Autor: Bauer Willi

Ethik und Tierwohl

Arnold Krämer hat sich die Stellungnahme des Ethikrates zum Tierwohl durchgelesen und zusammengefasst. Am Ende findet ihr seine Bewertung. Der Deutsche Ethikrat beschäftigt sich entsprechend seinem gesetzlichen Auftrag mit den großen Fragen des Lebens. In seiner aktuellen Stellungnahme vom 16. Juni 2020 „Tierwohlachtung – zum verantwortlichen Umgang mit Nutztieren“ fordert er eine stärkere Achtung des Tierwohls und spricht im Abschnitt 5 relativ konkrete Empfehlungen für einen „vernünftigen“ Umgang mit Nutztieren aus. In der Einleitung zu diesen Empfehlungen (Seite 43 bis 48) stellt er fest, dass viel Unklarheit in der Gesellschaft hinsichtlich eines angemessenen Umgang mit Nutztieren bestehe, Tieren oft routinemäßig Schmerzen und Leid zugefügt werde, und es einen erheblichen Bedarf an praktischen Reformen gebe.   Er sieht Mindeststandards eines ethisch zu verantwortenden und auch tierschutzgesetzlichen Vorgaben entsprechenden Umgangs mit Nutztieren als derzeit nicht oder nicht hinreichend beachtet an. Die vom Ethikrat formulierten Eckpunkte einer ethisch verantwortlichen Nutztierhaltung werden nachstehend in knapper Form wiedergegeben. Sie dienen nach eigener Aussage „der ethischen Fundierung umfassender, dem Tierwohlgedanken verpflichtete Reformvorschläge, wie sie etwa der wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim …

Systemrelevant…? Bundesweite Razzien…!

Ich soll mich ja nicht aufregen. Es ist noch nicht lange her, da wurde die Landwirtschaft als systemrelevant eingestuft. Das war Mitte März: https://www.topagrar.com/management-und-politik/news/coronakrise-landwirtschaft-ist-systemrelevant-12002265.html Am vergangenen Freitag (19.6.2020) dann bundesweite Razzien des Zolls bei landwirtschaftlichen Betrieben mit Saisonarbeitskräften. https://rp-online.de/nrw/panorama/bundesweite-grosskontrolle-des-zolls-bei-saisonkraeften-und-erntehelfern_aid-51748677 Man muss sich das einmal vorstellen: noch vor wenigen Wochen war nicht klar, ob die Ernte von diversen Kulturen sowie Neuanpflanzungen für den Herbst überhaupt gelingen kann. Landwirte haben Flüge gebucht und bezahlt, um Arbeitskräfte ins Land zu holen. Die meist osteuropäischen Arbeitnehmer*innen waren sehr froh, dass sie kommen konnten. Die Vorschriften für Arbeit und Unterbringung wurden coronabedingt verschärft. Und bei den Bauern auch umgesetzt. Mir wurde glaubhaft geschildert, dass jetzt in einem Betrieb mit 10 Erntehelfern eine Truppe von 15 Zoll-Mitarbeitern mit schusssicherer Weste, Gummiknüppel und Waffe den Betrieb darauf hin untersuchten, ob Schwarzarbeit vorliegt. Auch die Unterkünfte wurden untersucht. Die Betriebsleiter kamen sich wie Schwerverbrecher vor, dabei waren sie es ja, die sich darum gekümmert haben, dass die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt ist. https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/razzia-zollaemter-nrw-landwirtschaft-100.html Damit eines klar ist: Kontrollen müssen sein, um die berühmten …

Eine Politikerin mit Niveau … geht

Dr. Kirsten Tackmann sitzt für die Partei „Die Linken“ im Bundestag. Nun hat sie erklärt, dass Sie bei der nächsten Bundestagswahl nicht mehr kandidieren wird.  Da ich Frau Tackmann persönlich kenne, habe ich ihr einen Brief geschrieben. Die Antwort darauf ist bemerkenswert und hat mich sehr beeindruckt. Hier zuerst mein Brief an sie: Liebe Frau Tackmann…               .. wir sind uns zwar nur einmal persönlich begegnet, dennoch haben Sie auf mich einen nachhaltigen (was für ein modisches Wort) Eindruck hinterlassen. Zwar bin ich nicht unbedingt ein Anhänger Ihrer Partei, aber das, was Sie persönlich zu den Themen der Landwirtschaft beisteuern, ist immer von fachlich hohem Wissen und menschlichem Engagement geprägt. Eine solche Stimme darf nicht verloren gehen. Ich habe über top agrar davon erfahren, dass Sie 2021 nicht mehr antreten wollen. Bitte überlegen Sie das noch einmal. Das Alter können Sie nicht vorschieben, denn 59 ist das beste Alter und ich muss es als 65jähriger wissen. Vielleicht finden Sie ja Gelegenheit, mir zu antworten. Wenn Sie einverstanden wären, würde ich mit Ihnen auch gerne wieder ein …

Die Dankbarkeit der Saisonarbeiter

„Sklaven bedanken sich bei Sklavenhaltern“ (Ironie off) In den letzten Tagen wird kein Superlativ ausgelassen, um die Situation der Saison-Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und dem vor- und nachgelagerten Bereich in den dunkelsten Farben zu beschreiben. Die journalistische Fairness sollte es aber gebieten,  auch den „Offenen Brief“ von ukrainischen Saisonarbeitern zu zitieren, in dem sich diese bei den Gemüsebauern in Oberösterreich bedanken, die ihnen die Einreise ermöglicht haben. Die Menschen aus Osteuropa sind auf die Einnahmen angewiesen. https://www.tips.at/nachrichten/eferding/land-leute/508791-erntehelfer-bedanken-sich-bei-organisatoren https://www.meinbezirk.at/grieskirchen-eferding/c-lokales/sowohl-bauern-als-auch-erntehelfer-sind-froh-ueber-loesung_a4088955 Wenn es um das Massenauftreten von Neuinfektionen geht, stehen die Schlachtbetriebe derzeit im Focus. Nur ganz versteckt liest man von einem kompletten Häuserblock, der in Berlin unter Quarantäne gestellt wurde. https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-app-reinickendorf-gesundheitsamt-1.4939185?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE Wohl auch deshalb, weil es sich bei den Bewohnern um Sinti und Roma handelt. Da will sich keine Redaktion die Finger verbrennen…  

Zukunft im Revier – nur für junge Leute

Heute mache ich mal so richtig Werbung. Frau Schaller hat mich darum gebeten und ich finde die Idee auch gut. Sie arbeitet bei einer Organisation, die sich um die Zukunft des Reviers kümmert, wenn die Kohle mal nicht mehr ist. Und das könnte hier im Rheinischen Revier schneller gehen als gedacht. Gut also, dass es auch Menschen gibt, die sich darum kümmern wie es weitergehen kann. Meckern ist einfacher. Am 25. Juni geht es um die Jugend von 16 -25 Jahre. In einer Videokonferenz will man ins Gespräch kommen. Da die digitalen Plätze begrenzt sind, bitte bis zum 21.6. anmelden unter:  revier@zebralog.de Mehr Infos hier: https://www.unser-zukunftsrevier.de/?fbclid=IwAR0DSE5TpdaINqa3IApTBSQNfOpK-Iw0zII5KELe4RrECvF0PRpg-Y6MT3s#href=%2Finformationen%2Fmeldungen%2Frevier-gespraeche-wir-suchen-dich&container=%23main-content Und natürlich ist Landwirtschaft ein ganz wichtiges Thema, denn sie ist im Revier Arbeitgeber Nr. 2. Mehr zum Rheinischen Revier hier: http://www.rheinisches-revier.de/?fbclid=IwAR0Iw8Tg6GmkXthHsT42XZPDUyUx4HYe01sABno5EDCKitU2luuEX2j0LHg

Weltpremiere! Neue Rüben-Hacke

Weltpremiere!! Stefan hat mit seinem Kollegen Thomas Stangl im Rahmen seiner Promotion eine neue Hacktechnik entwickelt, mit der er auch zwischen den Rüben in der Reihe hacken kann. Das gibt es zwar schon von anderen Herstellern, allerdings arbeiten diese technisch anders, langsamer und nicht so fehlerfrei. Diese Maschine ist 12-reihig, bis zu 2 km/h „schnell“ und schafft eine Stundenleistung von bis zu 1 Hektar. Das ist ganz ordentlich. Was mir Stefan noch sagte: Für den Frontanbau wäre es hilfreich wenn standardmäßig Isobus Tim im Trecker vorhanden wäre. Ich verstehe davon aber nichts. Was mich besonders freut: Das Video wird hier erstmals einer breiten Öffentlichkeit gezeigt. Die Maschine ist bisher nur in Niederbayern gesichtet worden. Wer in Kontakt mit den Erfindern treten möchte: Stefan Heinrich <stefan@heinrichstefan.eu>   Das Video darf die Berufsgenossenschaft aber nicht sehen… Hier noch weitere Technik die bei Biorüben unerlässlich, aber auch für konventionelle Rüben interessant ist.   Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten …

Der Wumms, die Mehrwertsteuer und das billige Essen

Im Rahmen des Wumms-Paketes hat die Bundesregierung beschlossen, die Mehrwertsteuer für Lebensmittel für den Zeitraum vom 1. Juli bis zum 31. Dezember von 7% auf 5% abzusenken. Damit soll der Konsum angekurbelt werden. Merkt das einer? Ich denke, dass sich in Deutschland niemand darüber beschweren darf, dass unsere Lebensmittel zu teuer sind. Bei vielen Produkten bewegen wir uns bei den Preisen im Cent-Bereich. Wie soll also der ermäßigte Steuersatz auf diese Produkte umgelegt werden? Ein Kohlrabi, der heute 0,59 € kostet, wäre dann, gerundet, um 1 Cent billiger. Bei 10 Eiern für 0,99 € wären es schon 2 Cent. Ich frage mich, warum die Regierung die Mehrwertsteuer bei Lebensmitteln nicht unverändert gelassen hat, denn bei einem Einkauf von 100 € macht das gerade mal 2 € aus. Lohnt dafür der ganze Aufwand? Und ist es wirklich das richtige Signal? Gibt der Handel den Steuervorteil weiter? Mag ja sein, dass ich ein schlechter Mensch bin, aber wenn ich einen Supermarkt hätte, würde ich jetzt, wo ich weiß, dass die Senkung kommt, den Preis ganz langsam anheben. …

Klopapier, Hefe, Seife…alles so wie vorher

Können Sie sich noch daran erinnern? Es gab mal eine Zeit, die noch gar nicht so lange her ist, in der bestimmte Produkte nahezu mit Gold aufgewogen wurden. Nun, nicht ganz, aber so ein wenig Panik hat doch jeder verspürt, wenn die Vorräte an Toilettenpapier so langsam nur Neige gingen. Und man für Hefe anstand, weil man ja jetzt selber backen wollte. Das haben wir vorher nicht gemacht. Gestern Lebensmittel wurden gehortet, als wenn es kein Morgen mehr gäbe. Bilder wie oben waren über mehrere Wochen zu sehen. Wir wollen es heute nicht mehr wahrhaben und jeder wird heute sagen, dass „ich diesen Blödsinn damals nicht mitgemacht habe“. So belügen wir uns selbst, weil wir uns vor uns selbst schämen. Heute Heute ist wieder alles normal. In den Supermärkten fehlt nichts, aber auch garnichts. Gut, manches ist etwas teuerer, aber wesentlich ist das nicht. Es wird gekauft. Und was gekauft wird, wird auch produziert. So wie vorher. Morgen „Nach Corona ist nichts mehr so wie vorher“. Doch, es wird alles so weitergehen wie bisher. Die …

Es gibt auch Zuckerrüben…

Ja, das ist Bio. Und deshalb ist es teuer. Man sehe sich mal die Preise für ein Kilogramm an. Ahornsirup kommt für gewöhnlich aus Kanada. Datteln sind in Europa auch eher selten. Und Zuckerrohr-Melasse könnte aus Brasilien kommen. Aber ja, es ist bio. Ich kann das nicht verstehen. Warum muss das aus Übersee kommen? Ich baue Zuckerrüben an. 1000 g Rübenzucker (Raffinade) kosten so um die 0,70 €/kg. Fast egal ob bei REWE, Edeka, Aldi oder Lidl. Ahornsirup liegt für 1000 ml bei 28 €, Dattelsirup bei schlappen 14 €. Und Zuckerrohr-Melasse ist mit 9,96 €/kg geradezu günstig. Wenn ihr die Preisdifferenz in Prozent ausrechnet, wird euch schwindelig. Wenn ich Zuckerrüben anbaue, ist das gut für die Fruchtfolge, für das Klima und die Umwelt. Ich muss dafür keinen Regenwald roden. Und die Transportwege sind viel kleiner. „Meine“ Zuckerfabrik liegt 30 km entfernt. Statt Ahorn- oder Dattelsirup könnt ihr doch auch Zuckerrüben-Sirup („Rübenkraut“) essen. Grafschafter Goldsaft zum Beispiel. Der kommt hier aus der Region, schmeckt gut und ist preislich für jeden erschwinglich. Den gibt es auch …

Grüne, Gentechnik und ein neues Denken

Am 10. Juni haben einige Politiker der Partei „Die Grünen“ ein Papier zum Thema Gentechnik veröffentlicht, das ich deshalb für bemerkenswert halte, weil es der bisherigen Position der Grünen widerspricht. Die Autor*innen wollen eine Bewertung der neuen Gentechnik, die sie in sechs Thesen darlegen. https://www.gruene.de/artikel/neue-zeiten-neue-antworten-gentechnikrecht-zeitgemaess-regulieren Hier schon mal die Überschriften. Es lohnt sich aber, den gesamten Text zu studieren, weil man darin das Bemühen sieht, die komplexen Zusammenhänge angemessen zu bewerten. 1. Die politischen Herausforderungen in der Landwirtschaft, egal ob lokal, national oder global, werden sich nicht durch eine einzelne Technologie lösen lassen, aber auch nicht ohne Technologiesprünge hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit. 2. Neue Gentechnik in der Landwirtschaft steht nicht per se für weniger oder mehr Nachhaltigkeit, sondern kann potentiell für beides genutzt werden. 3. Die aktuelle Regulierung von genveränderten Organismen (GVO) befördert Monopolstrukturen in der Landwirtschaft; für faire Märkte, die für alle zugänglich sind, brauchen wir neue Regeln. 4. Die grundsätzlich akzeptierte Rote Gentechnik führt schon heute vor Augen, dass auch das Unterlassen der Anwendung nicht von Verantwortung gegenüber der Gegenwart und …