Bauer Willi
Kommentare 45

Mindestlohn und Lebensmittelpreise – ein Zielkonflikt

Man muss es schon fast erstaunlich nennen, wenn eine Redaktion eine enge Beziehung zwischen steigendem Mindestlohn und steigenden Lebensmittelpreisen feststellt.

https://www.swr.de/swraktuell/mindestlohn-landwirtschaft-saisonkraefte-obst-und-gemuese-bald-teurer-100.html

Allerdings ist die Weitergabe eines noch höheren Mindestlohns schwierig, zumal wenn der Mindestlohn in den Nachbarländern in der Regel deutlich niedriger ist. So heißt es im Artikel: “

„Zweifellos lag bereits der 2024 geltende Mindestlohn in Deutschland von 12,41 Euro pro Stunde schon deutlich höher als der in vielen anderen Ländern der EU, mit denen heimische Landwirte konkurrieren. In Spanien liegt der Mindestlohn beispielsweise bei 6,87 Euro, in Polen bei 6,10 Euro.“

Etwas verwundert bin ich über die Argumentation des Thünen-Institutes.

„Es gibt für die Betriebe nicht nur das Problem, dass der Anteil der Lohnkosten an den Gesamtkosten ansteigt. Es gibt ja auch ein Problem, dass es einen Arbeitskräftemangel gibt. Man muss sich darum bemühen, genügend Arbeitskräfte zu bekommen. Und da ist ein höherer Lohn natürlich ein Argument.“ (Hildegard Garming, Agrarökonomin am Thünen-Institut für Betriebswirtschaft)

Beim Anbau von Erdbeeren und Spargel zeichnet sich seit Jahren ein starker Rückgang ab. Vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE) heißt es dazu: „Jeder vierte Erdbeer- und fast jeder dritte Spargelbetrieb hat zwischen 2015 bis 2024 aufgegeben. Dies wird sich noch beschleunigen.“

Es gibt einen Zielkonflikt: Der Bürger möchte preiswerte Lebensmittel und gleichzeitig höhere Löhne. Und wenn es dann noch regional wäre, wäre es perfekt.

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45 Kommentare

  1. Astorianer sagt

    Bevor nicht in allen Ländern in der EU, der Mindestlohn annähernd gleich hoch ist, wird das Höfe-sterben unvermindert weitergehen und immer mehr Lebensmittel in den Supermärkten aus Niedriglohnländer angeboten werden.

  2. Bauer Fritz sagt

    Liebe deutsche Freunde ….

    Ein Blick nach Österreich würde euch zeigen, daß ihr es noch wahrlich gut habt. Soeben hat eure Regierung die sozialversicherungsfreie Zeit für Fremdarbeitskräfte von 70 auf 90 Tage angehoben. Demgegenüber hat der österreichische Kollege ab STUNDE 1 Sozialversicherung zu zahlen.
    „Die Lohnnebenkosten führen laut Krahofer dazu, dass Erntehelfer eher nach Deutschland gehen. Er rechnet vor: Bei einem Bruttolohn von 2000 Euro blieben dem Erntehelfer in Deutschland 1700 Euro, in Österreich 1400, die Kosten für den Betrieb betragen 2700 Euro, in Deutschland 2400.“
    Aus einem Zeitungsartikel kürzlich (leider hinter Bezahlsperre), wo es dann auch noch heißt „Österreichs Bauern und Verarbeiter wollen fairen Wettbewerb“, wobei u.a. auch der steigende Anteil von Eigenmarken im Handel angeprangert wird, wo etwa statt heimischem Gemüse solches aus der Türkei oder Indien herangekarrt wird (und alle von heimischen Bauern geforderten Standards plötzlich aber so was von egal sind).

    Wollte das nur mal gesagt haben.

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    • Peter sagt

      Das möchte ich so nicht stehen lassen. Als unsere „beiden Deutschen Teilrepubliken“ sich versucht haben, wieder zusammen zu raufen, haben die Heuschrecken aus Ö. die Gunst der Stunde genutzt und sich ganz weit nach Osten ausgebreitet. Was immer aus den kostenbevorteilten Gebieten kommt, hat alle Chancen ein biss`l Ö zu sein. Die (wo auch immer herkommenden…) 300,00 Vorteil für Erntehelfer sind für die Diskussion eher nicht geeignet.

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  3. Ludwig sagt

    Arbeitskräftemangel , daß ich nur nicht lache. Die gibt es genug im Bürgergeld. Auch in unserer Gaststätte haben Mitarbeiter gekündigt , weil sie im Bürgergeld mehr Geld ohne Arbeit haben. Bei den hohen Mindestlöhnen hat meine Verwandtschaft ihre Erdbeerfläche von 20 ha auf rd. 10 ha verringert um nur dort noch Abnehmer zu beliefern die auch die höheren Erdbeerpreise akzeptieren. Überall haben die Gastronomiebetriebe die Öffnungszeiten stark reduziert um überhaupt noch bewirten zu können. Einige haben auch dicht gemacht. Warum sollen hier die Leute noch arbeiten , damit sich Millionen auf die faule Haut legen können und die steuererarbeitenden Arbeitsleute auch noch auslachen. Wenn man ein Staatswesen vernichten will , dann kann man das so machen , aber der Knall wird kommen und dann ist es wieder keiner in Berlin und Brüssel gewesen. Haben diese Leute nicht den Eid auf die Verfassung geschworen ?

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  4. Jochen Böhrer sagt

    Die wirkliche Tragweite wird selten erfasst. Zu den Opfern gehören auch die Saisonarbeiter. Die würden lieber um 12 Euro arbeiten und richtig schön Knete und auch hier gekaufte Konsumgüter ins Heimatland bringen, als aufgrund von 15 Euro Mindestlohn keine Arbeit mehr in Deutschland zu bekommen und zuhause für 5 Euro arbeiten. Falls sie überhaupt Arbeit im Heimatland bekommen.

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    • Inga sagt

      Was bildet sich der Mensch nur ein,
      er will für seine Arbeit höher entlohnt werden, wie es die Ökologie zulässt.

      Auf wessen Kosten geht das?

      1. Ökologie
      2. die in ihrem Arbeiten.

      hat eben nichts mit Industrie zu tun.
      Da kann man als Preise und auch Löhne erhöhen.

      Aber nicht von denen, die in der Natur arbeiten, denen bleibt der Mindestlohn. Und der kann man auch nicht immer von den Erlösen daraus zahlen, weil er an die Löhne der Industrie gekoppelt sind,
      eben echt unsozial!

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    • Lady sagt

      „Die wirkliche Tragweite wird selten erfasst. Zu den Opfern gehören auch die Saisonarbeiter. “
      Völlig richtig. Was sozial gedacht ist, wirkt extrem unsozial. In der Gegenwart aber auch in der Zukunft weil viele Investitionen schlicht unterbleiben.
      Auf die gesamte Volkswirtschaft gesehen , kommen weitere Aspekte hinzu. Wir sind ein Hochlohnland. Also in den meisten Branchen arbeiten die Menschen deutlich oberhalb des Mindestlohns. Und die Gewerkschaften werden sich bemühen, den Abstand zwischen Mindestlohn und Tariflohn aufrechtzuerhalten. Das gesamte Tarifgefüge verschiebt sich nach oben. Da das Produktivitätswachstum dafür nicht ausreicht, steigen die Lohnstückkosten, die Wettbewerbsfähigkeit sinkt weiter. Und auch das hat wieder weitere Folgen. Und auch weitere Zielkonflikte ergeben sich.
      Der Preismechanismus ist wirklich das Herzstück einer marktwirtschaftlichen Ordnung. Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Der Staat muss die entsprechenden Regeln setzen, damit die Märkte funktionsfähig sind. Aber nicht immer selbst auf das Spielfeld rennen.

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      • Karl Timme sagt

        Wie sonst soll sich die Facharbeit (Ausbildungsintensiver) sonst von der Hilfsarbeit absetzen? Entsprechend die verantwortungsvolle akademische Arbeit von der einfachen Tätigkeit Abheben? Das alles hat seinen Preis, der irgendwie bezahlt werden muß. Ich habe das wie bereits erwähnt schon geschildert. Der Mittelstand und hier besonders das Handwerk wird als erstes auf der Strecke bleiben. Die übrigen werden die Menschliche Arbeit outsourcen, mechanisieren was heute noch zu teuer ist. Autonome und KI gestüzte Systeme rücken in den Vordergrund.

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        • Inga sagt

          Gut,

          aner wo bleibt da unsere Kultur?

          Muss alles berücksichtigt und durchdislutiert werden.

          Und was sollen die kleinen Kinder das Leben lernen?

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    • Rüdiger sagt

      Für die langsamen Erntehelfer ist der steigende Mindestlohn ein Nachteil. Wessen Leistung unter dem Mindestlohn liegt, kann zukünftig nicht mehr zu uns kommen weil das für den Betrieb zu Verlusten führen würde. Die Leute fahren dann in andere Länder in denen der Mindestlohn unter dem bei uns vor 5 Jahren liegt. Auch ein Nachteil für Helfer aus der Region die auf dem 1. Arbeitsmarkt keine Chance bekommen. Deren Leistung liegt u. U. auch unter dem Mindestlohn. Sie sind dann arbeitslos.

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  5. Sonja Dengler sagt

    Noch gar keine sozialistische Marktwirtschaft – und DIE haben wir ja zur Zeit – war erfolgreich oder gar für die Bürger zufriedenstellend. In der Tat müssen Familien oder die vielen Alleinerziehenden das billigste Produkt einkaufen, um über die Runden zu kommen, man denke nur mal an die vielen, vielen Bürgergeld- oder Sozialhilfeempfänger, die künstlich vermehrt wurden.
    Es geht doch in unserer Zeit darum, einigen wenigen SEHR großen, Reichen das Land der Bauern billig zur Verfügung zu stellen, damit die Landwirtschaft künftig vollkommen unter Glas, einschließlich der Tierhaltung, stattfinden kann und die dann die Preise diktieren und uns auch das Essen zuteilen wollen. Bisher ist die Chose immer noch vorher zusammengebrochen, die sog.’Modelle‘ funktionieren halt nicht….
    Ob die das diesmal schaffen? Oder ob doch noch etwas Überraschendes geschieht?
    Gottes Hilfe kommt spätestens gerade noch rechtzeitig.

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    • Peter sagt

      …“man denke nur mal an die vielen, vielen Bürgergeld- oder Sozialhilfeempfänger, die künstlich vermehrt wurden.“ Wie das denn? Künstlich ist teuer, wird wohl auf natürliche Weise geschehen…Viel Zeit, wenig Streß ….beste Voraussetzungen.😉

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      • Inga sagt

        Ach,
        Die sind am lieben langen Tag am Poppen und füllen unsere Kindergärten und Grundschulen???
        Und werden vielleicht später unsere Altenpfleger?

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  6. Kemetbauer sagt

    Schon lustig, in einem anderen Thema frohlockten alle über den angeblich vorhandenen freien Markt. Bei den Pachten möchten man aber nun wohl doch eher eine Reglementierung durch den Staat. Wieso? Haben hier vielleicht einige den Kürzeren gezogen bei Verpachtungen? Oder kann es einfach nicht sein, dass der Nachbar oder ein anderer Kollege den Vorzug bekommen hat. Auch zum Schenkelklopfen ist, dass natürlich alle die beim Pachten mehr bieten direkt in die Insolvenz schlittern. Vielleicht übernimmt sich der eine oder andere beim Pachten aber das ist seine Sache. Es lebe der freie Pachtmarkt; solange es ihn noch gibt. Hier träumen wahrscheinlich schon einige von Zuweisungen. Absurditäten aus der Landwirtschaft.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Ist oft so, dass derjenige, der beim freien Geschäft zu kurz oder zu spät kommt, dann plötzlich nach einer unsichtbaren Kraft ruft, um ihm seinen Wunsch doch noch zu erfüllen. Und dann kommen plötzlich sozialistische Vereinnahmungsphantasien, die eine irgendwie geartete „Gerechtigkeit“ herstellen sollen. Ich würde dieses Spiel nicht zu weit treiben, die Enteignungsphantasien sind politisch schon in der Pipeline.

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    • Bauer Willi sagt

      @Kemetbauer
      Ich kenne niemanden in meinem engeren und weiterem Umfeld, der sich eine staatliche Regelung bei den Pachten wünscht.
      Ich verstehe auch nicht, was das mit dem Mindestlohn zu tun haben soll?

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      • Kemetbauer sagt

        Dann sollten Sie Sich einfach mal die Beiträge anschauen, die vor meinem Beitrag hier erschienen sind. Da werden die Pachtzahlungen als weiterer erheblicher Kostenfaktor, neben den Lohnkosten, angeprangert.
        Ich hätte meinen Beitrag wohl direkt auf eine Pachtkritik beziehen sollen.

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    • Inga sagt

      aber dann wird die Pacht zu teuer für die Produktion unserer Lebensmittel.

      Dann treibt man diese Produktion un die Hände von Großkonzernen wie Nestle, Pfanni und Aldi.

      Die zahlen auch gute Pachtpreise, diktieren aber, was und wie drauf amgebaut wird.

      Wenn das erwünscht ist,
      dann los…

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      • Kemetbauer sagt

        Das System „Alterssicherung in der Landwirtschaft“ ist nun mal so angelegt, dass die ldw. Altersrente nur eine Teilabsicherung ist. Der größte Teil dessen, was der Altbauer für seinen Lebensabend benötigt, muss aus der Verpachtung seiner Eigentumsflächen kommen. Da die Ausstattung mit Eigentumsflächen nicht so rosig ist, kann man auch bei anständigen Pachten keine großen Sprünge machen.

        • Peter sagt

          Spätenstens jetzt wäre es fällig die Alterssicherung der Saisonarbeitskräfte und der „Fremdarbeitskräfte“ (welch`gruselige Wortschöpfung…) dem gegenüberzustellen.

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  7. Arnold Krämer sagt

    Die Möglichkeiten zur Realkostensekung in der landw. Urproduktion (was die Lebensmittel in den Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg richtig günstig gemacht hat) sind weitgehend oder vollständig erschöpft. Technischer Fortschritt, insbesondere arbeitswirtschaftlicher technischer Fortschritt findet kaum noch statt. Stattdessen werden durch staatliche Vorschriften die bereits erreichten Fortschritte sogar zurückverordnet. (Beispiel: viele Haltungsvorschriften in der Tierhaltung).
    Das bedeutet, dass praktisch ALLE Kostensteigerungen (insbesondere aus Arbeit und Energie) überwälzt werden müssten. Das fällt in Konkurrenz zu billigeren Anbietern aus dem Ausland schwer. Und wo diese Konkurrenz nicht da ist, Preissteigerungen möglich sind, reagiert der Konsument mit rückläufiger Nachfrage.
    Die spannende Frage: Was macht die Politik? Erkennt sie die Zusammenhänge? Agiert sie weiter planwirtschaftlich moralisch, wie sie das für weite Wirtschaftsbereiche macht? Dann Wirttschaftsstandort D: Gute Nacht!

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    • Reinhard Seevers sagt

      …..im Status meines Bekannten, der derzeit noch auf Chinareise ist, hat er von Gemüsebaubetrieben berichtet. 180ha unter Glas mit Brokkoli, Paprika, Tomaten etc. ausschließlich für den Export. Man forscht derzeit an ca. 100 Sorten Brokkoli…..irgendwie witzig, worüber wir uns unterhalten und wie blind die Menschen umherlaufen, oder? 🤡

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  8. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Wie unehrlich, an Scheinheiligkeit kaum mehr zu überbieten, werden derzeit audiovisuell die Diskussionen landauf – landab um eine Fortführung der GAP in 2027 geführt!? Gerade eben über den Äther des Deutschlandfunks wird in Dauerschleife die profan übliche Hetze verbreitet, dass im Gießkannenprinzip die Subventionen über sämtliche Betriebe verteilt werden.

    Aufgrund der zumeist greifenden Buchführungspflicht weiß Vater Staat doch bestens Bescheid, wieviel LN hier in Deutschland tatsächlich in Bauernhand ruhen. Die eigentlichen Nutznießer des Agrarprämiensystems sind die Flächeneigentümer, die gemütlich auf dem Käutschle positioniert, diese „Schollenprämie“ schmerzbefreit für sich zu vereinnahmen wissen.

    Warum nimmt man nicht eben jenen Personenkreis endlich in die Pflicht!?…

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    • Arnold Krämer sagt

      Welche Pflicht hat ein Verpächter landwirtschaftlicher Flächen beim Pachtpreispoker?
      Welche Pflicht hat der Staat auf dem Pachtmarkt?
      Welche Pflicht hat ein Pächter?

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      • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

        Wer hat die größtmögliche Einflussnahme auf den Pachtmarkt, auf unsere Agrarpolitik!?

        Diejenigen eben, die auf diese grundlegenden Prinzipien nicht zurückgreifen können, sind realiter weit weg von der Scholle.

        Jene Flächeneigentümer übrigens, die über 100 Hektar oder gar mehr Eigentum verfügen, sollten auf einen Almosen-Prämientransfer im übrigen nicht angewiesen sein…

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        • Kemetbauer sagt

          @uW
          Na also, ich hatte schon fast geglaubt, dass eine Diskussion ohne den Sozialneid auskommen würde. Warum sollen die mit mehr als 100 ha auf die Förderung verzichten, die sie mit Auflagen für jeden einzelnen ha bedenkt? Vielleicht doch lieber DDR 2.0? Alles gehört allen und keiner trägt eine Verantwortung für irgend etwas? Man muss nur etwas an der Oberfläche kratzen und die ewig aktuellen Ressentiments leben wieder auf. Ich hatte es schon einmal erwähnt, als die Flächenprämie drastisch abgesenkt wurde, haben alle gekräht sie würden ganz auf die Förderung verzichten. Heute wissen wir, dass nur ca. 3% dieses Vorhaben umgesetzt haben. Warum wohl? Es geht nicht allen so gut wie @BW, der noch im Juli sagte, er würde keinen Grund sehen zu jammern. Abgesehen von wenigen Ausnahmen, sind alle anderen leider auf die Almosen angewiesen.

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          • Reinhard Seevers sagt

            „Abgesehen von wenigen Ausnahmen, sind alle anderen leider auf die Almosen angewiesen.“

            Räusper…..🙄🤔

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          • Arnold Krämer sagt

            @ Kemetbauer
            Es gibt verschiedene Gründe trotz massiver Absenkung der Prämienhöhe auch bei 150 €/ha noch einen Antrag zu stellen.
            1. Man fällt behördlich erst einmal nicht auf, was viel wert ist in heutiger Zeit.
            2. Man benötigt für bestimmte Rechtsbereiche, für bestimmte Geschäftspartner einen Nachweis bewirtschafteter Flächen. Das ist über den jährlichen Prämienantrag elegant und kostengünstig hinzubekommen. Ärgerlich wird es aber z.B. trotzdem, wenn eine Baubehörde zusätzliche Flächenangaben verlangt auf der Basis deutscher Katasterinformationen.

            Es ist folglich immer das Einfachste, einen Prämienantrag zu stellen. Da geht es aber nicht darum, noch die letzten Euro einzusammeln, die dann Kontrollen auslösen, mit denen man von der eigenen, eigentlich wertschöpfenden Arbeit abgehalten wird.

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          • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

            @ Kemetbauer

            Interessant wäre, doch einmal grundehrlich transparent abbilden zu wollen, was jeder unter landwirtschaftlicher Nutzung stehende Hektar in Deutschland realiter an Kosten verursacht.

            Wenn Flächeneigentumer sich der Gegebenheit nicht bewusst sind, dass, um eine gewisse Effizienz erzielen zu können, falls die Bewirtschaftung selbst obsolet ist, sie einen Bewirtschafter suchen müssen, die eine solche hehre Zielsetzung permanent ermöglichen.

            Die sogenannten fixen Kosten, die Vater Staat uns aufoktroyiert (Grundsteuer, die Beitragspflicht zum Sozialversicherungssystem u.a.), müsste der jeweilige Eigentümer nämlich selbst wuppen, wenn es einen Pächter nicht gibt, der in diese Kostenpflicht eintritt.

            Wie ist z.B. in Bayern das Jagdrecht geregelt!? Wer wird im Schadensfalle mit in die Pflicht genommen!? Es sind hierzulande Jagdgesetze installiert, wo man den Flächeneigentümer in die Pflicht nimmt, wenn Wildschäden überhand nehmen und durch den Jagdschilling nicht mehr gedeckt sind.

            Die exorbitante Summe des aktuellen Prämienmolochs verursacht parallel einen gigantischen Kostenblock. Der Differenzbetrag zwischen letzterem und den getätigten Auszahlungen dürfte astronomisch sein. Viele sind sich dessen bewusst, belassen die Allgemeinheit aber in willentlich unaufgeklärt in Unwissenheit…

            Schon morgen können wir auf den Prämienmoloch verzichten, wenn wir unser Zwangskorsett abstreifen könnten, das uns Bauern ausschließlich in der Nahrungsmittelproduktion manifestiert sieht. Wir müssen doch gegenwärtig den Holzweg erkennen wollen, auf dem wir Bauernlemminge fehlgeleitet unterwegs sind.

            Randständig angemerkt, müssten gegenwärtig die Getreidepreise förmlich durch die Decke schießen, da in Russland derzeit die Ernte auf dem Halm verrottet. Eine Heerschar von Leugnern verhindert das Durchreichen dieses Wissenstransfer bis zur Basis. – WARUM!?

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      • Limes sagt

        sehr gute Fragen habe leider bisher keine Antwort in folgenden Kommentaren gesehen deshalb versuch ich es selber mal

        Welche Pflicht hat ein Verpächter landwirtschaftlicher Flächen beim Pachtpreispoker?
        im Grunde keine. Evtl sich nicht von potentiellen Pächtern über den Tisch ziehen lassen denn die bestimmen ja den Pachtpreis.

        Welche Pflicht hat der Staat auf dem Pachtmarkt?
        Eintreiben der Steuern vom Eigentümer der Fläche entsprechend der aktuellen Gesetze dies sind: jährliche Grundsteuer, Erbschaftssteuer, Spekulationssteuer, Bodengewinnsteuer beim Verkauf einfordern. Weiterhin Sorge für die Einhaltung von Verkaufsbeschränkungen wie Vorkaufsrechte für Landwirte oder Gemeinden sorgen. Die Verkaufsbeschränkungen sind natürlich kein Vergnügen für den potentiellen Verkäufer sondern eine gravierende Einschränkgung der Eigentumsrechte Zugunsten Dritter.

        Welche Pflicht hat ein Pächter?
        termingerechte Zahlung der Pacht und ordnungsgemässe Bewirtschaftung der Fläche.

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  9. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Eine Quadratur des Kreises muss jeder einzelne Bauer heute unabdingbar hinbekommen, will er innerhalb seiner Microökonomie überleben können:

    Für umme ackern bei bestmöglicher Lebensqualität!!!

    nun, der Gürtel dieser tumben Tore ist noch nicht eng genug geschnallt, da lässt sich gesellschaftlicherseits noch so einiges bewerkstelligen… Erhielten heute die Betriebsleiter sowie deren einsatzfreudigen Familienmitglieder den Mindestlohn, könnte sich dieser Personenkreis realiter überaus glücklich schätzen. Gerade die Ausbeutung der Weißhaarigen geht extrem brutal vonstatten. Sie ackern für umme weiter, bis am Ende dieses Lebensabends der Bestatter auf den Hof kommt.

    Wird man dessen überhaupt gewahr jenseits der Bauernblase!? – Nur unter eben solch menschenunwürdigen Bedingungen lassen sich aktuell Getreidepreis weit unterhalb der 20-Euro-Marke abbilden und geräuscharm etablieren.

    Schämt euch, in welcher Art und Weise ihr eure Bäuche dekadent vollstopft!

    „Wir müssen eben alle den Gürtel enger schnallen – die einen um den Bauch, die andern um den Hals.“ (Ingo Appelt)

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    • Peter Schubert sagt

      Es gibt genug Weißhaarige die umfielen, nachdem sie aufhoerten zu ackern und nicht weil sie ackerten.

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      • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

        …immer eine Frage des Zeitpunktes und der auch immer wie gearteten Begleitumstände!

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    • Arnold Krämer sagt

      Gelegentlich können auch Verpächter „den Hals nicht vollkriegen“.
      Pächter sollten auf örtlich und regional überhitzten Pachtmärkten „Nein“ sagen können.
      Aber……
      Theoretisch leicht gesagt. Man muss schon wissen, womit man wieviel Geld verdienen kann und welche Risiken man eingeht und eingehen darf. (Vollkostenrechnungen!!!!)
      In den Gemüse- und Kartoffelbaubauregionen in Niedersachsen ist der Pachtpreis nachfragegetrieben.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Ich glaube der Gemüsebau in professionellen Händen bleibt noch lange ein gutes Geschäft. Wer einmal drin sitzt und den Betrieb im Griff hat, der ist safe. Problematisch wird es für die in dieser Region agierenden Viehhaltenden Betriebe, die ein Wachstum nur noch durch Flächenpacht erreichen können. Die Zupachtmöglichkeit ist dann in dieser Region der Gemüsebaukonkurrenz ausgeliefert.

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      • Karl Timme sagt

        Herr Krämer, in der Vergangenheit wurde häufig quersubventioniert. Bei uns waren das vorallem die Betriebe mit den Betriebszweige Kartoffelbau, Biogas und Spargelanbau. Diese Betriebe waren in der Vergangenheit sehr Flächenhungerig. Heute wurden der Biogas- und der Spargelanbau aus ihrer abgehobenen Position heruntergeholt.
        Sie haben aber natürlich Recht, Betriebe die aus Wachstumsgründen Flächen brauchten, sind auch bei Vollkostenrechnung über ihre Grenzen gegangen um zum Zug zu kommen.
        Immer nach dem Motto: Wachsen oder Weichen

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        • Reinhard Seevers sagt

          Grund ist zunehmend auch die ideologische Weltanschauung. Hier in der Gegend pachten Leute, die nun als Quereinsteiger die „neue“ Landwirtschaft probieren. Da wird dann schon mal alles weggepachtet, auch wenn es auf den 20er Böden nichts zu erwarten gibt.
          Gemüse können sie nicht, Getreide wächst kaum, Rinderhalten ist ein Experiment. Andere wiederum geben die Schweinehaltung auf, verpachten ihre Flächen und meinen mit Indoor-Salat und Indoor-Kräuter das Einkommen erzielen zu können. Wahrscheinlich sind die Pachteinnahmen höher, als der Gewinn aus den Indoor-Erzeugnissen.
          Die Domänenpächter sind aber immer noch komplett in Gottes oder Staates Hand…..

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          • Karl Timme sagt

            Herr Seevers, diese „Leut“ sind Einzelfälle wie auch die Stifftungen der LEH`s.
            Diese spielen auf einem engen Pachtmarkt nur Regional eine Rolle. Da sehe ich die PV-Betreiber im Außenbereich, die auch von den Kommunen kräftig gepuscht werden als größere Gefahr.

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            • Reinhard Seevers sagt

              Ist mir schon klar. Ich wollte nur deutlich machen, dass es keine pauschalen Aussagen geben kann, weil der Einfluss vielfältig ist. Regional kann PV auch gar keinen Einfluss haben, wie z.B. im Speckgürtel von Großstädten. Da können Umweltmaßnahmen von Bürgerinitiativen auch die Pachtverhältnisse beeinflussen, wenn sie PSM im Umfeld ihrer Blühflächen verbieten lassen z.B.. Wenn Gemeinden Gewerbegebiete ausweisen und plötzlich Pachtflächen wegbrechen usw.
              Zurück zum Mindestlohn: Es wird kein Zurück geben zum niedrigen Mindestlohn, insofern ist die Zukunft für Niedriglohnbeschäftigung absehbar und damit wird die Bürgergelddiskussion um das Thema unfairer Lohn und Aufstocker erweitert. Niemand kann das Karussell verlassen, ohne einen Tritt in die Eier zu bekommen. Wir haben uns verzettelt, glaube ich.

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              • Karl Timme sagt

                Dem stimme ich zu. In einem älteren BW-Beitrag hatte ich ja schon dargelegt, das ein absenken des Bürgergelds in dieser Koalition nicht machbar ist. Daraus folgt um einen Anreiz in Arbeit zu geben die Erhöhung des Mindeslohn. Damit ist ein Preis- Lohnkarussell in gang gesetzt, die letzlich die Inflation befeuern wird.
                Was dann aber auch Vorteile (vorsicht Ironie) hat, der Wert der Schulden nimmt ab.

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  10. Frikadellen piet 46 sagt

    Guten Morgen da wurde mal wieder ein Zielkonflikt sehr plausibel dargestellt. Wieder mal ein Punkt, der bei wissen vor acht plausibel erklärt werden könnte. Für die Lösung allerdings ist mehr Zeit notwendig! Es wird Zeit für einen Sondersendung im Fernsehen moderiert von Bauer Willi als Gäste viele agrarökonomen die das Ganze diskutieren. Ich hoffe dann wird das jedem klar sogar den putzis in Berlin im Bundestag!

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