Alle Artikel in: Allgemein

Wut statt Mut

Jan Grossarth von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) hat am vergangenen Freitag (10.06.2016) einen aufrüttelnden Kommentar zur Diskussionskultur von Landwirten veröffentlicht. Darin prangert er die inzwischen „salonfähige Wut“ vieler Bauern und Bauerführer an, die mit ihrer ständigen Medienschelte vom eigentlichen Problem der Zukunftsangst ablenkten. Statt dessen werde Misstrauen auf Medien und Politik geschürt. http://plus.faz.net/evr-editions/2016-06-10/36870/243978.html                     Als Fazit stellt Grossarth fest: „Viele Landwirte sind in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet….Die Bauernverbände drücken sich aber beharrlich darum, grundsätzlich zu diskutieren, wohin der Weg der Landwirtschaft gehen soll, wie sie in Zukunft aussehen soll.“ Wie ist Eure Meinung dazu?

B(r)auer…

Könnten die Milch-Bauern von den Bier-Brauern lernen? Als ich neulich wieder zum Bier holen zu meiner Lieblingsbrauerei nach Rettenberg gefahren bin, ist mir der Gedanke gekommen, dass es diese kleinen Brauereien – nach Betriebswirtschafts- und Globalisierungslehre – eigentlich nicht mehr geben dürfte. Doch das Gegenteil ist der Fall: Letztes Jahr kam sogar noch eine Neugründung dazu. Wir haben in Rettenberg (bei 4000 Einwohnern) jetzt 3 Brauereien. Stark! Und alle leben, verdienen Geld, schaffen Arbeitsplätze und die Gemeinde wirbt ganz offiziell mit dem Titel „Brauereidorf Rettenberg“! Wie passt das zusammen, frage ich mich als Bauer? Wo doch auch beim Bier die Marktkonzentration der Großbrauereien ähnlich hoch ist wie bei den Molkereien. Es gibt Bierkonzerne, die auf dem Weltmarkt mitmischen und mancher Discounter verramscht  massenweise Billigbier. Also wie bei der Milch. Doch warum hören diese kleinen Brauereien nicht einfach auf? Und eine neue Kleinbrauerei? Die braucht doch nun wirklich keiner! Oder doch? Wenn ich so darüber nachdenke, dann fallen mir schon ein paar Unterschiede zwischen Bauer und Brauer auf: Immer eine Biermarke: Es gibt keinen Brauer der …

Hofchips – oder wird Verbraucherfeedback nicht ernst genommen?

Liebe Firma Lorenz Bahlsen Snack-World, kürzlich habe ich beim Einkaufen Ihre „Hofchips“ entdeckt. Kartoffelchips in verschiedenen Geschmacksrichtungen, bei denen 100 g immerhin 1,81 Euro kosten! Auf der Verpackung und auf der dazugehörigen Website werben Sie sehr stark mit Regionalität, sprich Anbau und Bauernhöfen aus der Lüneburger Heide, der Oberpfalz und Niederbayern. Außerdem setzen Sie voll auf das deutsche Bauernhofklischee, verbunden mit dem sympathischen Bauern von nebenan mit dem Spitznamen „Erdäpfel-Sepp“.  So weit, so gut! Nachdem die stinknormalen Marken-Kartoffelchips ohne Herkunftswerbung daneben 85 Cent pro 100g kosten, wollte ich vor über einem Monat von Ihnen wissen ob und wenn ja, wie sich der viel höhere Verkaufspreis auch über höhere Auszahlungspreise für ihre Kartoffellieferanten auswirkt. Eine freundlich Dame hat mir kurz nach meiner Anfrage für mein Interesse an den Produkten und dem Unternehmen gedankt, betont wie wichtig jedes Verbraucherfeedback ist und versprochen meine Anfrage an den zuständigen Produktmanager weiterzuleiten. Nehmen Sie meine Anfrage nun ernst, oder nicht? Ich warte bis heute auf eine Antwort auf meine sehr ernst gemeinte Frage, weil ich hoffe, dass es sich nicht …

Biodiversität: … mit der modernen Landwirtschaft

Heute am 22. Mai wird der internationaler Tag der biologischen Vielfalt begangen. Er erinnert an den 22. Mai 1992, an dem der Text des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) offiziell angenommen wurde. Ehrlich gesagt, habe ich mich als Bio-Bergbauer bisher nicht sonderlich mit dem Thema Biodiversität auseinandergesetzt, weil bei meiner extensiven Wirtschaftsweise es doch gar keine Kritikpunkte geben kann. Doch vor ein paar Wochen hatte ich ein „Aha-Erlebnis“. Und zwar ausgerechnet in Thüringen bei der Agrargenossenschaft Weissensee. Jürgen Paffen, der Leiter der Agrargenossenschaft Weissensee hatte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Jürgen Paffen ist auch gleichzeitig Vorsitzender der Initiative „Heimische Landwirtschaft“ mit der wir zusammenarbeiten. Willi hatte keine Zeit, also bin ich den weiten Weg vom Allgäu nach Thürigen gefahren. Das Thema war: Biodiversität mit der modernen Landwirtschaft. Die Agrargenossenschaft Weissensee bewirtschaft ca. 5000 ha. Jürgen Paffen und andere Fachleute zeigten, wie sie in der Anbauplanung das Thema systematisch angehen. Z.B. mit „Lerchenfenstern“, die GPS-gesteuert von den Sähmaschinen angelegt würden. Oder mit Schlagplanungen, wo dann mit einem Raster Blüh- und Regenerationsflächen großräumig …

Nicht als die Wahrheit – oder doch nur ein Gerücht?

Höchst interessant ist es, wenn man sich als Landwirt unter „Normal-Verbraucher“ mischt, ohne sich zu outen und man teilhaben kann an der Informations-Rally der Leute. Wir wissen ja selbst, dass „Tratschen“ einen nicht unerhebliche Anteil an der gesellschaftlichen Meinungsbildung hat. Sowas erlebte ich vor einigen Wochen nach einer Weiterbildungsveranstaltung, als meine Teilnehmergruppe beim Anstehen in der Kantine über Landwirtschaft zu diskutieren begann. Der Anstoß war eine vegane Speise.  Sehr schnell kamen von fast jedem Zweiten Argumente, warum man denn kein Fleisch mehr essen sollte.  Den einen taten einfach die Schweine so leid, wenn sie in den Mastanlagen „so eingepfercht“ ihr Leben fristen. Und dann natürlich die „Mast mit Antibiotika“, vor allem bei den Puten und den Schweinen. Die Rinderhalter kamen erstaunlich gut weg. Kein Wunder, im Allgäu stehen immer noch „nette Moggele“ (das sind nette, junge Rinder) auf der Weide, welche wohl wirklich gute Botschafter der Landwirtschaft sind. Aber ganz mies bekamen die „Agrarfabriken im Osten“ ihr Fett weg. So ein Allgäuer Normalo stellt sich scheinbar die „Riesenbetriebe“ in Thüringen und Co. fürchterlich vor und …

Lidl gewinnt…

…den Fairtrade-Award 2016. Aus diesem Grund (und nur aus diesem Grund, weil wir dort aus Prinzip nicht einkaufen) bin ich zum  Lidl-Laden bei uns im Ort gefahren, um mir mal anzusehen, wie ernst es Lidl mit dem Fairen Handel meint. Schon von weitem große Plakate (siehe Fotos) und auch im Laden überall die Hinweise auf diesen Preis. Die Realität: Im Laden finde ich – nach einigem Suchen – zwei Produkte, die mit „Fairtrade“ gekennzeichnet sind. Kaffee (als Pads und als ganze Bohne!) und Multivitamin-Saft (12 x 1 Liter im Tetrapak). Eine davon ist verkauft. Der Multivitamin-Saft zu 99 Cent ist geräumt.  Neu im Sortiment ist die „Faire Milch“, auch hier fehlt von den 12 Packungen eine einzige. Allerdings ist die die faire Milch nur als H-Milch verfügbar, nicht als Frischmilch. Was mir auch auffällt: Auf dem Plakat mit dem Award wird ein Schlepper, werden Gänse, Ziegen und Getreideähren gezeigt und auch ein Winzer im Weinberg. Doch Produkte aus der heimischen Landwirtschaft, die fair gehandelt wurden, finde ich im Laden keine. Fairer Handel gilt wohl nur für Bauern, die …

Vielfeldig…

Als ich neulich durchs Feld fuhr und die vielen verschiedenen Kulturen, besonders den blühenden Raps, gesehen habe, erinnerte ich mich an einen Spruch, den ich neben der Autobahn in Richtung Hannover gelesen habe. Jetzt sag bloß keiner, dass da ein „r“ bei vielfeldig fehlt. Tja, man muss schon ein wenig nachdenken 😉

Deutschlandfunk

Deutsche Landwirte fühlen sich an den Pranger gestellt und ärgern sich, dass ihre Stimmen kaum gehört werden. Das hat sich geändert…. Dazu ein aktueller Radio-Podcast aus dem Deutschlandfunk: http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2016/04/25/dlf_20160425_1950_98e375a9.mp3

Der heilige Georg zeigt den Klimawandel

Gestern, am 23. April, habe ich mit meinen St. Georgs-Chor zum Patrozinium und Namenstag des heiligen Georg gesungen – so wie jedes Jahr. Und jedes Jahr klingt mir dabei auch meine Mutter noch in den Ohren, wie sie mir als Kind einbläute: „Nach Georg darfst Du nicht mehr in die Felder laufen, weil dann das Gras zu wachsen anfängt!“ Diese kindliche Grunderfahrung ist nun fast 50 Jahre her. Ich kann mich sehr gut zurückzuerinnern. Es war wirklich so, dass wir damals hoch erfreut waren, wennunser Vieh beim ersten Grün Ende April auf der Weide stand. Wenn ich mir aber heute, und auch die Jahre vorher, die Felder am 23. April anschaue, dann hätte der gute Georg schon mindestens 2 oder 3 Wochen früher seinen Namenstag feiern müssen. Denn bereits Ende April wird heutzutage, auch im Oberallgäu, schon das erste mal das Gras gemäht, weil es in „Bierflaschen-Höhe“ den optimalen Energiegehalt hat. (Hab halt in der Landwirtschaftschule damals gut aufgepasst 😉 ). Die ganze Vegetation ist also seit Jahren mindestens 2 Wochen früher dran als in …