Jahr: 2022

Was, wieviel, wohin? Schiffsladungen ex Ukraine

Auf dem Internet-Portal der UN findet man eine stets aktuelle Liste von Schiffen, die ukrainische Häfen mit landwirtschaftlichen Gütern verlassen haben. https://www.un.org/en/black-sea-grain-initiative/vessel-movements Anders als erwartet liegen die Zielhäfen nicht in Ländern, in denen Hungersnöte erwartet werden. Auch die Zahl der Schiffe mit Weizen liegt deutlich unter der von Mais (Corn). Sunflower meal ist Sonnenblumenschrot, sugar beet pellets sind getrocknete Zuckerrübenschnitzel. Wenn man die geladene Tonnage und die Freqenz der Schiffe betrachtet, muss noch einiges passieren, um die 25 Mio. t aus der Ernte 2021 zu exportieren. Aus der Ernte 2022 dürfte in etwa eine ähnliche Menge für den Export bestimmt sein. Wir reden also über rund 50 Millionen Tonnen Ware, die bis zum Sommer nächsten Jahres bewegt werden sollen. Bisher sind etwa 1% (rund 600.000 t) verschifft. Für alle die meinen, es wäre alles in Ordnung und man könnte zur Tagesordnung übergehen: Die Ernährungskrise ist noch nicht vorbei.

Die Brache…GLÖZ 8…

Der nachfolgende Text wurde von Prof. Dr. Sebastian Lakner geschrieben. Er ist Professor für Agrarökonomie und Leiter des Lehrstuhls für Agrarökonomie an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock. https://slakner.wordpress.com/2022/08/16/anmerkungen-zur-brachen-entscheidung-des-bmel/ Ich finde die Ansichten von Herrn Lakner… interessant und stelle sie hier zur Diskussion. Zumindest den allerletzten Punkt kann ich voll unterschreiben: „Das BMEL und die Bundesregierung sollten dringend überlegen, welche Kompensationsmaßnahmen für die Biodiversität angeboten werden können. Die Öko-Regelungen und die Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sollten angesichts hoher Weltmarktpreise mit höheren Prämien versehen werden.“ Wenn das nicht passiert, werden die Biodiversitätsmaßnahmen von den Landwirten nicht realisiert und die neue GAP wird krachend scheitern.  

Wenn Ihr Nachbar ein Bauer wäre…

Stellen Sie sich vor, dass die Regale immer leerer und die Lebensmittel immer teurer werden und Ihnen gegenüber ein Bauer wohnt. Dieser Bauer hat Kühe, melkt die Milch und macht selber Käse und Butter. Außerdem hat er Schweine, die er selber vermarktet und von dem Sie Fleisch und Wurst kaufen können. Die Bauersfrau hat einen großen Garten, in dem viel frisches Gemüse und Salat wächst. Vom Feld gibt es noch Kartoffeln. Er hat also alles , was Sie und Ihre Familie brauchen. Wenn Sie einen solchen Bauern als Nachbarn haben, werden Sie doch vermutlich alles tun, damit der Bauer Sie mag und versuchen, ihn zu Ihrem besten Freund zu machen. Man weiß ja nie, wozu es noch mal gut ist. Vermutlich würden Sie ihn fragen, wie Sie ihm bei seiner schweren Arbeit helfen können. Was Sie nie und nimmer machen würden: dem Bauern Probleme bereiten. Sie würden ihn nicht fragen, ob seine Kühe Methan rülpsen. Sie würden ihm auch nicht vorwerfen, dass im Stall viele Tiere leben und beklagen, dass das Gemüse und der Salat …

Milch schadet dem Klima…meint der Arzt…

Die Diskussion um öffentliches Fernsehen und Rundfunk wurde durch den Fall Schlesinger wieder neu entfacht. Was die Qualität der Inhalte angeht, so wird der Bildungsauftrag fahrlässig missbraucht. Das zeigt der nachfolgende Beitrag, in dem sich der Arzt Eckart von Hirschhausen sich darüber auslässt, wie schädlich Kuhmilch für´s Klima ist und um wieviel besser die pflanzliche Alternativen sind. https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/wissen-vor-acht-erde/videos/wissen-vor-acht-erde-video-190.html? Die Illusion der Wahrheit Mich hat dieser Beitrag wirklich geschockt, weil fast kein Klischee ausgelassen wird. Halbwahrheit reiht sich an Halbwahrheit, wichtige Fakten werden verschwiegen. Er beweist wieder einmal: einfache Lügen haben es leichter als komplizierte Wahrheiten. Wenn die dann noch von einem Arzt verkündet werden…

Gefahr und Risiko

Immer wenn es um landwirtschaftliche Themen wie Gentechnik oder Pflanzenschutzmittel geht, wird darüber gesprochen, wie gefährlich diese sein können. Ich versuche es dann mit einem Beispiel, in dem den Unterschied zwischen Gefahr und Risiko erläutere. Wir alle wissen, dass Haie einen Menschen töten können. Es ist sehr unwahrscheinlich, aber es kommt vor. Haie sind für den Menschen eine Gefahr. Wie ist es mit der Nordsee? Leben dort Haie? Und da habe ich gestern diesen Artikel gesehen. https://www.nationalgeographic.de/tiere/2022/07/welche-haie-leben-in-der-deutschen-nordsee? Tatsächlich leben in der Nordsee Haie. Und im Artikel steht, dass diese nur rund einen Meter lang werden und somit für den Menschen un-gefähr-lich. Ist es ein Risiko, in der Nordsee zu baden und vom Hai getötet zu werden ? Nein, das Risiko ist Null. Genau diese Unterscheidung wird bei Diskussionen z.B. um Glyphosat gerne verschwiegen. Theoretisch stellt dieser Wirkstoff eine Gefahr dar, bei sachgemäßer Verwendung besteht aber für den Menschen kein gesundheitliches Risiko. In etwa verhält es sich so auch bei einem Messer: man kann damit sein Butterbrot schmieren, aber bei unsachgemäßer Anwendung auch einen Menschen töten. …

Was ein Junglandwirt der Staatssekretärin sagt

Auf der Bauerndemo am 15. August in Bonn hat sich ein Junglandwirt zu Wort gemeldet. Hier seine Aussagen und Wünsche und die Antwort von Silvia Bender Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren  

Stellungnahme einer Bürgerinitiative, die Bauern retten will

Diesen Serienkommentar (in blau) findet sich in Massen auf der Seite der EU.  Deshalb unter dem Text noch mal der Hinweis auf die Möglichkeit, seine persönliche Meinung an die EU-Kommission zu schicken. „Machen ist wie wollen, nur besser“ Der massive Einsatz von Pestiziden hat verheerende Auswirkungen auf die Biodiversität und stellt eine ernsthafte Bedrohung für unsere Gesundheit, das Wasser, die Luft und den Boden dar. Er gefährdet erheblich unsere Ernährungssicherheit, unser Klima und unsere Artenvielfalt. Um unseren Kindern und zukünftigen Generationen eine Zukunft zu geben, brauchen wir dringend einen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft und in der Art und Weise, wie wir unsere Umwelt behandeln. Wir müssen agro-ökologische Praktiken anwenden, um mit der Natur und nicht gegen sie zu arbeiten. Die Europäische Bürgerinitiative „Bienen und Bauern retten“ begrüßt den Vorschlag der Europäischen Kommission, den Einsatz von Pestiziden in der EU zu reduzieren. Der Vorschlag ist jedoch zu schwach, um den notwendigen Wandel in der Landwirtschaft zu bewirken: Es bleibt keine Zeit mehr für halbe Sachen! Eine Reduzierung um 50% bis 2030 reicht nicht aus. Wir fordern …

Cicero und Bauer Willi

Wenn die Zeitschrift „Cicero – Magazin für politische Kultur“ um ein Interview nachfragt, ist das ja kein schlechtes Zeichen. Das Gespräch mit Herrn Fess dauerte exakt zwei Stunden und hat richtig Spaß gemacht, weil es, anders als bei TAZ und Spiegel, sehr fair und wirklich interessiert zuging. https://www.cicero.de/wirtschaft/proteste-gegen-eu-agrarpolitik-interview-bauer-willi-fess Ich freue mich immer, wenn wir Landwirte es mit unseren Themen in die Medien außerhalb unserer Blase schaffen. Leider ist der Artikel hinter der Bezahlschranke. Trotzdem lassen sich die Kommentare lesen und die sind wirklich interessant.

Bauern, Bender, Bonn…

Ich war am Montag, 15. August 2022, in Bonn zur Bauerndemo. Nach offiziellen Aussagen der Ordnungsbehörden waren etwa 550 Teilnehmer dort, gefühlt (nicht gezählt) 150 davon mit Traktoren. Von der Politik war Silvia Bender (Staatssekretärin im BMEL, Die Grünen) anwesend. Die übrigen Parteien waren auch eingeladen, allerdings ist niemand gekommen, weder ein Landtags- noch ein(e) Bundestagsabgeordnete(r). Frau Bender hat gesprochen und in ihrer etwa 10minütigen Rede erwähnt, dass sie sich dafür einsetzen wird, dass „das Pflanzenschutzmittelverbot nicht in Landschaftsschutzgebieten gelten soll, auch wenn dies im ersten Entwurf aus Brüssel so steht“. Das ginge zu weit und sei nicht das Ziel der Bundesregierung. Ein wichtiger Satz, der öffentlich ausgesprochen wurde und zitiert werden kann. Siehe auch das Video weiter unten. In der nachfolgenden Diskussion meldeten sich nach einer ersten kleinen Runde auf der Bühne viele Teilnehmer zu Wort. Es ging teils sachlich, teils sehr emotional zu. Was Frau Bender sicherlich mitgenommen hat: Die Landwirte und Landwirtinnen haben Angst um ihre Existenz, weil ihnen jegliche Planungssicherheit abhanden gekommen ist. Hier die Rede von Silvia Bender Sie sehen …

Wie gemeinsam ist die Gemeinsame Agrarpolitik (der EU) noch?

Ohne jeden Zweifel war die Europäische Union eine große Errungenschaft. Nicht nur der Fortfall der Grenzkontrollen oder die Einführung des Euro haben die Menschen in Europa zusammenrücken lassen. Seit vielen Jahrzehnten wurde insbesondere der Agrarsektor der am meisten „europäisierte“ Bereich der Wirtschaft, in dem alle Landwirte nach den gleichen Regeln und Gesetzmäßigkeiten arbeiten und handeln sollten. Natürlich ist dies nie gelungen, aber zumindest hatte man den guten Vorsatz. In den letzten Jahren ist dieser Vorsatz immer mehr in den Hintergrund gerückt. Ein Grund war die  ständige Erweiterung, die Staaten mit ganz unterschiedlicher Historie und unterschiedlichen Strukturen unter ein Dach zusammenbringen sollte. Selbst in dem kleinen Deutschland gelingt das nicht, zu unterschiedlich sind die Strukturen in Süd-, Ost-, oder Nordwest-Deutschland Zwar werden in Brüssel gemeinsame Ziele der europäischen Union entworfen, die Umsetzung jedoch wird immer mehr den einzelnen Staaten überlassen. Genau hier beginnt das Problem: die Regeln, die die einzelnen Mitgliedsstaaten zum Erreichen der Ziele erlassen, weichen sehr stark von einander ab. Beispiel Düngeverordnung: jeder Staat hat unterschiedlich viele Messstellen pro Quadratkilometer nach Brüssel gemeldet. Daraus …