Palla
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Forsa Umfrage: Meinungen und Einstellungen der Bürger zur Milchwirtschaft in Deutschland

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der Initiative Dialog Milch im November 2015 eine repräsentative Umfrage unter 1001 deutschen Bürgern durchgeführt. Ziel war herauszufinden welches Bild sie von der Milchwirtschaft haben, welches Vertrauen sie der Branche entgegen bringen und welche Erwartungen sie bezüglich ihrer künftigen Entwicklung und Positionierung am Markt haben. Um es vorweg zu sagen: Es besteht offensichtlich ein großes Informationsdefizit, aber auch eine hohe Wertschätzung von Milch und Milchprodukten. Im Folgenden einige Widersprüchlichkeiten und einige bemerkenswerte Punkte aus der Auswertung der Umfrage:

  • Es besteht eine hohe Wertschätzung von Landwirtschaft und Milchwirtschaft, aber ein Viertel der Befragten war noch nie auf einem Milchviehbetrieb.
  • Milch und Milchprodukte haben einen hohen Stellenwert in der alltäglichen Ernährung
  • Für 65 % der Befragten ist ein Marken- bzw. Herstellerprodukt entscheidender als der Preis
  • Ein Drittel der Befragten bevorzugt Milch / Milchprodukte aus biologischer Herstellung
  • Weniger als die Hälfte aller Deutschen wissen in etwa, was ein Liter Milch ungefähr kostet
  • Nur ein Viertel aller Deutschen hat eine korrekte Vorstellung vom Milchauszahlungspreis für   deutsche Landwirte, obwohl 81 % der Befragten von den Protesten der Milchbauern gehört haben und 70 % wissen, dass sie mit sinkenden Milchpreisen zu tun haben.
  • 92% der Befragten haben Verständnis für die Proteste der Milchbauern!
  • 70% aller Befragten sind überzeugt davon, dass die Landwirtschaft ein Bewusstsein für mehr Nachhaltigkeit hat, zugleich glaubt aber nur die Hälfte der Befragten, dass sich die Milchwirtschaft stark für das Wohlergehen der Kühe in modernen Milchviehbetrieben einsetzt.
  • Es besteht große Skepsis bezüglich der Export-Orientierung der deutschen Milchwirtschaft, 60 % meinen sogar die deutsche Milchwirtschaft könne am Weltmarkt nicht mithalten und haben die Befürchtung, dass die Export-Orientierung zu Lasten der Nachhaltigkeit geht
  • Mehr als zwei Drittel (73%) haben Zweifel daran, dass die Milchindustrie aufrichtig kommuniziert, wenn sie mit „massiven, nicht vorhersehbaren Einbrüchen des Weltmarktes“ argumentiert, wenn es um die Begründung der aktuell niedrigen Milchauszahlungspreise für die Bauern geht.

Müssten wir Bauern diese Ergebnisse nicht für uns auswerten und in unserem Sinne nutzen?

Eure Palla

Die detaillierten Ergebnisse der Umfrage: Meinungen und Einstellungen der Bürger zur Milchwirtschaft in Deutschland

(Aufrufe 1.214 gesamt, 1 heute)

29 Kommentare

  1. Marko sagt

    1000 Leute sollen repräsentativ für über 80 Millionen reden können?

    Im Umkehrschluss heißt das also:
    Wenn ein Hagelschauer meinen Raps kaputt schlägt, lohnt es sich den erst umzubrechen, wenn ich weniger als 50 gesunde Pflanzen auf 10 ha finde?
    Hm….

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  2. Palla sagt

    Mich beschäftigt vor allem auch die Frage, ob wir Landwirte da nicht hätten viel früher ansetzen müssen. Ich glaube wir haben es verschlafen unseren Wert, den man ja auch aus den Umfrageergebnissen ersehen kann, rechtzeitig zu definieren und auch, besonders gegenüber den Molkereien zu verhandeln und einzufordern. Nun schöpfen andere den Mehrwert für die Markenprodukte, die Regionalität und die alternativen Haltungs-und Fütterungsformen ab und wir gucken in die Röhre.

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    • Alois Wohlfahrt sagt

      Hallo Palla, es ist nie zu spät für einen neuen Weg, heisst nicht nur ein alter Schlager. In die Röhre gucken hilft auf Dauer auch nicht. Also vielleicht macht es ja doch Sinn sich mit Markt, Marken und Mengenbündelung zu beschäftigen. Und nicht nur mit Produktionstechnik.
      Alois

      3+
      • Sabine sagt

        Und vergesst nicht, dass Marke auch immer was mit Emotion zu tun hat.
        Gerade weil das Thema Nutztier von den Tierrechtlern so emotional aufgeladen wurde.
        Lest ruhig mal wie die Ikonen des Selfsufficient-Movement die schwierigeren Aspekte der Nutztierhaltung ansprechen.

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  3. Friedrich sagt

    Die Umfrage sieht ja ganz gut aus. Aber wenn 30% Bio bevorzugen, stimmt das mit dem
    tatsächlichem Kaufverhalten nicht überein ! Die ablehnende Haltung zum Export ist schon
    fragwürdig, denn Deutschland ist eine Exportnation, das sollten wir nicht vergessen. Unsere
    Produktivität ist so hoch , daß wir nur rd. 3 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft haben
    und 97% sich außerhalb beschäfigen. Die Einkommen und die „Soziale Sicherung“ ist schon Spitze ! Jetzt noch einmal zum Export. Die Eu exportiert rd. 12 % Schweinefleisch (was hier
    keiner isst) ,10-15% Milch oder Milchprodukte und 10% Getreide (rd. 30 Mill. tonnen). Das ist
    unsere Notreserve für Krisenzeiten ! Erinnern wir uns . Vor rd. 150 Jahren gab es einen Vulkanausbruch in Asien. Die Staubwolke war so stark, daß auch in Europa die Ernten sehr
    schlecht ausfielen. Wir haben nur für einen Monat Getreidereserven ! Weltweit haben wir
    2,5 Mrd. tonnen Getreide geerntet. Die Preise sind deshalb schlecht , weil wir 10 Mill.
    Tonnen mehr geerntet haben als verbraucht wird. Das ist ein Ritt auf der Rasierklinge !
    Krisenvorsorge sieht anders ! Alles kann der Markt halt nicht richten !

    2+
    • Andreas Schmid sagt

      „Aber wenn 30% Bio bevorzugen, stimmt das mit dem
      tatsächlichem Kaufverhalten nicht überein !“

      Das stimmt schon überein: Biomilch wird ein mal im Jahr bevorzugt. Vorzugsweise bei Umfragen oder wenn man die Packung vor Freunden offen auf den Tisch stellen kann.
      Ansonsten reicht die billige Aldi und Lidl Milch.

      2+
  4. Schweinebauer Piet sagt

    Das Produkt ist also wichtiger als der Preis und wir genießen eine hohe Wertschätzung, dann dürfte eine Preiserhöhung bei Milch und Schweinefleisch kein Problem sein? ?!!

    0
  5. leider kann man mit der Auswahl höher preisiger Milch nicht verdrängen das gleichzeitig 15 unterschiedliche Tetrapacs über die Abfüllstraße rausche.
    Egal wie hoch die Wertschöpfung der Molkerei ist, erst frisst der Löwe dann kommt lange gar nichts ….dann der Bauer.
    Die Leute die den Erfolg der Firma generieren, werden die aktuelle Überproduktion nicht mit Einkommenseinbußen mittragen wollen.
    Die Überproduktion ist allein Aufgabe der Rohstoffproduzenten aber das schaffen noch nicht einmal die Handvoll Ölförderländer.

    1+
  6. Philipp Blum sagt

    Man sollte sich ganz besonders mit dem 9. Punkt beschäftigen der aussagt das 60% den export als negativ einschätzen .

    Und meiner meinung nach haben diese vollkommen recht da es ein irsinn ist zudenken das deutsche bauern mit ländern mithalten können wo mehrere 10000 Milchkühe auf einem Betrieb gehalten werden ( wohl bekanntestes Beispiel China wo mehrere Projekte dieser Art geplant werden )

    Einfach mal darüber nachdenken.

    3+
    • bauerhans sagt

      wir sind eine exportnation!
      wieso soll die LW da ausgeklammert werden,obwohl gerade in china und russland gute geschäfte gemacht worden sind.

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      • Stadtmensch sagt

        Sollen doch andere ihre Böden ruinieren, um den chinesischen Eifer, den westlichen Lebensstil zu kopieren, zu befriedigen. Ich habe prinzipiell nichts gegen Handel mit Agrarprodukten, aber dann muss auch dass, was an Biomasseäquivalent rausgeht, wieder reinkommen.

        0
  7. bauerhans sagt

    mein fazit:
    die wichtigste aussage ist,dass die bauern in D ein hohes ansehen in der bevölkerung geniessen!
    die zweitwichtigste aussage ist,dass die bevölkerung in D gern günstig einkauft!

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    • Josef sagt

      Kaufen Sie nicht gerne günstig ein, wenn es um Futtermittel, Dünger, Diesel oder andere Betriebsmittel geht ? Billiges Futter ganz egal woher, und dann von den Verbrauchern zu erwarten, dass sie regional und preisbewusst kaufen ist doch zu viel verlangt. Zumal bei den teuereren Produkten nicht sicher gestellt ist, dass der Bauer einen Vorteil davon hat.

      2+
      • bauerhans sagt

        “ Billiges Futter ganz egal woher“

        meine schweine bekommen NUR meine eigene ernte und dazu sojaschrot,weils mit ackerbohnen nicht funkioniert,raps nicht angebaut wird und molke nicht mehr zur verfügung steht.

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    • Gepard sagt

      Woraus schließt du die zweitwichtigste Aussage?
      Das hier kann’s ja nicht sein:
      Für 65 % der Befragten ist ein Marken- bzw. Herstellerprodukt entscheidender als der Preis

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Für mich ist nicht das Kriterium „Marken- bzw. Herstellerprodukt“ entscheidend,
        sondern der Preis, den ich für Qualität bezahlen muss.

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        • Gepard sagt

          Was hat jetzt dein Kriterium mit der Umfrage zu tun?

          bauerhans behauptet, die Umfrage hätte zum Ergebnis, dass die Bevölkerung gerne günstig einkauft. Ich verstehe nicht, wo er das herausliest.

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            • Alois Wohlfahrt sagt

              Cato der Ältere war es übrigens auch, der die älteste Lehrschrift für die Landwirtschaft verfasste: „De agri cultura“. https://de.wikipedia.org/wiki/De_agri_cultura
              Im übrigen gab es in der römischen Geschichte diesselben Probleme mit der Landwirtschaft, wie wir sie heute kennen. Mit dem Aufstieg Roms zur damaligen Weltmacht und den damit verbundenen Landgewinnen kam die jahrhunderte lange Kleinbauernstruktur der römischen Bürger unter die Räder. Die Großgrundbesitzer bewirtschafteten mit „billigen Sklaven“ ihre Güter und konnten die Lebensmittel massenhaft und günstiger produzieren. Teilweise wurden von diesen Grundbesitzern dann sogar „Getreidespenden“ an das römische Volk abgegeben, was natürlich auch strategische Ziele hatte, nämlich um zu herrschen. Hinzu kam die Unterhaltung des Volkes durch die Spiele, was uns den Begriff „Brot und Spiele“ hinterlassen hat.
              Der belgische Historiker David Engels beschreibt diese Zusammenhänge sehr detailiert in seinem Buch Auf dem Weg ins Imperium: Die Krise der Europäischen Union und der Untergang der Römischen Republik. Historische Parallelen, wo er die aktuellen europäischen Entwicklungen den geschichtlichen Entwicklungen zum Ende der römischen Republik und dem Aufstieg des Imperiums, des römischen Kaiserreiches vergleicht. Die Parallelen sind unübersehbar.
              Alois

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            • Stadtmensch sagt

              @bauerhans: sorry
              @Alois: ich sehe schon, wir brauchen unbedingt noch eine Bücherecke bzw. Kategorie hier im Blog. 😉

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  8. Egbert Mast sagt

    Ca 95 % der milch der die Molkerei verlässt ist billig milch nur mal zum Vergleich zur Umfrage.

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