Bauer Willi
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Grüne, Gentechnik und ein neues Denken

Am 10. Juni haben einige Politiker der Partei “Die Grünen” ein Papier zum Thema Gentechnik veröffentlicht, das ich deshalb für bemerkenswert halte, weil es der bisherigen Position der Grünen widerspricht. Die Autor*innen wollen eine Bewertung der neuen Gentechnik, die sie in sechs Thesen darlegen.

https://www.gruene.de/artikel/neue-zeiten-neue-antworten-gentechnikrecht-zeitgemaess-regulieren

Hier schon mal die Überschriften. Es lohnt sich aber, den gesamten Text zu studieren, weil man darin das Bemühen sieht, die komplexen Zusammenhänge angemessen zu bewerten.

1. Die politischen Herausforderungen in der Landwirtschaft, egal ob lokal, national oder global, werden sich nicht durch eine einzelne Technologie lösen lassen, aber auch nicht ohne Technologiesprünge hin zu mehr Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit.

2. Neue Gentechnik in der Landwirtschaft steht nicht per se für weniger oder mehr Nachhaltigkeit, sondern kann potentiell für beides genutzt werden.

3. Die aktuelle Regulierung von genveränderten Organismen (GVO) befördert Monopolstrukturen in der Landwirtschaft; für faire Märkte, die für alle zugänglich sind, brauchen wir neue Regeln.

4. Die grundsätzlich akzeptierte Rote Gentechnik führt schon heute vor Augen, dass auch das Unterlassen der Anwendung nicht von Verantwortung gegenüber der Gegenwart und Zukunft entbindet.

5. Inkohärente Anwendung schwächt das Vorsorgeprinzip – wir müssen eine faktenbasierte Antwort geben, wann eine Technologie ausreichend erforscht ist, um als sicher zu gelten.

6. Aktuelle Regulierung von GVO entspricht teilweise nicht mehr dem wissenschaftlichen Stand – entscheidend ist nicht die Technologie, sondern das Ergebnis

Unterschrieben wurde es von Anna Christmann, Viola von Cramon, Theresia Bauer, Kai Gehring, Katharina Fegebank, Danyal Bayaz, Hans-Josef Fell, Johannes Kode, Alexander Link, Johannes Kopton, René Gögge, Almut Mackensen, Arven Herr, Johannes Geibel, Carsten von Wissel, Sebastian Lakner, Tom Beyer, Luisa Schwab, Hauke Köhn, Dorothea Kaufmann, Lukas Weber, Simon Heinze

Ob die Verfasser in ihrer Partei dafür eine Mehrheit bekommen, muss abgewartet werden. Nach meiner Erfahrung mit Herrn Habeck müsste er dies auch unterschreiben können. Andere Teile der Partei werden es wohl mißbilligen.

Der Satz: Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern das Ergebnis lässt hoffen. Es wäre zu wünschen, dass dies von allen Parteien so gesehen wird und auch in anderen Bereichen der Landwirtschaft Anwendung findet.

Bauer Willi

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64 Kommentare

    • Reinhard Seevers sagt

      Merkwürdige Kausalität-Korrelations – Diskussion…..Guyana ist das Land mit der höchsten Selbstmordrate weltweit ….vielleicht liegt das am guten Wetter, oder zu wenig Gentechnik, oder zu wenig Dekadenz….wer weiß, jedenfalls liegt es nicht an Gentechnik, wetten!?

  1. Thomas Apfel sagt

    Ich denke, es ist absolut folgerichtig, dass sich ein Teil der Grünen an die Wirklichkeit annähern will. Die aufgebauten Dogmen zur Abgrenzung gegenüber konventioneller Ware sind: “ungespritzt”, “Gentechnik-frei”, “nachhaltig”, “Alleinseeligmachender Weg zum Frieden mit Tier und Pflanze”.
    Das einzige was breit angekommen ist, ist “ohne Gift” also ungespritzt. Das rührt daher, dass jahrzehntelang der Popanz der Vergiftung der Menschen durch die Landwirtschaft gefüttert wurde. Jetzt könnte es mit den neuen Methoden ganz schnell zu neuen Sorten komen, die über Resistenzen verfügen, die es tatsächlich zulassen Behandlungen einzusparen.
    Dazu kommt die Einschätzung eines Urgesteins der Grünen Bewegung (Urs Niggli) dass wahrscheinlich “ökologisch integriert” der richtige Weg ist und eben nicht Bio mit “Abgrenzungsdogmatik”. Der Albtraum der Branche wäre, das wirksamste Abgrenzungsmerkmal “ungespritzt” zu verlieren und dann nicht mal Zugriff auf die Neuzüchtungen zuhaben, weil jegliche ernsthaft Beschäftigung der öffentlich finanzierten Wissenschaft bislang verhindert wurde.
    Selbst das Tabu Thema Freilandversuche wird angefasst. Da wird mit dem fundamentalistischen Teilen der Bewegung gebrochen. Der Siegeszug der neuen grünen Gentechnik ist nicht zu verhindern, man möchte jetzt auf jeden Fall dabei sein.
    Die Forderung nach verstärkter öffentlich finanzierter Forschung in diesem Bereich ist vollkommen richtig, nur kommt sie durch die eigene Blockadehaltung viel zu spät. Da ist schon fast alles in privater Hand.

    • Stadtmensch sagt

      Gerade gefunden:

      “Allerdings entschied der EuGH (Europäische Gerichtshof) am 25. Juli 2018, dass die neuen Genome Editing-Verfahren als Gentechnik anzusehen sind und den gleichen Zulassungs- und Kennzeichnungsvorschriften unterliegen wie gentechnisch veränderte Organismen (GVO). Grundlage des Urteils war eine rein juristische Interpretation des bestehenden EU-Gentechnikrechts. Doch das ist mehr als 30 Jahre alt und stammt aus einer Zeit, als sich niemand ein Verfahren wie Genome Editing vorstellen konnte.”

      Seit dem EuGH-Urteil haben sich mittlerweile alle großen Wissenschaftsorganisationen für eine Überarbeitung der veralteten GVO-Definition ausgesprochen. Sie empfehlen, genom-edierte Pflanzen dann von den Gentechnik-Vorschriften auszunehmen, wenn keine artfremde genetische Information eingeführt wurde und die Veränderung sich auch natürlich-zufällig oder durch herkömmliche Züchtung hätte ergeben können.

      https://www.transgen.de/forschung/2564.crispr-genome-editing-pflanzen.html

    • Ostbauer sagt

      Die Schwierigkeit wird jedoch darin bestehen, den Menschen die jahrelang gepredigte Ablehnung gegenüber der grünen Gentechnik wieder auszureden.
      Da ja der EuGH Genome Editing mit GVO juristisch gleichgesetzt hat, wäre zuerst mal Brüssel am Zug.
      Durch die Nichtnachweisbarkeit in den Endprodukten dürfte auch ein Einfuhrstop nicht realisierbar sein.
      Ich hoffe ja, dass es noch nicht zu spät ist. Jedenfalls lässt sich diese Entwicklung nicht aufhalten. Aufgabe der Politik ist es hier vernünftige Leitplanken zu setzen.
      Risiko und Nutzen für uns Landwirte werden wir schon selber abwägen müssen. Die von vielen Saatgutfirmen beworbene Hybridisierung macht man ja auch nur da mit, wo es real Vorteile bringt.
      Ich stehe jedenfalls der weiteren Erforschung, gerade von Crispr/Cas, positiv gegenüber.

      • fingerphilosoph sagt

        Von der “roten Gentechnik” profitieren weder der Arzt noch das Pflegepersonal noch die Krankenhausbetreiber, sondern der Patient und vor allem die Pharmaindustrie. Das wird bei grüner Gentechnik nicht viel anders sein. Profitieren werden die Verbraucher, die weiterhin billige Nahrungsmittel kaufen können, und die großen Konzerne, die, wie Thomas Apfel sagt, die eigens entwickelten Sorten nur gegen Hof/Ackerland rausgeben und aus dem Landwirt im besten Fall einen Angestellten machen. Die Landwirte fragen sich doch sonst immer, was sie konkret davon haben. Warum nicht in diesem Fall?

        • Mark sagt

          “Von der „roten Gentechnik“ profitieren weder der Arzt noch das Pflegepersonal noch die Krankenhausbetreiber..” Aber sie setzen diese trotzdem ein, genau wie die Bauern die grüne Gentechnik einsetzen müssen, wenn der Markt dies verlangt, selbst dann, wenn widerum aufgrund der Marktverhältnisse der Zusatznutzen zu 100% oder mehr beim Verbaucher landet. Insofern bin ich beim Thema Gentechnik entspannt, wenn der Verbraucher den “Zusatznutzen” nicht will, dann halt nicht. Wenn seitens der Gentechnik-Anbieter (Konzerne) ein Wettbewerb herrscht, ist Gentechnik genauso wie jedes andere Betriebsmittel zu betrachten. Die angebliche Abhängigkeit von “bösen” Konzernen ist doch eher im verschwörungstheoretischen Bereich anzusiedeln.

          • fingerphilosoph sagt

            Was heißt es, wenn es, wie Thomas Apfel oben sagt, “mit neuen Methoden ganz schnell zu neuen Sorten kommt, die über Resistenzen verfügen”? Klar, diese neuen Sorten haben genveränderte Sequenzen in ihrem Genpool, aber wie konkretisiert sich das im Erscheinungsbild der Pflanze?

            Heißt das bspw. bei Resistenz gegen Insekten, dass diese Pflanzen nun selbst Abwehrstoffe, also Gifte produzieren, die der Verbraucher dann mit der Pflanze zu sich nimmt? Wo ist der Nachweis, dass ein Gift, das die Pflanze selbst produziert, für den Menschen ungefährlicher ist als ein “gespritztes” Gift?

            Heißt das bspw. bei Resistenz gegen Fäulnisbakterien, dass die Pflanzen ihre eigenen Antibiotika produzieren, die der Verbraucher dann mit der Pflanze zu sich nimmt, womit er dann wiederum antibiotika-resistente Bakterien in sich heranzüchtet?

            Heißt das bspw. bei Resistenz gegen Dürre, dass der Weizen kaktusähnliche Eigenschaften entwickelt und das Zeug damit extrem schwer verdaulich wird? Der “moderne” Weizen steht ja jetzt schon im Verdacht, dass er zuviel Gluten enthält.

            Man hört immer nur, dass mit der Genschere wahre Wunder in Sachen “Resistenzen” bewirkt werden können, aber was da genau passiert: darüber hört man so gut wie nichts.

            Das immerhin muss man den Ärzten lassen: sie wissen über die Funktionsweise der genveränderten Medikamente Bescheid. Analog wie ich vom Arzt gern wissen möchte, was er mir verschreibt, möchte ich vom Bauern bei genveränderten Pflanzen auch gern wissen, was mit “Resistenzen” konkret gemeint ist. Allein mit dem Wort “resistent” gebe ich mich nicht zufrieden.

            Das ist mein Problem mit der Gentechnik: weder sagt mir der Bauer, was für einen Nutzen er konkret mit den gentechnisch veränderten Pflanzen hat, noch sagt mir irgendwer, was mit “Resistenzen” denn nun ganz konkret gemeint ist. Stattdessen wirft jeder großzügig mit Worthülsen um sich, die bei näherer Betrachtung einen Aussagewert gegen Null haben, und tut so, als wäre Gentechnik die Lösung für alle Probleme, wobei die Probleme allesamt irgendwo in der Zukunft zu liegen scheinen und noch gar nicht real sind.

            • Reinhard Seevers sagt

              fingerfilosof: “Das immerhin muss man den Ärzten lassen: sie wissen über die Funktionsweise der genveränderten Medikamente Bescheid.”

              Das ist wohl eher ein Wunschtraum. Ärzte wenden an, was man ihnen verkauft und sie müssen sich genau so auf die Wissenschaft verlassen…

              • fingerphilosoph sagt

                Reinhard, wenn ein Landwirt genveränderte Pflanzen einsetzt, muss er darüber Bescheid wissen, was die veränderten Gensequenzen in der Pflanze bewirken. Wenn ihm die Pflanze als “resistent gegen Schädling X” angepriesen wird, dann muss er wissen, ob diese Pflanze dank ihres veränderten Genmaterials ein Gift gegen den Schädling produziert oder wie die Resistenz sonst aussieht. Er muss wissen, ob dieses von der Pflanze produzierte Gift für den Menschen womöglich schädlich ist. Das gehört zum Job des Nahrungsmittelproduzenten, wie es zum Job eines Arztes gehört, den Patienten über Nebenwirkungen eines Medikaments zu informieren.
                Sich auf die Wissenschaft verlassen, ist nicht gleichbedeutend mit sich nicht informieren.

                • Reinhard Seevers sagt

                  Und wer sagt, dass der Beipackzettel der Genprodukte nicht wie der Beipackzettel der Arzneien aussehen wird?
                  Es wird doch kein Produkt auf den Markt kommen, das nicht umfänglich geprüft wird.
                  Und die Wirtschaftlichkeit, der Nutzen, müssen die Produkte ebenfalls vorher nachweisen, sonst wird es erst gar nicht zugelassen.
                  Frag mal bei Boehringer nach, was die Vet-Medizin betrifft.

                • fingerphilosoph sagt

                  Mich würde schon interessieren, wie die Kontrollmechanismen bei Lebensmitteln funktionieren. Vor allem, wenn es um eine neue, meinetwegen auch konventionelle Züchtung geht. Bislang konnte mir das noch keiner so richtig erklären.

                  Ich habe mal gelesen, dass bspw. neue Weizensorten deutlich mehr Gluten haben, was viele Menschen offenbar nicht mehr gut vertragen. Wird der Glutengehalt bei neuen Weizensorten überhaupt kontrolliert? Gibt es da Richtlinien und Obergrenzen? Wo findet man dazu Informationen?

                  Normalerweise werden Lebensmittelkontrollen doch bloß stichprobenhaft durchgeführt und da werden nur bestimmte Parameter abgefragt wie Verkeimung, verbotene Pestizide oder Schwermetalle.

                  Ich weiß auch nicht, was bei einem genveränderten Produkt vor der Anwendung überhaupt kontrolliert wird. Im Grunde müsste man bei doch ebensolche Tests durchführen wie bei Arzneimitteln. Weil man doch herausfinden müsste, was eingeschleuste Gene auch im Verbund mit den anderen Genen im Phänotyp bewirken. Es ist ja nicht so, dass ein Gen jeweils eindeutig einer Eigenschaft zuzuordnen ist. Wenns dumm läuft, kann auch eine ganz normale Mutation aus einer an sich ungiftigen Pflanze eine giftige machen, umso mehr, wenn die Mutation künstlich herbeigeführt wurde. Im Prinzip machen künstliche Veränderungen auf Genebene dieselben Prüfverfahren wie bei einem Medikament notwendig. Solch umfangreiche Untersuchungen würden genveränderte Pflanzen jedoch massiv verteuern, deshalb habe ich so meine Zweifel, dass das tatsächlich gemacht wird.

                • Reinhard Seevers sagt

                  sorry, falscher Adressat, sollte ff gelten😁

                • Reinhard Seevers sagt
                • Inga sagt

                  Hallo Fingerphilosoph, da hast du natürlich Recht,

                  früher hat man robuste Wildformen, die eine natürliche Residenz (z.B. gegen Pilzkrankheiten oder andere) haben in die Ertragsorte ein gekreuzt, damit sie diese Residenz auch hatten. Aber ich denke doch dass es hier ein der EU verboten ist, Giftstoffe gegen Insekten oder so in eine Nutzpflanze einzukreuzen, wie es bei dem BT-Mais war.

                  Viellicht gibt es ja auch aus Wildformen Eigenschaften, die für den Fraßfeind, dem Insekt nicht schmecken!

                  Was mir aber ganz wichtig ist zu erklären:

                  Das Gluten im Weizen nichts anderes als Backeiweiß (Clever) ist, denn das ist das Eiweiß, das für die Standhaftigkeit des Brotes oder des Kuchens verantwortlich ist.
                  Das ist vermehrt auch durch züchterische Mainahmen im Backweizen drin.

                  Mit dem Weizen, der das nicht hat, kann man kein Brot oder Kuchen backen.
                  Warum gibt es in Frankreich so viel Gebäck von Biskuit?
                  Weil dort beste klimatische Bedingungen für den Backweizenanbau sind!

                  Der Backweizen bringt dem Bauern auch mehr Geld, weil er teurer ist.

                  Das war schon immer so.

                  Nun kommt diese Glutenunverträglichkeit dazu!
                  Warum?
                  Weil der Bäcker keine Zeit mehr hat, den Teig richtig gehen zu lassen.

                  Zeit ist Geld!

                  Also dieses unvermentierte Clevereiweiß in dem Teig heißt Gluten und der menschliche Darm kann das dann nicht mehr so gut aufschließen und macht deswegen Beschwerden!

                  Diese Beschwerden heißen dann Glutenunverträglichkeit!

                  Das meint der Erenährungguru Polmer, weiter unten von Reinhard Seevers eingesetzt, auch!

            • Ostbauer sagt

              @fph
              Genau Deine Wahrnehmung ist in meinen Augen das Problem!
              Alle Züchtungsmethoden werden über einen Kamm geschert.
              Bei Crispr/Cas 9 kennt man das Genom der Pflanze und schneidet gezielt eine Sequenz heraus die dann den erwünschten Effekt bewirkt. Bei der “normalen” Züchtung probiert man alle möglichen Sachen aus um auf das selbe Ergebnis zu kommen. Die Zeit bis zur praktischen Anwendung macht den Unterschied.
              Hauptsächlich geht es im Moment um Resistenzen gegen Pilz- und Virusbefall von Pflanzen.
              Wenn man den Fungizideinsatz runterfahren will, führt meiner Meinung nach daran kein Weg vorbei.
              Der Vergleich mit der Humanmedizin hinkt auch ein bischen: Ich glaube, kein Arzt kann einem heute genau sagen, ob eine Impfung nicht “irgendwelche” Nebenwirkungen hat.
              Was den Nutzen für uns Landwirte betrifft; ganz einfache Rechnung : Kommt mir unterm Strich resistentes Saatgut günstiger als Folgebehandlungen! Und wenn wir den Green Deal umsetzen sollen, muss man uns auch die nötigen Werkzeuge an die Hand geben.

              • fingerphilosoph sagt

                In der Gentechnik gelten nicht die einfachen Ursache-Wirkungs-Gesetze wie in der Mechanik. Bei der Verbesserung der Photosynthese bspw. wurden 47 Sequenzen von 11 verschiedenen Lebewesen verwendet, auch tierische. Damit erreichte man, dass die Pflanze CO2, Wasser und Sonnenlicht effektiver in Kohlehydrate umwandelte, brachte aber die Schutzmechanismen der Pflanze vor zuviel Sonnenlicht durcheinander, was weitere genetische Veränderungen notwendig machte. Die Vorstellung, dass man eine einzelne Sequenz einem einzelnen gewünschten Effekt zuordnen kann, ist mehr als naiv.

                Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass man sich darauf beschränkt, immer nur die Gene derselben Sorte herauszuschneiden. Das ist ja witzlos. Gentechnik ist überwiegend transgen, das heißt, dass man Gene unterschiedlicher Lebensformen miteinander vermischt, was man bei konventionellen Züchtungen nicht tun kann, weils nicht funktioniert, und das mit gutem Grund.

                Wieder bringst Du das Wort “Resistenz” ins Spiel, ohne im Geringsten zu erklären, wie diese Resistenz überhaupt aussieht. Du kannst 100prozentig davon ausgehen, dass es immer irgendwelche Viren und Pilze gibt, die an jedweder beliebigen Pflanze interessiert sind, also muss die Pflanze einen Abwehrmechanismus entwickeln, wenn sie resistent gegen die Viren und Pilze ist. Das eingeschleuste Genmaterial bewirkt dann diesen Abwehrmechanismus. Und da möchte ich dann schon gern wissen, was das ist.

                • Ostbauer sagt

                  Ich kann ja Dein Unbehagen verstehen, aber ohne die realistische Aussicht, überhaubt in diese Richtung forschen zu können, wird das wohl nichts.
                  Andere Länder handhaben das anders.
                  Die Frage ist doch; arbeiten wir dabei nach unseren Regeln oder lassen wir alles von aussen auf uns zukommen?
                  Ohne Forschung kein Ergebnis!
                  Für alles andere;wenn, hätte,könnte, muss unsere Politik die Rahmenbedingungen setzen. Wer sonst?
                  Totalverweigerung hilft uns in keiner Weise weiter.

  2. brouss sagt

    Wahrscheinlich haben die einsehen müssen, dass die paar Ökozüchter ohne diese Technologien nicht mithalten können.
    Von Sativa habe ich was so 3..4 Jahre in Erinnerung, dass ne Tomatensorte mit Crispr/Cas gezüchtet wurde.

  3. Hubert Daubmeier sagt

    Getreu der alten These “wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz. Wer es mit 40 immer noch ist, hat kein Hirn” beschreibt den ganz normalen Lernprozess vor dem sich wohl auch die Grünen nicht flüchten können. Spannende Frage könnte daher eher sein: wohin wenden sich die Autoren des Papiers wenn es erwartbar abgelehnt wird?

  4. Reinhard Seevers sagt

    So neu ist das nicht, Auszug aus dem Debattenpapier 2019:
    “…”Die Wissenschaftler*innen, die an diesen Pflanzen forschen, sind genau wie wir davon angetrieben, die Welt zu verbessern.

    Wir dürfen diese Menschen nicht länger vor den Kopf stoßen, indem wir ihr Wissen und ihre Arbeit diskreditieren und diffamieren. Darüber hinaus ist es schlichtweg nicht mehr zeitgemäß an bestimmten Positionen festzuhalten, die potentielle Antworten auf die ökologischen Herausforderungen und die Klimakrise verhindern würden.

    Es ist höchste Zeit auch in Bezug auf grüne Gentechnik progressiv zu denken und zu handeln und alle Möglichkeiten, die wir zur Rettung unseres Lebensraumes haben, in Erwägung zu ziehen, kritisch zu betrachten und zu diskutieren. Dabei dürfen wir nicht vor neuen Wegen zurückscheuen, wenn diese eben neue Chancen eröffnen können. Wir wissen, dass Gentechnik nicht die Lösung für alle Probleme sein kann und wird. Trotzdem kann Gentechnik in Zukunft ein wichtiger Baustein für eine nachhaltige, ganzheitliche Landwirtschaft sein. Gentechnik hat das Potenzial auf der einen Seite konventionelle Landwirtschaft sehr viel nachhaltiger zu gestalten und auf der anderen Seite die Flächenproduktivität von Ökolandbau zu erhöhen, ohne zusätzliche Dünge- oder Pflanzenschutzmittel einzusetzen.”
    https://www.gruene.de/artikel/gruene-gentechnik-neu-bewerten

  5. Ein Privatier sagt

    „Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern das Ergebnis„

    Intersssanterweise öffnet das auch den Weg zu einer Renaissance der Kernkraft in Deutschland.

    • Christian Bothe sagt

      @Ein Privatier, die letzte Feststellung wäre nicht das Schlechteste im Vergleich zu dem vielen “Winmüll” in unserem schönen Land…

        • Stadtmensch sagt

          Was habt ihr bloß gegen diese schicken Windmühlen? Es gibt nicht so viele brauchbare OnShore Standorte in diesem Land. Wenn hier etwas massiv ins Landschaftsbild eingreift, dann doch wohl die A71?

          • Christian Bothe sagt

            @Stadtmensch,tut mir leid aber ich halte von diesen Spargeln in der Landschaft(Wald)überhaupt nichts, zumal ich ein Photovoltaikfan bin und 2000m2 auf Dach bereits 2001 habe installieren lassen und verpachtet!Gottseidank haben wir in meiner Heimat Sachsen und Thüringen massive BI dagegen.Andere Länder haben diesen „Windmüll“auch nicht und trotzdem Strom…

      • Ein Privatier sagt

        https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_IV_International_Forum

        Ich bin fast davon überzeugt, dass die Zukunft mit 10+ Milliarden nur elegant, unblutig und in relativem Wohlstand für die meisten Menschen zu bewältigen ist, wenn die Kernkraft weltweit auf höchstem Niveau ausgebaut wird.

        Wäre Merkel nicht das, was sie ist, dann hätte sie nicht absischtlich dafür gesorgt, dass Deutschland den Anschluss an die Fortschritte der Kernphysik verloren hat.
        Wenn man nur 5 Sekunden darüber nachdenkt und kein debiles Gender-X-Praeputiummädchen ist, dann kann man sich nur noch die Haare raufen …

        Nachhaltigkeit

        – möglichst effektive Nutzung der zur Verfügung stehenden Kernbrennstoffe
        – mögliche Nutzung alternativer Brennstoffe wie Thorium und Plutonium aus Kernwaffen
        – Minimierung und weitestgehende Selbstverwertung von radioaktiven Abfällen
        – möglichst nur Abfälle mit geringer Halbwertszeit: Beim Einsatz der fortgeschrittensten Brennstoffzyklen und intensivem Brennstoffrecycling (mit noch zu entwickelnden Methoden) könnte es möglich sein, die Endlagerungszeit der Abfälle um mehrere Größenordnungen zu reduzieren[2]

        Wirtschaftlichkeit

        – geringere Lebenszykluskosten gegenüber anderen Energieformen
        – mit anderen Energieformen vergleichbares finanzielles und technisches Risiko
        – wirtschaftliche Kohleveredlung und Wasserstoffherstellung
        – Fernwärmenutzung

        Sicherheit

        – hohe Sicherheitsstandards
        – sehr geringe Wahrscheinlichkeit von schweren Reaktorschäden
        – Eliminierung des Bedarfs an externer Notfallversorgung
        – möglichst unattraktive Quelle für Diebstahl oder Abzweigung von spaltbarem Material
        – Uran-Anreicherung sollte für den Betrieb nicht nötig sein
        – möglichst sicher gegenüber terroristischen Anschlägen
        – Containment mit Inertgas gefüllt, um Brände auszuschließen

        (Das größte Sicherheitsrisiko geht dabei von der Religion aus, die man nicht kritisieren darf, weil sie die einzig wahre Religion des einzig echten Friedens ist. Die ist übrigens auch einer der politischen Gründe, warum “Desertec gescheitert ist.)

        • Stadtmensch sagt

          “debiles Gender-X-Praeputiummädchen” mit so viel Hass in der Sprache wirds wohl weder elegant noch unblutig gehen.

          18000 solcher Kraftwerke (je 1GW) bräuchten wir möglichst schnell, um unseren Energiebedarf aus den Brennstoffen Kohle und Gas zu ersetzen,
          So ein Werk hält höchstens 50 Jahre wegen der hohen Materialbeanspruchung und braucht auch viel Kühlwasser (was die Standortwahl ziemlich einschränkt).

          Die Technologie ist auch fern von einsatzbereit. Brennstoff haben wir im günstigsten Fall für 300 Jahre (allerdings frisst das dann wieder eine Menge der Energie, die diese Kraftwerke erzeugen). Aber ok, Flüssigsalzreaktoren könnte man trotzdem mal wieder aus der Schublade holen

          Davon abgesehen, kann man jetzt schon viel erreichen, wenn man fürs Heizen o. Kühlen Erdwärme nutzt und die Verdichter mit Strom aus regenerativen Quellen betreibt. Aber nein, lieber lassen wir das schöne Jeld im Depot, wo es sich langsam in Luft auflöst….

          • fingerphilosoph sagt

            Der Brennstoff für Atomkraftwerke reicht nach jetzigen Stand der Entwicklung für 27.000 Jahre, das mit den 300 Jahren ist Schnee von gestern.

            • Stadtmensch sagt

              “Der Brennstoff für Atomkraftwerke reicht nach jetzigen Stand der Entwicklung für 27.000 Jahre”

              Nach der Methode wie du z.B. Gold aus Meerwasser waschen willst?
              Kennst du bestimmt schon: Ugo Bardi, “Der geplünderte Planet”
              oder hier http://energyskeptic.com/2017/peak-uranium-from-ugo-bardis-extracted/

              “The problem is, uranium requires oil to be mined, extracted, and processed, and oil is likely to start declining with the next 10 years”

              • fingerphilosoph sagt

                Derzeit wird in Reaktoren U235 verwendet, was noch 250 Jahre reichen soll. Mittels Bruttechnologie (Wiederaufbereitungsanlagen) kann man zusätzlich auch U238 verwenden, das soll 26.000 Jahre reichen. Dito Thorium, von dem es anscheinend dreimal soviel wie von U238 gibt. Mittels Bruttechnologie kann man auch den größten Teil des anfallenden radioaktiven Abfalls wiederverwenden und in Energie umwandeln. Ich sage das nicht, weil ich ein Freund von Atomkraft bin, sondern weil das meine diesbezüglichen Informationen sind.

          • Ein Privatier sagt

            Stadtmensch

            12. Juni 2020

            „debiles Gender-X-Praeputiummädchen“ mit so viel Hass in der Sprache wirds wohl weder elegant noch unblutig gehen.


            Hätte Takt- und Humorgeber Böhmermann das gesagt, dann hätten Sie gedacht, dass es sich doch lohnt, jeden Monat 17,50 Euro freiwillig zu zahlen.

            Ihre Fantasiezahl von 300 war um 1975 Stand des Grünen Traumwissens.
            Nicht alles, was Gerhard Seyfried kommentiert hat, ist fundamental real. Packen Sie also diese kopierten und krakeligen Verdummungsheftchen auf grauem Papier für Nemarkfuffzich aus dem Wurzelkrautverlag zurück in die Lebensereigniskiste Ihrer Eltern auf dem Dachboden.
            (Ich hoffe, dass Sie jetzt wenigstens einen Streit mit Ihren “Alten” vom reaktionären Gartengrenzzaunzaun brechen …)

  6. Ein Privatier sagt

    Der Satz “Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern das Ergebnis” klingt wie “Der Zweck heiligt die Mittel”.

    Ob das zufällig ist, dass der Vorstoß der Grünen zur Exkulpation der Gentechnik gerade jetzt kommt?

    Auch interessant ist die Tatsache, dass Bill Gates zusammen mit der WHO angekündigt hat, dass 7 Milliarden Menschen mit einem sehr umstrittenen mRNA-Impfstoff geimpft werden sollen, um die von der WHO über die Welt verhängte Pandemie zu beenden.

    Da hatte ich mich gefragt, wie die Grünen Apokalyptiker, die seit Jahrzehnten “Gentechnik” als Teufelswerk verabscheuen, auf die Idee eines mRNA-Impfstoffes reagieren werden.
    Dieses spezifisch Grüne Problem wird jetzt also aktiv aus dem Weg geräumt. Einfach so.
    Mit einer Denkart, die auch Machiavelli gefallen hätte.


    “Der Zweck heiligt die Mittel
    Siehe auch: Konsequentialismus

    Dieser Satz wurde als vermeintliches Motto des Jesuitenordens bekannt und zeigte sich besonders in Eingriffen in die Politik. Der Grundsatz findet sich als „…wenn der Zweck erlaubt ist, (sind) auch die Mittel erlaubt“ in der „Moraltheologie“ (Medulla IV, cap. 3, dub. 7, art. 2) des Jesuitenpaters Hermann Busenbaum 1652, allerdings mit gewissen Einschränkungen versehen. Es dürfte sich in der uneingeschränkten Form um ein altes Prinzip der Machtpolitik handeln, das häufig Niccolò Machiavelli zugeschrieben wird, der es aber nicht formuliert hat. Machiavelli hatte angeblich zur Erreichung politischer Ziele jedes Mittel für erlaubt angesehen. Auch Napoleon Bonaparte wird dieser Satz zugesprochen, denn auch ihm war nur das Erreichen seiner Ziele wichtig, und er nahm keine Rücksicht bei der Wahl seiner Mittel.”


    https://de.wikipedia.org/wiki/RNA-Impfstoff

  7. Moin,

    bei Gentechnik – so sehr ich es im mikrobiellen Bereich oder der Humanmedizin bis zu einem gewissen Grad schätze, wollte selbst Biochemiker/Genetiker werden – sehe ich in Agrarfragen mehr Probleme als Lösungen.

    Egal, ob man es „grüne“ Gentechnik oder Gentechnik „light“ nennt, das ist eine Milchmädchenrechnung mit CRISPR.

    1. Jede Produktivitätssteigerung – auch durch Gentechnik – wird eh wieder vom Handel/Verarbeiter einkalkuliert und dann vorausgesetzt. Der Kampf um faire Preise und vernünftige Bürokratie wäre zielführender.

    2. Mit Blick auf Fruchtfolgen müßte man alle möglichen Pflanzen aufrüsten. Wäre es nicht sinnvoller, einfach die Böden dürreresistenter zu machen durch Humusaufbau? Und ja, dann muß man auch die deutsche Düngemittelverordnung ändern, denn aktuell lauten Ratschläge so, daß man doch unter 4% Humus bleiben solle, um keine Abstriche bei der Nitratausbringung hinnehmen zu müssen als Beispiel.

    Es gibt sogar mehrere Verfahren: Agroforsten, NOVIHUM Braunkohle-Humus, Terra Preta Holzkohle-Kompostierung, Sobac Pellets, hybride Landwirtschaft nach Michael Horsch, regenerative Landwirtschaft usw.

    3. Im Dunstkreis dieser modernen Landwirtschaft kommt oft auch immer das Thema pflugloser Ackerbau.
    https://www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/humus-boden-pfluglos-arbeiten-bringt-nichts-559984

    Erfahrungswerte von Landwirten dazu:
    https://www.landwirt.com/Forum/412163/Pfluglose-Ackerbewirtschaftung.html

    Pflugloser Ackerbau bringt im Wesentlichen Kohlenstoff nur in die oberen Zentimeter des Bodens und aus phytosanitären Aspekten ist es auch nicht ausreichend (Bodenpilze, Mäuse, Schnecken). Zumal man lieber Stallmist mit Stroheinlagerungen statt nur Gülle ausbringen sollte (höherer Kohlenstoffanteil und Bodenbeständigkeit führen zu doppelt so viel Humusbildung).

    4. Gentechnik ist der häßliche Bruder von Chemie. Es geht dann nicht nur um Resistenz gegen Trockenheit, sondern auch um eine chemisch-genetisches Wettrüsten gegen die Natur (siehe USA: Roundup auf roundup-ready Feldern, Xtend usw.).

    Gentechnik bliebe nicht auf das Thema Trockenstreß beschränkt!

    5. Gentechnik ginge mit Patenten einher. Verirrt sich eine Pflanze ins eigene Feld, hagelt es Patentrechtsklagen, siehe ebenfalls USA. So können viele Höfe weggeklagt werden.
    http://www.bauernstimme.de/fileadmin/Dokumente/Verlag/Brosch%C3%BCren/web-monsanto-neuauflage09-01.pdf

    6. Unkontrollierbarkeit: Siehe Bt-Baumwolle und roter Baumwollkapselbohrer oder die Ausbreitung der orangen Petunie. Von Langzeitfolgen ganz zu schweigen. Ebenso das Risiko der GURT-/Terminator-Technologie des nicht vermehrungsfähigen Saatguts.
    Zumal es kein friedliches Nebenher gibt, keine Koexistenz. Die Gentechnik (das Transgene) würde das Natürliche verdrängen.

    7. Ökonomisch wird es spannend, wenn man selbst gegen Gentechnik wäre, die Länder weltweit dafür. Auch ohne Zölle könnten wir so Konkurrenzprodukte vom Markt halten, wenn wir da nicht mitspielen.

    8. Es entstehen Fehler bei CRISPR/CAS, so genannte On-Target- und Off-Target-Effekte im Zuge des gentechnischen Eingriffs mit nicht absehbaren Folgen. Fehler bei der Einschnittstelle selbst (On Target), aber auch weiter entfernt (Off Target) sind aufgetreten.
    https://www.sueddeutsche.de/wissen/biotechnologie-murks-im-erbgut-1.4058052

    9. Andere Landwirte werden gezwungen mitzumachen. Wenn jemand auf Xtend-Pflanzen Dicamba ausbringt, welches verweht und Nachbarfelder in Mitleidenschaft zieht, dann muß dort auch Xtend-Saatgut angepflanzt werden. Wie sieht das aus, wenn der Nachbar Bio-Bauer oder Obstbauer ist?

    Auch das aktuelle Verfahren der Gentechnik (Mutationszüchtung), welches nicht als solche gewertet wird, erachte ich schon als kritisch.

    Weiter so läuft nicht, die Wissenschaft wird’s nicht richten! Die Wissenschaft hat genaugenommen schon gesagt, daß der Weg der ewigen Produktivitätsoptimierung samt Gentechnik der falsche ist, Bodendegradation, Höfesterben, zerstörte Stoffkreisläufe etc.

  8. fingerphilosoph sagt

    Die Industrialisierung der Landwirtschaft und das Bauernhofsterben hängen ursächlich zusammen: je industrialisierter die Landwirtschaft, desto weniger Bauern.
    Wenn Gentechnik als industrialisiertes Zuchtverfahren in der Landwirtschaft zur Norm wird, wird dies das Bauernhofsterben eher beschleunigen, denn verlangsamen.
    Für den Bauern, der nicht die Flächen und Mittel hat, seinen Betrieb sowieso in eine Agrarfabrik umzubauen, ist die Befürwortung von Grüner Gentechnik so was wie der Griff nach dem Strohhalm, der letztendlich seinen Untergang befeuert, aber nicht zum Schwimmen verhilft.
    Grüne Gentechnik kommt vor allen den Investoren und Agrarfabriken entgegen, wie Rote Gentechnik eben vor allem die Pharmaindustrie befeuert.
    Damit will ich nicht sagen, dass Grüne Gentechnik nicht funktioniert. Sie ist nur kein Rettungsschirm für Bauern.

    • Christian Bothe sagt

      @fingerphilosoph,ist natürlich Unsinn ,was Sie da publizieren.Die industrielle LW, gemeinsam mit kleinbäuerlichen Betrieben (konv.+ ökol.) werden unter Nutzung des wissenschaftlich technischen Fortschritts ( Gentechnik, neue Züchtungsverfahren )9 Milliarden Menschen ernähren können!Die industriellen Großbetriebe haben da eine Vorreiterstellung und können ,wie Sie richtig bemerkt haben, Investmassnahmen schneller realisieren.Als Ossi weiß ich wovon ich rede…

      • fingerphilosoph sagt

        Mein Kommentar dreht sich nicht um die Ernährung von X Milliarden Menschen, sondern um die Anzahl der Landwirte, die zu deren Ernährung notwendig sind. Sie stimmen mir ja darin zu, dass die industriellen Großbetriebe die Vorreiterrolle haben. Also kann es gar kein Unsinn sein, was ich sage. 🙂

        Mit den kleinbäuerlichen Betrieben im Verhältnis zu den industriellen Großbetrieben, verhält es sich wie mit den Naturvölkern im Verhältnis zu den Industrieländern. Die Naturvölker sind zu 100% vom Wohlwollen der Industrieländer abhängig, während die Industrieländer zu 0% vom Wohlwollen der Naturvölker abhängig sind. Ebenso wie die Industrieländer sich den Erhalt von Naturvölkern gönnen, gönnen sie sich sicher auch ein paar kleinbäuerliche Betriebe, die mit Subventionen am Leben erhalten werden, aber im Großen Ganzen sofort durch industrielle Produktion ersetzbar wären.

        Die asiatischen Länder sind dabei, die Industrieländer einzuholen, weil sie mehr und mehr in Großtechnik machen. Wo das nicht geschieht, bleibt die Bevölkerung arm und kümmert am Rande des Existenzminimums vor sich hin. Die Zukunft gehört also den großen Konzernen, die sich vielleicht als kleinbäuerlicher Familienbetrieb verkleiden, wenn der Kunde das so will und dafür zahlt, aber die Produkte, die der Kunde kauft sind dieselben wie im Supermarkt. Das ist ja mehr oder weniger jetzt schon der Fall.

    • Reinhard Seevers sagt

      Ich würde es noch erweitern wollen: Je industrialisierter die Gesellschaft, desto weniger Bauern.

      • Christian Bothe sagt

        @RS, die Frage ist doch, was verstehen wir unter Kleinbauern und Großbetrieben in der BRD? Man sollte differenzieren zwischen der Historie der LW in West und Ost. Ich habe hier im Osten mit vielen hiesigen Wiedereinrichtern gehandelt, die 7-800 ha LN bewirtschaften und holländische Schweinebauern mit 2500 Sauen und Nachzucht. Kenne allerdings auch große runde Betriebe in Franken mit 500 ha LN. Also ich denke man muß die Gesamtheit der Betriebe sehen, und es wird auch große Unternehmen der LW geben, die auch aufgrund von Klimaveränderungen aufgeben werden,wenn diese nicht rechtzeitig reagieren. Eine Herausforderung ist es in jedem Fall für die Landwirte und deshalb sind Gentechnik und neue Züchtungsverfahren “überlebenswichtig. “

        • Reinhard Seevers sagt

          Ich maße mir nicht an Landwirtschaft in Größenklassen einzuordnen. Ich betreue alle Klassen und Ideologien, ich erkenne die Menschen, nicht aber die Betriebsgrößen.
          Mir auch wirklich völlig egal, weil niemand weiß, welche Form der Landwirtschaft für die Gesellschaft besser oder schlechter sein wird, das muss jeder Betrieb zuerst für sich entscheiden. Fakt ist aber, dass Industriegesellschaften die geringste Zahl an Bauern haben und haben werden. Die Differenz der Einkommen kann nur durch eine wohlhabende Gesellschaft ausgeglichen werden kann. Sonst werden es Agrarökonomien bleiben müssen. Ob und wie die Gentechnik dem Einzelbetrieb nutzen wird, wird sich auch nur in der Zukunft zeigen, ist Spekulation. Das wahre Potential wird wohl erst Augenscheinlich, wenn sich die Politik positiv positioniert und die Wissenschaft tätig werden darf.

          • Stadtmensch sagt

            Bin mittlerweile auch relativ unvoreingenommen der grünen Gentechnik gegenüber, aber nenne mir doch mal ein Beispiel, wo diese Technologie dazu geführt hat, dass weniger Agrachemie benötigt wurde, Kunden höhere Erlöse erzielt haben, eine Sorte mit gewünschten Eigenschaften schneller als mit klassischer Züchtung angeboten werden konnte…
            Ich denke, es ist nicht ausschließlich eine Frage politischer Weichenstellung, die hier den hohen Erwartungen entgegen steht.

            • Thomas Apfel sagt

              Die entscheidende Frage ist die nach der Nachweisbarkeit der Anwendung dieser Technik im Produkt. Die ist nämlich bei null.
              Im Streit um die Kennzeichnung kommen die Gegenstimmen keineswegs nur aus dem Grünen Lager. Das Problem ist, dass mit viel Kapital ausgestattete Züchter und Vermehrer die kleineren sehr schnell vom Markt verdrängen werden. Das funktioniert über exclusiv-Anbauverträge. Man organisiert sich inzwischen in großen Teilen vertikal und nicht mehr horizontal. Die Konkurrenz erhält gar keinen Zugang zu den Sorten. Driscoll´s ist das aktuelle Beispiel. Die versuchen den gesamten lukrativen Beerenmarkt mit internationaler Züchtung, internationalem Anbau und internationaler Exclusivvermarktung zu übernehmen. Das Bestreben auf seiner Schiene in die Nähe einer Monopolstellung zu kommen ist systemimmanent, weil dann die größten Margen realisiert werden können. Die Macht über die gesamte Kette von der Produktion bis zur Ladentheke ist die adäquate strukturelle Antwort auf die Konzentration im LEH Bereich. Die auf Teilschritte spezialisierten Betriebe werden ins System über knallharte Knebelverträge eingebunden. Das was ich in England bezüglich des Beerenobstanbaus gesehen habe, erinnert in den Betrieben an militärische Strukturen. Das muss man nicht haben – es wird aber unweigerlich so kommen. Auch eine Kennzeichnungspflicht wird das nicht ausbremsen können.
              Landwirtschaft “Next Level” hat mit selbstbestimmten bäuerlichen Betrieben nicht mehr zu tun.

              • fingerphilosoph sagt

                @ Thomas Apfel
                Sprichst Du bei den Beeren von konventioneller Züchtung oder GVOs? Einen GVO samt allen möglichen Zulassungen zur Marktreife zu bringen, ist doch auch in den USA so kapitalintensiv, dass es in dem Bereich gar keine kleineren Züchter gibt. Und in Europa liegt die grüne Gentechnik doch sowieso auf Eis. Oder hat sich da was verändert?

                Genauso wie die Macht über die Kette von der Produktion bis zur Ladentheke die adäquate strukturelle Antwort auf die Konzentration im LEH ist, so ist der LEH die adäquate strukturelle Antwort auf die Konzentration von immer mehr Menschen in Städten. Aus diesem Muster kommt die Landwirtschaft nicht raus, und schon gar nicht, solange die Weltbevölkerung wächst.

                • Thomas Apfel sagt

                  Es geht um die Genscheren-Technik. Die ist sehr viel weniger kapitalintensiv und ist im Produkt nicht nachweisbar. Das stärkt die Marktmacht der Großen, weil der Kunde die Entscheidung “Gentechnik-frei” oder nicht nicht mehr fällen muß und die so entstandenen Sorten dann für den freien Markt kaum mehr verfügbar sind. Der Markt wird quasi von der “Entscheidungsfreiheit” bereinigt.

                • fingerphilosoph sagt

                  CRISPR ist weitaus billiger als die bisherigen Verfahren, ja, aber die Genschere ist ja nur ein Teil des Prozesses. Vorher muss man ja herausfinden, welche Gensequenz genau was bewirkt, und das ist aufwendig und teuer. Große Konzerne können in Gen-Datenbanken investieren, aber wie weit reicht hier das Kapital von Start-ups, die sich nicht aufkaufen lassen wollen?

                  Ein Problem bei CRISPR scheint überdies zu sein, dass die Manipulationen stillgelegt bzw. rückgängig gemacht werden, wenn sie nicht mit dem übrigen Gen-Kontext kompatibel sind. Was heißt, dass die der Pflanze mit CRISPR eingeimpften Eigenschaften unter Umständen nicht von Dauer sind bzw. nicht vererbt werden. Was weiter heißen würde, dass in der Folge der Landwirt am Tropf der Genindustrie hängt, wie der Süchtige an der Nadel. Oder sehe ich das falsch?

                • Reinhard Seevers sagt

                  Ich bin erstaunt wie viele Gentechnik – Wissenschaftler hier vertreten sind….und wie plötzlich die englische Sprache die Sprache der Diskussion geworden ist, obwohl doch das Deutsche verloren zu gehen drohte…..🤔

                • Stadtmensch sagt

                  @Reinhard, ich bin zwar kein Wissenschaftler, aber dass Englisch momentan die Sprache der Wissenschaft ist, leuchtet mir ein. Das Deutsch, das heute hier teilweise geboten wird, ist es meiner Meinung nach auch nicht wert, erhalten zu bleiben. Das heißt jetzt “Hate speech”
                  oder Trolldeutsch 😉

            • bauerhans sagt

              “nenne mir doch mal ein Beispiel”

              hybrid-mais,gerste,roggen.
              weizen eher nicht.

  9. bauerhans sagt

    “… für faire Märkte, die für alle zugänglich sind, brauchen wir neue Regeln.”

    es gibt keine “fairen Märkte”!!

    • Bauer Willi sagt

      Dann lass das “fair” doch einfach weg. “für Märkte, die für alle zugänglich sind, brauchen wir neue Regeln”.
      Mir fällt da so einiges ein… 🙂

      • bauerhans sagt

        “Entscheidend ist nicht die Technologie, sondern das Ergebnis”

        leider ist die Ideologie entscheident.

  10. Mark sagt

    Interessant ist, dass da auch ein Herr Lakner unterschrieben hat, ich gehe mal davon aus, dass dies der frisch gebackene Professor für Agragökonomie an der Uni Göttingen ist. Lakner hat nebenbei noch ein Ingenieurbüro für Naturschutz. Vielleicht besteht hier eine gewisse Ambivalenz zwischen Grünen und Wissenschaft. Einerseits sind mitterlweile viele Wissenschaftsbereiche “grün Durchse…t”, andererseits werden die Grünen wissenschaftlicher (und hoffentlich weniger idelogiegeprägt). Lakner hat sich ja auch schon hier im Blog betätigt und z.B. diesen Beitrag verfasst: https://slakner.wordpress.com/2020/02/23/insektenschutz-in-agrarlandschaften-schlussfolgerungen-fuer-politik-und-forschung/#more-2719

    • Bauer Willi sagt

      Ja, es ist genau dieser Sebastian Lakner. Bin mit ihm auch bei Twitter unterwegs. Vielleicht höhlt steter Tropfen ja doch den Stein…

  11. Der Brandenburgbauer sagt

    Moin,von der Sache her ein begrüßenswerter Ansatz. Ihre Worte erweisen sich aber erst dann als zuverlässig, wenn ihnen Taten folgen die in dieselbe Richtung auch wirken und den selben Sinn haben.
    Die Unterzeichner gehören ja nich gerade zur ersten Garnitur dieser Partei und da sind Zweifel angebracht.

    • firedragon sagt

      Kleine Anmerkung für Menschen mit Grünland und Herbstzeitlosenbefall – Pflanzen sind jetzt sehr gut zu erkennen, Samenkapseln noch nicht reif (können ausgerissen werden, ohne Samenverteilung).
      Gibt dafür keine Gentechnik und Herbizid darf ja nicht. Viel Spaß.

      • Inga sagt

        Nein leider nicht, wie soll man die Herbstzeitlose, als Wildpflanze manipulieren, damit sie keine Samen mehr bildet?

        Wir haben doch genügend HARZler, die für dieses Ausreissen Zeit haben.
        Für diese gemeinnützige Arbeit im Sinne der Ökologie darf man sie wohl noch heranziehen, oder?
        Für die Ökologie muss jeder ein Opfer bringen, nicht nur die Bauern.

    • Christian Bothe sagt

      Sehe ich auch so! Aber es geschehen scheinbar noch „Zeichen und Wunder“ bei den Grünen und deren Vasallen…Grüne und Rote Gentechnik sind nun mal wichtig für die Entwicklung der Menschheit und deren Ernährung!

    • Karl Timme sagt

      Ist wie beim NABU, pragmatische Ortsvereine, Ideologiebeherschte Verbandführung.

      • Inga sagt

        Weil die
        Grüne und Rote Gentechnik
        so wichtig für die Weiterentwicklung der Menschheit ist, können sich ja die Grünen und ihre Vasallen
        so wichtig machen!

        Das ist nicht gut!

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