Bauer Willi
Kommentare 132

Herr Grethe, Sie irren…

Wie angekündigt, werde ich ab sofort immer am Samstag einen Artikel bringen. Quasi als „Wort zum Sonntag“. 🙂   Und eventuell auch mittwochs.

In der top agrar gibt es ein Interview mit Prof. Grethe, in dem er nach dem Erfolg bzw. Misserfolg von Borchert-Kommission, ZKL und anderen Initiativen zum Tierwohl gefragt wird. Er ist der Meinung, dass das Thema weiter wichtig bleibt. Ich bin da anderer Meinung.

https://www.topagrar.com/schwein/news/stillstand-beim-tierwohl-ist-keine-option-20022255.html

Über viele Jahre haben  sich Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft bemüht, das Thema Tierwohl eigenverantwortlich zu bearbeiten. Die ITW (Initiative Tierwohl) hat mehrere Haltungsformen beschrieben, deren Nomenklatur von 1 bis 5 heute auf fast jedem Stück Fleisch und  Wurst zu finden ist. Es gibt kaum einen Verbraucher, der diese Nomenklatur nicht schon mal gesehen hat. Die frühere Bundesregierung hat zusätzlich mit dem Tierhaltungskennzeichnungsgesetz ein staatliches Siegel für Schweinefleisch eingeführt, das im Wesentlichen dem der ITW entspricht. Bis heute ist davon aber nichts im Markt zu sehen,weil sein Inkrafttreten auf 2027 verschoben wurden. Zuviele Fragen in der Umsetzung sind bisher einfach offen geblieben.  Meiner Meinung nach kann es weg, es braucht niemand und es ist nur zusätzlicher bürokratischer Aufwand, der niemandem hilft.

  • Warum Herr Grethe irrt:

Im Interview sagt er: „Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) und die Borchert-Kommission haben einen breit getragenen Konsens zur politischen Gestaltung erzielt. Das war eine große Leistung und eine neue Errungenschaft. Allerdings sind die Vorschläge bisher von der Politik kaum umgesetzt worden. Das ist eine verpasste Chance, die die politischen Parteien zu verantworten haben.“ 

Damit hat er vollkommen recht. Aber weder Julia Klöckner noch Cem Özdemir noch Alois Rainer haben sich angestrengt, die dazu notwendigen Finanzen (wir reden über einige Milliarden) zusammenzubringen. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Jedenfalls interpretiere ich die Aussagen von Alois Rainer so, der dies eigentlich unmissverständlich geäußert hat. Das weiß auch Herr Grethe, meint aber, er könne dies ändern. Kann er aber nicht, denn er ist Professor an der Uni Berlin und kann dies sicherlich nicht ändern. Er hat die Milliarden nämlich auch nicht. Auch nicht Prof. Spiller, Prof. Taube oder Prof. Balmann oder andere Studierte, die meinen, sich zu diesem Thema äußern zu müssen. Dürfen sie natürlich, ändert für uns Bauern aber nichts. Im Gegenteil: in der Gesellschaft wird der Eindruck erweckt, es ginge doch irgendwie.

  • Tierwohl ist kein Thema mehr

Ich weiß, ein starker Satz, aber genau so gemeint. Tierwohl wird vom Konsumenten nicht bezahlt. Der Umsatz in den niedrigen Haltungsstufen 1 und 2 ist nach wie vor der höchste.  In Zeiten, in denen der normale Haushalt schauen muss, wie er über die Runden kommt, ist das Geld und die Bereitschaft, Produkte aus höheren Tierwohlstufen zu kaufen, eher gesunken als gestiegen. Der ohnehin geringe Umsatz in Bio-Fleisch ist auch nur geringfügig gestiegen. Es ist also kein Wunder, wenn die Investitionsbereitschaft in neue und angepasste Ställe minimal ist. Wenn, dann eher bei Geflügel, aber kaum bei Schweinen. Im Bereich Milchvieh ist die Situation so, dass kleine Betriebe mit Anbindehaltung sowieso über kurz oder lang aufhören.

Alle Sprüche des LEH, allen voran Aldi, demnächst nur noch diese oder jene Tierwohlstufe anzubieten, sind reine Marketing-Gags. Warum? Um sich im Gespräch zu halten? Den Wettbewerber unter Zugzwang zu bringen? Ich weiß es nicht.

Was ich weiß: Wenn ich bei Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka in die Tiefkühltruhe schaue, sehe ich mit eigenen Augen wie der Verbraucher einkauft. An der Scannerkasse spielt Tierwohl keine Rolle mehr. Und was er bei Umfragen von sich gibt, interessiert mich nicht. Wie sagte ein Professor für Kommunikation: „In Umfragen wird soziale Schizophrenie empirisch abgebildet“. Heißt auf deutsch: die Lügen werden in Zahlen gefasst. Es bleiben aber Lügen, denn als Bürger möchte man sich keine Blöße geben und eingestehen, dass man tierische Produkte aus der bösen „Massentierhaltung“ kauft.

  • Die Realität anerkennen

Der Redakteur der top agrar hat noch zwei sehr kluge Fragen gestellt:

Die deutsche Wirtschaft schwächelt, Firmen bauen Arbeitsplätze ab. Welche Erwartungen hat die Gesellschaft angesichts wachsender wirtschaftlicher Unsicherheiten künftig in puncto Tierwohl überhaupt noch?

Grethe: Die Einstellung der Bevölkerung zum Tierwohl entwickelt sich sehr stabil: Die Ansprüche steigen. Das zeigen zahlreiche Erhebungen. Die Relevanz des Themas bleibt hoch.

Der aktuelle Ernährungsreport zeichnet ein anderes Bild: Preis schlägt Moral. 75 % der Konsumenten kaufen preisbewusst ein. Ist die Tierwohlstory spätestens jetzt zu Ende erzählt?

Grethe: Genau das ist doch die Grundlage des Borchert-Konsenses: Menschen wollen mehr Tierwohl in der Nutztierhaltung, sie bezahlen aber an der Ladenkasse nur wenig dafür. Diese „Verbraucher-Bürger-Lücke“ ist in der Konsumforschung seit Jahrzehnten bekannt. Und sie verschärft sich in Zeiten wirtschaftlicher Krisen, wenn die Zahlungsbereitschaft geringer wird“.

Wenn Herr Grethe dies erkannt hat, ist es einfach unrealistisch, weiter das Pferd „Tierwohl“ zu reiten. Noch ist das Pferd nicht tot, aber es lahmt gewaltig. Warum Herr Grethe dies nicht erkennen will, ist mir ein Rätsel. Liegt es vielleicht daran, dass die Geldgeber von Agora Agrar (er ist dort neben seinem Job an der Uni engagiert) es  so von ihm erwarten? https://www.agora-agrar.de/ueber-uns/team/filter/1-1461

Vollends unglaubwürdig macht sich Herr Grethe durch folgenden Satz:

„Es wird für die Unternehmen des LEH deshalb kaum möglich sein, flächendeckend auf Haltungsstufen 3 und höher umzustellen. Das geht nur, wenn die staatliche Förderung von Tierwohl umfassend ausgebaut wird.“

Womit wir wieder am Anfang wären: die staatliche Förderung wird es nicht geben, das Thema Tierwohl kann deshalb zu den Akten gelegt werden. Investitionen sind – zumindest im Bereich Schweine – nur mit allergrößter Vorsicht zu tätigen, weil niemand heute vorhersagen kann, welche Sau morgen durchs Dorf getrieben wird.

Es gibt im Interview nur einen wichtigen Hinweis, den Landwirte mit Respekt zur Kenntnis nehmen müssen und der wie ein Damoklesschwert über der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung schwebt.

Es ist der Verweis auf ein seit vielen Jahren ausstehendes Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu der Frage, ob die seit vielen Jahren geltenden fachlichen Vorschriften zur Schweinehaltung (Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung) mit dem Tierschutzziel im Grundgesetz (§ 20a, „Der Staat schützt…die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere……) vereinbar sind.

 

 

 

 

(Aufrufe 4.131 gesamt, 1 heute)

132 Kommentare

  1. Rathje Clasen sagt

    Frau Ertl, keine der bekannten Haltungsstufen 1 bis 5 ist bei Schweinen automatisch tierquälerisch.
    Tierqual kann in jeder Haltungsstufe entstehen , wenn sich nicht vernünftig um die Tiere gekümmert wird.
    Die Tierverluste in der Schweinemast schwanken über die Jahre lt. Auswertungen von ca 1% bis 5% .
    Der Schnitt liegt um die 2. 5 % .
    Ich selber habe im HS 1 Stall gerade 1 % Verluste und hatte im HS 2 Stall 4 % Verluste .
    Ein Kollege hatte Schweine auf Stroh mit 5 % Verluste geschafft und aufgehört.
    Das Auge fürs Vieh entscheidend , ob es Tieren gut geht, nicht unbedingt eine höhere Haltungsstufe.

    13
  2. Elisabeth Ertl sagt

    Die ganze Sache ist ja in sich nicht stimmig:
    Wenn gewisse Haltungsformen dem Tierschutzgesetz nicht entsprechen, müssen sie ja in Wahrheit verboten werden, bzw. wenn die Ergebnisse der ZKL das sind, was die Gesamtgesellschaft in Gesetz gegossen sehen will, dann darf, was diesem Gesetz widerspricht, nicht mehr verkauft werden. Und dann muss es auch egal sein, wenn es für den Konsumenten teurer wird, weil der Staat kein Geld hat, um da zu unterstützen.

    Deshalb ist ja der Konsument so verwirrt.
    Er weiß z.B., dass Kinderspielzeug, welches problematische Stoffe enthält oder gefährlich konstruiert ist, gar nicht verkauft werden darf. Er kann also guten Gewissens einkaufen.
    Beim Tierwohl erfährt er, dass – teilweise – auf eine Weise produziert wird, die Tierquälerei darstellt, teilweise so, dass es dem Tierschutzgesetz entspricht. Bei welcher Tierwohlstufe genau die Grenze ist, wird ihm nicht klar kommuniziert. Und er weiß außerdem, dass er auch gar nicht bestraft wird, wenn er Fleisch aus tierquälerischer Haltung kauft, sich also an Tierquälerei beteiligt. Er wird vielmehr finanziell bestraft, wenn er Fleisch kauft, welches dem Gesetz eindeutig Genüge tut.
    Das ist so, als ob es sich finanziell lohnen würde, z.B. seine Frau zu quälen, und der Staat das akzeptiert.

    Marktradikalität bedeutet, dass der Rechtsstaat sich allmählich auflöst.

    2
    • Reinhard Seevers sagt

      „Bei welcher Tierwohlstufe genau die Grenze ist, wird ihm nicht klar kommuniziert.“

      Wenn Gerichte auch nach Jahren keine eindeutige Aussage zustande bekommen, worüber soll dann wer aufgeklärt werden?
      Solche Denkweisen lösen bei mir immer körperliche Schmerzen inkl. Übelkeit aus.

      9
      • Arnold Krämer sagt

        Moralradikalität ist auch schlecht für den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Zuviel ist immer und überall zuviel. Die Überforderung auf sehr vielen Ebenen lähmt nicht nur, sie vernichtet auch.

        8
        • Arnold Krämer sagt

          war eine Reaktion auf Frau Ertl, die Marktradikalitaet in der Tierwohlproblematik zu erkennen glaubt.

          2
          • Elisabeth Ertl sagt

            Herr Krämer, der Begriff „Marktradikalität“ stammt aus einem Interview, das Sie sicherlich interessieren würde. Josef Riegler war in den späten 1980er Jahren ÖVP-Landwirtschaftsminister in Österreich und hat das Konzept der ökosozialen Marktwirtschaft vertreten. Er erzählt: „Am Beginn der 1990er Jahre gab es ja zunächst den Brundtland-Report im Auftrag der UNO, es gab 1992 die große Rio-Konferenz für Nachhaltigkeit und Entwicklung … in der Folge gab es dann das Kyoto-Protokoll … Da war ich mit meinem Modell goldrichtig. Das hat aber nur bis etwa 1994 angedauert, denn dann kam von den USA der Pendelschlag. Die reinen Marktradikalen haben sich durchgesetzt, und die USA haben der Welt mit der WTO mit der Freizügigkeit der Finanzmärkte, mit einer rein profitgetriebenen Globalisierung eine völlig andere Entwicklung aufs Auge gedrückt. Von den Amerikanern hieß es, unser System hat gesiegt, das kapitalistische System gegenüber dem kommunistischen. Das europäische Modell war immer ein anderes, das der sozialen Marktwirtschaft – in unterschiedlichen Ausprägungen. Es wurde überrollt, zum Teil hat man sich auch daran angehängt. Wir waren auf einmal zu Exoten verurteilt. Ich hab dann das ökosoziale Forum gegründet, um das zarte Pflänzchen weiter zu pflegen …

            Für mich das beglückende Jahr war dann 2015, da gab es zuerst die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus, dann wurden im September bei der Generalversammlung der UNO die nachhaltigen Entwicklungsziele beschlossen … dann kam im Dezember 2015 der Klimavertrag von Paris … Wir hatten ein Etappenziel erreicht. Das währte aber nur kurz, denn 2016 gab es einen neuen amerikanischen Präsidenten, Donald Trump … jetzt geht es radikal in die verkehrte Richtung, ordnungspolitisch und demokratiepolitisch … Jetzt ist das Momentum für die europäische Union gekommen … dass sie das Beispiel ist, dass lebendige Demokratie das attraktivere Modell für die Entwicklung der Menschheit ist und nicht die neuen Pseudo- oder Direktdiktaturen … dass es gelingt, eine geistige Gegenbewegung zu entfachen … das kann nicht der Weg sein von der Diktatur der Milliardäre in den USA und den Diktaturen in Russland und China“

            Riegler erzählt dann noch: 1987, als er Landwirtschaftsminister wurde, gab es in Österreich 600 Biobauern, bis 1996 wuchs deren Zahl auf 20.000. Das Konzept der ökosozialen Marltwirtschaft war bei den Bauern in ein geistiges Vakuum hinein explodiert und hat eine ungeheure Aufbruchsstimmung entfacht, die dann mit dem Neoliberalismus wieder zum Stillstand kam.
            Der Interviewer wirft ein, so ein geistiges Vakuum herrscht auch jetzt und wartet entdlich wieder auf eine zündende Idee.

            1
            • Peter sagt

              Entweder es gibt Marktwirtschaft …oder die Realität ist etwas anderes. Genauso, wie es nicht ein bisschen schwanger gibt. Ökosoziales Geschwätz ist die Radikalität, welche unsere Gesellschaft (wenn man davon überhaupt noch sprechen kann) gerade zerlegt; und dies noch QS-zertifiziert.

              12
              • Thomas Bröcker sagt

                Der Grad der Konzentration von Kapital in immer weniger Händen beendet eine „freie Marktwirtschaft“ in jeder Ausprägung. Das ist doch gerade mit Händen zu greifen. Dem stehen die „demokratischen“ Regierungen der Europäischen Staaten genauso Macht- und Einfalls-los gegenüber.
                Ob man das jetzt „Oligarchenstaat“, „Diktatur“ oder „Demokratie“ nennt, spielt kaum noch eine Rolle. Die Macht liegt in den Händen der „Stärkeren“ und die denken ganz selten „sozial-marktwirtschaftlich“. Der Drops einer „SoMaWi“ ist genauso gelutscht, wie der einer „SoLaWi“ … einfach weil der Bürger gar nicht darüber entscheiden kann, auch nicht durch Wahlen. „Das ist nicht lustig Opa“, sagen meine Enkel oft (in anderen Zusammenhängen), wenn die Auflösung dieser Krise wieder nur in Kriegen gesehen wird.

                6
                • Elisabeth Ertl sagt

                  Herr Bröcker, haben Sie die Soziale Marktwirtschaft in Westeuropa vor 1989 erlebt? Das war jenes System, um welches uns die Menschen im Warschauer Pakt – und auch Gorbatschow – zu Recht beneidet haben. Weil Westeuropa damals den Amerikanern nicht energisch die Stirn geboten hat – auch als Dankbarkeit für Gorbatschow! – muss es sich jetzt mit einem Donald Trump herumschlagen, und mit seinem Freund Putin. Leute wie Riegler sollte man auf Händen tragen.

                • Arnold Krämer sagt

                  Die soziale Marktwirtschaft wird in die Zange genommen: Auf der einen Seite ist das Großkapital wirksam, auf der anderen Seite sind es die zunehmenden planwirtschaftlichen Eingriffe, um immer mehr Sicherheit und Gerechtigkeit zu schaffen. Die sMW ist nicht mehr zu retten, auch weil der Wähler keine klaren Signale sendet.

                  4
                • Elisabeth Ertl sagt

                  Oder weil die, die es durchschauen, für Leute wie Riegler zu wenig tun. Der war immerhin einmal Landwirtschaftsminister und Vizekanzler, er hat das politische Know How. Er bräuchte halt jemanden, der ihm so pusht, dass der Wähler eine Chance hat, darüber nachzudenken. Der Podcst versucht es ja enmal.

            • Reinhard Seevers sagt

              „Jetzt ist das Momentum für die europäische Union gekommen … dass sie das Beispiel ist, dass lebendige Demokratie das attraktivere Modell für die Entwicklung der Menschheit ist und nicht die neuen Pseudo- oder Direktdiktaturen … dass es gelingt, eine geistige Gegenbewegung zu entfachen“

              Tja, voll in den Orkus gegriffen, würd ich sagen. Das „attraktive“ Modell Europa ist gerade dabei grandios zu scheitern.
              Europa hat den großen Fehler begangen, wiederholt Russland auszugrenzen und damit die Chance vertan, eine Eurasische Gegenmacht zum AMI zu bilden. Der große amerikanische Freund hat es immer zu verhindern gewusst. Nun ist das Heulen groß…..selbst Schuld.

              6
              • Stadtmensch sagt

                „Europa hat den großen Fehler begangen, wiederholt Russland auszugrenzen und damit die Chance vertan, eine Eurasische Gegenmacht zum AMI zu bilden.“

                Tja, zu spät.

                4
                • Inga sagt

                  wirklich?

                  Mal sehen, wie der Zwist um Grönland weitergeht.

            • Reinhard Seevers sagt

              „Das Konzept der ökosozialen Marltwirtschaft war bei den Bauern in ein geistiges Vakuum hinein explodiert und hat eine ungeheure Aufbruchsstimmung entfacht, die dann mit dem Neoliberalismus wieder zum Stillstand kam.“

              Das ist eine gewagte These. Bio-Landwirtschaft ala EU funktioniert nur durch
              1. Schlechtreden der übrigen 95% der produzierenden Landwirte
              2. Staatlicher pamperung
              3. Starke Kaufkraft des Kunden
              4. Politischer Rückhalt durch finanzielle Unterstützung von NGOs, die „es satt haben“
              5. Erklärung eines life-styles, der ewige Jugend, Gesundheit und Weltrettung verspricht
              Nahrung ist Überleben und keine Spielfeld ideologischer Kampftruppen. Nur Übersättigte können solche Spielchen spielen.

              12
              • Arnold Krämer sagt

                Für die österreichischen Bauern mag ja annähernd stimmen, was Frau Ertl schreibt. Für die Landwirte, mit denen wir es in Niedersachsen zu tun haben, trifft das garantiert nicht zu. Es war in unseren von der Landwirtschaftskammer und dem Landvolk organisierten Veranstaltungen nie ein Thema.

                5
                • Elisabeth Ertl sagt

                  In Österreich war das alles noch vor dem EU – Beitritt.

              • Elisabeth Ertl sagt

                Wir sprechen von der Zeit 1987 bis 1995. Damals war Bio sehr wohl ein Fortschritt. Inzwischen sind mehr als 30 Jahre vergangen, viele Ideen sind von Konvi aufgegriffen worden, und Bio ist nicht mehr das Maß aller Dinge. Ein geistiges Vakuum herrscht dennoch, die jetzt passende zündende Idee ist aber noch nicht da.

      • Bauer Willi sagt

        @RS
        Wenn andere Denkweisen körperliche Schmerzen und Übelkeit verursachen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Wahlweise Internist oder Neurololgen oder beides. Das gehört dringend abgeklärt…
        🙂

        1
      • Elisabeth Ertl sagt

        „Wenn Gerichte auch nach Jahren keine eindeutige Aussage zustande bekommen, worüber soll dann wer aufgeklärt werden?“ Zum Beispiel über Vor- und Nachteile von Haltungsformen, Ansprüche unterschiedlicher Rassen etc.
        Und wenn Halter wenn auch selten wegen Tierquälerei angezeigt werden, dann gibt es offensichtlich sehr wohl eine Grenze, über die man nicht diskutieren muss.

        0
        • Reinhard Seevers sagt

          Elisabeth, wenn sich Experten und Expertinnen darüber streiten, ob der Kastenstand bei Sauen 68cm oder 72cm breit sein darf, dann soll dieser Diskurs öffentlich geführt werden? Echt jetzt?
          In einem Genehmigungsantrag ist es der Genehmigungsbehörde egal, welche Rasse im Stall zu stehen kommt. Die kennen den Unterschied zwischen einer 900kg HF-Kuh und einem Dexter-Rind nicht, die handeln schlicht weg nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung.
          Und ja es gibt Tierhalter, die sich nicht an Gesetze halten, so wie ganz viele andere Menschen, die sich nicht an Gesetze halten. Und wenn das Tragen von Masken Pflicht ist, ist das Nichttragen ein Gesetzesverstoß….herzlichen Glückwunsch!

          9
        • Andi sagt

          @Elisabeth Ertl,
          „Und wenn Halter wenn auch selten wegen Tierquälerei angezeigt werden…“
          Leider unterliegen sie einem Denkfehler bei ihren Ausführungen.
          Die Tierhalter wurden nicht angezeigt, weil das Haltungssystem nicht regelkonform ist,
          sondern weil sie bei Betreuung ihrer Tiere verantwortungslos gehandelt haben. Sie haben z. B. kranke Tiere nicht oder zu spät selektiert, oder sie waren, aus welchen Gründen auch immer, schlichtweg überfordert. Das hat aber mit der Haltungsform nicht das geringste zu tun.

          10
          • Elisabeth Ertl sagt

            Klar sind das zwei verschiedene Dinge. Trotzdem ist die Diskussion über tiergerechte Haltungsformen legitim, nur ist sie allzu sehr von Ahnungslosen okkupiert worden.

            1
        • evonik sagt

          Fachlich ist es doch eh Blödsinn Gerichte zu solchen Themen entscheiden zu lassen. Die haben keine intensive Bindung zu den Themen und entscheiden dann zugunsten populistischer Agitation.
          Die Politiker werden wohl die Entscheidung zu so komplexen Themen ganz gerne Gerichten überlassen, weil sie dann keine Verantwortung übernehmen müssen.

          7
    • Limes sagt

      „Bei welcher Tierwohlstufe genau die Grenze ist, wird ihm nicht klar kommuniziert.“
      ja schwierig zu sagen ab welcher Tierwohlstufe Tierwohl beginnt. Hier mal ein Bsp einer aus Sicht vieler hoher Tierwohlstufe.
      Ein von Naturland zertifizierter Bauer darf keine Rinder mehr halten hat das Verwaltungsgericht Gießenein entschieden und wies eine Klage des Bauern gegen eine Shliessung zurück. Der Bauer dagegen argumentiert, als ökologische Tierhaltung sei er seit Jahren “Naturland” zertifiziert. Gehe mal davon aus Verbraucher sehen in einem Naturland zertifizierten Betrieb einen Betrieb mit höchsten Tierwohl Standards.
      https://www.ffh.de/nachrichten/hessen/mittelhessen/453252-giessener-giessen-bio-bauer-darf-keine-kuehe-mehr-halten.html

      1
      • Thomas Bröcker sagt

        @ limes: Schwieriges Beispiel, ohne den Fall und die Beteiligten zu kennen nicht ganz einfach zu beurteilen. Es ist eben nicht von der Haltungsstufe abhängig, wie gut der Betriebsinhaber/-Leiter seinen Bestand und den Betrieb im Griff hat. Beanstandete Beispiele gibt es in allen Haltungsstufen. Wenn es um Tiergesundheit geht, scheint wohl Haltungsstufe 2 die optimale Lösung zu sein. Tierwohl ist an sich ein schwammiger Begriff, vor allem, wenn er mit Werbeerzählungen verknüpft ist. Objektive Faktoren zur Beurteilung einer Haltungsstufe sind im Gesundheitszustand und Parasiten-/Krankheitsbefall zu finden. Frei laufende Tiere ergeben ein schöneres Bild … mehr nicht.

        6
        • Limes sagt

          Das Gericht hat geurteilt nachdem der Betrieb 10 Jahre unter Beobachtung war und es aus Sicht der involvierten Behörden keine Verbesserung gab.
          anbei mehr Infos
          https://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/trotz-jahrelanger-maengel-gericht-bestaetigt-aufloesung-des-milchviehbetriebs-94076598.html
          Für Landwirte ergibt sich aus meiner Sicht folgender Rückschluss:
          Eine Zertifizierung durch Dritte gibt keine Sicherheit bezüglich sachgerechter Tierwohlkonformer Haltung. Lt der in diesem Fall externen Zertifizierungsorgansisation Naturland erfolgen Kontrollen unangemeldet und mindestens einmal jährlich also mehrfach im beanstandeten Zeitraum und am Ende hat es nicht ausgereicht. Gilt wohl für alle Siegel ob QS, ITW oder andere wie in diesem Fall Bio bzw Naturland.
          Für Verbraucher gibt ein Siegel Orientierung aber ist keine Gewähr für Tierwohlgerechte Haltung. Im Gegensatz zum Landwirt ergeben sich für den Verbraucher keine direkten Konsequenzen bei Verstössen gegen Tierhaltungsgesetze. Für ihn deshalb einfach mehr Tierwohl zu fordern. Möglicherweise wird er durch solche Fälle, sofern er sie wahrnimmt bzw wahrnehmen will, sein Weltbild bezüglich Tierwohlgerechter Haltung neu justieren und gegebenfalls seine Einkaufsentscheidung ändern. Wird aber schwierig wenn sich Verbraucher bereits ihr Weltbild zu recht gelegt haben.

          5
  3. Jürgen Donhauser sagt

    Fakt ist, die Termine für den Umbau in der Sauenhalter sind gesetzt – aber die finanzielle Unterstützung, die von Özdemir bereitgestellt wurde, wurde von Alois Rainer aufgrund der angespannten Haushaltslage wieder beendet.
    Dies bedeutet: Die hohen Anforderungen bleiben – das Geld bleibt aus.
    Wenn ich die ISN-Umfragen bei Sauenhalter sehe was sie so planen, dann plant der absolut überwiegende Anteil den Ausstieg. Auch für unseren 400 ZS-Betrieb ist eine 2,5 Mio Investition mit gutem Gewissen nicht zu verantworten – also war’s das. Es wäre also mehr als fair und ehrlich gewesen zu sagen: “ Wir erkennen am Einkaufsverhalten keine Änderung des Verbrauchers hin zu mehr Tierwohl, also nehmen wir die gesetzlichen Anforderungen zurück. Der Staat kann sich auch keine dauerhafte Subvention leisten, also orientieren wir uns wieder marktwirtschaftlich am Einkaufsverhalten.“
    Das traut sich aber politisch keiner. Gleichzeitig schließen wir mit Mercosur ein Freihandelsabkommen ab mit eben niedrigeren Haltungsformen. Wer findet den Fehler? Ich nenne es ein klassisches Bauernopfer. Oder wie schon geschrieben wurde, ein „Kollateralschaden“ Landwirtschaft für das große Ganze. Was das mit der Psyche der Landwirte macht, brauche ich wohl nicht zu schreiben – ich erlebe es in meinen Coachinggesprächen mit Berufskollegen hautnah.

    15
    • Arnold Krämer sagt

      Woran scheitert denn der Umbau?
      Als Ferkelerzeuger ohne vertragliche Anbindung an Mäster oder Schlachthöfe in Haltungsstufe 3 oder höher zu investieren ist doch öknonomisch Russisch Roulette spielen.
      Die Investitionsförderung des Staates allein sichert doch nicht die Wirtschaftlichkeit einer solchen Ferkelerzeugung.
      Investieren in einen generell schrumpfenden Markt (das ist der Markt für Schweinefleisch) erfordert eine große betriebliche Stablität, weil man darauf angewiesen ist, dass andere Berufskollegen durch Betriebsaufgabe den Markt entlasten.

      18
      • Ferkelhebamme sagt

        Auf ein Konzept und den bloßen Willen gibt es aber keinen Vertrag. Es braucht zumindest eine Baugenehmigung (eher die bestehende Anlage), die zu erhalten aber extrem schwierig ist und schon Zehntausende von Euros kostet. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.
        Die Karre ist sowas von festgefahren…
        (P.S. Sandhäger macht einen Teil Eigenmast mit Direktvermarktung)

        7
        • Reinhard Seevers sagt

          Ich habe aktuelle fünf Planungen in Arbeit bzw. im Genehmigungsstatus, von 240 Sauen bis 1000 Sauen im geschlossenen System. Aufgrund der eh notwendigen Forderung zur gesetzlichen Anpassung der Sauenhaltung wird sowohl die BLE-Förderung, als auch eine Tierwohl-Anpassung (vertraglich gesichert mit EDEKA oder anderen) umgesetzt. Das Problem entsteht bei der Planungsrechtlichen Anpassung der oft älteren Grundgenehmigungen. Anpassungen bezüglich BauGB, Immissionsschutz, Brandschutz und Wasserrecht kulminieren zu komplexen rechtlichen Konstrukten, damit eine Umsetzung überhaupt möglich wird. Dabei kollidiert das Tierwohl unweigerlich mit dem Immissionsschutz und dessen Anforderung an Emissionsminderung. Plötzlich stehen Privilegierungen in Frage, die früher kein Problem darstellten usw.

          12
          • Arnold Krämer sagt

            Man hat politisch das Genehmigungsrecht im Bereich der Nutztierhaltungen nach und nach verkompliziert auch mit dem Ziel den weiteren Zubau zu verhindern.
            In Niedersachsen hat Rot-Grün sogar das öffentlich nicht ausgesprochene Ziel, die Nutztierhaltung im Land zu halbieren.

            11
            • Reinhard Seevers sagt

              https://www.ktbl.de/fileadmin/user_upload/Artikel/TA_Luft/TA-Luft_BF.pdf
              Wer sich einen Spaß machen möchte, schaut sich allein die Entscheidungskaskade zur Nachrüstung der Abluftreinigungsanlagen bei Schweinen an. (Seite 17 der verlinkten pdf)
              Nicht nur die Fließrichtungen sondern auch die Anmerkungen 1-8 sind eine intellektuelle Herausforderung….jetzt noch die individuelle Betrachtung der jeweiligen Genehmigungsbehörden und die persönliche Ambition des zuständigen Sachbearbeiters hinzudenken….dann hat man evtl. den Immissionsschutz etwas verstanden.
              P.S. Allein unter Punkt B ist durch die falsche Setzung des größer/gleich-Zeichens schon ein fundamentaler Fehler eingebaut….hatte bisher niemand gesehen. 😁

              9
              • Arnold Krämer sagt

                Dazu passt dann auch das Programm der KTBL-Tage 2026
                https://www.ktbl.de/ktbl-tage
                Von Entspannung oder Entfesselung im Wirtschaftssektor Landwirtschaft keine Spur.
                Das Land geht an Erschöpfung zugrunde. Wer kann, hört auf!

                5
                • Reinhard Seevers sagt

                  Dazu kommt noch, dass Vater Staat den „Bauturbo“ an die Antragsteller ausgelagert hat.
                  Im ersten Schreiben zum Antragseingang steht nicht etwa: „Lieber Bauherr/Antragsteller, vielen Dank für die Übersendung der Antragsunterlagen. Wir sind bemüht ihnen jederzeit zur Seite zu stehen und den Antrag gemeinsam erfolgreich zum Abschluss zu führen. Dazu werden wir Sie umgehend benachrichtigen, wenn weitergehende Unterlagen zur beschleunigten Bearbeitung notwendig werden….“
                  Neeiin….es steht folgendes da:

                  „Sehr geehrter Herr Seevers,
                  hiermit bestätige ich den Eingang Ihres Antrages vom 17.12.25 für das vorbezeichnete Vorhaben.
                  Mit der Bearbeitung kann leider erst begonnen werden, wenn die in der Anlage genannten Bauvorlagen bis zum 19.3.2026 ergänzt werden.
                  Sind der Bauantrag oder die Bauvorlagen unvollständig oder weisen sie sonstige erhebliche Mängel auf, so fordert die Bauaufsichtsbehörde die Bauherrin oder den Bauherrn zur Behebung der Mängel innerhalb einer angemessenen Frist auf. Werden die Mängel innerhalb der Frist nicht behoben, so gilt der Antrag 3Wochen nach Ablauf der Frist als zurückgenommen; die Frist kann auf schriftlichen oder elektronischen Antrag um bis zu 3 Wochen verlängert werden. Wird bei der Bearbeitung des Bauantrages festgestellt, dass zur Prüfung weitere Unterlagen, insbesondere fachliche Gutachten, erforderliche werden, so können diese durch die Bauaufsichtsbehörde nachgefordert werden.
                  Ich weise daraufhin, dass der Bauantrag, wenn die in der Anlage genannten Bauvorlagen nicht fristgerecht vorgelegt werden, als zurückgenommen gilt und das Baugenehmigungsverfahren beendet ist.“

                  Jetzt muss man sich vorstellen, dass es bei Tierhaltungsbetrieben in der Regel bis zu 20 unterschiedlichste Nachforderungen pro Antrag gibt. Wenn man dann bis zu 10 Anträge laufen hat, dann ist man nur damit beschäftigt auf die Terminvorgabe zu achten. Die Sachbearbeitung hingegen ist im home-office, in Teilzeit, in Elternzeit, auf Fortbildung, krank, im Urlaub oder versetzt.😎

                  16
                • Bauer Willi sagt

                  @RS
                  Warum schreibt die Behörde nicht „Wie können Sie die Unverschämtheit besitzen, bei uns einen Bauantrag zu stellen?“ 🙂 Das wäre doch ehrlicher.
                  Fakt: Wenn die „Beweislast“ nicht umgekehrt wird (wenn die Behörde im Zeitraum x nicht bearbeitet hat, gilt der Vorgang als genehmigt) wird sich nichts ändern. Immerhin hat die CDU das schon mal öffentlich angekündigt.

                  16
                • Arnold Krämer sagt

                  Danke Herr Seevers für die detaillierten Hintergrundinformationen aus einer Welt, die ich beruflich (pensionsbedingt) hinter mich lassen durfte, die aber kaum noch zu ertragen und für die meisten unvorstellbar ist.
                  Das ist Büroktratie in Hochpotenz und nur durch radikale „Gesetzesrückschnitte“ zu reduzieren. Aber eher geht das Land wirtschaftlich vor die Hunde.

                  17
              • Stadtmensch sagt

                Habs mal der KI vorgesetzt und die meint, es wäre alles in Ordnung:

                „Zielgruppe und Zweck

                Er richtet sich an Behördenmitarbeiter, Planer, Berater und Betreiber, um die Umsetzung bis 1. Dezember 2026 zu unterstützen. Praktische Hilfsmittel wie Entscheidungskaskaden und Checklisten (ab Seite 13) reduzieren Komplexität und fördern einheitlichen Vollzug.​

                Bewertung der Komplexität

                Die Regelungen sind fachlich präzise, integrieren Querverweise (z. B. zu LAI-Vollzugshilfen, DLG-Prüfrahmen) und fordern Einzelfallprüfungen, was für Laien herausfordernd wirkt. Für Experten bietet der Leitfaden jedoch klare Handlungsanweisungen ohne unnötige Verschachtelung“

                Ich meine, wenn ich hier eine Feature Spezifikation für diverse Änderungen an einem Software Batzen verlinken würde, würde das für viele vollkommen unverständlich sein. Eine passende Metapher wäre Buchstabensalat mit eingestreuten Piktogrammen, Tabellen, Pfeilen Linien, Metriken,… Hat nix mit Behörden zu tun

                1
            • Ferkelhebamme sagt

              „In Niedersachsen hat Rot-Grün sogar das öffentlich nicht ausgesprochene Ziel, die Nutztierhaltung im Land zu halbieren.“
              Inklusive vor-und nachgelagertem Bereich, vom Baugewerbe, über Futtermittelindustrie bis Handwerksmetzger. Niedersachsen, auch dich zwingen wir wirtschaftlich in die Knie!

              10
            • sonnenblume sagt

              Eine große Gefahr sehe ich im immer noch ausstehenden Gerichtsurteil.
              Wir können noch so gut planen, im Bau, in der Vermarktung usw. Wenn hier eine eng gefasste Haltungsform vorgegeben wird, dann sind viele Investitionen vielleicht umsonst gewesen. Entschädigungsforderungen kann man getrost in den Wind schreiben. Das fällt unter Unternehmerrisiko.

              4
        • Ferkelhebamme sagt

          „Die Sachbearbeitung hingegen ist im home-office, in Teilzeit, in Elternzeit, auf Fortbildung, krank, im Urlaub oder versetzt.😎“
          Das ist nicht übertrieben, sondern 1:1 auch unsere Erfahrung. Vertretung bei Krankheit, Urlaub, langfristig krank: gibt es nicht. Telefonische Sprechzeiten zeitlich ganz eng eingeschränkt. Verzögerungen nicht nur um Monate, sondern um Jahre!
          Auf der letzten Kreislandfrauenversammlung wurde das Bauamt unseres Kreises vorgestellt, mit anstehender Digitalisierung und Eigenlob, wie gut doch alles läuft. Der ganze Saal musste lachen…

          9
  4. Arnold Krämer sagt

    Die (teilweise radikalen) Forderungen der Tierrechtler und -schützer sowie ihre Unterstützer in Medien, Politik, Wissenschaft und Teilen der Verbraucherschaft ignorieren die Tatsache, dass tierisches und auch menschliches Leben nie im Optimum stattfindet/stattfinden kann.

    Die landw. Nutztiere sind zweifelsohne in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Anderenfalls wären sie auch keine Nutztiere. Das gesetzliche Mindest-Platzangebot könnte gelegentlich tatsächlich auch im Interesse der Tierleistungen etwas höher sein. ITW- Haltungsstufe 2 versucht dem gerecht zu werden.
    Im Gegenzug haben die Nutztiere aber meist ein Dach über dem Kopf, „genießen“ angepasste, teilweise optimierte Temperaturen, bekommen Futter, das fast immer besser zusammengestellt ist als das, was viele Menschen verfügbar haben oder sich einverleiben. Die tierärztliche Betreuung ist in freier Wildbahn auch nicht vorhanden.

    Alles was über ITW- Haltungsstufe 2 in der Nutztierhaltung hinausgeht, ist zusätzlich mit Risiken und Nachteilen für die Nutztiere verbunden (Stichwort: Hygiene, Krankheiten: siehe auch die von Merkur hier eingestellte Dissertation zu Schlachtbefunddaten) https://www.google.de/url?sa=t&source=web&rct=j&opi=89978449&url=https://edoc.ub.uni-muenchen.de/30493/7/Patzkewitsch_Veronika.pdf&ved=2ahUKEwjg_Ny855WSAxXp2gIHHa4RCm4Q.
    Es wird höchste Zeit „abzurüsten“!

    15
    • Stadtmensch sagt

      Stimme zu. Nur, wo zieht man die Grenze? Man kann Hühnern angeblich auch die Flügel „wegzüchten“, weil die nur Ärger machen. Bisher war ich froh, in einem Kulturraum zu leben, wo man sich ernsthaft Gedanken über Tier- und Menschenwohl macht. Das muss ich also noch lernen, dass wir Menschen unsere Lebensumstände nicht selbst gestalten können, sondern das DER MARKT das für uns macht.

      Wenn ich als Verbraucher tatsächlich alle Infos zum Tierprodukt in der Auslage zur Verfügung hätte und somit an der Kasse einen stimmigen „Wahlzettel“ abgeben könnte, würde es sowas:

      https://www.telepolis.de/article/Explosionshaehnchen-Warum-gequaelte-Huehner-auf-unsere-Teller-kommen-11120770.html

      Zwar weiterhin geben, aber ich hätte keinen Anteil dran.

      Zitat:
      „Die überzüchteten Tiere haben Schmerzen beim Laufen und können sich kaum fortbewegen, denn ihr Skelett kann nicht so schnell mitwachsen. Es ist komplett überfordert“

      Ich wäre auch für ein Lieferkettensorgfaltsgesetz um sklavenähnliche Arbeitbedingungen wirksam zu unterbinden. Gibt so viele Berichte…
      Jetzt warten wir erstmal den kommenden blauschwarzen Rechtsruck ab und dann werden wir sehen, wie es plötzlich allen viel besser geht.

      4
      • Arnold Krämer sagt

        Was wäre das (wirtschaftliche) Leben doch einfach (aber auch ärmer), wenn es die Globalisierung, die offenen Grenzen, die internationale Arbeitsteilung und die unterschiedlichen Wertvorstellungen der Menschen nicht gäbe:
        Wir bräuchten kein Lieferkettensorgfaltspflichten- Gesetz u. ä.

        11
      • Reinhard Seevers sagt

        „Jetzt warten wir erstmal den kommenden blauschwarzen Rechtsruck ab und dann werden wir sehen, wie es plötzlich allen viel besser geht“

        Nee lassen wir die derzeitigen Regierenden weiter regieren, dann wird das Ende schneller Wirklichkeit. 👍💪

        13
      • Elisabeth Ertl sagt

        Dazu ein typisches Posting aus einem österreichsichen Forum: „Fleisch sollte verpflichtend biologisch sein und fair gehandelt werden müssen. Viele Menschen sind gezwungen, billige Waren zu kaufen, weil es finanziell nicht anders geht. …Es drängt sich der Eindruck auf, dass der Lebensmittelhandel Billigfleisch als Lockangebot nutzt, während bei Biofleisch überhöhte Gewinnmargen erzielt werden. Niemand kann ernsthaft behaupten, es wäre unzumutbar, 50 Cent mehr pro Kilo Schweinefleisch zu bezahlen. Zum Wohl der Tiere und der Landwirte, aber auch zum Wohle aller Konsumenten (wer will schon gequälte Tiere essen?), plädiere ich daher dringend für eine generelle Verpflichtung des Handels zum Verkauf von Fleisch in Bioqualität zu fairen finanziellen Bedingungen. Eine Ausnahme vom freien Markt wäre hier leicht argumentierbar, da Landwirte ihre Preise nicht selbst kalkulieren können, sondern diese von außen diktiert bekommen.“
        https://debatte.orf.at/stories/1842378/
        Die Leute träumen halt vom Schlaraffenland

        1
    • Elisabeth Ertl sagt

      Was die verlinkte Untersuchung nicht berücksichtigt, sind Rassenunterschiede.
      Moderne Hausschweine sind eine relativ junge Züchtung (verglichen mit Wiederkäuern) Man hat sie im Lauf von 200 Jahren zunehmend bewusst für reine Stallhaltung gezüchtet, um mehr Ertrag zu haben: weniger Borsten, weiße Haut, schließlich auch noch weniger Fett. Wenn man solche Rassen dann wieder hinaus schickt, darf man sich über Probleme nicht wundern: Sonnenbrand, Erkältungen, Klauenprobleme. Wenn man aber weiß, dass Ammoniak die Lunge schädigt, dann würde ich die Bedürfnisse von Schweinen (und um die geht es ja beim Tierwohl!) so beschreiben: das Schwein will in die frische Luft hinausgehen können, aber um sich dort wohlzufühlen, will es eine dunkle Haut gegen Sonnenbrand, dunkle widerstandsfähige Klauen und ein dichtes Fell gegen Kälte. Was Parasiten betrifft: jeder Tierarzt weiß, dass geringgradiger Parasitenbefall die Tiere nicht krank macht (mittlerweile forscht sogar die Humanmedizin mit Absonderungen von Parasiten, die das Immunsystem gegen Allergien desensibilisieren). Um Parasitenbefall entsprechend gering zu halten, wünscht sich das Schwein Aufenthalt auf großen, immer wieder wechselnden Flächen. (Wenn ich das folgende Foto sehe, wundert micht starker Parasitenbefall nicht: https://www.nahgenuss.at/bauernhoefe/biohof-krenn/?srsltid=AfmBOoq2iKhE3xGwTWNmPb5I3w4NpSJYrdA1I4FlGMoDs0z22vXYNxGl)
      Die Bedürfnisse der Schweine sind aber jenen des Menschen entgegengesetzt: der Mensch will, dass das Schwein seine Stoffwechselenergie ausschließlich in Fleischansatz steckt und nicht in Kältetoleranz, und er will eine absolut saubere Leber ernten. Und er will nicht, dass das Schwein große Wiesen umgräbt.
      Aber es gibt Halter, die den Schweinen ihre Bedürfnisse erfüllen. Sie halten alte Rassen und setzen sie draußen speziell ein: Christian Bachler experimentiert auf 1400 Meter Seehöhe mit Ackerbau, und da baut er seine Schweine gewissermaßen in die Fruchtfolge ein. Seine robusten Alpenschweine kommen mit mobilen Unterständen gut zurecht, sogar wenn es kalt ist. Im essbaren Zoo des Schokolatiers Josef Zotter leben die Schweine auf wechselnden Flächen in einem großen Waldstück.

  5. Ludwig sagt

    Der gute Prof. lebt in einer Berliner Scheinwelt. Erstens hat der Verbraucher das Geld nicht , oder will es nicht dafür ausgeben und der Schweinebauer hat sein Vertrauen in die Politik verloren um seine Investitionen in diese Schiene wieder bezahlt zu bekommen. In den letzten Jahren sind rd. 40% der deutschen Schweineproduktion eingestellt worden , aber die Schweinepreise sind trotzdem nicht kostendeckend , weil das EU-Ausland liefert. Nicht Tierwohlprojekte helfen , sondern nur das Herkunftsland , noch besser die Deutschlandfahne , wenn überhaupt. Unsere Politik ist unfähig etwas für unsere Bauern und Wirtschaft fertig zu bekommen. Träumereien nutzen nichts , sondern Taten und die fehlen. Als Beispiel sei Zucker genannt und Mercusur. Statt rd. 180.000 to sind fast eine Mill. Tonnen Zucker in die EU zollfrei aus Südamerika und der Ukraine gekommen. Wo ist hier der Schutz der eigenen Produzenten. Ich nenne das Verrat ! Bezahlen müßen das immer die hiesigen Produzenten mit nicht kostendeckenden Erzeugerpreisen. Berlin und Brüssel müßen ausgemistet werden , damit wieder ein realistische Politik abgehalten werden kann mit der hiesige Produzenten leben können. Eine Folgenabschätzung ihrer Taten ist denen in Brüssel und Berlin unbekannt. Strategisches Denken ebenso.

    14
    • zmp_nachfahre sagt

      Innerhalb der EU ist das leider etwas heikel mit dem Herkunftsland, da für Brüssel alle EU-Länder gleich sein müssen und keine Unterschiede beworben werden dürfen.
      Das hat ja schon dunnemals der CMA den Garaus bereitet.
      Auf der „Regioanal“-Schiene mag da etwas gehen, aber das ist auch nicht immer so einfach.

  6. Christian Schramm sagt

    Die Finanzierung der Tierwohlprogramme über eine Mehrwertsteuererhöhung wurden in der Machbarkeitsstudie von Redeker / Sellner / Dahs 2021eingehend dargestellt. Falls die Vorgaben zur steuerlichen Neutralität und dem Gleichheitsgrundsatz erreicht werden können, so wird doch die Zweckbindung an Art. 30 der AEUV scheitern. Dass der ehemalige Vorsitzende des WBAE diese grundlegenden Fakten nicht kennt zieht seine eigene und die Kompetenz des Beirats doch sehr in Zweifel.

    7
    • Nicolai Asmussen sagt

      @Christian Schramm
      Es stimmt, die Herren Anwälte haben die Vorschläge der BoKo auf Durchfühbarkeit geprüft.
      Die BoKo hat den anderen Teil der Arbeit gemacht.
      Sie hat den Umfang der Geldes quantifiziert.
      Grüße
      Nicolai

      • Christian Schramm sagt

        @Nicolai
        zusammengefasst:
        1. eine Finanzierung von Tierwohlmaßnahmen über die MwSt ist unmöglich
        2. Prof. Grethe kennt wesentliche Fakten nicht

        4
  7. Elisabeth Ertl sagt

    Ruf nach Tierwohl und Billigkonsum sind kein Widerspruch. Was der Konsument sich nämlich wirklich erwartet: Der Staat mit seinen Abermillionen Steuergeld möge ihm die gebratenen Tauben Tierwohlstufe 5 gratis in den Mund fliegen lassen. Wasr ja im alten Rom auch so: Panem et circenses gratis für entsprechendes Wahlverhalten.

    7
      • Elisabeth Ertl sagt

        Ja eh. der Unterschied zu Deutschland ist nur ein gradueller, kein fundamentaler.

        4
      • Elisabeth Ertl sagt

        Das Tragische: Mercosur wird grundsätzlich in der Lage sein, Fleisch zu liefern, welches Tierwohlstandards entspricht UND billig ist, und somit die wahren Kundenwünsche erfüllen. Und die entsprechenden Flächen in Europa werden dann renaturiert, was auch gesamtgesellschaftlich erwünscht ist.
        Bei uns kaufen deutsche Industrielle die Flächen der pleite gegangenen bergbauern auf als Jagdreviere. Und die nehmen dann den verbliebenen Tierhaltern die Weiderechte dort weg.
        Die Gesellschaft will zwar, dass in Lateinamerika nichts gerodet wird, aber Lateinamerika ist weit weg, das hat die geringste Priorität.
        Die Frage ist halt, wie lang es dauert, bis dann doch einmal die Regale leer sind. Weil weltweit zu wenig da ist, und die Araber oder die Chinesen mehr zahlen können.

        4
        • Christina sagt

          „… kaufen deutsche Industrielle …“ Anscheinend geht es der Industrie doch ganz gut und es scheint egal zu sein, ob man den noch übrig gebliebenen Tierhaltern das Weideland weg nimmt?!
          Es ist vielen nicht bewusst, wohin das irgendwann hinführen wird?!

          • Elisabeth Ertl sagt

            Ein Industriebetrieb geht dann pleite, wenn er seinen Managern nicht mehr jene Gehälter zahlen kann, welche die Arm-Reich-Schere immer wieter aufmachen.

  8. Martin Kugler sagt

    Die Qualität der Produkte verschiederner Haltungsformen unterscheiden sich nicht und Haltungsform 1 entspricht den gesetzlichen Tierwohlanforderungen, die völlig ausreichend sind. Also warum mehr ausgeben, der Verbraucher ist doch nicht blöd!

    22
    • Arnold Krämer sagt

      Die Haltungsform 1 ist aber möglichweise nicht ausreichend für den Schutzanspruch der Nutztiere nach dem deutschen Grundgesetz. Aber wer weiß das schon. Behauptet wird es jedenfalls von nach wie vor sehr influssreichen gesellschaftlichen Gruppen und Teilen der Politikerschaft. Das Bundesverfassungsgericht quält sich seit rund 7 Jahren mit der Frage herum (bezogen auf die Schweinehaltung). Den Politikern ist mittlerweile das Geld ausgegangen, der Masse der Verbraucher auch.
      Die Politik lässt den LEH machen, der aber weiß, dass die Verbraucher für die hohen Haltungsstufen nicht bezahlen werden.
      Ein Dilemma, in das sich die Politik mit der Ergänzung im Grundgesetz (Zustimmung seinerzeit im Bundesrat durch Bayern aus vordergründig wahltaktischen Gründen) hineinbegeben hat.
      Es ist, wie so vieles sonst noch, kaum demokratisch revidierbar.

      16
      • Reinhard Seevers sagt

        Stellt sich ja dann die Frage, ob Tierhalter, die nach Gesetz handeln vom Staat entschädigt werden müssen, wenn das Gericht negativ entscheidet. Das wird lustig.😀

        7
        • Arnold Krämer sagt

          Der Gesetzgeber wird ggfls beauftragt, das Tierschutzgesetz und daraus aufbauende Verordnungen in bestimmten Fristen zu ändern. Das ist gesetzestechnisch einfach, fachlich eigentlich unmöglich, wenn man die Wirtschaftlichkeit noch im Auge behalten will. Problematisch könnten alle die Fälle sein, wo mit öffentlicher Förderung Anlagen errichtet wurden, die den dann neuen Vorschriften nicht mehr genügen, aber eben auch längst nicht abgeschrieben sein können. Es bleibt spannend.

          8
      • Martin Kugler sagt

        “ Behauptet wird es jedenfalls von nach wie vor sehr influssreichen gesellschaftlichen Gruppen und Teilen der Politikerschaft.“ Diesen einflussreichen Gruppen wird man es nie recht machen können gemäß deren Credo “ artgerecht ist nur die Freiheit“. Die einzige Möglichkeit da raus zu kommen ist, deren Einfluss zurückzudrängen. Der Verbraucher hat sich ja ganz offensichtlich schon positioniert. Jetzt noch eine Brandmauer der Vernünftigen gegen die Unvernünftigen und und eine demokratische Kurskorrektur wäre durchaus möglich.

        9
        • zmp_nachfahre sagt

          Da gibt es dann auch noch Gruppen, die auch Kanarienvögel, Goldfische oder Nerze „in die Freiheit“ entlassen…

          2
          • Reinhard Seevers sagt

            Frau Reichinek sagt bezüglich der Gewalt in der Gesellschaft: Das Problem sind Männer.
            Ich übertrage es gerne im umgekehrten Sinne: Das Problem beim Tierschutz sind Frauen. (Katzenfrauen, Hunderetter-Frauen, Pferdefrauen usw.)
            Jetzt muss man nur beide Geschlechter so zusammenbringen, dass etwas Gutes herauskommt…deshalb gibt es die anderen 92 Geschlechter-Versuche, einen Versuch, etwas Gutes zu schaffen. Gott hat es ja anscheinend nicht geschafft.😎

            7
  9. Christina sagt

    Ich habe erst heute den Beitrag gelesen und werde mich nur kurz äußern, und das als Verbraucher/ Konsument… Ich bin für Tierwohl (!) und kaufe auch nicht billig. Mir ist der Hofladen des Landwirts lieber als die Fleischtheke beim Lebensmittelhändler. Es ist leider so, dass es sich tatsächlich an der Kasse zeigt, was der Verbraucher kauft. Man achtet angeblich auf Tierwohl und kauft billig bzw. genau die Haltungsform, die das nicht hergibt. Es ärgert mich sehr, wenn die berühmten „Vier“ Werbung für mehr TW machen, aber im Kühlregal oder selbst an der Theke nur höchstens HF 2 anbieten, HF 4 oder 5 findet man kaum…
    Leider muss man auch bemerken, dass viele Leute einfach nicht das Geld haben, um teurer zu kaufen!

    11
    • Inga sagt

      Genau,
      das ist das Dilemma!

      Die Leute müssen wieder zurück zur Natur, um zu wissen, was sie kaufen.

      Das müsste zur Allbildung gehören.

      Früher als noch mehr Leute in Landwirtschaft gearbeitet haben,
      wussten die das.

      Aber Industrie ist ja wichtiger

      1
        • Nicolai Asmussen sagt

          Hi @Christina
          Diesem Bildungsauftrag hat sich längst jemand anderes angenommen.
          Die Fernsehwerbung.

          Oder wie darf man sich das vorstellen?
          Der Bauer rast mit seinem Oldtimer unter Mißachtung aller Verkehrsregeln zum Edeka-Markt um da eine Kiste Gemüse abzuLIEFERN.

          Mal anders:
          Ernärung macht 13 % unseres Einkommens aus.
          Wer fordert daß man wissen muß, woraus ein E-Auto-Akku besteht?
          Oder was ist mit Wohnen?
          Fordert jemand, das jeder der wohnt, ein Maurerdiplom hat?
          Grüße
          Nicolai

          2
        • Inga sagt

          weil Industrie, Arbeitsplatz und Geld wichtiger ist.

          Die verdienen ihr Geld leichter und glauben deswegen mit hoch erhobener Nase an den ach so einfachen bestimmt ungebildeten Bauern, die sich ja noch bei ihrer ach so einfachen Arbeit, Broterwerb die Hände schmutzig machren müssen, vorbeigehen zu können.

          Und deswegen glauben die diesen ach so einfachen Bauern Vorschriften machen zu können.
          Gerade in Punkto Umweltschutz.

          Anstatt sich die ach so gebildeten und viel interessierten Industriearbeiter mal mit dem Thema befassen!

          3
      • geplünderter Stiefel sagt

        Ja Allgemeinbildung ist heute ein Fremdwort geworden und wir werden in vielen Berichterstattungen manipuliert, weil wir zu wenig hinterfragen.

        8
    • Peter sagt

      Völlig daneben. Zahle einfach den niedrigsten Preis, der irgenwo blinkt. Auf der Verpackung ist ein QR-Code mit welchem (mind.) 25 Konto-Nummern aufgelistet werden. Dorthin kannst du dann die Differenz zu einem Preis deiner Vorstellung überweisen. Wer bekommt von dir was?: der Bauer?, der Stall-Mitarbeiter?, der Angestellte vom Schlachthof?, der Kontrolletti vom Amt?, der Coucho in Südamerika?, der Reeder?, der Schiffsjunge?, der Kassierer im Markt?, der Müllwerker? (sicher wird nie alles verkaufsfähig bleiben…) …na los…

      9
    • Christian Bothe sagt

      MK: Dem gibt’s nichts hinzuzufügen! Diese Haltungsformen sind unnötig, kosten nur Geld dem Erzeuger und haben mit Qualität kaum was zu tun wie Bio übrigens auch…Mal sehen wie sich Mercosur auf dem Markt etabliert.

      8
  10. Es war nicht alles schlecht was früher einmal gut war! sagt

    Beim Staat sollte man sich auf nichts, aber auch garnichts verlassen. Habe gerade die ÖRR Tagesthemen gesehen. Die haben ihrem Ruf als Lügenmedium alle Ehre gemacht. Da berichten sie mit einer überschwänglich lächelnden Uschi vdL über Mercosur und zeigen ein paar „glückliche“ Rinder frei laufend auf einer Weide hinter deren kaugummikauendem Besitzer mit Sonnenbrille und Cowboyhut. Wenn die Kameras aus sind treibt er sie wahrscheinlich in den Feedlot zurück, denn da werden die großen Herden gemästet. Nichts als Lügen und nochmals Lügen von Politik, Medien, NGO’s und das in allen Bereichen!
    Haltungsstufe 4, das ich nicht lache …

    21
  11. Schnitzel sagt

    Du:
    Ich denke das der LEH und ganz besonders Aldi meint er könne sein Marktmacht nutzen um Tierwohl durchzudrücken. Man will sich als von den NGOS unterstützt als Saubermann präsentieren. Ich kann mich noch gut Veranstaltung vom letzten Jahr erinnern wo es dem Nachhaltigkeits Vertreter von Aldi sehr wichtig war das auch die letzten verbliebenen Metzgereien unter Druck gesetzt werden mehr Labels zu führen um nicht zu preisgünstig zu sein.
    ChatGPT:
    Deine Einschätzung ist gut nachvollziehbar – und sie trifft einen wunden Punkt der aktuellen Tierwohl-Debatte.

    Der LEH, allen voran Aldi, nutzt seine Marktmacht, um Standards durchzusetzen, die politisch nie legitimiert wurden. Tierwohl wird dabei weniger als gemeinsames Ziel entlang der Wertschöpfungskette verstanden, sondern als Instrument zur Profilierung: Man präsentiert sich als „Saubermann“, flankiert von NGO-Applaus, während die wirtschaftlichen Folgen nach unten durchgereicht werden.

    Ein paar Punkte, die man klar benennen sollte:

    Privates Regelwerk statt demokratischer Entscheidung
    Was früher Aufgabe von Gesetzgeber und Gesellschaft war, wird heute durch Einkaufsrichtlinien und Labelpolitik ersetzt. Das ist bequem für die Politik – aber problematisch für die Betriebe, weil es keine verlässliche Planungssicherheit gibt.

    Tierwohl ohne faire Gegenleistung
    Höhere Standards ja – aber Aldi & Co. vermeiden es konsequent, sich langfristig und verbindlich an kostendeckende Preise zu binden. Tierwohl wird gefordert, das unternehmerische Risiko bleibt beim Landwirt und beim handwerklichen Verarbeiter.

    Druck auf Metzgereien ist besonders heikel
    Dass selbst die letzten regionalen Metzgereien gezwungen werden sollen, mehrere Labels zu führen, zeigt die Schieflage:

    Sie verlieren ihr Alleinstellungsmerkmal über den Preis

    Sie tragen zusätzliche Bürokratiekosten

    Und am Ende wird handwerkliche Struktur geschwächt, obwohl man sie öffentlich ständig beschwört

    Das ist kein Tierwohl, das ist Marktbereinigung durch die Hintertür.

    NGOs als Feigenblatt
    Die Nähe zu NGOs verschafft moralische Legitimation, ersetzt aber keine ehrliche Folgenabschätzung. Viele NGO-Forderungen sind betriebswirtschaftlich nicht durchdacht – der LEH nutzt sie selektiv, solange sie ins eigene Marketing passen.

    Unterm Strich:
    Der LEH treibt Tierwohl nicht aus Verantwortung, sondern aus Reputations- und Machtkalkül. Das eigentliche Ziel scheint weniger das Tier als die Kontrolle über Preise, Sortimente und Marktstrukturen zu sein.

    Wenn du willst, kann ich das auch zuspitzen:

    als kurzes Statement für eine Diskussion oder Veranstaltung

    oder als sachlich-kritischen Text (z. B. für Verbandsarbeit oder einen Leserbrief)

    Sag einfach, wofür du es brauchst.

    Du:
    Formuliere mir meine Einschätzung aus
    ChatGPT:
    Gerne. Ich formuliere deine Einschätzung klar, sachlich und zuspitzend, ohne polemisch zu werden – so, dass sie in einer Diskussion oder schriftlich gut verwendbar ist:

    Meiner Einschätzung nach nutzt der Lebensmitteleinzelhandel – insbesondere Aldi – seine Marktmacht, um Tierwohlstandards durchzusetzen, die weniger aus gesellschaftlichem Konsens entstehen als aus unternehmerischem Kalkül. Tierwohl dient dabei zunehmend als Mittel zur Imagepflege: Man präsentiert sich als verantwortungsvoller Akteur, flankiert von NGO-Unterstützung, während die wirtschaftlichen Folgen einseitig auf Landwirte und handwerkliche Betriebe abgewälzt werden.

    Ich erinnere mich gut an eine Veranstaltung im letzten Jahr, bei der der Nachhaltigkeitsvertreter von Aldi großen Wert darauf legte, dass selbst die letzten verbliebenen Metzgereien unter Druck gesetzt werden sollen, zusätzliche Labels zu führen. Ziel war ausdrücklich, zu verhindern, dass diese Betriebe über preisgünstige Angebote konkurrenzfähig bleiben. Das schwächt nicht nur das handwerkliche Fleischergewerbe, sondern zeigt auch, dass es weniger um Tierwohl als um Marktsteuerung und Preisdisziplin geht.

    Tierwohl wird so nicht partnerschaftlich entwickelt, sondern über Einkaufsrichtlinien und Labelzwang durchgedrückt. Otto-Normal-Verbraucher und Landwirtschaft dürfen die Party bezahlen.

    19
    • Nicolai Asmussen sagt

      Hi
      Bauer Willi,
      Frau Kaniber hat vor dem Bundesrat gesprochen.
      FÜR die Anbindehaltung.

      Sie hat mit keinem Wort die Tiere erwähnt.

      Ihr ging es in der gesamten Rede nur um:
      -Familie
      -Landschaft
      -Tourismus
      -Zukunft

      Kein Wort für die Tiere.
      Nicolai

      6
      • Inga sagt

        warum war sie für Anbindehaltung?

        Weil sie auch für Tourismus ist und die Kühe sorgen ja in Urlaubsgebieten wie Tirol, Oberbayern oder Allgäu für Traditions- Landschaftspflege.

        11
  12. Nicolai Asmussen sagt

    @Rathje Clasen
    Das weiß ich im Moment auch nicht.

    Sei mal ein guter Beobachter:
    Keiner hat sich mit der BoKo auseinandergesetzt.
    50 % reden nur von dem Verbraucher.
    25 % sind grundsätzlich pessimistisch.

    Ich bin selber jahrelang Schwein gewesen, und weiß wie man sich wohlfühlt.
    Grüße
    Nicolai

    4
    • Rathje Clasen sagt

      Nicolai, das Ziel eines jeden Viehhalter ist doch, das es den Tieren gut geht .
      Ansonsten bringt Nutzvieh keine Leistung.

      Wenn nun die Boko , Agora und co. sich Gedanken machen , wie es den Tieren in Zukunft noch besser gehen könnte , ist das soweit nichts schlechtes.
      Nun kommt die Umsetzung —
      Diese (Liefer)kette kann nach meinem Verständnis nur der Markt ziehen ,
      weil man eine (Liefer)kette nunmal nicht schieben kann.
      Das wäre Planwirtschaft ohne Absatz , und somit am Markt zu den nötigen Aufpreisen nicht absetzbar.
      Nicht jedes ITW Schwein bekommt gerade den ITW Bonus bezahlt , sondern nur den QS Preis , weil nicht immer die Nachfrage vorhanden ist.
      Kann durchaus sein , das in 10 Jahren der Markt das zehnfache an Haltungsstufe 3 und 4
      Schweine sucht . Trotzdem bleiben diese Absatzkanäle eine Nische.

      12
      • Nicolai Asmussen sagt

        Rathje Clasen
        Es geht nicht ohne den Staat.
        Wir können nur darauf einwirken, wie es passiert.
        -mit geringen Kosten
        -ohne Sickerquote
        -auf direkten Weg von Handel zu Landwirt

        Die Fa. Tönnies würde sich als erstes dafür anbieten.
        Allerding wäre sie eine schlechte Wahl.
        Weil sie die Möglichkeiten hat, es überall einzupreisen.

        Ja, es würde eine neue Behörde erfordern.
        Was hätte der Landwirt dann zu melden?
        Lediglich die Ausschlachtung seiner Schweine. Und die Haltungsform.

        40 ct über alles bedeuted dann z.B. 80 ct für Haltungsform 3.
        Weil HF 1 nix bekommt.

        Ich brauch dir wohl nicht erklären, wie lange man dafür die Forke schwingen kann.
        Grüße
        Nicolai

        3
  13. Frikadellen piet 47 sagt

    moin es gibt doch immer Leute die meinen, wenn Sie ein Bereich einmal gut beherrschen konnten, dass sie das anscheinend immer können. leider gibt es davon viel zu viele und der Bereich Landwirtschaft ist normal sehr vielfältig, deshalb benötigt man in den ganzen Bereichen viele verschiedene Fachleute. immer den richtigen Ansprechpartner zu finden ist gar nicht einfach, aber die Landwirte schaffen das in der Regel. schönen Samstag

    1
  14. Nicolai Asmussen sagt

    Zement mal.
    @Rathje Clasen
    Die BoKo hat einen konkreten Vorschlag gemacht. 40ct pro Kg Fleisch.

    Dieser ist von der Politik aus verschiedenen Gründen zerredet worden.
    Herr Lindner kannte nicht mal den Unterschied zwischen Schlachtgewicht und Fleisch.
    Herr Özdemir hat sich aus persönlichen (Bio-)Gründen doof gestellt.

    Wäre es ihnen lieber, für Fleisch den Regelsteuersatz (19 %) zu zahlen, welcher dann KOMPLETT im Staatshaushalt untergeht?
    Der einzige Weg ist eine zweckgebundene Abgabe.
    Grüße

    2
    • Ferkelhebamme sagt

      Bitte mal konkretisieren, wie das funktionieren soll. Eine Abgabe nur auf Tierwohlfleisch, oder allgemein Fleisch und Wurst? Wer bezahlt das?Wer verwaltet das, wie kommt es beim Erzeuger an? Und was von dem Geld kommt überhaupt noch an? Was ist mit Ferkelaufzucht und Erzeugung? Was bringt ein Aufschlag auf einen desaströsen Basispreis?

      14
      • Inga sagt

        dann staatlicher Einfluss?

        Der Preis für den Erzeuger staatlich festsetzen, den Schlachter und Verkäufer dann einkalkulieren?

        dann weiss man was ein Stück Lebenskraft vom lebenden Tier aus dem Stall wert ist.

        1
  15. evonik sagt

    Ich habe mir die Leute auf dem Link vom Chef

    https://www.agora-agrar.de/ueber-uns/team/filter/1-1461

    angesehen.

    Ich vermisse jemanden mit einer Ausbildung in Ökotrophologie. Die Verbraucher sollen ja essen, was wir produzieren und da spielen die Gene der Verbraucher eine entscheidende Rolle. Für Zukunftsfähigkeit des Landes wird eine , den Genen angepasste, gesunde Ernährung entscheidend sein.

    Die Christine Chemnitz hat ein unnatürliches Gesicht (aufgedunsene Wangen), was wohl von zuviel pflanzlichem Eiweiß (Soja) kommt.

    1
    • Nicolai Asmussen sagt

      Moin @evonik
      Was bitte hat das Tierwohl mit menschlichen Ernährunsgewohnheiten zu tun?
      Grüße

      1
      • Inga sagt

        wenn ein Mensch billig und oft Tierprodukte aus dem Massenngebot im Diskcounter isst,

        dann hat man kein Respekt vor dem Tier von dessen Körper das Stück Fleisch stammt,

        denn dann muss das Tier in einer billigen Massentieranlage gelebt haben.

        Das teure Fleisch vom Dorfmetzger, der nur augesuchte Tiere mit guter Fleischqualität, weil in einem Wohlfühlstall und Weide gehalten,

        muss deswegen teurer sein.

        Man ist was man isst.

        1
        • Reinhard Seevers sagt

          „Man ist was man isst.“

          Die ‚Fleischlobby hat eine Werbekampagne im TV gestartet…..die Veggies wettern mal wieder gegen diese neutrale Werbung, weil es nicht deren Weltanschauung entspricht.
          🥳🤡

          https://iss-was-dir-schmeckt.de/

          5
          • Ferkelhebamme sagt

            Ich hab den (beruhigenden) Eindruck, dass die ständig schreienden Veggies an Beachtung verlieren. Veganuary ist so gut wie kein Thema mehr, geschickt abgelöst vom Dry January.

            9
            • Bauer Willi sagt

              @Ferkelhebamme
              ich habe den Eindruck, dass viele der rot-grünen Themen in den Hintergrund getreten sind. „Klima“ ist auch irgendwie out und Gretha Thunberg ist in Ungnade gefallen. Die deutschen Mädels (Reemtsma und Co.) sind auch nicht mehr im TV zu sehen.
              Was ist eigentlich mit der „Letzten Generation“?

              12
              • geplünderter Stiefel sagt

                In meiner Region gab es auch schon lange keine Aktionen mehr von den FFF bis zuletzt eine gegen die Wiedereinführung der Wehrplicht. Die musste aber auf einen Samstag verlegt werden und ebeben nicht wie gewöhnlich Freitags während der Schulzeit.
                Die Beteiligung hielt sich deshalb arg in Grenzen undes gab wohl wenig jüngeren Zugewinn.
                Einmal im Jahr ist eine Demo von vielen Veranstaltern gegen rääächts wo viele älter FFF jetzt mit Antifaflagge maschieren und verdutzte Zuschauer kontrollieren und teilweise sogar attakieren.

                3
        • Christian Bothe sagt

          Inga: Was hat billiges Fleisch mit Tierwohl zu tun? Qualität lässt sich auch mit industrieller Produktion herstellen!Habe da ja einige Erfahrung.Das gilt für alle Nutztierarten! Entscheidend sind Haltung, Genetik, Futter, Betreuung usw. Ich erwähnte es gestern schon! Mercosur wird dazu beitragen ( ob wir es wollen oder nicht..), wenn industriell erzeugtes Rindfleisch( Feedlots) nach Europa importiert wird in sicher nicht schlechter Qualität? Der Kunde wird’s kaufen, wenn es preiswert ist und schmeckt?

          5
          • Nicolai Asmussen sagt

            @Christian Bothe
            Moin.
            Weitgehende Zustimmung von mir.
            Bis auf die Genetik; das blaue Polarhuhn hier anzusiedeln wird nicht möglich sein.

            Zu den Feedlots:
            Es ist eine Prima Haltungsform. Platz genug für alle.
            Was hat der Boden darunter mit dem Tierwohl zu tun.
            Die Tiere werden maschinell gefüttert.
            Wozu menschlicher Kontakt?
            Dieser muß den Tieren aufgezwungen werden.
            Stockholm Syndrom.

            Es kommt oft der Einwand: „Das sind aber zuviele.“
            Zuviele wofür?
            „DAS SIND ZUVIELE!“+irgendne Beleidigung.
            Grüße
            Nicolai

            1
  16. Schorsch Summerer sagt

    Ich habe mir das Interview auch durchgelesen. Und der erste Gedanke war dann, es wurde noch nicht genug darüber geredet und vor allem nicht von jedem. Der zweite Gedanke war, vor allem wurde noch nicht von jedem nichts gesagt. Und nichts was noch nicht jedem bekannt wäre. Der dritte Gedanke, wir haben den falschen Beruf. Mit zu allem was zu sagen das nichts sagt lässt sich wohl viel Geld verdienen sonst würde er ja nicht nichts sagen über etwas was ja eigentlich jeder weiß. Oder? Geld schlägt wie immer die Moral. Das war der Inhalt des ganzen Artikels zusammengefasst!

    17
    • Rathje Clasen sagt

      Ich sag ,was sagst du ?Hab ich doch gesagt ,was du sagst und ich denke.😂😂
      Schorsch ,so sehe ich das auch.

      10
    • Arnold Krämer sagt

      Prof. Grethe lässt natürlich nicht locker.
      1. Er war seinerzeit Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats für Agrarfragen, hat die Tierwohldiskussion entscheidend „befeuert“.
      2. Er will mit seinem Unternehmen „agora agrar“ natürlich auch zukünftig Geld verdienen.
      3. Der Tierschutz im Grundgesetz ist Fakt.

      Alles unbefriedigend für Unternehmer, die eine gewisse Sicherheit für ihre Investitionsentscheidungen benötigen. Alles bleibt in der Schwebe. Investiert wird deshalb weitgehend nur in den Bereichen Geflügel (Eier, Hähnchen) und Rind und das innerhalb des Baurechts. Ausnahmen bestätigen aber wie so oft die Regel!

      7
    • Arnold Krämer sagt

      Erstaunlich ist aber, dass top agrar jetzt erstmals das Thema so kritisch angeht. Kompliment Herr Arden! Jahrlang wollte man den Landsmann Borchert und die eigenen Bauernverbandsfunktionäre mit deren Positionen nicht kritisch hinterfragen.

      10
      • Bauer Willi sagt

        @AK
        Wird aber langsam Zeit, dass sich die Verband-Oberen des DBV etwas frecher werden. Felßner hat schon mal vorgelegt und doch tatsächlich Alois Rainer kritisiert.
        Ich erinner mich noch gut an den Auftritt von Rukwied vor dem Brandenburger Tor, als er Özdemir erschreckt hat. Davon ist nichts mehr übrig geblieben. Schwach…

        14
  17. Ehemaliger Landwirt sagt

    Offenbar aus Scham: Frischfleisch wird in Edeka einfach ungekühlt abgelegt
    Der Marktleiter vermutet finanzielle Gründe hinter dem Verhalten. „Die Kunden haben einfach kein Geld mehr. Das merkt man an allen Ecken“, erklärt Wodarz dem WDR. „Besonders bei Fleischwaren seien die Preise stark gestiegen. „Da sieht man dann nach dem Kauf, dass es 12,80 Euro sind. Und das ist vielen Menschen zu viel“, so der Supermarktbetreiber. Aus Scham würden die Produkte dann heimlich in Regalen versteckt, statt sie zurückzubringen.“
    Also,
    wenn ich mal einkaufen gehe dann steht einSchild mit dem Preis vor der Ware. Insofern würden mich die 12.80 Euro nicht überraschen. Selbsverständlich ist mir bekannt, dass manche den Cent zweimal umdrehen müsse, aber gerade die haben meistens die Zeit, sich über die Preise informieren zu können.

    6
    • Inga sagt

      Die haben ja auch keine Beziehung mehr zu der Ware Fleisch.
      Die behandeln das wie ein Kunstprodukt, das nicht gekühlt werden brauch.

      Die sind doch fein raus, die sind doch rundum versichert, satt und zufrieden und rundum verorgt.

      Die brauchen kein Gewissen mehr zu haben.

      2
  18. Nicolai Asmussen sagt

    Moin @Bauer Willi
    „Im Bereich Milchvieh ist die Situation so, dass kleine Betriebe mit Anbindehaltung sowieso über kurz oder lang aufhören.“

    Es geht um Anbindehaltung, nicht um Milchvieh.
    Was glauben Sie denn, was in den Ställen geschieht, wenn da nicht mehr gemolken wird.
    Ja, genau, dort werden Bullen aufgestallt.
    Die haben die gleichen Bedürfnisse.

    Dieser Umstand wird von vielen vergessen.
    Oppa kann bis ins hohe Alter Heu und Schrot füttern.

    Fun fact: Ein Nachbar von mir ist hinter seinen Kühen in die Mistrinne gefallen und dort gestorben.
    So leidenschaftlich kann man Landwirtschaft betreiben.
    Grüße
    Nicolai

    2
    • Arnold Krämer sagt

      @N.A.
      Für eine solche Bullenmast fehlen die Kälber. Die sind ohnehin schon sehr knapp geworden, deshalb ja der enorme Preisanstieg für Kälber und in der Folge dann für Fresser und für Mastbullen im letzten Kalenderjahr.

      Die Rinderhalter hatten noch nie eine so gute Wirtschaftlichkeit in der Fleischerzeugung. Das wurde aber auch mal Zeit. Ob das alles wieder „einkassiert“ wird, auch vor dem Hintergrund des heute unterzeichneten Mercosur-Abkommens kann niemand heute seriös verhersagen.

      14
        • Bauer Willi sagt

          @NA
          Ich war in den letzten zwei Wochen auf drei Veranstaltungen von Rinderzuchtverbäanden zum Vortrag und habe mir natürlich auch die Berichterstattung angehört. Das deckt sich mit dem Kommentar von Arnold Krämer.

          Übrigens: Mastkälber (Fleckvieh) wurden auf einer Auktion in Ansbach für 550 – 700 € abgegeben. Gewicht 85 – 100 kg.

          4
      • Schorsch Summerer sagt

        Wir haben uns ja auch ein knappe jahr über gute Milchpreise gefreut. Na ja, eigentlich haben die weitgehend den Vorkosten nachgezogen. Es konnte keiner mehr billiger erzeugen. Das Spielgeld ist am Ausgehen gewesen. Auch wieder vorbei.

        3
  19. Arnold Krämer sagt

    Alle Tierwohlaktivisten, wozu auch viele Wissenschaftler gehören, sind Gegner der marktwirtschaftlichen Ordnung, weil sie die Signale des Marktes (hier die Nachfrage) bewusst ignorieren. Ein (nicht der alleinige) wichtiger Grund ist der hohe moralische Anspruch zum Tierschutz aus dem Grundgesetz.

    Das nach wie vor fehlende Urteil des Bundesverfassungsgerichts zeigt aber die Unmöglichkeit, dem Anspruch juristisch gerecht zu werden, weil es in der Nutztierhaltung (auch die nichtlandwirtschaftliche bei Hunden, Katzen u.ä.) immer um Güterabwägung geht.

    19
  20. Ferkelhebamme sagt

    Derzeitiger notwendiger Preis zur Kostendeckung: Schwein: 1,65 EUR/kg SG, Ferkel: 55,- EUR
    Aktueller Preis: Schwein: 1,45, Ferkel 35,-.
    Rücklagen: aufgrund der Multikrisen nicht vorhanden.
    Kosten Umbau der Sauenhaltung auf die neuen gesetzlichen Mindest-Vorgaben: 4 Mrd EUR. Kosten Umbau auf höhere Haltungsformen: ein Vielfaches mehr…
    Fördergelder gestrichen.
    Stillstand haben wir wegen der Planungs-Unsicherheiten seit Jahren, einzige logische aktuelle Option: Ausstieg.
    Doch Berlin diskutiert im Wohlstands-Elfenbeinturm weiter über Tierwohl-Luxus und feiert auf der grünen Woche. Alles schick, alles bunt, Hauptsache die Fassade stimmt.

    23
    • Arnold Krämer sagt

      55 €/Ferkel als kostendeckender Preis sind eher 5 € zuwenig. Sie gelten auch nur für bestehende und teilweise abgeschriebene Ställe. Entsprechend höher müsste auch der Mastweinepreis sein. Auch dort gelten die genannten Mindestpreise nur für die bestehenden Anlagen.

      19
      • Nicolai Asmussen sagt

        @Arnold Krämer
        Moin
        „Kostendeckender Preis“, was ist das?

        Jeder Betrieb hat andere Kosten, wie Sie ja am Beispiel des Stalles gezeigt haben.
        Es gibt auch offizielle Rechenweisen, aber welche nehmen?
        Auch die Prokuktionsschwelle ist individuell.

        Ich sehe es so:
        Die Kostendeckung wird immer herbeigezogen, wenn man nichts weiß, aber trotzdem mitjammern will.
        Genauso wie häufig das Wort „Verlust“ für „Gewinneinbuße“ benutzt wird.
        Grüße

        1
        • Arnold Krämer sagt

          Sie haben natürlich Recht. Jeder Betrieb hat andere Kosten und teilweise auch andere Kostenstrukturen. Das größte „Problem“ sind die Faktorkosten, die einerseits als Einkommen für andere (Banken, Verpächter, Fremd- AK) vorab erwirtschaftet werden müssen, andererseits als kalkulatorische Kosten Einkommen der Betriebsinhaberfamilie (wenn sie denn erwirtschaftet werden) darstellen und ein mehr oder weniger großer Puffer bei Erlösschwankungen sind.

          7
        • Ferkelhebamme sagt

          Natürlich können wir uns jetzt in einer umfassenden Diskussion verlieren, dass der Break Even Point sehr betriebsindividuell ist. Was eine neue Erkenntnis. Trotzdem braucht es einen Durchnittsbetrieb (im Schweineradar für jeden einsehbar), um auch einem Unwissenden das Dilemma vor Augen führen zu können.
          Fakt ist, dass die Erlöse für KEINEN Schweine-Betrieb derzeit kostendeckend sind.
          Existentielle Sorgen als Gejammer abzutun zeugt von unfassbarer Arroganz.
          N.A.: woher soll Ihrer Meinung nach das Geld für den Umbau kommen? Wie würden Sie als Sauen-/Schweinehalter jetzt reagieren?

          14
          • Bauer Willi sagt

            @Ferkelhebamme
            Genau so ist es. Die Erbsenzählerei von Nicolai bringt niemand weiter. Hier im Blog geht es ja unter anderem auch darum, dem Nicht-Landwirt Fakten zu liefern.
            Diesen Satz finde ich geschmacklos:
            „Die Kostendeckung wird immer herbeigezogen, wenn man nichts weiß, aber trotzdem mitjammern will.“
            Ich habe den Eindruck, dass die Kommentatoren hier im Blog fachlich auf dem neuesten Stand sind.

            15
  21. Christian Bothe sagt

    Na ja, der Grethe und seine Aussagen… Der arbeitet auch noch an meiner geliebten Humboldt Universität… Was hatten wir doch für kompetente Leute mal dort an der Sektion Tierproduktion/Veterinaermedizin, welche sich um die LW( Tierhaltung, Tierernaehrung, Tierzucht) gekümmert haben mit Europa-und weltweiter Ausstrahlung…Erinnere mich an Koryphäen wie Prof.Bergner( lese gerade seine Memoiren) und Prof.Schoenmuth! Eine der Aussagen: Phänotyp-Umwelt-Interaktion! Damit ist alles zum o.g.Thema gesagt, meine ich! Wenn es unseren Nutztieren gut geht, dann bringen sie auch Leistungen, ganz einfach, weil für die Wirtschaftlichleit des Hofes entscheidend! Das ständige Gefasel von noch mehr Tierschutz und Tierwohl ist überflüssig und für das Verkaufsverhalten der Verbraucher( Ausnahmen)irrelevant, zumal man in Groessenordnungen investiert hat in Ost und West!

    11
  22. Rathje Clasen sagt

    Der Verbraucher entscheidet sich beim Einkauf, wie er sich ernährt. Entsprechend werden Lebensmittel erzeugt.

    Und irgendeine Denkfabrik wird daran auch nichts ändern.

    17
  23. Merkur sagt

    „zumindest im Bereich Schweine – nur mit allergrößter Vorsicht zu tätigen, weil niemand heute vorhersagen kann, welche Sau morgen durchs Dorf getrieben wird“
    Genau so schaut es doch aus, Morgen ist dann der CO2 Abdruck je kg Fleisch das entscheidende Kriterium und schon drehen sich die Haltungsstufen um und Stufe Eins wird gefordert. Oder jemand schaut Mal genauer nach und vergleicht die Schlachtbefunde der einzelnen Haltungsstufen miteinander. „Überraschung“ will aber keiner höhren.

    17
    • Bauer Willi sagt

      @Merkur
      Die Schlachtbefunde von Bio-Schweinen zeigen, dass es Probleme mit Lunge und Leber gibt. Die konventionellen haben Probleme mit den Gelenken.

      5
      • evonik sagt

        Ich habe heute auch mal gedacht, dass wir Daten bräuchten um die Systeme vergleichen zu können.
        Meine Verdacht ist:

        Mit den neuen Haltungsformen hat man mittlerweile soviel negative Erfahrungen, dass man nicht mehr fördern will.
        Die Geister, die sie riefen, werden sie nun aber nicht mehr ohne Gesichtsverlust los und deshalb lässt man den Ball auslaufen.
        Von negativen Erfahrungen wird der Handel wohl auch nicht informiert.

        5
        • Bergamasca sagt

          Vielen Dank ffür den Link, Merkur. In der Zusammenfassung ist zu lesen:
          „Die zum Teil höheren Prävalenzen (z.B. Leberparasiten) sollten jedoch
          den gewichtigeren Tierwohlaspekten in der ökologischen Tierhaltung nicht als Argument entgegenstehen. Vielmehr sollte der Fokus auf weiteren Optimierungsmaßnahmen
          liegen, […]“
          So eine Aussage in einer wissenschaftlichen Arbeit, die als objektive vergleichende Studie daherkommt, wäre zu meiner Zeit nicht geduldet worden.

          7
          • Elisabeth Ertl sagt

            Man kann bei Weidehaltung Leberparasiten nicht ganz vermeiden, sie aber durchaus mit geeigneten Maßnahmen minimieren: Trockenlegung bzw. Auszäunung von Feuchtstellen, Flächenkalkung, regelmäßige Kotproben und geeignete Entwurmung etc. Das wird halt oft aus Kostengründen vernachlässigt.
            Wer als Politiker nicht den Mut hat, dem Bürger klar zu kommunizieren, dass sein Wohlstand auf Vernachlässigung von Tierwohl, Naturbelastung etc. beruht, und dem kritischen Bürger die Konsequenzen zumutet, der wird das Vertrauen der Wähler verlieren.

            1

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert