Alle Artikel in: Bauer Willi

Lidl fordert…

Am 2.12. hat Lidl eine Pressemeldung zu Erzeugerpreisen in der Landwirtschaft herausgegeben. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Wie ist eure Meinung? https://unternehmen.lidl.de/content/download/36175/file/201202_PI_Lidl_Dringlichkeitsgipfel.pdf?version=1 Hier ein Auszug: Erzeugerpreise in der Landwirtschaft: Lidl fordert Dringlichkeitsgipfel 02.12.2020 14:15:00 | Neckarsulm Lidl fordert die Einberufung eines Dringlichkeitsgipfels, um konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der deutschen Landwirtschaft auf den Weg zu bringen. In einem Schreiben an Branchen- und Verbandsvertreter des Handels und der Landwirtschaft sowie an Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner schlägt der Chef der Schwarz Gruppe, Klaus Gehrig, vor, pragmatische und unbürokratische Lösungen zu verfolgen, um für Landwirte eine Verbesserung der Situation zu erzielen. Pressestelle Lidl Deutschland presse@lidl.de 07132/30 60 90  

Runder Tisch in Südtirol

Ich habe im September über einen Rechtsstreit zwischen über 1.500 Südtiroler Obstbauern, dem Umweltinstitut e.V. in München und dem Autor des Buches „Das Wunder von Mals“ berichtet. Link siehe unten. Dazu gibt es jetzt eine aktuelle – meiner Meinung nach – erfreuliche Entwicklung. Beide Parteien haben sich darauf geeinigt, den juristischen Streit ruhen zu lassen und sich an einem „Runden Tisch“ weiter zu unterhalten. https://www.suedtirolnews.it/politik/runder-tisch-statt-gerichtsstreit-zu-pflanzenschutzmitteln-im-obstbau Der Artikel endet mit dem Satz: „Ziel ist es, auf sachlicher Ebene einen Dialog zu starten. Da es den Südtiroler Bauern immer um eine wissenschaftliche Debatte und einen fairen Umgang gegangen ist, ziehen sie die Anzeigen gegen die Angeklagten zurück.“ Hoffen wir, dass das gelingt.   Frontal 21 – am 22.9.: “Pestizide” und “Zucker”  

Segelboot statt Schweinestall – oder: Denken in Alternativen

Ein Gastkommentar von Thomas Aßheuer. Ein Blick – nicht ganz – von außen. Und mit einer Frage, die sich jeder selbst beantworten muss: Was ist richtig? Verkaufen oder weitermachen… Während des Agrarstudiums habe ich bei Cay Langbehn in Kiel landwirtschaftliche Betriebswirtschaftslehre gehört und dabei vor allem eines gelernt: das Denken in Alternativen! Prof. Langbehn hat immer klar betont, dass landwirtschaftliche Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter sich permanent darüber im Klaren sein müssen, dass eine Entscheidung für eine Person, eine Investition, einen Betriebszweig etc. unweigerlich dazu führt, dass eine oder mehrere ANDERE Möglichkeiten NICHT zum Zuge kommen können. Dadurch entstehen sogenannte Opportunitätskosten – ein sperriger Begriff, der mir anfänglich nur schwer verständlich war. Auf Wikipedia werden diese auch als „Verzichtskosten“ bezeichnet, oder sehr anschaulich auch als „Kosten der Reue“. Sie sind keine real anfallenden Kosten, aber „sie beschreiben den angenommenen Nutzen, auf den man verzichtet, wenn man sich gegen die jeweilige Alternative entscheidet“. Segelboot statt Schweinestall wäre eine solche Alternative, die für manch einen ansprechend erscheinen möge. Um das Thema wunderbar zu veranschaulichen, möchte ich mir ein ausführliches …

Gelungener Naturschutz – das „Holländische Modell“

Das holländische Vorgehen im Naturschutz in Agrarlandschaften finde ich beispielgebend! Warum wird es in Deutschland nicht übernommen? Hier wird es vorgestellt: ein Gastbeitrag von Dr. Jan Freese und Susanne Schniete, Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume (DVS) in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung  Wie es in Deutschland läuft Die verschiedenen Agrarumwelt-, Kulturlandschafts- und Vertragsnaturschutzprogramme (AUKM) der Bundesländer sind das Kerninstrument des Umweltschutzes der Agrarlandschaft in Deutschland mit einem jährlichen Budget von etwa 900 Millionen Euro. Landwirte können daraus vielfältige Maßnahmen freiwillig umsetzen und werden für ihre zusätzlichen Aufwendungen und ihr entgangenes Einkommen mit einer Prämie entschädigt. Die angebotenen Umwelt- und Naturschutzmaßnahmen verfolgen Gewässer-, Klima-, Luft-, Boden, Erosions-, Arten- oder Biodiversitätsziele, oft auch gleichzeitig und multifunktional extensivierend. Dennoch konnten negative Umwelttrends in unserer Agrarlandschaft bislang kaum aufgehalten werden. Wie kann der Unzufriedenheit mit dem deutschen Agrarumweltmodell begegnet werden? Kooperatives System in den Niederlanden Wie in Deutschland, wurde die Umsetzung von freiwilligen Agrarumweltmaßnahmen in den Niederlanden bis 2016 den einzelnen Landwirten überlassen. Weil diese Maßnahmen kaum positive Effekte für die Biodiversität zeigten und mit einem großen bürokratischen Aufwand …

Brennholz aus Namibia für deutsche Kraftwerke?

Das muss ich jetzt nicht verstehen: Deutschland plant, Bäume aus Namibia in Hamburg als Biomasse zu verbrennen. https://www.hamburg.de/energiewende/namibia-biomass-partnership/ Im nachfolgenden Artikel wird ausgeführt, dass jährlich 1 Mio. t – auch für den Export – zur Verfügung gestellt werden können. https://www.hamburg.de/energiewende/namibia-biomass-partnership/14503844/buschholzverwertung-als-wirtschaftszweig-in-namibia/ Das Projekt wird durch die GIZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)  in Höhe von 10 Mio. € gefördert https://www.giz.de/projektdaten/projects.action?pn=201720648 Doch es regt sich auch Widerstand https://www.robinwood.de/pressemitteilungen/keine-verbrennung-von-buschholz-aus-namibia-hamburger-kraftwerken Und das kann ich sogar gut verstehen.

BUND, NABU und WWF – das ist eure Chance!

Liebe Vereine für Natur- und Artenschutz, liebe Umwelt-NGO Seitdem die Nahrungsmittelversorgung in Deutschland gesichert ist, wird zunehmend gefordert, das die Landwirte dem Naturschutz mehr Bedeutung zukommen lassen sollten. In der MacSharry-Reform 1992 fanden erstmals Umweltbelange Eingang in die Gemeinsame Agrarpolitik. Diese wurden durch die Agenda 2000 (ja, die hieß wirklich so!), die Agrarreform 2003, den Health Check 2008, die Agrarreformen 2014 und 2020 verschärft. Vor jeder Reform hieß es, die Landwirte müssten sich nun endlich mit dem Umweltschutz versöhnen. Nach jeder Reform wurde von Agrarpolitikern erleichtert und hoffnungsfroh verkündet, dass dies nun der Fall sei. Von Euch hieß es, das ganze sei eine Mogelpackung. Die Diskussionen darüber werden immer erbitterter und unsachlicher geführt. So wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen: Ihr seid unzufrieden mit dem Erreichten, und die Bauern stehen mit dem Rücken zur Wand. Wir wollen die relative Forderung «mehr Naturschutz!» nicht mehr hören. Wir wollen die absolute Forderung «soviel Naturschutz!» erfahren, das Idealbild. Die Tatsache, dass sich Eure Forderungen hauptsächlich auf die landwirtschaftliche Produktion in Deutschland beziehen, nicht auf Importe und …

Timmermans – (k)ein Demokrat?

27 Agrarminister haben sich, nach tagelangen Verhandlungen, auf die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik geeinigt. Das an sich ist schon ein Erfolg und in Brüssel nicht selbstverständlich. Nun gibt es einen Sozialdemokraten in der EU-Kommission, der der Meinung ist, dass die Beschlüsse, die die 27 Agrarminister gefasst haben, nicht akzeptabel sind. Er droht, mitten im Gesetzgebungsverfahren, quasi mit einem persönlichen Veto, den Reformprozess der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) zu stoppen. https://www.agrarheute.com/politik/gap-reform-timmermans-stoerfeuer-vergiftet-trilog-klima-575177 Das an sich ist schon undemokratisch. Undemokratisch ist auch, dass der den zuständigen Kommissar dabei übergeht. So bemüht sich EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski auch um Ausgleich. Er versicherte den Abgeordneten und Agrarministern, er „wolle die Reform gemeinsam mit Rat und Parlament zu einem guten Abschluss führen. Es gebe keinen Anlass, über eine Rücknahme der Reformvorschläge nachzudenken.“ Es ist nicht das erste Mal, dass Timmermans an Wojciechowski vorbei in dessen Ressort „hineinregiert“. Das BMEL (mit dem aktuellen EU-Vorsitz) macht in einer kurzen Pressemitteilung klar, dass die EU-Agrarminister die Einwände von Timmermans zurückweisen. https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/230-agrarrat-november-gap.html Die Agrarsprecherin der ÖVP im Europaparlament wird noch deutlicher: „Der ordentliche Gesetzgebungsprozess in der EU …

REWE, EDEKA, Lidl, Aldi – entsetzt!

Das BMEL setzt das europäische Gesetz gegen unlautere Geschäftspraktiken um. Ministerin Klöckner trägt dies in einer Pressekonferenz vor. Prompt beschweren sich die Vorstandsvorsitzenden der vier großen Lebensmittelketten mit einem Brandbrief bei Angela Merkel. Sie seien entsetzt. So viel Scheinheiligkeit und Arroganz entsetzt mich. https://www.wiwo.de/unternehmen/handel/landwirtschaftsministerin-chefs-von-aldi-edeka-rewe-und-lidl-beschweren-sich-ueber-julia-kloeckner-/26643650.html https://amp.focus.de/finanzen/boerse/wirtschaftsticker/aldi-lidl-und-edeka-grosse-handelsketten-beschweren-sich-ueber-ministerin-kloeckner_id_12686166.html Hier das Video der Pressekonferenz (Dauer 10 min). https://www.bmel.de/SharedDocs/Videos/DE/Presse/201118-utp.html Ich kann nicht erkennen, was an der Darstellung in dieser Pressekonferenz falsch oder übertrieben sein soll. Es geht unter anderem um kurzfristige Stornierung von frischer Ware ohne Bezahlung, nicht eingehaltene oder zu lange Zahlungsziele, einseitige Änderungen der Standards, Auslistung bei Beschwerden, etc. . Alles Fälle, die jeder Landwirt zu Genüge kennt. Danke an Julia Klöckner, die sich konsequent für die Landwirte und gegen unlautere Geschäftspraktiken einsetzt. Liebe Vorstandsvorsitzenden der oben genannten Firmen Ich möchte Ihnen sagen, dass die Aufzählungen von Frau Klöckner bei weitem unvollständig sind. Weitere Beispiele: eigenmächtige Kürzungen an Rechnungen, die den Lieferanten dazu zwingen sollen, Marketingmaßnahmen mitzufinanzieren Beanstandung von einwandfreier Ware mit dem Zweck, den vereinbarten Einkaufspreis nachträglich nach unten zu verhandeln, Auch das gehört zu den unfairen …

Hohe und stabile Milchpreise…

Die Milchbauern schlittern von einer Milchkrise in die andere. Und immer wieder wird darüber diskutiert, wie man dies verhindern kann. Es geht vor allem darum, Mengen zu begrenzen. Doch das ist nicht für alle vorstellbar und Solidarität ist unter Wettbewerbern am Markt nicht zu erwarten. Ich habe wenig Ahnung vom Milchmarkt. Deshalb habe mit Benjamin gesprochen, der sich Gedanken gemacht hat, wie es für Milcherzeuger interessant sein kann, die Menge zu reduzieren Hier der Podcast:   Wie können Milchpreismodelle aussehen Das Gebot der Stunde lautet, mit unternehmerischen Mut und Geschlossenheit aktiv in das Marktgeschehen einzugreifen, um diese Preiskrise zu überleben und zukünftige Krisen zu umschiffen. Und was bedeutet das für die Molkereien? Sich von den einfachen und liebgewonnenen Gewohnheiten zu verabschieden, neue Ideen für die Vermarktung zu entwickeln und im Marketing (noch etwas) pfiffiger aufzutreten. Zum Beispiel mit Milch von vegetarischen Kühen… 🙂    

Wir können alles!

Ende Oktober hat die EU-Kommission eine Einigung zur GAP präsentiert. Erfreut über die Ergebnisse zeigte sich Ministerin Köstinger: „Damit ist der bisherige österreichische Weg und unser Agrarmodell gesichert.“ Doch können die Bauern wirklich zufrieden sein? Wohl kaum.In ganz Europa stellten viele von ihnen in jüngster Vergangenheit grüne Kreuze auf ihre Flächen – als stiller Protest. Was hat die Landwirte dazu gebracht? Es ist die blanke Angst. Angst um die Zukunft ihrer Betriebe und ihrer Familien. Und es ist immer noch die Angst, bei den imme neuen Pakten, Deals und Strategien nicht mehr mitzukommen und schließlich den Betrieb aufgeben zu müssen. Deshalb bedarf es eines neuen Aufbruchs. Wir brauchen im wahren Sinne des Wortes eine Agrarwende! Eine Agrarwende hin zu einer Politik der Realitäten – weg von den theoretischen Phantasien urbaner Eliten. Es gibt einige Gruppierungen, die sich für etwas Besseres halten und ihre Meinung gerne zur gesellschaftlichen Meinung erklären möchten. Dafür haben sie aber keine Legitimation. Ein Grundprinzip, dass uns Landwirte leitet: Wir können alles. Wir können Nahrungsmittel, wir können Natur-, Arten- und Klimaschutz. Wir …