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Trotzreaktion

Mirjam Lechner ist Erzeugerberaterin bei der UEG Hohenlohe-Franken. Tierwohl ist ihr täglicher Job. Sie macht sich dabei so ihre Gedanken. Heute Morgen hat es mich schier zerrissen. Seit zwei Tagen bereite ich einen Vortrag für Landwirte vor, wie man Beschäftigungsmaterial für Schweine, also Raufutter gut und sinnvoll einsetzen kann. Konkret heißt dies derzeit, Tierhaltern die aktuell bei der Tierhaltung drauf legen (also rote Zahlen aufgrund der Preissituation schreiben) zu erklären, wie sie noch mehr Miese machen können, in dem sie Geld und Zeit für Tierschutz- und Tierwohlmaßnahmen ausgeben sollen: Was sie beides nicht übrig haben. Da meldet sich bei mir im Autoradio fröhlich die Werbungsstimme von REAL: „Nur bei uns! Und nur bei REAL!“ Frischer Schweinenacken für 4,99 Euro/kg und „Eingefrorene Lende für 5 Euro/kg“ Tierwohl gibt’s nicht im Sonderangebot und in der Schnäppchenabteilung. Landwirtschaft und Tierhaltung ist kein austauschbarer Sonderposten! Und diese Werbung kommt in dem Zeitraum wo sich Massen von Menschen in Berlin zusammen tun um gegen „Massentierhaltung“ (auch explizit Schwein) zu protestieren. Da zerreißt es nicht nur mich, sondern da zerlegt es …

Happy Birthday – 1 Jahr Bauer Willi

Genau vor einem Jahr, am 12. Januar 2015 bekam ich um 13:09 Uhr folgende EMail: Hallo Alois Habe eure Seite „Frag den Landwirt“ gesehen und finde die sehr gut. Da ich mich gerne aufrege, habe ich immer mal wieder Artikel zu der Thematik Landwirt und Gesellschaft geschrieben.  Zwei davon schicke ich dir zu. Vielleicht kannst du sie ja online stellen. Gerade der Brief an den (fiktiven) Nachbarn passt m.E. zu der derzeitigen Diskussion gut. Gruß 4 EMails später um 21:55 Uhr habe ich Willi’s ersten Artikel „Lieber Nachbar“ mit ein paar Bilder „aufgehübscht“ und ins Netz gestellt. Der Brief war brav. Dafür gab es viel Beifall. Eine Woche später, am 19.Januar 2015 haben wir den „Lieber Verbraucher“ veröffentlicht. Dafür gab es erstmal mächtig Gegenwind. Aber du warst der Meinung, „nur mit Gegenwind kann ein Flugzeug starten.“ Von da an war „Bauer Willi“ nicht mehr zu halten. So einfach begann unsere Zusammenarbeit. Erst am 6. Mai haben wir uns dann mal persönlich getroffen. Danke „lieber Willi“ für diese tolle „Blogger-Jahr“. Wenn es Dich nicht wirklich gäbe …

Sandra – der Jugend eine Chance

Sandra ist Landwirtin aus der Lüneburgerheide und schreibt ihre ganz persönlichen Gedanken zum Jahreswechsel. Das alte Jahr ist zu Ende, das Neue schreitet voran. 2015 ist vorbei und was bringt das Jahr 2016?  So abgedroschen das auch klingt, so abgedroschen sind für die Allermeisten diese und ähliche Sätze zum Jahreswechsel wie sie jedes Jahr wieder gemacht werden. Ich mache mir so meine Gedanken über das landwirtschaftliche Jahr 2016. Aber ich möchte hier absichtlich nicht über neue Verordnungen, Tierhaltung, Landtechnik, Preise, den Verbraucher, oder die Tierschützer reden. Ich möchte einmal über unseren landwirtschaftlichen Nachwuchs sprechen, denn der kommt meist viel zu kurz und ist doch unsere Zukunft. Wir haben in den letzten Monaten hier viel diskutiert und immer wieder festgestellt das wir Landwirte uns besser vernetzen sollten. Und das lernen wir doch von unserem Nachwuchs! Unsere Jugendlichen sind bestens miteinander quer durch die Republik vernetzt. Schon als Teenager mit 12 – 13 Jahren fangen sie an Kontakte zu knüpfen und zu pflegen, sich mit anderen auszutauschen. Für uns Erwachsene sind es oft nur bunte Bilder von Traktoren …

Deutschland, wie es isst …

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Oktober 2015 im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine repräsentative Befragung von 1.000 Bundesbürgerinnen und Bürgern ab 14 Jahre durchgeführt. Die Ergebnisse der Befragung zeigt der BMELErnährungsreport 2016: Deutschland, wie es isst. Download: http://docs.dpaq.de/10166-bmel_forsa_umfrage_broschuere_15_rz02.pdf Auf 30 Seiten sehr informativ und übersichtlich gemacht. Hier ein paar Eindrücke: [huge_it_gallery id=“27″] Bildquellen: BMEL-Ernährungsreport 2016 Was ist Eure Meinung zum Ernährungsreport?  

Der grüne Deal

Der folgende Text stammt aus der Feder von Sönke Hauschild vom Bauernverband Schleswig-Holstein. Wir finden ihn sehr lesenswert. 🙂 Weil der „Deal“ vielen deutschen Bauern aus dem Herzen spricht. Vielen Dank für die freundliche Genehmigung zum Abdruck im Blog. Herr Minister Habeck. Wir Bauern fühlen uns von der Politik verlassen. Deshalb machen wir ihnen einen Vorschlag zur Güte. Wir Bauern garantieren ab morgen  – 100 % Biolandwirtschaft,  – 100 % Tierwohl,  – 100 % Artenvielfalt in Schleswig-Holstein! Eine Bedingung: Sie stellen alle Landwirte ein – gerne zum Landesmindestlohn, wenn Ihnen unsere Arbeit nicht mehr wert ist. Das heißt 9,18 € die Stunde. Es heißt aber auch: 38,5 Stunden-Woche. Wochenendarbeit wird mit einem Aufschlag vergütet. Erntebedingte Überstunden werden, wie bei Behörden üblich, abgefeiert. 30 Tage Urlaub sind selbstverständlich. Die erforderlichen vielfältigen Sachkundenachweise werden wir im Rahmen eines Aus- und Weiterbildungsplanes gerne an attraktiven Seminarstandorten auffrischen. Unsere persönliche Weiterentwicklung können wir im Bildungsurlaub voranbringen. Darauf freuen wir uns! Ach, eine Frage haben wir an unseren neuen Chef: Welche Sachkunde haben Sie eigentlich? Wir werden dann auch ordentlich …

Steffi – Sturm im „sozialen“ Netz

Als Freundin von Hannes, dem Landwirt, durchlebte ich ein Jahr der gemischten Gefühle geprägt von Alpenrausch, Segelspaß, Tantenglück, Hausbaufreude, Hochzeitszauber (noch nicht unsere), Heimatliebe, PR-Stolz, positive Zeitungsartikelaufregung, die Welt verändern zu können, bis hin zur Fütterungssystemsstörungswut, Sozialem Netzwerke-Hass, Ferkelpreisverfalls-Verzweiflung. Einfach Machtlosigkeit und Lust auf volle Konfrontation mit allen Mitteln. Hierzu muss man wissen dass ich meinen eigenen beruflichen Weg in der Landwirtschaftsbranche gehe, aber Hannes bei seiner Öffentlichkeitsarbeit tatkräftig unterstütze und hinter ihm und seinem Betrieb stehe. Im Hochsommer fragte ich mich plötzlich: Was mache ich da eigentlich? Hinter wem oder was stehe ich? Nein, Du darfst nicht so denken! Macht Hannes auf seinem landwirtschaftlichen Betrieb wirklich alles richtig? Wilde, verwerfliche Gedanken die insbesondere von einer Ernüchterung zeugten – dem medialen Angriff von Tierschutzorganisationen wegen der Livecam aus dem Abferkelstall. Hannes und ich waren so motiviert, der Welt Hannes moderne Landwirtschaft mit Hilfe einer Homepage mit GoPro-Videos, mit Fotos und Livecam, in den  Sozialen Medien zu zeigen. Unsere Freitzeit ist dafür draufgegangen. Statt Freude über die Transparenz und der Offenheit eines landwirtschaftlichen Betriebes, schlug uns Hass …

Hannes – Übersatte Gesellschaft

Trefflicher könnte man unsere Gesellschaft nicht beschreiben: “übersatt” (bayerisch „rausg’fressn“). Damit ist nicht die wuchtige Beleibtheit gemeint, sondern eine elegante Wohlgenährtheit. Wohlgenährt mit “infinite food”*, “fast food”, “spiritual food”*, “schöner Essen”, “super Markt”. Nur teilweise bekannte Begriffe für eine sich immer weiterentwickelnde deutsche Esskultur: Schinkenbrötchen im Theater, Fleischklößchen in Möbelhäuser, Burger während des Shoppings, cooking events with friends, vegetarisch, vegan oder „ich renn noch schnell in den Supermarkt und hole dies und das weil ich gerade darauf Gelüste habe. Und wehe, das gewünschte Produkt steht nicht im Kühlregal.“ Unsere Gesellschaft definiert sich immer mehr über Essgewohnheiten, was eine Chance für uns als Landwirt sein könnte – Direktvermarktung! Damit sich die wohlhabende und trendige Gesellschaft diese Essgewohnheiten erlauben kann, stehe ich 365 Tage mit Leidenschaft im Stall. Ich schaue jeden Tag, dass alles passt, um hochwertige Lebensmittel erzeugen zu können. Leider wird das von den weiterverarbeitenden Betrieben sowie vom Groß- und Einzelhandel nicht wertgeschätzt. Das merkt man insbesondere bei der Ferkelerzeugung, meinem Betriebszweig. Wie gerne würde ich meinen Stall umbauen, um meinen Tieren noch mehr Wohlbefinden …

Franz – Die persönliche Agrarwende

Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber unsere Familie darf dankbar auf ein ereignisreiches, interessantes Jahr 2015 zurückblicken, das voller angenehmer Eindrücke und Veränderungen war. Doch 2016 wird uns noch mehr Freude machen. Denn unser Sohn hat sich entschieden unseren landwirtschaftlichen Betrieb weiterzuführen. Auf unserem Hof hat sich baulich vieles getan. Eine neue Maschinenhalle wurde fertiggestellt, der Hofraum asphaltiert und die 17 Jahre alte Hackschnitzelheizung gegen eine neue Anlage ausgetauscht. Diese Verbesserungen sind notwendig, denn nur mit einem ordentlich gepflegten und technisch aktuellen Bauernhof kann man einigermaßen entspannt in die Zukunft blicken. Solche Investitionen nimmt man aber nur auf sich, wenn auch jemand da ist, der den Betrieb in der nächsten Generation weiterführt. Da sind wir bei dem Punkt, der meine Frau und mich letztes Jahr am meisten berührt hat: Unser Sohn hat nach vierjähriger Tätigkeit als Mechatroniker seinen Arbeitsplatz gekündigt, und eine Ausbildung als Landwirt begonnen. Ihr glaubt gar nicht, was es für ein schönes Gefühl ist, wenn das, was wir in all den Jahren geschaffen haben, eine neue Perspektive bekommt. Denn …

Alex – Habt ihr in diesem Jahr…

… einmal so gelacht, dass euch die Tränen kamen? … in die Augen eines Tieres geschaut und darin die Welt gesehen? … eure Lieben im Arm gehalten und einfach nur ihre Nähe gespürt? … etwas erlebt, dass euch vor Glück sprachlos gemacht hat? … etwas bis weit über eure Grenzen geleistet und beim Anblick des Ergebnisses alle Mühen vergessen? … vor gedecktem Tisch gesessen und dafür Dankbarkeit empfunden? … verzweifelt auf etwas gehofft und es am Ende auch bekommen? … mit der Sonne im Gesicht in der Natur die Zeit vergessen? … eine Idee gehabt, die euch so begeistert hat, dass ihr vor Aufregung nicht schlafen konntet?   Habt ihr in diesem Jahr gelebt und nicht nur funktioniert?   Ich wünsche allen Lesern im neuen Jahr Gesundheit, schöne Zeiten und reiche Ernten. Sorgt gut für euch selbst, damit ihr für andere sorgen könnt.   Eure Alex

Uli – Neujahrswünsche eines Verbrauchers

Von den Handelsketten wünsche ich mir: daß sie ihr Sortiment auch an solch exotische Verbraucher wie mich anpassen. Bio ist mir nicht wichtig, ich befürworte verantwortungsvollen Pflanzenschutz. Wichtig ist mir das Tierwohl und ich möchte Fleisch aus artgerechterer Haltung kaufen können. Vom „Bauer-Willi-Blog“ wünsche ich mir: daß es mehr Videos vom Feld gibt, bei denen ich immer viel lerne. Auch von den Interviews könnte es gerne mehr geben. Ich verstehe ja, daß man bei Facebook jeden Tag eine Sau durchs Dorf treiben muß um die „Likes“ zu bekommen, aber muß es immer die gleiche Sau sein? Die Nachricht, daß die Bauern mehr Geld und Anerkennung wollen, wirkt nach dem 50zigsten mal halt doch wie Jammern. Von den Bauern wünsche ich mir: Hohe Qualität, die ich an ehrlichen Marken erkennen kann. Besonders den Milchbauern wünsche ich die geschützte Marke „Heumilch“, wie es sie in Österreich gibt und die den dortigen Bauern ein höheres Einkommen durch höhere Qualität ermöglicht. Euer Verbraucher Uli