hier kommt eine erste Runde Antworten:

    Zu Bauer Klaus, der schreibt: „Jeder einzelne wählt für sich seinen Weg.“

    Ich habe einmal vor Landfrauen das Modell solidarische Landwirtschaft vorgestellt (in Hofgeismar) und die sagten, warum schreiben Sie denn darüber nichts im Wochenblatt? Sie hatten noch nie davon gehört. Wenn jeder einzelne für sich seinen Weg wählen soll, dann müsste er an den Landwirtschaftsschaftsschulen und durch die Beratung und über die Fachzeitschriften auch sachlich über alle Formen der Landwirtschaft informiert werden. Das habe ich das Gefühl, passiert eben nicht. Über Biolandwirtschaft wird ja an Landwirtschaftsschulen immer noch abfällig gesprochen, als wäre das was Rückständiges ohne Technik. Wie soll ich da meinen Weg wählen, wenn ich nicht alle Wege vor mir sehe.

    Noch einmal zu Bauer Klaus und zur Hygiene im Stall:
    Ein Stall ist doch kein Krankenhaus! Eine Tierklinik braucht die gleichen Hygienestandards wie ein Krankenhaus, aber ein Stall, in dem gesunde Tiere gut leben, sollte keine Intensivstation sein.
    Das würde ich gerne noch wissen, warum Sie das für nötig halten! Das ist es doch nur unter Intensivbedingungen, die aus vielerlei Gründen Nachteile mit sich bringen.

    Und noch einmal zu Bauer Klaus und zu seinem Urteil, dass die Bauernstimme politische Absichten hegt: Das haben aber die anderen Zeitschriften doch auch! Die Mainstream-Agrarmedien haben doch ein ganz bestimmtes Bild von Landwirtschaft, was sie gutheißen und andere, über die sie eben nicht berichten. Oder wenn, dann nur abfällig.
    Was glauben Sie, warum das landwirtschaftliche Wochenblatt Westfalen-Lippe es abgelehnt hat, eine Anzeige meines Verlags für mein Buch zu drucken?

    Und noch einmal zu Bauer Klaus und den Preisen:
    Klar, in einer Marktwirtschaft bestimmen die niedrigsten Stückkosten den Marktpreis. Deshalb machen die Textilfirmen, die am rücksichtslosesten Arbeiterinnen in Bangladesh ausbeuten, gute Gewinne. Und deshalb brauchen wir Regeln, damit die Härte des Marktes nicht alle anderen Werte platt macht! Die Landwirte vor Selbstausbeutung für einen gnadenlosen Markt schützen, genau wie Tiere, die eben mehr vom Leben wollen als nur die niedrigste Stückkosten zu sein!
    Und da wir eine Gesellschaft haben, die oft und gern von Tierschutz redet, müssen wir dieser Gesellschaft höhere Kosten für mehr Tierschutz abverlangen können. Das muss doch gehen! Die Leute spenden doch auch für Tierschutzvereine!

    2+
    • Bauer Klaus sagt

      Sehr geehrte Frau Busse,
      ein Stall ist kein Krankenhaus. Wie im Krankenhaus beginnt auch im Stall das Vermeiden von Krankheiten und das Minimieren der Anwendung von Arzneimitteln mit der Verhinderung des Einschleppens. Wir wollen ja, dass unsere gesunden Tiere auch gesund bleiben. Sie sprachen vom Schließen der Informationslücken. Völlig richtig! Ich hoffe, es gelingt mir.
      Zum letzten Absatz – Kosten für Tierschutz der Gesellschaft abverlangen – haben Sie eine Idee wie sie das organisieren wollen? Bedenken Sie bitte dabei, dass bei der Arbeit und beim Wirtschaften noch etwas Spaß, Freude und Sinnhaftigkeit im Sinne derer, die arbeiten, möglich sein sollte. Und dass niemand für etwas bezahlen möchte, das er nicht bestellt hat, wenn er/sie eine Ausweichmöglichkeit hat.

      3+
  37. Bauer Klaus sagt

    Tanja: …Verbände oder Berater sagen: „Die Schlechten hören auf, die Guten packen das!“

    Nein! Jeder einzelne wählt für sich seinen Weg. Die Beteuerungen von vielen Seiten, wie wichtig die Bauern sind – genau das weckt das Gefühl der Unverzichtbarkeit und bewegt manche, sich auf wirtschaftliches Glatteis zu begeben, bis hin zur Lohnmast. Fatal, so was! Nüchterne Analyse und Abwägung ohne Sentimentalität ist gefragt. Dann aber konsequente Umsetzung! Wie in allen anderen Wirtschaftsbereichen auch! Wer diesen Weg nicht gehen will ist weder Versager noch ein schlechter Landwirt!

    Tanja: ..Meine Lösungsvorschläge: Wir müssen die Kluft zwischen Konsumenten und Landwirten schließen. Die Konsumenten müssen wissen, wo ihre Milch, ihr Fleisch und ihr Gemüse herkommen.

    Richtig! Vor allem sollte vermittelt werden, welche Gründe für die jeweiligen Maßnahmen ausschlaggebend sind.

    Tanja: Ich glaube auch, wenn man erst duschen und Schutzkleidung anziehen muss, bevor man in einen Stall geht, wirkt das nicht vertrauenserweckend im Sinne von so sauber und sicher ist das hier, sondern eher gefährlich.

    Gilt dieser Rückschluss dann auch für Krankenhäuser?

    Tanja:Mein nächster Vorschlag: Wir müssen die Informationslücken schließen.

    Richtig! Hygiene als Voraussetzung für geringen Arzneimitteleinsatz. Genau wie beim Menschen.

    Tanja:Es kann doch nicht sein, dass ich als Landwirt vor der Frage stehe, ob ich eine Million in einen Stall investiere oder nicht, wenn ich gar nicht die Alternativen kenne.

    Investitionen ohne genaue Kenntnis sind wie Roulette. Professionelles Handeln als Unternehmer ist gefragt. Daten und Fakten! Mit romantischer Idylle und idealisierten Wunschvorstellungen leider nicht vereinbar.

    Tanja: Wenn man parallel dazu die Bauernstimme liest, glaubt man, das sind zwei völlig verschiedenen Welten.

    Genau! Bauernstimme verfolgt politische Motive. Agrarwende gegen die echt relevanten Interessen der Mehrheit bei Bauern und Verbrauchern.

    Tanja: Sie sollten sich zusammen tun und für gute Preise für eine gute Landwirtschaft kämpfen.

    Leider keine Zustimmung! Preis ist nicht gleich Einkommen. Kosten für Bürokratie, Dokumentation, Platzangebot, Gebühren usw. fressen die Erlöse weg. Preise werden nicht erkämpft sondern richten sich nach Angebot und Nachfrage. Nachhaltig bestimmt der mit den niedrigsten Stückkosten den Marktpreis. Das ist nicht populär aber Realität!

    4+
  38. Andreas H. sagt

    Nachtrag:
    Der Titel „Wegwerfkuh“ ist weder falsch noch schlecht. Man muss den nur richtig erklären.
    Heute werden natürlich aus Verbraucherschutzgründen viele Tiere weggeworfen die vor 30 Jahren noch auf dem Teller landeten. Nicht nur beim Rindvieh sondern bei Schweinen auch. Ich bin auch Verbraucher und finde das gut. Die Zeiten wo man als Landwirt alles aufladen konnte und abgerechnet bekam, sind Gott sei dank lange vorbei.
    Ich selber habe mal ein Schwein auf Stroh mühsam gepflegt und auf Endgewicht gebracht. Das Tier hatte zum Zeitpunkt der Anlieferung garatiert keine Entzündungsherde an den Füßen und war quietschfedel. Im Schlachthof fand man aber alte längst verheilte Narben und das Tier wurde vorsorglich verworfen und ich bekam eine Rechnung statt Abrechnung und eine Abmahnung. Ich denke so etwas muss auch mal gesagt werden. Verbraucher brauchen sich alte Zeiten nicht zurück wünschen.

    1+
  39. Andrea Rahn-Farr sagt

    Ich habe auch noch ein paar Fragen an Tanja Busse:
    1. Warum hat sie in den beiden Talkrunden zum Thema nicht KLAR darauf hingewiesen, dass sie diese Praktiken (mit den Kälbern) aus Deutschland nicht kennt. Das kam in einem Nebensatz (beim West-Talk) und wurde nicht wahrgenommen.
    2. Als Milchbäuerin kann ich nicht nachvollziehen, warum man junge und mittelalte Kühe nicht schlachten soll. Wenn bei mir eine Färse nicht „einschlägt“ oder irgendwelche Exterieurfehler hat, dann geht sie eben ohne weitere Besamung zum Schlachter und wird wie eine Mastfärse gehandelt. Nutzungsdauer ist kein Selbstzweck, sondern im Rahmen der Gesamtwirtschaftlichkeit zu beachten. Und hier ist es mir wichtig, dass bei uns im Betrieb die Lebenstagsleistung der Abgangskühe stimmt (das ist die Lebensleistung einer Kuh bezogen auf ihr Alter in Tagen). Mit dieser Kenngröße wird sowohl eine lange Nutzungsdauer als auch eine hohe Milchleistung belohnt. Die Lebenstagsleistung ist ein wichtiges Zuchtziel und hat seit einigen Jahren die Zucht auf Milchleistung abgelöst (der Milchuchtwert hat nur noch 45% Anteil am Gesamtzuchtwert bei den Holsteins). Dies beginnt sich bereits auszuzahlen, indem die Nutzungsdauer der Holsteinkühe wieder ansteigt. Übrigens: Auch in einem Land wie Norwegen (nicht Teil der EU, stark protektionistisch) werden die dort heimischen Rotviehkühe (die für ihre Robustheit und gute Gesundheit bekannt sind) nicht älter als die Holsteins bei uns. Die nicht benötigten Tiere werden geschlachtet und gegessen – von „Wegwerfen“ kann hier wie dort also keine sein!

    10+
    • W. Toft sagt

      Die normalen Betriebsabläufe sollen hinterfragt werden, und da liegt der Knackpunkt in unserer Wegwerfgesellschaft. Die Milcherzeuger werden stets das Beste für die Kühe wollen, denn sie leben schließlich davon. Das verzerrte Bild in den Medien muss endlich nachhaltig aufgeklärt werden. Das bekommen wir nicht mit ständiger Schuldzuweisung hin.

      3+
      • Bauer Willi sagt

        Hallo Herr Toft
        Ich gebe Ihnen in allem Recht.
        – Die Milcherzeuger wollen das Beste für die Kühe.
        – Das verzerrte Bild in den Medien muss geradegerückt werden (Machen wir hier, aber in zu kleinem Maßstab)
        – Ständige Schuldzuweisungen helfen nicht (deshalb das Interview) und die sehr guten Kommentare.
        Meine Frage: Wie bekommen wir die Erwartungen des Verbrauchers und die Realität wieder zusammen? Und zwar in der Breite, keine Nischenlösung.
        Bio zum Schnäppchen-Preis geht nicht.
        Bin für jeden realistischen Vorschlag dankbar!!
        Bauer Willi

        1+
        • W. Toft sagt

          Der Punkt ist, wir werden nie alle Menschen von unserem Handeln um die Tiere überzeugen können. Jeder Mensch hat seine Sichtweise und Lebensphilosophie. Extreme Lebensformen, wie Veganer und einige Tierschützer sie pflegen, können wir mit unserem Tun nicht überzeugen. Solche Diskussionen habe ich in der BSE- Krise schon geführt. Wir können nur um Verständnis werben, und hoffen, dass sich die Dinge wieder richtig sortieren. Da ist jeder Landwirt gefragt, sich eben nicht zu ducken, wenn die Meinungsbildung in seinem Umfeld aus den Fugen gerät. Aufklären muss man ständig, damit die richtige Information rüberkommt. Die Jagd nach Schnäppchen ist in Deutschland sehr stark ausgeprägt, deshalb sind die Lebensmittel in D. am Billigsten in der EU, zumindest in den reichen Staaten. Mir macht das Einknicken vor dem LEH echt zu schaffen, da steht die Molkereiwirtschaft nicht genug zusammen. Ohne Not solche Abschlüsse zu tätigen, ist mir ein Rätsel!

          1+
  40. Solidarisch hört sich zunächst natürlich sehr gut an! Mit der Forderung kann man bestimmt gut in der Bevölkerung ankommen und auch Bücher verkaufen. Aber was bedeutet es denn, wenn wir Landwirte so solidarisch sind, dass auch die weniger erfolgreichen und effizienten Betriebe ausreichend Gewinn machen?
    Erste Voraussetzung wäre natürlich ein geschlossener Markt alá Schweiz (der an den Grenzen auch nicht wirklich funktioniert) und dann würden die erfolgreichen Betriebe sehr viel Gewinn abwerfen (was an sich natürlich für den Bauern nicht schlecht ist). Es gäbe keinen Kosten- bzw. Leistungsdruck mehr. Auch mit schlechter Performance lässt es sich leben. Folglich würde die Landwirtschaft ineffizienter werden. Technischer Fortschritt würde sicher nicht komplett ausgeschaltet, aber sich gebremst werden. Mit den gravierenden Nachteilen der innovativen Stall- und Landtechnik in Deutschland. Nach ein paar Jahren hätten wir ein ineffizientes System in dem die Landwirte verhältnismäßig teure Produkte produzieren. Dann würde sich wohl bald auch politisch etwas regen und die Anschaffung des „solidarischen“ Systems gefordert werden. Schließlich hätten die Beispiele in der ehemaligen DDR und anderer kommunistischer Regime auch schon nicht funktioniert!
    Nein Frau Busse, mit ihren Ideen zur Ausrichtung der Landwirtschaft, kommen wir in Deutschland nicht weit. Mit Ihrem Buch (das ich -zugegeben- nur in Auszügen gelesen habe) stellen sie eine ganze Branche an den Pranger. Sie verweisen auf schreckliche Praktiken in Übersee und sagen aber auch, dass ihre in Deutschland bekannten Bauern das nicht so machen, aus Kostengründen aber auch machen müssten. Und das unter dem Titel „Die Wegwerfkuh“! Nein, Frau Busse, sie profilieren sich auf Kosten vieler Milchviehhalter in Deutschland!
    Wir Landwirte müssen den Verbrauchern noch viel mehr unsere gute tägliche Arbeit erklären! Der Dialog wird von Bauer Willi gesucht- Danke dafür!

    5+
  41. Andreas H. sagt

    Endlich hat Bauer Willi den „Pfad der Tugend“ wiedergefunden nach den Brillenschafen etc. Wirklich hoch interessant das Interview. Frau Busse hat ja Recht. In den letzten Jahren ist im Bereich Landwirtschaft einiges schief gelaufen. Was sich negativ auf den Lebensalltag der Bauernfamilien und auch zwischen den Bauern selbst auswirkt. Dem Bauernverband fehlt das Selbstvertrauen Fehler zuzugeben. Bauern sind kaum noch in der Lage miteinander zu reden um ,sagen wir mal, „Zukunftspläne“ zu entwickeln. Man sieht sich in der „Opferrolle“, was überhaupt nicht zu guten Ergebnissen führen kann.

    Frau Busse möchte ich sagen, dass das verbale „Draufschlagen“, wie Sie und Künast das bei G.Jauch gemacht haben, die Situation nur verschlechtert.

    Die Folklorelandwirtschaft die in dem Video oben gezeigt wird, ist sicher wünschenswert aber nicht realistisch. Der flächendeckende Einsatz von Turbokühen ist ebenfalls langfristig auch nicht durchzuhalten. Das kann man aber nicht staatlich regeln. Jeder Milchviehhalter hat seine Fähigkeiten. Der eine wird mit den 10000 Liter – Kühen fertig, ein anderer Landwirt sollte robuster Züchten. Ich denke Tierwohl ist beim Milchvieh messbar. Bauern könnten selber Parameter festlegen die einzuhalten sind. Die großen Zuchtorganisationen sollte man auch nicht vergessen. Die können ihre Beratung optimieren.

    Was mich aber total umtreibt ist die Tatsache, dass Frau Busse mehrmals die „Agrar – Illustrierte“ top agrar erwähnt hat. Wenn gesellschaftliche Gruppen diese Bauernbildzeitung als Informationsquelle haben, wird es nie einen sachlichen guten Dialog geben. Ich möchte die DLZ und die Agrarzeitung empfehlen. Dort gibt es keine AbL Funktionäre (AbL = Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) die dort verdeckt Kommentare schreiben und nur auf Krawall aus sind.

    Ich denke dieses Interview ist ein gute Anfang Informationen auszutauschen. Es würde den Nutztieren sicher helfen, wenn auch Frau Busse dabei hilft, dass Medien sachlich und fair bleiben. Sie hat den Spiegel kritisiert – das ist ein guter Anfang. Im Gegenzug müssen sich Bauern auch bewegen und zu Selbstkritik in der Lage sein.

    Beste Grüße
    Andreas

    1+
  42. Weserwirt sagt

    Schöner Dialog, es geht vorwärts! – Doch hier geht es erst einmal um Milchkühe. Nutzungsdauer und Lebensdauer, kann das noch etwas erläutert werden? Und warum ist so ein Tier mit 4,5,6 Jahren fertig bzw. nicht mehr zu gebrauchen? Es gibt doch hier auch etwas hier in Sachen Biologie zu lernen, also allgemeine Lebensprinzipien. Ich glaube, die mündigen Verbraucher schätzen so etwas mehr als die Schlagworte von der Wegwerfkuh und was alles krank macht.

    3+
    • Alois Wohlfahrt sagt

      Das mediale Schlagwort „Wegwerfkuh“ hat in der Tat einige Schläge versetzt. Dann wundert man sich, dass es eine „Klopperei“ gibt?
      Das Thema an sich ist im Buch nämlich recht gut und sauber recherchiert dargestellt.
      – Dass nämlich die viel gelobte Hochleistungskuh mit 10 oder 12 tausend Liter gar nicht so effizient ist, wie gerne von den Offiziellen dargestellt.
      – Dass nur die „schlecht gemanagten Betriebe“ Probleme haben und dass es um „diese Versager“ sowieso nicht Schade ist.
      – Welche internationalen Zusammenhänge da mit TIPP und anderen „Internationalisierungen“ so bis in die Ställe wirken.
      – Ebenso, wie sich die bäuerliche Handlungsethik der Bauern immer noch hält, trotz so mancher Unrentablilitäten.
      Es ist also ein Buch, wo sich vielleicht sogar viele Bauern wieder finden. Und genau über diese Fakten wird nicht mehr diskutiert.
      Etwas enttäuscht bin ich allerdings von den Empfehlungen am Ende, wenn wieder einmal das Hohe Lied auf die Solidarische Landwirtschaft von Tanja Busse gesungen wird. Solawie dümpelt in Deutschland leider in der Ultra-Öko-Ecke dahin. In der englischsprachigen Welt wird das viel praktischer umgesetzt. Dort heisst es auch CSA – Community-Supported-Agriculture. Aber auch das erhöht jetzt nicht automatisch die Nutzungsdauer und die Wirtschaftlichkeit der Hochleistungskühe und das Wohlbefinden der Bauern. Trotzdem ist das ganzheitliche Zusammentragen der vielen Fakten im Buch eine gute Sache. Eigentlich sollten dieses Buch alle Zuchtleiter, Berater und auch Entscheider lesen. Dem einen oder anderen würde bestimmt „ein Licht“ aufgehen oder eine Idee dazu kommen.

      3+
      • Alois, wir Bauern müssen selber die Kraft haben, Fehlentwicklungen zu erkennen. Die Diskussion um die „Turbo-Kühe“ gab es ja schon länger. Eine extreme Hochleistungsherde ist anscheinend nicht für jeden Betrieb erstrebenswert.
        Du kennst ja sicher auch horizontale Betriebsvergleiche. Die Kluft zwischen den Top und Flop-Betrieben war vor 20 Jahren riesig und sie ist es heute auch noch! Das hat natürlich viele Gründe, kann manchmal auch kurzfristig sein. Ich selber lag auch schon mal in der unteren 25%-Kategorie. Ein paar Änderungen im Betrieb und es wurde wieder deutlich besser. Deshalb habe ich noch lange nicht das Kind mit dem Bade ausgekippt. Wir sind selbstständige Unternehmer und haben eine ganze Menge selber in der Hand, um erfolgreich zu wirtschaften.

        Zur Lebensdauer bei Kühen (habe ich ehrlich gesagt auch wenig Ahnung von), aber mal folgendes:
        Anzustreben ist natürlich, dass keine einzige kranke oder verletzte Kuh zum Schlachter muss, aber das wird sich niemals auf Null senken lassen.
        Wenn wir dann von einem Kalb pro Jahr und Kuh ausgehen, dann bedeutet das, dass auf einer Herde von 100 Kühen 50 Kuhkälber kommen. Würden alle Kuhkälber zur Milchproduktion gelangen, muss die Remmontierungsquote hoch sein, soll die Herde nicht vergrößert werden. Macht man das nicht, hat man die Möglichkeit, die Färsen zu exportieren, auf Zuchtviehmärkten an Berufskollegen zu verkaufen oder eben (hoffentlich gesund) zum Schlachter zu geben.
        Diese Schlachtfärsen würde ich niemals als Wegwerffärsen bezeichnen. Aber genaus das würde Frau Busse an dieser Stelle machen- und das halte ich für unlauter!

        3+
        • Alois Wohlfahrt sagt

          Hallo Bernhard, da hast du Recht. Externe Beobachter haben aber meist den Vorteil, dass sie nicht Teil des Waldes sind, wenn man selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Insofern ist es gut, wenn Aussenstehende uns auch mal kritisieren. Vor allem dann, wenn Außenstehende auch neue Aspekte ins Spiel bringen, die wir intern gar nicht für wichtig halten.
          Und das ist ja fast das typische Problem der modernen Landwirtschaft. Fachlich haben wir alles im Griff und optimieren. Aber die „Anderen“, von Gesellschaft, Handel bis zum Gesetzgeber, setzen noch weitere Maßstäbe, welche uns den Erfolg verhageln können. Nehmen wir aber solche Kritik an, können wir selbst reagieren. Ohne dass wir z.B. erst ggf. vom Gesetzgeber gezwungen werden.
          Es ist wie beim Fußball spielen: Nur wer die Bälle annimmt oder sich sogar holt, kann Tore schießen. Diese Kondition oder Kraft dazu müssen wir haben, bzw. uns bewahren.
          Und so haben wir hier die Kritikerin in den Blog geholt, damit das mit der Nutzungsdauer und Hochleistung auch „unser Thema“ wird. Denn nur wir als Landwirte mit Zuchtverbänden etc können da etwas bewegen. Z.B. hin zur Änderung der Zuchtziele hin zur Lebensleistung einer Kuh und nicht nur die kurzfristige Jahresleistung. Da haben wir genügend Kompetenz die mediale Keule der „Wegwerfkuh“ zu parieren.

          1+
          • Im Prinzip sind wir uns ja einig, Alois.
            Nur mit der medialen Keule habe ich mein Problem! Wir können da sicher eine ganze Menge an Argumenten entgegen setzen, doch leider ist es so wie mit dem Titel des Buches: Die reißerische Überschrift und ein paar pauschale Parolen bleiben beim Verbraucher hängen, weitergehende Inhalte im Buch und erst Recht die Argumente der „Bauernlobby“ werden nicht mehr wahr genommen.
            Die Folge ist, dass sich viele Parteien, Organisationen im Doppelpass mit verschiedenen Medien bestätigt sehen, weiter die große Systemfrage zu stellen- mit weiteren pauschalen Beschuldigungen. Es entsteht so eine Spirale, die sich gegenseitig antreibt und dafür sorgt, dass zig Tausend Bürger in Berlin gegen die Landwirtschaft demonstrieren. Und mit diesem Rückenwind fühlen sich die Extremisten dann in ihrem Handeln bestärkt!
            In der Sache kommen wir da so nicht weiter. Auch wenn die Politik weitere, überzogene Regelungen beschließt- die Folge ist, dass die Betriebe größer werden, weil die kleinen, die noch gut weiter wirtschaften könnten, die Brocken hinwerfen und von anderen Betrieben weiter betrieben werden.
            In diesem Jahr haben in meinem Umfeld bereits drei Betriebe, die von den allermeisten Verbraucher als riesig bezeichnet werden würden- für mich aber Teil der kleinbäuerlichen Struktur im Emsland waren-, die aktive Bewirtschaftung beendet haben. Das treibt mich um!

            3+
            • Alois Wohlfahrt sagt

              Hallo Bernhard,
              die mediale Keule hinterlässt natürlich einige Kratzer, wenn nicht sogar Beulen. Ich weiss zwar sehr wohl, dass man zur Vermarktung eines Buches mediale Aufmerksamkeit braucht. Aber man muss es nicht um jeden Preis machen.
              Dabei stelle ich mir schon die Frage, für welche Zielgruppe Tanja Busse dieses Buch geschrieben hat?
              Wenn ich mir die Dankesliste am einde des Buches ansehe, dann würde ich sagen, dass es weniger für die Bauern geschrieben wurde. Trotzdem halte ich manches Kapitel darin interessant für Landwirte.
              Im übrigen fehlt in der Dankesliste die FNL (oder jetzt FML). Schließlich hat sie doch für einige Seiten Stoff im Buch gesorgt.

              1+
    • Birgit Sauter sagt

      „So“ eine Kuh ist nicht mehr zu nichts zu gebrauchen………….sie wird geschlachtet und nicht weggeworfen…………………………………….

      5+
  43. Willy Toft sagt

    Das wir keine Kuschel- Landwirtschaft, wie in der Werbung oft beschrieben, mehr haben, sollte jedem bewusst sein. Die ökonomische Seite der Medaille holt uns jeden Tag ein. Wenn dann noch negative Berichte über die Landwirtschaft, oft nicht mal richtig recherchiert, zum Besten gegeben wird, hat der Handel ein leichtes Spiel, wie jüngst beim Milchpreis geschehen. Das der Milchbauer mehr wie sauer ist, ist verständlich. Er hat viel in Kuhkomfort, Haltungsbedingungen, Stallhygiene und Technik investiert. Hinzu kommen immer mehr ausufernde Auflagen und Dokumentationen, und unter dem Strich soll der Milchbauer durch die ruinösen Preise in die Knie gezwungen werden. Wer versteht das System? Die Grünen profilieren sich auch in der Richtung, indem sie auf die Bauern eindreschen. Das Ergebnis wird sein, dass nur wenige, von den Banken gestützte Konzerne, die Lebensmittelproduktion übernehmen. Der Bauer identifiziert sich noch mit seinem Boden, mit den Tieren, mit der Umwelt, mit dem Nachbarn und mit der Region. Gute Nacht D. Wann wird man je verstehen……..

    7+

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