Alle Artikel in: Bauer Willi

Und LTE gibt´s hier auch nicht…

Wieder ein Artikel von Thies. Diesmal geht es um die digitale Welt und die Demokratie 4.0 Wenn man in den eigenen vier Wänden Gäste empfängt, haben sich die Begrüßungsfloskeln mittlerweile geändert. Statt „Hallo, schön habt ihr es hier. Ist der Schrank neu?“, hört man als Gastgeber häufig zuerst „Gib mal dein WLAN-Passwort!“… Lebt man dann auch noch auf dem Land und hat urbanen Besuch, folgt dann kurz nach der Übergabe des Passwortes die Aussage „Wie lahm ist das denn bitte hier?!?“… Im Anhang findet sich eine Abbildung, wie groß die Unterschiede der Breitbandversorgung zwischen Stadt und Land sind. Dazu auch die recht aktuelle und höchst offizielle Quelle: https://www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/ZahlenFakten/Breitbandversorgung_Gemeinden.html In vielen ländlichen Regionen haben sich die Bewohner mit diesem Versorgungsgefälle abgefunden. Von den Telekommunikationsunternehmen kommt dazu dann die Aussage, dass die Anbindung dieser Gebiete mit geringer Kundendichte schlicht und einfach wesentlich unlukrativer ist als eine Anbindung urbaner Gegenden. Da müsste die Politik gezielt fördern. Ja, die Politik muss fördern. Auch im Sinne ihrer demokratischen Legitimation. Mal abgesehen davon, dass der ländliche Raum ansonsten wirtschaftlich und demographisch …

Weltbauerntag

Geht es Ihnen wir mir? Weltbauerntag? Nie gehört. Was ist im world wide web  zu lesen? Der Weltbauerntag am 1. Juni soll daran erinnern, dass Bauern weltweit für die Erzeugung von Lebensmitteln sorgen. Der Gedenktag wurde im Jahr 2000 bei der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover erstmals ausgerichtet. Das war´s. Mehr nicht. Es ist also ein Gedenktag. Wird an diesem Tag irgendwo irgendetwas stattfinden? Werden sich die Staats- und Regierungschefs irgendwo treffen und kluge Reden halten? Wohl kaum. Dieser Tag wird vorbeigehen, ohne das jemand groß Notiz davon nimmt. Wie halt bei anderen Gedenktagen auch. Ich habe mir in Vorbereitung zu diesem Tag mal ein paar Gedanken gemacht, wie es mit der Zukunft der Landwirtschaft bei uns aussehen könnte. Für den globalen Blick fehlt mir einfach die Ahnung. Sind bloß ein paar Überlegungen, ich kann auch vollkommen daneben liegen. Preise und das Risiko von Investitionen Niedrige Preise führen in der Regel dazu, dass Betriebe, die nicht wettbewerbsfähig sind, ausscheiden. Das ist nicht nur in der Landwirtschaft so, sondern in allen Branchen. Deren Marktanteile werden von anderen übernommen, …

Trolle…

Aus gegebenem Anlass (Kommentare zum Artikel „Ihr Bauern seid zu dumm…“ vom 31.5.2016) möchte ich folgenden Auszug aus Wikipedia zur Kenntnis geben: Trolle agieren absichtlich, wiederholt und schädlich (intentional, repetitive and harmful). Trolle ignorieren und verletzen die Grundsätze der Community. Trolle richten nicht nur inhaltlichen Schaden an, sondern versuchen auch, Konflikte innerhalb der Community zu schüren. Trolle sind innerhalb der Community isoliert und versuchen ihre virtuelle Identität zu verbergen. Aus den Fallanalysen (einer Untersuchung) ergaben sich verschiedene Motivationen der Trolle: Langeweile, Suche nach Aufmerksamkeit, Rache Spaß und Unterhaltung Wunsch, der Community möglichst großen Schaden zuzufügen Kommunikationswissenschaftler raten, den Trollen keinerlei Aufmerksamkeit zu schenken. Don´t feed the troll = Den Troll nicht füttern Euer Bauer Willi

„Ihr Bauern seid zu dumm…für Marktwirtschaft“

Heute ein Gastbeitrag von Janine. Sie macht sich Gedanken, ob wir Bauern wirklich nicht wissen, wie Marktwirtschaft funktioniert Immer wieder dürfen wir uns von Menschen, die keinerlei Ahnung von LW haben, aber dank dem Lehrplan der Klasse 7 meinen, sie seien die marktpolitischen Alleskönner, erklären lassen, wir seien komplett unintelligent und zu dumm, diese einfachen Regeln zu kapieren. Mal von der Überheblichkeit und Respektlosigkeit solcher Menschen abgesehen – sind wir das wirklich? Ist es wirklich so einfach: Angebot und Nachfrage?  Nein. Ist es nicht. Erstmal vorweg: Die hohen Qualitätsstandards der deutschen Landwirtschaft suchen weltweit ihresgleichen, die Milchproduktion ist im Vergleich zum Vorjahr kaum merklich gestiegen. Nehmen wir als Beispiel mal Aldi – Wegbereiter im Preiskampf des LEH und damit in Vertretung für den Rest des deutschen LEH: Aldi fragt für die weiße Linie (Milch, Käse, Butter, sowie sämtliche Molkereierzeugnisse) überwiegend deutsche Erzeugnisse nach – deutsche Molkereien bieten diese Produkte an.  Nachfrage = deutsche Erzeugnisse Angebot = deutsche Erzeugnisse So, bis hierhin sind wird uns alle einig? Wunderbar! Kommen wir nun zur Preisgestaltung – deren Regeln wir …

Liebe Frau Hendricks…

Ich darf Sie aus Ihrer Videobotschaft zitieren: „Meine Position ist klar: Solange wir nicht zweifelsfrei wissen, ob Glyphosat für die Gesundheit unbedenklich ist, sollten wir diese Chemikalie auch nicht zulassen.“ Nun könnte man ja das Wort „Glyphosat“ auch durch andere Worte ersetzen. Zum Beispiel durch Botox, von dem erwiesen ist, dass es in höchstem Maße toxisch ist. Und das lassen sich Menschen ganz freiwillig in die Haut spritzen. Müsste eine solche Chemikalie nicht erst recht verboten werden? Es gäbe auch noch viele andere Beispiele. Was ich Sie als Bauer fragen möchte: Warum sprechen Sie sich gerade gegen diesen Wirkstoff aus? Haben Sie sich mit den Alternativen befasst? Klar können wir wieder mehr pflügen oder grubbern, aber ist das wirklich besser? Wir praktizieren seit vielen Jahren ein tolles System der Minimalbodenbearbeitung, das aber so ohne weiteres ohne diesen Wirkstoff nicht mehr machbar ist. Sollen wir also wieder mehr pflügen, mit negativen Auswirkungen auf das Bodenleben, mit höheren Emissionen durch den Dieselverbrauch, mit der Gefahr von Erosion? Wir setzen das Produkt seit über 30 Jahren ein. Können Sie mir Fälle nennen, …

Unverlangt eingesandt: Die Herdenmanagerin

Vor einigen Tagen erreichte mich diese Mail. Einfach so. Besser kann man Öffentlichkeitsarbeit nicht machen. Und es ist so einfach. Lieber Bauer Willi, meine Erlebnisse am Vatertag. Zu mir: ich bin Herdenmanager auf einen 600ter Kuhbetrieb irgendwo im Norden Deutschland. Den Betrieb hat der Opa des Betriebsleiters, als Vertriebener aus Polen, mit nur einer Ziege, in den 50ziger Jahren aufgebaut. Mittlerweile gehört seinem Sohn, sowie seinen zwei Enkeln der Betrieb. Der beschriebene Betrieb hat mehrere Betriebszweige. Am Vatertag haben wir von meinen Verein aus, welcher nichts mit der Landwirtschaft zu tun hat (vom Elektriker, über Hausmeister oder ehemaliger Kapitän waren alle Berufszweige vertreten), eine Betriebsführung durchgeführt. Warum? Obwohl die Leute wussten wo ich arbeite, habe ich gemerkt, dass gewisse Bilder aus den Medien sehr tief im Gedächtnis eingebrannt sind. Als ich dann zum ersten Mal den Vorschlag gemacht habe, bei uns auf dem Betrieb einen Ausflug zu machen, hieß es am Anfang: „kennen wir schon, mein Opa hatte Kühe oder mein Schwager hat welche“ usw. Aber aufgrund mangelnder anderer Vorschläge haben wir heute trotzdem eine Betriebsführung …

Multitalent in grün

Diesen Artikel schickte uns Thies, der Landwirtschaft studiert hat und sich fragt, warum er einen Beruf  in der Agrarbranche gewählt hat Landwirt – kein Halbgott in weiß, aber ein Multitalent in grün „Landwirte ernähren die Menschheit.“ Das ist richtig. Allerdings verstehen viele Nicht-Landwirte diese Aussage so: „Du tust das nicht und bist also nicht so wichtig wie ein Landwirt“. Das ist natürlich falsch. Wie so häufig weicht hier die Nachricht des Senders von der Nachricht ab, die der Empfänger versteht. Die Gegenreaktion: „Landwirt ist auch nur ein Beruf.“ Und das ist falsch. Allerdings steckt der Fehler in diesem Satz in der quantitativen Aussage. Landwirt ist nicht nur EIN Beruf. Ein Landwirt ist ein: Botaniker, Ernährungsexperte für Tiere, Geburtshelfer, Landschaftspfleger, Tierarzt, Bauplaner, Elektriker, Chemiker, Logistiker, Metallbauer, Ferienanbieter, Informatiker, Gärtner, Ernährungsexperte für Pflanzen, Stromanbieter, Kaufmann-Einzelhandel, Architekt, Mechaniker, Geologe (eigentlich Pedologe, aber das kennt wieder kaum jemand), Jurist, Tischler, Wasserbauingenieur, Förster, Bienenversorger, Ernährungsexperte für Menschen, Kaufmann-Groß- und Außenhandel, Gynäkologe (in Sachen künstliche Befruchtung und Hebamme), „Tier“-Pädagoge (nicht mit Pedologe verwechseln), Buchhalter, Meteorologe, Börsenmakler, Züchtungsexperte,  Maurer, Sicherheitsbeauftragter, Denkmalschützer In welcher Branche gibt …

Nachbars Zaun

Lieber Mitbürger…

…ich bin‘s, dein Bauer. Ich wollte mich mal melden, weil du lange nichts von mir gehört hast. Ich denke, wir sollten uns mal unterhalten. Mir geht es im Moment nicht so gut. Nein, es sind nicht so sehr die Preise, die im Moment mal wieder echt Scheiße sind. Es ist vielmehr die Meinung, die du von uns Bauern hast. Und das liegt wohl auch daran, dass wir uns eben lange nicht gemeldet haben. War ein Fehler, aber jetzt will ich mal versuchen, das nachzuholen. Die unerwünschte Veränderung Ja, unsere Höfe haben sich verändert in den letzten 20 Jahren. Von der Idylle, die dir die Werbung immer wieder auf den bunten Verpackungen vorspielt, ist nicht mehr viel da. Vielleicht noch beim „Urlaub auf dem Bauernhof“. Aber das machen wir auch nur, weil dir das so gut gefällt mit dem Streichelzoo von Kaninchen, Pony und den freilaufenden Hühnern. In Wirklichkeit haben wir uns spezialisiert auf z.B. Ackerbau, Milchvieh, Schweinemast. Und alles ist viel technisierter geworden, du nennst das dann „industrialisierte Landwirtschaft“. Aber das ist sie nicht. In …

Eine Frage des Vertrauens

Dieser Beitrag ist ein Kommentar. Wir finden ihn so gut, dass wir ihn hier noch einmal als Artikel bringen. Danke an den Autor.  Wie wir soeben erfahren haben, hat der Kommentator seinen Kommentar beim Bauernverband Schleswig-Holstein geklaut. Ohne Quellenangabe. Wir entschuldigen uns. Deshalb war der Kommentar so gut…. Stell Dir vor, Du baust ein Haus: Der Maurer mauert, der Dachdecker deckt, der Elektriker installiert ebenso wie der Klempner. Der Maler malt. Du vertraust ihnen, denn alle haben sie etwas gelernt: mauern, zimmern, installieren, malen. Drei lange Jahre dauert die Ausbildung. Das muss ja wohl etwas wert sein! Angeleitet von einem Meister, der die Meisterschule besucht und bezahlt hat. Bei den Gesellen mit langer Berufserfahrung sitzt jeder Handgriff. Mischt Du dich ein? Nein, denn das würde den Handwerker in seiner Berufsehre kränken. Und Du traust Dir auch keine Fachmeinung zu. Schließlich möchtest Du auch nicht, dass Dir jeder in deine Arbeit reinredet. Wenn schon, dann fragst Du. Siehst zu. Wunderst Dich, was die Handwerker drauf haben. Und am Ende bist Du froh, dass Du Dich auf ausgebildete Leute …

Flip-Flops sind tödlich!

Angesichts der Debatte um die Gefährdung bestimmter Stoffe, habe ich mir mal die Maßeinheiten vorgenommen, um mögliche Gefahren zu ermitteln. 1 ppm (parts per million) bedeutet, dass man einen Menschen unter 1 Million Menschen finden kann (in Flüssigkeiten: 1 Milligramm (tausendstel Gramm)  pro Liter) 1 ppb (parts per billion) bedeutet, dass man einen Menschen unter 1 Milliarde Menschen finden kann (in Flüssigkeiten: 1 Mikrogramm(millionstel Gramm) pro Liter).Übersetzt auf unsere heutige Weltbevölkerung von 7,5 Milliarden Menschen kann man heute also 7,5 Menschen genau finden. 1 ppt (parts per trillion) bedeutet, dass man einen Menschen unter 1000 Milliarden Menschen finden kann (in Flüssigkeiten: 1 Nanogramm (milliardstel Gramm) pro Liter). Diese Zahl ist schon unvorstellbar, aber bei der Analytik von z.B. Trinkwasser wird diese Einheit heute angewandt. 1 ppq (parts per quadrillion) bedeutet, dass man einen Menschen unter 1.000.000 Milliarden Menschen finden kann. (In Flüssigkeiten: 1 Pikogramm (billionstel Gramm) pro Liter Zum Vergleich: 1 Tropfen Milch hat – vergleichbar mit einem Wassertropfen, einen Durchmesser von 2-3 mm und wiegt in etwa 0,01 g = 10 mg 1 Tropfen …