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Palla – Altes und Neues Jahr

Die Zeit zwischen den Jahren ist die Zeit der Jahresrückblicke und der guten Wünsche fürs nächste Jahr. Ich möchte nun nicht mehr zurückschauen. Es war ein schwieriges Jahr, aber es liegt hinter uns. Natürlich wandern die Gedanken noch oft zu den Kühen, aber nur kurz. In schwierigen Situationen merkt man verstärkt, wie wichtig die Menschen sind, die einen begleiten. Zwischenmenschlich ist es in belastenden Lebenssituationen häufig nicht einfach, aber ich danke nun von Herzen für unsere Großfamilie und unsere Freunde, die uns so oft mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind. Vielen Dank an Bauer Willi und Alois, die mich eines Tages fragten, wie es uns als Milchbauern denn so geht. Das brachte mich dazu, die ganzen Dinge aufzuschreiben, und das hat gut getan. Ich kann das nur weiterempfehlen. Meine Wünsche für das neue Jahr nicht nur für uns selbst sondern auch für die ganze Landwirtschaftsbranche habe ich zufällig in meiner Weihnachtspost entdeckt: Ein bisschen mehr Frieden und weniger Streit Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass Ein …

Michael – die Zukunft als Landwirt in Hohenlohe

Michael Reber ist Landwirt in Hohenlohe. Er sucht eigene Wege für sich, seine Familie und seinen Betrieb. Damit auch andere an seinen Gedanken und an seinem Suchen teilhaben können, hat er begonnen zu bloggen. Hier sind seine Gedanken zur Jahreswende. Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu. Zeit, inne zu halten und aus den Lehren des Jahres die Vorsätze für 2016 zu bauen. Ein Jahr, das für die Landwirtschaft in Hohenlohe prägend sein wird: Jahrhundert-Trockenheit – Tiefstpreise für Ferkel – Nicht-kostendeckende Erlöse in Ackerbau, Schweinemast und Milchviehhaltung. Je länger diese Situation 2016 anhalten wird, desto einschneidender sind die Veränderungen für die Region. Betriebe werden die Stall- und Hoftüren für immer schliessen, die finanzielle Situation zermürbt die Familien. Wer trägt die Schuld daran? Politik, Bauernverband, Beratung oder auch wir Bauern selbst? Meiner persönlichen Einschätzung, aber auch meiner persönlichen Erfahrung auf meinem Betrieb nach tragen wir Bauern zu allererst selbst die Schuld. Auch wenn diese Erkenntnis weh tut! Wir glauben Politik und Beratung, dass die Zukunft im Export liegt und die globalen Märkte auf unsere (austauschbaren) …

Alois – Weitreichende Entscheidung

Ob eine Entscheidung gut oder schlecht war, erkennt man oft erst Jahre später. Das Jahr 2015 erlöste mich von manchen Zweifeln. Dafür bin ich sehr dankbar. So wie Palla, entschied ich mich schon vor 20 Jahren die Milchviehhaltung aufzugeben. Mehr noch – ich extensivierte anstatt zu wachsen: Ich stellte auf Bio um und habe fast alle Pachtflächen abgegeben. Obendrein baute ich meinen alten Stall zu Gewerberäumen um, was jahrelang eine Haupteinnahmequelle des Betriebes war. Als jedoch vor 2 Jahren mein Mieter auszog, ließ sich das Loch nicht so einfach stopfen. In der Folge zweifelte ich oft an meiner eigenen Entscheidung von damals. Im Januar dieses Jahres erschien ein Altenpfleger und interessierte sich für die Gewerberäume. In den folgenden Monaten reifte in unseren Köpfen das Projekt „Tagespflege für Senioren auf dem Bauernhof“. So ganz einfach war dies zwar auch nicht mit all den Formalien und Vorschriften. Doch wo eine starke Idee und begeisterte Menschen sind, da bahnt sich auch ein Weg. Im Mai erfolgten dann die Unterschriften unter die Verträge, gefolgt vom Umbau-Start im Juli. Nach …

Droht Deutschland eine Hungersnot?

Wenn am 24.12.2015 um 14 Uhr alle Geschäfte schließen, dann könnte für manche eine ungeahnte Notzeit anbrechen. Denn es können dann fast 90 Stunden lang keine Lebensmittel mehr gekauft werden. Ist der Verbraucher auf diese extrem lange Unterbrechung der Lebensmittelversorgung vorbereitet? Damit Sie, liebe Mitbürger, keine Notzeit erleben müssen haben wir Tipps: Legen Sie rechtzeitig Vorräte an. Hilfestellung (PDF-Broschüre) gibt Ihnen das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe Recherchieren Sie jetzt schon wo sich ihr nächstgelegener Landwirt befindet. Notieren Sie sicherheitshalber seine Telefonnummer. 😉 Insbesondere Hofläden mit 24-Stunden Milchtankstelle und Direktvermarktungsautomaten (Regiomat) https://youtu.be/I2DHfCDYAi8 Tipp: Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen. 😉 Ihre Landwirte waren das ganze Jahr fleissig und haben eine gute Ernte eingebracht. Und die Tierhalter kümmern sich auch über die Feiertage um das liebe Vieh. Machen Sie sich keine Sorgen. Genießen Sie Ihre Feiertage. Bauer Willi und Alois

Der Kuhstall ist leer! – Es ist vorbei!

von Palla Nun haben wir unsere Entscheidung mit dem Milchvieh aufzuhören in die Tat umgesetzt und unser Kuhstall ist leer – gähnend leer! Es ist vorbei! Gibt es damit nun weniger Kühe und damit weniger Milch auf dem Markt und bald einen kostendeckenden Milchpreis? Wie geht es den Kühen? Was bedeutet die Aufgabe unseres Milchviehbetriebes für den Markt, unser Umfeld und was eigentlich für uns persönlich? – für den Milchviehbestand in Deutschland: Nichts, denn wir haben so gut wie all unsere Kühe an einen größeren, moderneren Betrieb verkauft. Unser Ziel war, die Kuhherde möglichst als Ganzes zu verkaufen und es war kein leichtes Unterfangen einen geeigneten Betrieb zu finden. Ich bin sehr froh darüber, dass wir nicht gezwungen waren die Kühe schnell loszuwerden. – für die Milchmenge in Deutschland, bzw. die Entwicklung des Milchpreises: Nichts, denn der neue Betrieb hat ein ähnliches Milchleistungsniveau wie wir und lässt die Milch ganz herkömmlich von einer Molkerei abholen. – für unsere Kühe: Sie leben nun in einem nach aktuellen Erkenntnissen gebauten Stallgebäude, das nicht nur weitaus größer, sondern …

Ich beneide euch so…

Palla aus dem Alpenvorland  trennt sich gerade von ihrem Milchvieh. Es ist ihr und ihrer Familie nicht leicht gefallen. Was sie aber nachdenklich macht, ist ihr Gespräch mit einer Nachbarin. Ein Einblick in eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht. Vielleicht auch, weil sich der oder die andere wiedererkennt…?   Neulich traf ich eine Milchbäuerin aus unserer Gegend und das erste was sie sagte war:  “Ich beneide Euch so, dass ihr den Entschluss gefasst, habt mit dem Milchvieh aufzuhören“. Ich war erstaunt über diese Aussage, weil unsere Entscheidung, mit den Kühen aufzuhören, bisher bei Berufkollegen eher auf Unverständnis gestoßen war und hakte nach. Was nun kam, war ein Bericht über ihr Leben als Ehefrau eines überzeugten Milchviehhalters: Sie kommt ursprünglich, wie heute viele Partnerinnen von Landwirten nicht aus der Landwirtschaft und hatte sich vor Jahren in einen Landwirt verliebt und sich von seiner Begeisterung für seinen Beruf anstecken lassen. Nachdem ein tierhaltender Landwirt ja auch stets in der Nähe seiner Tiere sein muss, hatte sie sich nach kurzer Zeit entschlossen zu ihm auf den Betrieb …

Knusper, Knusper, Knäuschen…

wer spritzt da an dem Häuschen… Ich bewirtschafte eine idyllische Bergwiese. Sie liegt auf ca. 1000 Meter Höhe am Grünten im Allgäu. Am oberen Rand steht diese wunderschöne Hütte (siehe Bild).  Die Hüttenbesitzer halfen uns früher oft beim Heumachen auf der „Schwandenwiese“. Mit den heutigen Maschinen ist das zwar nicht mehr notwendig, aber wir pflegen immer noch freundschaftlichen Verbindungen mit ihnen. Anfang Juni mähte ich die Bergwiese bei herrlichstem Sommerwetter. Ich komme also früh am Vormittag zum Heuwenden mit meinem Traktor zur Hütte rauf. Da sehe ich die rüstige Besitzerin mit einer Rückenspritze auf der rund 20 Quadratmeter großen  Natursteinterrasse stehen. „Nanu“, denke ich, „was macht denn die gute Frau dort“ und halte an. Ich gehe zu ihr hin und sehe auf dem Boden neben ihr eine 1-Liter-Flasche Roundup. Ich frage sie, was sie denn da macht? Sie lacht freudig und sagt, „Unkraut von den Steinplatten putzen!“ Ich zeige auf die Dose Roundup und frage sie nochmals, „mit dem Mittel da?“ Wieder lächelt sie mich an. „Das mach ich schon immer damit. Das Mittel ist gut. Ich muss da …

Was sich liebt…

Jeder kennt das: Kommentarschreiber in Facebook oder in einem Blog geraten unversöhnlich aneinander. Dann ist es nicht mehr weit zu persönlichen Beleidigungen und am Ende kann der Administrator nur noch drohen, löschen oder sperren. Doch setzt man sich mit einem Kontrahenten alleine auseinander, ist von solchen Aggressionen keine Spur mehr. Sogar das Gegenteil ist oft der Fall: Freundlich und engagiert erfährt man so manche wertvolle Erkenntnis von einem vermeintlichen „Streithansel“. Warum aber reagieren dann diese Kommentarschreiber so aggressiv? Wohl deshalb, weil sie ihre Arbeit, ihren Hof und „ihr Ding“ so innig lieben. Weil sie von dem was sie tun und wie sie es tun, hochgradig überzeugt sind. Sie lieben ihre tägliche Arbeit sogar so sehr, dass sie meinen, sie müssten den Andersdenkenden vor einem vermeintlichen Schaden bewahren. Und dass der eintreten könnte, weiß halt nun nur ein wirklicher „Überzeugungstäter“. Was man so sehr liebt, will man auch auf keinen Fall verlieren. Ergo kommt sofort Verlustangst dazu, wenn ein anderer mit einem Argument daher kommt, das einem das Gefühl vermittelt, eventuell selbst auf dem Holzweg zu …

Bauer sucht Technik

Gedanken eines Allgäuer Bio-Bauern zur Technisierung der Landwirtschaft Viele Mitbürger schütteln heutzutage den Kopf, wenn sie große Maschinen auf den Feldern oder auf den Straßen sehen. Manche spotten gar darüber, dass Bauern einerseits teure Schlepper fahren und andererseits jammernd nach dem Staat rufen. Doch dass ausgerechnet diese moderne Technik unserer Gesellschaft Wohlstand und dem Verbraucher seine geliebten Schnäppchen ermöglichen – auf diesen Zusammenhang kommen die Wenigsten. Produktiver arbeiten bedeutet eine höhere Leistung pro Zeiteinheit. Wenn früher mit der Sense maximal ein Tagwerk (3300 m2) an einem ganzen Tag gemäht werden konnte, dann schafft man das als Bauer heute mit entsprechender Mechanisierung in wenigen Minuten. Doch diese Mechanisierung hat auch ihren Preis:  Die Landwirtschaft gehört mittlerweile mit zu den kapitalintensivsten Branchen überhaupt. Mit 465.100 Euro Kapitalbedarf je Arbeitsplatz* ist die Landwirtschaft inzwischen Spitzenreiter. Bei der Industrie zum Beispiel fällt die Kapitalintensität mit 235.900 Euro je Erwerbstätigen* deutlich niedriger aus. Im Handel sind es sogar nur 120.600 Euro und im Baugewerbe lediglich 38.500 Euro. *Quelle: BV-Situationsbericht 2014/15 Die Technisierung der Landwirtschaft bedeutete auch einen Rückgang der in der Landwirtschaft Beschäftigten. Und …

Sind Sie ein Cyberchonder?

Die WHO hat mit Ihrer „Krebswarnung“ von Wurstprodukten ein riesiges Echo in der Öffentlichkeit ausgelöst. Selbstbewusste Menschen wird dieses #Wurstgate vielleicht nachdenklich machen – aber mehr nicht. Doch es gibt sehr viele Menschen, die beim Wort „krebserregend“ sofort Ängste spüren. Man nennt sie im Fachjagon „Hypochonder“.  Ein Hypochonder meint krank zu sein, obwohl er es nicht ist. Cyberchondrie ist dann die internetbasierte Form, wo Informationen aus dem Internet die Ängste auslösen oder verstärken.  So wie diese pauschale Krebswarnung vor Wurst. Viele Medien und Interessensgruppen instrumentalisieren das Thema sehr emotional. Ob nun hier die Wurst, anderswo Pflanzenschutzmittel oder schließlich auch Arzneimittel: Immer wirken emotional aufbereitete Botschaften verstärkend auf die Ängste der Menschen, die kein so dickes Fell haben. Nicht jeder kann und will auch die Studien nicht im einzelnen studieren. Selbst wenn es später relativiert wird, so bleibt doch der Eindruck, „dass da ja schon was dran sein muss“. Nun kann man sich fragen, ob diese Ängste bewusst geschürt werden?  Ängstliche Menschen lassen sich nämlich leichter manipulieren. Das wäre unverantwortlich gegenüber den Menschen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, …