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Glyphosat in Brasilien

Anfang August hat ein Bundesgericht in Brasilien die Anwendung von Glyphosat ausgesetzt. Ich habe Daniel, einen brasilianischen Landwirt mit deutschen Wurzeln, dazu befragt.

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22 Kommentare

  1. Salamander sagt

    Der Skandal, der im Film beschrieben wird, besteht nicht in einer eventuellen Toxizität von glyphosathaltigen Herbiziden, sondern darin, dass sich die brasilianische Landwirtschaft von Glyphosat vollkommen abhängig gemacht hat und dieser brasilianische Bauer offenbar davon ausgeht, aufgrund dieser Abhängigkeit und im Verbund mit der Marktmacht der brasilianischen Landwirtschaft das Gesetz beugen zu können. Oder habe ich da was falsch verstanden?

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  2. bauerhans sagt

    Friedrich,ich hatte A.Hofreiter und F.Ostendorff angeschrieben,hab von Hofreiters büro ne allgemeine antwort bekommen,dass die AGRARWENDE alles verbessern wird,einschliesslich die auswirkungen einer dürre.
    Ostendorff hatte bei RTL AKTUELL gemeint,bauern werden zu wenig kontrolliert und zukünftige kontrollen sollten in eine beratung münden,kammerberatung ist fast auf null.
    Ostendorff hatte noch nicht geantwortet.

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    • Obstbäuerin sagt

      Genau, bauerhans und diese Beratung soll wunschgemäß aus Geldern der EU bezahlt werden, die aus der ersten in die zweite Säule fließen. Das hab ich, glaube ich, bei topagrar gelesen. Und zum Schluss kommen 3 Kontrolleure und ein Berater auf jeden Bauern. Na dann prost Mahlzeit.

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    • sonnenblume sagt

      Ob Hofreiter oder Ostendorff, beide sind stark ideologisch geprägt.
      Ostendorff ist selber Bauer und sollte schon wissen was geht. Aber er wird seinen Status in der Politik nicht gefährden. Niemand sägt den Ast ab, auf dem er gut sitzt.
      Die Kammer ist wegen ihrem Finanzierungsmodel doch auch Politikabhängig. Das hat man unter B. Höhn schon gesehen. Entweder die machen das was sie sollen, oder die Mittel werden gestrichen, bzw. Zuständigkeiten aberkannt.

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  3. Friedrich sagt

    Nach dem heutigen Stand der Dinge , gingen wir ohne Glyphosat ernährungsmäßig und nach der Klimaerwärmung unter. Pflanzenschutzmittel spielen bei der Klimabilanzberechnung keine Rolle, aber Diesel, der auf dem Acker verbraucht wird. Wenn in Brasilien 15 ltr/ha verbraucht werden , dann müßten wir hier in Deutschland mit fast 25 ltr/ha rechnen. Dies Rechnung machen unsere NGOs aber nicht auf , weil dann das ihrige Kartenhaus zusammenfallen würde. Wenn Glyphosat wirklich“ Krebserregend“ wäre , dann müßten alle Farmer dieser Welt schon Tod sein. Sind sie aber nicht. Hier in Deutschland wird immer hochwissenschaftlich etwas behauptet , oder Studien geschrieben , die oft mit der Realität nichts zu tun haben. Die Politik macht darauf hin Gesetze und begründet diese mit dem Vorsorgeprinzip. Eine dieser Studien bezog sich auf die Phosphorbelastung in den Gewässern , mit der Behauptung , daß die Bauern die Hauptschuldigen mit dem P-Eintrag sind . Jetzt haben Wissenschaftler in Hessen mal Wasserproben vor und hinter den Kläranlagen der Kommunen gezogen und es zeigt sich , daß die Kläranlagen der Hauptverursacher des P-Eintrags sind. Genauso falsch war auch die Behauptung über MRSA , wo nach heutigen Gutachten die Landwirtschaft mit 2 -7 % beteiligt ist, aber der Hauptverursacher der Mensch mit über 70% selbst ist. So werden hier von Politik und NGOs die Tatsachen verdreht und zum eigenen Vorteil ausgeschlachtet. Genauso ist das mit dem Insektenschwund. Es gibt in Deutschland keine langjährig wissenschaftlich erhobene Daten . Es wird nur behauptet. Nur die Briten haben diese Daten langjährig und wissenschaftlich erhoben. Darin wird kein Insektenrückgang festgestellt. Warum soll das denn hier anders sein. Warum folgt die Politik den plumpen NGO-Behauptungen und bezahlt sie sogar noch dafür ?

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    • Stadtmensch sagt

      Wenn Glyphosat wirklich“ Krebserregend“ wäre

      http://www.bauerntag.org/download/2015_11_18_Krueger_Glyphosat.pdf
      Glyphosat macht wichtige Mikronähstoffe für Pflanzen schlechter verfügbar, begünstigt Fusarien im Boden und schädigt bodenbildende Mikroorganismen. Rückstände von Glyphosat und AMPA beeinträchtigen die Gesundheit von Nutztieren und sind auch im menschlichen Organismus nachweisbar. Die desaströse Chemielandwirtschaft, die sich die vielen Ex-Kolonien haben aufzwingen lassen, hat die Menschen von den Feldern in die Slums getrieben und macht alles platt und gleich, was ihr vor die Spritze kommt.

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      • Schmeckt gut sagt

        Können wir uns darauf einigen, dass eigentlich AMPA gemeint ist, denn den Nachweis von Glyphosat zu führen, ist viel zu teuer (bei einer statistisch relevanten Anzahl von Untersuchungen). Phosphonate (Abbauprodukt ist AMPA) werden aber in sehr vielen Wasch-, Reinigungs- und Desinfektionmitteln eingesetzt, sodass eigentlich doch die Gesamtmenge der eingesetzten Mittel das Problem ist. Diese wird aber benötigt (?) um die menschlichen Hygienebedürfnisse zu befriedigen. Diskutiert wird aber hauptsächlich der Einsatz in der Landwirtschaft. Und selbstverständlich werden Mikroorganismen angegriffen und vermindert, sonst wäre der Sinn der Reinigungsmittel ja wohl verfehlt. Die Diskussion geht also, wie so oft, ohne Orientierung auf eine Lösung (und Risikobewertung) weiter, denn nur Glyphosat zu verbieten finde ich einfach nur unterste Schublade. Schade.

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        • Stadtmensch sagt

          Naja, unterste Schublade…
          Ich finde es nicht richtig, dass bei dieser „Verbotsdebatte“ der Fokus immer nur auf „krebserregend“ gerichtet wird. Und natürlich verwenden wir überall nahezu bedenkenlos irgendwelche Chemie und kippen sie ins Abwasser. Ich schaue immer in die Vergangenheit, um den Prozess vom Erkennen des Problems bis zur Beseitigung der Ursache zu verfolgen. Meist ist es so, dass erst gehandelt wird, wenn schon richtig viel Schaden angerichtet wurde (verbleites Benzin, Braunkohleverbrennung ohne Filter, Dieselsubvention, Straßenbau bis zur Infrastrukturapokalypse, Weichmacher, Brandhemmer, alles sehr giftig, alles jahrzehntelang unterschätzt). Es geht auch nicht nur um den Wirkstoff sondern auch um die Benetzungsmittel und eben um die Störung der biologischen Gleichgewichte im Boden, die wiederum einen ehöhten Chemieeinsatz zur Folge haben. Alles gut untersucht. Dieser Artikel hat mir übrigens gefallen:
          „Es geht um einen bewussten Abschied nicht nur von Glyphosat, sondern vom mit Chemie überfrachteten Ackerbau“
          https://www.sueddeutsche.de/wissen/landwirtschaft-die-neuzulassung-von-glyphosat-ist-richtig-1.3769325

          Achso, nicht unterste Schublade aber betrüblich finde ich, dass sich Bauer Willi mit so einem systemischen Giftspritzer, der eine Anbausystem bestehend aus GVO + Chemie für „Ahnung von Landwirtschaft“ hält, hinstellt und immer zustimmend nickt…

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          • sonnenblume sagt

            Hallo Stadtmensch,
            das ist ein guter Artikel von der SZ.
            Bei einem Totalverbot gehen wir den zweiten Schritt vor dem ersten. Wir müssen zunächst andere, neue Anbaumethoden entwickeln oder ausprobieren. Ob das bei allen Kulturen möglich ist wird man dann sehn. Erst dann kann man sagen, wir können ganz auf Glyphosat verzichten.
            Soweit ich das hier gelesen habe, reduziert Bauer Willi den Einsatz auf ein Mindestmaß.
            Ob neue Methoden auch bei der Variante Pfluglos, Mais und Soja, vom Brasilieanischen Kollegen möglich sind, würde man dann auch sehen. Diese Entwicklungen brauchen Zeit bis sie Praxisreif sind und können mit der Geschwindigkeit, in der Veränderungen gefordert werden, nicht mithalten.

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        • Schmeckt gut sagt

          Hallo Stadtmensch. Ein guter Artikel der SZ. Genau so ist es leider. Die Zwänge, in denen die moderne LW steckt (auch die biologische) spielen kaum eine Rolle in der Diskussion. Wir haben nicht mal eben die Möglichkeit, tausende Arbeiter zur Unkrautbeseitigung zu rekrutieren – es will schlichtweg keiner mehr machen. Chemische Alternativen sind oft – naja ich nenne es mal vorsichtig – suboptimal, was übrigens auch für energiefressende Alternativen gilt (thermische Behandlung, Folienabdeckung…). Solange nicht die kompletten und komplexen Systeme eine Rolle spielen – inklusive unserer notwendigen Entlohnung und selbstverstädlich nicht nur in der LW sondern in allen Lebensbereichen – wird es bei Lippenbekenntnissen bleiben. Der Spruch: Wir brauchen eine Agrarwende, dann wird alles besser, geht mir gehörig auf den Senkel. Danke Stadtmensch. Super Diskussionsgrundlage. Bin gespannt, ob überhaupt Konsenzfähigkeit darüber erzielt wird, dass alle sich ändern müssen. Ich hab da so meine Zweifel.

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      • bauerhans sagt

        „Die desaströse Chemielandwirtschaft, hat die Menschen von den Feldern in die Slums getrieben“

        nee,das ist die korrupte clan- und cliquenwirtschaft.
        korruption ist das wort.
        frau merkel hat doch aktuell sicherlich afrika gelder versprochen,hoffentlich kommen die auch in projekten an.

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        • sonnenblume sagt

          bauerhans, den letzten, oder die beiden letzten Sätze kannst Du groß schreiben und mit x Fragezeichen versehen. An der Problematik sind schon Menschen die damit befasst waren verzweifelt.

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      • sonnenblume sagt

        Hallo Stadtmensch,
        man darf jetzt nicht gesellschaftspolitische Probleme mit der Glyphosatproblematik in einen Topf werfen.
        Die Länder, in denen wir die größten Slums haben, haben alle wirtschaftliche und, oder politische Probleme. Oder sie bevorzugen noch feudalherrschaftliche Systeme.
        Oder wie wir es in Indien sehen, das Kastensystem.
        Diese Lebensformen und deren Auswirkungen sind in Deutschland nur schwer vorstellbar.
        Da hat der kleine Landarbeiter oder Bauer überhaupt keinen Stellenwert.
        Das hat aber nichts mit der Bewirtschaftungsform der Ländereien zu tun.

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        • Stadtmensch sagt

          „man darf jetzt nicht gesellschaftspolitische Probleme mit der Glyphosatproblematik in einen Topf werfen“

          „Das hat aber nichts mit der Bewirtschaftungsform der Ländereien zu tun“

          Der erste Subsistenzbauer, der Agrachemie auf Pump kauft und damit seine Erträge steigert, zwingt seine Nachbarn es ihm gleich zu tun. (Ihr kennt das – die Preise für Agrarprodukte fallen – das Ökosystem geht kaputt). Der Subsistenzbauer kann irgendwann nicht mehr mithalten, weil er Pech hatte und zur falschen Zeit krank geworden ist. Schulden. Land weg. Produzenten die Glück hatten oder geschickter waren, bewirtschafen jetzt mehr Land kommen mit immer weiter fallenden Preisen relativ am besten zurecht. Der Druck auf die Produzenten mit wenig Land wächst, Verschuldung steigt und irgendwann reichts trotzdem nicht mehr – Land weg.
          Alle Spieler ohne Land verlassen das Feld Richtung Slum…
          Wo ist hier der Fortschritt? Kindersterblichkeit gesenkt, aber die vegetieren dahin ohne Zukunft. Wers nicht glaubt: Mike Davis:
          Die Geburt der Dritten Welt o. Planet der Slums.

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          • sonnenblume sagt

            Wird das anders wenn Glyphosat verboten wird? Die Strukturen bleiben, ob mit oder ohne!
            Oder man verordnet ein anderes Wirtschaftssystem und verbietet allen Bauern irgendetwas zu zukaufen. Dann müssen alle Bauern mit der Hacke arbeiten und das wird man einem Großgrundbesitzer in der heutigen Zeit schwer vermitteln können. Er wird wohl nicht 100 Landarbeiter einstellen, wenn die Arbeit für einen Bruchteil der Kosten anders erledigt werden kann.
            Das ist hier nicht anders.

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            • Stadtmensch sagt

              Nein sonnenblume. Ich will nur philosophieren. Wir hatten uns ja hier schon geeinigt, dass eine heile Welt eine Utopie ist die keine Entwicklung mehr zulässt. So etwas lässt sich verwaltungstechnisch nicht herstellen. Wir könnten wieder mal zur Selbsterkenntnis o. Selbststeuerung aufrufen, damit wir die Zumutungen des Marktes als von uns gemacht wahrnehmen und nach den Ursachen für diese Gewalt fragen. Wir könnten nach der Motivation für Wachstum und Entwicklung fragen, für die es bis in das 17. Jahrundert hinein nicht mal einen Begriff gab:
              https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2011/dezember/aus-fremdzwang-wird-selbstzwang

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          • sonnenblume sagt

            Ich weiß nicht ob man gesellschaftliche Entwicklungen an nur einem Spritzmittel festmachen kann. Das erscheint mir doch sehr weit hergeholt.

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            • sonnenblume sagt

              @ Stadtmensch
              Ich habe von Bekannten so manches aus diesen Ländern gehört und es fällt mir schwer, diese Lebensweisen und Einstellungen nach zu vollziehen. Das muss man als Europäer vielleicht auch einfach akzeptieren. Es macht keinen Sinn, anderen Kulturen den eigenen Stempel aufzudrücken. Die Länder müssen ihren eigenen Weg gehen, ob uns der gefällt, oder nicht.
              Da kann sich Herr Hofreiter noch so über den Sojaanbau aufregen, es ist nicht seine Aufgabe, dort das Feld zu bestellen.
              Und es macht auch keinen Sinn, uns Verbote zu erteilen, damit sich über diesen Umweg die Produktionsbedingungen in Brasilien verändern. Veränderungen werden wir nur in Deutschland sehen, aber nicht in Brasilien. Das ist irrationales Denken.

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            • Doch, so ist es in der 3. Welt, wie Stadtmensch das beschreibt!

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