Bauer Willi
Kommentare 63

Ein schwieriges Thema – und (fast) ein Tabu

Um was geht es? Es geht um Suizide (Selbstmorde) in der Landwirtschaft. Vor einiger Zeit habe ich darüber schon einmal berichtet.

Keiner redet gerne davon und doch kennen viele im Verwandten- oder Bekanntenkreis jemanden, der mit diesem Schicksal in Berührung gekommen ist. Weil dieses Thema oft ein Tabu ist, will Madeleine, die ich vor ein paar Jahren kennengelernt habe, sich dieses Themas annehmen. Ich habe Sie gebeten, sich selbst vorzustellen und zu schreiben, was sie vorhat. Bitte lesen Sie den Brief aufmerksam durch und überlegen, ob Sie sie unterstützen können. 

Aufruf: Geschichten von Betroffenen gesucht – Suizide in der Landwirtschaft

Ich bin Journalistin und arbeite seit vielen Jahren zu gesellschaftlichen Themen, unter anderem für DIE ZEIT, das SZ Magazin, ARD und ARTE. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich erneut mit einem Thema, das mich nicht loslässt: der psychischen Belastung von Landwirtinnen und Landwirten – und den tragischen Folgen, die sie in manchen Fällen haben kann. Darüber habe ich bereits mehrere Reportagen geschrieben:

https://www.zeit.de/2021/04/psychische-erkrankungen-bauern-depression-landwirtschaft-suizid

https://www.welt.de/gesundheit/plus69158ff5c44f28b297ea4d09/suizid-unter-landwirten-wer-versorgt-jetzt-die-tiere-war-ihre-erste-frage.html

Aktuell entwickle ich eine Dokumentation für das ARD-Format ARD Story. Darin soll es sehr behutsam um Suizide im landwirtschaftlichen Umfeld gehen – vor allem aus der Perspektive von Angehörigen: von Familien, Partnern, Kindern, Geschwistern oder Freunden, die einen Menschen verloren haben.

Mir ist bewusst, wie schmerzhaft und sensibel dieses Thema ist. Dieser Aufruf ist mit keiner Erwartung oder Verpflichtung verbunden. Er richtet sich an Menschen, die vielleicht das Bedürfnis haben, ihre Geschichte zu teilen – oder zumindest erst einmal ganz unverbindlich darüber zu sprechen. Ob, wie und in welcher Form eine Beteiligung an der Doku aussehen könnte, würde immer gemeinsam, respektvoll und mit größter Rücksicht entschieden. Gespräche können anonym stattfinden, vertraulich bleiben und zunächst ohne jede Zusage geführt werden. Ich möchte mit dem Beitrag Verständnis und Sichtbarkeit für das Thema schaffen. Es soll darum gehen, Erfahrungen ernst zu nehmen, die sonst oft im Verborgenen bleiben.

Wenn Sie selbst betroffen sind oder jemanden kennen, der sich vorstellen könnte, darüber zu sprechen, können Sie sich jederzeit melden – auch nur für ein erstes Vorgespräch. Gerne können Sie mir eine Email schicken:

madeleine.londene@erzaehlfabrik.de

oder anrufen: +49 32 212248639

Danke nochmal an Willi Kremer-Schillings, dass ich seine Reichweite für diesen Aufruf nutzen darf.

Beste Grüße und weiterhin alles Gute,

Madeleine Londene

 

 

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63 Kommentare

  1. evonik sagt

    Da fällt mir gerade ein, was Einer aus der Klasse nach mir von unserer Schule gesagt hat:

    „Auf´m Gebirch sterben die Leute früher!“

    Hier liegen die beiden größten Dörfer der Gemeinde im Tal und der (bäuerliche) Rest über den Talhängen.
    Wenn ich an die hier noch ansässigen Leute denke könnte da was dran sein. Der als erstes verstorbene Klassenkamerad aus meiner Klasse war ein lediger Bauer vom Gebirch.
    Der erste Tote aus der Klasse nach mir war ein studierter Bauernsohn (Arzt) durch Suizid.
    Von dem seinem Bruder hat ein Sohn Suizid begangen.

  2. Martin Aupperle sagt

    Moin Peter, hattest du oder hast du einen Einblick in die landw. Betriebswirtschaft??

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  3. Pälzer Buh sagt

    Ich muss der Mainstream – Journalistin komplett widersprechen, Wir Bauern denken in Generationen, was, wäre, wenn, hat man als Betriebsleiter alles richtig gemacht? Und es geht ums Geld. Geld macht nicht Glücklich, aber es beruhig. Nur ein Beispiel: Hätte man vor 2 Jahren in physisches Gold und Silber investiert, heute ist der Preis fast dreimal so hoch, Steuerfrei!(Riester)Rentevorsorge Ade. Das gilt auch für jene die keinen Betriebsnachfolger haben. Von Inflation rede ich nicht. Aber es gibt ehrliche Leute wie Marc Friedrich und Philipp Hopf.

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      • Ex-Baumschuler sagt

        @Willi & @Pälzer: Jemand hat letzten Monat 75.000 € gemacht und alleine heute 5.000, während er sich katzenvideoguckend auf dem Sofa die Fußnägel gefeilt hat. Da muss man schon mal über die Erbschafts- und Schenkungssteuern nachdenken, bevor man sein wertvolles Vermögen noch in Krieg, Klima, Korruption und Schlimmeres verbrennt.

        Ich habe schon über Schatzkarten statt eines Testaments nachgedacht.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Es gab auch mal eine Zeit, da konnte ein Investor schnell zu 300 000 DM kommen, man brauchte nur vorher 3 Millionen in den neuen Markt investieren, das war in der Dotcom-Zeit.
          Die derzeitige Haus­se von Gold und Silber ist der derzeitigen geopolitischen Lage geschuldet. Sollten sich tatsächlich Russland und die Ukraine einigen, kommt für denjenigen, der heute bei 4496 Euro eingestiegen ist, ein böses Erwachen.

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        • Limes sagt

          „Jemand hat letzten Monat 75.000 € gemacht und alleine heute 5.000..“
          @ ex-Baumschuler, heute schon verkauft? Hat Jemand schon die 25% Gewinnsteuer + 5,5% Soli + evtl Kirchensteuer gezahlt damit sich auch der Staat die Soli Empfänger (Soli wofür wen und was eigentlich?) und auch die Kirchen freuen können.
          Was passiert wenn Jemand die Aktien zu lange hält oder bei der Anlage in den Klo greift und Verlust macht?
          Frage für einen Freund der gerne auch schnell am besten morgen reich werden will, vor allem ohne jegliches Risiko.

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        • geplünderte Stiefel sagt

          Geld allein macht nicht Glücklich, Erfolg schon eher.
          Bei diesem sensiblen Thema geht es doch eher um Emotionen in bestimmten Lebenslagen oder betrieblichen oder familiären Misserfolgen , Arbeitsüberlastung Krankheit ect. Das finazille ist zwar auch ausschlaggebend aber an erste Stelle
          stehen die Gefühle und vor allen wie man dise Verarbeiten kann bz. wie jemand damit umgehe kann. Alleine ist es oft schwer. Viele fressen das problem in sich rein. Wenn innerhalb der Familie ader Verwandtschaft niemand da ist, dem man sich anvertrauen will muas man sich woanders im sozialen Netz hilfe suchen. bei Berufskollegen, im Verein, Beratern. es braucht etwas Mut sich zu outen, aber es hilft. Mein Lehrmeister( Weingutsbesitzer) konnte schon vor über 30 Jahren vielen kleinen Winzern in Notlagen helfen indem er etwas Trauben abkaufte und sehr gut bezahlte oder ebenso kleine Weinberge. Er war in sehr vielen Gremien vertreten
          von Ortschaftrat, Bank, Verbände und SVLFG, Rotarier ect.und konnte damals sehr oft zum Wohle der Hilfesuchenden welche sich ihn anvertraut hatten großen Schaden oder Leid abwenden. Solche Leute gibt es heute immer noch, vieleicht nicht mehr immer Vorort, aber man sollte eben auch mal über den Tellerand hinausschauen und man wird sicher sicht der einzigste in so einer Situation sein und Hilfe finden wenn mann sie sucht.

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  4. Christina sagt

    Lieber Ex-Baumschüler! Ich habe lange mit mir gerungen, welche Worte ich für Sie wähle, nachdem Sie uns so ehrlich aus Ihrem Leben erzählt haben… Es ist so verdammt schwer, richtige Worte zu finden, wenn es dem anderen nicht gut geht. Während ich das schreibe, kämpfen sich andere Menschen durch den gleichen Nebel wie Sie oder ein anderer Betroffener. Menschen in allen Altersgruppen, verschied. Herkunft und Lebenssituation … und doch fühlt niemand genau so wie Sie; es ist die Leere, die Erschöpfung und der tägliche Kampf, die verbinden. Und da ist aber manchmal auch eine unsichtbare Stärke, die von der Antriebslosigkeit zur Herausforderung führen kann! Zu Momenten, bei denen die Worte fehlen. Zu Momenten, wenn man weiß, dass trotzdem Kraft in einem wohnt. Es wird immer Rückfälle geben, Fortschritte, dunkle und helle Tage. Es genügt, wenn man weiter macht, auch wenn die kleinen Schritte manchmal nicht sichtbar sind. Was heute schwer erscheint, kann morgen schon ein bisschen leichter sein!

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  5. Brandenburgbauer sagt

    Ganz entscheidend ist es professionelle Hilfe zu erhalten. Vor 15 bis 20 Jahren überhaupt kein Problem. Es muß ja relativ schnell gehen wenn man in so eine Situation ( Burnout) gerät.
    Heute Wartezeiten bis ins unermesslich.
    Da ist der Suizidversuch ,.so schlimm es auch klingt , das einzige probate Mittel um sofort in
    ärztliche Behandlung zu kommen.

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      • Christina sagt

        Peter, ich bin mit Ihrer Antwort nicht ganz einverstanden und es klingt ein wenig oberflächlich für mich! Die Notfalltelefonnummern für psychische Krisen mögen für jeden erreichbar sein und es gibt auch Onlinedienste für Psychotherapie, die gerade sehr in Mode kommen, eben weil es keine Termine für psychisch kranke Menschen gibt. Wartezeiten können sogar bis zu einem Jahr dauern.
        Notdienste mögen vorübergehend unterstützen und eine Notversorgung anbieten,
        können aber die eigentlich notwendige Psychotherapie nicht ersetzen!

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        • Peter sagt

          Diese Einschätzung geht weiter ganz schwer durch den Nebel…es geht nicht um irgendwelche Nummern und Vertröstungen, sondern um angepasstes konsequentes Handeln mit allen Konsequenzen. Das funktioniert und Dank an alle Profis!
          Jede Äußerung mehr dazu würde mich schon zu einem potentiellen Wichtigtuer machen und einen Brei von Schlaftabletten erzeugen…Man sollte einfach auf die Menschen in seinem Umfeld ein bisschen aufpassen! …Vielleicht starten „wir“ mal eine Kampagne: „Journalisten in die Landwirtschaft!“

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          • Brandenburgbauer sagt

            @Peter, ich sage nur Schlaumeier/ Besserwisser. Hier in dieser Region schlagen die Uhren anders. Ich habe mich sehr über ihre unqualifizierten Beiträge geärgert.

  6. Es war nicht alles schlecht was früher einmal gut war! sagt

    Ich verspreche mir nichts davon. Die Welt ist übersät mit schlechten Nachrichten. Die Firma „erzählfabrik.de“ arbeitet hauptsächlich für den ÖRR und dort ist miese Stimmung überall eingebaut, sei es Talkshows, Spielfilme, Krimiserien, usw. Im übrigen braucht man bei diesem Thema das Rad nicht neu zu erfinden, die Gründe sind hinlänglich bekannt:
    psychische Störungen, Leistungsdruck, Beziehungsprobleme, soziale Probleme und vor allen Dingen auch das schüren von Krisen durch die Medien. Übrigens stehen die Landwirte bei Suiziden nicht vorne an sondern rangieren nach Ärzten, Polizisten, Chemikern, Sozialarbeitern, Künstlern und Pflegepersonal, sofern die Liste denn stimmt. Nach den Landwirten kommen übrigens Seeleute. Also, die Probleme sind vielschichtig und nicht allein in der Landwirtschaft zu suchen. Warum machen die eigentlich keine Doku über den Suizid von Seeleuten? Naja, „Seemann sucht Frau“ gibt’s ja auch nicht.

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      • Es war nicht alles schlecht was früher einmal gut war! sagt

        Ja, hauptsächlich in den Filmen mir Hans Albers….
        Aber die waren wenigstens positiv…

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        • Peter sagt

          Spaß beiseite…das Thema ist so persönlich, dass es in einem Fernsehformat nix zu suchen hat und gleich gar nicht mit der Überschrift „Story“. Jeder sollte auf einen sensiblen Kreis von Angehörigen hoffen und anschließend auf Profis und ggfls. Selbsthilfegruppen oder andere Möglichkeiten zur Aufarbeitung.

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          • Thomas Bröcker sagt

            … genauso sehe ich das auch. Interessant ist nur (für mich) dass alle 3 Fälle in unserem Konstrukt wesentlich mit dem Streß der Selbständigkeit zu tun hatten.
            Hätten wir auch in der Produktion genossenschaftliche Strukturen beibehalten, wären diese Fälle (wahrscheinlich) so nicht eingetreten. Wende vom patriarchalischen Staat ins Ungewisse einer Betriebsgründung und auf einmal für alles selbst verantwortlich zu sein, waren schon in Teilen Treiber innerfamiliärer Konflikte und dann solcher Entscheidungen. Andererseits ist unser „Konstrukt“ auch nach 35 Jahren noch am Markt und damit als Sonderfall auch ein Stück gesamtdeutscher Agrargeschichte.

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            • Inga sagt

              Anfang der 60iger haben meine Eltern die Kollegen in der DDR bemitleidet, weil die auf ihrem eigenen Acker keine Selbststsändigkeit mehr ausüben können.
              Nicht mehr der eigene Herr sein können.
              Alles für die Katz, wo die Familie gegerationen lang geschuftet und gehofft haben.
              Als Belohnung haben sie ein zu Hause mit Geborgenheit für die ganze Grossfamilie mit 3 bis 4 Generationen gehabt.
              Ist da eine ganze Ideologie verloren gegangen?

              Nun ist alles weg.
              Das Vieh kommt in die LBG usw.
              das geht so manchen ab die Nieren.
              Natürlich waren da auch vermehrt Selbstmorde dabei.

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      • geplünderter Stiefel sagt

        Die Zeiten sind heute vorbei. Die Seeleute haben heute oft keinen Landgang mehr,
        aus Kostengründen gestrichen. Jede Minute im Hafen kostet tausende €-
        Es wir nur schnell Entladen und weiter zurück über den Ozean oder bestenfalls was anderes in einem anderen Hafen wieder geladen und zackig wieder wochenlang zurück in die Heimat und alles wieder am besten noch schneller weiter.
        Da bliebt keine Zeit für menschliche Bedürfnisse oder gar Gelüste. Hier zeigt sich auch ein Nachteil der Globalisierung. Kein Landgang, kein Alkohol, keine Frauen,
        dieses Privilleg bleibt wohl künftig nur unseren Eliten und natürlich unseren
        Politikern vorbehalten.
        In unseren heutigen System kommt das Leben zu kurz, es wird von den Eliten gewünscht, das wir nur noch funktionieren oder gar Sklaven werden !
        Allein dieser Zustand reicht für einige einen Suizidversuch zu begehen.
        Ich habe wie schon mehrmals hier erwähnt einige Berufskollegen die letzen Jahren durch Suizid verloren. Keiner von Ihnen hatte zuvor über Finanzen gesprochen oder Psychische Probleme(oder gar Schwächen). Nur über Eheprobleme und
        Ärger mit Behörden haben sie sich geäussert.
        Alle hatten aber auch das Vertrauen in den Staat und die ReGIERung und teilweise auch Verbände verloren und sahen dadurch keine Zukunft mehr egal mit Betrieb oder ohne gesehen.
        Die heutigen Zeiten sind aber zu spannend wie Polymesos schon festgestellt hat,
        um vorzeitig zu gehen. Sosehen es auch meine jungen Arbeitskollegen und Lehrlinge welche immer wieder rätseln warum es mehrmals jährlich Leute gibt die sich freiwillig von einer hohen Brücke an unseren Arbeitsort stürzen.

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  7. Polymesos sagt

    Den Werther Effekt nicht vergessen.

    Ich finde die aktuelle Zeit zu spannend,
    um sich ausgerechnet jetzt umzubringen.

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  8. Nicolai Asmussen sagt

    Moin @Ferkelhebamme
    „„Die Kostendeckung wird immer herbeigezogen, wenn man nichts weiß, aber trotzdem mitjammern will.“ Nicolai Asmussen“
    Danke fürs Erwähnen.
    Soll man den Spruch mit der Kostendeckung denn als Hilferuf verstehen?
    So wie die Behauptung, der Schweinepreis reiche nichtmal für’s Futter?

    Wer Mitleid haben will, muß ehrlich sein.

    Ein Landwirt hat mal behauptet, er müsse den Azubi bescheißen (Geld und Arbeitszeit) weil er zuviel dokumentieren müsse.
    Sein Mitarbeiter ist ins Wasser gegangen; die Vorgeschichte kenne ich nicht.
    Der Landwirt sagte mal: „Ich freue mich auf einen Arbeitsunfall, denn komm ich nach Damp zur Reha“.

    Hätte ich ihm einen Seelendoktor auf den Hals hetzen sollen?
    Grüße
    Nicolai

      • Nicolai Asmussen sagt

        Moin @Bauer Willi
        Klar ist das Verhalten des Landwirtes geschmacklos.
        Aber es ist wahr.

        Ihnen, einem Herrn Doktor, hätte er sich wahrscheinlich nicht so geöffnet.
        Sie hätten bei ihn wahrscheinlich noch Tee und Gebäck bekommen (auf Kosten des Azubis).

        Ich kannte einige landwirtschaftsnahe Angestellte die Suizid begangen haben.
        Einer hat zumindest vorher noch alle Rinder gefüttert, bevor er sich aufghängt hat.
        Ich könnte jetzt noch beschreiben, wie.
        Aber DAS wäre dann geschmacklos, und zwar sehr.
        Sie wissen vielleicht, was mit einem Körper passiert…
        Nicolai

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        • schmeckt gut sagt

          Menschen, die die größte „Klappe“ haben fallen ganz oft tief. Ich hoffe, ihre Geschmacklosigkeit holt sie nicht ein. Das wünsche ich niemandem. PS: Kenne auch einige tragische Fälle in meinem Bekanntenkreis. Sich öffnen und drüber sprechen ist ganz wichtig – und leider für Betroffene sehr schwer umzusetzen.

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          • Nicolai Asmussen sagt

            Moin
            @schmeckt gut
            Ja, es ist immer leicht zu kritisieren.
            Besonders wenn man nichts weis.

            Also sehen Sie bitte, wie ein Landwirt offensichtlich alle Gesetze bricht.
            Das ist der Beginn des Kreises des Beschisses .
            Ja, Lehrjahre sind keine Herrenjahre…

            Ich habe meine Ausbildung mit der Prüfung abgeschlossen.
            Der Lehrherr meinte, ich solle noch 3 Wochen weitermelken.
            Umsonst.

            Ich kannte die Gesetzte.
            Er auch.
            Er wollte mich bescheissen.

            Also, habe ich eine große Klappe gehabt, als ich nach der Ausbildung vom Hof gefahren bin?
            Nein, ich hätte ja auch noch für 3 Wochen umsonst arbeiten können.
            Bitte um Antwort.

            Es gibt klare Gesetze, die stets mißachtet werden.
            Das ist Teil des Problems.
            Grüße
            Nicolai

        • Inga sagt

          Drang zum Selbstmord vererbt sich .

          Weiss ich aus 2 Fällen.

          Da werden weder Familie noch Betrieb was mit zu tun haben.

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    • Scheunenfund sagt

      Ja, Willi hat Recht.
      Ihr Kommentar ist wirklich geschmacklos. Machen Sie sich darüber lustig?
      Hoffentlich kommen Sie nie in die Lage, eine Reha zu benötigen.
      Ich war in Damp in Reha und habe dort in der psychischen Abteilung viele schlimme Fälle mitbekommen ( bleibt ja bei den Gesprächrunden nicht aus). Die größten Berufsgruppen an Patienten waren Landwirte und Polizisten. Die Landwirte waren aber die am stärksten wachsende Gruppe. Man konnte sagen, dass über die Hälfte der Fälle durch politische Entscheidungen mit beeinflusst wurden. So waren z.B. sehr viele Berufkollegen dort, die durch die plötzliche, massive Förderung von Biogasanlagen in Not geraten sind und keinen Ausweg fanden. Ein Milchviehbetrieb hatte z.B. über die Hälfte seiner Futterfläche verloren, da die Biogasanlagen höhere Pachtpreise bot. Ein Lohnunternehmer verlor durch eine Biogasanlage die ganze Kundschaft. Die Leidensgeschichten waren oft sehr erschütternd.
      Heute bin ich davon überzeugt, dass Politiker überhaupt keine Vorstellung haben, wie viel menschliches Leid sie durch unüberdachte Entscheidungen auslösen.
      Für mich kann ich sagen, daß mir die Reha sehr geholfen hat. Natürlich geht das nicht ohne ärztliche Hilfe, die man zuerst eigentlich nicht für nötig hält.
      Alle, die sagen, man sollte sich nicht so anstellen, haben überhaupt keine Ahnung.

      Da ich jetzt sehr offen mit der Sache umgehe, werde ich auch von vielen betroffenen Leuten angesprochen. Die Geschichten dahinter sind sehr verschieden, die Symptome aber fast immer gleich. Ich habe jetzt ein gutes Gespür entwickelt, wenn sich wieder etwas bei mir anbahnt. Ich weiß, wie ich reagieren muss, denn ganz kommt man davon nicht mehr los.

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      • Nicolai Asmussen sagt

        Hi @Scheunenfund
        „Ja, Willi hat Recht.
        Ihr Kommentar ist wirklich geschmacklos. Machen Sie sich darüber lustig?
        Hoffentlich kommen Sie nie in die Lage, eine Reha zu benötigen.“

        Ich habe mich nicht darüber lustig gemacht.
        Ich sagte, das der Landwirt sich einen Arbeitsunfall wünschte, damit er nach Damp auf Reha käme.
        Das wäre so gemütlich.

        Nichts anderes habe ich geschrieben.

        Ach ja, ich habe einen Genickbruch hinter mir.
        Erweiterter Suizid im PKW.
        Ich habe hinten gesessen, der Fahrer hatte keinen Kratzer abbekommen.
        Ich lag lange.
        Von meinen Eltern bin ich in 10 Wochen zweimal besucht worden. Vorwürfe, Vorwürfe…
        „Du kannst doch nicht in ein Auto einsteigen, was einen Unfall macht!“

        Ich würde niemals Witze über Verletzungen machen.

        Grüße
        Nicolai

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        • Scheunenfund sagt

          Nicolai, das tut mir alles sehr leid. Da haben Sie damals nicht die nötige Hilfe bekommen. Vielleicht kommt deshalb Ihr erster Kommentar so zynisch rüber.

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      • Arnold Krämer sagt

        @ Scheunenfund
        „….Heute bin ich davon überzeugt, dass Politiker überhaupt keine Vorstellung haben, wie viel menschliches Leid sie durch unüberdachte Entscheidungen auslösen…..“

        So ist es! Und trotzdem können Sie es nicht sein lassen.

        Übrigens: Die Biogas-Hysterie mit ihren gesamten Verzerrungen für die lokalen Bodenmärkte waren vor knapp 25 Jahren ein „Produkt“ der ersten rot-grünen Bundesregierung.
        Aber die „Schwarzen“ sind auch nicht viel besser.

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        • Stadtmensch sagt

          Warum der Politik einen Vorwurf machen, dass sie Biogasanlagen gefördert hat? Wie ich hier immer wiede lese, ist eine Verfügbarkeit einer Biogasanlage eine sehr gute Möglichkeit, finanzielle Ernteverluste abzumildern, die Nährstoffverluste bei organischer Düngung zu verringern und die dezentrale Energieversorgung zu verbessern. Wenn einige bauernschlaue Abenteuerspielplatzbewohner und Einzelkämpfer daraus ein Vehikel konstruieren, es den Berufskollegen mal so richtig zu zeigen, ist es doch nur ein weiterer Beleg dafür, dass es in der Wettbewerbsgesellschaft keine Möglichkeit gibt, das Leben für alle besser zu machen.
          Was einer gewinnt, verliert der andere. Toll!

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          • Arnold Krämer sagt

            Es ist extrem ungerecht, wenn der Staat die Strom – und Wärmeabnehmer der ersten Jahre zwingt, enorm überhöhte Preise zu zahlen. Mit dem damaligen EEG ist der Kunde (letztlich wir alle) gezwungen worden, Preise zu zahlen, die Gewinne ermöglicht haben, (wenn alles passte), die vor ca. 20-25 Jahren in „normalen“ Landwirtschaftsbetrieben unvorstellebar waren. Ich erspare mir hier konkrete Zahlen zu nennen.

            Die Wettbewerbsverzerrungen waren regional enorm (extrem im Nordkreis Cloppenburg, weniger im Landkreis Emsland). Das hing auch mit der unterschiedlichen Genehmigungspraxis zusammen. (Teilweise waren Gewerbeaufsichtsämter, teilweise die Landkreise in Niedersachsen zuständig
            Die Biogasgülle war nicht Teil der damaligen Dünge-VO. Nur die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim haben nach der Genehmigung sich auch immer bescheinigen lassen und überprüft, wo die Nährstoffe landeten.

            Gut, mittlerweile hat man aus den Riesenfehlern der Anfangsjahre gelernt.
            Es ist aber viel kaputt gemacht worden in den Nuller- Jahren dieses Jahrhunderts.

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          • Inga sagt

            ich kenne 2 Dörfer die machen da alle gemeinsam.

            Das sind 0 Energiedörfer,

            da hat Neid und Missgunst keien Patz

  9. Christina sagt

    Sorgen, Probleme, Depressionen, Suizidgedanken… Das ist harte Kost! Da wird von Außenstehenden weder für den Kranken noch für die Angehörigen Verständnis gezeigt, weil es immer noch – und das, obwohl immer mehr Menschen erkranken – ein Tabuthema ist und auch bleiben wird! Das alles wird immer nur belächelt! Natürlich MUSS man darüber sprechen und die Hilferufe, sei es von den Betroffenen oder von ihren Begleitern, in die Welt tragen! Ein Bericht hierüber, ein Film, eine Doku … All das bringt Aufmerksamkeit. Und zumindest wissen beide, Betroffene und Angehörige, dass man nicht allein ist! Hier muss nur sehr einfühlsam vorgegangen werden!!
    Ich stelle auch fest, dass Suizid in der Landwirtschaft so gut wie gar nicht (von den Medien) aufgegriffen wird! Und auch von den Außenstehenden die Last, die gerade einem Landwirt, der 24/7 für seine Tiere da sein muss, nicht angesehen wird.
    Es braucht auch hier generell keine oberflächlichen Ratschläge, wie man mit allem umgehen soll! Jeder Weg ist anders! Ein Prozess für alle Beteiligten mit Höhen und Tiefen!
    Leider weiß ich auch allzu gut, wie es ist, durch den Nebel zu gehen!

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    • Ferkelhebamme sagt

      Wie würdest du dich als Betroffene fühlen, die ein Interview gegeben hat und dann die Überschrift des Welt-Artikels liest?
      Von sehr viel Einfühlungsvermögen und Sensibilität zeugt das nicht.
      Auch wenn man die lesbaren Zeilen des Zeitartikeks liest, geht es wohl eher um emotionales Storytelling für viele Klicks.
      Dann lass noch die radikalen Tierrechtler darauf aufmerksam werden und die Katastrohe für die Betroffenen ist perfekt. Ich wäre da sehr vorsichtig

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      • Bergamasca sagt

        In diesem Zusammenhang erinnere ich mich noch gut an die hier im Blog zitierten Facebook-Kommentare, in denen „ein Tierquäler weniger“ gefeiert wurde …

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  10. Thomas Bröcker sagt

    Es ist immer ein schwieriges Thema, schon wegen der Vermischung persönlicher Probleme – oft auch innerfamiliäre – mit wirtschaftlichen Problemen.
    Wir haben 1990 ein Konstrukt aus den alten Bundesländern (Familienbetriebe als Wiedereinrichter gekoppelt mit einer Absatzgenossenschaft) kopiert. Das ging 20 Jahre gut, dann haben uns die Probleme des Marktes und der Witterungsextreme eingeholt. Von anfangs 17 Betrieben sind noch 6 übrig. Das Ganze „beschleunigte Wachsen und Weichen“ war von 3 Suiziden begleitet. Dazu kommen 2 Fälle von vorzeitigem Ableben, das relativ sicher auf Stress zurückzuführen war.
    Eindeutig sind die Zusammenhänge zum wirtschaftlichen und mentalen Druck aus den Betrieben als Ursache nicht festzumachen. Darüber reden will, vor allem auch wegen der nicht abgrenzbaren Einflüsse aus Betrieb und andererseits persönlichem Umfeld, Niemand. Die Ursachen sind wie bei allen multifaktoriellen Zusammenhängen nie einzeln darstellbar und werden im Umfeld der betroffenen Familien auch aus Gründen des Selbstschutzes nicht oder kaum reflektiert.

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  11. Ex-Baumschuler sagt

    Ich selbst hatte 1985, als ich knapp 20 war, 240 Schlaftabletten geschluckt. Das waren abgelaufene Medikamente für polnische Aussiedler, die ich im Zivildienst gefunden hatte. In Bier aufgelöst, waren die Schlaftabletten ungefähr ein 3/4 Liter Brei, den ich eingenommen hatte.

    Der „Schlummertrunk“ wirkte auch hervorragend, denn schon ein paar Minuten nach der Einnahme war ich entspannt raus aus der Welt. Von mir daher eine unbedingte Empfehlung! Allerdings klingelte morgens penetrant mein Wecker, weshalb ich gefunden worden war. Danach erst mal ein paar Tage Vollkoma auf der Intensiv und noch 10 Tage Halbkoma auf der Normal.

    Danach musste ich wieder nach Hause. Zu Fuß, über die lange, graue, tunnelartige Autostraße nach Hause gegangen, was mir wie ein Abbild meines künftigen Lebens erschien. Das ist eigentlich das Symbol meines Lebens. Und vier Leute hatten mich besucht, davon zwei mit lehrreichen Geschenken, aber bis heute hat niemand nach den Ursachen gefragt. Schon gar nicht hatte mich jemand gestreichelt und mitgefühlt.

    Und so ging ich da – unfreiwillig geheilt – über die lange und graue Straße zurück vom Krankenhaus nach Hause. Alleine dieser Weg steht für meinen gesamten restlichen Lebensweg, denn der Ausweg war gescheitert. So lebe ich nun schon seit Jahrzehnten – ohne viel Hoffnung, eigentlich nur abwartend.

    Zwischendurch hatte ich mal große berufliche Dinge bewältigt. Im Treppenhaus hatte ich, anscheinend gut gelaunt, Lieder gepfiffen. Dabei sitze ich hier nur meine Zeit ab und bedaure jeden einzelnen Tag.

    Zu meiner Altersversorgung habe ich mir natürlich auch wieder eine Suizidmöglichkeit verschafft und wünschte, ich hätte eine bessere. Und eine schönere. Zu unschöne Bilder will man den Rettungskräften ja auch nicht zumuten. Ich hab’s ja gleich gesagt, dass die illegalen Suizidmethoden nicht so schön sind und dass man deswegen mehr legale förden sollte..

    In Kanada ist Sterbehilfe jetzt allgemeines Regierungsprogramm, aber die wollen immer noch eine Diagnose dafür, und die habe ich ja nicht. Ebenfalls in der Schweiz und in Belgien ist Sterbehilfe legal und wird privatwirtschaftlich gegen ein paar Tausender bereitgestellt. Allerdings braucht man auch dafür eine ärztliche Diagnose.

    Da fängt das Problem schon an, denn: „Ich habe drei Kinder in die Welt gesetzt, den Hof meiner Vorfahren verkauft, und trotzdem nur noch Schulden“ reicht unter Umständen nicht für eine Berechtigung auf den Schlummertrunk. Das muss man dann durchstehen.

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    • Civilitas sagt

      @Ex-Baumschuler:
      Durchhalten! Ihre Kommentare sind viel zu interessant, als dass wir darauf verzichten möchten.
      Gestern war hier im Bonner Raum das trübstmögliche Wetter und ließ keinen frohen Gedanken zu, jetzt scheint die Sonne. So schnell kann’s gehen.
      Beste Grüße,
      Ihr C.

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  12. Arnold Krämer sagt

    Das Thema ist überkomplex, da wirtschaftliche/betriebliche Probleme mit privaten/persönlichen Problemen vermischt sind. Die üblichen Fernsehformate können dem Thema nicht gerecht werden. Sie sind ja nicht einmal in der Lage, den betrieblichen/wirtschaftlichen Komplex Landwirtschaft allein angemessen darzustellen.

    Also lassen Sie es sein, Frau Londene!

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    • Mark sagt

      Ich weiß nicht, ob es angemessen ist, diese hochkomplexe und schwierige, aber dennoch wichtige Thema einfach so abzuhaken. Vielleicht wäre eine fachliche Unterstützung des Vorhabens für die Betroffenen und die Branche doch hilfreich. Allzuoft wird ignoriert, dass hinter Strukturwandel und wirtschaftlicem Desaster eben Menschen stehen, die das verkraften können müssen oder eben auch nicht.

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    • Brandenburgbauer sagt

      Moin, ich würde mich der Sichtweise von Arnold Krämer annähern wollen. Aus meiner Erfahrung mit diesem Thema , sollten sich auch hier nur Kommentatoren äußern , die unmittelbar betroffen sind. Der Sachverhalt ist zu heikel und man kann ungewollt sehr viel Schaden anrichten. Wer das Bedürfnis hat , sich bei dieser Dame zu offenbaren , weil er sich “ Hilfe “ dadurch verspricht , sollte es tun.

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      • Arnold Krämer sagt

        @bw
        Das Fernsehen ist der schlechteste Ort, um (über-) komplexe Themen der Landwirtschaft zu behandeln.
        Das war meine Aussage!
        Weiter oben hat es jemand mit dem Hinweis auf andere gefährdete Berufsgruppen angesprochen, über die keine Filme gedreht werden.

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  13. Ferkelhebamme sagt

    Bauern dürfen ihre Sorgen nicht teilen. Zitate nur in den letzten 3 Beiträgen von Bauer Willi:
    „Hach, die Bauern wieder. Immer mit dem schweren Stein auf der Brust“ Stadtmensch
    „Die Kostendeckung wird immer herbeigezogen, wenn man nichts weiß, aber trotzdem mitjammern will.“ Nicolai Asmussen

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    • Inga sagt

      die sind ja nur 8 Studen täglich grwöhnt an dem Arbeitsplatz des Arbeitgebers zu arbeiten.

      Ein Bauer ist 24 Stunden für seinen Arbeitsplatz in Bereitschaft, auch wenn er nur 10 Std. davon arbeitet, im Sommer mehr und wohnt auch noch dort.

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  14. Frikadellen piet 47 sagt

    moin ein ganz schweres Thema. die große Frage ist ja, wie kommt es soweit, dass man verzweifelt ist und keine Lust mehr hat? sollte es die betriebliche Situation sein, ist eine gute Beratung sinnvoll, die den Betrieb gut analysiert. es sollte also für jeden möglich sein seine Betrieb in der Analyse wieder zu finden. daraus kann dann eine gute Planung gemacht werden. diese Planung gibt Sicherheit und Beruhigung. schönen Tag

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    • Martin Aupperle sagt

      Moin, hört sich ja schlüssig an. Nur hast Du nie eine halbe Million in deine Arbeitsplatz (oder noch mehr) investiert um weiter betrieblich existieren zu können.. oder?? Und dann läuft es zwei drei vier Jahre recht gut, so wie die Beratung angenommen hatte und dein Plan es auch hatte darstellen können. Und was machst du dann wenn der Preis für dein Produkt um 20 oder 25 % einbricht, die Bank aber deine Zins- und Tilgungsverpflichtung einfordert…..

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