Alle Artikel in: Bauer Willi

Grüner Parteitag – wenn sich die Geister scheiden

Gestern war der erste Tag des Parteitags der Grünen. Ich habe drei verschiedene Positionen zum Agrarbereich und zur Gentechnik gefunden, die diskutiert werden und dann in das Grundsatzprogramm der Grünen aufgenommen werden. Zuerst die Hardliner. Nach längerer Einführung ist dem Papier zu entnehmen, dass alles so bleiben muss wie es ist. Und wie zu erwarten in dieser Gruppe mit dabei: Renate Künast, Anton Hofreiter, Harald Ebner, Martin Häusling, Christian Meyer, Norwich Rüße, Martin Hahn, Ophelia Nick… https://www.gruene.de/artikel/agrarwende-statt-gentechnik In ihrem Vorschlag lesen sich dann auch solche Sätze: „Doch wenn es konkret um höhere Erträge oder Klimaanpassungen wie Trockenheits- und Salztoleranz geht, sind konventionelle Züchtungsmethoden gentechnischen Verfahren bislang meist eindeutig überlegen.“ Wissenschaftler sind in dieser Gruppe offensichtlich unterrepräsentiert. _____ Dann gibt es eine Gruppe, die namentlich nicht festzumachen ist sondern einen Beschluss der BAG Landwirtschaft (und Christ*innen) zur Diskussion stellt. Grob zusammengefasst ist ihre Position: Rote Gentechnik unter Auflagen erlauben, klare und kompromisslose Ablehnung der grünen Gentechnik. https://www.gruene.de/artikel/resolution-der-bag-landwirtschaft-laendliche-entwicklung-und-der-bag-christ-innen-zu-gentechnischen-verfahren _____ Und dann gibt es eine Gruppe, die darüber diskutieren will, ob die neuen Techniken vielleicht doch Vorteile haben …

Trump, Corona-Leugner und Glyphosat-Gegner

Was haben alle diese Personen gemeinsam? Sie nehmen die Realität anders wahr. Doch woran liegt das? Ich habe mich auf die Suche nach möglichen Gründen gemacht. Und das hier gefunden: Emotionale Beweisführung Dabei betrachtet man die eigenen Gefühle als Beweis für die Richtigkeit von Behauptungen. In Sachen Corona bedeutet das etwa: „Ich fühle mich nicht wohl mit einer Maske, also ist sie schädlich.“ Für Glyphosat heißt das: „ich höre so viel Gefährliches darüber und ich möchte mich keiner Gefahr aussetzen“. Ob diese Gefahr faktisch besteht, spielt keine Rolle bei der Wahrnehmung. Die Bedrohung der eigenen Gesundheit und die der Kinder ist ein Motiv, das starke Gefühle mobilisiert. Aussage eines NGO-Campaigners: „Wenn die Leute keine Angst um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder haben, geht das Portemonnaie nicht auf“.  Dann muss man nur noch einen Gegner identifizieren, der sowieso keiner mag (Monsanto, Nestle, Bayer) und man kann seine Argumentation auf den typischen David-gegen-Goliath-Konflikt reduzieren. Das klappt immer. Angst Ein starker Beweggrund ist Angst. Wenn man Angst hat, existiert definitiv ein Grund, um Angst zu haben. Wenn …

Sind Obstbauern Mörder?

Heute bin ich als Key Note Speaker (=Referent)  auf der „Interpoma“ in Bozen, dem „Weltkongress des Apfels“ eingeladen. Leider ist es keine Präsenzveranstaltung. Ich wäre jetzt so gerne in Südtirol. Dazu passen die folgenden Ereignisse: Gestern (18.11.2020) erschien in der Tageszeitung in Südtirol ein kurzer Artikel, in dem der Autor des Buches „Das Wunder von Mals“ Aussagen widerspricht, die er gemacht haben soll, bzw. die er gemacht hat. Er ist deshalb von über 1.000 Südtiroler Obstbauern verklagt worden. Als erstes hier das Video, in dem erklärt, dass er die Aussage, dass Obstbauern Mörder sind, so nicht gemacht hat. Er bittet darum, die Anklage gegen ihn fallen zu lassen. https://www.tageszeitung.it/2020/11/18/obstbauern-sind-keine-moerder/ Drei Wochen vorher hatte er ein anderes Video online gestellt, wo er dazu aufruft, seine Petition zu unterschreiben: https://vimeo.com/471539662 Im zweiten Link findet ihr ein Interview mit Landesrat Arnold Schuler von September, der die Klage unterstützt. https://www.tageszeitung.it/2020/09/13/sind-keine-moerder/ Am Ende des Artikels die beanstandeten Aussagen, die er in seinem Buch bzw. in einem Interview gemacht hat : „Es handelt sich eher um fahrlässige Tötung. Oder eigentlich, nein, …

Umfrage zu Klimazertifikaten in der Landwirtschaft

Folgende Mail erreichte mich. Ich habe an der Umfrage teilgenommen, es geht wirklich fix und es sind ein paar interessante Fragen dabei. Wir sollten jede(n) Agrar-Student*in unterstützen. (jetzt fange ich auch schon an zu gendern…) Mein Name ist Lars Nolting und ich studiere Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest. Momentan befasse ich mich im Rahmen einer Projektarbeit in Zusammenarbeit mit dem Start-up agriportance mit Klima-Zertifikaten in der deutschen Landwirtschaft. Dazu führe ich derzeit eine Online-Befragung durch und befrage landwirtschaftliche Betriebe. Ziel der Projektarbeit ist es, die zentrale Fragestellung „Welche Größe hat der Markt für Klimazertifikate in der deutschen Landwirtschaft“ zu beantworten. Es wäre super, wenn Sie mich unterstützen könnten und die Umfrage auf Ihrer Webseite oder auch bei Facebook posten könnten und an Landwirte/Landwirtinnen weiterleiten. Die Umfrage ist über den folgenden Link erreichbar: https://fhswf2017.limequery.com/683185?lang=de Für Ihre Antwort und Unterstützung bedanke ich mich schon einmal im Voraus.  

Armut bringt Vielfalt

Prof. Kunz kennt sich aus mit Naturschutz. Er hat jedoch eine andere Herangehensweise als viele andere Naturschützer. Sein Plädoyer: Um Artenvielfalt zu fördern, muss unsere Landschaft „unordentlicher“ werden. Das zu erreichen, geht nur mit den Landwirten. Landwirte müssen dafür bezahlt werden, dass sie bestimmte Biotope neu schaffen. Da kann auch mal der Bagger eingesetzt werden. Hier sein Vortrag:   https://www.kunz.hhu.de/fileadmin/redaktion/Fakultaeten/Mathematisch-Naturwissenschaftliche_Fakultaet/Biologie/Institute/weitere_und_ehemalige_Dozenten/Prof._Dr._Kunz/Jahr_2019/Baunatal_2020_Vortrag.pdf

Wenn Bauern retten – ja, was dann?

Normalerweise bin ich ja ein Fan von Oberösterreich. Und von der Steiermark. Jetzt hat mir Hans aus Niederösterreich einen Brief geschrieben und ist ganz stolz. Weil er etwas gerettet hat, eine ganze Fabrik… Sehr geehrter Bauer Willi, Mir ist dieser Tage dein Spruch in den Sinn gekommen, wo du immer sagst, „Wir Bauern können alles“. Wir Bauern können sogar Zuckerfabriken retten – man braucht uns nur nett darum zu bitten. Sagenhaft – isn´t it ? Ich habe es also geschafft. Die Agrana-Zuckerfabrik ist gerettet. https://www.noen.at/niederoesterreich/wirtschaft/agrana-leopoldsdorf-bauern-liefern-vereinbarte-38-000-hektar-ruebenflaeche-wien-leopoldsdorf-im-marchfelde-redaktionsfeed-agrana-zuckerrueben-stephan-pernkopf-redaktion-zuckerfabrik-232824626 Erleichterung, Aufatmen und Jubel allerorts. Und das obwohl: seitens der CEFS (Comité Européen des Fabricants de Sucre, European Association of Sugar Manufacturers, Verband der europäischen Zuckerindustie) kein Ohrläppchen bewegt wurde, um in irgendeiner Form Solidarität zu zeigen. Es hätte ja sein können, daß sich diese Organisation der noch nie dagewesenen Besonderheit annimmt, daß eine ganze Fabrik durch auftretende Schädlinge in einer Region womöglich eingestellt werden muß. Was wäre das doch für ein tolles Thema in der CEFS-Arbeitsgruppe  für Umweltangelegenheiten gewesen (Working group on environmental affairs; https://cefs.org/about-cefs/#organisation). seitens der Mutter Südzucker …

Man kann das auch anders sehen…

Wie würden Außerirdische reagieren, wenn sie sehen, wie eng die Menschen in ihren Wohnsilos zusammengepfercht sind? Was hat das Durchschnittsgewicht mit der Düngeverordnung zu tun? Und warum ist das Ehebett nicht 3 Meter breit? Diese und andere Vergleiche können die Diskussion um die Landwirtschaft erleichtern. Jürgen ist Landwirt, hat aber auch Theologie studiert. Und folglich kennt er sich aus mit Gleichnissen. Er hat ein paar Themen aus der Landwirtschaft in Gleichnisse übersetzt. So müssten es unsere Mitbürger eigentlich leichter verstehen.   Menschenrechtler Stellen wir uns mal vor es gäbe Außerirdische. Und diese Außerirdischen hätten vor 2000 Jahren die Erde besucht und die Spezies Mensch kennen gelernt. Wie sie damals lebte, in kleinen Sippen, im Familienverbund. Es wurde gejagt und gesammelt. Die Hauptaufgabe war sich um die grundlegendensten Dinge zu kümmern. Essen besorgen, Behausung, Kleidung und die Sorge um Familie und Sippe. Die Notdurft wurde hinter der Hütte im Wald verrichtet. Nun stellen wir uns vor, die gleichen Außerirdischen würden heute mitten in München oder Berlin landen und die Spezies Mensch sehen. Menschenmassen, stockwerkweise übereinander, vor …

USDA und Farm to fork

Das USDA  ist das amerikanische Landwirtschaftsministerium. Es hat sich über die europäische Strategie „Farm to Fork“ geäußert. Hier die Zusammenfassung https://www.ers.usda.gov/webdocs/publications/99741/eb-30_summary.pdf?v=542 Wer sich für die Details interessiert, hier unten die gesamte Publication. Es lohnt sich diesmal wirklich, die gesamte Dokumentation durchzuschauen, weil dort mittels unterschiedlicher Szenarien die Verschiebungen in den Produktionsmengen berechnet werden. Durch weniger Pflanzenschutz, mehr Flächen für Naturschutz und den höheren Anteil von Bio-Landwirtschaft gehen die Produktionsmengen zurück. https://www.ers.usda.gov/webdocs/publications/99741/eb-30.pdf?v=3947.9

Nur ein paar Zahlen…

Am 11.11.2020 wurde die Zahl von 90.000 freigegebenen Kommentaren auf dem Blog bauerwilli.com überschritten. Das ist nur möglich mit Menschen, die sich für die ausgewählten Themen interessieren, unterschiedliche Ansichten haben und diese auf meinem Blog austauschen. Dafür Danke, denn ich lerne so jeden Tag hinzu, kann mich selbst überprüfen und bekomme neue Anregungen für neue Themen und Artikel. Ich lerne neue Menschen kennen. Manche davon haben hier schon einen Gastartikel geschrieben. Ich konnte andere Menschen zusammenbringen, die sich auf dieser Plattform getroffen haben Das alles macht mir (meistens) sehr viel Freude. Darum mache ich noch eine Weile weiter. Und ihr sagt mir bitte rechtzeitig Bescheid, wenn ich aufhören soll. Euer Bauer Willi

Lieber Olaf Scholz…

Lieber Olaf Scholz, ich kann gar nicht ausdrücken, wie dankbar ich Ihnen für Ihren Text in der BamS bin! https://m.bild.de/politik/kolumnen/kolumne/us-wahlen-gast-kommentar-von-olaf-scholz-mehr-respekt-bitte-73822640,view=amp.bildMobile.html Dieses Zitat von Ihnen passt auch für Deutschland: „In den USA ist es gar nicht allein der Gegensatz zwischen Arm und Reich, der das Land spaltet. Es ist der immer stärker wachsende Gegensatz zwischen Großstadt-Bewohnern und der Landbevölkerung. Die Eliten an Ost- und Westküste nennen die ländlichen Staaten des mittleren Westens naserümpfend „Fly over States“, also Bundesstaaten, mit denen sie nichts zu tun haben wollen, über die sie nur hinwegfliegen.“ Und so schreiben Sie dann auch: „Auch bei uns in Deutschland ist zu beobachten, dass die Gesellschaft auseinanderläuft. Dass sich manche wie Bürgerinnen oder Bürger zweiter Klasse fühlen. Andere wiederum glauben, dass ein gelungenes Leben nur mit Studium und toller Altbauwohnung möglich sei“ Wir Leute auf dem Land, besonders wir Landwirte beobachten das jeden Tag. Und bekommen dies auch täglich zu spüren. Das ist nicht gut. Und Sie haben auch einen Vorschlag und schreiben: „Niemand sollte sich für etwas Besseres halten. Mitunter wird über großstädtische …