Bauer Willi
Kommentare 74

Die andere Meinung: Agrarwende und EU-Außenschutz

Wir haben in den letzten Tagen einige Beiträge erhalten, in denen Leser unseres Blogs ihre persönliche Meinung zu Dingen rund um Landwirtschaft und Gesellschaft äußern. Diese Beiträge wollen wir in loser Reihenfolge unter der Rubrik „Die andere Meinung“ veröffentlichen. Und wie heißt es so schön im Presse-Deutsch: „Der Text gibt nicht immer die Meinung der Redaktion wieder“. Er soll aber zur Diskussion anregen.

Diesmal hat Eckehard Niemann uns seine Meinung zur Agrarwende, einen EU-Aussenschutz und Drittlandsimporte mitgeteilt. Wie ist eure Meinung?

 

In Deutschland und in der EU stehen in den nächsten Jahren gravierende Veränderungen der Landwirtschaft an:

im Umwelt-, Natur- und Tierschutz – und unbedingt gleichzeitig
Maßnahmen zur Sicherung bäuerlich-mittelständischer Agrarstrukturen,
Maßnahmen zum Abbau von Überschuss-Erzeugung und
Maßnahmen für politisch abgesicherte faire Erzeugerpreise und Einkommen.

Hauptinstrumente zur Umsetzung sind (neben anderen):

Mengenregulierungs-Programme (mit Anreiz-Prämien und politischer Absicherung) zur rechtzeitigen Verhinderung von Überschuss-Produktions-Krisen (zumindest teilweise schon einmal umgesetzt durch – halbherzige und zu späte – EU-Programme zur Beendigung der Milchüberschuss-Krise),

EU-weite ordnungsrechtliche (gesetzliche) Tierschutz-, Natur- und Umwelt-
Maßnahmen
zur Erzeugung von Klasse statt Masse (die in vielen Fällen besser von Bauernhöfen als von Agrarfabriken umsetzbar ist – wie z.B. Weidegang)

– und außerdem die Ausgestaltung von EU-Zahlungen, die nur bei Einhaltung bestimmter Standards gezahlt werden und zugleich die Effekte zugunsten von Agrarindustrie-Strukturen einkommenswirksam korrigieren zugunsten von bäuerlichen Strukturen.

Mit solchen Maßnahmen verbunden sind erhöhte Erzeugungskosten – durch eine artgerechtere Tierhaltung und auch infolge von wirklich „guter fachlicher Pflanzenschutz-Praxis“ mit einem Vorrang von ackerbaulichen Maßnahmen (wie Fruchtfolgen, mechanischer Beikrautregulierung oder Sortenwahl ) vor Chemie-Einsatz.

Mit solchen Maßnahmenzumeist automatisch verbunden ist aber auch ein Abbau der bisher ruinösen Überschüsse, die bislang zu den Niedrigpreisen der Dumping-Konkurrenz aus den USA, Brasilien oder Neuseeland auf dem Weltmarkt verscherbelt werden und den Bauern hier und weltweit schaden: wie z.B. der Überschuss-Abbau durch ein Kupierverbot für Ringelschwänze, ein Stroh- und Außenklima-Angebot und ein erhöhtes Platzangebot je Tier bzw. weniger Tiere pro Stall.

Ein ordnungsrechtlicher Umbau der gesamten EU-Landwirtschaft gewährleistet, dass die dann teurere EU-Erzeugung von „Klasse statt Masse“ nicht mehr durch Billigangebote aus anderen EU-Ländern mit niedrigeren Standards auf den EU-Märkten be- und verdrängt wird – weil zu anderen Standards gar nicht mehr erzeugt werden darf (wie z.B. Käfighaltung). Die EU-Schweinehaltungs-Richtlinie z.B. fordert seit Jahren die Umsetzung in nationales Recht in allen EU-Ländern und nicht – wie bisher – nur in Schweden, Finnland oder Österreich (wobei diese Länder den Beweis dafür liefern, dass die Behauptungen über fehlende Praktikabilität von Kupierverbot und Strohhaltung nur vorgeschoben sind).

Damit dieser ordnungsrechtlich Agrar-Umbau (mit klarer Zeitansage und angemessenen Übergangsfristen) und die damit verbundenen fairen Preise nicht durch solche Billig-Standards unterlaufen werden können, ist also zweierlei nötig:

1. die neuen ordnungsrechtlichen EU-Standards müssen EU-weit durchgesetzt werden (zumindest zunächst durch trilaterale Vereinbarungen zwischen den Haupterzeugungs-Ländern in der EU, die dann schon aus Eigeninteresse eine EU-weite Umsetzung forcieren);

2. die neuen EU-Standards müssen gegenüber Billig- und Dumpingangeboten aus Drittländern geschützt werden.
Dazu wiederum gibt es zwei Hauptinstrumente:

Zölle (ggf. mit begrenzten Ausnahme-Kontingenten für Waren aus bestimmten
Ländern und bestimmten Anbauer-Gruppen);

„nichttarifäre also nicht-zollartige Handelshemmnisse“, die den Import nur solcher
Waren    erlauben, die zu gleichen Standards in den Drittländern erzeugt wurden –
solche Qualitäts-Importgrenzen gibt es bislang schon hinsichtlich des Einsatzes
von Hormonen oder    bestimmter Konservierungsverfahren mit Chlor bzw.
Milchsäure).

Dies alles ist in den bisher erfolgreichen Kampagnen und Debatten um geplante Freihandels-Abkommen (wie TTIP) deutlich geworden.

Allerdings werden immer neoliberale Behauptungen gegen einen Drittlandsimport-Schutz von EU-Qualitäts-Strategien und damit gegen den anstehenden Umbau der Landwirtschaft publiziert. Das aktuellste Beispiel, zitiert nach top-agraronline vom 12.1.2018: „Krüsken: „Es fehlt an Ehrlichkeit – wir haben offene Märkte! Laut DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken gibt es einen roten Faden, den wir lange vernachlässigt haben: „Es fehlt an Ehrlichkeit in der Diskussion um die Landwirtschaft. Die Agrarpolitik muss der Tatsache ins Auge blicken, dass wir uns in offenen Märkten bewegen, daran kann die Politik nicht vorbei“, sagte der Verbandsvertreter am Freitag beim Soester Agrarforum.  Er deutete damit sinngemäß an, dass Politik und letztlich die Bürger sich zwar viel wünschen können, bei uns aber tatsächlich der liberalisierte Weltmarkt die Bedingungen vorgibt. Die deutschen Bauern stehen im Wettbewerb mit ihren Kollegen weltweit. Höhere Standards müssten daher finanziell ausgeglichen werden über die Direktzahlungen. Topagrar.com – Lesen Sie mehr auf: https://www.topagrar.com/news/Home-top-News-Kruesken-Es-fehlt-an-Ehrlichkeit-wir-haben-offene-Maerkte-8984096.html

Es ist schon bizarr und zynisch, wenn ein DBV-Spitzenvertreter einer angeblichen Bauernorganisation (im Interesse von Raiffeisen-, Schlacht-, Milch- und Futtermittel-Konzernen an billigen Import-Rohstoffen) folgende, immer noch bestehende Schutzzölle gegenüber Billigimporten verschweigen und wegmogeln will: In einem Artikel zu TTIP betonen Wissenschaftler der Uni Hohenheim: „Die höchsten Zölle erhebt die EU auf die US-Exporte von Rindfleisch (64%), Milchprodukten (47%), Reis (21%), Zucker (19%) sowie Schweine- und Geflügelfleisch (15%)“. https://www.rentenbank.de/dokumente/Die-Positionierung-Deutschlands-in-der-Internationalisierung-der-Agrar-und-Ernaehrungswirtschaft-2016.pdf

Von solchen Schutzzöllen ausgenommen werden können im Rahmen eines „qualifizierten Außenschutzes“ z.B. Lieferungen von Bauern und Bäuerinnen aus gering entwickelten Ländern, Spezialitäten- oder Faitrade-Waren.

Eckehard Niemann, AGRAR-HINWEISE – eckehard.niemann@freenet.de

(Aufrufe 1.198 gesamt, 1 heute)

74 Kommentare

  1. Hans-Günter Felser sagt

    Hier auf dieser Seite gibt es eine „Diskussion“ zwischen dem allwissenden „Landwirt“ und den nichtwissenden und den erbärmlichen dummen Andersdenkenden, also dem idiotischen „Pöbel“. Das ist gelungener Dialog, dafür gratuliere ich aufs Herzlichste! Meine Erwartungen an diese Internetpräsenz wurden wieder mehr als erfüllt.

    0
  2. Eckehard Niemann sagt

    Lieber Willi, angesichts einiger beleidigend-pöbelnder Kommentare (von glücklicherweise nur einigen anonymen „Kommentatoren“) fände ich es gut, wenn Ihr auf Eurer Internetseite – so wie bei top agrar – nur noch Klarnamen akzeptieren würdet. Sicher kann man schlicht über diese offensichtlich blöden Kommentare hinwegsehen, aber die Diskussionen würden so sicher noch sachlicher.

    4+
    • Peter sagt

      Vielleicht sollte man das nicht als blöden Kommentar abtun, sondern ernst nehmen! @Aufklärer schreibt sehr emotional und wird dafür seine Gründe haben. Tillmann Ziegler hatte auch mal probiert eine ähnliche Front aufzubauen…ich hatte meine Meinung wohl zu nett formuliert.

      3+
    • Aufklärer sagt

      Oha. Kritiker mundtot machen. Klarnamenpflicht hat genau diesen Sinn.

      Nette Strategie. Typisch PR Leute. Kenn ich schon.

      Ich habe nirgendwo besonders beleidigend geschrieben.
      Zusammenfassend habe ich meine Meinung kundgetan und ich stellte einige für mich meine Meinung prägende Offensichtlichkeiten fest, die sich aus der Netzpräsenz Ihrer Arbeit ergibt.

      Können Sie mit einem offenen Wort der Kritik nicht umgehen, die ihre Arbeit als das brandmarkt was sie ist: Lobbyarbeit? Schluss mit Lustig, einmal kein Honig um den Bart? Gleich eingeschnappt?

      Muss jeder selbst wissen.
      Gleich Maulkörbe verteilen. Ach ja.

      0
      • Aufklärer sagt

        Ich verstehe Ihre Haltung wirklich nicht.

        Nachdem ich meine Kommentare überprüft habe, kann ich ausser einer tendenziellen Provokation nichts feststellen.

        Wenn ich Sie unwissentlich irgendwo beleidigt haben sollte, bitte ich um Entschuldigung.

        Denken Sie bitte daran, das es hier um Meinungen von Nicht-Fachleuten, von interessiertem „Pöbel“ geht, nicht um eine Fachtagung unter Fachleuten.

        Man kann nicht ins Wasser springen und sich beschweren, das es nass ist.

        Beste Grüße

        0
  3. Aufklärer sagt

    Is das nicht einfach ein Lobbyist? Wieso ist das eine „Meinung“?

    Lobbyisten sind Mietmäuler. Die sagen doch alles wenn sie dafür bezahlt werden, oder?

    Naja, scheint schon überzeugt zu sein von dem, was er so von sich gibt. Das sind eigentlich die schlimmsten Lobbyisten. Apostel eigentlich dann. Apostel ihrer eigenen Überzeugungen, ihres Glaubens.

    Tja, gefährlicher Typ würde ich sagen.

    Lobbywatch oder ähnliches findet den Herrn Eckehard Niemann nicht. Mit Albert Schweitzer Tierrechtlern hat er schon gekungelt. Wieviel ihm das wohl als Bezahlung von den Spendengeldern einbrachte?

    Ein gefährlicher Mann, der ohne mit der Wimper zu zucken die Versorgungssicherheit der Menschen opfert.
    Für ein paar Hobbylandwirte und das Gefühl, die Bilderbuchlandwirtschaft, die es nie gab, herbeizuzwingen. Tierschutz und jedes Argument sind diesen Leuten recht damit sie Ihren Dienstauftrag und ihre Überzeugungen durchsetzen können.

    Bedauerlich das solche Leute frei herumlaufen dürfen – aber gibt sicher schlimmere. Eckehard Niemann ist bestimmt auch ein netter Typ, hat seine menschlichen Seiten. Man soll ja das positive sehen.

    Wieso ist eigentlich jeder Fleischerlehrling ein Lobbyist der Fleischwirtschaft und Agrarindustrie, während Leute wie Eckehard Niemann, die für ihre Arbeit sicher nicht schlecht bezahlt werden von den Spendengeldern. Das ist ja auch Geld, das irgendwelche NGOs emotional erpressen von den Mitgliedern und Bürgern. Naja, vielleicht macht er das auch alles als Guru ehrenamtlich.

    ich weiß nicht. Was ist das für eine Meinung? Einfach allen, die die Versorgungssicherheit und marktwirtschaftliche Arbeitsleistung erbringen wollen und könnne, Stöcke zwischen die Beine zu werfen und selbst irgendein überkommenes bescheuertes Bild einer Kuschellandwirtschaft die es so nie gab unters Volk zu mischen?

    Für mich ist das Heuchelei. Hauptsache Eckehard Niemann kann sich leisten dort einzukaufen, wo er es für richtig predigt. Hoffentlich hat er sich sein feistes Gesicht nicht in der Gastrononmie genährt. Die leben nämlich auch nach dem Motto: Geiz ist geil. Dort kauft man nicht Bio, Ausnahmen mal aussen vor.

    Ach Eckehard Niemann. Irgendwie sind Sie mir mit ihrer Vision als Mensch zutiefst sympathisch. Wollen ein Naturschutzgehege für kleinteilig unwirtschaftlich produzierende Landwirte in Deutschland errichten. Süß ist das ja schon irgendwie.

    Visionäre halt. Was der gute alte Schmidt ihm raten würde, weiß der Leser ja. 😛
    8,3 Milliarden Menschen und solche Leute wollen den internationalen Handel blockieren, Marktprotektion für ein paar tausend Landwirte in einem verlorenen Lande mit den Druckmitteln der EU und emotionalisierten Argumenten einer Tierschutzdebatte führen.

    Ich könnt mich kringeln vor Lachen, wenn es nicht so ernst wäre.

    1+
    • Eckehard Niemann sagt

      Ich glaube, Ihre unsachlichen (und zudem noch anonymen) Auslassungen, deren Behauptungen sich auf irgendwelche Zerrbilder beziehen und sich überhaupt nicht mit meinen Argumenten und mit meiner Arbeit befassen, sprechen für sich. Was hat Sie so blind und hasserfüllt gemacht?

      2+
      • Aufklärer sagt

        Schau ich mir an. Keine Ahnung was Sie reitet, zu behaupten man könnte heutzutage noch anonym im Netz sein. Nichts ist heute falscher und war immer schon relativ gesehen falsch.

        Ein Nick-Acronym schützt nur vor z.B. radikalen Tierschutzfanatikern und Extremisten, die einem Morddrohungen und Böller in den Briefkasten werfen oder die Metzgereifenster beschmieren, illegal in den Stall eindringen. Sowas halt.

        Aber das betrifft Sie jetzt wirklich nicht.

        Link zu einer Paywall, im Ernst?

        Ein ehrliches Wort ist kein Hating. Davon bin ich weit entfernt. Wie ich schon sagte. Es hat jeder positive Seiten, auch wenn er vielleicht als Lobbyist gegen die Interessen der Menschen arbeitet und einer kleinen Gruppe Vorteile verschaffen will.

        Ich hab mir das angesehen und finde genau das: Lobhudelei auf ihr Werk, die Industrielle Agrarentwicklung zu torpedieren, bäuerliche Kleinteiligkeit zu fördern.
        Das machen Sie mit Anscheinsbegriffen aus dem Tierschutz und erzeugen damit moralischen Druck auf die Konsumenten und scheinbaren fachlichen Diskurs.
        Sie arbeiten die Grenzen für erlaubte Stallgrößen warscheinlich! systematisch nach unten. Dafür stehen Sie überall mit Ihrer Arbeit. Oder glauben Sie wirklich, das die Leute, die sich IHREN Namen vor den Karren spannen mit einer Ideologischen Atitüde Landwirtschaft aus dem Bilderbuch suchen, die von Lebensreformgedankengut, von Biofantasie, von Öko-Visionen getragen ist, glauben Sie im Ernst das die irgendwann zufrieden sein werden?

        Nein, werden die nicht. Sprechen Sie mit Herrn Klaus Alfs in seinem Blog http://blog.klausalfs.de/4233/deutschland-vor-dem-agrarende/

        Davon abgesehen sehe ich Ihre Behauptung, ich wäre aggressiv nicht im geringsten bestätigt.

        Was Sie versuchen ist meine berechtigte Kritik in die Tonne zu treten, damit keiner meine Argumente würdigen möchte. Wer will schon mit Hatern gemeinsame Sache machen? So funktioniert jedenfalls PR.

        Aber Sie müssen ja nur denen gefallen, für deren Interessen Sie arbeiten. Damit sind wir uns einig. Und es muss Ihnen meine Kritik in ihrem speziellen Stil nicht gefallen. Wir sind uns einig: Meinungsfreiheit herrscht auf beiden Seiten.

        Ich halte ökoideologische Planwirtschaft für einen gefährlichen Irrweg – übertriebener Tierschutz gehört dazu und genau dafür stehen Sie mit Ihrer Arbeit – oder?

        Ich sag ihnen wie es in der Natur zugeht, habs letztens woanders im Blog schon geschrieben. Da drehte sich mir der Magen um: Löwen fressen einen Babyelefanten. Bei lebendigem Leibe, weil sie ihn nicht töten können.
        Eisbären zerfetzen Babyrobben jedes Jahr zu tausenden – der Eisbärschredder. Dagegen hört man von Schizophrenen Tierschützern nie etwas. Millionenfacher Vogelmord durch Kükenschreddern durch Hauskatzen? Fehlanzeige. Alles legitime Natur. Iss halt so.

        Damit verglichen ist der heutige große Stall mit all seinen Auflagen und Mühevoller Fürsorge für jedes einzelne Tier trotz geringer Gewinnerwartung oder auch gerade deswegen! besonders zu achten. In der Biohaltung wird nicht so genau hingeschaut, die Verluste sind höher und das schlägt sich in höheren Verlustzahlen nieder.
        Die Tiere sind kranker, leiden mehr. Parasitenverseucht.

        Ich sage nicht, das Sie für jede dieser Aussagen stehen, aber sie arbeiten mit diesem geschaffenen Argument, und stützten die radikalen Ideologen, die damit Arbeiten und diese schizophrene Einstellung bei der Befvölkerung fördern und für politische + teilweise „religiös-visionäre“ Ziele mißbrauchen.

        Aber Landwirtschaftsindustrie vor den Karren fahren, die günstige und gute Produkte für die Konsumenten erzeugen wollen, dafür steht ihre Arbeit auf jeden Fall und diese Kritik müssen Sie sich gefallen lassen.

        Tag auch.

        1+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Die niedrige Kaufbereitschaft für Bio wurde auch in Radenthein ernüchternd bestätigt. Meinen Vortrag leitete ich mit der Frage an das 100 %ige Bio-Publikum ein: „Wer von Ihnen hat in seinem/ihrem Haushalt mehr als 70 % Bio-Lebensmittel?“ Hier meldete sich etwa 1/3 der Personen. „Und wer zwischen 30 und 70 Prozent?“ Hier waren es etwa 10 Prozent. Mein Erstaunen war so groß, dass ich die Frage vereinfacht noch einmal stellte: „Wer von Ihnen hat 30-100 % der Lebensmittel in Bio zu Hause?“ Auch hier blieb die Zustimmung unter 50 %. Wer, wenn nicht die Bio-BäuerInnen und Bio-Bauern müssten um die elementaren Mehrwerte von Bio Bescheid wissen und liebend gerne und selbstverständlich überwiegend Bio kaufen – und dabei den notwendigen Mehrpreis für den Mehrwert bezahlen? Dass dem nicht so ist, gab mir sehr zu denken, ob die jahrelang verfolgten Bio-Kommunikationsstrategien überhaupt von irgendjemandem sinnerfassend gelesen werden können.

      http://organic17.org/tag-des-bio-landbaus-visionen-in-radenthein/

      0
    • Aufklärer sagt

      Bildung hätte es auch gebracht.

      Aber gut, man kann esoterische Antworten auf moderne Fragen der Welternährung gut finden.

      Jeder wie er meint.

      0
  4. Friedrich sagt

    Leute , tolle Diskussion. Solange unsere Politik nur auf die Großindustrie schaut und nach deren Vorgaben handelt , haben wir nichts zu melden. Die lassen die Bauern doch reihenweise platt gehen, wie man in Dänemark und Frankreich gerade erleben kann. Die Industrie schreibt doch in den Ministerien ihre Gesetze selbst. Die Bauern taugen doch nur noch als die „Schwarzen Schafe“, denen man alles unterschiebt. Nur ein Aufstand der Landbevölkerung und ein anderes Wahlverhalten kann evtl. noch etwas ändern. Keine GROKO-Partei setzt sich für uns ein , sonst gäbe es andere Gesetze. Während die Wirtschaft
    brummt , geht die Landwirtschaft und der „Ländliche Raum “ zu Boden. Da wird uns in der Zukunft auch nicht mehr BIO helfen.

    18+
  5. Ich seh das so sagt

    Es ist leider eine immer wieder feststellbare Vorgehensweise der Agrarwender. Das was war oder ist, ist auf jeden Fall Scheiße (weil da hatten wir Wender nix mitzureden). Bei dem was sein soll, wissen wir zwar nicht wo wir eigentlich hin wollen, aber dafür sind wir dann auch alle schneller dort.

    Der Aufbau eines Eiweißmarktes in Europa durch Förderung von Soja oder Raps sollte schon in den 80er Jahren die massive Versorgungslücke (Eigenversorgung damals meines Wissens ca. 5-10%) verkleinern helfen. Letztlich ist dies der Kritik von Innen (v.a. Grüne) und Außen (USA) zum Opfer gefallen und es bedurfte eines eigenen Ankommens das über 20 Jahre (bis ins Jahr 2002) sicherstellte, daß so ein Versuch zu mehr Eigenständigkeit ja nicht wieder passiert. „Zufällig“ durften aber zeitgleich mehr Stahl, Autos, etc. exportiert werden.

    Dieselben Kritiker von damals, werfen den Bauer/der Landwirtschaft heute vor, daß sie keinen/zu wenig Soja in Europa anbauen und soviel importieren. Sie tun aber zeitgleich wiederum alles um die vielversprechendsten Möglichkeiten zum Inlandsanbau politisch und öffentlich zu torpedieren.

    Sie fordern heute wieder politisch abgesicherte Preise, politisch abgesicherte Mengenregulierungen, politisch abgesicherte Standards, politisch …, politisch …

    Man darf sich fragen, warum frühere Mengen- und/oder Preissteuerungssysteme, seien sie nun branchenintern (z.B. Milch) oder vermarktungsseitig (z.B. Rübe), ersatzlos zerstört werden mußten unter dem Druck des medial vorgeschobenen „Nutzens des Verbrauches“ und Applaus genau jener Gruppen, die als „Wende“ nun solche System, noch dazu rein politisch abgesichert, wieder erstehen lassen wollen. Bei einer legislaturbedingten Kurzsichtigkeit und Rückgratlosigkeit, bei einem nach Shitstorms oder Clickrates sich richtenden Wirtschaftsverständnis, bei einer langfristige Entscheidungen geradezu vermeiden suchenden Politiklandschaft, sollte ein zwingend in Generationen denkender Primärsektor, jede weitere Einflußnahme seitens der Politik tunlichst vermeiden als sie ihr noch stärker auszusetzen als dies leider ohnehin schon der Fall ist.

    Man sollte meinen, gerade Deutschland hätte von politischen Plansystemen mehr als genug gehabt – zumal sie sich auch als ebenso planlos wie erfolglos erwiesen haben.

    Die völlig aus dem Ruder gelaufene Glyphosat-Debatte der Vorjahre sollte (wohl auch ihnen) ein warnendes Beispiel sein, wohin politisch herbeigewünschte Entscheidungen gehen können, wenn die angeblich vierten, fünften oder x-ten Mächte im Staate sich dazu bemüßigt fühlen Einfluß zu nehmen. Auch hier hat sich ja gezeigt, daß Viele erst nach dem „minister locuta – causa finita“ sich einzugestehen begannen, daß jede Irrealität und jede Surrealität mehr Einfluß zu gewinnen schien als Fakten, Beweise und vor allem die Frage, was kommt nachher.

    Wollen sie angesichts einer jahrelangen öffentlichen Debatte über ein (in Zahlen: 1) Pflanzenschutzmittel/Pestizid wirklich die Landwirtschaft in Deutschland oder gar in Europa einer solchen Politik aussetzen ? Soll es politischer Standard werden, das z.B. wie aktuell etwa 220.000 Stimmberechtigte einer Partei 80 Millionen Mitbürger überstimmen ?

    Sie wünschen/fordern EU-weite Zölle oder nicht-tarifäre Handelshemmnisse bei gleichzeitiger Abgeltung der Teuerung an die Bauern (wie ich vermute ebenso) durch die EU, weil sie von dieser ja auch die ordnungsrechtlichen Maßnahmen erwarten ?
    Sie wünschen sich das angesichts der aktuellen Diskussion um das künftige Agrarbudget, angesichts der festzustellenden Entscheidungs“kraft“ (um nicht zu sagen Entscheidungsunlust) der politischen Entscheidungsträger bei schon so hochrangigen Problemstellungen wie etwa einer Abschaffung der Sommer-Winterzeit, deren Sinn- und Nutzlosigkeit nun 37Jahre beobachtet werden konnte ?
    Und da führe ich schwerwiegende Problemstellungen wie Asylfragen oder Grenzschutz nur ergänzend an.

    Es sei ihnen konstatiert, daß sie sich Gedanken machen, Lösungen suchen, ja vielleicht sogar Visionen entwickelt haben. Deren Umsetzung so völlig der Politik anzudienen, sollten sie sich lieber nochmal überlegen, zumal es allzu oft Politiker waren und sind, die sich den Spruch von Helmut Schmidt zu eigen machen: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.

    14+
    • Eckehard Niemann sagt

      „Verpächter Piet“ kann es ja auch mal mit sachlichen Argumenten und Fakten versuchen und dann hier nochmal berichten.

      4+
      • Verpächter Piet sagt

        Herr Niemann, wir wollen ja die ganze Erde ernähren und leben nicht auf einer Insel. Ob in der EU alles richtig läuft ist fraglich. Kleine Betriebe machen, aber definitiv nicht bessere landwirtschaft, nur weil sie sich bäuerlich nennen.

        0
        • Eckehard Niemann sagt

          Bauernhöfe sind doch nicht nur kleine Betriebe, sondern vor allem auch gut strukturierte mittelständische Betriebe…

          4+
        • Eckehard Niemann sagt

          Kleinere Betriebe machen keine bessere Landwirtschaft, wenn sie sich „bäuerlich“ nennen. Das stimmt. Aber sehr viele Effekte. z.B. die artgerechtere Tierhaltung, sind betriebsgrößen-abhängig und abhängig vom unmittelbaren Engagement des Betriebsleiters (Bauern). Siehe Kritischer Agrarbericht 2016:

          Im Bereich der Milchviehhaltung erkennt auch das Gutachten des Beirats einen strukturellen Zusammenhang zwischen Bestandsgröße und Weidegang: „So nimmt z. B. die Wahrscheinlichkeit für Weidegang mit wachsender Betriebsgröße von Milchviehbetrieben deutlich ab. …Dieser Zusammenhang zeigt sich deutlich in den Zahlen der Landwirtschaftszählung 2010 (Statistisches Bundesamt, 2011). Obwohl viele kleine Betriebe in Süddeutschland angesiedelt sind, wo aus infrastrukturellen Gründen (Dorflage, Wetterbedingungen) wenig Weidegang zu verzeichnen ist, erhalten bundesweit zwischen 41 und 51 % der Kühe in Beständen mit 10 bis 200 Kühen Weidegang. Dagegen wird dies in Beständen mit über 500 Kühen nur noch 7 % der Kühe gewährt. Bereits in Beständen mit 200 bis 499 Kühen reduziert sich der Anteil auf 25 % der Kühe“ (Seite 114).
          Hörning zitiert zur Frage der Nutzungsdauer der Kühe beispielhaft Zahlen aus Sachsen (2012/13, 824 Betriebe, 181.000 Kühe), wonach mit zunehmender Bestandsgröße die Nutzungsdauer der Kühe sinkt.
          Laut Agrarstrukturerhebung 2010 gibt es hinsichtlich der von einer Arbeitskraft betreuten Tierzahlen folgende Verhältnisse in den verschiedenen Bestandsgrößen: unter 50 Kühe: 14,5 Tiere; unter 100: 28,8; unter 200: 35,9; unter 500: 9,2 und oberhalb von 500 Kühen: 20,6 Tiere pro Betreuer.
          Die Buchführungsergebnissen 2009/2010 des Freistaates Sachsen belegen sehr unterschiedliche Tiergesundheits-Zustände für unterschiedliche Bestandsgrößen. Demnach betrugen die Tierarzt-Kosten je Kuh – in spezialisierten Milchviehbetrieben in Einzelunternehmen im Haupterwerb bei 91 Euro in Beständen bis zu 40 Milchkühen, 97 Euro in der Bestandsklasse von 40 bis zu 60 Milchkühen und 104 Euro bei Beständen mit als 60 Milchkühen (Durchschnitt: 102 Euro) .
          – in spezialisierten Milchvieh- und Milchviehverbundbetrieben (Juristische Personen) bei 178 Euro in Beständen bis zu 400 Milchkühen, 169 Euro bei 400 bis zu 800 Milchkühen und 157 Euro und 157 Euro bei mehr als 800 Milchkühen Durchschnitt: 166 Euro). Quelle: Antwort der Sächsischen Staatsregierung vom 7.9.2011 auf die Große Anfrage der Fraktion DIE LINKE, Drucksache 5/6292 zum Thema „Strukturen der Tierhaltung und Stand des Tierschutzes in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung in Sachsen“, S. 9f)

          Schweinehaltung und Stroh

          Ein schlechter (akuter oder zu erwartender) Gesundheitszustand von Schweinen ist die Hauptursache für den Einsatz von Antibiotika in Ställen und damit auch für die Entstehung und Verbreitung antibiotika-resistenter Keime im Bestand. Vor diesem Hintergrund liefert die Studie von Wissenschaftlern des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zu MRSA-Keimen in der Schweinemast überraschend eindeutige Hinweise auf die hohe Bedeutung der Bestandsgröße:

          Auch das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats verweist auf Untersuchungen, wonach „die Herdengröße für viele Erreger und auch für resistente Keime als Risikofaktor für das Vorkommen beschrieben“ werden (Seite 151f). Dies sei u.a. bedingt durch den höheren Zukauf von Tieren aus anderen Betrieben, aber auch durch die höheren Tierzahlen und damit verbunden „mehr potenziellen Rezipienten und Ausscheidern des Erregers“. Der Beirat verweist zudem auf den Zusammenhang zwischen Tiergesundheit und regionaler Konzentration (s. 153).
          Laut Landwirtschaftszählung 2010 stehen nur noch 5,1% der deutschen Mastschweine auf Einstreu statt auf Spalten. Bezogen auf die Bestandsgrößen ergeben sich folgende Anteile für die Tierhaltung auf Einstreu: 40% bei Tierzahlen unterhalb von 100 und knapp 17% unterhalb von 400 Mastplätzen und immerhin noch 4% bei Beständen unter 1.000 Mastschweinen. Bei den Sauen stehen bundesweit nur noch 12,6% auf Einstreu, -bezogen auf die Bestandsgröße: knapp 57% in Beständen bis zu 50 Sauen, knapp 30% in Beständen bis 100 Sauen, knapp 15% in Beständen mit weniger als 200 Sauen, 9,2% in Beständen unter 500 Sauen – keine Bestände mit Einstreu oberhalb von 500 Sauen.

          Bei der Betreuungsintensität von Sauen sahen die Verhältnisse so aus: unter 50 Sauen: 15,8 Tiere pro Arbeitskraft; unter 100: 38,3; unter 200: 62,6; unter 500: 80,9; mehr als 500 Sauen: 96,1 Tiere (Hörning, s.o.)
          Hörning weist in auch in seinem Artikel „Stark belastet“ im Kritischen Agrarbericht 2014 (Hamm, 2014) darauf hin, dass bei Schweinen Zusammenhänge zwischen steigender Bestandsgröße und Tiergesundheit erkennbar seien: „Sauen werden in Ostdeutschland in deutlich größeren Beständen gehalten und dort sind die Bestandsergänzungsraten (d.h. kürzere Nutzungsdauern) höher als in Westdeutschland. Der Jahresbericht des LKV Bayern verdeutliche mit zunehmender Bestandsgrößenklasse eine abnehmende Säugedauer und parallel höhere Bestandsergänzungsraten bei Sauen sowie höhere Ferkelverluste, ferner zunehmende Verluste bei Mastschweinen in größeren Beständen“ (s. 144).
          Eine flächendeckend artgerechtere Art der Schweinehaltung ist zu erwarten durch die seit Jahren geltende EU-Schweinehaltungs-Richtlinie, die u.a. das Kürzen (Kupieren) der Ringelschwänze untersagt und den Zugang der Schweine zu Stroh oder ähnlichen Materialien verlangt. So wie die Nicht-EU-Länder Norwegen und Schweiz setzen EU-Staaten wie Schweden oder Finnland diese Richtlinie längst um (übrigens verbunden mit deutlichen Erfolgen beim Abbau von MRSA). Staaten wie Deutschland waren seinerzeit der geforderten Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht zwar formal nachgekommen, hatten sie aber durch eine „Ausnahmeregelung“ unterlaufen – wonach dann das Kupieren bei ca. 95 % der Schweine weiterhin als „Ausnahme“ lief.
          Dies nimmt die EU-Kommission, auch nach einer Klage Schwedens, nun nicht mehr hin – auch mit Hinweis auf Vertragsstrafen. Die frühere CDU-FDP-Regierung Niedersachsens reagierte darauf mit einem „Niedersächsischen Tierschutzplan“. Dieser benennt wesentliche Missstände in der Tierhaltung uns setzt klare Fristen – u.a. für die Beendigung des Ringelschwanz-Kupierens (http://www.ml.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=28272&article_id=98191&_psmand=7). Ähnliche Pläne oder Vorgaben gibt es in NRW, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, den Niederlanden oder Dänemark, so dass die Umsetzung der EU-weit gültigen Vorgabe zunächst zumindest in den wichtigsten Schweinehaltungs-Ländern absehbar ist. Das Bundesagrarministerium wird sich schwerlich dem Druck dieser Länder entziehen können, die aus Wettbewerbsgründen die Umsetzung in ganz Deutschland und in der EU einfordern werden.

          Ein intakter Ringelschwanz ist das Zeichen dafür, dass es den Schweinen einigermaßen gut geht. Man schneidet bisher den Tieren die Schwänze ab, weil die intelligenten, geruchssensiblen und wühlsüchtigen Schweine in öden Buchten auf strohlosen Spaltenböden direkt über ihren Exkrementen stehen und sich deshalb gestresst gegenseitig die Schwänze abbeißen. Muss der Ringelschwanz nun dran bleiben, muss man den artgemäßen Bedürfnissen der Schweine stärker nachkommen: Da reichen Spielzeuge“ (Ketten, Bälle, Holzstücke, Strohpellet-Automaten etc.) nicht aus, weil sich die Tiere davon nach wenigen Tagen gelangweilt abwenden. Praxiserfahrungen und Untersuchungen zeigen, dass sich das Schwanzbeißen (von wenigen Ausnahmen abgesehen) nur „abstellen“ lässt, wenn man den Tieren Stroheinstreu bietet (http://www.abl-niedersachsen.de/fileadmin/Dokumente/AbL-Niedersachsen/Themen/Schweinehaltung_-_Faktenpapier_.pdf)
          Dies wird künftig Standard in den Schweineställen werden – und damit die Schweine den Strohstall nicht vollkoten und somit viel Handarbeit beim Entmisten verursachen, wird mit der Stroheinstreu der zusätzliche Bau einer Außenbereichs verbunden sein: Diese ebenfalls stroh-eingestreute Betonplatte, die mit dem Frontlader leicht zu entmisten ist, können die Tiere durch „Plastik-Vorhangs-Stallausgänge“ jederzeit erreichen – und dort koten und urinieren sie nach altem Instinkt, weil sie dort die Nachbarrotte aus dem benachbarten Stallabteil sehen. Effekt dieses von neuland- und Bio-betrieben längst erprobten und modernen Strohhaltungs- Systems: Die Stroheinstreu im Stall selber bleibt arbeitsrationell sauber und wühl-attraktiv. Natürlich würden die Schweine gern richtigen Auslauf haben und richtig in der Erde suhlen und wühlen können – deshalb ist diese Form der Tierhaltung eigentlich das Allermindeste an Kompromiss..

          Diese Form einer artgerechteren Schweinehaltung können Agrarfabriken kaum umsetzen, weil sie Beschaffung guten Strohs für so viele Tiere und das Strohmanagement selbst kaum umsetzen können. Mittelständisch-bäuerliche Strukturen könnten dies – brauchen dafür aber die Unterstützung durch ein Umbauprogramm. Die vom Lebensmittelhandel teilweise finanzierte Tierwohl-Initiative sollte deshalb den Schwerpunkt weniger auf Maßnahmen von Tierwohl-Light legen, sondern interessierten Schweinehaltern vor allem eine Kostenerstattung bieten für den Umbau und das Erfahrungssammeln für diese demnächst verpflichtenden Vorgaben. Die „Ringelschwanzprämie“ der rotgrünen Landesregierung Niedersachsens wäre ein Beispiel dafür.

          Geflügelhaltung und Echt-Auslauf

          Die agrarindustrielle Haltung von Geflügel in Großbeständen ist nur mit massivem und systemimmanentem Antibiotika-Einsatz durchhaltbar. Selbst in diesem Rahmen zeigen sich bestandsgrößen-abhängige Unterschiede: Der Abschlussbericht „Evaluierung des Antibiotikaeinsatzes in der Hähnchenhaltung“ des LANUV NRW vom 14.11.2011 vermerkt, dass „kleine Betriebe (bis 20.000 Mastplätze) eine signifikant längere Mastdauer, aber auch eine signifikant niedrigere Anzahl der durchschnittlichen Behandlungstage bei niedrigerer Anzahl eingesetzter Wirkstoffe“ aufwiesen. Das Maximum des Antibiotika-Einsatzes (durchschnittliche Behandlungstage) lag im Bereich der Strukturen von 50.000 bis 90.000 Mastplätze 8,5 und fiel bei noch größeren Mastbeständen auf 6,5 ab – ohne aber den niedrigen Wert der „kleinen Betriebe“ (3,4) auch nur annährend zu erreichen (Seite 9 des Berichts).
          Auch innerhalb des Systems Freilandhaltung wird der Tierwohl-Vorteil kleinerer Strukturen deutlich: Das Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats konstatiert denn auch zumindest bei der Haltung von Legehennen, dass bei „stationären Ausläufen ein umweltverträgliches Freilandmanagement durch große Bestände sehr stark erschwert.“ werde „Gleichzeitig besteht ein gut belegter Zusammenhang zwischen verringerter Freilandnutzung durch die Hennen und höheren Gruppengrößen (Übersicht bei Knierim, 2006).“
          Eine wirkliche Freilandhaltung kann es in Großbeständen allein deshalb nicht geben, weil Hühner nur bis zu 300 ArtgenossInnen unterscheiden können und sich in diesem Rahmen orientieren. Deshalb und weil in großen Herden mit ihren großen Ställen der Weg zu den Ausgängen ohnehin weit ist, kommen große Teile der Herde gar nicht zu den Ausgängen. Und auch das Auslaufareal selbst wird oft nicht voll genutzt: Zwar werden rechnerisch jedem Tier bestimmte Quadratmeter zugemessen, aber aus der großen Herden-Tierzahl folgt, dass viele dieser Quadratmeter viel zu weit von den Stallausgängen liegen müssen. Das wiederum hat oft zur Folge, dass sich in der Nähe der Ausgänge zu viele Tiere befinden, deren Exkremente dort zu Problemen mit Parasiten führen. Zudem bleibt in stationären Ausläufen die Grasnarbe nicht lange erhalten. Einen wirklichen Auslauf auf Grünflächen und ohne Parasitendruck können deshalb am besten Mobilställe gewährleisten, deren Größe per se begrenzt ist.
          Die europaweite Studie HealthyHens, die parallel in 8 Ländern auf insgesamt 114 Praxisbetrieben das Tierwohl und die Tiergesundheit von Biohennen untersuchte, konstatiert große Unterschiede zwischen den Betrieben, z.B. hinsichtlich des Befalls mit endoparasitischen Würmern (u.a. abhängig von der Dauer der Auslaufzeit). Auch Schäden am Gefieder und Pickverletzungen verringerten sich in Abhängigkeit von den Auslaufzeiten. „Auch für die angestrebten langen Auslaufzeiten für Biohennen leiteten die Wissenschaftler konkrete Empfehlungen aus den Daten ab. So zeigte sich, dass Auslaufangebote von den Hühnern umso stärker genutzt werden, je kleiner die Gruppen sind und je mehr Auslauffläche dem einzelnen Tier zur Verfügung steht. Zudem sollte eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Hennen im Auslaufbereich angestrebt werden, etwa durch zusätzliche Schutzmaßnahmen wie Hütten oder Sträucher“ (top agrar online, 26.8.2015).
          Hörning berichtet im Kritischen Agrarbericht 2014, dass bei Legehennen in verschiedenen Versuchen in größeren Herden „ein schlechterer Gefiederzustand gefunden wurde (Hinweis auf Federpicken/Kannibalismus), sowie eine geringere Auslaufnutzung, teilweise auch ein höherer Medikamenteneinsatz“, S. 144).

          Tierschutzpläne und Bestandsobergrenzen
          Weitere Studien und Überlegungen werden bestätigen, dass die Zusammenhänge zwischen Tierwohl und Bestandsgrößen evident und deshalb auch politisch umzusetzen sind. Dies geschieht in immer mehr Bundesländern bereits dadurch, dass Investitionen in Ställe nur gefördert werden, wenn damit deutliche Fortschritte beim Tierwohl verbunden sind und wenn bestimmte Obergrenzen von Tierzahlen nicht überschritten werden. Parallel dazu muss der gesellschaftliche Druck aufrechterhalten werden, dass die Tierschutzpläne in allen Ländern und auf Bundesebene rasch umgesetzt werden. Dies wird mittelständisch-bäuerliche Strukturen stark begünstigen und deren Verdrängung durch agrarindustrielle Tierhalter entgegenwirken.

          Bereits 2013 hat der gemeinsame gesellschaftliche Druck des Netzwerks „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“, der kommunalen Spitzenverbände und auch von Landräten der Intensivhaltungs-Landkreise dafür gesorgt, dass parteienübergreifend die Novelle des Baugesetzbuchs verabschiedet wurde. Die bereits im Bundes-Immissionsschutz-Gesetz verankerten Abwägungs-Grenzen für die Genehmigung von großen Tierhaltungsanlagen sind seither auch baurechtlich relevant: Die Gemeinden können nun beantragte Tierfabriken einfach und ohne jede Begründung dadurch verhindern, dass sie keinen „vorhaben-bezogenen Bebauungsplan“ für einen solchen beantragten Stall erarbeiten und beschließen.

          Dies gilt für Stall-Anlagen oberhalb der folgenden Grenzen des Bundes-Immissionsschutz-Gesetzes (BImSchG), Anhang zur 4. Bundes-Immissionsschutz-Verordnung (BImSchV): 15.000 Hennen-Plätze, 30.000 Junghennen-Plätze, 30.000 Mastgeflügel-Plätze (Masthühner-Plätze), 15.000 Truthühner-Plätze, 600 Rinder-Plätze, ausgenommen Mutterkühe mit mind. 6 Monaten Weide (600 Rinderplätze entsprächen etwa 300 Milchkühen mit Nachzucht), 1.500 Mastschweine-Plätze, 560 Sauen-Plätze, 6.000 Aufzuchtferkel (10 kg bis 30 kg).
          Dies beruht u.a. auf der Tatsache, dass derartige oder höhere Tierzahlen pro Anlage durch die so konzentrierten Immissionen – „Menschen, Tiere und Pflanzen, den Boden, das Wasser und die Atmosphäre sowie Kultur-und sonstige Sachgüter“ schädigen können. Allerdings gilt dies (bislang) nur für baurechtlich „gewerbliche“ Betriebe, welche die in § 201 BauGB geforderten Futterflächen (für mindestens 50% der zu fütternden Tiere) nicht für eine längere Dauer von 12 bis 18 Jahren nachweisen können. Flächenstarke Betriebe (im Sinne dieses Gesetzes „landwirtschaftliche Betriebe“) können also auch weiterhin eine baurechtliche landwirtschaftliche Privilegierung auch für Groß-Tierhaltungsanlagen ohne die obigen Einschränkungen nutzen (allerdings nur nach Maßgabe der parallelen immissionsschutzrechtlichen Prüfung).
          In der politischen Debatte geht es derzeit u.a. um die Frage, ob obige Tierplatz-Grenzen nicht generell für sämtliche Tierhaltungsanlagen gelten sollten – schließlich mache es hinsichtlich der hier zentral bedeutsamen Immissions-Belastungen ja keinerlei Unterschied, ob diese Tierzahlen eigentums- oder pachtmäßig mit viel oder weniger Fläche verbunden seien.
          Die Filtererlasse in verschiedenen Bundesländern unterscheiden auch aus diesen Gründen nicht zwischen baurechtlich gewerblichen und landwirtschaftlichen Anlagen, sondern legen generell Grenzwerte fest: Diese liegen bei 2.000 Mastschweinen und 750 Sauen – bei Geflügel ist beim baldigen Erreichen des „Stands der Technik“ in der Filtertechnik auch für Geflügelanlagen die Festlegung weiterer Grenzwerte zu erwarten. Insofern sind Großanlagen, sofern die externen Kosten zumindest teilweise eingepreist werden, nicht wirtschaftlicher als andere Anlagen – ganz im Gegenteil.

          Gesundheit von Anwohnern

          Auch hier ist die Datenlage zum Zusammenhang zwischen betrieblicher und/oder regionaler Konzentration einerseits und der Gesundheit von Anwohnern unbefriedigend. Solche Untersuchungen, beauftragt von der niederländischen Regierung, laufen derzeit – Ergebnisse werden voraussichtlich 2016 veröffentlicht.
          Der Aspekt einer Keimbelastung der Anwohner sollte – entsprechend der Geruchsimmissions-Richtlinie GIRL- in baurechtliche Genehmigungsverfahren einbezogen werden. Hierzu müssen – entsprechend der GIRL – Vorsorge-Grenzwerte verankert werden.

          Akzeptanz und faire Erzeugerpreise für Bauernhöfe
          Alle diese Aspekte untermauern die Notwendigkeit von Bestands-Obergrenzen. Die damit verbundenen Höchst-Tierzahlen decken sich in weiten Bereichen auch mit den Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger. In einer Befragung zur Akzeptanz der Tierhaltung nannten 90% der Verbraucher die folgenden Tierzahlen pro Betrieb, ab denen für sie „Massentierhaltung“ beginnt: Ca. 500 Rinder, ca. 1.000 Schweine, ca. 5.000 Hähnchen (Kayser, Schlieker, Spiller; Univ. Göttingen; Die Wahrnehmung des Begriffs „Massentierhaltung“ aus Sicht der Gesellschaft; in: Berichte über Landwirtschaft, Band 90; Stuttgart; Dez. 2012; S. 417ff).
          Durch Obergrenzen gegenüber weiteren Agrarfabriken würde – mit gesellschaftlicher Akzeptanz (!) – der preisdrückende Zuwachs an zusätzlichen Angebots- bzw. Überschussmengen durch weitere Anlagen gebremst werden. Wettbewerbs-Nachteile durch Lieferungen aus anderen EU-Ländern mit umfangreicher Tierhaltung sind kaum zu erwarten: In den Niederlanden gibt es aber bereits Baurechts-Beschränkungen für „Megaställe“, deren Maximal-Tierzahlen – je nach Tierart – ober- oder unterhalb der obigen deutschen Werte liegen. In den Niederlanden greifen zudem restriktivere Vorgaben hinsichtlich von Tier-, Gülle- oder Phosphatrechten, die für einen Tierbestand vorhanden sein bzw. bei Erweiterung zugekauft werden müssen. Zudem führen andere Restriktionen im Bereich von Tierschutz, Abstandsregelungen oder Düngeflächennachweis z.B. auch in Dänemark zu Begrenzungen der Tierzahlen.
          In den meisten EU-Ländern gibt es zudem weitaus weniger Groß-Tierhaltungsanlagen bzw. derzeit keine so ausgeprägte Tendenz zur Antragstellung für solche Anlagen. Es ist zudem zu erwarten, dass die von der EU-Kommission verfolgte, EU-weite Durchsetzung von EU-Tierhaltungsvorgaben die Wirtschaftlichkeitsvorteile von Großställen verringern, einebnen oder sogar ins Gegenteil verkehren werden.
          Mit den meisten Tierschutz- und auch Umweltauflagen ist eine Erhöhung des Stallplatzes pro Tier und damit auch eine Verringerung der Tierzahlen pro Stall verbunden. Dies führt deshalb automatisch zu einer EU-weiten Verringerung der Überschuss-Produktion, die die Erzeugerpreise schon lange und anhaltend in ruinöse Bereiche drückt. Erzeugerpreise entstehen durch Angebot und Nachfrage. Eine Angebotsverknappung führt zu überproportional höheren Erzeugerpreisen (wegen der geringen Elastizität der Nachfrage). Eine solche Angebotsverknappung und damit überproportionale Erzeugerpreiserhöhung ist automatisch (und mit gesellschaftlicher Akzeptanz) mit den Tierschutzplänen verbunden. Es gibt dann keine Mengen mehr unterhalb dieses Standards zu kaufen. Aus Drittländern werden – wie bisher – kaum Eier, Fleisch oder Milch in die EU kommen, allein schon wegen qualitativer Importhindernisse (Salmonellen, Hormoneinsatz, Hygienisierungs-Verfahren). Eine artgerechtere und gesellschaftlich akzeptierte EU-Tierhaltung ist zudem die Voraussetzung für die Abwehr des drohenden TTIP-Freihandelsabkommens.
          Forderungen:
          – Verstärkte Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Tierwohl und Bestandsgröße !
          – Schluss mit unbelegten und agrarindustrie-nützlichen Behauptungen von angeblich bestandsgrößen-unabhängigem Tierwohl !
          – Berücksichtigung absehbar neuer Tierhaltungs-Vorschriften bei der Bewertung !
          – Darstellung der positiven Auswirkungen von Bestandsobergrenzen und Tierwohl-Vorgaben zugunsten von Bauernhöfen und Erzeugerpreisen !
          Eckehard Niemann

          5+
          • sonnenblume sagt

            “ Mit den meisten Tierschutz- und auch Umweltauflagen ist eine Erhöhung des Stallplatzes pro Tier und damit auch eine Verringerung der Tierzahlen pro Stall verbunden. “ Damit will man große Betriebe, hier auch Agrarfabriken genannt, dazu bringen, die Tierbestände deutlich zu verringern und die Haltungsform zu ändern. Das wird für diese Betriebe teuer, ist aber nicht unmöglich. Dabei wird vergessen, dass diese Gesetzte und Auflagen für alle Betriebe gelten. Auch für die, die man eigentlich erhalten will. Großbetriebe haben entsprechendes Personal zu Hand, um überzogene und willkürliche Forderungen abzublocken. Kleine Betriebe stehen dem vielfach Machtlos gegenüber und hier können die Behörden dann voll durchgreifen. Man gewinnt in der letzten Zeit den Eindruck, dass die Behörden ernsthaft bemüht sind, die Zahl der Betriebe bestmöglich zu reduzieren, frei nach dem Motto “ jeder Bauer der aufgibt ist ein guter Bauer.“ Soviel zum vielgepriesenen Erhalt der “ bäuerlichen Landwirtschaft.“

            2+
          • Aufklärer sagt

            WOW!

            Nicht schlecht der Specht!

            ich tendiere ja wider willen manchmal dazu, zuviel zu schreiben, und andere empfinden das dann so, als würde ich ihnen mit Stimmengewirr und Sprachbrachialer Potenz den Mund verbieten.

            Also jetzt weiß ich wie die Leute sich fühlen. Das ist wahnsinn wie Sie das drauf haben.

            PR-Profi, Lobbyist halt. Gelernt ist gelernt. Da kann Ihnen keiner was!

            1+
  6. Monique sagt

    Also ich glaub nicht, dass auch wenn die EU diese Absicht hätte und es so in den Gesetzen usw. niedergeschrieben würde, es dann auch in der Realität so rauskommen täte…
    Letztes Jahr hatten wir einen Spätfrost, der enorme Einbussen bei den Früchten und Beeren bewirkt hat. Teilweise bis zu 70% weniger Erdbeeren als Beispiel. Habe ich für die Erdbeeren beim Grossverteiler oder beim Hoflädeli mehr zahlen müssen? Nein. Das Schälchen kostete so viel wie im 2016 also bei normalem Ertrag.
    Der Zufall wollte es, dass die Bäuerin gerade im Höflädeli war und so habe ich sie gefragt, wieso denn dieses Jahr die Erdbeeren nicht wesentlich mehr kosten würden also mindestens das Doppelte, da nur 30% an Ertrag da ist. Sie sagte mir dann, dass das was nicht im Inland produziert wird vom Ausland kommt und der Preis vom Handel nicht nach oben angepasst wird oder nur geringfügig.
    Was schliess ich daraus und aus vielen anderen Beobachtungen? Das Gebet über den Preis, der vom Angebot und der Nachfrage bestimmt wird ist so wahr und echt wie das Christkind.
    Die Logistikbranche arbeitet mit Hochdruck daran, dass die Waren noch viel schneller rund um die Welt geflogen werden können obwohl wir wissen, dass der Flugverkehr ein effizientes Mittel ist um unsere Umwelt zu zerstören.
    Und dass dann der Konsument der Verführung des Preisschildes wiederstehen kann, wenn er/sie vor dem Regal der z.B. Kaffeesahne steht und sieht, dass die Sahne des inländischen kroatischen Bauern und Verarbeiters wesentlich mehr kostet als die beiden Sahnen aus Deutschland der soll Eva noch einmal einen Vorwurf machen, dass sie vom Apfel der Erkenntnis genossen hat…

    3+
    • Die Zölle des EU-Außenschutzes sind dynamisch. Preisdifferenzen von Drittlandsprodukten zu EU-Produkten werden vom Zoll abgeschöpft, oder es gibt Einfuhrkontingente.

      S. Wikipedia zur Agrarmarktordnung: „Die Hauptfunktion von Marktordnungen ist die Abgrenzung des EU-Binnenmarktes vom Weltmarkt mit seinen zum Teil viel niedrigeren Preisen. Die Preise für eingeführte Agrarprodukte werden also innerhalb der EU künstlich hoch gehalten, um die heimischen Produzenten vor Konkurrenz aus dem Nicht-EU Ausland zu schützen. Um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können, sehen die Marktordnungen als Steuerungselemente unter anderem Abschöpfungen, Ausfuhrprämien (Ausfuhrerstattung) und Einfuhrkontingente vor.“

      Tatsächlich tut der DBV so, als gebe es diesen EU-Außenschutz nicht und konkurrierten die EU-Länder auf dem Weltmarkt mit USA, Brasilen, China etc. Das ist definitiv Schwachsinn. Wäre es so, sähen die Auslagen in den Supermärkten wohl komplett anders aus (jedenfalls die Herkunftsangaben). Konkurrenz besteht beim Import (Getreide, Soja), da allerdings sehr zugunsten der (reichen) EU und sehr zu Lasten armer Länder, z.B. afrikanischer und asiatischer.

      Daraus erklärt sich auch, dass die EU nach Angaben der Uni Hohenheim auf die US-Exporte sehr hohe Zöllen nimmt: Rindfleisch 64%, Milchprodukten 47%, Reis 21%.

      3+
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Der Außenschutz ist noch löchriger wie der Schweizer Käse.

        Zwetschgen, war eine Hauptfrucht die ich erzeugt habe, die Nachfrage konnte bei weitem nicht gedeckt werden.. Durch die klimatischen Bedingungen waren die Frühzwetschgen preislich auskömmlich, bis Ungarn Zwetschgen liefern konnte.
        Die Lieferkontingente waren so hoch angesetzt, dass nie ein Mangel entstehen konnte.

        Die Folge war, dass der Preis eingebrochen ist und die Ernte sich manchmal nicht mehr lohnte. Diese Situation ist nicht neu, die gab es schon vor 50 Jahren.

        0
    • Eckehard Niemann sagt

      EU-Angebot und EU-Nachfrage bestimmten auch 2017 den Preis:

      Für die Erdbeersaison war das Jahr 2017 schwierig: Starke Fröste im April, ein recht kühler Mai, regionale Hagel- und Starkregenschäden sowie ein zu heißer Juni sorgten für Ernteeinbußen. Nach Einschätzungen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) wird das Ernteergebnis 2017 noch unter dem schlechten Erdbeerjahr 2016 liegen.
      Dies bekräftigt eine AMI-Umfrage bei Deutschlands wichtigsten Erzeugern für den Erdbeermarkt, die nach den Frostnächten im April durchgeführt wurde: Sie rechnen mit 28.500 Tonnen Absatzmenge für 2017, dies entspricht fünf Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahresergebnis (30.000 Tonnen) und 23,8 Prozent weniger im Vergleich zum Mittelwert (37.400 Tonnen). Laut dem Statistischen Bundesamt belief sich die Erdbeerernte im vergangenen Jahr auf 143.221 Tonnen in Deutschland.
      Die Preise waren bis Mitte Mai stabil auf einem hohen Niveau. Dann brachen sie ein, da das heimische Angebot an Erdbeeren anstieg, und im Lebensmitteileinzelhandel noch Importware zu günstigeren Preisen angeboten wurde. Durchschnittlich bezahlten die Verbraucher laut AMI für heimische Erdbeeren 2,54 Euro pro 500 Gramm-Schale (2016: 2,28 Euro).

      4+
      • Monique sagt

        Ich habe meine Zahlen auf unsere Region bezogen. Der Einbruch war Regional und je nach Frucht und Sortenbedingt sehr unterschiedlich – manchmal sogar von Dorf zu Dorf…
        Was interessant war, der Spätfrost war über sehr lange Zeit und sehr präsent in den Medien und von Anfang an wurde gesagt, dass es die Fruchternte stark betreffen wird – sprich Einbruch gibt. Ich konnte auch beobachten, dass in der Stadt den Menschen bewusst wurde, dass wenn es im falschen Moment zu kalt wird es keine Frucht am Baum oder einer anderen Pflanze gibt. Wie wenig es braucht – nur ein Tag/Nacht! Der Masse der Konsumenten war somit klar, dass es viel weniger einheimische Früchte gibt und auch welche wirtschaftlichen Folgen das für die Fruchtbauern, Winzer usw. hat/haben wird. Über Monate war das Thema.
        Von dem her hätte ich etwas höhere Preise schon im Laden durchsetzbar gesehen… Da hätte man doch anknüpfen können für die Produzenten – hätten die Spielmacher gewollt.
        Die Gesellschaft fixiert sich auf einen Preis der unwahr ist. Wie soll etwas Vernünftiges rauskommen wenn wir eine unwahre oder falsche Basis als Messlatte nehmen? Wenn nur noch dort das gemacht werden darf, wo es „angeblich am günstisten produziert werden kann“ ist auch klar was noch kommen wird bzw. nur noch die verkaufen können die am „günstigsten“ verkaufen können bis der nächste kommt der günstiger ist… Der Einkäufer kauft auf der Welt ein, der „kleinere“ Produzent produziert an Ort und Stelle mit den gegebenen Rahmenbedingungen… Das kann nur schief gehen für die Masse der lokalen Produzenten. Transportkosten dürfen dieses Spiel nicht stören – trotz täglichem Nachhaltigkeitsgeschwätz in den Medien.
        Schleichend kommt der Lebensstandart der für den „günstigen“ Preis benutz wurde ins eigene Land – siehe den stark wachsenden Billiglohnsektor und die stagnierenden Löhne – verschwindendes Gerwerbe und Kleinhandel dafür stark überwachte und optimierte Arbeitsplätze in den Amazonlagern und Paketboten die für wenig arbeiten dürfen…
        Es geht nur wieder Richtung klein, wenn die grossen Konzerne kleiner gemacht werden – aber da geht die Fusionswelle weiter und gross wird noch grösser mit dem staatlichen Segen der „Wettbewerbskomissionen“.

        2+
    • Aufklärer sagt

      Sie sollten auch die Vorteile grundlegender Natur sehen:
      Der Warentransport ermöglicht höhere Erträge, weil jede Nation sich auf den Anbau von jenen Produkten konzentrieren kann, die in ihrem Land besonders gut gedeihen.
      Dann kaufen die Arbeiter und Angestellten mit dem Geld das sie verdienen eben jene fehlenden Produkte, die importiert wurden.

      Klappt natürlich auch nicht makellos. Aber die alternative Antwort ist Flächenvergeudung für Soja in Europa, das Hektarertragsmäßig nix einbringt aber dann Marketing sei dank teuer vermarktet werden kann.

      Ausserdem hilft das die Versorgungssicherheit bei Ernteausfällen aufzufangen. Wir haben keine sonderlichen Preisdivergenzen zu fürchten, das liegt aber dann auch am starken Euro. Die Kaufkraft eines Euros am Weltmarkt ist entsprechend hoch, so kommen wir auch bei eingeführter Ware günstiger an unser Produkt – Es könnte sogar ein Gewinn zusätzlich drin sein, weil die Eingeführte Ware jetzt für denselben Preis oder sogar etwas mehr verkaufbar wäre – in Konkurrenz zu deutscher Ware kann man eingeführte Ware nur billiger verkaufen …

      Versorgungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit!

      0
    • Aufklärer sagt

      Ehrlich: Er hätte ja auch in Indien bleiben können …
      Jetzt klappt es im Ausland nicht so wie erhofft? Schuld ist jeder, nur nicht seine eigene Entscheidung?

      Natürlich muss man daran etwas unternehmen. Das ist aber die Folge von Korruption und Machtmißbrauch, illegalen Handlungsweisen einiger beteiligter „Syndikate“ und korrupter Überwachungsbehörden.

      Stellt sich die Frage, was der Mann erwartet hat, welche Werbevideos er geschaut hat, wieso er in Europa mehr Ansprüche auf ein menschenwürdiges Leben haben sollte als in Indien? Wieso läuft er weg anstelle in Indien, wo er wenigstens Mentalität, Lebensbedingungen kennt und mit harter Arbeit durchaus leichter überleben könnte? Als Landarbeiter dort vielleicht auch eher gerichtlich gehör fände? Er könnte ja zur ausgezeichneten Bio-Kolchose / LPG in Sikkim gehen. Dort wird man für seine Bedürfnisse bestimmt viel übrig haben. Ach? Nicht so knorke?

      Also ich glaub wenn er tatsächlich pi mal daumen 600 Euro einnimmt pro Monat ist das nicht wenig – Der Hartz4 Empfänger hat weniger – in Deutschland!
      Klar, er hat dann noch keine Wohnung. Aber er kann sich ja eine Blechhütte bauen, oder ein Zimmer mieten. Oder er meldet sich als Flüchtling in Deutschland an?

      Landwirte haben ihre Feldarbeiter seit jeher mieserabel bezahlt. Haben sich regelmäßig Spargelstecher aus dem Ausland geholt. Geiz ist halt schon geil – wenns dem eigenen Nutzen dient – höhö. Löhne? Mindestlohn?
      So ist das in Deutschland mit dem Landwirt ;D 5,50 Euro wars mal, nicht selten weniger. Das ist dann auch nicht viel mehr in Deutschland als die 600 Euro unter korrupten! Bedingungen in Süditalien…
      Die Mindestlohndebatte, da wurde gezetert und gemoppert, Untergang der Branche, blahhh! Hauptsache Billiglöhner ;> 880 Brutto! Waren das vor ddem Mindestlohn, Netto auch nicht mehr als die 600 Euro.

      Der Kunde zahlts euch völlig zu Recht heim mit dem Wunsch nach preisgünstigster Ware.

      Kleines Videobeispiel aus der Zeit.

      0
      • Ehemaliger Landwirt sagt

        In Südbaden wurden im Jahre 2016 30% weniger Erntehelfer gebraucht, wie 2015.
        2017 kann man wegen der Frostschäden nicht vergleichen, mal sehen wie es 2018 kommt.
        Sicher ist, dass viele Betriebe keine Erntehelfer mehr brauchen, weil der Obstbau aufgegeben wird. Im Weinbau wird immer mehr Traubenvollernter eingesetzt, die arbeiten billiger und haben keine Rückenschmerzen wie der deutsche Erntehelfer. Interessanterweise haben familienbezogene und Nachbarschaftliche Erntehelfer weit weniger Rückenschmerzen.

        0
        • Aufklärer sagt

          Tja. Leute, die vergleichbar hart arbeiteten, wie das in der Landwirtschaft heute noch oft sein muss, weil es nicht anders geht, solche Leute erhalten halt weitaus mehr Geld als nur ein paar lächerliche Euro und Mindestlohn. Fürs kaputtschuften gibts mehr als 2000 netto… immer noch.

          Dazu kommt, das die Leute heute in der industrialisierten Gesellschaft nicht mehr auf die harte Arbeit körperlich geeicht sind. Da kannste selbst wenn du willst nicht einfach auf dem Feld loslegen. Das ruiniert tatsächlich den Rücken.
          Man muss das gewöhnt sein und jahrelang gelegentlich trainiert.

          Ein Tophelfer im Kopfschneiden hat über 2000 Kniebeugen hingelegt. Tja. Dazu ist ein Maß an Fitness nötig, das man erstmal aufbauen müsste, dafür müsstet ihr eure Leute anlernen und sie entsprechend gut bezahlen. Könnt ihr nicht, klar. Das ist ein Problem im Hochlohnland.
          Auch deshalb ist industrialisierung mit Maschinen offensichtlich unausweichlich. Man kann nicht einfach beim Jobcenter Leute bestellen, die meistens zu erheblichen Teilen körperliche Gebrechen haben oder recht alt sind, ggf. seit monaten oder Jahren aus der harten Arbeit raus sind und gerade deshalb eben arbeitslos sind.
          Das klappt natürlich nicht. Das ist nicht die Klientel schuld, wenn das Modell unerfüllbare Anforderungen mit sich bringt.

          Zumal der polnische Erntehelfer oder der aus Rumänien mit dem Geld IN Rumänien oder Polen ganz gut leben kann. Der Deutsche aber am Hungertuch als Aufstocker nagt – selbst mit Mindestlohn ist man da nicht weit von weg – Das dämpft die Arbeitsmoral dann zusätzlich…

          1+
  7. Schmeckt gut sagt

    Ich finde es bezeichnend, dass Herr Niemann kein Wort zur Marktmacht der Lebensmittelketten sagt. Auch wenn ich mich immer wiederhole – wenn wir hier nicht auch ansetzen, wird es nichts mit dem Erhalt von bäuerlichen Strukturen (allein die Deffinition dieses Begriffs „bL“ klafft doch schon massiv auseinander – aus Sicht der Kritiker ist ein Betrieb mit 1000 Schweinen zu groß, aus Sicht Herrn Niemanns spielt die Struktur der geleisteten Arbeit eine große Rolle). Die Ketten bestimmen mittlerweile doch schon deutlich die Anforderungen an die Produktqualität. Aber, wenn es eine Unterversorgung der gewünschten Produkte gibt, wird auch Qualität mit niedrigeren Standards akzeptiert (dann auch Weltmarkt). Schlußendlich konkurieren wir so in den Preisverhandlungen immer mit dem Weltmarkt. Eine deutliche Begrenzung des Angebots finde ich gut, dazu gehört aber immer auch ein festgelegter Preis (Kostendeckung plus Gewinnanteil). Und genau dieses Szenario wird es nicht geben (Argument und Frage: Warum steigen die Verkaufszahlen der Eigenmarken der Ketten so deutlich?).

    5+
    • Bauer Willi sagt

      @Schmeckt gut
      An den Produktionsstandards der Importe anzusetzen halte ich für einen gangbaren Weg. Wenn z.B. unsere deutschen Umweltstandards (von Lohn- und Sozialstandards erst gar nicht zu reden) auch von den Importeuren eingehalten werden müssten, würden viele Produkte nicht mehr importiert werden können. Den Weg über Zölle halte ich auch für wenig realistisch.

      Ich weiß: müssten, würden… Aber es zu fordern würde eine interessante Diskussion in Gang setzen.
      Bauer Willi

      5+
      • Schmeckt gut sagt

        Stimme voll zu. Die Argumentation ist schlüssig und auch den Verbrauchern zu vermitteln. Vielleicht kann dann ja bei der Umsetzung der aufgebähte Beamtenapparat in Brüssel helfen. Träumen darf man ja mal 😉 .

        6+
      • Eckehard Niemann sagt

        Lieber Willi, zumindest die Verteidigung der ja bestehenden Import-Zölle solltest Du unterstützen!

        4+
    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Derzeit herrscht zwischen Edeka und Nestle regelrecht Krieg.
      Edeka will für die Produkte von Nestle weniger bezahlen und hat schon einige Produkte ausgelistet.

      Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu erfahren war, will die EU die Freihandelsquote für Rindfleisch aus den Mercosur Ländern von 70.000 Tonnen auf 100.000 Tonnen erhöhen.

      Die Bewertung der Auswirkungen auf die deutsche Landwirtschaft überlasse ich anderen.

      3+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Die 30.000 Tonnen machen sich bei den 8.1 Millionen Tonne wenig bemerkbar,
          aber sie treffen auf einen Markt, der gesättigt ist.

          Diejenige, die meinen eine geringere Produktion in der EU würde zu höheren Preisen führen, sehe ich im Bereich der Fabel.

          Das außereuropäische Ausland und die deutsche Industrie würden Freudensprünge machen, wenn die Produktion zurückgefahren würde.

          2+
      • Eckehard Niemann sagt

        Es gibt – wie bei TTIP schon mal erfolgreich – einen heftigen gesellschaftlichen Widerstand gegen Mercosur-Freihandelsabkommen. Wenn Sie schon die Bewertung „anderen“ überlassen wollen – es wäre schade, wenn Sie auch den Widerstand „anderen überlassen“ würden… Oder?

        5+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Widerstand – sofern Aussicht auf Erfolg bestünde – überlasse ich denen, die in der Erzeugung von Fleisch tätig sind, es sei denn sie Unterstützen mich bei meiner Forderung nach einem weit höherem Altersgeld. 🙂

          0
        • Aufklärer sagt

          TTIP Widerstand original mit dem „Chlor-Hühnchen!“

          War ja der beste PR-Gag der letzten Jahrzehnte. Das muss man euch Ökos lassen: Eure PR funktioniert prächtig.

          0
    • Eckehard Niemann sagt

      Die Entwicklung der Milchpreise in den letzten 10 Jahren ist ja nur ein Beispiel dafür, dass der Lebensmittelhandel auf Überschuss- und Nichtüberschuss-Situationen marktgerecht reagiert. Es gibt im Handel einen scharfen Wettbewerb – die angebliche „Macht“ des Handels gibt es nur, weil und solange Molkerei- und Schlachtkonzerne die Überschuss-Situation anheizen. Ich habe in meinem Beitrag dargestellt, wie das zu ändern wäre – zum Nutzen der Erzeugerpreise. Und ich habe auch aufgezeigt, wo es bereits Beispiele dafür gibt.

      4+
      • Ottmar Ilchmann sagt

        An der Preissteigerung für Butter im letzten Jahr hat man sehr gut gesehen, dass es in Mangelsituationen mit der Marktmacht des LEH nicht weit her ist! Dann werden anstandslos höhere Preise akzeptiert und an die Kunden weitergegeben. Wichtig ist den großen Handelskonzernen vor allem, dass ihre Preise nicht höher sind als die der konkurrierenden Ketten.

        4+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Der Mangel an Butter war ein weltweiter Mangel, da sich alle einig sind, braucht der LIDL Kunde nicht zu Aldi gehen, der Butterpreis ist der selbe. Die Frage ist nur, welcher Lieferant kann preislich am besten gedrückt werden.

          3+
            • Ottmar Ilchmann sagt

              Sie haben doch oben selbst geschrieben, dass der Mangel an Butter ein weltweiter war! Was denn jetzt?

              2+
            • Ehemaliger Landwirt sagt

              Warum stieg der Butterpreis?

              1. Der niedere Milchpreis zwang viele Milchbauern zu aufgeben.

              2. Einen wichtigen Einfluss auf die Angebotsverknappung auf den weltweiten Milchmärkten hatte das Wetter. Große Produktionsländer wie Australien und Neuseeland konnten in jüngster Zeit witterungsbedingt längst nicht so viel Output liefern, wie noch im vorigen Jahren. Laut FAO hatte dies die Exportmöglichkeiten aller großen Milcherzeugerländer eingeschränkt und die Preise ebenfalls in die Höhe getrieben.

              3. Auf der anderen Seite stieg die Nachfrage nach Butter. Mit dazu beigetragen haben dürften jüngste Studien, denen zufolge der Einfluss des Butter-Konsums auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen möglicherweise geringer ist als gedacht. Auf der anderen Seite hat es zuletzt auch „schlechte Presse“ über die angeblichen Gesundheitseffekte vegetarischer Brotaufstriche gegeben.

              4. Ohnehin können Milchbauern und Molkereien aufgrund der gestiegenen Butterpreise kaum von heute auf morgen die Butterproduktion beliebig steigern. Dies brauche ich ihnen nicht zu erklären, vielleicht einigen Lesern dieses Forums.

              Diese Effekte werden bald normalisiert sein, dann bleibt nur noch das Wetter, das den Angebotsdruck mildern kann. Diejenige die es betrifft sind halt dann die Verlierer.

              1+
            • Aufklärer sagt

              Im Moment hat man den Eindruck, das der handel versucht, die Preise irgendwie zu divergieren. Mindestpreis für irgendeine deutsche Markenbutter 1,29 und die ganzen Marken-Idioten-Aufpreis-Produkte liegen weiterhin 1,79 – 2,59 etwa …

              Was kann man dazu sagen? Jemand eine Info? Oder normal?

              0
  8. Sophus sagt

    Das sind alles Wunschvorstellungen! Planwirtschaft möchte doch nicht einmal der Verbraucher mehr haben?! Und wer kontrolliert den Handel? Grenzen zu und fertig?

    2+
    • Lieschen Müller sagt

      Das hat doch erstmal nichts mit Planwirtschaft zu tun, sondern mit gleichen Sozialstandards und Umweltstandards weltweit. Ich möchte nicht, dass wir hier mit Lebensmitteln abgefüttert werden, die von Sklaven angebaut werden oder bei deren Herstellung die Böden vergiftet werden.
      Natürlich kann man „den Handel“ kontrollieren. Mit Gesetzen. Und wenn es Verstöße gegen Gesetze gibt, gibt es Anzeigen, Verfahren und Strafen. Ja, so einfach ist das.

      4+
      • Schmeckt gut sagt

        Und wer kontrolliert? Brüssel? In den Einkaufszentralen der Ketten? Wunsch – ok, Wirklichkeit? Ich befürchte, die Macht der Einkaufsmenge setzt sich durch (Strategien laufen doch schon – s. Konfrontation Nestle – Edeka , Beteiligungen von Edeka an Verarbeitungs- und Produktionsunternehmen…) Lieber Ekkehard, nur bei der Produktionsmenge anzusetzen, greift zu kurz. Der Ansatz ist aber ein wichtiges Element.

        0
    • Das geht leider nicht, denn man möchte doch auch Außenhandel und davon lebt Deutschland nun mal, wir haben ja keine Rohstoffe.

      Und die Indusriegüter werden dann auch wieder ausgeliefert.
      Deswegen die gute Außenhandelsbilanz.

      0
  9. Sandra Harms sagt

    Tja, Herr Niemann,
    „2. die neuen EU-Standards müssen gegenüber Billig- und Dumpingangeboten aus Drittländern geschützt werden“
    und genau daran wird es scheitern, das ist das gleiche spiel wie bei der Maut, da fühlt sich dann einer von 28 staaten der eu auf die füsse getreten und zack,wird alles soweit wider aufgeweicht, daß man es gleich hätte lassen können wie es ist, der dumme wird wider einmal der deutsche landwirt sein…

    4+
    • Eckehard Niemann sagt

      Derzeit gibt es doch diese schützenden Importzölle der EU gegenüber Dumping-Billig-Importen (Zahlen siehe oben in meinem Beitrag) – und sie wirken doch bisher – mit Ausnahme von Getreide und Soja. Bezeichnenderweise wird dies von Bauernverbandsspitze und Agribusiness bisher kaum erwähnt – weil man es sonst schwerer hätte, mit seinem „Weltmarkt-Gerede“ die Erzeugerpreise runterzureden.

      3+
  10. bauerhans sagt

    gestern wurde in der sendung MARKT von chinesischen online-händlern berichtet,die über AMAZON zu unglaublich günstigen preisen nach D verkaufen,weil sie keine umsatzsteuer abführen und unsere regierung kriegt das nicht in den griff.

    7+
    • Aufklärer sagt

      Markt hat immer eine Grusel-Schocker-Berichterstattung über Nahrungsmittelgifte oder sonst irgendwas.

      Glauben Sie denen nix, das ist ein Kindergarten.

      Schlimmer als Cum-Ex kanns nich sein. Steuerhinterziehung im Milliardenmaßstab.
      Banken sind dein Feind beim Steuerklau und der überbezahlte ZahnArzt von Nebenan, nicht der kleine Alibabahändler.

      0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.