Jahr: 2018

Alexander denkt nach…

Alexander war zeitlebens praktizierender Landwirt und war nach seinem Studium in Weihenstephan als Lehrer und Berater an einer höheren Landbauschule tätig. Zurzeit ist er erkrankt und hat sich – mit diesem Abstand zum Alltag – Gedanken über unser Wirtschaftssystem und die Rolle der Landwirtschaft darin, gemacht. Die Gesellschaften unserer Tage unterliegen weltweit dem Diktat eines global wirkenden Kapitals. Egal, welchen Sektor ich betrachte, irgendwann entdecke ich auf einer Erzeugungs- oder Handelsstufe ein Kapital, das auf 6-8 % Kapitalrendite setzt. Die gleiche Masche ist selbst bei Dienstleistungen wie in der Kranken- und Altenpflege zu beobachten. Die Messgröße des Return-on-Investment hat nichts mehr mit einer reellen Nutzungsdauer des Investitionsobjektes zu tun. Nehmen wir als Beispiel die Supermärkte am Ortsrand: Diese Gebäude würden locker und leicht 30-40 Jahre ohne größere Reparaturen halten. Doch die Investmentgesellschaften wollen in 10-15 Jahren ihr Geld zurück, um dann mit diesem Geld schon wieder in das gleiche Anlagemodell zu investieren. Die zunehmende Bodenversiegelung lässt grüßen. Die gleiche Praxis findet man auf der ersten und zweiten Verarbeitungsstufe landwirtschaftlicher Produkte. Dieser Kapitaldruck wird vollständig auf …

Sag mal, Ottmar…

Sag mal Ottmar, wie kommt es eigentlich, dass Du als konventioneller Bauer in der AbL bist? Da sind doch sonst nur Bio-Bauern… Lieber Willi, das ist ein weitverbreitetes Vorurteil! Erst kürzlich wurde ich von einem Grünen-Ortsverein als Diskussionspartner angefragt zum Thema Glyphosat. Es sollte ein Gespräch zwischen mir und einem konventionellen Kollegen stattfinden, und die Verwunderung war groß, als ich antwortete: Ich bin ja ein konventioneller Bauer! Aber entgegen dieser vorgefassten Meinung vertritt die AbL eben sowohl konventionell als auch biologisch wirtschaftende Betriebe, geschätzt etwa halbe-halbe. Geschätzt, weil wir die Wirtschaftsweise unserer Mitglieder nicht erfassen. Bei uns sind eher kleinere und mittlere Höfe organisiert, wir haben aber durchaus auch Kollegen mit 300 ha Ackerbau oder 200 Kühen. Bekommt Dein Betrieb von den Millionen, die Frau Klöckner gerade verteilt, auch was ab? Wie sieht es bei Dir aktuell mit der Futterversorgung aus? Wir haben hier in Ostfriesland auch starke Dürreschäden, wobei wir im Vergleich mit manchen anderen Gegenden noch mit einem blauen Auge davongekommen sind. Mir fehlt vom Grünland der halbe zweite und der komplette dritte …

Droht ein großes Bienensterben?

Alarmismus? Panikmache? Mag sein, dass Laien das so sehen, aber als Bauer sehe ich ein großes Bienensterben im Herbst 2018, besonders aber im Sommer 2019 auf uns zukommen. Was passieren könnte Durch die Dürre, die vielerorts immer noch nicht beseitigt ist, wissen viele Landwirte nicht, wie und ob sie die sonst übliche Aussaat der Zwischenfrüchte überhaupt wagen sollen. Eine Aussaat in staubtrockenen Boden macht keinen Sinn. Zwar können Greening-Flächen noch bis Ende September bestellt werden, allerdings wird bei einem solch späten Termin kaum eine Pflanze Blüten bilden und somit fehlt den Bienen (Honigbienen und Wildbienen) die natürliche Nahrung. Was ist mit der Rapsblüte 2019? Viel schlimmer könnte es aber im Sommer 2019 kommen. In diesem Herbst haben sich viele Landwirte entschlossen, keinen Raps zu säen. Gründe dafür ist zum einen das hohe Risiko, aufgrund des fehlenden Saatgutschutzes einen vernünftigen Bestand zu etablieren, ein weiterer Grund ist die unsichere Bekämpfung von Schädlingen nach der Keimung. Auch die damit verbundene Kritik an breitflächigen Spritzmaßnahmen (eine andere Alternative zur insektiziden Beize gibt es nicht) in der Öffentlichkeit trägt einen gehörigen Teil …

Blick von aussen: Wirtschaftsfreiheit statt Almosen

Der Autor unseres Gastartikels ist Dr. Dirk Ippen. Er ist promovierter Jurist, war lange Jahre  geschäftsführender Gesellschafter des Münchener Zeitungs-Verlag und übernahm 2002 die Dierichs Medien-Gruppe. Der Text erschien zuerst in OVB-online. Herr Ippen hat uns die Erlaubnis zum Nachdruck gegeben. Wirtschaftsfreiheit für die Bauern statt Almosen Vordergründig ist es eine gute Nachricht, dass Landwirte mit  Ernteausfällen wegen der Trockenheit dieses Jahres nun 340 Millionen staatliche Hilfe bekommen sollen. Das Geld kommt  einer besonders wertvollen Gruppe der Volkswirtschaft zu Gute. Der Staat ist aber kaum in der Lage, dieses Geld so zu verteilen, dass es in den richtigen Betrieben landet. Da sind zunächst einmal die Getreidebauern. Sie können sich in diesem Jahr über bis zu 33 Prozent gestiegene Weizenpreise freuen. Bessere Erlöse gleichen ihre geringeren Ernten fast immer aus. Generell sollen Betriebe die Unterstützung bekommen, die nachweisen können, dass sie in ihrer Existenz gefährdet sind. Das hängt aber weniger von den Wetterbedingungen 2018 ab als vom ohnehin laufenden Strukturwandel in der Landwirtschaft und last not least von der Tüchtigkeit des jeweiligen Betriebsleiters. Gottlob sind die meisten Vollerwerbs-Landwirte …

„politische ökologie“

Bildquelle: Facebook Ganz ehrlich gesagt kannte ich die Zeitschrift mit obigem Titel (die Kleinschreibung ist so richtig!) bisher noch nicht. Die Redaktion hatte angefragt, ob ich für die Ausgabe 154 einen Beitrag schreiben würde. Nachdem ich mich erkundigt hatte, wer zum Leserkreis dieser Zeitschrift gehört (Soziologen, Politologen, Historiker, Gymnasial-Lehrer, Wähler der Grünen usw.) habe ich das gerne gemacht. Ist ja genau meine Zielgruppe. Auf die Frage, wie die Redaktion denn auf mich gekommen wäre, lautete die Antwort: „Sie wurden uns von Greenpeace empfohlen.“  Das fand ich nun interessant… In der aktuellen Ausgabe geht es um das Thema Agrarwende und so steht auch auf dem Titelbild „Zukunftstauglich“. Im folgenden Link findet ihr (unten am Ende) zwei Leseproben. Eine von Martin Hofstetter, Greenpeace, die andere von Willi Kremer-Schillings, im Netz auch als Bauer Willi bekannt. https://www.oekom.de/zeitschriften/politische-oekologie.html Wer schreibt sonst noch in dieser Ausgabe? Das könnt ihr dem Inhaltsverzeichnis entnehmen: https://www.oekom.de/fileadmin/zeitschriften/poe_inhaltsverzeichnisse/poe154_Inhalt.pdf Das sind ja einige interessante Namen dabei: Dirscherl (evang. Kirche), Tumbrinck (NABU), Grethe (wiss. Beirat der Bundesregierung), Haerlin (Save our Seeds), Niggli (FIBL) und noch viele andere, die …

Hahn kräht rechtskonform

Der Hahn darf weiter krähen. So entschied das Amtsgericht Grevenbroich in NRW und wies die Klage einer  Nachbarin auf Lärmbelästigung zurück. https://rp-online.de/nrw/staedte/rommerskirchen/urteil-der-hahn-simaul-aus-villau-darf-weiter-kraehen_aid-32256591 Und weiter heißt es in der Urteilsbegründung: „Dabei komme es nicht auf das subjektive Störungsempfinden an, maßgeblich sei vielmehr das Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen“. Ach, hätten wir doch mehr von solchen verständigen Richterinnen… Euer Bauer Willi

Glyphosat in Brasilien

Anfang August hat ein Bundesgericht in Brasilien die Anwendung von Glyphosat ausgesetzt. Ich habe Daniel, einen brasilianischen Landwirt mit deutschen Wurzeln, dazu befragt. Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren

20 € für Obst…

…wäre ein stolzer Preis. Und der wird  in Österreich auch gezahlt. Allerdings für 1.000 kg, also eine Tonne. https://www.nachrichten.at/oberoesterreich/innviertel/ried/Preis-fuer-Mostobst-ist-tiefer-als-im-Keller;art14855,271868 Wer eine Mathe-Schwäche hat: das ist pro Kilo zwei Cent!! Wer gerade seinen Herbst-Urlaub plant: da wäre Ober-Österreich doch ein lohnendes Ziel. Mit dem Kauf erhält man auch die reizvollen Streuobstwiesen. Aber den Anhänger nicht vergessen, so ein Schnäppchen kann man sich doch nicht entgehen lassen. Tja, Regionalität und Artenvielfalt hat halt ihren Preis… (Ironie off) Bauer Willi

Das hat schon mal geklappt…

Am 25. August habe ich ja über die Aussaat von Zwischenfrüchte geschrieben und es im Video gezeigt. Am 30. August wurde das Bild aufgenommen. Die Restfeuchte im Boden hat offensichtlich ausgereicht, um den Samen zum Keimen zu bringen. Fragt mich nicht, woher er das wenige Wasser geholt hat, denn bei der Saat hat es ja gestaubt. Eine Rolle mag dabei die Sätechnik spielen. Hinter dem Särohr laufen Druckrollen, die das Saatgut fest in den Boden drücken. Genau so, wir man das auch im Garten macht. Nach der Saat wurde Carbokalk aus der Zuckerfabrik gestreut. Das sind die kleinen, weißen Körner. Der Kalk dient dazu, den pH-Wert (Säuregehalt im Boden) bei um die 6,8 zu halten. Auch so, wie man es im Garten macht. Gestern hat es wunderbare 10 mm geregnet. Das dürfte jetzt auch den Raps zum Keimen bringen. Was mich ein wenig beunruhigt ist die Wetterprognose. In den nächsten 14 Tagen, also bis Mitte September werden steigende Temperaturen und kein weiterer Niederschlag vorhergesagt. Das wäre übel, denn dann könnte die eben gekeimte Saat vertrocknen. …

Und nun? Frontal 21 hilft auch nicht weiter…

Hier der Link auf die Sendung vom 28.8.2018 https://www.zdf.de/politik/frontal-21/hitze-duerre-futtermangel-100.html Bei Frontal 21 ging es in der Sendung vom 28.8.2018 um Bauern, Dürre und Geld. In der Ankündigung der Satz: „Die Sonne scheint, der Regen fällt, der Bauer ruft nach Steuergeld“. Kein guter Einstieg. Doch in der Sendung kamen drei Landwirte zu Wort, die sehr realistisch ihre eigene Situation einschätzen. Ansonsten lautet mein Fazit: Außer einer Beschreibung der Situation und klugen Sprüchen von Prof. Grethe bringt mich diese Sendung nicht weiter. Auch die Frage, ob Landwirte systemrelevant sind (so wie Banken und Bienen), bleibt offen. Worüber in der Sendung beim dem Thema Subventionen auch nicht gesprochen wurde: Sie sorgen dafür, dass Lebensmittel billig bleiben. Ich will keine Subventionen, sondern faire Preise. Die wären dann aber wesentlich höher als heute. Somit werden die EU-Zahlungen de facto an die Verbraucher durchgereicht, die sich über billige Lebensmittel freuen. Doch an dieses Thema geht niemand ran. Auch nicht Herr Grethe, der behauptet, dass die Ausgleichszahlungen „relativ unabhängig davon gezahlt werden, was der Bauer mit diesem Hektar macht“. Er sollte sich mal die …