Alois
Kommentare 8

Sind Sie ein Cyberchonder?

Die WHO hat mit Ihrer „Krebswarnung“ von Wurstprodukten ein riesiges Echo in der Öffentlichkeit ausgelöst. Selbstbewusste Menschen wird dieses #Wurstgate vielleicht nachdenklich machen – aber mehr nicht.

Doch es gibt sehr viele Menschen, die beim Wort „krebserregend“ sofort Ängste spüren. Man nennt sie im Fachjagon „Hypochonder“.  Ein Hypochonder meint krank zu sein, obwohl er es nicht ist. Cyberchondrie ist dann die internetbasierte Form, wo Informationen aus dem Internet die Ängste auslösen oder verstärken.  So wie diese pauschale Krebswarnung vor Wurst.

Viele Medien und Interessensgruppen instrumentalisieren das Thema sehr emotional. Ob nun hier die Wurst, anderswo Pflanzenschutzmittel oder schließlich auch Arzneimittel: Immer wirken emotional aufbereitete Botschaften verstärkend auf die Ängste der Menschen, die kein so dickes Fell haben. Nicht jeder kann und will auch die Studien nicht im einzelnen studieren. Selbst wenn es später relativiert wird, so bleibt doch der Eindruck, „dass da ja schon was dran sein muss“.

Nun kann man sich fragen, ob diese Ängste bewusst geschürt werden?  Ängstliche Menschen lassen sich nämlich leichter manipulieren. Das wäre unverantwortlich gegenüber den Menschen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, kein eigenes Urteil erlauben können. Man schätzt, dass bereits 7% aller Erwachsenen in Deutschland mit ausgeprägten Krankheitsängsten leben. Das sind allein in München beispielsweise 80.000 Menschen.

Es ist gut, wenn unabhängige Behörden mit großem Stab an Wissenschaftlern mögliche Gefahren für die Gesundheit aufklären. Aufgabe der Medien wäre es, über diese nüchtern zu berichten und sie vor allem in einen Kontext zu stellen, aus dem hervorgeht, wie groß die „Gefahr“ tatsächlich ist. Wenn es aber mit derartigen „Wurst-Warnungen“ so weiter geht, dann brauchen wir uns nicht  darüber beschweren ,wenn die Zahl der „Cyberchonder“ stetig steigt.

http://www.merkur.de/leben/gesundheit/hypochondrie-fakten-erkrankung-experte-sagt-meta-4779291.html

 

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8 Kommentare

  1. Palla sagt

    „German Angst“: es wäre interessant zu wissen woher dieses anscheinend typisch deutsche Gefühl kommt. Warum gibt es nicht z.B. „German Zufriedenheit“?

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  2. Schweinebauer Piet sagt

    Im Studium habe ich den Glauben verbreitet, dass Dosenbier schlau macht. Da haben dann so einige mitgetrunken. Dann kam der Dosenpfand.

    Ob da wohl die Politik Angst hatte, dass die Bevölkerung zu schlau wird??

    Wir haben das Studium dann aber noch geschafft.

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    • Bauer Christian sagt

      ja Piet, man muss es nur glaubhaft vermitteln. und gr. Institutionen (Firmen, Vereine etc.) tun sich da leichter als kleinere, da viel zu wenig hinterfragt wird.
      Alle kochen nur mit Wasser, und wenn man manchmal genauer hinerfragt, dann sieht man, dass die Statistik und Marketingabteilung perfekte Arbeit geleistet haben.

      Übrigens: mit Angst macht man immer Geld oder Gewinnt wahlen. Egal was die Fakten sagten. Leider.

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  3. Dieses negative, Ängste weckende fällt mir auch immer mehr auf. Zumal es immer diese diffusen Dinge sind, die man als Ottonormalmensch weder sieht, noch wirklich nachvollziehen kann und das Allgemeinwissen wenn überhaupt nur ganz rudimentäre Aspekte davon beinhaltet. Und wenn man sich dann hinsetzt und eine Suchmaschine bemüht, muss man auch gut filtern können – zuerst kommen meist die neuesten Horrormeldungen und dann irgendwann neutrale, brauchbare Info. Leider.

    @bauerhans: Werbung basiert ja auf positiven Emotionen, das finde ich dann nochmal einen gewaltigen Unterschied.

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