Alle Artikel in: Bauer Willi

ANUGA – Nahrung und Genuss

Seit vielen Jahren findet in Köln die Nahrungs- und Genuss-Ausstellung ANUGA statt. Und obwohl es nur rund 20 km dorthin sind, war ich noch nie dort. Jetzt hatte ich Zeit, Interesse und einen Presseausweis, der mir einen kostenlosen Eintritt verschaffte. Was mich wirklich beeindruckte: es ist die weltgrößte Ausstellung dieser Art und tatsächlich waren nahezu alle Länder dieser Welt in großer Zahl dort vertreten. Und auch die Besucher waren international. Insgesamt 11 Hallen, einige davon über mehrere Etagen waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Ich habe aber nur einige davon besucht, weil mich persönlich zum Beispiel der Bereich Gastronomie-Bedarf oder Tiefkühlkost weniger interessierte. Was mir auffiel Die Hallen mit Fleisch waren mit sehr großen und attraktiven Ständen von Anbietern aus Deutschland und aller Welt gefüllt. Tönnies, Vion, Westfleisch, Wiesenhof aber auch Argentinien, Irland und Neuseeland zeigten ihre Angebote. Die waren jetzt nicht neu. Was aber neu war: geschätzt 80% der deutschen Firmen, die sich in irgendeiner Weise mit Fleisch oder Wurst beschäftigen,  haben mittlerweile ein Sortiment an vegetarischen oder veganen Alternativen, ähnlich wie es …

Herzlichen Glückwunsch: Felix Prinz zu Löwenstein

Der Glückwunsch kommt von Herzen, denn auch bei unterschiedlichen Meinungen habe ich Felix zu Löwenstein immer als einen fairen und zuhörenden Gesprächspartner kennengelernt. Hier die Pressemeldung des BMEL Politischer Erntedank 2023: Bundesminister Özdemir verleiht drei Professor Niklas-Medaillen Die Professor Niklas-Medaille ist die traditionelle Auszeichnung des BMEL für besondere Verdienste und Engagement für die Ernährungs-, Land- und Forstwirtschaft. Mit ihr hat Bundesminister Cem Özdemir Prof. Ulrike Arens-Azevêdo, Prof. Dr. Thomas Mettenleiter und Dr. Felix Prinz zu Löwenstein beim diesjährigen politischen Erntedank in Berlin geehrt. „Wir kommen zusammen, um für die Gaben der Natur zu danken. Wenn wir ehrlich sind, dann geht das einem gar nicht so leicht über die Lippen, denn diese Sprache – Gaben der Natur – wirkt für den einen oder anderen, für die eine oder andere schon fast etwas antiquiert oder altmodisch. Das zeigt aber auch, dass man sich sehr schnell täuschen kann. Denn gefüllte Teller sind alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Dahinter steckt zum einen die Vielfalt unserer Natur, in Zeiten der Klimakrise könnte man fast sagen ihre Gnade. Zum anderen steckt …

Wollen Sie Ihr Kind gut ernähren und vor Krankheit schützen?

Sie finden die Frage merkwürdig? Wer Kinder hat, wird diese Frage mit „ja“ beantworten.  Niemand lässt ein Lebewesen mit Vorsatz hungern oder krank werden. Auch bei unseren geliebten Haustieren gilt dies, denn in den Supermärkten sind die Regale für Tiernahrung oft länger als die für Baby-Nahrung. Was für Kinder und Haustiere gilt, sollte auch für Nutztiere und Pflanzen gelten. Wenn ein Landwirt eine Kuh, Kalb, Schwein, Ferkel, Huhn betreut, will er das Tier bestmöglich versorgen. Er hat die Verantwortung übernommen, so wie er auch die Verantwortung für seine Kinder übernommen hat. Es mag sich etwas theatralisch anhören, aber dem Landwirt liegen seine Tiere genauso am Herzen wie seine Familie. Und:  auch bei Landwirten gibt es Menschen, die Tiere und Familie herzlos behandeln und nicht gut versorgen. Die gibt es aber in allen Berufen, dazu muss man kein Landwirt sein. Kommen wir von den Tieren zu den Pflanzen. Auch Pflanzen reagieren wie Tiere auf Nährstoffmangel und Krankheiten. Die neue Düngeverordnung schreibt in den sogenannten „Roten Gebieten“ vor, die Pflanzen lediglich mit 80% der Nährstoffe (Stickstoff) zu …

16. Oktober: Europäischer Tag der Flächenstilllegung

Heute ist der Tag der Welternährung, auch Welthungertag genannt. Und es ist der Tag des Brotes. Für uns Landwirte ist es der Tag der Flächenstilllegung, an dem wir dem Irrsinn gedenken, angesichts einer Welt, die uns an immer mehr Ecken und Enden um die Ohren fliegt, in Europa 4% der Ackerflächen nicht mehr zum Anbau von Lebensmitteln zu nutzen. Hier ein paar Worte dazu: https://www.youtube.com/watch?v=CtWSdJVH-zU

Jetzt ist die Wissenschaft gefragt!

Seit einigen Wochen höre ich von Landwirten und Fachleuten aus der Zuckerwirtschaft, dass sich im süddeutschen Raum eine merkwürdige Erscheinung breit macht: Ab etwa Ende August werden Zuckerrübenfelder nach und nach gelb und schließlich welk, obwohl im Boden genügend Bodenfeuchte vorhanden ist. Diese Rüben sind gummiartig, weil der Zelldruck fehlt. Weil die Rüben schrumpfen, kann man sie leicht aus der Erde ziehen. Betrachtet man diese Rüben, so stellt man fest, dass die Feinwurzeln fehlen. Auf den Rübenkörpern findet man weiße Tierchen, die etwa 5 mm groß sind. Es sind die Nymphen der Schilf-Glasflügelzikade, die als Überträger der SBR-Krankheit („Symptom niedriger Zuckergehalt“, französisch „basse richesse“) bekannt ist. Erstmals gefunden wurde diese Erscheinung in Frankreich und ist seit kurzem auch in Baden-Württemberg und Bayern zu finden. https://www.lfl.bayern.de/ips/blattfruechte/273532/index.php   Was in diesem Herbst auftritt, ist jedoch neu und gibt Grund zur Sorge: während bei dem Bakterium des SBR-Symptoms der Zuckergehalt niedrig ist, führt die Infektion mit dem neuen Bakterium („Stolbur“) durch das Austrocknen der Rüben logischerweise zu einem höheren Zuckergehalt. Klar ist, dass ein Zuwachs ab dem Einsetzen …

Die Lösungen des neuen Landwirtschaftsministers

Gerald Markel ist Österreicher. Bei Kontrafunk pflegt er das Wirtschaftsmagazin „Backstage Economy“. Mit ihm habe ich ein sehr munteres Gespräch geführt, dass wohl auf beiden Seiten zu neuen Erkenntnissen geführt hat. Es ging schon gut los mit der Frage: „Was würden Sie machen, wenn Sie morgen der neue Landwirtschaftsminister wären“? Da kommt man schon ins Grübeln, aber auch auf neue Ideen. Schließlich soll es nicht um die Beschreibung des Zustandes sondern um Lösungsansätze gehen. https://kontrafunk.radio/de/sendung-nachhoeren/kultur-und-wissenschaft/wirtschaftsmagazin/backstage-economy-mit-gerald-markel-ausmisten-im-landwirtschaftsministerium Nach 50 Minuten haben wir beide festgestellt, dass wird viele Themen aus Zeitmangel nicht ansprechen konnten.

Wie essen wir morgen?

Innerhalb der landwirtschaftlichen Blase wird über die Entwicklungen zur Produktion von Nahrungsmitteln außerhalb der Landwirtschaft wenig oder garnicht gesprochen. In den nächsten 45 Minuten ist genau dies das Thema. https://www.deutschlandfunk.de/zeit-forum-wissenschaft-fleisch-ohne-kuehe-wie-essen-wir-morgen-dlf-f1744bf9-100.html Aber Achtung: Renate Künast sitzt mit in der Runde und dominiert mit ihren kruden Ideen und dem Bashing konventioneller Landwirtschaft fast das gesamte Gespräch. Trotzdem hörenswert, denn die neuen Techniken haben die theoretischen Voraussetzungen, die Ernährung sehr schnell zu verändern. Was davon später wirklich auf den Markt kommt? Wir werden sehen.

Giftiges Brot

Im Sommer hat der BUND e.V.  eine Meldung über giftige Erdbeeren herausgegeben, die sich nach wenigen Tagen als haltlos und falsch herausstellte. Selbst große Tageszeitungen berichteten über den Fehltritt. Jetzt kommt Foodwatch mit der Meldung über „giftiges Brot“. Diesen Eindruck muss der schnelle Leser jedenfalls bei der Überschrift bekommen: „Jedes dritte Getreideprodukt mit Pestiziden belastet“. Wenn man in die „Studie“ einsteigt, so erfahren wir, dass 99,37% der 2234 Proben unterhalb des Höchstwertes liegen. In 14 Proben finden sich Rückstände oberhalb der Höchstwertes, was nicht in Ordnung ist. Ob die Getreideprodukte aus Deutschland oder dem Ausland stammen, ist nicht klar. Wie Foodwatch mitteilt, sind die Rückstände in verarbeiteten Produkten höher ist als in unverarbeitetem Produkten. Das Merkwürdige: in Haferflocken finden sich laut Foodwatch mehr Rückstände als im Haferkorn. Haferflocken sind aber lediglich gequetsche Haferkörner. Dann ist da noch ein Satz, der mich erstaunt: „Was die Supermärkte gerne verschweigen: Bei der Herstellung von Brot, Haferflocken und anderen Getreideprodukten kommen oftmals gefährliche Pestizide wie Glyphosaat  zum Einsatz“. Wirklich? Bei der Herstellung von Brot kommt Glyphosat zum Einsatz? Das …

Galgenfrist…

Tina, die unter dem Pseudonym „Ferkelhebamme“ hier auf dem Blog seit vielen Jahren kommentiert und Einblick in ihren Betrieb gibt, hat Post vom Veterinäramt bekommen. Was dort auf ein paar Seiten geschrieben steht, lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. Schreiben Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung In „schönsten“ Amtsdeutsch (was für ein widersprüchlicher Begriff) wird dort unmissverständlich verlangt, dass man ein Konzept für einen Stallumbau oder Stallneubau vorlegen soll. Dieses Konzept soll man bis zum 31.12.2023 (Silvester) erklären, oder aber verbindlich mitteilen, das man die Sauenhaltung zum 9.2.2026 aufgibt. Ich habe mit Tina telefoniert. Die letzten drei Jahre waren für Schweinehalter, besonders für Ferkelerzeuger, keine leichten Jahre. Doch jetzt steigt langsam aber sicher pure Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit hoch, denn selbst wenn man mit der Ferkelerzeugung weitermachen wollte, sind die gesetzten Termine kaum einzuhalten. Hinzu kommt, dass diesen Brief so oder ähnlich alle Sauenhalter bekommen haben oder noch bekommen werden. Die Anforderungen an das vorzulegende Konzept können kaum ohne externe Beratung erfüllt werden und die Berater haben ja in den letzten Monaten nicht „Däumchen gedreht“. Wer trägt die Verantwortung …

Fesseln, die Wohlstand vernichten.

Der nachfolgende Text ist in leicht abgewandelter Form in der aktuellen Ausgabe 10/23 der DLG- Mitteilungen, einer bundesweit monatlich erscheinenden landwirtschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht worden. Vielen Dank an Arnold Krämer für seinen Gastbeitrag. Fesseln, die Wohlstand vernichten Auch in landwirtschaftlichen Betrieben wird, der rechtlichen Not gehorchend, immer mehr „Fake Work“ geleistet, Arbeit, die keine Probleme löst und keinen Sinn ergibt. Der amerikanische Wirtschaftsprofessor David Graeber hat das Prinzip in seinem 2018 erschienenen Buch „Bullshit Jobs“ eindrucksvoll beschrieben. Es geht um Bürokratie, und hier vor allem um „die böse Schwester einer guten Verwaltung“, die teilweise zum Selbstzweck verkommt, Probleme oft nicht löst, sondern nur immer aufwendiger verwaltet. Wörtlich übersetzt heißt Bürokratie „Herrschaft der Verwaltung“ und ist nicht nur Bedrohung durch den (externen) Staat, sondern in Großbetrieben der Wirtschaft auch hausgemachtes Übel. In den landwirtschaftlichen Familienbetrieben ist der Eigenanteil bürokratischer Belastung vergleichsweise noch sehr gering. Das meiste spielt sich in den Köpfen der Familienmitglieder und in der direkten Kommunikation untereinander, mit dem einen oder anderen Mitarbeiter sowie den Geschäftspartnern ab. Beim internen Controlling unterhalb der Buchführungsebene helfen Managementprogramme …