Alle Artikel in: Bauer Willi

Villnöss – erfolgreich anders

Heute ist mein letzter Tag im Urlaub. Eigentlich wollte ich ja  mal nichts schreiben, aber was ich hier gehört habe, ist so positiv, dass ich das einfach mal in die Tastatur hämmern muss. Es ist das absolute Gegenmodell zu Aldi. Es zeigt, wie Landwirte einen Markt entwickelt haben, der ihnen heute ein Einkommen ermöglicht, das unabhängig von großen Lebensmittelketten funktioniert. Es geht um das Villnösser Brillenschaf. Hatte ich vorher noch nie von gehört, aber die laufen rund um unsere Ferienwohnung. Was ich auch nicht wusste, dass diese Rasse beinahe ausgestorben wäre. 1998 gab es noch 200 Tiere. Bis ein paar engagierte Menschen auf die Idee kamen, das Aussterben zu verhindern. Einer davon war Günther, der Zuchtwart für die Region zwischen Bozen und Brenner (ich hoffe, das stimmt so) Günther ist aber nicht nur Zuchtwart, sondern auch ein Typ. Anfang 40, Bart, wettergegerbte Haut, Frauentyp (meint jedenfalls meine Frau…). Und kann einem einen Knopf an die Backe reden. Nicht aufdringlich sondern überzeugend. Einen eigenen Webauftritt hat er natürlich auch http://www.villnoesser-brillenschaf.eu/ Drei Bauern gab es 1998 noch, die diese Rasse …

Glexit – Ideologie ersetzt Wissenschaft

Und wieder einmal hat sich die Politik vor einer Entscheidung gedrückt. Die Zulassung von Glyphosat steht immer noch aus, weil sich Politiker von SPD und Grünen beharrlich weigern, die von unabhängigen Wissenschaftlern gewonnenen Erkenntnisse anzuerkennen. Das ist der eigentliche Skandal. Somit wird Politik abhängig von Beliebigkeiten, von Stimmungen und Meinungen, denen man glaubt, folgen zu müssen. Und Beispiele, wie solche Politiker Erfolge verzeichnen, erkennt man an Personen wie Donald Trump in den USA, Boris Johnson in England oder Toni Hofreiter in Deutschland. Was sie eint ist die ausgefallene Frisur und das populistische Gerede. Nein, Greenpeace, Foodwatch und Campact stellen nicht Volkes Stimme dar. Sie verstehen es aber sehr gut, in Zeiten der Sinnkrise mit vermeintlichen Skandalen zu punkten und Ängste zu erzeugen. Dabei geht es nicht um eine tatsächliche Gefahr oder ein reales Risiko: Die Meldung allein reicht schon und das Ziel ist erreicht. Kennzeichnend und besonders perfide empfinde ich jedoch, dass weder die genannten Organisationen noch die politischen Parteien die Alternativen zum Verbot von Glyphosat benennen. Mich erinnert dass alles ein wenig an den …

Im Dialog: Sven Plöger und das „Stand-Wetter“

Es gibt Sachen, die ich noch nicht wusste. Sven Plöger über Stand-Wetter, Jet-Streams und Klimawandel. Herr Plöger, was ist eigentlich „gutes Wetter“? Bei uns scheint die Sonne und es hat seit zwei Wochen nicht mehr geregnet. Für mich als Bauer ist das kein gutes Wetter… Viele Menschen übersetzen „gut“ mit „Sonnenschein“. Aber diesem Satz wird logischerweise kein Landwirt zustimmen. Die richtige Mischung macht´s und drum steht oben auf meiner Homepage der Satz: „Ich kann nicht behaupten, dass Regenwetter schlechtes Wetter wäre. Denn ohne Regen gibt es kein Leben und ohne Wolken kein Wetter“. Zuviel Regen, so wie Ende Mai und Anfang Juni, ist aber natürlich genauso wenig hilfreich wie eine lange Dürrezeit. Es gibt ja eine klare Entwicklung bei der Entwicklung der Temperaturen. Sie steigen. Es gibt aber Zweifler, die nicht daran glauben, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht wurde. Was sagen Sie diesen Zweiflern? Dass dieser Klimawandel global schneller abläuft als alle vorherigen und dass ein Planet die Dinge nicht aus Lust und Laune beschleunigt, sondern auf physikalische Vorgänge reagiert. Hier stecken wir Menschen …

Bauern – Medien, Medien – Bauern

Die Beziehungen zwischen Medien und Landwirten sind zunehmend gespannt. Oder  ist das nur Einbildung? Journalisten Ja, es gibt sie: Die Journalisten, die sachlich und wertneutral über Fakten rund um die Landwirtschaft berichten. Es gibt sie bei allen Sendern und allen Zeitungen. Nicht viele, aber immerhin. Wenn sie nicht selbst vom Fach sind, recherchieren sie sauber und erschöpfend, nennen die Fakten und überlassen dem Leser die Meinungsbildung. So verstehe ich guten Journalismus. Ja, es gibt sie: Die Journalisten, die vor der Recherche das Ergebnis schon kennen und sich dieses nur noch von ausgewählten Experten bestätigen lassen. Oder die aus drei alten Artikeln einen „Neuen“ machen. Mit bekannten Aussagen, die gut beim Leser ankommen. Und die damit bewusst Stimmungen erzeugen und Meinungen beeinflussen wollen. In einem Artikel der „Welt“ war über Journalisten zu lesen: „Sie sind nicht Teil des Systems, sie stehen nicht einmal außerhalb des Systems, sie schweben über ihm. Das führt zu einer ziemlich lästigen Schiedsrichter-Mentalität und dem permanenten Vergeben von Haltungsnoten, die jedem, der irgendetwas tut – ob in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft oder Kunst –, das Leben …

Beton-Mais und die Flut

Liebe Frau Hendricks, dieses Bild habe ich in Baden-Württemberg aufgenommen, dort wo die Überschwemmungen waren. Dies ist der Autobahn-Parkplatz Hohenlohe am Freitag Nachmittag. Kurz hinter diesem Parkplatz zwei Logistik-Zentren, jedes etwa zwei Hektar (das sind 20.000 qm) groß. Können Sie sich jetzt vorstellen, woher die Überflutungen kommen? Warum um alles in der Welt versuchen Sie alles Böse dieser Welt uns Landwirten in die Schuhe zu schieben? Was ist Ihr Plan? Oder geht es wirklich nur darum, Wählerstimmen zu generieren? Geht es der SPD wirklich schon so schlecht, dass sie mit Unwahrheiten arbeiten muss? Bauer Willi  

Geld stinkt nicht – auch wenn es mit Mist verdient wird

Bei diesen Preisen überlege ich doch glatt, wieder in die Viehhaltung einzusteigen. Was meint ihr? Kühe oder Pferde? Finanziell wären ja Pferde interessanter, wenn da nicht immer die Reiter und Reiterinnen wären… 😉 Denkbar wäre ja auch Schweinegülle aus der Flasche. Oder getrocknete Hühnerscheiße aus dem handlichen 500g-Streuer. Ach, ich hab so viele Ideen, aber wegen dem blöden Facebook keine Zeit, die alle umzusetzen. Ich glaube, ich mach mal ein paar Tage Pause…

Zielkonflikt Erosion

Im Zusammenhang mit den Überschwemmungen der letzten Tage gerät auch die Landwirtschaft in den Fokus. Umweltministerin Hendricks ist sehr schnell mit ihren Aussagen und macht den Maisanbau dafür verantwortlich. Wir haben dies gestern kommentiert. Doch was ist dran an diesem Vorwurf? Jeder halbwegs seriöse Meteorologe kommt zu der Erkenntnis, dass kein Boden solche Regenmassen wie in den vergangenen Tagen in kurzer Zeit aufnehmen kann. Die Zunahme der versiegelten Flächen durch die menschliche Besiedlung spielt zudem auch eine nicht zu unterschätzende Rolle, was aber in der Diskussion gerne unterschlagen wird. Mulchsaat Ein Boden, der an der Oberfläche zu 100% wassergesättigt ist, kann kein zusätzliches Wasser mehr aufnehmen. Dieses fließt dann oberflächig ab, unabhängig davon, mit welcher Kultur der Boden bestellt wurde. Einen Einfluß auf die Wasserhaltefähigkeit hat neben der Bodenart die Bewirtschaftung. Wir praktizieren in unserem Betrieb fast ausschließlich das Prinzip der Mulchsaaten, d.h. der Boden wird nur flach im Saathorizont bearbeitet (ca. 10 bis 15 cm), dabei mit organischem Material vermischt und nicht gewendet. Regenwürmer und andere Bodenlebewesen leben von dem organischen Material und schließen die Nährstoffe …

Beschuldigung: Maisanbau Schuld an Überschwemmungen…?

Frau Hendricks, nun ist aber langsam Schluss mit lustig. Habe Sonntag abend die Nachrichten gesehen in denen Sie behaupten, dass der Grund für die Überschwemmungen der letzten Tage der Maisanbau ist. Mal abgesehen davon, dass dies blanker Unsinn und in meinen Augen zynisch ist: Was wollen Sie mit einer solchen Aussage erreichen? Verstehen Sie jetzt auch schon was von Ackerbau? Und da Sie ja offensichtlich eine so profunde Kenntnis haben: welche Kulturen sollen wir denn anbauen, damit solche Überschwemmungen vermieden werden? Ich möchte wetten, dass Sie darauf keine Antwort parat haben. Wie denn auch. Bei 80 mm in 4 Stunden…

Unverlangt eingesandt: Wir stehen auf einer Seite

Diese Mail hat uns Kathrin geschickt. Sie hat so ihre Probleme mit einem verantwortungsvollen Einkauf. Es ist aber auch wirklich schwierig. Lieber Bauer Willi, ich habe nach der mittlerweile über einem Jahr alten Forumsdiskussion geschaut, weil das Thema heute, ob der Milchpreis wieder genauso aktuell ist, wie vor einem Jahr.  Nun ist es (wieder) soweit… ich als Verbraucher muss dran glauben… diesmal bin ich für die Milchpreise verantwortlich und diesmal fühle ich(!) mich mal wirklich ungerecht behandelt. Nicht von dir… aber so insgesamt… Die Milchpreise im Keller… und mein Verhalten ist schuld!? Aber ich war es doch gar nicht…  Schon vor einem Jahr berichtete ich von einer Molkerei in der Nähe, die früher mal geliefert hat, nun aber nicht mehr.  Ich habe mich entschlossen, auch wenn ich weiß, dass Milch zugekauft wird, um die zahlreichen Märkte zu beliefern (mittlerweile ist die Milch auf Sylt angekommen), diese Milch weiter zu kaufen. Ich weiß, wo sie herkommt, ich kann mir die Kühe anschauen, sie schmeckt einfach gut (auch wenn der Fettgehalt von 3,9 auf 3,5 gesunken ist) …

Lidl antwortet…und unsere Recherche

Lidl wirbt mit gentechnikfreier Milch. Wir haben uns erkundigt. Hier das Ergebnis.   Meine Mail an Lidl vom 3. Mai Ich bin Landwirt und habe aus Ihrer Pressemitteilung vom 29.04 2016 erfahren, dass Sie für Milch, die gentechnikfrei hergestellt wurde, dem Landwirt einen Aufpreis zahlen. Gerne hätte ich gewusst, wie hoch dieser Aufschlag ist. Was bekommt ein Landwirt, der dies nicht leistet, derzeit für seine Milch? Vielen Dank für Ihre Antwort Bauer Willi ____________________________________________ Die Antwort von Lidl am 19. Mai Vielen Dank für Ihre Anfrage. Hierzu teilen wir Ihnen gerne mit, dass das Einhalten der zur Vlog-Zertifizierung (Vlog = Verband Lebensmittel ohne Gentechnik e. V.) notwendigen Anforderungen durch unabhängige Auditoren und Organisationen sowie den Vlog erfolgt. Im Übrigen bieten wir schon seit 2009 gentechnikfreie Milch an. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter: www.egsh.de. Hier konnten innerhalb der letzten 6 Jahre über 12 Millionen Euro an die teilnehmenden Landwirte ausgeschüttet werden. Wir hoffen, Ihnen mit diesen Informationen geholfen zu haben und verbleiben Mit freundlichen Grüßen __________________________________________ Unsere Recherche: (bei einem teilnehmenden Bauern)   Das Projekt …