Bauer Willi
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„Der ist ja nur ein Nebenerwerbslandwirt“

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Kommentar in meinem Leben gehört habe. Tatsächlich habe ich den größten Teil meines Einkommens außerhalb der Landwirtschaft bekommen. Und auch verdient. So wie mir geht es mehr als die Hälfte der Landwirte in Deutschland. Laut der Agrarstrukturerhebung von 2023 sind es 55% der Betriebe, die weniger als 50% des Einkommens aus der Landwirtschaft erzielen.

Was sind die Gründe, warum Landwirte in den Nebenerwerb wechseln?

In den allermeisten Fällen (auch in meinem) ist der Betrieb zu klein, um davon eine Familie zu ernähren. Oft kommt auch noch die Altenteiler-Familie hinzu, die vom Einkommen des Betriebes ernährt werden muss. Die gesetzliche Rente ist sehr niedrig.

Dazu die SLFVG: „Die gesetzliche Alterssicherung für Landwirte ist als Teilabsicherung konzipiert und beträgt nach 30 Beitragsjahren als Landwirt monatlich 588,66 Euro brutto (Stand: 1. Juli 2026). Für mitarbeitende Familienangehörige liegt die Bruttorente bei 294,69 Euro pro Monat“.

Zum Vergleich: Das BAFÖG beträgt zwischen 670 und 990 €/Monat. https://www.studierendenwerk-oldenburg.de/geld/bafoeg/wie-viel-bafoeg-gibt-es

Nun könnte man ja sagen: wenn es für eine Familie nicht reicht, warum verpachtest (oder verkaufst) Du den Betrieb nicht? Eine berechtigte Frage, die wohl bei anderen Berufen einfach zu beantworten ist. Wer eine Bäckerei, Metzgerei oder ein anderes Handwerk betreibt, wird es auch so tun. Bei einem Landwirt ist es anders, weniger rational. Oft ist der Betrieb seit Jahrhunderten in Familienbesitz, sind es mehrere Generationen, die schon Landwirtschaft betreiben. Unser Stammbau lässt sich bis etwa 1750 zurückverfolgen und wahrscheinlich waren auch weitere hunderte Jahre davor meine Familie eine Familie von Bauern, Ackerern, Landwirten. Unser Wohnhaus wurde 1742 errichtet, der gesamte Hof mit allen Gebäuden steht unter Denkmalschutz. Und so wie mir geht es Tausenden von anderen Berufskollegen und -kolleginnen.

Lohnt sich die Nebenerwerbslandwirtschaft?

Diese Frage stellt sich für viele nicht. Den Betrieb zu übernehmen wird als Verpflichtung gesehen, dass man das, was man von den Vorfahren erhalten hat, an die nächste Generation weitergibt. Ich weiß, dass viele Mitbürger dies nicht wirklich verstehen und als konservativ abtun. Und genau das ist es: konservativ. Dieses Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „bewahren, erhalten“.

Um den Betrieb zu erhalten wird dann auch schon mal Geld aus dem außerlandwirtschaftlichen Einkommen in den Betrieb gesteckt. Viele Sanierungsarbeiten an unserem Hof hätten wir nicht aus dem landwirtschaftlichen Einkommen allein finanzieren können. Wenn dann Besucher sagen „Ihr habt aber einen schönen Hof“ ist das vielen nicht klar. Natürlich freut uns das Lob, aber es ist auch eine Leistung, die wir für die Gesellschaft erbracht haben. Nicht, weil das unser Ziel gewesen wäre. Wir haben es für uns getan, aber es nutzt auch der Gesellschaft. So ist es auch mit so „unsinnigen“ Dingen wie Streuobstwiesen, die ohne Nebenerwerbslandwirten längst nicht mehr existieren würden. Viele seltene Tierrassen werden von Nebenerwerbslandwirten gehalten und wären sonst ausgestorben. Ob das Sinn macht? Urteilen Sie selbst, ob man auch ohne das Villnösser Brillenschaf leben könnte.

Machen Sie mal ein Gedankenspiel:  Stellen  Sie sich vor, dass die rund 130.000 Nebenwerbsbetriebe mit ihren Familien morgen die Landwirtschaft aufgeben. Wie wären die Konsequenzen?

Wenn Sie dieses Gedankenspiel zu Ende gedacht haben: Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich die Zahl der Betriebe in Deutschland halbiert hat. Die allermeisten Flächen werden zwar weiter bewirtschaftet, aber Deutschland wird, besonders in Grenzstandorten in den Mittelgebirgen nach kurzer Zeit nicht mehr zu erkennen sein. Die Landflucht mit all ihren negativen Folgen wird gravierende Folgen auch für unsere Gesellschaft haben.

Wir sollten also froh sein, dass es (noch) Nebenerwerbslandwirte gibt.

Und jetzt bin ich auf die Kommentare gespannt.

 

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82 Kommentare

  1. Ludwig sagt

    Ohne die Nebenerwersbetriebe ginge unsere Kulturlandschaft dahin. Jeder dieser Betriebe bringt kostenlos sehr viel zum „Offenhalten“ unserer Kulturlandschaft ein. In manchen Gegenden gibt es schon lange sogenannte Landauffangbetriebe die örtlich unterstützt werden damit der Wald nicht zunimmt. Denn nur Wald bringt keinen Tourismus in die Gegend. Heute regen sich die Leute über den Maisanbau auf , aber Wald ist schlimmer. Wir haben 250.000 Höfe , davon 100.000 Voll- und 150.000 Nebenerwerbsbetriebe. Das ist heute eine kritische Grenze um die Multifunktionalität der Landwirtschaft aufrecht zu erhalten. Hier geht es nicht nur um Nahrungsmittelproduktion , sondern um den Erhalt der ländlichen Strukturen. Stirbt der Bauer , stirbt das Land ! Ohne wirtschaftliche Prospirität auf dem Land , geht die Infrastruktur kaputt. Erst der Bauer , dann folgen Handwerker , Ärzte, Bäcker, Krankenhäuser, usw. . Einfolgreiche Kette geht dahin. Große Agrarbetriebe sin da kein Ersatz mit den wenigen Arbeitskräften , denn auch die leiden dann und schon heute unter den Strukturproblemen. Überall bleiben heute schon unrentable Flächen liegen und der Wald schreitet fort, denn die Rinder , die den Wald/Busch zurückfressen gibt es immer weniger. Mit jeder nachfolgenden Generation erfolgt der Weggang in die Städte und aus milchgebenden Kühen werden Mutterkühe und dann nichts mehr. Die Almen und andere Flächen bewalden je niedriger die Agrarpreise im Weltmarktmaßstab gehalten werden. Subventionswirtschaft der EU löst das Problem nicht , sondern nur Außenschutzrahmenbedingungen für ein gedeihliches Wirtschaften auch in schwachen Regionen. Nur so können Strukturen und Menschen dort gehalten werden. Aber ob das unsere Regierenden in Brüssel und Berlin erkennen ist eine große Frage , denn in der eigenen Blase geht es eher um sich selbst.

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    • Kemetbauer sagt

      @L
      Die wenigen NLW werden hier Wochenend- oder Freizeitlandwirte genannt. Die nicht landwirtschaftlich gebundenen Bewohner in den Restdörfer regen sich mittlerweile darüber auf, dass o.g. Landwirte ihnen das Wochenende vermiesen.
      Warum bringen NLW mehr Leistungen für die Kulturlandschaft? Oft ist es so, dass auf ihren Flächen jeder m² bewirtschaftet wird. Die Großbetriebe fahren in den Ecken rund. Großartige Rangiermanöver rechnen sind nicht. Im Verlauf der Zeit bilden sich dort standortabhängige Pflanzengemeinschaften.
      Wenn der Tourismus die maximal idyllisierte Landschaft will, muss er dafür zahlen. Das will er aber nicht. 1997 hatten wir noch 345 Tsd. ldw. Betriebe. Da wurde schon vor weiterem „Höfesterben“ gewarnt. Und? Der Planet dreht sich immer noch.; und vermutlich keiner von denen, die zwischenzeitlich ihre Betriebe aufgegeben haben möchte zurück zur Landwirtschaft. Bleiben einige Landwirte weil sie es nicht besser wissen?
      Was sind denn ländliche Strukturen, die Großbetriebe nicht auch erhalten können? Nur Großbetriebe stellen bezahlte Arbeitsplätze zur Verfügung. Der Familienbetrieb arbeitet oft nur mit legalen familiären Schwarzarbeitern.
      Hier sind viele kleine Betriebe seit der Wende ausgelaufen. Quasi gestorbene Bauern. Trotzdem lebt das Land hier immer noch.
      Was gibt es einzuwenden gegen mehr Wald? Wir Deutsche lieben doch den Wald; oder nicht? Die Besiedlung des alpinen Raumes wird spätestens mit dem Abklingen des Permafrostes in den Höhenlagen ein Ende nehmen. Murenabgänge werden viele Bereiche dort wahrscheinlich eh unbewohnbar machen. Da könnte es dann vorteilhaft sein, wenn bestimmte Regionen sich neu bewalden.
      Der ländliche Bereich wird sich weiter entvölkern. Wo liegt da ein Problem? Ich könnte hier durchaus so manchen Zeitgenossen entbehren.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Wir müssen immer differenzieren zwischen der „Ackerödnis des Ostens“ und der „Kulturvielfalt des Südens“.

        Auf diesem Niveau diskutieren wir nämlich….Warum sich Menschen seit Jahrzehnten den A… aufreißen, um das Leben im ländlichen Raum lebenswert zu gestalten, keine Ahnung. https://www.asg-goe.de/Fachveranstaltungen-Zukunftsforum.shtml
        So lange unsere Gesellschaft und die Ökonomie es zulassen, dass es verschiedenste Formen der Bewirtschaftung und der Lebensform gibt, ist doch alles gut. Wir müssen uns auch nicht darüber streiten, dass es Wandel geben wird. Wer diesen aufhalten oder abmildern will, der darf das. Wem das am Allerwertesten vorbeigeht, der darf das so empfinden. Ich habe mich in den 90er Jahren für die Entwicklung Nordkehdingens eingesetzt…..ob das was genützt hat, keine Ahnung, es ist noch da. Auf jeden Fall hat die Region immer LEADER-Fördermittel für ihre Gemeinden abgreifen können….jetzt kommt noch die Küstenautobahn und dann wird neu gewürfelt.

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        • Thomas Bröcker sagt

          Mir geht diese penetrante Gutsherrentonlage von @Kemetbauer auch etwas auf den Senkel. Ich habe allergrößten Respekt vor den gewachsenen Familienbetrieben mit Tradition über mehrere Generationen. Wir haben dieses Modell (Familienbetriebe + Erzeugergenossenschaft) bei uns nach „nordwestdeutschem Muster“ 1990 umgesetzt.
          Das hat auch 25 Jahre recht gut funktioniert. Die letzten 10 Jahre hat uns das „Wachsen“ und vor allem das „Weichen“ mit rasender Geschwindigkeit eingeholt. Die „Restgeldempfänger“ auf der Erzeugerebene halten der internationalen Konkurrenz nicht stand. Die Genossenschaft steht gut da, da sie ihre Kosten natürlich von den Almosen des LEH voll absetzt, hat aber demnächst keine Produzenten mehr.

          Für die reine Massenmarktproduktion geht die Ära des klein strukturierten deutschen Gartenbaus wohl zu Ende. Auch deshalb bin ich froh, dass noch so Viele aus Passion und Tradition im Nebenerwerb und als Hobby die Bilder der Ländlichen Räume bunter machen. Und als Großbetrieb ist mir eine Agrargenossenschaft allemal lieber als ein einzelner Großgrundbesitzer (wie tüchtig er auch immer sein mag)

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          • Kemetbauer sagt

            @TB
            In Bayern würde man ganz locker sagen: Wer ko, der ko. (Franz Xaver Krenkl)

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        • Kemetbauer sagt

          @RS
          Meinen Sie mit „Kulturvielfalt des Südens“ evtl. auch Dirndl und erwachsene Männer in kurzen Lederhosen? Oder meinten Sie evtl. die Ackerkultur?
          Schenkelklopf auf Leinenhose.

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      • Stadtmensch sagt

        Da es in D offensichtlich nicht um Ernährungssicherheit geht und man alles dran setzt, dass Nahrungskalorien künftig aus der Ukraine bezogen werden, könnte ich mich mit dem Bild der österreichischen Landwirtschaft anfreunden. Dort sind 80% der Betriebe Nebenerwerbsbetriebe und Land- und Stadtbevölkerung stehen sich nicht wie Tickende Zeitbomben gegenüber. Vielleicht können so permanent Grollende, Misanthropen und Leute mit „Antisozial“ Aufkleber in der Heckscheibe etwas zwischen Ponys und Muffelwild entspannen. Das Leben in der Stadt wäre dann gleich viel angenehmer. Übrigens, fast alle Bäume hier auf dem großen Super- und Baumarkt Parkplatz sind eingegangen. Die wurden so um 2003 rum gepflanzt.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Stadtmensch, ob Österreich, Schweiz oder Japan und demnächst auch Deutschland werden zukünftig ihren Wohlstand nutzen müssen, damit sie versorgt werden, von außen. Die Pflege der überalterten Gesellschaft kommt noch oben drauf. Das wird richtig spannend, und ich „freu mich drauf“ (frei nach Göring-Eckardt)✊🤡🦄

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          • Stadtmensch sagt

            So schließt sich der Kreis, bei jahrzehntelanger Exportweltmeisterei. Wer hätte das ahnen können? Gerade einer Ökonomin im Radio gelauscht: „wir habe zwar unsere Schlüsselindustrien verloren, aber aber jetzt wird deutsche Ingenieurskunst die besten Drohnen und Langstreckenwaffen aller Zeiten bauen. Wir werden uns wie zu Kaisers Zeiten am Schopf aus dem Sumpf ziehen.“ Einhornsmile

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        • Inga sagt

          Haben die keine Azubis, die die giessen könnten?

          Aber da haben ja nur kaufmännische Fachidioten die Verantwortung.
          Die können nicht über den Tellerand bis zum Parkplatz schauen.

          So was könnte sich ein Bauer nicht leisten.

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          • sonnenblume sagt

            Man darf die Folgekosten nicht vergessen. Wasserentnahme kostet und um Bäume die 20 Jahre und älter sind am Leben zu erhalten braucht man schon einige Liter. Das sieht man auch an anderen Stellen, z.b. Grünanlagen in Wohnsiedlungen. Gerade in dem Bereich kann man sehr gut beobachten, welcher Anwohner gelegentlich zur Gießkanne greift und einen Euro spendet. Und dann der Punkt Wasser sparen.

  2. Limes sagt

    einige der heutigen Diskussionsbeiträge ordne ich als kurisoes aus dem böswilligen Satirebereich ein.
    z.B wenn versucht wird den Begriff Landwirtschaft in Frage zu stellen bzw neu zu definieren oder es wird gar suggeriert Landwirte insb. Nebenerwerbslandwirte sind ungebildet denn haben in der Regel keine Ausbildung und sowieso grundsätzlich keine Zukunft. Nennt mann neudeutsch framing.
    Merke der Begriff Landwirtschaft ist eindeutig definiert und es benötigt keine neue Bezeichnung! Warum auch nur weil jemand offensichtlich gefrustet ist? was solls
    Merke lt bdb ist „Landwirtschaft die wirtschaftliche Nutzung des Bodens zur Erzeugung von pflanzlichen (Ackerbau) und tierischen (Viehwirtschaft) Produkten….“
    https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20010/landwirtschaft/
    Unabhängig von der Betriebsgröße, der wirtschaftlichen Erwerbsform egal ob Nebenerwerb, Zuerwerb oder Haupterwerb gilt der Begriff Landwirtschaft. Betriebsleiter/innen müßen gesetzliche Vorgaben (Bewirtschaftung, Dokumentation, Finanzen…) beachten und einhalten. Wichtig, dies wird auch durch eine Vielzahl von staatlichen Akteuren kontrolliert.
    Wer anderes suggerieren will, traurig wenn es noch von vermeintlichen Landwirten kommt, handelt aus meiner Sicht böswillig oder meint er lebt in einer eigenen höheren Kaste. Warum eigentlich?
    Orakelt wird auch ohne Substanz über die Unfallhäufigkeit in der Landwirtschaft nach der Devise ich hab da mal was gehört von einem Politiker. Ach so na dann!
    Übrigens so was wird auch als Schwurbeln bezeichnet.

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    • Stadtmensch sagt

      Erst überlegen, dann Traktat verfassen!

      „Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wurden im Jahr 2021 je 1.000 Vollbeschäftigte 46 Arbeitsunfälle gemeldet – das ist der Spitzenwert aller gewerblichen Wirtschaftszweige.“

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  3. Tom sagt

    @BW Danke für diesen Blog Beitrag. Ich schätze Sie Ihre Arbeit in diesem Blog wirklich sehr und bedanke mich auch für die überaus interressanten Meinungen der anderen Teilnehmer. Ich möchte zuerst aber mal auf die Behauptung „Der Betrieb ist zu klein“ eingehen.
    Ab wann ist ein Betrieb groß genug um ihn als Vollerwerbsbetrieb weiterführen zu können? Ich würde jetzt einfach mal behaupten, Sie sind ein sehr intellienter Mensch, der den einfacheren Weg gegangen ist und durch gut bezahlte Stellung in der Industrie auch gutes Geld verdient hat. Aus meiner Sicht gibt es einen zu kleinen Betrieb nicht, denn wenn ich eine Betriebssparte gefunden habe, in der ich Geld verdiene, kann ich den Betrieb ja nach Lust und Laune ( und evtl. natürlich auch Selbstausbeutung ) vergrößern!
    Dann meine Meinung zum Thema „Verpflichtung“: Welche Verpflichtung meinen Sie da eigentlich? Etwa die, dass ich wie meine Ur-Ur-Ur-Ur…….. Vorfahren ebenfalls auf dem Baum sitzen muss und Beeren sammeln? Das ist doch alles Quatsch, jede Generation muss für sich und für seine Zeit bzw. Lebensumstände, seine eigenen Fähigkeiten selbst entscheiden, wie sie vorankommen möchte, ohne Belastung einer „Verpflichtung“ – ich könnte kotzen wenn ich mir sowas in meinem gereifteren Alter ( leider dachte ich früher und viel zu lange auch so ) noch anhören muss! Und – für wen, wenn nicht für einem selbst, wenn er Spaß daran hat, sollten wir das Villnösser Brillenschaf und andere Spezialitäten erhalten, wenn der Großteil der Bevölkerung ( bitte entschuldigt meine Ausdruckweise ) darauf scheißt und das in keinster Weise honorieren will.
    Ansonsten Lohn sich Nebenerwerb – auch einen in den man noch Geld reinsteckt für den, der es als Hobby sieht und einen Ausgleich damit hat natürlich immer – eine Jagd zu Pachten kostet ja schließlich auch Geld. Aber hört mir bitte mit dem „Dynastischen“ Gedanken im Umfeld mit Bäuerlicher Landwirtschaft auf – das ist in unserer Bauernschicht doch aktuell nur noch ein schlechter Witz.

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    • Bauer Willi sagt

      @Tom
      Sie haben in vielem Recht. Unser Sohn hat den Betrieb ja übernommen, allerdings mit einem landwirtschaftsnahen Betriebszweig, der ihm das „Hobby“ (seine Worte) Landwirtschaft ermöglicht. Er hat sich auf die Produktion und Verkauf von Flake Soil spezialisiert, die er von Finnland bis Portugal verkauft. Der Hof ist nicht größer geworden.

      Verpflichtung: genau das meine ich: meine Ur-Ur-Urgroßväter. Was ich damit meine: man verkauft den Hof und das Land nicht so leichtfertig. Das sind viel Emotionen mit im Spiel.

      Und sehr richtig: jeder findet das Villnösser Brillenschaf toll, süß und was nicht alles. Wenn es aber dann daran geht, für ein Kilo Schaffleisch xx Euro zu bezahlen, ist die Begeisterung sofort am Ende. Citizen-consumer-Gap (wollte ich nur so kompliziert ausdrücken, weil Sie mich ja für intelligent halten) 🙂

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      • Inga sagt

        Land verkauft man nicht.

        Das überdauert auch den Industriestaat.
        Weil wir nun Industriestaat sind, ist das Ackerkand weniger wert. Weil das was man da runter holt auch künstlich weniger wert ist.
        Die guten Nahrungsmittel aus der Natur sind in unserem System weniger wert als die künstlich erschaffenen oft umweltschädigenden Industriegüter.

        Aber Land überdauert das.

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        • Thomas Bröcker sagt

          In den nicht stadtnahen Bereichen im Osten wird das Ackerland von Erben und Erbengemeinschaften ohne landwirtschaftlichen Bezug zunehmend den aktiven Großbetrieben zum Kauf angeboten. Zu mindestens weiß ich das aus dem Kreis Sömmerda (Thür.) … das sind Böden mit 60 – 80 Bodenpunkten. Wenn der Bezug der Eigentümer zur LW nicht mehr vorhanden ist, wird durchaus verkauft.

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          • Arnold Krämer sagt

            Die Bruttorendite von Ackerland (Pachtpreis zu Verkaufspreis) liegt im Nordwesten bei 1% und darunter. Die Möglichkeiten für einen aktiven Landwirt, Land zu erwerben, sind gering, weil das sehr knappe Angebot überwiegend von der öffentlichen Hand aufgesogen wird für Bauland + Kompensation.

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    • Arnold Krämer sagt

      @ Tom
      „Ab wann ist ein Betrieb groß genug um ihn als Vollerwerbsbetrieb weiterführen zu können?“

      Der landw. Betrieb muss mind. einen produktiven Arbeitsplatz aufweisen, also bei gängiger Technisierung rund 2.400 Arbeitsstunden im Jahr erfordern, die dann auch entsprechend geleistet werden.
      Was unter dem Strich dabei herauskommt ist abhängig vom Standort, von dem tragenden Betriebszweig, der Marktentwicklung, dem Wissen und Können des Landwirts, der Familie und auch vom Unternehmer-Glück.

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      • Tom sagt

        @ AK Das könnte man durchaus so stehen lassen, aber: Wie kommen Sie gerade auf 2400 AK ? Ein „normaler “ Arbeitnehmer leistet ( wenn ich die Urlaubszeit abziehe ) doch ca. 1800 AKH/Jahr oder? Sollte man nicht eher sagen, ab ca. 100.000 € Gewinn kann man von einem Vollerwerbsbetrieb sprechen?

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        • Arnold Krämer sagt

          Wir wollen den Landwirt/ Bauer doch nicht mit dem Arbeitnehmer gleichsetzen, oder?
          2400 AKH sind amtliche Agrarstatistik

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          • Georg Model sagt

            Statistik und und Stellungsnahme von Behörden bzw. Träger öffentlicher Belange sind auch 2 paar Stiefel.
            Der der Begriff privillegierte Landwirt existiert zumindest bei Bausachen.
            Leider wurde der Begriff hier zu diesem Thema noch nicht erwähnt.
            in diesem Bereich geht es nicht um Arbeitsstunden sondern nach auch nach Nachhaltigkeit (Anteil Eigentumsflächen) und gewinn aus landwirtschaftlicher
            Produktion. Liegen weitere Einkünfte aus anderen (gewerblichen) Betriebsteilen
            vor und liegen diese Gewinne höher als das landwirtschaftliche Einkommen
            wird seitens der Fachbehörden oft auch versucht bei Vollerwerbsbetrieben
            die landwirtschaftliche Privelligierung abzusprechen.
            Ein aufstockungsbedürftiger Neben- oder Zuerwerbsbetrieb kann da
            auch mal besser dastehen als ein Vollerwerbsbetrieb mit weiteren gewerblichen Einkommen. Hier ist die Urproduktion und der Gewinn daraus entscheidend. Zur bewältigung des Strukturwandels ist aber diese bisherige handhabung sehr diskussionsbedürftig, da wir ja in Zukunft mehere standbeine brauchen um Überleben zu können.
            Die Politik sollte sich wie in nder Schweiz einsetzen das erst die heimische Urproduktion vermarktet wird bevor der Handel uns mit ausländicher importierte Ware flutet und uns den Preis verdirbt.

              • Georg Model sagt

                Hat den der Verbraucher wirklich ein uneingeschränktes Recht auf Globalisierung und freien Handel bei sensiblen Agrarprodukten ?
                Es wird ja auch nicht jedes Werkzeug, Spielzeug oder Fahrzeug in der BRD oder EU zugelassen nur um den Verbraucher günstige Preise zu bescheren. Bei Lebensmittel sollten zumindest die gleichen Maßstäbe bei der Produktion , Verarbeitung und Deklarierung gelten. Das hat nichts mit Bevormundung des Verbrauchers zu tun sondern im Gegenteil mit Verbraucherschutz und Verbraucheraufklärung !
                Ich kann als Landwirt ja auch nicht den Diesel und Pflanzenschutz aus China kaufen nur weil er dort billiger ist.
                Ausserdem will der Staat ja auch noch Mitbestimmen und dran Mitverdienen.
                Der Staat bzw. die EU hat in der Marktpolitik mit der Verhindernung von Kartell bzw. Monoplolbildung total versagt.
                Die großen 4 bestimmen woher was ins das Regal und bei dem Verbraucher auf den Tisch kommt. Weder wir Produzenten noch der Verbraucher können den Preis beeinflussen, fast egal wie wir uns dabei Verhalten.
                Übrigens gibt es ein Landwirtschaftsgesetz zum Schutze der heimischen Landwirtschaft woran sich auch der Verbraucher orientieren sollte, auch wenn unsere derzeitige Regierung und Verwaltungen dieses Gesetz täglich mehrfach brechen, bzw. den negativen Entwicklungen freien Lauf lassen.
                Untätigkeit kann auch ein Verbrechen sein, z.B. nicht Umsetzung von den ZKL-Beschlüssen ect..
                Der Verbraucher wird es irgendwann auch spüren wenn wir immer weniger Produzieren.
                Dann wird es mit vielen Lebensmittelpreisen ebenfalls so sein wie mit den mehrmals täglich ändernden Spritpreisen an der Tanke
                und drohender Rationierung !

  4. Christian Bothe sagt

    Bin ja nun unter ganz anderen Verhältnissen aufgewachsen( Volkseigentum, genossenschaftliches Eigentum in der LW)! Nichtsdestotrotz hatte ich nach der Wende ( wie jeder andere auch) die Möglichkeit in Franken, Hessen gewachsene Kleinbetriebe kennenzulernen ( auch Nebenerwerb) und mit ihnen Geschäfte zu machen! Die Betriebe haben mich immer fasziniert, wenn die Inhaber mir die Historie ihrer Betriebe erklärten! Für mich als einer, der einen 1200 ha Betrieb mit 1500GV+ 420 MK geleitet hat,eine Grössenordnung( LN, Tiere)die ich erstmal realisieren musste! Bin aber immer gern nach Bayern zu meinen „Kunden“ gefahren, um diese u.a.kraftfutterseitig zu begleiten! Finde es toll, wenn jemand den Betrieb um jeden Preis versucht zu erhalten, und mit seinem Einkommen aus anderer Beschäftigung subventioniert…

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  5. Kemetbauer sagt

    Warum müssen wir überhaupt all die Bestrebungen zur Arbeit auf den Flächen und im Stall als Land w i r t s c h a f t bezeichnen? Überhaupt, warum ist jeder der da auf seinen Flächen und im Stall aktiv ist, ein Landwirt? Landwirt ist ein Ausbildungsberuf. Oder kann ich mich, nur weil ich mit einer Schere umgehen kann auch als Frisör bezeichnen? Oder, weil ich den 19er Maulschlüssel vom 13er unterscheiden kann, mich als Kfz-Monteur bezeichnen? Wie viele der über 55% NLW sind überhaupt im mindesten ausgebildete Landwirte? Dass jeder, der heute einen Schlepper besitzt und einen größeren Garten hat sich als Landwirt bezeichnet, ist unserem Image bestimmt nicht dienlich.
    btw: mehr als 85% der auslaufenden Betriebe kommen aus dem Nebenerwerb. Somit könnte man auch sagen, NLW ist der Einstieg in den Ausstieg.

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    • Stadtmensch sagt

      Ich kenne einen Haupterwerbslandwirt (gelernter Zimmermann) hier in der Region. Es scheint also auch ohne Studium zu funktionieren. Mein Sohn verdingt sich dort gerne als „Knecht“, weil es so viel zu schrauben, zu basteln, zu schweißen und zu ackern gibt. Richtig glücklich sind die beiden erst, wenn sie nachts mitten im Feld einen alten Belarus wieder flott bekommen, nachdem mal wieder irgendwas abgeflogen ist. Ich kann ihm diese Welt nicht bieten und vermutlich wären solche Erfahrungen innerhalb eines durchrationalisieren Großbetriebs auch nicht in der Art möglich. So, genug geweint…

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    • Bauer Willi sagt

      @Kemetbauer
      Das Thema Ausbildung hatten wir schon mal, deshalb will ich die Statistik nicht wieder herauskramen. In meinem Umfeld (Ich hatte beruflich mit tausenden Landwirten, Bauern, Ackerern zu tun) waren nur sehr wenige ungebildete oder gar dumme Menschen. Wer heute 50 Jahre alt ist und Betriebsleiter dürfte in aller Regel eine sehr ordentliche Ausbildung genossen haben.

      Ja. Nebenerwerbslandwirtschaft ist oft der Einstieg in den Ausstieg. Da haben Sie vollkommen recht und das sage ich ja im Text – vielleicht etwas verschlüsselt – auch. (Das gleiche gilt ja für die Umstellung auf Bio. Wenn es konventionell schon lange nicht mehr klappt, stellt man noch schnell auf Bio um. Danach macht man die Bude zu. )

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      • Kemetbauer sagt

        @BW
        Die heutigen 50-Jährigen kann man allerdings nicht zum Maßstab machen. Man sollte realisieren, dass die Betriebe, die schon länger im Nebenerwerb geführt werden, nicht sehr auf eine ldw. Ausbildung des Nachwuchses gesetzt hatten. Die Kinder sollten schließlich die Möglichkeit bekommen ein geregeltes Einkommen in angenehmer Höhe einfahren zu können. Da spielte der Hof des Vaters wohl keine Rolle mehr.
        Ja, ich weiß, jeder kennt so einen Biobetrieb. Blöd ist nur, dass man dann 5 Jahre durchhalten muss. Gelingt das nicht und die Wahrscheinlichkeit war/ist recht groß, muss die Förderung zurückgezahlt werden. Außerdem gibt es da ja auch noch die ethisch-moralischen Bedenken gegen die Inanspruchnahme der Förderung und die „Flächenverschwendung“. Oder meinen Sie, dass das immer nur vorgeschobene Gründe sind?

    • Jürgen Donhauser sagt

      @ Kemetbauer, kleine Basis bedeutet nicht gleich unfähig oder ohne Zukunft.
      Wir besitzen 1,5 ha Eigentumsfläche und bewirtschaften 38 ha. Meine beiden Söhne und ich besitzen alle den Meisterbrief in der Landwirtschaft. Unser Zuchtsauenbetrieb gehört mit 36 aufgezogenen Ferkel pro Sau/Jahr zu den Spitzenbetrieben. Dies alles wurde durch 3 Generationen unter Hilfe von Nebenerwerb (Arbeit im Steinbruch, Untertagebergbau, Landschaftspflege) geschaffen.

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      • Kemetbauer sagt

        @JD
        Dafür meinen Respekt!
        Aber schrieben Sie nicht auch, dass mit Schweinen zukünftig wohl kein ausreichendes Einkommen zu erzielen sein wird? Und sagte Ihr Sohn nicht, dass es nicht einfach werden würde eine Alternative stemmen zu können? Wie sind denn, wenn Sie das mitteilen möchten, die Perspektiven für die Zukunft? Und wie steht die nächste Generation zur Landwirtschaft?
        Ja, Sie haben recht, Größe ist längst nicht alles in der Landwirtschaft. Fehlende Größe muss man allerdings oft mit sehr viel mehr Engagement ausgleichen. Und, um noch einmal auf den Zusatz von @BW (weniger rational) zurückzukommen, ohne eine ganz klare Strategie und ohne kühles Rechnen, wird das i.d.R. nichts. Das sind aber auch zwei Voraussetzungen, die längst nicht alle Landwirte mitbringen.

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        • Jürgen Donhauser sagt

          Die Schweinehaltung wird nicht aus fehlendem Engagement oder Absatzmarkt zugrunde gehen, sondern wegen weltfremder Ideologie mit unsinnigen Haltungsvorschriften die eine Produktion in Deutschland unmöglich machen. Damit wandert die Produktion zwangsläufig in andere Länder ab. Meine Familie wollte aber vor 25 Jahren leider nicht mit mir nach Spanien oder Ungarn auswandern.

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          • Kemetbauer sagt

            @JD
            Ich hatte abgenommen, dass der fehlende Absatz den derzeitigen niedrigen Preis bedingt. Ist wohl ein Fehler.
            Bei einem evtl. Ortswechsel muss man halt Prioritäten setzen. Zukunftsperspektive des Betriebes oder Familie. Oft ist beides an einem Ort nicht vereinbar.

  6. Bergamasca sagt

    „Lohnt sich …“ ist keine legitime Frage, da Fragesteller und Landwirte sich auf unterschiedlichen Ebenen bewegen.
    Meine Schwester und mein Schwager pflegen noch die seit Generationen in Familienbesitz befindlichen Streuobstwiesen. Das ist noch weniger als Nebenerwerb, das ist gar kein Erwerb. Dafür viele Wochenenden Arbeit. Ich fürchte, sie werden tatsächlich die „letzte Generation“ sein. Und dann?
    Mir graut vor einem ländlichen Raum ohne voll- oder nebenerwerbliche Familienbetriebe.

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    • Stadtmensch sagt

      „sie werden tatsächlich die „letzte Generation“ sein. Und dann?“

      Dann geht alles seinen marktwirtschaftlichen Gang: ein Investor wird kommen und aufräumen: Biomasse weg, Betongold drauf.
      Dann hätten wir endlich wieder Wachstum. Was allerdings in eine sog. Post-Wachstumsgesellschaft passieren würde bietet reichlich Platz für Spekulationen.

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      • Limes sagt

        „Dann geht alles seinen marktwirtschaftlichen Gang: ein Investor wird kommen und aufräumen: Biomasse weg, Betongold drauf.“
        oder das Szenario der sozialistischen Träumer und Räuber tritt ein, Enteignung alles wird Volkseigentum, selbsternannte Führer lesen dem dummen Volk aus irgenwelchen schlauen Büchern von unbekannten Autoren vor die sagen was zu tun ist. Nach der Vorlesung und Arbeitsverteilung zweigen sie einen Teil der Biomasse (Naturalien) ab und machen sie im Ausland zu Kohle. Sie und ihre Familienangehörigen sowie ihre follower kaufen Yachten und Luxusvillen (Betongold) an den angesagtesten Orten weltweit. Natürlich entstehen auf Befehl noch einige Monumentalbauten aus Beton denn das Volk soll ja stolz sein und Götzen anbeten können. Erfahrungen wie das endet liegen ja aus der jüngeren Geschichte vor.

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        • Stadtmensch sagt

          Was ist passiert Limes? Schlecht geträumt?

          Vielleicht von einer Flamingo‑Revolution?

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          • Limes sagt

            wenn ich an Flamingos denke dann fällt mir der rote Kuba Flamingo ein.
            Bei Betrachtung ein schöner Vogel aber so wie in Kuba möchte ich nicht leben.
            Obwohl in Kuba erspart man sich den Wahlkampf denn eine Elite aus langjährigen erfahrenen Personen hat schon im Vorfeld die „richtigen Kandidaten“ aufgestellt und übernimmt auch das Denken und Alltagsentscheidungen.

      • Thomas Bröcker sagt

        Die Antwort, was passiert wenn die lw. Nutzung weg ist, ist relativ einfach. Wenn wegen Lage, Klima, Boden kein Acker oder keine Weide draus gemacht werden kann, verbuscht das Ganze erstmal zur Buschsavanne. Wenn die Niederschläge reichen, wird irgendwann Wald draus. Da will übrigens dann auch kein „Betonvergolder“ hin.

        Was dann entsteht ist eine Masse an brennbarem Material welches aufwächst. Selbst in den trockenen Gegenden Südeuropas wachsen so im Laufe der Zeit 30 to/ha brennbares Material auf. DAS (fehlende Offenhaltung durch ausbleibende Nutzung und deshalb viel brennbares Material) ist der Grund für die Unbeherrschbarkeit der gegenwärtigen Brände in Südeuropa.

        Dieses Szenario ist für unsere derzeit noch offengehaltenen Vorgebirgslandschaften durchaus auch denkbar.

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        • Stadtmensch sagt

          Niemand ist verantwortlich, niemand kann etwas tun. Habe gehört, dass man auf den neusten marktwirtschaftlichen Innovationen, den sog. Polymarkets, auch auf Waldbrände wetten kann. Vielleicht wird dann auch regelmäßig nachgeholfen?

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          • Reinhard Seevers sagt

            „Vielleicht wird dann auch regelmäßig nachgeholfen?“

            Ist das nicht bereits seit Jahrzehnten der Fall im Süden Europas. Besonders Portugal und Griechenland sind da Vorreiter….gab unlängst eine ÖRR – Reportage (muss also wahr sein!) darüber.

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            • Bergamasca sagt

              Bei den italienischen Mafie ist es eine beliebte Methode der Baulandbeschaffung.

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        • Bergamasca sagt

          Sie sagen es, Herr Bröcker, und Ludwig hat die Sequenz oben aus der Bewirtschaftungsperspektive noch detaillierter ausgeführt.
          Neben dem unkontrollierten Aufwuchs von brennbarer Biomasse gibt es noch einen anderen Aspekt, der damit einhergeht, nämlich die Zunahme von Erregerreservoiren. Wo der Wald immer enger an den besiedelten Raum heranwächst, gibt es zwangsläufig mehr direkte und indirekte Kontakte mit Wildtieren. Das ist genau das Szenario, vor dem Virologen und Epidemiologen warnen. Zuerst trifft es nur die Nutztierbestände, irgendwann auch den Menschen.
          Wer Kulturlandschaft schafft und pflegt – und daran sind Nebenerwerbslandwirte maßgeblich beteiligt – leistet insofern auch einen aktiven Beitrag zum Gesundheitsschutz.

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          • Kemetbauer sagt

            @B
            Welche Wildtiere, die nicht schon jetzt die Ballungsgebiete mit bewohnen, meinen Sie denn?

        • Elisabeth Ertl sagt

          Die Macchienvegetation produziert konzentrierte ätherische Öle, die sich bei hohen Temperaturen selbst entzünden.

        • Kemetbauer sagt

          @TB
          Dann würde ich mal schlussfolgern, weg mit den Wäldern. Die sind ganz einfach viel zu gefährlich.

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          • Thomas Bröcker sagt

            Darum geht es nicht. Es ist nur ein Unterschied, ob man die Wiederkehr der Bewaldung als Sukzession betreibt oder bewusst gestaltet. Die Illusion ist einfach die, dass „die Natur es am besten richten kann“. Auch die Wald- und Buschbrände sind ein Teil der Natur (die waren schon immer da). Die Frage ist nur, ob man nicht durch bewusste Gestaltung („Forstwirtschaft“) die negativen Folgen auf unsere Lebensbedingungen abschwächen könnte/sollte.
            Da teile ich die Ansichten von Ludwig Pertl („IG Gesunder Boden“ Regensburg… ich bin von Beginn an Mitglied).

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            • Kemetbauer sagt

              @TB
              Gerade dieses Gestalten der früheren Jahre (Fichtenmonokultur), hat doch erst in die Situation der zunehmenden Brandgefahr potenziert. Keiner weiß, unter welchen klimatischen Bedingungen das Leben in 50 Jahren, hier in unseren Breiten, stattfindet. Weiterhin weiß niemand, wie die standortgerechte Flora sich dann darstellen wird. Jetzt gestalten zu wollen, kann wohl nur als Ausdruck kompletter Ignoranz bezeichnet werden. Wir werden die Brandflächen der natürlichen Sukzession überlassen müssen. Auch wenn sich das Landschaftsbild dann natürlich diametral zur angestrebten Idylle darstellt.

              • Reinhard Seevers sagt

                Die Waldbrände in der Gascogne und dem Médoc finden ihre Nahrung in der Monokultur zehntausender Quadratkilometer von Seekiefer. Diese einmalige Kulturlandschaft des 19.Jahrhundert hat die Wanderdünen aufgehalten und Sümpfe trocken gelegt. Nun haben Brandstifter und Leichtsinnige (9 Personen wurden bereits verhaftet) für großen Schaden gesorgt. Deutsche Medien labern aber von Klimakatastrophe und Waldumbau…..irgendwie ist das Land der Dichter und Denker inzwischen komplett verblödet.

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                • Kemetbauer sagt

                  @RS
                  Die Entfachung eines Feuers ist die eine Sache. Die die Ausbreitung begünstigenden Faktoren, sind die andere Sache. Bis 1980 hatten wir, hier in Europa, im Jahr 10 Tage mit einer Witterung, die die Brandgefahr extrem begünstigt hatten. Seit dieser Zeit ist die Anzahl auf 25 gestiegen. Tendenz weiter steigend. Die Faktoren, die vor 80 Jahren eine Waldbaukultur vorteilhaft erschienen ließen, wirken sich heute oft eher negativ aus. Hier bei uns in D. sind das die Koniferen-Waldkulturen. Sie können sich sicher noch an den Waldbrand in der Heide (1975) erinnern. Das liegt jetzt gut 50 Jahre zurück. Konsequenzen/Lehren wurden bisher kaum daraus gezogen. Wie Sie es schon schrieben, das „Land der Dichter …..“. Sie dürfen Ihre diesbezügliche Erkenntnis durchaus auch auf sich selbst beziehen.

                • Kemetbauer sagt

                  @RS
                  Warum lief in 1975 so viel falsch? Hatte man evtl. zu wenig Übung und Erfahrung? Oder war es ein Ereignis, das man heute gelegentlich als Jahrhundertereignis bezeichnet? War halt blöd, dass vorher so etwas noch nicht passiert war.

                • Reinhard Seevers sagt

                  Kemet, wenn du dich erinnerst….1972 hatte Orkan Quimburga über Nordeuropa erhebliche Schäden verursacht, u.a.:
                  „In Niedersachsen wurden etwa 10 Prozent des gesamten Waldbestandes vernichtet; auf der insgesamt 954.244 ha großen Waldfläche Niedersachsens wurden auf über 100.000 ha circa 50 Millionen Bäume umgeworfen.“

                  Diese Schäden waren noch nicht beseitigt und man hatte große Wälle mit Schadholz aufgeschoben, die nun durch das Feuer 1975 wie Zunder brannten. Alles in allem sind die Schäden heute nicht mehr zu sehen und an den Stellen, wo damals nichts mehr stand, steht heute veritabler Wald!

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                • Kemetbauer sagt

                  @RS
                  Dieser Zusammenhang war mir nicht bekannt.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        „Dann geht alles seinen marktwirtschaftlichen Gang: ein Investor wird kommen und aufräumen: Biomasse weg, Betongold drauf.“

        So einfach geht es nicht: Wird auf diesem Gelände ein Juchtenkäfer gesichtet, wird es nix mit Baugelände.

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  7. Elisabeth Ertl sagt

    Gerade die politische Linke wird nicht müde, die Lebensweise von Indigenen Völkern ferner Ländern zu preisen. Das sind Völker, die eine „enge (emotionale, wirtschaftliche und/oder spirituelle) Bindung an ihren Lebensraum haben und die über eine ausgeprägte ethnisch-kulturelle Identität als Gemeinschaft mit eigenen soziopolitischen und kulturellen Traditionen verfügen.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_V%C3%B6lker
    Die Bindung hiesiger Bauernfamilien an ihr Land ist der „indigene“ Rest unserer Gesellschaft.
    Nur ist er hinter Traktoren, Monokulturen und allem übrigen, was der Gesellschaft an der modernen Landwirtschaft aufstößt, nur noch schwer zu erkennen.
    Das Indigene der kollektiven Seele zieht die österreichischen Städter in ihrer Freizeit zunehmend hinaus in die heimischen Berge, doch bleibt es bislang gefangen in den kapitalistischen Versuchungen.
    In seinem Bildband „Vom alten Leben“
    https://hans-haid.at/product/hans-haid-vom-alten-leben ,
    in welchem er die letzten Reste der alpinen Agrikultur dokumentiert, zitiert der Tiroler Autor Hans Haid Ende der 1980er Jahre das rätoromanische Margaretalied aus dem Graubünden des 8. Jahrhunderts und sieht in seinem tragischen Ende eine Metapher des modernen Tourismus:
    „Die Ballade berichtet von der Heiligen Margareta, ´Sontga Margriata´, die als Mann verkleidet sieben Sommer auf der Alp arbeitet, bis ein Hirtenknabe durch einen Zufall entdeckt, dass der vermeintliche Hirte eigentlich eine schöne Frau ist, und das Geheimnis unbedingt dem Sennen verraten zu müssen meint. Sontga Margriata bietet dem Knaben immer wertvollere, zauberhaftere Gaben an für seinen Verzicht auf das Vorhaben, doch dieser will sich nicht abbringen lassen. Da verflucht Sontga Margriata ihn, dass er drei Klafter tief in der Erde versinkt, und scheidet von der Alp, wo nun die Quellen vertrocknen und die Wiesen verdorren.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Canzun_de_Sontga_Margriata
    Haid sieht hier ein Sinnbild für die Abkehr von einer indigenen Lebensform hin zum Tourismus, deren „drei Klafter tief“ im Materialismus versunkene Akteure die heilige Schöpfung zu einer Prostituierten machen und sie den Fremden ausliefern, auf dass diese sie kurz genießen und dann wieder verlassen.
    Die Natur will aber eine dauerhafte Beziehung, ein tragfähiges Zusammenleben, eine Arbeitspartnerschaft, um ihr Füllhorn über dem Menschen ausgießen zu können.
    Als in der rätoromanischen Ballade „Sontga Margriata“, die Heilige Margareta dem Hirtenknaben weiße Hemden, Schafe mit hohem Wollertrag, saftige Wiesen und reichlich Milch sowie eine funktionstüchtige Mühle verspricht, antwortet jener: „Das will ich nicht, das nehm ich nicht, das muss unser Senne wissen, welch glückselige Maid wir besitzen.“
    So lange die Supermärkte voll sind, interessiert die urbane Gesellschaft wohlstandsbedingt vor allem der hedonistische Naturgenuss. Sontga Margriata zieht sich zurück: „Leb wohl, du mein guter Senne! Lebe wohl, du mein Alpkessel, lebe wohl, du mein Butterfass, lebe wohl, du mein kleiner Herd allwo ich die Schlafstatt hatte – warum tatest du das, guter Hirtenknabe? – Lebt wohl, meine guten Kühe. Euch wird die Milch vertrocknen …“
    Zwang zu Billigproduktion und schwindende Subventionen, exzessiver Tourismus und der von der urbanen Bevölkerung erwünschte Landwirtschaftsschädling Wolf haben in den letzten Jahren zu einer raschen Aufgabe von Bergbauernbetrieben geführt. Übernommen werden die Flächen von internationalen reichen Spekulanten als Jagdgründe.
    Wenn Almen über dem Bannwald veröden, geht die durch Viehtritt bedingte wichtige Bodenverdichtung zurück. Anstatt oberflächlich in den Wald abzurinnen, wo der Boden sehr wasseraufnahmefähig ist, versickert der Niederschlag über dem Wald auf den ehemaligen Weiden, unterspült und durchnässt den gelockerten Bodens und erhöht sein Gewicht, sodass Muren abgehen, die im Unterschied zu Lawinen von den Bannwäldern nicht aufgehalten werden können. So werden die Bäume ebenfalls mitgerissen und verschütten Siedlungen im Tal. Die als CO2 – Speicher so wichtige Vegetationsdecke wird zerstört. Das langwachsende Gras wiederum begünstigt Lawinen, die die aufkommenden Jungbäume entwurzeln und ebenfalls vegetationsfreie Areale hinterlassen. Quellen versiegen und Wiesen vertrocknen.
    Solche Reaktionen der unbewirtschafteten Natur als „Prozessschutz“ zu idealisieren, wie manche NGOs das tun, ist zynische Misanthropie.

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  8. Sonja Dengler sagt

    Man darf die Behauptung, „das ist gar kein richtiger Bauer“ auch wirklich nicht so persönlich nehmen und sich angegriffen fühlen – manche (!) Leute reden halt viel Blödsinn den Tag über und der Tag ist sehr lang 🙂
    Ihr These, dass es in anderen Berufen gelingt, den Nachwuchs ein lang familiengeführtes Unternehmen weiterzugeben, trifft nicht: schauen Sie nur, wieviele Bäckereien schließen müssen, weil sie von dem, was sie arbeiten, nicht alle ernähren können, die Supermärkte und damit die Globalisten haben übernommen.
    Für mich ist erstaunlich und SEHR erfreulich, dass die Bauern insgesamt schon so lange durchhalten – ganz im Gegensatz zu anderen Berufsgruppen. Und, wie schon oft gesagt: es sind die Bauern, die am besten von allen schwere Zeiten überstehen und es waren Bauern die anderen Menschen im Krieg und nach dem Krieg sehr geholfen haben.
    Durchhalten, durchhalten, durchhalten ist die Parole.
    Vernünftige normale Bürger reden nicht von „kein richtiger Bauer“ – und nur denen sollte man es recht machen, die anderen sollte man doch besser einfach schwätzen lassen, oder?

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    • Inga sagt

      wenn ein Bauer stolz ist, dass sein Unternehmen schon Generationen lang ein Familieneinkommen und andere Vorteile erbracht hat und so das richtige Bauernleben versteht
      dann ist ein Neben- oder Zuerwerbsbauer kein richtiger Bauer.

      Seit man einsieht, dass man in der Industrie das Geld leichter verdient. ist es anders.

    • Kemetbauer sagt

      @SD
      Die Bauern können sich das Durchhalten aufgrund des i.d.R. erheblichen Immobilienvermögens schon recht lange leisten. Wie viel vom ehemals übernommenen Vermögen (relativ) am Ende noch vorhanden ist, bleibt fast immer ein Geheimnis. Und so manch gut gehüteter Verkauf, wird erst durch das Jagdkataster aufgedeckt.

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  9. Kemetbauer sagt

    Nebenerwerbslandwirte sind solche, die von ihrer ldw. Tätigkeit nicht leben können. Damit ist eigentlich alles gesagt. Während man in der außerlandwirtschaftlichen Erwerbswelt die Betriebstüren final schließen würde, sucht man sich als zukünftiger NLW einen Job, mit dem man möglichst so viel Geld verdient, dass man sich die NLW auch leisten kann.
    Im Beitrag von @BW gibt es einen entscheidenden Zusatz, nämlich: „weniger rational“. Diese Einschätzung zieht sich wie ein roter Faden durch alle Beiträge, die sich mit der NLW beschäftigen.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Es gibt auch Betriebe, die über Jahrzehnte neben der Landwirtschaft eine Zimmerei, ein Sägewerk, eine Gaststätte, ein Bestattungsunternehmen, eine Landhandel usw. geführt haben oder führen. Diese Betriebe sind dann diversifizierte Unternehmen und keine Nebenerwerbsbetriebe, oder? Je nach Ideologie kann man den einen oder anderen dort einordnen, wo man ihn einordnen möchte, wenn´s hilft…..🙄

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      • Kemetbauer sagt

        @RS
        „Es gibt ja auch….“ impliziert schon, dass es sich um keine große Anzahl von Betrieben handelt. Dass Sie immer wieder mit Einzelfällen eine annähernd allgemeine Aussage zu Fall bringen möchten, ist bekannt. Bringt allerdings wenig; meine Meinung.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Was meint denn der Kemet, wo die von mir genannten Betriebe statistisch eingeordnet sein könnten? Es gibt keine zus. statistische Erhebung über die Art und Weise des Zu- und Nebenerwerbs. Was beinhaltet denn wohl die Statistik der 50% Nebenerwerbslandwirte? Ich glaube kaum, dass der Kemet das verifizieren kann.

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          • Kemetbauer sagt

            @RS
            Einfach mal in die Statistik der ldw. Sozialversicherungen schauen. Leider gibt es da keinen Hinweis auf die z.B. Unfallhäufigkeit in Abhängigkeit von der Betriebsgröße und -struktur. Diese Zahlen gibt es zwar aber sie dürfen nicht veröffentlicht werden. Warum wohl? Um an die Daten zu kommen, muss man halt die Politik einschalten. Das Ergebnis ist sehr eindeutig.

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    • Bauer Willi sagt

      @Kemetbauer
      Meiner Meinung nach haben Sie ein relativ negatives Bild von Nebenerwerbslandwirten: „sucht sich einen lukrativen Job, damit er sich die Landwirtschaft auch leisten kann.“
      Die gesellschaftliche Leistung, die ein Nebenerwerbslandwirt erbringt, scheinen für Sie nicht zu zählen.

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      • Kemetbauer sagt

        @BW
        Sie stellen die Frage was wäre, wenn die NLW-Betriebe morgen aufgegeben würden. Die gepachteten Flächen würden an die Eigentümer zurückgegeben werden. Diese würden die Flächen anderweitig verpachten. Die Eigentumsflächen der NLW müssten, damit sie in einem werterhaltenden Zustand verbleiben, ebenfalls weiterhin bewirtschaftet oder aber verkauft werden. Sie einfach brach liegen zu lassen, würde Kosten verursachen, ohne dass denen eine Einnahme gegenüberstehen würde. Gute Flächen würden sicher einen Pächter finden und schlechte Flächen (Topografie, Zuschnitt, Bonität, Erreichbarkeit u.a.m.) würden dann wohl aus der Nutzung fallen. Kann man sich das als Eigentümer leisten?
        Durch den Wegfall einer großen Anzahl von Betrieben würde sich natürlich die Anzahl der Mitglieder der ldw. Sozialkassen weiter reduzieren. Andererseits sind schon jetzt viele NLW-Betriebsleiter von der Mitgliedschaft befreit. Das Defizit der Kassen würde wachsen.
        Die Agrarverwaltung könnte, da wesentlich weniger Förderanträge gestellt werden würden, personell/kostenmäßig schrumpfen. Die besonderen Leistungen und Privilegien für kleineren Betriebe, würden wegfallen. Es würde weniger Diesel verbraucht werden und es würden die BG-Beiträge sinken. Eigentlich schöne Aussichten.

  10. Christina sagt

    Wie muss denn ein „richtiger“ Bauer sein?
    Vielleicht sollte man darüber nachdenken, was ein Nebenerwerbslandwirt 24/7 schafft?! Er geht tagsüber meist einer Vollzeitstelle nach, kommt nach Hause und geht gleich in den Stall oder aufn Acker, steht morgens früh auf, um sich um die Tiere zu kümmern und sitzt erst spätabends am Abendbrottisch. Und dann fragen sich viele, warum der das macht… Ich habe mich das auch schon gefragt 🫣, aber ich sehe das „Dahinter“, die Liebe zur Landwirtschaft, die Tradition, den Hof weiter zu führen und besonders die Werte … Was wären wir ohne Landwirtschaft? Ohne die Bauern, die uns das Essen aufn Tisch bringen?! Muss sich der Landwirt rechtfertigen, ob er im Vollerwerb arbeitet oder nicht?

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    • Inga sagt

      Prägung in der Kindheit.

      Erziehung von Grosseltern.
      Die viele Mühe, die sich Generationen um den Hof gemacht haben soll doch nicht für die Katz sein.
      Der Hof bringt nicht nur frei Wohnen in einem durchschnittlich gösseren Haus,
      er bietet auch Geborgenheit u. Sicherheit.

      Die anderen, die abhängig Beschäftigten geht es nur gut, solange der Staat es will und kann und seine Volkswirtschaft es zulässt.

      In meiner Lebenszeit war das meistens so.

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      • Kemetbauer sagt

        @I
        Schauen Sie sich einmal die Altenteilerleistungen an, die das Finanzamt aus Naturalleistungen und anderem berechnen. Da ist nur noch wenig von „frei Wohnen“ übrig.
        Auch in der übrigen Wirtschaft gibt/gab es Familienbetriebe die mit sehr viel Engagement über Generationen aufgebaut wurden und am Schluss doch aufgegeben werden mussten. Woher kommt der Anspruch, dass das in der Landwirtschaft anders verlaufen sollte?
        Bei der Aussage: „Wir leben hier schon seit dem Jahr xxx und alle Generationen haben den Betrieb entwickelt“, kann ich nur sagen: Zukunft statt Stammbaum!

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        • Reinhard Seevers sagt

          „Bei der Aussage: „Wir leben hier schon seit dem Jahr xxx und alle Generationen haben den Betrieb entwickelt“, kann ich nur sagen: Zukunft statt Stammbaum!“

          Grundsätzlich sehe ich das auch so……ich habe aber im Moment eine Firma im Auge, die seit 1664 als Bauunternehmen tätig ist. Das ist schon bemerkenswert, finde ich.
          Ist aber nur ein Einzelfall Kemet, bleib cool.😎

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          • Kemetbauer sagt

            @RS
            Ich denke, wir wissen beide, dass Betriebe nur Bestand haben können, wenn sie sich in Anpassung entwickeln können. Genau da sehe ich in der Landwirtschaft allerdings ein Problem. Viele dieser alten Betriebe beharren auf Traditionen und Brauchtum und verpassen dabei den Anschluss an die Zeit. Nein, ich meine damit nicht den hier in ST derzeit propagierten/gelobten Slogan „modern denken“. Was über lange Zeit getragen hat, reicht heute nicht mehr. Man mag die politischen Vorgaben kritisieren aber der Erhalt des Betriebes kann es erfordern, sich mit ihnen zu arrangieren. Die Zeit der Abhängigkeit von öffentlicher Förderung, ist schon ein Übel. Verglichen mit der Generationen übergreifenden Bewirtschaftung von Höfen, wird sie am Ende nur ein „Fliegenschiss“. gewesen sein.

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            • Reinhard Seevers sagt

              Wenn ein Betrieb, wie z.B. bei uns im Nachbarort, seit 1521 in Familienbesitz ist und immer noch von einem Besitzer mit gleichlautendem Namen bewirtschaftet wird, dann hat das auch ganz viel mit Glück zu tun. Ohne Nachfolger ist der Hof in der Regel verloren. In der Vergangenheit gab es auch Interimswirte, die den Zeitraum einer nicht vorhandenen Hofnachfolge überbrückten, aber solche Formen der Tradition und der Kontinuität von Leben auf dem Lande sind eher Folklore geworden. Die monetäre Förderung temporärer Ideologien ersetzt nicht die Fortführung der tradierten Werte und Wirtschaftsformen.

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              • Kemetbauer sagt

                @RS
                Zu besitzen heißt nichts. Jeder Pächter besitzt. Interessant ist, in welchem Verhältnis Eigentum und Besitz stehen. Leider reicht die Unfähigkeit da zu unterscheiden, bis hoch in die Ebene der ldw. Fachjournalisten.
                Die unterstellte Unfähigkeit beziehen Sie bitte nicht auf sich!

                2
  11. Jek sagt

    Guten Morgen
    Ich habe großen Respekt vor einem Nebenerwerbslandwirt( NL) und wenn er dann auch noch Kühe melkt, Respekt.
    Dazu muss der Arbeitgeber außerlandwirtschaftlich und deren Mitarbeiter auch Verständnis haben und flexibel sein.
    Deshalb bin ich auch nicht neidisch wenn ein solcher NL Flächen kauft.
    Die Leistung die solche NL erbringen ist immens, bei reinen Ackerbauern ist es etwas einfacher aber auch da ist immer die Vorfinanzierung mit Risiko Ernte gegeben.
    Schöne Woche allen und wenn auch kein Regen in Sicht ist hoffe ich immer noch das er doch noch kommt.

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  12. Reinhard Seevers sagt

    Ich glaube, oft wird Nebenerwerb auch mit Zuerwertb verwechselt, bzw. ist gar nicht zu erkennen. Ich glaube auch, dass die negativ konnotierte Nebenerwerbslandwirtschaft aus den eigenen Reihen so geframt wurde, von den besitzenden Bauern…..meine These. Diese Sichtweise hat sich dann über die Loden-lobby in die Agrarpolitik und die Gesellschaft getragen.
    In der Geschichte der Nordwestdeutschen Landwirtschaft kann sehr schön abgelesen, wie die Besitzlosen nach dem WKII sich über den Neben- und/oder Zuerwerb Eigentum aneigneten und zu „vollständigen“ Bauern/Landwirten wurden.
    Im Süden sind Kleinbetriebe häufig über die Reisefreudigkeit der Wohlstandsbürger zu Pensionen, Ferienhausvermieter oder gar Hotels gekommen. Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Bevölkerung den Begriff des Nebenerwerbslandwirts irgendwie negativ einordnet…..das ist die Kollegenschaft selbst.

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    • Bauer Willi sagt

      @RS
      Nein, es passiert mir auch hier im Netz. Wenn die Leute bei Wikipedia in meinem Lebenslauf lesen, dass ich „in der Industrie“ gearbeitet habe, sagen auch Journalisten: „das ist ja kein richtiger Bauer“. Vermutlich, um mir fehlendes Wissen zu unterstellen und die Person so zu diskreditieren.

      Richtig ist auch, dass Vollerwerbslandwirte gerne das Land der Nebenerwerbslandwirte übernehmen würden….

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      • Reinhard Seevers sagt

        Ich glaube nicht daran, dass in der Gesellschaft eine solche Sichtweise vorherrscht. Ich würde wetten, dass man bei einer Befragung zu den Begrifflichkeiten: Bauer, Landwirt, Nebenerwerbslandwirt, Zuerwerbslandwirt, Vollerwerbslandwirt, Hobbybauer…..keine gleichen Aussagen antreffen würde. Und im ländlichen Raum ist die Zuschreibung noch einmal anders, als in urbanen Räumen.

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      • Malte Voerste sagt

        Wenn ein Vollerwerbsbetrieb pachtet wird er von der SVLGF zur Kasse gebeten , da die Beitragsklasse steigt.Der außerhalb der Landwirtschaft beschäftigte nicht.

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        • Georg Model sagt

          Dafür hat der Nebenerwerbslandwird schlechtere Leistungen und verhältnismäßig
          höhere Beiträge in der Berufsgenossenschaft und wird von den großen Verbänden und der SVLFG meistens nicht ernst genommen wenn er Hilfe beantrag , da versucht wird die Anträge ABzulehnen da ja aussserlandwirtschaftliches Einkommen oder andere Versicherungen bzw. Leitungsträger Einspringen sollten.
          Gerecht geht es hier leider nicht zu und wird sich auch nichts ändern solange die großen Verbände die Versichertenvertreter stellen. und Beratungsarbeit für die SVLFG
          anbieten und dafür mehr Geld kassieren als von unseren Mitgliedsbeiträgen.
          Habe selbst erleben müssen wie Verbandsvertreter Vollerwerbsbetriebe anstifteten welche ebenfalls von Funktionäre im Verband geführt werden, Flächen von Nebenerwerbslandwirten bzw. Nichtantragstellern im Agrarantrag für sich beanspruchten und somit Subventionsbetrug begingen.
          Je höher die berufliche Qualifikation desto mehr Rückendeckung und Unwille zur Aufklärung und Sanktion durch das zuständige Landwirtschaftsamt !!!
          Beim Grundstückskauf bzw. Verkauf oder Pacht sowie Abweichungen beim Agrarantrag lernt man eben seine Berufsvertreter am besten kennen !!!
          Daher war mein Alias name hier im blog auch lange „geplünderter Stiefel“

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      • Limes sagt

        „..sagen auch Journalisten: „das ist ja kein richtiger Bauer“
        da mußt du drüber stehen denn welchen Beruf bzw Qualifikation hat denn eine Vielzahl von Journalisten die Beiträge über komplexe Themen schreiben? Häufig noch nicht mal eine journalistische Ausbildung! Jeder kann sich als Journalist/Presse bezeichnen der einen Presseausweis hat, dieser kann für etwa 40 Euro via Internet beantragt werden.
        Bei Journalisten denke ich an Menschen die aus unterschiedlichen oft durchsichtigen Motiven Meinungen für Reichweite, neudeutsch auch clickbaits, produzieren um Menschen zu beeinflussen. Im Gegensatz dazu produziert ein Bauer ob Nebenerwerb oder andere Form sichtbare messbare nützliche Ergebnisse Lebensmittel (Pflanzen, Tiere), Energie (Biogas, Holz…) und keine Wortkonstrukte, Bildchen, Filmchen oder Sprachkonstrukte.
        Übrigens bisher habe ich die Bezeichnung Nebenerwerbsjournalist noch nicht wahrgenommen? Warum wahrscheinlich weil sich Journalisten als ausgewiefte Profis sehen.

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