Bauer Willi
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„politische ökologie“

Bildquelle: Facebook

Ganz ehrlich gesagt kannte ich die Zeitschrift mit obigem Titel (die Kleinschreibung ist so richtig!) bisher noch nicht. Die Redaktion hatte angefragt, ob ich für die Ausgabe 154 einen Beitrag schreiben würde. Nachdem ich mich erkundigt hatte, wer zum Leserkreis dieser Zeitschrift gehört (Soziologen, Politologen, Historiker, Gymnasial-Lehrer, Wähler der Grünen usw.) habe ich das gerne gemacht. Ist ja genau meine Zielgruppe. Auf die Frage, wie die Redaktion denn auf mich gekommen wäre, lautete die Antwort: „Sie wurden uns von Greenpeace empfohlen.“  Das fand ich nun interessant…

In der aktuellen Ausgabe geht es um das Thema Agrarwende und so steht auch auf dem Titelbild „Zukunftstauglich“. Im folgenden Link findet ihr (unten am Ende) zwei Leseproben. Eine von Martin Hofstetter, Greenpeace, die andere von Willi Kremer-Schillings, im Netz auch als Bauer Willi bekannt.

https://www.oekom.de/zeitschriften/politische-oekologie.html

Wer schreibt sonst noch in dieser Ausgabe? Das könnt ihr dem Inhaltsverzeichnis entnehmen:

https://www.oekom.de/fileadmin/zeitschriften/poe_inhaltsverzeichnisse/poe154_Inhalt.pdf

Das sind ja einige interessante Namen dabei:

Dirscherl (evang. Kirche), Tumbrinck (NABU), Grethe (wiss. Beirat der Bundesregierung), Haerlin (Save our Seeds), Niggli (FIBL) und noch viele andere, die sich zum Thema Landwirtschaft gerne zu Wort melden.

Alle gehören irgendeiner Organisation an und werden wohl deren Interessen vertreten. Und auch wenn ich die anderen Artikel nicht kenne, so kann ich mir schon vorstellen, was deren Inhalt ist. Von daher freut es mich, dass ich meinen ganz persönlichen Standpunkt darlegen kann. Den findet ihr hier:

https://www.oekom.de/fileadmin/zeitschriften/poe_leseproben/poe154_Kremer_Schillings.pdf

Viel Spaß beim Lesen und ihr könnt ja mal kommentieren, was ihr von den beiden Leseproben haltet.

Euer Bauer Willi

P.S.: Falls es jemanden interessiert: Nein, es gab kein Honorar…

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47 Kommentare

  1. Astrid Muth sagt

    Noch nie mussten die Konsument*Innen so intensiv, mit so viel Geld belogen werden wie heute, damit mit Mit- und Umweltzerstörung besinnungslos weiter produziert werden können und vor allem damit die Agrarmaschinenindustrie so weiter ihr Geld einnimmt, nicht verdient.

    Aus ökologischen und ethischen Gründen wollen wir weg von der Tierausbeutung. Doch stattdessen setzt die Politik auf Massentierausbeutung.

    Dabei ist Massentierausbeutung global gesehen der größte Umweltkiller überhaupt.

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    • sonnenblume sagt

      Der größte Umweltkiller ist der Mensch mit all seinem Tun und Handeln. Nur Naturvölker leben im Einklang mit der Natur. Möchten Sie dahin zurück?

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  2. Manfred sagt

    Danke an Bauer Willi an die ehrliche und bestimmte Analyse der jeweiligen Positionen und vor allem der Darstellung und Beschreibung der Gefühle von uns Landwirten. Es darf auf jeden fall ein bisschen provoziert werden.

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  3. Arnold Krämer sagt

    Mein Kommentar am Ende des Tages, (in eine andere als die bisherige Diskussionsrichtung zielend)
    Wenn ich den Beitrag von Bauer Willi heute Morgen richtig verstanden habe, geht es (vermutlich auch in diesem Forum zum wiederholten Male) um die sogenannte Agrarwende, die von der einen Seite mit teilweise den verdrehtesten Argumenten vehement gefordert wird und deren Notwendigkeit von der „Gegenseite“ ebenso vehement bestritten wird. Mit den Argumenten werden die politisch Verantwortlichen „bombardiert“, in der Hoffnung dort Gehör zu finden oder mit den einer Agrarwende zugeneigten Fachministern /-ministerinnen, das eine oder andere zügig auf den Weg zu bringen, ohne die produktionstechnischen und volkswirtschaftlichen Implikationen und Zielkonflikte zu beachten.
    Die Agrarwende-Aktivisten gehören in Deutschland sehr unterschiedlichen Gruppierungen an, die aus jeweils anderen Motiven heraus ihre Forderungen artikulieren. Je für sich sind diese Gruppen relativ klein und unbedeutsam. In der Gesamtheit, auch durch zeitlich und inhaltlich abgestimmte Kampagnen, erreichen sie jedoch eine enorme mediale Aufmerksamkeit und aus ihrer Nähe zu den in den Medien hauptberuflich Tätigen erzeugen sie einen enormen Druck auf die Politik und den landwirtschaftlichen Berufsstand, der selbst wiederum weiß oder zumindest wissen sollte, dass manche Entwicklungen sowohl in der Tierhaltung wie auch der Bodenproduktion der letzten Jahrzehnte auch tatsächlich korrekturbedürftig sind.
    Im Wesentlichen sind sieben Hauptgruppen auf der Seite der Agrarwende-Aktivisten zu unterscheiden.
    1. Die „echten“ Tierliebhaber, denen jedwede Form einer Tierhaltung, abgesehen von der eigenen Katze oder dem eigenen Hund, suspekt ist.
    2. Die Ernährungsapostel, die zumindest die Deutschen (auf Island wird es schwierig) möglichst vegetarisch, besser noch vegan ernährt wissen wollen.
    3. Die Weltretter, denen Überbevölkerung, Klimawandel, Ressourcenverbrauch und andere globale Probleme große Sorgen bereitet.
    4. Die lokal denkenden und agierenden Umweltschützer, die konkrete Probleme wie Belastungen der Umwelt mit Nitrat, Ammoniak, Feinstäuben etc. gelöst sehen wollen
    5. Die Kapitalismus-Kritiker, denen die Stellung der Landwirtschaft in der arbeitsteiligen und teilweise global agierenden Ernährungswirtschaft (-Industrie) zu unbedeutend erscheint
    6. Die konventionell wirtschaftenden Landwirte, denen der Wettbewerbsdruck zu stark ist und sich und andere potentiell auf der Verliererseite sehen.
    7. Die „Gesinnungs-Landwirte“ aus der alten, „echten“ Biolandwirtschaft, die aber auch Angst vor ein strukturelles Überangebot ihrer Erzeugnisse und zu viel Wettbewerb haben.

    In den 10 Thesen des Herrn Hofstetter werden die Argumente all dieser Gruppen erwähnt.
    Diese Gruppen sowie die Gruppe der konventionellen, unternehmerischen Landwirte kommen aus verschiedenen Gründen nicht zusammen. Ein ganz wesentlicher Grund liegt darin, dass keine ehrliche Bestands- und Problembeschreibung erfolgt: Es wird viel geleugnet, verschwiegen, gelogen, übertrieben, verleumdet, angeschwärzt und das mit der typisch deutschen „Gnadenlosigkeit“ und „Unbarmherzigkeit“. Es gibt auf den höheren Ebenen der Verbände deshalb so gut wie keine Vertrauensbasis. Mißtrauen wohin man auch schaut.
    Die wirtschaftlich erfolgreichen konventionellen Landwirte fürchten, sehr viel zu verlieren. Das sind nicht die EU-Subventionen. Die werden in den meisten westdeutschen Regionen mittlerweile ohnehin an die Landbesitzer als Verpächter durchgereicht. Insofern ist in West-Deutschland die EU-Förderung vor allem eine Förderung des ländlichen Raums und dort in breiter Form einkommenswirksam.
    Das bisherige EU-Geld würden nach einer relativ kurzen Zeit vom Kunden des Landwirts kommen. Steuergeld würde durch Kundengeld ersetzt.
    Nein, eine „Agrarwende- Landwirtschaft“ wäre noch mehr als jetzt schon viele Biobetriebe von Subventionszahlungen abhängig, musste noch mehr Gängelung, Kontrolle, Dokumentation und Behinderung ertragen. Die Landwirte sind es jetzt schon leid.
    Die Kosten der Produktion stiegen massiv an, weil mehr Fläche, mehr Arbeit und mehr Kapital je Produktionseinheit (und das in einem hochindustrialisierten Land, wo alle Faktoren mit Ausnahme von Kapital knapp und teuer sind) benötigt werden.
    Und auch das ist wichtig, die Landwirte möchten nicht wieder so arbeiten wie vor 40 oder 50 Jahren, indem man ihnen den erzielten technischen Fortschritt aus der Hand nimmt. Den Eindruck müssen sie aber bei vielen Forderungen der Agrarwende-Aktivisten haben.

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    • Bauer Willi sagt

      Genau richtig beschrieben. Und genau deshalb fand ich es gut, dass ich in dieser Zeitschrift meine Meinung (möglicherweise auch die Meinung anderer Landwirte) vertreten konnte. Deshalb auch der emotionale Duktus, um den professionellen Schützern und Kritikern einen Einblick in die Gefühlslage der Landwirte zu geben.

      Da reicht aber ein Artikel nicht aus. Wir Landwirte (und unsere Verbände) müssen aktiv den Kontakt mit den Kritikern suchen und das auch in den Medien wiederfinden. Das geht, macht aber viel Arbeit und braucht auch Mut und Selbstbewusstsein.
      Bauer Willi

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  4. bauerhans sagt

    zum thema kein kommentar!
    ich bin aber überrascht,wie die LINKE presse schon die ganze woche über THILO SARRAZIN berichtet,der ein neues buch geschrieben hat.
    die müssen ja mächtig schiss haben,machen aber gleichzeitig reklame fürs buch.

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  5. Der Artikel von Bauer Willi gefällt mir persönlich sehr gut. Teilweise provokant, aber nur so wird man heute noch wahrgenommen. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich aber dennoch. Den Satz, dass „die Allermeisten doch mehr billig als gut wollen“ finde ich dahingehend unglücklich formuliert, weil man daraus auch das Eingeständnis der Landwirte schlussfolgern könnte, dass billig gleich schlecht ist. Dass dem nicht so ist hat Brötchen schon erklärt.

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  6. fingerphilosoph sagt

    Kritik an Hofstetter:
    Die meisten Menschen wollen weder aufs Land zurückziehen noch in der Landwirtschaft arbeiten. Sie kaufen ja noch nicht mal regionale Produkte. Die meisten Menschen wollen auch keine Veganer werden und sich nicht vorschreiben lassen, wieviel Fleisch sie konsumieren. Es wird kein Wort drüber verloren, woher die Arbeitskräfte und die Ackerflächen für die sog. Agrarwende kommen sollen, ob konventionelle Großbetriebe bspw. enteignet werden oder ob der besitzlose Landarbeiter, der ja traditionell zu den Verlierern jeder Gesellschaft gehört, plötzlich wieder eine Option wird. Oder ein Pflichtdienstjahr wie seinerzeit bei Adolf H. Wie dem auch sei, die Agrarwende kann augenscheinlich nur gegen den Willen der Bevölkerung als rigides Zwangssystem eingeführt werden. Es sei denn, Roboter erledigen die Arbeit, was wiederum mit erhöhtem Energieaufwand, einer neuen Lärmbelästigung durch Drohnen, der Zerstörung des Luftraums und weiteren Unannehmlichkeiten verbunden sein dürfte.

    Kritik an Bauer Willi:
    Bauer Willi geht in seinem Artikel davon aus, dass der Bauer die Nahrungsmittel produziert, von denen die gesamte Gesellschaft lebt. Aber in Wirklichkeit ist es ja nicht der Bauer, der die Nahrungsmittel produziert, sondern die Technik im Verbund mit der Natur. Die Technik wird von Ingenieuren entwickelt und von Menschen hergestellt, die in Fabriken arbeiten. Heutzutage ist der Bauer nur noch der Mittler zwischen Technik und Natur. Der Bauer ist vom Ingenieur und Arbeiter genauso abhängig wie der Arbeiter und Elektroniker vom Bauern. Und die Natur produziert seit jeher kostenlos. Bis vor 10.000 Jahren konnte sich jeder Mann und jede Frau aus ihr bedienen, ohne der Natur eine Gegenleistung bezahlen zu müssen. Insofern muss auf den Prüfstand, welche Leistung der Bauer für die Gesellschaft wirklich noch selbst erbringt und wieviel diese wert ist (inklusive Subventionen). Es stellen sich Fragen wie: ob die Gesellschaft verpflichtet ist, dem Bauern seinen Besitz zu erhalten, wie der Bauer das offenbar annimmt? Ob es nicht so was wie ein Grundrecht auf Luft, Wasser und Nahrung geben müsste, weil die Natur ja eigentlich niemandem gehört und die Natur nicht für den Bauern, sondern für alle produziert.

    Kritik an Hofstetter und Bauer Willi:
    Beide frönen auf ihre Weise dem Glauben an die Machbarkeit. Beide sind überzeugt davon, wenn der Mensch nur will, dann kann er alles tun und alles erreichen. Über die Natur hinweg. Über die Interessen von anderen Menschen hinweg. Natur und Mensch sind in dieser Denke bloß Objekte, über die beliebig verfügt und bestimmt werden kann. Dabei reicht bereits eine Dürre von fünf Monaten, um diesen doch etwas arroganten Glauben an die Machbarkeit zu konterkarieren. Beide bleiben mit ihren Vorstellungen im Vagen, ohne konkrete Vorschläge zur Umsetzung. Beide haben ihre jeweiligen Forderungen nicht konsequent durchgedacht, sondern machen in blindem Aktivismus.
    Beide stellen nur Forderungen an die anonyme Masse, ohne Rücksicht darauf, dass der Bürger heute bereits mehr als die Hälfte des Jahres für die Gemeinschaft (Staat) arbeitet, was es notwendig macht, dass in einer Familie beide Ehepartner arbeiten müssen. Beide erwarten von ihren Mitmenschen, dass diese sich ändern, ohne dass sie sich selbst hinterfragen.

    Deshalb gehen einem Leser wie mir solche Artikel zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus und lösen, wenn überhaupt, höchstens ein Schulterzucken aus, aber keine Einsicht und auch keinen Handlungsbedarf.

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    • Schmeckt gut sagt

      Einverstanden. Und wie kommen wir jetzt weiter, ohne dass der Bauer die Faxen dicke hat und das Handtuch wirft. Ich habe kein Problem damit, meinen Besitz zur Verfügung zustellen (er bleibt selbstverständlich mein Eigentum) wenn anschließend eine angemessene Entlohnung für die eingebrachten Leistungen rausspringt. Wer stellt den 5 Jahresplan zusammen 😉

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    • Stadtmensch sagt

      Zu deinem ersten Absatz:
      Wenn man die Bevölkerung nicht zwingen muss (entweder aus Einsicht in die Notwendigkeit oder weil eine entsprechende Sozialisation vorhanden ist), kann es funktionieren: Siehe indischer Bundesstaat Sikkim oder Cuba nach dem Embargo auf Dünger und PSM oder SEKEM.

      Wir in unserer angeblich freien westlichen Gesellschaft lassen es ja auch zu, dass keine Existenz ohne zwanghafte Zurichtung des freien Willens auf einen bestimmten Zweck, jede Minute, jeden Aspekt unseres Tagesablaufs bestimmt (deinen eventuell nicht): Nämlich, Rohstoffe zu Müll zu verarbeiten. Arbeit als Selbstzweck. Wir produzieren Dinge, die wir zwar kaufen aber nicht konsumieren können.

      Zu deinem zweiten Absatz:
      Richtig, Landwirtschaft ist nahtlos integriert in unser Industriesystem und kann demzufolge auch nicht unabhängig von der Lebensweise unserer Gesellschaft „gewendet“
      werden. Die Chinesen konnten ihre grüne Revolution (also 200Millionen Menschen vom Hunger befreien) allein durch Bodenreform bewerkstelligen. Hunger gibts bei uns aber noch nicht.

      Zum dritten Absatz: Forderungen an die anonyme Masse: Die sogenannte Elite der Nachhaltigkeit hat natürlich erkannt, dass sich die Rückkehr zum natürlich Maß nicht von oben organisieren lässt, sondern dass Zivilgesellschaft (NGO) und Produzenten und internationale Vereinbarungen mitziehen müssen: siehe Dr. Volker Hauff in der aktuellen Ausgabe vom pö_forum
      Nix neues also – wir müssen warten bis das Öl alle ist, damit wir aus unserem selbstgebastelten Gefängnis raus können. Bis dahin wird die einzelwirtschaftliche Rationalität, die Planung von Effizienz und die Reinvestition uns immer weiter rennen lassen ohne anzukommen. Erst wenn alles in Scherben liegt ist Ruhe. Das ist in der Geschichte der Menschheit gut dokumentiert. Die sesshafte Gesellschaft steht und fällt mit der Landwirtschaft. Die Verfügbarkeit von billiger Energie hat uns leider total entwurzelt.

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      • fingerphilosoph sagt

        @ Stadtmensch
        Einsicht in die Notwendigkeit bzw. Sozialisation: funktioniert nur auf der Basis von Freiwilligkeit. Was derzeit jedoch geschieht, ist der Versuch, diese Freiwilligkeit mittels gezielter Manipulation oder Nudging zu erzwingen. Das hat was von Gehirnwäsche. Die Inder im Ökostaat Sikkim setzen auf Tourismus. Das entspricht in etwa den für Touristen inszenierten Lendenschurz-Tänzen der Aborigines in Australien. Über Kuba weiß ich nichts.

        Ich weiß nicht, wie Du darauf kommst, dass Gesellschaft und Landwirtschaft vor der Verfügbarkeit von billiger Energie nachhaltig und ökologisch verträglich waren. Das waren sie nicht. Agrarisierung im Verbund mit Verstädterung hatte von Anfang an mit einer überlebenden Kinderzahl von größer 2,2 pro Frau ein massives Wachstumsproblem. Du kennst doch sicher die Geschichte von Sissa ibn Dahir, dem Schachbrett und den Reiskörnern.

        Intensiver Werkzeuggebrauch über die Jahrmillionen hat den Menschen daraufhin konditioniert, alle Regungen des Leben ausschließlich nach Nutzen und Zweck zu beurteilen, denn ein Werkzeug definiert sich ja gerade dadurch, dass es nützlich ist und einen Zweck hat. Heute gerät uns so gut wie alles zum Werkzeug, das man zu einem Zweck bearbeiten kann: Natur, Leben, Kinder, Gefühle, Tod, Gesundheit, Luft, Wasser, was immer Du willst.

        Mit der Agrarisierung erreichte das Nutzen- und Zweckdenken einen ersten Höhepunkt, mit der Industrialisierung einen zweiten. Heutzutage wird jede Regung auf Nutzen und Zweck hin abgeklopft und ökonomisiert.

        Irgendwie schon ein Treppenwitz der Geschichte, dass bei unserem ganzen Nutz- und Zweckdenken am Ende immer nur Müll herauskommt.

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        • Obstbäuerin sagt

          Der größte Nutzen und auch Zweck der Landwirtschaft ist es, Lebensmittel zu produzieren, damit keiner hungern muss. Alles was darüber hinausgeht, kann in Frage gestellt, sollte aber nicht gleich als Müll bezeichnet werden.

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          • fingerphilosoph sagt

            Liebe Obstbäuerin, auf solche Aussagen, dass die Landwirtschaft Lebensmittel produziert, damit keiner hungern muss, falle ich nicht mehr herein. Der Landwirt produziert Lebensmittel, um damit sein Einkommen zu bestreiten. Wie eben jeder von uns irgendwas produziert oder in Dienstleistungen macht, um seine eigene Existenz zu sichern. Lassen Sie also bitte die Kirche im Dorf.

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            • Obstbäuerin sagt

              Lieber fingerphilosoph, ja der Zusammenhang ist in der Neuzeit etwas verlorengegangen auch der Bauer will nicht nur essen.

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            • Günter Reichard sagt

              @fingerphilosoph:
              1. Ohne Landwirtschaft, wie auch immer geartet, würde die Welt verhungern.
              2. Viele, ich wage zu behaupten, die meisten Bauern, die ihre Landwirtschaft innerhalb eines Familienbetriebes bewirtschaften, verstehen Ihre Tätigkeit als Berufung.
              3. Wenn ein Philosph Blech philosophiert, muß niemand Hunger leiden.
              4. Etwas weit hergeholt, aber die meisten Bauern verstehen sich als Erhalter der Schöpfung, soweit es ihnen halt im Rahmen ihres Verdienststes möglich ist.
              5. Der Verdienst wird vom sog. Verbraucher bestimmt, der Bauer hat dabei nur geringen Einfluss und kann auch nicht kündigen, wenn ihm sen Einkommen zu gering erscheint.

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        • Stadtmensch sagt

          @fingerphilosoph, ja mag sein. Es gibt aber auch Beispiele, wo es die Menschen mit sesshafter Lebensweise in sehr fragilen Ökosystem geschafft haben, seit 1500 Jahren stabil zu sein. Hab vergessen wo es genau war. Irgendwelcher Terassenfeldbau in den Anden glaub ich. Es geht also auch ohne Wissenschaft.
          Das Problem ist (zumindest für die Mehrzahl von uns säkularisierten, ökonomischen Menschen), dass wir uns ein Leben ohne Entwicklung, also ohne Ausprobieren ohne Forscherdrang ohne Selbstoptimierung nicht mehr vorstellen können. Jeder meint, er müsste in seiner kurzen Lebensspanne so viel Welt wie möglich aufnehmen und sein Leben planen, damit es produktiv ist so dass man am Ende Bilanz ziehen kann. Diese Einstellung, gepaart mit mönchischer Askese (Genussverzicht um später einen größeren Genuss zu haben – die Puritaner lassen grüßen) ist das ideelle Korsett, aus dem wir uns befreien müssen. Das geht leider nicht, denn Wertvorstellungen sind das Ergebnis von Konditionierung über Jahrhunderte. Hier hilft nur äußerer Zwang. Entweder kommt er durch Ressourcenerschöpfung und Klimawandel und wir machen bis dahin weiter wie bisher oder wir üben in den nächsten 40 Jahren den Ernstfall und geben gleichzeitig unseren Kindern enstsprechend korrigierte Wertvorstellungen mit.

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    • Erwischt, fingerphilosoph
      Also du denkst die Natur stellt uns alles umsonst zur Verfügung!?!

      Macht sie auch.
      Jeder kann sich nehmen was er will.
      Warum machst du das nicht?

      Bist zu faul dazu?
      Hast so viel Geld kannst es dir Kaufen?
      Einbezahlt wen Ostens die, die es dir aus der Natur holen.
      Und bezahle sie genau so gut wie die sie verarbeitet zu fertigen Nahrungsmittel!
      Und auch wie die Im Handel!

      Warum bist du nur so faul???
      Wegen deiner Faulheit leidet der ganze Erdball!

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      • fingerphilosoph sagt

        Ich habe geschrieben, dass sich bis vor 10.000 Jahren jeder selber aus der Natur bedienen konnte. Dann sind die Menschen auf die glorreiche Idee gekommen, Zäune zu bauen und Besitzansprüche anzumelden. Heute ist der Planet an die Besitzenden verteilt und sogar der Survivalspezialist braucht eine behördliche Genehmigung, wenn er sich von dem ernähren will, was der Urwald ihm bietet.

        Sei froh, dass ich so faul bin. So mache ich wenigstens keinen Müll.

        Nachdem ich über ein Jahr bei Bauer Willi mitgelesen habe, bin ich nicht mehr so erpicht darauf, den Bauern als Verbraucher höhere Preise zu bezahlen. Mein ursprünglich eher positives Bild von der Landwirtschaft hat sich hier ziemlich gewandelt. Ich habe nämlich gelernt, dass es falsch ist, positiv von der Landwirtschaft zu denken, nur weil ich mit Greenpeace & Konsorten negative Erfahrungen gemacht habe.

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        • Wenn Du nur deshalb ein eher positves Bild von der Landwirtschaft hattest, weil Du schlechte Erfahrung mit Freenpeace und Konsorten gemacht hast, kannst Du für Deine Entäuschung nicht die Bauern verantwortlich machen. Bauern sind keine Heiligen, zumindest habe ich dies nie behauptet. Am Ende des Tages muss der Bauer schaun, wie er durch dieses ganz Schlamassel durchkommt. Und immer mehr schmeissen hin, erst heute habe ich wieder ein Gespräch mit einem Landwirt mit größerem Betrieb und potentiellem Nachfolger geführt, im Oktober ist Schluß, Nachfolger beginnt eine Ausbildung in der Industrie.
          „Insofern muss auf den Prüfstand, welche Leistung der Bauer für die Gesellschaft wirklich noch selbst erbringt und wieviel diese wert ist (inklusive Subventionen). Es stellen sich Fragen wie: ob die Gesellschaft verpflichtet ist, dem Bauern seinen Besitz zu erhalten, wie der Bauer das offenbar annimmt? Ob es nicht so was wie ein Grundrecht auf Luft, Wasser und Nahrung geben müsste, weil die Natur ja eigentlich niemandem gehört und die Natur nicht für den Bauern, sondern für alle produziert.“ Insofern stellen sich die Fragen in absehbarer Zeit gar nicht mehr!

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          • sonnenblume sagt

            Das der Nachfolger aussteigt, ist die einzig logische Konsequenz. Ein Beruf der nicht mehr gebraucht wird, verliert die Daseinsberechtigung. Das wird früher oder später vielen von uns so ergehen.
            Also orientieren wir uns anders.

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          • fingerphilosoph sagt

            Wenn ich enttäuscht bin, dann deshalb, weil die Bauern sich nicht einen Deut anders verhalten als Greenpeace & Konsorten. Man kann der Gegenseite nicht vorwerfen, was man selber praktiziert.
            Deshalb denke ich inzwischen, dass sich da schon die Richtigen aneinander abarbeiten.

            Es ist doch so, dass die Bauern einander durch ihre Wachsen-oder-Weichen-Ideologie selber vom Markt verdrängt haben und dafür nun den Verbraucher verantwortlich machen. Wenn der Verbraucher mehr für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse zahlen würde, gäbe es deshalb nicht einen einzigen Bauernhof mehr, weil die Großen die Kleineren auf höherem Preislevel genauso unterbieten und fressen und der LEH genauso seine Marge kassieren würde. Also ist die ganze Diskussion hier heiße Luft und Selbstdarstellung.

            Es ist doch so, dass die Landschaft seit den 1960ern durch Flurbereinigung in sehr vielen Gegenden für jeden sichtbar grässlich verarmt ist. Vor einiger Zeit habe ich mal einen alten Film aus den 60ern gesehen, der im Schwarzwald und im Kinzigtal gedreht worden ist. Da ist mir der Unterschied aber mal so richtig klar geworden.
            Dass eine verarmte Landschaft mit Maisfeld an Maisfeld deutlich weniger Arten beherbergt, leuchtet auch ohne Krefelder Studie unmittelbar ein. Ich fühle mich schon vergackeiert, wenn die Bauern mir hier weismachen wollen, diese Verarmung wären bloß Fake News vonseiten der NGOs und eifrig Schmetterlingsfotos veröffentlichen.

            Natürlich ist unsere Gesellschaft so arbeitsteilig vernetzt, dass man nicht einer Berufsgruppe die Schuld zuweisen kann. Verstädterung und Landwirtschaft sind nun mal untrennbar miteinander verschränkt. Das hat eben Konsequenzen für die Natur. Man kann nicht alles gleichzeitig haben, die vielfältige Natur sowie den Wohlstand, den wir eben genau der Naturzerstörung verdanken. Das ist ein Widerspruch in sich.

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            • Brötchen sagt

              Mal ein paar Fakten, die Naturschutz Gebiete in BB https://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Naturschutzgebiete_in_Brandenburg als bsp.
              Die ha habe ich jetzt nicht zusammengerechnet. Die ganzen Truppenübungsplätze vom Kaiser und von den Russen sind heute alles Biotope. Das sind riesige Flächen. Jeder stein im Land ist Kulturlandschaft und wurde mal umgedreht.

              der wolf war in den 50 zigern ausgestorben der biber auch.
              Als ich Kind war, da war ein Kranich oder ein komoran eine besonderheit,heute stehen die an der strasse.
              Komorane und Biber sind eine Plage. Teilweise Fischotter.
              Eisvogel ist auch nichts besonderes mehr.
              Schwäne kann ich mich nicht erinnern, das es die in meiner Kindheit gab. Heute ist das auch fast eine Plage.
              In der unstrut hat meine Frau zweimal gebadet.
              Kreuzrottern gibt es auch wieder. Eidechsen sind selten geworden. Blindschleichen sieht man öfter. Ringelnattern sieht man öfter. Smaragdeidechsen selten bis gar nicht.

              Den mais die Wurst am Stengel , gibt es erst seit den 70 zigern als nennenswerte Kultur in Mitteldeutschland. Mais hat die höchsten Erträge und ist sehr krankheitsresistent. Das Maisfeld ist so verarmt das sich die Wildschweine darin todtreten und im Herbst und Winter nähren sich daran die Kraniche, Graugänse usw…
              Je höher die Erträge pro Einzel Kultur umso mehr wird auch frei für Natur Schutz. Der mais hat eine Vegetationsperiode von Mitte April bis September, der roggen von September bis August.also viel länger.

              Die NGOs können auch nur arbeiten wenn jemand Werte schafft und Menschen auf dem Land ein Einkommen haben.

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            • „Es ist doch so, dass die Bauern einander durch ihre Wachsen-oder-Weichen-Ideologie selber vom Markt verdrängt haben“ Oberflächlich betrachtet magst Du recht haben, tatsächlich stellt sich die Situation etwas anders dar. Da gabs zum einen wirtschaftliche Zwänge, sinkende Nettoerlöse durch Mehrproduktion zu kompensieren, um nicht wirtschaftlichen Ruin zu erleiden. Hinzu kamen natürlich staatliche Massnahmen wie Beratung Ausbildung und einzelbetriebliche Investitionsförderung, die das betriebliche Wachstum der Betriebe massiv anheizten. Das mag man jetzt gut oder schlecht finden, der Verbraucher hat davon zweifellos profitiert. Das soll jetzt aber keine Schuldzuweisung sein. Jeder Verbaucher hat m.E. das Recht, sich in seinem Sinne optimal zu verhalten, d.h. bei seinem Konsumverhalten Kosten/Nutzenmaximierung zu betreiben.
              Das mit dem Kinzigtal musst Du mir genauer erklären, bei Deinen Aussagen zu den Maisfeldern wäre ich mir nicht so sicher: https://www.maiskomitee.de/web/intranet/news.aspx?news=81e878f3-3a92-4643-945c-b6ea2021855a
              Nochmal zurück zum Strukturwandel. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Strukturwandel künftig sehr starkt von der gesellschaftlichen Diskussion über Landwirtschaft beeinflusst wird. Die Betriebsgröße und wirtschaftlicher Druck spielen hierbei immer weniger eine Rolle. In Gesprächen mit wirtschaftlich sehr erfolgreichen Betrieben wird mehr und mehr klar, dass z.B. der psychische Druck auf Tierhalter, der Druck von Seiten der Behörden aufgund der Dikussionen um Tierschutz, Nitrat, Glyphosat ect.pp. derart zunimmt, dass selbst diese Betriebe keinen „Bock“ mehr haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Tierhaltung in Deutschland in den nächsten 10 Jahren massiv zurückgehen wird, Anzeichen hierfür gibt es schon längst. Aber auch der Ackerbau gerät massiv unter Druck. Der Bauernverband träumt noch von precission farmig, heraus kommen wird no farming. Glyphosat und Neonicotionoide waren nur der Anfang, alles andere wird nach ziehen. Diese Woche war ich auf einer Infoveranstaltung Pflazenschutz Thema Clomazone. Die Auflagen, die mit dem Einsatz dieses Mittels verbunden sind, sind schlicht nicht umzusetzen. Also haben wir hier ein quasi Anwendungsverbot über die Hintertür, weitere werden folgen: http://pflanzenschutzdienst.rp-giessen.de/ackerbau/ratgeber-pflanzenschutz/winterraps/herbst/clomazone-anwendungsbestimmungen/ Der chemische Pflanzenschutz wird der Landwirtschaft (in Deutschland) wegbrechen.

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            • fingerphilosoph sagt

              Die industrielle Revolution mit entsprechender Landflucht begann vor etwa 300 Jahren, die Industrialisierung der Landwirtschaft vor ca. 100 Jahren. Industrialisierung sieht so aus, dass eine neue Technologie zuerst mal ohne Rücksicht auf Verluste eingeführt wird und zu massiver Zerstörung führt. Nach einem Zeitraum der Zerstörung werden neue Technologien entwickelt, die die Folgen der Zerstörung teilweise wieder auffangen. Die massivste Zerstörung hat in der Zeit des sog. Wirtschaftswunders stattgefunden, bis zur Mondlandung herrschte Technik-Euphorie, dann kam mit den „Grenzen des Wachstums“ (Club of Rome, 1972) die Ernüchterung, paar Jahre später die Grünen. Seitdem rudert ein Teil der Gesellschaft vor allem verbal, aber auch mit Gesetzen und Vorschriften zurück, ein paar Idealisten wie Stadtmensch versuchen eine andere Lebensweise tatsächlich zu realisieren, neue Technologien haben Flüsse, Seen und Luft wieder sauberer gemacht, die Ertragssteigerung in der LW hat vorübergehend wieder mehr Fläche für Wald zur Verfügung gestellt, während jedoch die entfesselte Wachstumsdynamik keiner mehr kontrollieren kann, weder Politik, noch Verbraucher, noch Industriebosse noch sonst jemand. Die erreichte, scheinbare Verbesserung geht durch die aufgezwungene Energiewende wohl bald wieder flöten, weil vorzugsweise in Naturparks nun grünwahnsinnig Windräder aufgestellt werden.
              Jede Wette, dass in ein paar Jahren auch Atomkraft und Kohle wieder attraktiv werden. Dann haben wir alles: überall Windräder UND Atomkraft UND Kohle. Bloß damit wir immer so weitermachen können.

              Die große Zerstörung durch entfesseltes Wirtschaftswachstum, einer LW mit Flurbereinigung und Pestiziden, die teilweise giftiger waren als die heutigen, fand in der Zeit des sog. Wirtschaftswunders statt, auf das alle bis heute so wahnsinnig stolz sind. Wenn es heute wieder Biber, Wölfe, Kraniche und Kreuzottern gibt, dann deshalb, weil in unserem Kulturraum neue, verbesserte Technologien die alten abgelöst haben und weil wir als reiche Länder die Zerstörung ins Ausland verlagert haben. Wir können hier wieder mehr Wald anpflanzen und so tun, als wären wir alle Naturfreunde, weil wir Soja aus Brasilien importieren und unseren Dreck wahlweise nach Afrika (Elektronikschrott) oder China (Plastik) verschiffen. Mit CO2-Handel vertreibt man derzeit die energieintensive und eher schmutzige Schwerindustrie ins Ausland, ebenso wie auch die konventionelle LW ins Ausland vertrieben wird, um so das eher unangenehme Gesicht unserer Lebensweise bestmöglich zu verstecken. Das ist Symptombekämpfung, Naturkosmetik, um nicht zu sagen: Lüge. Ursachen werden nicht angegangen, der Wohlstand samt Wirtschaftswachstum wird nicht im Geringsten in Frage gestellt. Auch auf diesem Blog werde ich immer und immer wieder darauf verwiesen, wie dankbar ich doch eigentlich für den „Wohlstand“ sein müsste, und damit sind in erster Linie Konsumgüter gemeint.

              Das große Artensterben in Europa fand in der Zeit von etwa 1880 bis 1980 statt. Dann waren Flora und Fauna in Europa am einem Tiefpunkt. Samt Insekten übrigens. Eigentlich erstaunlich, dass in den letzten 25 Jahren überhaupt noch welche sterben konnten, weil der Großteil nämlich bereits DAVOR verschwunden ist.

              Wenn hier auf Biber, Wölfe und Kraniche verwiesen wird, dann vergleiche ich das mit einem sterbenden Patienten, der im Verlauf seiner Krankheit auch immer mal wieder Phasen hat, in denen es eine Zeitlang besser wieder geht, sodass im Narrativ von Gesundung die Rede ist, während es auf längere Sicht gesehen, kontinuierlich bergab geht und der Aufwand, ihn mit Medikamenten, Ärzten und Pflege am Leben zu erhalten, immer größer wird. So ist das auch mit der Natur.

              In diesem Kontext spielt die Landwirtschaft eben ihre Rolle. Wie alle anderen auch, sind auch die Bauern auf den Wachstumswahn reingefallen. Dies zu Lasten von Pflanzen und Tieren, die auf Hochleistung getrimmt und zu industriellen Produkten verkommen sind, worauf die Bauern im Großen Ganzen auch noch stolz sind.

              Das Schwein bspw. ist vom Körperbau her mit dem Menschen so verwandt, dass Herzklappen des Einen dem Anderen eingepflanzt werden können. Gleichzeitig behauptet der Bauer jedoch, dass ein Schwein, das in max. einem halben Jahr von Ferkelgewicht auf über 120 kg hochgemästet wird, ein ihm angemessenes, ja ein schönes Leben hat. Das passt nicht zusammen. Dafür entsteht nun gerade ein Bewusstsein, was an sich richtig ist. Aber merkwürdigerweise nicht bei den Bauern, sondern bei den Städtern, die das Tier wiederum zu sehr vermenschlichen und ihm sogar so was wie Reflexion seiner Situation, ein Todesbewusstsein und damit die Erfahrung von „Leid“ unterstellen.

              Lustigerweise findet sich die Einstellung, die dem Tier meiner Meinung nach gerecht wird, bei meinem Lieblingsfeind hier, bei Paulus. Oder bei Sabine. Und da ist es nun offenbar so, dass beide nicht existenziell von ihren Tieren abhängig sind. Wenn das womöglich der springende Punkt sein sollte, offenbart Bauer Willi mit seinem Blog ein gewaltiges Dilemma.

              Was ich im Kinzigtal gesehen habe, entspricht in etwa der Ersetzung von Streuobstwiesen durch Plantagen. Oder der Ersetzung von auf den Gassen spielenden Kindern durch einen Park, in dem ein paar Rentner mit Rollator flanieren.
              Sichtbar wurde durch den Film auch die Rolle, die das Straßennetz und der Verkehr in diesem Umwandlungsprozess spielen, ein durchaus größeres Problem als die LW.

              Und nein, ich richte mich natürlich nicht nach einem einzigen Blog, aber ich stelle die Dinge, die mir auffallen, gern etwas krasser dar, als sie sind, um zu provozieren.

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        • Brötchen sagt

          Seine Weltsicht allein von einem Blog abhängig zu machen, halte ich nicht für besonders klug.

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        • Mausschubser sagt

          Ich habe mit der scheinbar grenzenlosen Freiheit vor 10000 Jahren meine Schwierigkeiten. Möglicherweise gab es dort noch keine Zäune und Gebietseigentum. Keiner hat gefragt, ob ich jagdausübungsberechtigt bin, geschweige denn eine Jägerprüfung abzulegen. Schön war diese Zeit oder auch nicht. Vielleicht war es für viele ein beschwerliches und risikoreiches Leben. Fehler, die heute vielleicht zu Harz IV führen, waren damals tödlich. Die scheinbar grenzenlose Freiheit endete möglicherweise am Bach, der die Grenze zum Jagdgebiet der benachbarten Sippe markierte. Den zu übertreten konnte tödlich enden.
          Deine Kritik der bäuerlichen Verbraucherschelte teile ich allerdings. Nur mehr zu bezahlen verschiebt nur die Bezugspunkt.

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    • Sabine sagt

      Äh, ernsthaft? Nun, wenn wir den Besitz des Bauern nicht schützen müssen, weil die Natur dann jedem gehört, wie ist es dann mit anderen Rohstoffen und Bodenschätzen? Unsere Gesellschaft hat sich darauf verständigt, dass es privaten Besitz gibt. Wieso das Prinzip ausgerechnet im Landbau aufgeben? Weil die Masse der Menschen hier eh keinen Grundbesitz hat? Nicht wirklich dein Ernst, oder?

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  7. Friedrich sagt

    In dem Heft haben sich die richtigen Weltverbesserer gefunden. Der Probeleseartikel von Herrn Hofstetter vermischt die Probleme hier in Deutschland mit denen auf der ganzen Erde und macht natürlich den Leuten Angst. Mit der Zeitung werden bestimmte Leute angesprochen , die meinen, die Welt zum Besseren verändern zu wollen. Wir , die Bauern und Jäger müßen erleben , daß diese Leute aus der Stadt mit den Gesetzen der Stadt hier auf dem Lande alles durch einander bringen, weil träumerisch und außerhalb der Realität. Das geht mit den aktuellen P-Gewässergehalten schon los , wo jetzt erstmals die Klärwerke als Hauptverursacher erkannt wurden. Auch mit der Artenvielfalt , dem angeblichen Rückgang, der erst mit den gesetzlichen ,grünen Einschränkungen begonnen hat. Mit dem totalen Schutz der Greifvögel sind uns die Hasen , Fasane,Lärchen, Rebhühner , Kaninchen usw. weggefressen worden. Das kann man natürlich in der Stadt nicht sehen. Genauso ist das mit den Studien ,ohne Praxisbezug wird dort einfach was behauptet, die geschrieben werden. Von der manipulierten Nitratgeschichte und der entstandenen Düngeverordnung wollen wir erst garnicht reden. Auch der Zampano um die Dürre und deren zukünftige Auswirkungen mit der totalen Angstmache gehen schon auf den Geist. Bei uns war die letzte Dürre im Jahre 1959 und eben jetzt wieder. Also nach fast 60 Jahren mal wieder . Der Angstmache folgen jetzt wieder diktatorische Gesetze für die Landwirtschaft obwohl sie nur mit 7% am Klimawandel beteiligt ist, aber
    die fliegenden ,Autofahrenden Mitmenschen werden überhaupt nicht genannt von diesen Weltverbesserern, weil die ja bei den NGOs spenden sollen und damit Unschuldigkeit erteilt ist. Inzwischen sehe ich diese ganze Klimadiskussion als großes Geschäftsmodell bestimmter Gruppen, Medien und Firmen, denn wenn es wirklich so schlimm wäre , dann würde der ganze Verkehrssektor , Urlaub, Konsum usw. gesetzlich eingeschränkt. Da kommt aber nichts , sondern der Verbraucher wird zum Konsum verführt und angeregt , um die Wirtschaft in Schwung zu bringen.

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  8. Obstbäuerin sagt

    Früher konnte ESSEN nur politisch missbraucht oder zur Ursache von politischen Unruhen werden wenn eine tatsächliche oder künstlich erzeugte Hungersituation bestand.
    Heute kann ESSEN, welches bei uns im Überfluss zur Verfügung steht, nur noch für politische Ziele missbraucht werden, wenn Probleme neu erfunden, aufgebauscht oder in den Katastrophenmodus katapultiert werden. Ein schönes Beispiel dafür ist das BIENENSTERBEN. Der Satz STIRBT DIE BIENE – STIRBT AUCH DER MENSCH hat sich längst als lächerlich erwiesen, denn es war ausdrücklich die Honigbiene gemeint aber er sitzt in den Köpfen und lebt dort ein Eigenleben neben all den anderen Textbausteinen, die ständig von vielen wiederholt werden. Politische Ökologie heißt diese Zeitschrift und da frage ich mich, ob sie vielleicht von genau den Institutionen gegründet oder forciert wurde, die ihre praxisfernen Botschaften in die Welt senden wollen und der Glaubhaftigkeit halber auch mal einen Praktiker zu Wort kommen lassen?

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  9. Piet van Veghel sagt

    Wieso geht es eigentlich SO NICHT WEITER Willie? Weil wir einige Jahren hintereinander zu tun hatten mit erhöhte Sonne-Aktivität: mit schwenkende Polen: für die Insekten eigentlich zu milde Winter: mit Insekten-unfreundliche Gesetze und Maßnahmen: mit Naturschützer ohne Verstand von Natur: mit Politiker denen Wähler Verlust fürchten und deswegen Populismus und Demagogie betreiben: mit eine Bevölkerung der sich aufhetzen ließ: unverantwortliche NgO’s wie Greenpeace denen mit gefälschte Studien Verboten durchsetzen konnten? Weshalb den Rücken nicht aufrecht halten, keine weiche Beinen zeigen und die Bevölkerung inklusiv Politiker klar machen wie unsere Ernährung produziert wird? Sei stolz darauf ! Und vergesse nie: Derjenige der sich am tiefsten beugt, schlägt man am härtesten.

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  10. Brötchen sagt

    Ich habe erst „politische Ökonomie“ gelesen und bin zusammengegezuckt. Meines Erachtens ist der Artikel schon gut, müsste aber noch überzeugender rüberkommen, z.b. die preisbsp. Ist ja immer der gleiche Preis nur in Euro…..die Hauptursachen sind nicht dargestellt, die überbordenden Vorschriften. das mit den tausenden Tieren ist übertrieben dargestellt. Es ginge auch mit 700. Vielleicht sollte man wirklich mal eine kleine Tabelle mit anhängen
    Zweimal Mal drüberfahren gegen pfluglos, oder ganz grob die Kostenstruktur in der Tierhaltung mit doppelt soviel Platz.
    „Zwischen billig und gut“. Der Kunde kann qualitätsbezogen kein Unterschied feststellen, weshalb soll er dann teuer kaufen?

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  11. Arnold Krämer sagt

    Lieber Bauer Willi
    Zuviel ist Zuviel! Allein die 10 Thesen von Hern Hofstetter fordern jeweils zur Gegenrede heraus. Dann auch noch Dein Beitrag, den man ebenfalls an mehreren Stellen kritisch begleiten müsste, insbesondere was die „Verbraucherschelte“ angeht.
    Ich weiß wirklich nicht, wo ich zuerst und zuletzt „aufschlagen“ sollte. Deshalb heute: Kein Kommentar!

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    • Schmeckt gut sagt

      Ohne Provokation geht es heutzutage anscheinend nichts mehr. Der Bauernverband geht oft nicht energisch genug vor, geht einem Schlagaustausch aus dem Weg, wobei hierfür natürlich geschulte und erfahrene Leute gebraucht werden. Die Mrd-forderung von Rukwied zum Beispiel war nur kontraproduktiv, weil der Bauernverband auf die Darstellungen in den Medien ungeschickt reagiert hat. Rechtfertigungen (zu schnell und unvollständig formulierte Dürreprognosen…) waren falsch, Erklärungen und Betroffenheiten von Bauern hätten geholfen.

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    • Bauer Willi sagt

      @Arnold Krämer
      Natürlich fordern beide Beiträge zur Gegenrede heraus. Das ist ja der Sinn: sich in einem Dialog einander anzunähern. Dafür müssen beide Standpunkte auch klar und unmissverständlich erkennbar sein.
      Bauer Willi

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      • Arnold Krämer sagt

        Lieber Bauer Willi!
        Jetzt muss ich doch noch einmal die Tastatur bedienen. In beiden Artikeln sind sehr viele diskussionswürdige Punkte enthalten (mir juckt es richtig in den Fingern). Das führt aber dazu, dass sich die Leser dieses Forums irgendetwas Unterschiedliches herauspicken, und dazu oder auch auch zu Dingen, die garnicht zum Kern der Aufsätze gehören, ihre Meinung abgeben. Folge: Man redet aneinander vorbei oder die Diskussionen bleiben oberflächlich.
        Danke aber dafür, dass andere als die sonst im Agrarbereich üblichen Quellen bekannt gemacht werden.

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        • Bauer Willi sagt

          Ich habe mittlerweile auch die anderen Artikel des Heftes gelesen. Es handelt sich um eine Wiederholung der immer gleichen Argumente aus dem immer gleichen Mund. So darf auch die Forderung nach einer tierfreien, veganen Landwirtschaft nicht fehlen. Und richtig: mein Beitrag reiht sich da nahtlos ein. Er klagt eigentlich auch nur an.

          Das der Artikel des NABU auf zum Teil falschen Behauptungen aufbaut, ist auch nicht neu.

          Ich nehme für meinen Artikel in Anspruch, dass er eben aus der Praxis stammt und einen Kontrapunkt zu den Phrasen der Tastatur-Landwirten setzt. Er soll aufregen aber auch anregen.

          Mit dem Aufstellen von Forderungen, was „die Landwirte“ gefälligst anders zu machen haben, ändert man rein gar nichts.
          Bauer Willi

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    • Paulus sagt

      @Arnold Krämer
      Die Verbraucherschelte gehört bei Bauer Willi einfach dazu, so ist er nun mal und ich nehme es ihm gar nicht übel. Er kommt dann immer mit irgendwelchen Umfragen zu Bioprodukten und unterschlägt die Zwischentöne, die wahrscheinlich auch nicht abgefragt wurden.
      Wir kaufen keine Bioprodukte weil wir sie für überteuert halten, ohne einen irgendwie nachvollziehbaren/messbaren Mehrwert zu bieten. Für uns ist die Produktqualität, die sich in erster Linie auf den Geschmack und die Frische bezieht entscheidend, egal ob bio oder konvi.
      In Hofläden bzw. direkt beim Erzeuger gilt, zumindest nach unserer Erfahrung, ein nicht ausgesprochenes Qualitätsversprechen auf das wir uns immer verlassen konnten. Da darf es selbstverständlich teurer sein als im gewöhnlichen LEH das bedarf doch gar keiner Frage. Ich gebe zu, dass wir hier im Rheinland begünstigt sind, da tauschen sich die Erzeuger auch untereinander aus, sodass die Produktauswahl schon relativ vielfältig und i.d.R. ausreichend ist. Dass die sich z.B. mit dem Anbau von Vanille schwertun ist schon klar aber wann benötigt man solche Exoten schon mal?
      In manchen Regionen bleiben tatsächlich nur Aldi und Konsorten, da ist Bauer Willis Verbraucherbashing nun wirklich nicht angebracht.

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      • Bauer Willi sagt

        @Paulus
        Du hast es immer noch nicht verstanden. Von mir aus kann jeder gerne bei Aldi und Co. einkaufen. Aber jedem Schnäppchen hinterher rennen und sich dann über Massentierhaltung und andere „Bosheiten“ der Landwirte beschweren passt nicht. Diese moralische Schizophrenität geht mir auf den Geist.

        Und ja, die findet man auch bei Bauern. Leider.
        Bauer Willi

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  12. Harald Müller sagt

    Sehr schön provokant, was dieser Kremer-Schillings dort schreibt.

    Ich hätte mir noch die Nebenbemerkung gewünscht, dass der glyphosatspritzende Kremer-Schillings dieses Mittel ausbringt, weil er nach Abwägung der Vor- und Nachteile der Meinung ist, dieses Mittel wäre besser für die Umwelt als alle praxistaulichen Alternativen – inclusive derer, die die Bio-Landwirtschaft zu bieten hat.
    Und dass diejenigen, die das Verbot dieses Mittels fordern, gar nicht wissen, welchen Bärendienst sie der Umwelt damit erweisen.
    Aber gut – das hat jetzt nur indirekt mit diesem dubiosen Gesellschaftsvertrag zu tun…

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    • Schmeckt gut sagt

      Herr Müller, mit ihrem Kommentar zeigen sie eigentlich nur, dass sie auch kein Rezept für uns Bauern haben. Verbieten ohne Alternative zwingt uns zum Aufgeben. Fragen sie mal unsere Biokollegen, ob sie mit einer fast 100%igen Umstellung der LW auf Bio einverstanden sind – am besten einen Pionier? Und teilen sie uns das Ergebnis bitte mit.

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      • Mausschubser sagt

        Warum erwarten wir nur immer das einzig selig machende „Rezept“? Jede Lösung birgt Vor- und Nachteile, Potentiale, Gefahren… man muß sich diesem bewusst werden und seine Entscheidungen treffen. Einzig selig machende Rezepte sind etwas für Ideologie oder Religion.

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        • Schmeckt gut sagt

          Diese ideologischen Rezepte werden zur Zeit als alleinig seligmachend diskutiert. Praxiserfahrungen, tägliche Naturbeobachtungen und deren Darstellung, betriebliche Entscheidungen aufgrund von aktueller Beratung, wissenschaftlicher Erkenntnis, Ausbildung sind zumindest in fast allen medialen Formaten unerwünscht. Werden Informationen für betriebliche Entscheidungen falsch interpretiert, kostet es schnell den Hof. Den Hof zu erhalten ist aber die Lösung. Sogenannte gesellschaftliche Forderungen werden oft vorgeschoben, aber sie sind keine Lösung, weil das Risiko des Scheiterns allein beim Bauern liegt. Seit Generationen – nur, dass es heutzutage schneller und schmerzhafter ablaufen kann.

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  13. Schmeckt gut sagt

    Daumen hoch, Willi. Deutlich, nachdenklich (in beide Richtungen: so geht es eigentlich nicht weiter und wir Bauern wissen nicht weiter, aber wie soll es gehen, wenn nicht… ), lösungsorientiert (wir brauchen nur faire Preise, dann können wir „wenden“).Genau so ist es. Der Verbraucher greift bei günstigen Preisen zu, was okay ist, wenn er dazu steht. Der Einkauf des LEH versucht den Verbraucher an sich zu binden, indem er „Mehrwert“ verspricht: Fair erzeugt, gentechnikfrei, ohne Glyphosat, ohne…mit…??? Das alles billiger, als die „Mitbewerber“. Zur Zeit laufen in allen Ketten Bestrebungen, den Einkauf europaweit auszuschreiben. Es wird Zeit, dass irgendwo Hebel angesetzt werden. Aber „Alles wird gut!!????“

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