Alle Artikel in: Allgemein

Perspektive wechseln – Urlaub in der Stadt

Wir Landwirte beschäftigen uns viel mit dem Thema wie wir der Stadtbevölkerung die Produktion von Grundnahrungsmitteln und nicht zuletzt unser Leben auf dem Betrieb wieder nahe bringen können. Es gibt viel Unverständnis in unseren Reihen dafür, wie weit sich der Stadtmensch mittlerweile in seiner Lebensweise von uns entfernt hat und wir erwarten doch alle irgendwie, dass sich Herr und Frau Stadtmensch endlich wieder mit uns beschäftigen. Aber möglichst unkritisch natürlich! Wir bieten mit großem Engagement „Urlaub auf dem Bauernhof“ an oder öffnen unsere Hoftore über Webcams oder Hoffeste und zeigen was wir für zeigenswert halten. Tolle Sache, aber habt ihr euch schon mal gefragt, wie eigentlich die Sichtweise eines Stadtmenschen aussieht von dem wir so gerne verstanden und akzeptiert werden wollen? Hand aufs Herz, wer von uns Landwirten hat schon mal Urlaub in einer Großstadt gemacht? Wer hat bewusst versucht einen Eindruck davon zu bekommen welche Dinge für einen Stadtmenschen wichtig sind und wie dessen Alltag aussieht? Habt ihr schon mal einen Perspektivwechsel gemacht? Mein Mann und ich haben vor einiger Zeit mal bewusst ein …

Forsa Umfrage: Meinungen und Einstellungen der Bürger zur Milchwirtschaft in Deutschland

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der Initiative Dialog Milch im November 2015 eine repräsentative Umfrage unter 1001 deutschen Bürgern durchgeführt. Ziel war herauszufinden welches Bild sie von der Milchwirtschaft haben, welches Vertrauen sie der Branche entgegen bringen und welche Erwartungen sie bezüglich ihrer künftigen Entwicklung und Positionierung am Markt haben. Um es vorweg zu sagen: Es besteht offensichtlich ein großes Informationsdefizit, aber auch eine hohe Wertschätzung von Milch und Milchprodukten. Im Folgenden einige Widersprüchlichkeiten und einige bemerkenswerte Punkte aus der Auswertung der Umfrage: Es besteht eine hohe Wertschätzung von Landwirtschaft und Milchwirtschaft, aber ein Viertel der Befragten war noch nie auf einem Milchviehbetrieb. Milch und Milchprodukte haben einen hohen Stellenwert in der alltäglichen Ernährung Für 65 % der Befragten ist ein Marken- bzw. Herstellerprodukt entscheidender als der Preis Ein Drittel der Befragten bevorzugt Milch / Milchprodukte aus biologischer Herstellung Weniger als die Hälfte aller Deutschen wissen in etwa, was ein Liter Milch ungefähr kostet Nur ein Viertel aller Deutschen hat eine korrekte Vorstellung vom Milchauszahlungspreis für   deutsche Landwirte, obwohl 81 % der Befragten von …

Eigene Macht und Verantwortung

Gestern abend* habe ich nun Elke Pelz-Thaller, die „Mentalbäuerin“ selbst live erlebt. Und meine hohen Erwartungen wurden sogar noch übertroffen. Ihre Bühnenpräsenz ist enorm. Mehrmals verlässt sie das Podium und streift wie ein lauernder Jaguar durch den Saal, schnappt sich mehr oder weniger freiwillige „Sparringspartner“ mitten aus dem Publikum, provoziert und gestikuliert mit diesen „auf Augenhöhe“ und führt damit die menschlichen Verhaltensmuster quasi im Affekt vor. Sie zieht somit Zuschauer magisch in ihren Bann, setzt ihnen damit aber auch die an sich schwierigen Themen unausweichlich vor die Nase. Humorvoll sind ihre Dialoge, aber trotzdem tiefgründig die Botschaften dahinter. Es ist also nicht nur Show. Man spürt das authentische Engagement und die herzliche Empathie für ihre Bäuerinnen und Bauern. „Wer kann etwas ändern, wenn nicht Du selbst!“ Ist die eindringliche Botschaft dem Jammertal zu entsagen und selbst Verantwortung zu übernehmen. Dass das Überleben der Betriebe keinesfalls nur von Wachstum und Weltmarkt abhängt, sondern auch vom Umgang mit sich selbst und der Familie. Diese eigene Macht und Verantwortung zu erkennen, sie auszuüben und sich die kommunikativen Fähigkeiten …

Ist moderne Landwirtschaft böse?

Sehr erstaunlich was sich unsere österreichischen Nachbarn beim Ökosozialen Forum trauen: Darüber zu diskutieren, ob moderne Landwirtschaft böse ist? http://www.oekonews.at/index.php?npf_cache=update&mdoc_id=1105035                   Sogar die kontroverse Diskussion war ausdrücklich erwünscht. Ich frage mich, ob sowas in Deutschland auch möglich ist? Alois

Verbraucherin: Schnauze voll

Diese „Ode an die Bauern“ hat uns eine Verbraucherin geschickt. Ihr Bauern spannt lang schon kein Rösslein mehr an Wie schade, so ländlich, ein Pferdegespann! Stattdessen fahrt ihr mit neuem Trecker, Schmutz verteilend durch’s Dorf auf die Äcker Euer Schweinestall stinkt, eure Maisernte stört Den Lärm, Tag und Nacht, find’ ich unerhört! Nie Vieh auf der Weide, nur im Stall eingesperrt Euer Bild ist kein Stück durch die Medien „verzerrt“! Ihr sprüht Pestizide aufs Feld in mein Essen Sagt nicht, das stimmt nicht – das kann man messen! Kommt Kontra von euch – wie könnt ihr es wagen? Ich darf doch wohl meine Meinung noch sagen! Ihr Bauern, ihr jammert nur über die Preise Euch geht’s doch gut, in jeglicher Weise! Bauer zu sein soll sich, laut euch, nicht mehr lohnen? Ihr lebt, kauft Mercedes von Subventionen! Ich möchte kein Gentech, Laktose, Glut-en Wie ihr das hinkriegt, das müsst ihr halt seh’n Nur bestes Essen kommt bei mir auf den Herd Erzählt ihr mir bloß nicht, wie man sich ernährt! Für mich zählt beim Essen nur Qualität …

Alles richtig gemacht…*

Heinrich war beim Arzt. Der hatte ihn jetzt an einen Psychotherapeuten überwiesen. Er spürte es mittlerweile selbst, dass sein „Kopfkino“ den immer gleichen Film abspulte: Seine Kindheit auf dem Hof, seine Freude an der Arbeit, seine „Bärenkräfte“, die Landwirtschaftsschule und die Meisterausbildung. Wie stolz auch seine Eltern waren als er heiratete und der „Stammhalter“ zur Welt kam. Dann die Hofübernahme. Mann oh Mann, hatte er sich damals stolz gefühlt. Endlich der Bauer zu sein, endlich das Sagen zu haben. Und wie er anpackte. So wie er es in der Landwirtschaftsschule gelernt hatte. Wachsen oder Weichen? Für ihn war das keine Frage, sondern ein Auftrag, den er von seinen Eltern und Vorfahren angenommen hatte. Er wollte es allen zeigen. Er baute als erster im Dorf den neuen Laufstall. Die Rechnung ging auf. Nacheinander gaben in der Nachbarschaft mehrere Betriebe die Landwirtschaft auf. Sie waren froh, dass er Flächen und Milchquote pachtete. Obwohl er nur zähneknirschend für die Milchquote etwas zahlen wollte. Denn wenn er ein bisschen rechnete, dann verdienten diese „Sofamelker“ sehr gut an ihm. Doch …

„Hilf dir selbst…

…dann hilft Dir Gott.“  So die Erkenntnis des Milchpolitischen Frühschoppen des Milchindustrieverband (MIV) während der Grünen Woche in Berlin. Der Titel der Veranstaltung: „Wer hilft den Milchbauern?“ Auch wenn die Redner es blumig umschrieben haben: helfen wird den Milchbauern keiner. Nicht die EU, nicht die Bundesregierung, nicht die Molkereien, nicht der Lebensmitteleinzelhandel und erst recht nicht der Verbraucher. Und Charles Darwin wird wohl recht behalten mit seiner Erkenntnis „Survival of the fittest“ (Der Fitteste wird überleben). Und das muss nicht unbedingt der Größere oder der Stärkere sein, sondern der, der sich gut und schnell anpassen kann… Vorschläge zur Anpassung wurden genannt (im Video aber nur kurz beleuchtet) aber sie fanden kaum Resonanz. Meine persönliche Erkenntnis: Die Molkerei-Branche steht zur Zeit ziemlich ratlos da. Und auch für sie gilt der Spruch von Darwin. https://www.facebook.com/video.php?v=1671353196470927 http://www.milchindustrie.de/aktuelles/videos/ Danke an den MIV für das Video Produzent: www.stories-unlimited.de

Hört auf zu jammern! Angelt lieber!

Folgenden Appell hat Thies geschrieben. Er ist Landwirtssohn aus Nordniedersachsen, hat aber das Pech gehabt, dass sich sein Bruder bei der Geburt vorgedrängelt hat. 🙂 So hat er  Landwirtschaft studiert und hat derzeit eine Trainee-Stelle. Am vergangenen Donnerstag hat er seinen 26. Geburtstag gefeiert. Nachträglich noch herzlichen Glückwunsch. Auch zu diesem aufmunternden Brief. Die jetzige Situation ist für einige Betriebe existenzgefährdend. Das Problem ist allerdings, dass schon seit Jahrzehnten unsere Botschaft an die Gesellschaft war, dass es gerade sehr schlecht ist. Wie glaubhaft klingt es dann zu sagen: „Jetzt geht es uns aber tatsächlich richtig schlecht.“ Der Verbraucher soll das erfahren, aber er will es gar nicht wissen. Nur weil ein Kind Spinat essen muss, ändert das nichts daran, dass es aber keinen Spinat essen will. Zu sagen, wie schlecht es einem geht ist keine Öffentlichkeitsarbeit und erst recht kein Marketing. Würdet ihr bei einem Landhändler einkaufen, der dauernd bettelt: „Kaufe bitte zu einem höheren Preis bei mir, weil es mir wirtschaftlich so schlecht geht?“ Da rechnet man doch eher mit der baldigen Insolvenz und schaut …

Milchvermarktung aus der Sicht einer Bäuerin – ein gescheiterter Versuch

Der Hauptgrund, warum wir die Milchviehhaltung aufgegeben haben, war ohne Frage der schlechte Milchpreis. Wir wollten aber schon vor Jahren das bestehende Milchablieferungssystem so nicht akzeptieren und wollten etwas ändern. Leider ohne wirklichen Erfolg! Wir hatten früher, wie allgemein üblich, einen Vertrag mit der nächstgelegenen Molkerei, die sich damit verpflichtete die gesamte Milchmenge abzunehmen. Im Gegenzug mussten wir der Molkerei unsere gesamte Milch, soweit sie nicht auf dem Hof benötigt wurde, dieser Molkerei zur Verfügung stellen. Das nennt man Andienungspflicht. Zudem wurden wir über leider unverzinste Geschäftsanteile an der Molkerei beteiligt. Preisvereinbarungen gab es keine, es war lediglich vom jeweils gültigen Auszahlungspreis zum frühestmöglichen Zeitpunkt die Rede. Als Kündigungsfrist waren 18 Monate zum Jahresende vorgesehen. Die Milch wurde also abgeholt und alles andere bestimmte die Molkerei. Vor ein paar Jahren waren wir so unzufrieden mit dem niedrigen Auszahlungspreis und unserer schwachen Position gegenüber der Molkerei, dass wir den Vertrag gekündigt haben und diese lange Kündigungszeit auf uns genommen haben. Wir sind zum Glück in einer Region, in der noch eine Vielzahl von Molkereien als mögliche …

Weißes Wasser

Neulich war ich beim Netto. Das ist aus verschiedenen Gründen nicht so mein Laden, aber es ist die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit. Also geht man da halt auch mal hin. Ich habe zufällig eine Frau beobachtet, die aus dem Regal bei den verschiedenen H-Milchsorten mehrere Milchpackungen herausnahm. Nun bin ich ja ein neugieriger Mensch und habe genauer hingeschaut. Es war H-Milch der Marke „Leichter Genuss“ mit höchstens 0,3% Fett für 55 Cent/Liter und sogar mit dem goldenen Preis der DLG ausgezeichnet. Ein Woche zuvor hatte sich bereits eine Freundin beim gemeinsamen Kaffeetrinken (Ich habe ja jetzt – ohne Kühe- mehr Zeit!) darüber aufgeregt, dass sie beim Milcheinkauf nicht ganz genau hingesehen hatte und nun eine „Frühstücksmilch“ mit 0,7% Fettgehalt erwischt hatte. Ja geht´s noch? Jetzt haben wir schon zuviel Milch auf dem Markt und baden-württembergische, bzw. bayrische Molkereien verkaufen sie als weißes Wasser? So werden wir die Milch niemals los! Wobei, ist das weiße Wasser überhaupt noch weiß, wenn die Fett-Tröpfchen nicht mehr drin sind? Schmeckt das dann noch nach irgendwas? Ich konnte mich ehrlich nicht überwinden …