Bauer Willi
Kommentare 60

Unverlangt eingesandt: Wir stehen auf einer Seite

Diese Mail hat uns Kathrin geschickt. Sie hat so ihre Probleme mit einem verantwortungsvollen Einkauf. Es ist aber auch wirklich schwierig.

Lieber Bauer Willi,

ich habe nach der mittlerweile über einem Jahr alten Forumsdiskussion geschaut, weil das Thema heute, ob der Milchpreis wieder genauso aktuell ist, wie vor einem Jahr.  Nun ist es (wieder) soweit… ich als Verbraucher muss dran glauben… diesmal bin ich für die Milchpreise verantwortlich und diesmal fühle ich(!) mich mal wirklich ungerecht behandelt. Nicht von dir… aber so insgesamt…

Die Milchpreise im Keller… und mein Verhalten ist schuld!? Aber ich war es doch gar nicht…  Schon vor einem Jahr berichtete ich von einer Molkerei in der Nähe, die früher mal geliefert hat, nun aber nicht mehr.  Ich habe mich entschlossen, auch wenn ich weiß, dass Milch zugekauft wird, um die zahlreichen Märkte zu beliefern (mittlerweile ist die Milch auf Sylt angekommen), diese Milch weiter zu kaufen. Ich weiß, wo sie herkommt, ich kann mir die Kühe anschauen, sie schmeckt einfach gut (auch wenn der Fettgehalt von 3,9 auf 3,5 gesunken ist) und: Ich zahle gerne 1,10 EUR pro Liter. Wann immer ich es schaffe, kaufe ich auf dem Markt Milchprodukte direkt vom Erzeuger (1,20 EUR pro Liter Milch) und weil ich nicht immer auf den Markt komme, auf dem der Erzeuger verkauft, habe ich den Marktleiter unseres Marktes angeschrieben, ob nicht noch ein Marktplatz für den Milchstand frei wäre.

Schaffe ich es gerade mal nicht in eins der Geschäfte, die diese Milch führt, kaufe ich Weidemilch (0,59 Cent der halbe! Liter).  Bis vor kurzem habe ich auch, weil lecker und regional meine Butter für 1,69 EUR gekauft. Nun muss(!) ich – und das meine ich auch so – sie für 1,11 EUR kaufen. Sie liegt nämlich so im Kühlregal.  Ich bin dieses Mal einfach nicht schuld. Aber ich weiß auch nicht, was ich tun soll!  Niemand von den Leuten um mich rum will so einen geringen Milchpreis. Nahezu alle kaufen die Milch nach Geschmack und nicht nach dem Preis.  Ich glaube mittlerweile auch, dass die meisten Verbraucher gar nicht wissen, was sie für einen Liter Milch “normalerweise” bezahlen.

Ich würde jede Petition unterschreiben, die besagt, dass die Landwirte einen Mindestpreis für ihre Milch bekommen müssen oder das deutsche Molkereien keine Milch verarbeiten dürfen, die unter einem gewissen Wert eingekauft wurde.  Mittlerweile wären ja wieder die 10 Cent für den Erzeuger-Produkte vom Discounter super.. aber bei Milch kann ich das nicht… ich mag keine fettarme, haltbare Milch.

Aber was kann ich sonst tun?  Ich habe mich auch gefragt, warum alle Milchbauern anscheinend für die Abschaffung der Milchquoten waren. Warum eigentlich? War es mit nicht besser?  Was machen wir jetzt? Ich möchte gerne für meine immer gekaufte Butter wieder 1,69 EUR zahlen.  Die Landwirte möchten wieder vernünftige, kostendeckende Einnahmen aus der Milchproduktion. Das passt doch schon mal zusammen, oder? Ich möchte, dass die Landwirtschaft erhalten bleibt, weiter unser Landschaftsbild prägt und in der Lage ist, uns -als Land/als Volk vernünftig zu ernähren.  Ich bin bereit, für gute Produkte auch einen vernünftigen Preis zu zahlen.  Zwischen mir und dem Landwirt stehen aber noch der Einzelhandel und die Molkerei.

Diesmal stehen wir wirklich auf einer Seite. Ich bin Verbraucher und dieses Mal wirklich nicht schuld. Es soll aber trotzdem nicht so weiter gehen.  Was tun wir?

Ganz viele Grüße, Kathrin

(Aufrufe 1.537 gesamt, 1 heute)

60 Kommentare

  1. Schweinebauer Piet sagt

    Was kannst Du tun fragst Dich. Nichts meine ich oder Du bringst alle dazu, mehr Milch zu kaufen, dann wird das Angebot die Nachfrage nicht decken und der Preis steigen. Man ist das einfach? !?!

  2. Irgend Einbauer sagt

    Liebe Kathrin, vielen Dank für dein Statement. Du, und selbstverständlich auch die anderen Konsumenten tragen keine Schuld an den niedrigen Milchpreisen, und der selektive Einkauf bringt den Bauern insgesamt überhaupt nichts, denn es ist nur eine Verschiebung von einem Bauern zum Anderen. Der Milchmarkt ist inzwischen global, und lässt sich von regionalen Mengenregulierungen nicht preiswirksam beeinflussen. Nur die Kosten einer solchen Regulierung wären direkt von den Bauern zu tragen.
    Und insgesamt ist sowieso viel zu wenig Milch da, nur gibt es heute noch mehrere hundert Millionen Familien, die sich Milchprodukte trotz Verfügbarkeit zu Produktionskosten nicht leisten können. Hier wäre die internationale Gemeinschaft gefragt, einen Lösungsweg zu finden.
    Den Autoherstellern wurde aus der Krise geholfen, in dem man mit einer Abwrakprämie funktionstüchtige Autos verschrottet hatte. Das war ökologischer und humanitärer Unfug.
    Exporterstattungen für Milchpulver in notleidende (und ausschließlich in notleidende) Länder würden hunderte Millionen Mütter wieder in die Lage versetzen, ihre Kinder nicht mehr hungrig ins Bett legen zu müssen. Nur ist das politisch nicht gewollt. Zu sehr sind Misereor, Brot für die Welt, und Greenpeace in die Politik verstrickt, und direkt vom spendenwirksamen Elend abhängig.

    • Rebecca sagt

      Ganz so einfach ist es nicht mit den Exporten. Sollen die Steuerzahler über Exporterstattungen in notleidende Länder die ebenfalls steuerfinanzierten Entwicklungsprojekte zerstören nur weil einige deutsche Landwirte und ihre Verbände vom Weltmarkt träumen, global mitmischen wollen, aber übersehen das sie versuchen als Dackel mit den großen Hunden zu bellen?

      Wir müssen endlich mal aufhören auch unter dem Deckmäntelchen der Nächstenliebe andere Länder auszubeuten.

      Als Soforthilfe steuerfinanziert Überschüsse in arme Länder exportieren ist sicher gut, aber als längerfistiges Modell zerstört das die dortige Landwirtschaft.

      Auch die Bauern in den dritte Welt Ländern wollen leben und eine wirtschaftliche Existenz aufbauen.

      Statt Träumen vom Weltmarkt sollten die heimischen Erzeuger sich lieber um Regionalität bemühen, qualitativ hochwertig und bedarfsgerecht für Bedarf im Land produzieren und das entsprechend kommunizieren und bewerben. Dann klappts auch mit den Preisen.

      • Ehrlicher sagt

        Was verstehts Du unter Regionalität bei einer zunehmenden Verstädterung und abnehmendner Landbevölkerung? Darf der Bauer aus Bayern Milch nach Hamburg liefern oder Berlin? Wenn ja darf auch den Däne Milch nach Hamburg liefern? Viele Milchinhaltsstoffe gehen zum Beispiel als Grundstoffe in die Industrie, wie siehts da mit der Regionalitiät aus?
        50 % der in Deutschland Produzierten Milch geht ins Ausland, wenn wir keine Irische Butter mehr importieren oder französischen Käse wären wir schon ein Stück weiter, aber wollen wir als Gesellschaft dieses?
        Wer keine Lebensmittelexporte in arme Länder will, der muss auch aufzeigen wie die Menschen dort dann ernährt werden sollen! Wir haben hier eine der ertragreichsten Regionen der Welt mit genügend Wasser. In anderen Ländern ist wasser schon ein Problem. Wie exportiert man am effektivsten Wasser? Geanu in Lebensmittel.
        Willst Du das jeder zweite deutschen Milchviebauer aufhören soll, denn ohne Exporte wäre das die Rechnung bei der der Markt wieder im Gleichgewicht wäre!

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Wenn keine Lebensmittel in arme Länder geliefert werden, sind die deutschen Landwirte schuld, werden geliefert wird die dortige Landwirtschaft ruiniert, schuld haben wiederum die deutschen Landwirte. Unsere Blümchen lassen wir in Keniss wachsen, die mögen damit ihr spärliches Leben finanzieren, den Hunger dort stillt das nicht.

        Natürlich dürfen wir jetzt nicht unsere Milchüberschüsse in Länder Exportieren, wo wir den Markt der einheimischen Erzeuger stören könnten.

        Vor 4 Jahren wurde ein angeblicher Milchviehbauer aus Kamerun
        auf der Berliner Anti-Bauern-Hetzveranstaltung präsentiert, der sich darüber beklagte, mit seiner Milch nichtmehr gegen das europäische Milchpulver konkurrieren zu können. Seine Produktionskosten bezifferte er – man lese uns staune – auf 60 cent/Liter. Das Durchschnittseinkommen in Kamerun beträgt ca 80 Euro. Wenn in einem solchen Niedriglohnland solch exorbitant hohen Produktionskosten für Lebensmittel sind, dann ist der Hunger der Bevölkerung der Städte vorprogrammiert.. es sein denn sie haben Zugang zu günstigerer Nahrung. Die Antwort, wieso die Produktionskosten fast doppelt so hoch sind als bei uns ist ganz einfach: Wenn nach der Ideologie irgendwelcher strunzdummen Entwicklungshilfebettelclubs gewirtschaftet wird, bekommt die dortige Landwirtschaft nie einen Fuß auf den Boden. Dünger, Pflanzenschutz, professionell gezüchtetes Saatgut und leistungsfähige Tiere, damit bekämpft man den Hunger

      • Öko-Sepp sagt

        Rebecca, er schreibt extra: “und ausschließlich in notleidende”

        > Überschüsse in arme Länder exportieren ist sicher gut,
        > aber als längerfistiges Modell zerstört das die dortige Landwirtschaft.

        Bitte Beispiele nennen, wo es in einem notleidenden Land jemals eine
        funtionierende Landwirtschaft gab. Und solltest Du eins nennen können,
        dann die Ursache für den Wandel beurteilen (Kriege, Bevölkerungsexplosion)

        > Auch die Bauern in den dritte Welt Ländern wollen leben
        > und eine wirtschaftliche Existenz aufbauen.

        Es kommt bald das “gib-ihm-eine-Angel-keinen-Fisch”-Argument. Das ist
        natürlich ok. Aber: es gibt Länder, Situation wo der Bauer mangels Kraft
        keine Angel halten kann und auch weit und breit kein Wasser ist und
        nie kommen wird.

        • Rebecca sagt

          Öko Sepp,

          sowas meine ich http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-01/exporte-gefluegel-afrika

          oder sowas http://www.taz.de/!5050558/

          Sicher gibts Länder wo die Bedingungen schwierig sind, aber da muss die Kraft dahin gesteckt werden Lösungen zu finden. Exporte um die momentane Not zu lindern sind sicher hilfreich, aber kein Zukunftskonzept.

          @ehemaliger Landwirt, sicher ist die Landwirtschaft nicht so effizient wie unsere. Wobei ich die Produktionskosten im Verhältnis nicht so richtig glauben kann.

          Aber egal, auch hier können keine Exporte eine Dauerlösung sein. Sicher bringt Verzicht und stützen des Ausbaus der Eigenversorgung zunächst Nachteile. Aber die werden von den Vorteilen wett gemacht.

          Sieh dir zum Beispiel Russland an , welchen Sprung die russische Landwirtschaft seit Beginn der Sanktionen gemacht hat. Anfangs (Und vielleicht noch immer ) haben sie Schwierigkeiten, aber es ist ein Konjunkturprogramm für die heimischen Betriebe.

          • Inga sagt

            Na klar, weil der Handel und die Mokereien ja mehr von der Wertschöpfung haben, oder?

  3. Sabine sagt

    Es steht wohl nicht nur der Einzelhandel und die “Veredler” zwischen uns und den Landwirten, sondern auch stapelweise Gesetze, Verordnungen, Richtlinien.

    Unter dem Deckmäntelchen des Verbraucherschutzes wird nicht nur bei Milch kleinen Handwerks- und Landwirtschaftsbetrieben das Wasser abgegraben.
    Leute, die regionale Produkte im kleinen Rahmen verarbeiten und verkaufen möchten, müssen sehr viel Geld in die Hand nehmen, um diese Vorschriften umzusetzen. Oft lohnt es sich genau deshalb nicht mehr die regionale Verarbeitung zu beginnen oder zu erhalten.

    Ich hätte gerne gewusst, ob denn früher wirklich so viele Leute an Lebensmitteln aus kleinen Betrieben erkrankt sind.

    • Inga sagt

      Die Behörde mit Hygienevorschirften oder Verbraucherzentrale muß auch leben und bietet x Arbeitsplätze.

      Aber Lebensmitttel im größeren Rahmen zu handeln und frisch zu halten benötigt eben mehr Vorschirften.

      Vieleicht zahlen dann die Krankenkassen und andere Versicherungen nicht, wenn man Lebensmittel einnimmt, die ohne diese Vorschirften erzeugt worden sind.
      Wenn danach ws passiert, Samolnellen oder so.
      Und ob ein Kleinbauer ein Familenauskommen erwirtschaften kann, der wie früher,ohne diese Vorschriften alles auf seinem Hof selbstvermarktet? Ob es dann genug Kunden gibt, die ihm alles abkaufen?

  4. Ehrlicher sagt

    Hallo Kathrin,

    Deine Einstellung ist gut und es ist zu wünschen, dass viele so handeln wie du. Leider wird immer wieder festgestellt, dass viele Verbraucher bei Umfragen gern angeben zu teuren Produkten zu greifen, die die hohe Qualität der heimischen Landwirtschaft unterstützen, aber bei ihrer Kaufentscheidung im LEH leider dann doch zum günstigen Produkt greifen. Es gibt ja in vielen Geschäften hochpreisige Angebote an Milchprodukten, leider sind diese auch in den heutigen schweren Zeiten für die Milchbauern immer noch im ausreichenden Maße im Regal, woraus ich schließe dass nicht viele Verbraucher gezielt teuere Milchprodukte kaufen, leider! Aber
    Du liebe Kathrin bist ein leuchtendes Beispiel für viele! Unsere Politiker und Würdenträger sollten sich dafür einsetzen, dass in Öffentlichen Großküchen, vom Krankenhaus über Kantinen der Verwaltung bis hin zu kirchlichen Altersheimen hochpreisige Produkte aus Deutschland verarbeitet werden, die deutsche Bauern unterstützen.

    • Gephard sagt

      In meinen Kreisen (nicht nur Gutverdiener) ist der Billigkauf ebenfalls eher selten. Sieht man immer wieder, wenn man bei jemanden zu Besuch ist. Doch die wenigsten wissen wirklich, bei welchem der teureren Produkte viel beim Erzeuger oder doch nur bei der Marke landet. Einige greifen aus Ratlosigkeit dann einfach zum günstigsten Bio-Produkt in der Annahme, dass es immer noch besser sei als das beste konventionelle Produkt. Deshalb empfinde ich deine Antwort als etwas anmaßend, da du die Erfahrung von Kathrin und vielen anderen Verbrauchern hier pauschal abwertest und vor allem nicht auf ihre Fragen eingehst.

      Das mit den Kantinen und Mensen ist ein weiterer Aspekt, wo man als Verbraucher kaum Einfluss hat. Nicht jeder hat die Zeit in der Mittagspause sein Essen zuzubereiten oder jeden Abend vorzubereiten. Es gibt aber viele Positiv-Beispiel von Mensen und Kantinen mit Bio-Essen zum Beispiel. Es geht schon, wenn die Entscheider wollen.

      • Rebecca sagt

        Bei den Kantinen kommt hinzu, das die um für Städte und viele größere Firmen liefern zu dürfen, zertifiziert sein müssen.
        Die dürfen garnicht bei nicht zertifizierten Betrieben kaufen , sonst ist die eigene futsch. Also mal schnell ein paar Zentner Kartoffeln oder Möhren beim nächsten Bauern der die gern los werden will kaufen ist nicht drin, wenn der nicht ebenfalls teuer zertifiziert ist.

        Das zu ändern ist aber nicht Sache der Verbraucher, sondern der Erzeuger selber . Allerdings haben zumindest deren Verbände da gar kein Interesse dran, denn das derzeitige Modell sichert den Großbetrieben die scheinbar die Verbände dominieren ihren Absatzmarkt(Vermute ich jetzt mal, und ich lass mich auch gern belehren sollte es nicht so sein)

        Was ich vermisse sind Initiativen von Erzeugerseite die das Problem benennen und sich für Veränderungen einsetzen. Statt gebetsmühlenartig ständig allen anderen die Schuld für die eigene Misere zuzuschieben wäre das mal ein echter Ansatz.

      • Ehrlicher sagt

        Der Konsum von Nahrungsmitteln außerhalb des Haushalts selbst nimmt immer mehr zu, hier hat man “Flaschenhälse” bei denen Politiker , Verbandsvertreter, Kirchenoberere und NGOs leichter gezielt Einfluss nehmen können als beim Privathaushalt, das ist unstrittig! Es geht hier auch nicht um Bio oder konventionell, wenn ich Kathrin richtig verstanden haben? Sondern um hochwertige Milchprodukte, die man auch von vielen Nicht-Biomolkereien kaufen kann, oder will hier jemand etwas anderes behaupten? Die politischen Ziele des Biomarktes werden doch seit Renate Künasts Zeit als Landwirtschaftsministerin verfolgt und die Wachstumsschritte sind klein trotz einer sehr hohen Subventionierung von Bioprodukten je Einheit. Viele Molkereien bauen momentan ihre Bioschiene aus (Ammerland, ARLA) andere Biomolkereien haben schon einen Aufnahmestopp für neue Lieferanten beschlossen. In zwei Jahren werden wir genaueres wissen, man darf gespannt sein. Und ja viele positive Beispiele gibt es, doch Beispiele alleine reichen nicht und helfen der breiten Masse der Landwirte schon mal gar nicht! Ehrlichkeit ist gefragt!
        Initiativen gibt es immer wieder auf Erzeugerseite! Die Initiative Tierwohl ist hierfür nur ein Beispiel. Wie viele Verbraucher wohl beim Einkauf gezielt nachfragen und sich eine Deklaration wünschen? Der LEH hat hieran kein Interessen

        • Inga sagt

          Alle Achtung!

          Ja, wenn man den Zwischenhandel weglassen könnte, dann könnte man vernünftige Milch zum angemessenen Preis kaufen.

          Aber die Milch muß haltbar und zu Käse und anderen Produkten gemacht werden, das kostet eben und diese Mitarbeiter wollen genau so viel Lohn mit immer mal Lohnerhöhung haben, wie die aus der Autoindustrie.

          Die “dummen” Bauern können ja für einen Nullinger arbeiten, und weil sie das nicht können, sondern auch ein Familieneinkommen erzielen müssen, stallen sie eben immer auf. (Wenn das nicht mit der Quote gestoppt wird) Und dann ist immer Milch im Überfluss da und die Märkte können reagieren und die Molkereienrunterdrücken und die wieder dem Milchbauern. Diesen Kreislauf gilt es zu druchbrechen.
          Der Kunde der im Suppermarkt einkauft kann genau so wenig dafür, wie der Bauer, der den Rohstoff Milch liefert.

          Das ist ein Phänomen, ein Selbstläufer zwischen Molkerei und Handel das zu unterbrechen ist.
          So, nun sind wir vernunfbegabte Menschen, was können wir dagegen tun?

          • Ehrlicher sagt

            Aus hygienischen Gründen sollte Milch grundsätzlich nicht direkt von der Kuh konsumiert werden. Die Milch muss verarbeitet bzw behandelt werden, um sie sicher zu genießen.
            Der Kunde im Supermarkt kann (vielleicht nicht im Disconter) immer wählen zwischen verschiedenen Milchsorten mit unterschiedlichen Preis. Sicher ist auch, dass die breite Masse zum günstigsten Angebot greift. Der Kunde kann also doch Verantwortung tragen wenn er denn will, ihn vollkommen frei zu sprechen ist mir persönlich zu einfach, denn nicht die Worte sondern die Taten entscheiden, was man gewollt hat (Sartre). Personen mit einem überhöhten Sendungesbewußtsein können dieses oft nur schwer ertragen.
            Die Lieferbeziehung zwischen Molkerei und Milchbauern soll ja neu geregelt werden, nach allem was man so liest, ob es hierdurch für alle Milchviehhalter besser wird? Ich vermute ehr, dass der Strukturwandel durch diese neuen Modelle noch schneller ablaufen wird, aber ich kann mich ja täuschen…
            Der LEH lebt freie Marktwirtschaft und erst kürzlich hat die SPD in Person von Herrn Gabriel sich +über das Kartellamt hinweggesetzt und einer weiteren Konzentration des LEH durch Fusion genehmigt. Die Genossen und Genossinen sollen doch nun nicht soooo scheinheilig tuen. Sachverstand scheint da schon lange abhanden gekommen zu sein. Es regiert der Populismus, Experten interessieren nicht!

            • Rebecca sagt

              @ehrlicher,

              dann mal her mit einer Liste von Marken die ich im hiesigen Edeka und Rewe kaufen kann um die Erzeuger zu unterstützen.

            • Sabine sagt

              Im Supermarkt wird es echt schwierig. Milchtankstelle oder direkt beim Hof abholen. Angeblich muss man die abkochen, hab ich noch nie getan und ich lebe immer noch.
              Nachteil ist, die ist ziemlich schnell um. Vorteil ist, sie schmeckt nach Milch.
              Aber Vorsicht! Unter Umständen magst Du danach die Milch aus dem Supermarkt nicht mehr. Ist ähnlich wie mit eigenen Hühnern oder Tomaten aus dem eigenen Garten, wenn man sowas länger isst, kommen einem die Produkte aus dem Supermarkt wie schlechte Plagiate vor.
              Viele Produkte aus dem Supermarkt finde ich völlig in Ordnung, aber es gibt son paar Sachen, die können die einfach nicht.
              Ich habe oft einen Verdacht, aber keine richtige Ahnung was da auf dem Weg vom Hof zum Supermarkt passiert, aber irgenwie schmeckt es anders.
              Besonders, wenn Du bisher H-Milch getrunken hast, ist der Geschmacksunterschied schon sehr deutlich.

    • Kathrin sagt

      Hallo Ehrlicher,

      vielen Dank für dein nettes Kompliment, aber ich bin kein leuchtendes Beispiel. Ich kaufe wirklich ganz normal ein.
      Ich bin – zumindest in meinem Umfeld – diesbezüglich nichts Besonderes. Das merkt man schon allein daran, dass die Milch, die ich auch gern kaufe, immer (und das mein ich auch so) zuerst weg ist… und es ist die teuerste im Regal (kein Bio, aber keine Gentechnik).

      Und um bei meinem Beispiel “Butter” zu bleiben. Ich mag diese Butter einfach am liebsten und daher kaufe ich sie.

      Ich mach mir zwar mittlerweile (auch durch Bauer Willis klare Worte letztes Jahr) mehr Gedanken, was beim Erzeuger ankommt und kaufe im Zweifel dann eher doch die “10 Cent für den Erzeuger” Produkte.

      Aber, und das hatte ich letztes Jahr schon mal angeführt. Ich weiß doch im Zweifel gar nicht, wo das Produkt, hier die Milch herkommt.
      Ja, ich schaue auf den Molkereistempel, weil ich Produkte einer ganz bestimmten Großmolkerei nicht kaufe, aber gerade das verwirrt doch.
      Da steht das Markenprodukt für 20 Cent mehr als das No.Name-Produkt im Regal… gleiche Molkerei…

      In diesem Fall gibt es keinen Grund nicht das günstigere Produkt zu nehmen.
      Aus meiner Sicht gäbe es viel mehr von den Menschen, die du (netterweise) als Beispiel siehst, wenn wir wüßten, wo das Produkt herkommt.
      Beim Fleischer steht (zumindest bei uns): Aufgewachsen, geschlachtet und verarbeitet in Deutschland. Das könnte doch bei Milchprodukten auch der Fall sein, oder?

      Trotzdessen freu ich mich über deine so nette Antwort!

  5. Hallo Kathrin,
    hier können Sie mal reinschauen, dann wissen Sie, das wir Bauern unsern Markt nicht allein bestimmen können. Aber wir können einiges dazutun sich vom großen Globalen Markt abzuheben. Das ist nicht für alle eine Lösung, es wollen auch nicht alle eine Lösung in dieser Form, es wird ein schwerer Weg, leider war dieser vorherzusehen!

    DBV – die Geister, die er rief wird er nicht mehr los!
    Veröffentlicht auf 4. Juni 2016 von Karl-Dieter Specht
    http://specht.over-blog.de/2016/06/dbv-die-geister-die-er-rief-wird-er-nicht-mehr-los.html?utm_source=_ob_share&utm_medium=_ob_facebook&utm_campaign=_ob_share_auto

    Natürlich kann der Verbraucher nur einen ganz kleinen Teil helfen das es wieder anders wird, er muss sich auch nicht schuldig fühlen. Wir können nicht am Weltmarkt unsere Gute, aber viel zu teuer Produzierte Milch für uns Kostendeckend verkaufen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.