Alle Artikel in: Bauer Willi

Bericht vom Acker: 23. März

Bei uns hat die Feldarbeit begonnen. Am Samstag wurden alle Zuckerrüben gesät. Der Boden war extrem trocken, denn im Februar hatte es lediglich 21 mm geregnet, im März nichts. Demensprechend staubte es. Zum Glück fielen in der Nacht zum Sonntag 6 mm Regen, so dass die Rübenpille nun sicher im feuchten Boden liegt. Weil uns mit Debut ein wichtiges Herbizid gegen Ausfallraps genommen wurde, haben wir uns entschlossen, am Montag (also gestern) eine Vorauflaufspritzung zu machen. Es dürfte seit etwa 30 Jahren das erste Mal gewesen sein, dass wir dieses Verfahren gewählt haben. Wir sind gespannt, ob es den gewünschten Erfolg bringt. Sowohl zu Zuckerrüben als auch zu Winterweizen haben wir mit Gärrest gedüngt. Mineraldünger („Kunstdünger“) setzen wir nur noch zu späteren Terminen im Winterweizen ein und zur Düngung des Winterraps im Frühjahr. Wegen der hohen Temperaturen (auch nachts nicht unter 6 Grad) sind die Rapsschädlinge unterwegs. Auch hier haben wir eine Bekämpfung vorgenommen. Gestern (23.3.) habe ich die allererste Rapsblüte gesehen. Allerdings nur eine pro Hektar, aber wenn es weiter warm bleibt, werden es …

500 Jahre Bauernkrieg….nur ein Datum?

Ich war am 19. und 20. März 2025 in Thüringen, in Bad Frankenhausen. Am 19. März habe ich mir das Kyffhäuser-Denkmal angesehen, das man schon von weitem sieht, von dem ich aber nicht wusste, wozu es eigentlich dient. Jetzt weiß ich es und ich finde es nicht wirklich wichtig. Personenkult eben. Und auch dass der Dargestellte „Wilhelm“ heißt, ändert es nicht. Den 20. März habe ich damit begonnen, mir das Panorama-Museum auf dem Berg oberhalb von Bad Frankenhausen anzusehen. Ein kreisrundes, nicht sonderlich schönes Gebäude, dass von den Thüringern etwas respektlos als „Elefantenklo“ bezeichnet wird. Ich hatte vorher davon gelesen und auch, dass es noch unter Honecker entstanden ist und den Bauernkrieg und Thomas Müntzer verherrlichen soll. Ich habe es anders erlebt. Vorher aber ein paar technische Daten: Das Bild ist 107 m lang und 14 m hoch. Für die Ausführung, die mehrere Jahre dauerte, wurden 1,5 t Farben benötigt, es waren gleichzeitig 8 Maler am Werk, die vom Malstil so koordiniert werden mussten, dass des finale Ergebnis nicht erkennen liess, dass es mehrere Maler …

Unsaubere Recherche, tendenziöse Berichterstattung

Es geht um eine Studie der Uni Landau, in der Forscher festgestellt haben, dass Wirkstoffe von Pflanzenschutzmitteln auch in angrenzenden Regionen außerhalb der Anwendungsregionen gefunden wurden. Es berichtet u.a. die Süddeutsche Zeitung. https://www.sueddeutsche.de/wissen/wissenschaft-studie-pestizide-am-oberrhein-fernab-von-weinbau-und-aeckern-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-250312-930-401493 Eine Abdrift von Pflanzenschutzmitteln und Verlagerung über Verdunstung ist grundsätzlich nicht vermeidbar. Was in diesem Artikel, der ähnlich auch in anderen Medien erschienen ist, völlig fehlt, ist eine Angabe von Konzentrationen. Es wird lediglich berichtet, dass „die Mengen sehr gering waren“. Auch fehlt jegliche Risikobewertung. Wie gut ist unsere Labortechnik? Jeder kennt das Beispiel vom Zuckerwürfel im Bodensee, den ein Labor detektieren kann. Doch mittlerweile hat sich die Labortechnik deutlich weiter entwickelt. Heute ist es möglich, ein Roggenkorn in einem Güterzug Weizen von 20.000 km Länge wiederzufinden. Von daher werden wir immer wieder Meldungen lesen und hören, dass man diesen oder jenen Wirkstoff (und nicht nur von „Pestiziden“) an ungewöhnlichen Orten findet.

Entvölkerung…

Als Essensmacher weisen wir immer darauf hin, dass wir demnächst rund 10 Milliarden Menschen auf diesem Planeten ernähren müssen. Doch es gibt dabei eines zu bedenken: Das Bevölkerungswachstum findet vor allem in den Ländern der Sub-Sahara und in Teilen Asiens statt. In den meisten Industrie- und Schwellenländern geht die Bevölkerung zurück. https://www.wdaforum.org/fileadmin/ablage/dokumente/medien/nzz-2025-03-07.pdf https://www.nzz.ch/wirtschaft/demografie-das-zeitalter-der-depopulation-naht-industrielaendern-droht-der-bevoelkerungs-kollaps-ld.1873817 Diese Entvölkerung hat Auswirkungen, die derzeit wenig diskutiert werden: Das Wirtschaftswachstum sinkt, dem man durch längere Arbeitszeiten begegnen könnte Es kommt zu Arbeitskräftemangel, dem durch Zuwanderung von qualifizierten Personal begegnet werden könnte. Dies kann jedoch zur kulturellen und sozialen Problemen im Einwanderungsland führen. Soziale und Rentensysteme kommen an ihre Grenzen, da immer weniger Einzahlern eine wachsende Zahl Empfängern gegegenüber stehen Das Konsumverhalten ändert sich, weil Senioren andere Ansprüche haben als jüngere Menschen (silver economy) . https://www.wirtschaftundschule.de/wirtschaftslexikon/s/seniorenwirtschaft-silver-economy-silver-market Beim Konsumverhalten kommt dann auch die Ernährung wieder ins Spiel. Sie sollte sich auf die sich ändernden Ansprüche einstellen.  

Der Bauernkrieg und die zwölf Artikel von Memmingen

Wenn Sie diese Zeilen lesen, bin ich in Bad Frankenhausen, weil dort eine Veranstaltung zu 500 Jahren Bauernkrieg stattfindet. Eingeladen haben die „Freie Bauern“, die dort auf dem Markt (Anger) um 13 Uhr an die „Zwölf Artikel von Memmingen“ erinnern, eine Art Vorläufer der Menschenrechte. Dort werden auch aktuelle Forderungen seitens der Landwirtschaft an die Politik und Gesellschaft formuliert. In diesem Zusammenhang habe ich mich an meinen Vortrag im Reichstag in Berlin erinnert, den ich 2019 auf Einladung der CDU/CSU-Fraktion gehalten habe. Im Wesentlichen könnte ich den heute wieder so halten, denn geändert hat sich nicht viel. https://www.youtube.com/watch?v=-9FG0Y1dIa8 Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren   Übrigens war der Bundespräsident in Memmingen um an den Bauernkrieg zu erinnern. 500 Jahre Bauernkrieg: Festakt in Memmingen | BR24 Ist jemandem bekannt, ob seitens der Bauernverbände auch Aktionen geplant sind? Bisher habe ich noch nichts gehört. …

Das ist ein Beispiel

Kakao: knapp und teuer

In nur zwei Ländern werden über 50% des Kakao weltweit produziert. Es sind Elfenbeinküste und Ghana. In diesen Ländern hat es in den letzen Jahren Probleme gegeben. Dies waren zum einen ungünstige Witterungseinflüsse, zum andern aber auch soziale Probleme, die dazu führten, dass „die Pflege der Farmen“ vernachlässigt wurden. Hier das Zitat aus der FAZ: „Entspannung in Sachen Klimawandel ist zwar keineswegs in Sicht, aber in der Branche ist man sich einig, dass die hohen Preise noch ganz andere Ursachen haben. „Die Missernten sind auch die Folge einer fehlenden Farmpflege“, erklärt Thomas Cotterell. „Wenn man keinen Dünger und keine Pestizide verwendet, muss man sich nicht wundern.“ So zeige sich ganz deutlich, dass die Erntemengen in jenen Regionen um ein Vielfaches höher seien, wo der Kakaoanbau privatwirtschaftlich organisiert und ein entsprechender Anreiz gesetzt sei, berichtet Cotterell.“ https://zeitung.faz.net/faz/top-themen/2025-03-14/am-kakaomarkt-herrscht-definitiv-krise/1142680.html Wie der Verlauf des Kakaopreises in den letzten 5 Jahren aussah, kann man auf dieser Seite sehen. Der Preisanstieg begann Anfang 2023 um dann im Laufe des Jahres förmlich zu explodieren. Eine kurzfristige Änderung der Situation ist nicht zu …

Die Sache mit der Zikade

Ich hatte schon einmal über die Schilfglasflügelzikade berichtet. Dieses Thema greift nun auch die Süddeutsche Zeitung auf. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/agrarland-niedersachsen-zikade-gefaehrdet-kartoffelernte-cdu-fuer-insektizide-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-250312-930-400989 Ärgerlich ist die schlechte Recherche und die politische Einordnung eines ackerbaulichen Problems. es wurden in Niedersachsen einige Exemplare der Zikade gefunden, allerdings ist nicht klar, ob sie auch mit Bakterien „beladen“ waren. Denn nur dann schadet dieses Insekt Insektizide einzusetzen ist nur von geringem Erfolg gekrönt, da die Insekten (anders als z.B. bei Blattläusen) sehr mobil sind und somit immer nur einige Exemplare getroffen werden Der Hinweis in der Überschrift „dass die CDU für Insektizide ist“ ist unsachlich, überflüssig und irreführend Auch die BILD-Zeitung berichtet über die Zikade in Niedersachsen https://www.bild.de/regional/niedersachsen/dieses-tier-gefaehrdet-die-ernte-von-deutschlands-liebstem-lebensmittel-67d17fca7de6aa7483837017 Die Überschrift ist gewohnt reißerisch, aber das erwarten die Leser. Da lobe ich mir „Günther, der Treckerfahrer“, der die Zikade auch zum Thema gemacht hat. Es darf geschmunzelt werden. https://www.fsr.de/media/listen.php?id=13083&no=1    

Krefelder Insekten…

Die Süddeutsche Zeitung hat ein Interview mit einem der Krefelder Hobby-Insekten“forscher“ geführt. https://www.sueddeutsche.de/wissen/insektensterben-krefeld-forscher-trendwende-li.3215082 Was mich dabei ärgert: Wieder wird nur die Biomasse der Fluginsekten bestimmt. Eine Feststellung, um welche Arten es sich handelt, wurde wieder nicht untersucht. Wieder wurden die Untersuchungen in Naturschutzgebieten gemacht. Wie schon im Orbroicher Bruch wurden die Untersuchungen in etwa ab 1990 begonnen. Wie Prof. Kunz, Uni Düsseldorf und andere Wissenschaftler festgestellt haben, verändern sich Flora und Fauna bei einer Umwidmung von Ackerland zu Naturschutzgebieten dramatisch. So fehlen dann Schmeißfliegen, die vorher ihre Nahrung auf Kuhfladen gefunden haben. Da die Tierhaltung aus den Naturschutzgebieten verbannt wurde und auch sonst nicht mehr gedüngt werden darf, verschwinden dann auch Löwenzahn und damit diverse Bienen. Diese Zusammenhänge sind bekannt. Die Recherche der Süddeutschen Zeitung ist unvollständig und einseitig.

Mindestlohn von 15 € pro Stunde

In den Sondierungsgesprächen zwischen Union und SPD ist wieder die Rede von einem Mindestlohn von 15 €/Std. Im Portal „X“ (vormals Twitter) kommentiert dies ein Bäcker wie folgt: „Der Mindestlohn ist aktuell 12,82€. Sollte dieser auf 15€ angehoben werden, so bedeutet dies für meinen Laden folgendes: Mit einem Laugenbrötchen, das 1€ kostet, bleibt etwa 10 Cent Gewinn. Um meine beiden Angestellten weiterhin halten zu können muss ich somit 2,20 € mal 8 Stunden mal 2 Personen durch 10 Cent = 352 Brötchen pro Tag mehr verkaufen. Oder den Preis für Laugenbrötchen drastisch erhöhen. Das ist nicht möglich. Demnach sind die Kosten zu hoch und ein Mitarbeiter würde entlassen werden. Mindestlohn schafft Arbeitslosigkeit.“ Für die Landwirtschaft hat die Anhebung des Mindestlohns noch gravierendere Konsequenzen: Dort, wo viel Handarbeit zur Produktion notwendig ist, werden diese Tätigkeiten mit jedem Euro, den der Mindestlohn angehoben wird, ins Ausland abwandern. In der EU gibt es krasse Unterschiede im Mindestlohn. Größere Agrarstaaten wie Spanien und Polen liegen mit 6,87 bzw 6,10 €/Std um nahezu die Hälfte unter Deutschland. Rumänien liegt mit …

Knappe Eierversorgung zu Ostern

Noch eine Meldung über eine knappe Nahrungsmittelversorgung: Eier werden knapp und teuer. Die Gründe sind vielfältig: Reduzierte Produktion in den Niederlanden, die ein wichtiger Importeur ist Auswirkungen der Geflügelpest, die zum Töten (Keulen) ganzer Bestände geführt hat Höherer Pro-Kopf-Verbrauch Legehennen werden länger gehalten, was die Legeleistung sinken lässt Besonders betroffen sind Bio-Eier und Eier aus „ohne Kükentöten-Programm“ https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/landwirtschaft-werden-zum-osterfest-die-eier-knapp-dpa.urn-newsmÄl-dpa-com-20090101-250302-930-390973 https://www.wochenblatt-news.de/ueberregional/eierknappheit-zu-ostern-engpaesse-und-steigende-preise-erwartet/ https://www.topagrar.com/gefluegel/eiermangel-nicht-nur-die-geflugelpest-ist-schuld-20012068.html?utm_source=newsletter&upgrade=true