Jahr: 2022

Kostenentwicklung in der Ernährungsindustrie

Die nachfolgende Pressemitteilung hat der Bundesverband der Ernährungsindustrie gestern veröffentlicht. https://www.bve-online.de/vd/141580134211/60592 Darin gibt es eine Reihe von interessanten Grafiken über die langjährige Entwicklung von Energie-, Logistik-, Verpackungs- und Rohstoffkosten. Wer es noch nicht weiß: Aldi wird am Montag die Preise für bestimmte Lebensmittel deutlich erhöhen. Von 30% bis 50% ist die Rede. Nur ein Teil davon ist auf gestiegene Rohstoffpreise zurückzuführen. https://www.hna.de/verbraucher/aldi-lebensmittel-preis-butter-fleisch-wurst-discounter-supermarkt-preisanstieg-teuer-ukraine-krieg-91450592.html

Bundesregierung führt Fleisch-Pass ein

Die Situation bei der Ernährung spitzt sich immer weiter zu. Wie das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung am 1. April mitteilt, wird ab dem 1. Juli 2022 bundesweit der Fleisch-Verzehr-Pass (FVP) eingeführt. Der Grund dafür sind zum einen die stark gestiegenen Kosten in der Erzeugung, zum anderen fehlende Produktionsmittel, die eine deutlichen Verknappung aller tierischen Produkte zur Folge haben. Somit wird mit dem Fleisch-Verzehr-Pass (FVP) die Menge an tierischen Produkten geregelt, die ein Verbraucher pro Kopf und Tag kaufen darf. Der Menge an tierischen Nahrungsmitteln wird nach Altersstufen gestaffelt.  Für den Durchschnitts-Verbraucher wird pro Tag veranschlagt: 75 g Fleisch, 50 g Wurst, 250 ml Milch, 3/4 Ei Dies entspricht einem Jahresverbrauch an Fleisch + Wurst von rund 46 kg/Kopf/ Jahr. Für Senioren ab dem Eintritt in die Rente wird die Ration auf 80% gekürzt, für Kinder unter 12 Jahren auf 60%. Wie es funktioniert Der FVP ist eine digitale App, die mit einem Barcode arbeitet. Für Menschen ohne digitales Gerät wird in der Einführungsphase mit Ausdrucken (Lebensmittelkarten)  gearbeitet. Die unterschiedlichen Produkte können gegeneinander verrechnet werden. …

Naturschutz – schwer gemacht

Wer wissen will, welche Agrarumweltmaßnahmen (AUM) den Landwirten angeboten werden und was von den Landwirten bei der Anlage und Bewirtschaftung zu beachten ist, sollte sich die drei nachfolgenden Dateien ansehen. Ich glaube, mehr muss man dazu nicht sagen. Übersicht AUM 2022 + ab 2023 Merkblätter AUKM_2022 Entwurf Richtlinie 23.03.22      

100 Millionen Hungernde mehr

Das Manager-Magazin hat ein Interview mit Prof. Qaim zur aktuellen und zukünftigen Ernährungssituation geführt. Er ist Direktor des ZEF in Bonn. https://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/explodierende-weizenpreise-im-schlimmsten-fall-bis-zu-100-millionen-mehr-hungernde-a-d28f6d66-0184-4f72-8fd3-2bd94b486a25 Die wesentlichen Aussagen: Der russische Exportstopp trifft schon jetzt die Länder des Nahen Ostens Die fehlenden Mengen aus Russland und Ukraine lassen sich nicht ohne weiteres ersetzen, zumal weltweit Düngemittel fehlen China und Indien haben Getreidevorräte, die jetzt abgebaut werden könnten Warenterminbörsen sind für das Funktonieren der Märkte wichtig, allerdings sollten reine Finanzspekulationen unterbunden werden kurzfristig kann die Verfütterung von Getreide nicht gestoppt werden, mittelfristig würde ein geringerer Fleischverzehr mehr Futter für die menschliche Ernährung freisetzen Keine Bioenergie (Biogas, Bio-Ethanol, Bio-Diesel) mehr produzieren. Weltweit ist das ein großer Hebel. kein Ausbau von Öko-Landwirtschaft, da ineffizient und unwirksam beim Klimaschutz Genom-Editierung kann helfen, den züchterischen Erfolg zu beschleunigen   Wer etwas für die Menschen in der Ukraine tun will, hier die Spendenaktion der top agrar: https://www.topagrar.com/gemeinsam-fuer-die-ukraine-12971691.html?

Die Sache mit dem Getreide und dem Futter

Angesichts der bevorstehenden Nahrungsmittelkrise schlagen einige Organisationen vor, das Futter aus der tierischen Ernährung in die menschliche Ernährung umzuleiten. Ich habe mir dazu im nachfolgenden Video (5 min) ein paar Gedanken gemacht. https://www.youtube.com/watch?v=0A6bjkI3aPI Und ich habe Fragen. Viele Fragen. (Ich mache zwischendurch kleine Pausen. Das kommt daher, dass ich dann nachdenke…) 🙂  

SPD: GAP um mindestens 2 Jahre verschieben

Die nachfolgende Pressemitteilung des Arbeitskreis Landwirtschaft des SPD-Bezirk Hessen Süd ist lesenswert. Aus dieser stammt der Satz in der Überschrift. 2022-03-25 PM AK Landwirtschaft_ökologische Vorrangflächen Und weiter heißt es: „Es ist weder verantwortungsvoll, noch sozial, wenn in Deutschland und der EU mit den weltweit fruchtbarsten Böden und höchsten Getreideerträgen, die Produktion von Getreide gedrosselt und somit das Angebot weiter verknappt wird, während in anderen Ländern Menschen von Hunger und dem Tod bedroht sind.“ Danke für diese ehrlichen und wahren Worte, die hoffentlich auch in Berlin gelesen werden.  

Warum wir uns Sorgen machen müssen – und trotzdem Lösungen haben

Wie sieht es mit der Versorgung mit Lebensmitteln aus? Müssen wir uns Sorgen machen? Werden wir auch in Zukunft alles kaufen können? Und wie werden sich die Preise für Lebensmittel entwickeln?  Hier der Versuch einer möglichst objektiven Darstellung der Fakten und einer subjektiven Prognose für 2023. Und Lösungen, den Hunger in der Welt nicht zu groß werden zu lassen. Selbstversorgung Die Selbstversorgung in Deutschland liegt über 100% bei den Grundnahrungsmitteln Milch, Fleisch, Kartoffeln, Zucker. Demnach sollten/könnten wir möglichst viel Fleisch, Pommes und Süßigkeiten essen. Bei Getreide liegt der Selbstversorgungsgrad in den meisten Jahren knapp über 100%, in 2018 lag er aber – aufgrund der Trockenheit und Hitze – nur bei 91%. Wir mussten also selbst Getreide importieren. Von daher ist es grob fahrlässig, wenn aktuell die Aussage getroffen wird, dass wir in 2022 genügend eigenes Getreide haben werden. Kein Mensch kann heute, im März, eine seriöse Aussage über die Erntemenge dieses Jahres treffen. Übrigens: der,  wie beispielsweise Renate Künast fordert, die Tierhaltung in Deutschland zu halbieren, sollte sich im Klaren darüber sein, dass dann auch …

Aktuelle Situation in der Landwirtschaft in der Ukraine (24. März 2022)

Markus Wipperführt hat zusammen mit Anthony Lee und Christian Lohmeyer ein Gespräch mit Alex Lissitsa in der Ukraine geführt. Es geht um die aktuelle Situation am 24. März 2022. Unbedingt die ersten 40 Minuten anschauen oder hören. https://www.facebook.com/wippitv/videos/1153610525409161 Es werden einige Aspekte genannt, die mir bisher nicht bekannt waren. Ein Beispiel: verminte Äcker. Es wird lange dauern, bis diese wieder befahrbar sind. Weitere Aspekte: Verfügbarkeit von Treibstoff, Dünger. Pflanzenschutz. Und vor allem von Menschen. die die Maschinen bedienen können. Herr Lissitsa hofft, dass die Ukraine in 2022 zumindest 40% einer normalen Ernte einfahren kann. In den derzeit russisch besetzten Gebieten ruht sämtliche Feldarbeit. PS: Das Titelbild habe ich 2008 in der Ukraine aufgenommen. Das Zuckerrübenfeld ist 2400 ha groß.

Ida ist da!

Gestern hat unser Hof eine neue Erdenbürgerin dazu bekommen. Sie heißt Ida, wiegt 3700 g und ist 52 cm groß. Mutter und Kind sind wohlauf, der Vater (unser Sohn) auch. Wir alle sind froh und glücklich. Und die Ur-Oma (99) ist besonders stolz. Das Leben ist schön! Wir müssen uns das nur täglich bewusst machen.  

Die Sache mit dem Minimum…

Ein Gastbeitrag von Bauer Fritz Das Minimumgesetz von Justus von Liebig (1803-1873, Deutscher, Chemiker, Mann, weiß) besagt, dass das Wachstum von Pflanzen durch die im Verhältnis knappste Ressource (Nährstoffe wie Kohlenstoffdioxid, Wasser, Licht etc.) eingeschränkt wird. Diese Ressource wird auch als Minimumfaktor bezeichnet. Bei Vorliegen eines solchen Mangelfaktors gibt es keinen Einfluss auf das Wachstum, wenn eine Ressource hinzugegeben wird, die bereits im benötigten Umfang vorhanden ist. Das Minimumgesetz ist unter anderem eine wichtige Grundlage bei der Düngung. Als Modell des Gesetzes fungiert die „Minimum-Tonne“: Eine Tonne mit unterschiedlich langen Dauben lässt sich nur bis zur Höhe der kürzesten Daube füllen. Genauso kann ein Organismus sich nur so weit entwickeln, wie es die knappste Ressource erlaubt. Jeder Bauer lernt das in seiner Ausbildung. Seit Generationen. Es ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was „Absolventen der Google-Universität“ mit „Viel hilft viel“ den Bauern immer unterstellen. Dass sich dadurch gerade bei den Bauern von früh auf ein anderes Verständnis entwickelt hat  für das Minimum (also das was zu wenig ist oder knapp werden kann oder begrenzt vorhanden …