Alois
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Biodiversität: … mit der modernen Landwirtschaft

Heute am 22. Mai wird der internationaler Tag der biologischen Vielfalt begangen. Er erinnert an den 22. Mai 1992, an dem der Text des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) offiziell angenommen wurde.

Ehrlich gesagt, habe ich mich als Bio-Bergbauer bisher nicht sonderlich mit dem Thema Biodiversität auseinandergesetzt, weil bei meiner extensiven Wirtschaftsweise es doch gar keine Kritikpunkte geben kann. Doch vor ein paar Wochen hatte ich ein “Aha-Erlebnis”. Und zwar ausgerechnet in Thüringen bei der Agrargenossenschaft Weissensee. Jürgen Paffen, der Leiter der Agrargenossenschaft Weissensee hatte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Jürgen Paffen ist auch gleichzeitig Vorsitzender der Initiative “Heimische Landwirtschaft” mit der wir zusammenarbeiten. Willi hatte keine Zeit, also bin ich den weiten Weg vom Allgäu nach Thürigen gefahren.

Das Thema war: Biodiversität mit der modernen Landwirtschaft. Die Agrargenossenschaft Weissensee bewirtschaft ca. 5000 ha. Jürgen Paffen und andere Fachleute zeigten, wie sie in der Anbauplanung das Thema systematisch angehen. Z.B. mit “Lerchenfenstern”, die GPS-gesteuert von den Sähmaschinen angelegt würden. Oder mit Schlagplanungen, wo dann mit einem Raster Blüh- und Regenerationsflächen großräumig so geplant werden, dass sie vernetzt wirken. Am Nachmittag sind wir dann noch mit dem Bus rausgefahren um uns das mal “in Natura” anzusehen.

Doch was mich am Meisten erstaunt hatte, war, dass die Agrargenossenschaft Weissensee seit ein par Jahren an einem Monioring teilnimmt. Und ich hättte nun erwartet, dass dies von einer staatlichen Stelle ausging. Pustekuchen! Zu meinem Erstaunen macht das die BASF. Da war ich nun wirklich platt! Das hätte ich doch als Bio-Bauer nie und nimmer erwartet, dass ein Chemiekonzern hier Geld dafür ausgibt. Aber das Engagement geht noch weiter. Die Monitoringbetriebe erproben mit verschiedensten Maßnahmen die Biodiversität zu verbessern ohne die Produktivität zu verlieren. Oder anders gesagt: Wie kann der Landwirt Biodiversität umsetzen ohne Einkommensverluste zu haben?

Dazu wurde z.B. auch der Wirrwarr der Naturschutzrichtlinien in ganz Deutschland in einer Datenbank zusammengetragen. Denn der Naturschutz und die entsprechenden Förderrichtlinien sind in Deutschland Ländersache. Das ist für den einzelnen Landwirt kaum mehr durchschaubar. Die Pflanzenbauberater der BASF sollen daher in Zukunft dem Landwirt eine ganzheitliche Beratung ermöglichen.

Ins Detail will ich da jetzt gar nicht einsteigen. Für Leute, die gerne tiefer einsteigen wollen, bringe ich hier ein paar Links:

Sicher hat der Konzern BASF hier auch seine Absichten um seine Produkte zu verkaufen. Ich finde es jedoch sehr spannend, wenn hier von einem Konzern und auch von Landwirten selbst Verantwortung übernommen wird und nicht nur auf staatliche Maßnahmen gewartet wird.

In Punkto Eigenverantwortung machen wir Landwirte ja schon viel. So wie ich meine Steinmauer vor Jahren. Es gab übrigens keinen Zuschuss! Nur ein bisschen Knochenarbeit. Trotzdem freut mich die Steinmauer immer wieder.

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Doch jetzt genug von mir.

Erzählt doch mal: Was macht Ihr so für die Artenvielfalt?

Euer Alois

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19 Kommentare

  1. In der Stadt kann man bezüglich Biodiversität nicht viel tun. Auf dem Balkon hatte ich bis letztes Jahr “Wildblumensaat” gesät, das war sehr erfolgreich. Ich lernte Insekten kennen, die ich noch nie gesehen habe.
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    Tatsächlich fällt mir seit einigen Jahren schon ein immenser Rückgang an Insekten auf. Da helfen die zwei Balkonkästen so gar nichts. Und der Vermieter – wir haben verhältnismäßig viele Grünflächen, Büsche etc. lässt ein Unternehmen die Gartenarbeit durchführen, die nur Hilfsarbeiter beschäftigen, die den Unterschied zwischen einem Grashalm und einer Rose nicht kennen. Wenn die da waren, sieht es aus, als sei ein Tornado über das Land gefegt – und die kommen alle drei Wochen. Die wissen nicht einmal, wie man insektenschonend Rasen mäht. Einsprüche beim Vermieter haben bisher nichts gebracht.
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    Auf Vögel werden wir vermutlich dann mit den Jahren verzichten müssen. Wer nix zu essen hat, vermehrt sich nicht – jedenfalls in der Tierwelt.
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    Andererseits mag es zwar diese Konvention geben, doch leider wohl nur auf dem Papier. Denn ich sehe weit und breit nichts, was hier Unterstützung bietet. Ganz im Gegenteil, Hamburg beispielsweise wird immer mehr zur Betonwüste, weil der Herr Bürgermeister jedes Jahr seine 12.000 Wohnungen bauen will. Jetzt werden vermutlich auch die letzten Kleingärtner vertrieben, weil wir schlicht keinen Platz haben. Hamburg war mal eine grüne Stadt, lang ist’s her.
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    Dann ist der Begriff Biodiversität unglaublich sperrig für den Normalbürger. Warum nennen sie es nicht, wie es ist “biologische Vielfalt”.
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    Was BASF angeht, bin ich nicht so euphorisch – siehe jetzt deren Versuch, Monsanto zu übernehmen. Was, wenn ihr Engagement nur die Vorbereitung der Landwirtschaft auf deren Abhängigkeit BASF und Co. gegenüber, war? Denn wenn die den Konzern übernehmen, machen die ja nicht den Laden dicht. Vielmehr ist Monsanto dann kein abstrakter Begriff mehr, sondern wir haben uns mit diesem Konzern das biologische Fukushima mitten ins Land gesetzt……
    Die hiesige Landwirtschaft soll bloß aufpassen, dass sie von diesen Konzernen nicht in Abhängigkeiten und Verträge getrieben wird, aus denen es kein Entrinnen mehr gibt.

      • Sabine sagt

        Yo, es ist unser Bayer Konzern und die vertreiben u.a. auch Insekten- und Wildschutzsaaten.
        Man kann schon relativ viel in der Stadt machen. Man kann auch seinen Balkon vogelfreundlich einrichten, wenn man denn mit Vogelschiss leben kann. Es gibt z.B. die Möglichkeit Vögeln in der Brutzeit Mehlwürmer anzubieten, sehr einfach die selber zu züchten. Wer die lebend ekelig findet, kann sie auch getrocknet erwerben. Es gibt spezielle ungesalzene Erdnussbutter, die auch als Eiweiß-Fett und Vitaminquelle dienen können. Viele Stadtvögel sind inzwischen nicht mehr so empfindlich gegen Störungen und nehmen Nistkästen auf Balkonen gerne an, wenn weit und breit die Büsche niedergemacht wurden. Damit erreicht man zwar nicht die gefährdeten Arten, aber man kann Vögel, die durch Kahlschlag im Garten ihre Wohnung verloren haben, wenigstens ein Übergangsheim anbieten.
        Wer auf gefüllte oder pollenfreie Zierblumen verzichtet und stattdessen mit “normalen” Blumen den Balkon bepflanzt, hilft den meisten Insekten auch schon weiter. Wildblumen sind natürlich schöner.
        Viele Naturschutzverbände sind gegen Sommerfütterung und setzten auf “Schutzräume” in der Stadt. Aber diese Räume müssen ja erstmal da sein.

      • Neenee, BASF. Die haben sich schon Anfang des Monats drum bemüht. Als Bayer das erfuhr, schossen die aus ihren Löchern und boten mit. Deshalb ist die Summe ja so exorbitant. Die sind jetzt bei 55 Milliarden – und ich bezweifle, dass sich BASF wieder zurückgezogen hat. Die bieten bestimmt im Stillen weiter mit – bis ihnen die Luft ausgeht. Vom ökonomischen Standpunkt aus: Wenn sie klug wären, würden sie eine Gemeinschaftssache daraus machen, dann wird es nicht so teuer. Aber Managern geht es ja nur ums “Gewinnen”, egal, wieviel Kohle sie dabei verbrennen.

  2. bauerhans sagt

    ich hab seit jahren kiebitze auf einer fläche und hier und da mal ne förderung bekommen.
    seit 2 jahren kümmert sich die biostation intensiv darum,was zu vertragsnaturschutz führte.
    kiebitze lieben die frische saat aufem acker,weil sie deckung haben,aber trotzdem noch gut laufen können.
    dieses jahr ists nicht so toll,weil ich brache habe,was kiebitze wohl nicht mögen.
    letztes jahr hatte ich dieses,inrede stehende “böse” herbizid gespritzt,wo hinterher alles gelb ist—- kiebitze lieben das zeugs!!

  3. Sabine sagt

    Ich kann dazu nur sagen, dass da wo ich wohne, die Natur eher zu einem recht dunklen, vergleichsweise artenarmen Buchenwald tendiert. Kratzbeeren ( die hässliche kleine Schwester der Brombeere), Ilex, Efeu, vielleicht mal eine Eiche und Rotbuche, Buche und nochmal Buche.
    Interessant wird die Gegend für viele Tiere und Pflanzen erst da, wo durch die Landwirtschaft Flächen für Licht und Wärme geöffnet wurden.
    Vieles was wir heute als Natur schützen möchten, ist in Grunde Kulturlandschaft.
    Ich fände es schade, wenn die Landwirte hier nur noch Landschaftsgärtner wären. Aber vllt. ist die Krise ja wirklich auch eine Chance gerade auch für die Biodiversität auf Weiden und in Ställen.
    Denn die wird oft übersehen.
    Ich hab letztens im Fachblättchen der Geflügelzüchter gelesen, dass alleine Italien nach dem Krieg 40 Landrassen bei den Hühnern verloren hat. 40 Rassen die exakt an die jeweiligen Standortparameter angepasst waren. Tausende Jahre von Züchtung, die Tiere mit oft einzigartigen Eigenschaften hervorgebracht hat, einfach weg. Andere Nutztierearten verarmen ähnlich schnell und auch hier verlieren wir rapide Eigenschaften, die wir in Zukunft vllt. dringend benötigen.
    Es mag Landwirte, die in den Nebenerwerb gedrängt werden nicht trösten, aber villt. retten gerade diese Betriebe die Landwirtschaft in dem sie die genetische Vielfalt erhalten.

    • bauerhans sagt

      du kommst doch aus NRW und die hatten damals buchenaufforstung massiv gefördert.

      • Sabine sagt

        Hier ist die Buche so ziemlich der angepassteste Baum, wurde aber in unseren bewirtschafteten Wäldern zwischendurch fast völlig von Fichten und Eichen verdrängt. Die Verwendung von Teeröl zur Holzbehandlung hat die Buche als Wirtschaftsbaum wohl gerettet. Heute schätzt man Buche auch wieder wegen der guten Brennwerte, aber auch als Möbelholz… und die letzen drei Jahrhundert-Stürme haben nicht annähernd so viel Schaden in den Buchenwäldern angerichtet, während gerade Fichtenbestände sehr schwer geschädigt wurden.
        Daher ist die Förderung von Buchen nicht ungeschickt, trotzdem sind Buchenwälder als Urwald ( also die drei Stellen auf der Welt, wo es die noch gibt) nicht besonders artenreich. Ein Birkenhackwäldchen (da werden die Birken immer nur abgeschnitten und wachsen wieder nach), eine alte Obstwiese, auch die Wildobsthecken oder eine Natursteinmauer sind da schon interessante Ergänzungen und werten ein Gebiet ökologisch sehr auf. Das sind aber alles Dinge, die wir auch in einer Stadt anlegen könnten, wenn wir den wollten. Nur, wollen wir das glaube ich nicht so gerne. Meine Nachbarin tickt ja schon völlig aus, wenn Kohlschnake sich in ihr Wohnzimmer verirrt.

        • Stadtmensch sagt

          “Das sind aber alles Dinge, die wir auch in einer Stadt anlegen könnten, wenn wir den wollten”
          Ich bin schon dran. Mit ein paar Nachbarn wollen wir mitten im Wohngebiet auf 3000m² Brachland ein kleines Biotop basteln. Marktwirtschaftlich rational wäre die Anlage von Parkplätzen gewesen. Es gibt noch 3 bis 4 weitere derartige Projekte in der Stadt.
          Bisher läuft es ganz gut an. Eine Gehölzhecke mit Feldahorn, Vogelbeere, Holunder, Weißdorn, Schlehe wurde im Herbst letzten Jahres gepflanzt. Spillinge sollen auch noch rein, sind aber leider aus der Mode gekommen und schwer zu kriegen. Bisher haben wir zwei Wildbienenarten, diverse Hummeln, Fledermäuse, Rotkehlchen, Zaunköng, Gartenrotschwanz, Ringeltauben, Grünfinken, Buntspecht.
          Wir werden ja in den Städten zunehmend mit sommerlichen Hitzstaus konfrontiert werden, da kann mehr Grün und mehr Wasserspeicherung nicht schaden.
          Es macht großen Spaß.

          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Das nenn ich mal vorbildlich, dass ein Grundstücksbesitzer 30 ar Bauland für den Naturschutz zur Verfügung stellt.

            Spillinge gibt es noch bei einigen Baumschulen zu kaufen, früher hatte ich das Zeugs mal im Erwerbsobstbau, die platzen schon, wenn es in 20 km. Entfernung regnete.

          • Sabine sagt

            Das ist wirklich mal ne gute Idee. Das auch Städte atmen müssen, vergessen viele Leute.
            Und, wie Du sagst, viele Tiere scheinen schon einzuziehen bevor alles richtig fertig ist. Wenn man ihnen die Chance lässt, sind sie rappzapp da.

  4. Alois Wohlfahrt sagt

    Hallo Leute,
    das ist mir doch glatt ein Fehler unterlaufen. Die Kommentarfunktion war bei dem Beitrag ausgeschaltet. Das entsprechende Häkchen war nicht gesetzt. Das war ein Versehen.
    Selbstverständlich sind Kommentare erwünscht.

    Also, jetzt geht es: Feuer frei 🙂

    Alois

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