Alle Artikel in: Bauer Willi

Transformation oder gesunder Menschenverstand?

Wenn mir ein Begriff so richtig auf den Senkel geht, dann der Begriff der „Transformation“. Weil er das wusste, hat mir Arnold Krämer dann auch prompt einen Artikel aus dem „Cicero“ zugeschickt, in dem sich der Autor ebenfalls damit auseinandersetzt (Bezahlschranke) Er hat im Koalitionsvertrag der Ampel nachgezählt: 43 mal taucht der Begriff dort auf, egal ob bei Mobilität, Gesundheit oder eben auch bei der Landwirtschaft. „Reform“ oder „Anpassung“ reicht heute nicht mehr. In einer Zeit, „in der wir die multiplen Krisen nicht gegeneinander ausspielen dürfen“ (Zitat Cem Özdemir) muss es eben die Transformation sein. Dieser Begriff hat irgendwie etwas Bedrohliches, er signalisiert, dass bisher alles irgendwie suboptimal war und nun auf eine höhere, selbstverständlich bessere Stufe gehoben werden muss. Und alle, die es nicht betrifft, sind sich darüber einig, dass an einer Transformation kein Weg vorbeigeht. Doch mit denen, die transformiert werden sollen, redet meist keiner. So ist es auch bei der „Transformation der Landwirtschaft“. Veränderungen „Nichts ist so beständig wie der Wandel“. Diese Erfahrung macht jeder von uns jeden Tag. Wenn ich unseren …

Dagmar rechnet ab…

Ich kenne Dagmar schon länger. Sich als Landwirtin mit dem „Spiegel“ zu befassen ist schon mutig, denn er hat sich lange nicht als bauernfreundlich präsentiert. Das hat sich geändert. Sich dazu noch über Schweine und Ferkel zu unterhalten, klingt besonders „gefährlich“. Dagmar hat das sehr gut gemacht, meine ich. 24 Minuten, die dem normalen Menschen einiges mitgeben. https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/landwirtschaft-tierwohl-und-klimaschutz-eine-ferkelzuechterin-rechnet-ab-podcast-a-9daf11e0-ae67-4692-ada1-27a5eed99fff Die Podiumsdiskussion, die sie mit Ophelia Nick, einem Vertreter von Nestle und einem Startup-Gründer für fleischfreie Alternativen geführt hat, war herausfordernd. Für mich ist sie die einzige „Reale“ in dem Kreis. https://www.spiegel.de/wirtschaft/ferkelzuechterin-auf-der-spiegel-klimakonferenz-landwirtschaft-ist-nicht-mehr-sexy-keiner-will-uns-geld-geben-a-35429533-7643-4464-9619-2f2a00128f40?sara_ref=re-so-app-sh (Zum Starten auf das Dreieck klicken) Wer sich nicht aufregen will, sollte gleich zu Minute 6:00 springen, denn das Intro des Herrn von der Boston Consulting Group ist meiner Meinung nach von keiner großen Praxiskenntnis geprägt. Nestle windet sich um die Verantwortung und Frau Nick (Staatssekretärin BMEL und bekennende Bio-Befürworterin) bleibt völlig unkonkret und kann Fragen von Dagmar nicht zufriedenstellend beantworten. Klar, denn „ohne Moos nichts los“. Besonders für Schweinehalter ist diese Podiumsdiskussion entlarvend und zeigt, dass an den Zukunftsperspektiven noch gearbeitet werden muss. (Foto: …

Wetter hat Einfluss auf Insekten…

Eine neue Studie hat herausgefunden, dass die Populationsdynamik von Insekten stark vom Wetter beeinflusst wird. Für einen Landwirt ist dies nichts Neues, denn die Erfahrung lehrt, dass es Jahre mit einem starken Auftreten von bestimmten (Schad-)Insekten gibt, die in anderen Jahren hingegen kaum eine Rolle spielen. Blattläuse in Zuckerrüben waren 2023 beispielsweise in unserer Region kaum ein Problem, weil das Frühjahr kalt und nass war. https://www.sueddeutsche.de/wissen/wissenschaft-wettereinfluss-auf-insektenschwund-kontroverse-debatte-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-230928-99-359857 Eines der wirklich bedeutsamen Ergebnisse ist, dass die Insektenbiomasse in 2022 auf dem Niveau von 1980 lag. https://www.topagrar.com/acker/news/neue-studie-entlastet-landwirtschaft-insektenrueckgang-lag-am-wetter-aw-13491176.html Kritisiert wird an der Krefelder Studie, dass dort nur Fluginsekten gefangen wurden, also eine große Gruppe nicht-flugfähiger Insekten nicht erfasst wurde. Zudem sind Insekten unter bestimmten Bedingungen weniger mobil und entziehen sich somit auch dem Fang. Doch wie nicht anders zu erwarten, gibt es auch Kritik an der Studie. Lesen Sie dazu die Links. https://www.mdr.de/wissen/insekten-sterben-rueckgang-wetter-diskurs-debatte-100.html

Direkte Demokratie…

Mein Freund Dieter, der einen Demeter-Betrieb in Hessen führt, ist der Meinung, dass jeder, der gegen Glyphosat ist, sofort reagieren sollte und Bio kaufen muss. Und zwar ganz konsequent. Das ist gelebte direkte Demokratie. Meine Anmerkungen dazu: Jeder Kauf ist der Auftrag, das Produkt in genau gleicher Weise noch einmal herzustellen Wer ein Hähnchen für 2,79 € kauft, gibt an der Kasse das Recht ab, sich über Massentierhaltung aufzuregen Mit dem Kassenzettel stimmst Du ab, wie die Landwirte produzieren Wie ihr seht: Dieter und ich sind uns einig. Übrigens auch in der Meinung, dass durch immer mehr Auflagen hier bei uns die Lebensmittelproduktion ins Ausland abwandert. Wie dort produziert wird, interessiert dann niemand mehr. Das nennt man Doppelmoral. Übrigens: Die oben genannten Studiendaten entstammen dem von mir neu gegründeten Institut für erfundene Statistiken (IFES)

Deutschland 2023 – Deutschland 2030?

Ich habe lange an diesem Text gearbeitet, ihn immer wieder überarbeitet, ergänzt, gestrichen. Ich habe lange überlegt, ob ich ihn überhaupt veröffentlichen soll. Aber es ist mein Blog und es ist meine Meinung. Eigentlich bin ich ein Optimist. Es heißt ja auch oft „unverbesserlicher Optimist“, wobei ich mich frage, was das Gegenteil wäre? Ein“verbesserlicher Pessimist“? Na, das wäre doch was. Ich habe in der Kachel über diesem Artikel einige Punkte aufgeführt, die mir Sorgen machen. Warum? Ich erkenne bei keinem dieser Faktoren eine wirkliche Lösung. Einige werden sich möglicherweise im Lauf der Zeit von selbst verbessern (die Inflationsrate zum Beispiel), andere Faktoren wie der demografische Wandel (Deutschland wird immer älter) sind seit Jahren bekannt und wohl auch kaum zu leugnen. Trotzdem wurde und wird wenig unternommen, um dieses Problem, dass ja auch massive Auswirkungen auf unseren Arbeitsmarkt hat, zu lösen. Dies gilt auch für andere der oben aufgeführten Punkte. Das Vertrauen ist weg Im Gegensatz zu vorherigen Regierungen, die nicht ganz unschuldig an der derzeitigen Situation sind, haben wir aktuell aber die Situation, dass die …

Ernte-Dank 2023

Diese Erntedank-Predigt habe ich von Jürgen Donhauser, Landwirt und Diakon. Auch gut anzuhören für Konfessionslose oder Angehörige anderer Glaubensrichtungen. Es gibt gute Gründe, Danke zu sagen. Passend zum Erntedank hat das Wochenblatt mit ihm ein Interview geführt, dass ihr hier nachlesen könnt: https://www.wochenblatt-dlv.de/dorf-familie/landleben/diakon-ueber-erntedankfest-tiefes-gefuehl-dankbarkeit-574384 Wer sich für die Arbeit von Jürgen Donhauser interessiert: http://www.juergendonhauser.de/ Auf dem Bild seht ihr unseren Erntedankwagen, den meine Frau jedes Jahr schmückt, und der – zusammen mit anderen – durch unseren Ort fährt. Anschließend ist der Gottesdienst im Freien, an den sich ein gemütliches Zusammensein anschließt.  

Nichts bleibt ohne Folgen

Auszug aus der Pressemitteilung des BMEL, mit der es die Ablehnung der Zulassungsverlängerung von Glyphosat begründet: „Die Pflanzen stehen somit Insekten und anderen Kleintieren nicht mehr als Lebensraum und Nahrungsgrundlage zur Verfügung. Auch die Böden werden beeinträchtigt.“ Für so manchen Landwirt mag die obige Zusammenstellung selbstverständlich erscheinen. Was in der jetzt wieder aufflammenden Diskussion um Glyphosat vergessen wird: die Alternativen sind nicht viel besser, oft sogar schlechter. Danke an „firedragon“ für die Vorarbeit. Im nachfolgenden Video erläutere ich, wann und warum wir in unserem Betrieb diesen Wirkstoff einsetzen. Das Video ist aus dem Jahr 2019. Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren

Landwirt – Öffentlichkeit – Schule

Immer wieder wird von landwirtschaftlicher Seite der Hinweis gegeben, dass die Information über unsere Produktion schon im Kindesalter beginnen sollte. Viele Landwirte machen dies auch und laden Schulklassen oder Kindergärten auf ihre Höfe ein. Hier ein Link auf eine Organisation, die Hilfestellung leisten kann. https://www.transparenz-schaffen.de/

Weltbevölkerung: ohne Kunstdünger wären es weniger

Welche Erfindungen haben das Leben von wieviel Menschen ermöglicht, bzw. den Tod von wieviel Menschen verhindert? Viele von uns werden dabei an medizinische Entdeckung denken. Das ist richtig. Die Entdeckung der Blutgruppen stehen für 1,09 Milliarden Menschen, die Impfung gegen Pocken für rund 500 Millionen und die Masern-Impfung für 118 Millionen. Die mit weitem Abstand größte Erfindung war das Haber-Bosch-Verfahren, dass es ermöglichte, synthetischen Dünger herzustellen. Laut nachfolgendem Link ist die Erfindung „verantwortlich“ für rund 2,7 Milliarden Menschen. Die „Grüne Revolution“ nimmt sich mit 250 Millionen dagegen fast winzig aus. Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren Weitere Informationen https://ourworldindata.org/how-many-people-does-synthetic-fertilizer-feed  

Skimpflation und Shrimpflation – legaler Schwindel…

Ich hatte den Begriff  „Skimpflation“ bisher noch nicht gehört. Es handelt sich um die Veränderung einer Rezeptur eines Lebensmittels hin zu preiswerteren Rohstoffen. Preis und Inhalt der Packung bleiben gleich, die Qualität ist jedoch nicht mehr die gleiche wie vorher. https://www.vzhh.de/themen/lebensmittel-ernaehrung/einkaufsfalle-supermarkt/skimpflation-lebensmittel-von-schlechterer-qualitaet Und dann gibt es noch die klassische „shrinkflation“ bei der der Inhalt der Packung reduziert wird, der Preis jedoch gleichbleibt oder sogar erhöht wird. https://www.stern.de/wirtschaft/news/-mogelpackungen–im-supermarkt–bund-will-mit-gesetz-dagegen-vorgehen-33832202.html Bei beiden Fällen geht es dem Produzenten  darum, eine höhere Marge zu generieren, ohne dass es dem Kunden auffällt. Die obigen Maßnahmen sind beide legal, werden aber versteckt. Von daher ist der Begriff „Schwindel“ vermutlich juristisch nicht haltbar, „Verbrauchertäuschung“ trifft es wohl eher.