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In Freude und Dankbarkeit…

..gebe ich bekannt, dass nach über 9 Monaten Wartezeit endlich meine Sachkundenachweis-Pflanzenschutz-Scheckkarte eingetroffen ist. Sie ist 54 mm hoch und 85 mm breit und wiegt 5 g. Wer wissen will, wie sie aussieht klickt bitte hier. 40 € hat sie gekostet und mehrere Stunden Schulung. Mein Studium der Agrarwissenschaften war die Zulassung zu dieser Schulung. Jetzt darf ich das, was ich immer schon durfte: Pflanzenschutzmittel einkaufen und anwenden.  Wer aber glaubt, dass ich das jetzt bis zu meinem Lebensende darf: weit gefehlt.  Alle drei Jahre müssen meine Kenntnisse aufgefrischt werden. Und es gibt eine neue Karte. Und wenn der Kontrolleur kommt,  muss ich nicht nur meine Sachkundenachweis-Pflanzenschutz-Scheckkarte sondern auch das Schulungszeugnis und meinen Personalausweis vorlegen.  Wo hab ich jetzt bloß das Schulungszeugnis hingelegt? Gehe jetzt erst mal suchen…. Euer Bauer Willi P.S.: Was ich fast vergessen hätte: auch Biobetriebe müssen den Sachkundenachweis erbringen. Aber wieso das denn jetzt? Tja, auch Biobetriebe müssen mal zwischendurch Pflanzen schützen mit zugelassenen Mitteln. Und ohne Nachweis geht das nicht. Genau so wie Waldbesitzer. Weil die Wildverbissmittel an die kleinen Bäume …

Lieber Verbraucher – mach’s doch selbst

  Wir haben viele Ratschläge von Menschen bekommen, die offensichtlich der Meinung sind, sie wüssten, wie wir Landwirte es richtig machen sollten. Meist von Menschen, die mit praktischer Landwirtschaft nichts am Hut haben. Diese Ratschläge bekommen wir auch laufend von Redakteuren, Politikern und Vertretern spezieller Organisationen.  Wir werden ständig in Talk-Runden von sogenannten „Experten“  so dargestellt, als wären wir unfähig, mit unserem Boden, den Pflanzen und unseren Tieren anständig umzugehen. War unsere mehrjährige Ausbildung also überflüssig? Reicht es heute schon eine Ahnung von Dingen zu haben, die man nicht gelernt hat? Galileo und Quarks & Co zu sehen, um mitreden zu können? Da habe ich mir gesagt: Macht es doch selbst! Und habe folgende Anzeige aufgesetzt:

Betr.: Fragen zum Greening

Sehr geehrter Herr Minister Remmel Ich darf mich kurz vorstellen: ich bin Ackerbauer im Kreis Neuss, bewirtschafte 40 ha und baue dort Zuckerrüben, Getreide und Raps an. Als ich den Betrieb 1983 von meinem Vater übernommen habe, habe ich 100% meiner Arbeitszeit mit der Produktion von Nahrungsmittel zugebracht. Das hat viel Spaß gemacht und die Verbraucher waren zufrieden. Mit der Zeit wuchsen die Aufgaben. Heute verwende ich einen großen Teil meiner Arbeitszeit damit, mich fortzubilden. Und zwar beim Studieren der neuesten Vorschriften, Regelungen und Erlässe, die die Ministerien, also auch Ihres, im Laufe der Jahre so produziert haben. Ohne Computer geht nichts mehr. Ich bin mittlerweile schon richtig fit im Einzeichnen von Nutzungsgrenzen, Landschaftselementen und dem Verwalten von ZA’s. Die Kulturarten-Codes kann ich schon fast auswendig. So steht z.B. 459 für alle DGL-Nutzungen und 190 für Getreide, auch wenn es im Rahmen von VNS angebaut wird. Das ist bei mir der Fall, den ich bewirtschafte Hamster-Erwartungsland. Hier gibt es zwar keine Hamster, aber wenn die mal kommen, ist mein Weizen schon da. (Siehe auch: Feldhamsterverleih.de) …

Das Dialog-Experiment

Für die, die hier neu sind: Die rund 500 Kommentare allein auf www.bauerwilli.com  zu dem Brief „Lieber Verbraucher“ brachten zum Vorschein, dass viele von euch die Inhalte dieses Briefes sehr berührt hat. Wir hatten deshalb zu einem „Dialog satt“ mit den ursprünglichen Herstellern der Lebensmittel aufgerufen. Am Valentinstag. Das Ergebnis: kein Selfie, kaum Kommentare (klar, Biobauer Andreas  war  wieder dabei) und die Supermärkte voll wie immer. Ich war selbst in 5 Hofläden in der Umgebung. Auch da, business as usual. Nur in einem Laden hatte man von der Aktion gehört. Fazit: der Test, ob die hunderte von Schreibern auch zum Handeln zu bewegen sind, war erfolgreich. Sie sind es nicht. Zwischen reden und handeln klafft eine riesige Kluft. Und wie sagt es Andreas sehr richtig: „ein „gefällt mir“ zu klicken ist halt einfacher, als sich persönlich auf die Suche nach guten Lebensmitteln zu machen“. Mein persönliches Fazit: Mund abputzen und weitermachen!

Dialog am Valentinstag – Wie war’s?

So Leute, hier ist die versprochene Seite „Wie war’s?“ Wir haben ja mit dem Aufruf Dialog satt am Valentinstag alle möglichen Leute „verrückt“ gemacht. Der  Stern, HuffingtonPost, Dradiowissen, TopAgrar, Agrarheute, Proplanta und der RLV haben bei unseren Aufruf mitgemacht. Wir haben viele Medien und Verbände und natürlich auch die Bauern aufgerufen am heutigen Valentinstag mal extra nen Umweg zu machen um mit Erzeugern, Verarbeitern und Händlern direkt in Kontakt zu kommen. Übrigens: auch  Misereor, Foodwatch, AbL, Bioverbände, Herrn Dr. Hofreiter und Frau Bärbel Höhn (Die Grünen) haben wir persönlich eingeladen sich an diesem Aufruf zum Dialog zu beteiligen…. 🙁 Miteinander reden Wer’s gemacht hat, der kann jetzt hier als Kommentar was darüber erzählen. Von mir aus könnt ihr auch sagen, warum ihr’s nicht gemacht habt. Oder was Euch sonst dazu wichtig ist. Wer gern Bilder posten möchte, der schicke entweder Alois diese per Mail: alois.wohlfahrt@netzlandwirt.de oder poste sie direkt auf die Facebookseite, wo wir extra die Pinnwand aufgemacht haben. Wer aber Bilder postet, dem sei das bewusst, dass ihr uns damit das Recht gebt die …

Reden wir miteinander – Dialog satt am Valentinstag

Meine Güte, waren das zwei Wochen! Viel geschlafen habe ich nicht, aber so eine Resonanz auf den Brief  „Lieber Verbraucher“ erlebt man wohl im Leben nur einmal. Mittlerweile über 240.000 Zugriffe allein auf unserer Internet-Seite, geschätzte 3.000.000 Facebook-User, auf Twitter und WhatsApp, unzählige Vervielfältigungen in Online-Portalen, Anrufe von Radio und Fernsehen. Und tolle Kommentare. Für alles ganz herzlichen Dank, besonders für die kritischen Stimmen. Landwirtschaft ist eben nicht einfach zu erklären und so habe ich es mit dem Artikel „Lieber Verbraucher“ wohl ein wenig wie Pippi Langstrumpf gemacht: „ich mach mir die Welt widde widde wie sie mir gefällt“. Und jetzt stehen wir doch irgendwie ein wenig ratlos voreinander. Ihr Verbraucher fragt uns, wie es denn nun weitergehen soll? Was ihr tun könnt? Da habe ich wieder an Pippi Langstrumpf gedacht und mir überlegt, wie sich die Wege der Lebensmittel entwickelt haben. Hier das stark vereinfachte Ergebnis anhand eines modernen, weit verbreiteten Lebensmittel: Pizza Salami Ich denke, es bedarf keiner weiteren Erklärung, oder? Man nennt das Ganze auch arbeitsteilige Wirtschaft. Mit jedem Schritt weiter zurück …

Kära konsument, i dag har jag fått nog…

Das schwedische Landwirtschaftsportal www.lantbruk.com hat den Artikel „Lieber Verbraucher“ nun auch in schwedischer Sprache veröffentlicht. Bauer Willi’s Vetter Peter, der in Schweden lebt, hat den Text übersetzt. Vielen Dank Peter. 🙂 Käre konsument Idag har jag fått nog. På morgonen fick jag se grannens avräkning för pommes frites potatis levererat utanför det vanliga kontraktet: en last om 25 ton betalades med 250 €. För den som inte kan räkna är det 1 cent per kilo! Och vad ni betalar för ett kilo djupfrusta pommes frites vet ni. Någon fyller sina fickor ordentligt. Sedan såg ja på nätet MATIF priserna för spannmål och raps. Och läste att priset för konstgödsel har kraftigt gått upp. Konsekvensen för mig är att det kommer att fattas 25 % på årets resultat. Om det räcker! Men jag har fått nog! Därför beslöt jag mig att skriva detta brev till dig, konsumenten! Billigt Du, käre konsument, vill bara ha ett: billigt! Men sen ska du också ställa krav! Livsmedlen skall vara genfria, glutenfria, laktosfria, kolesterinfria, kalorifattiga (eller helst kalorifria?), och om …

Englische Übersetzung – Dear Consumer

Die amerikanische Juristin Erin Covert bot uns an den Beitrag „Lieber Verbraucher“ ins Englische zu übersetzen, wenn sie ihn auf ihrem eigenen Blog veröffentlichen dürfe. Willi stimmt zu und Erin übersetzte prompt.  Das ist doch praktische transatlantische Zusammenarbeit. 🙂  Erin publiziert auf http://ag-hag.org/ und auf Twitter @theaghag. Die original englische Version veröffentlichte sie unter http://ag-hag.org/farmer-willi/ Dazugehöriger Artikel: Farmers and Consumers find a place to vent.   This article was originally published on January 19, 2015 by “Farmer Willi” at the website Ask the Farmer, http://fragdenlandwirt.com/lieber-verbraucher/, and translated from German with the author’s permission by Erin Covert. DEAR CONSUMER I’m completely fed up today. This morning I caught a glimpse of my neighbor’s invoice for french-fry potatoes outside of his normal contract. 1 truckload = 25 tons = 250 euros [US $282]. For those of you who can’t do math, that is 1 cent per kilogram [1.12 cents per 2.2 pounds]! And you all know what a kilo of frozen french fries costs. Someone’s stuffing his pockets with that. Then I saw the 2015 MATIF prices …

In eigener Sache

Mittlerweile wird vielfach spekuliert, wer denn nur „Bauer Willi“ ist? Ich kriege als  Moderator und Betreiber der Internet-Seiten www.fragdenlandwirt.de und www.netzlandwirt.de mit, dass einige Leute ein Interesse daran haben die Person die hinter „Bauer Willi“ steht, zu diskreditieren. Deshalb dazu von mir einige Erläuterungen: „Bauer Willi“ heißt wirklich Willi. Und er ist auch ein Landwirt!     Er bewirtschaftet einen 40 ha Ackerbaubetrieb mit Zuckerrüben, Raps und Getreide im Rheinland, den er 1983 von seinem Vater übernommen hat, in einer Betriebskooperation. Nach dem Abitur hat er Landwirtschaft studiert und anschließend im Fachbereich Pflanzenbau promoviert . Bis zu seinem Vorruhestand im Herbst 2014 war er für ein Familienunternehmen (Zuckerherstellung) im Rheinland tätig und hat seinen Betrieb im Nebenerwerb geführt. Seine Aufgabe war die Betreuung und Beratung von  Landwirten, wo er so manch detaillierte Kenntnisse der bäuerlichen Seele her hat. Heute bewirtschaftet er seinen Betrieb als Vorruheständler und hat endlich Zeit zu schreiben. Darüber hinaus ist er ehrenamtlich für die Bürgerstiftung seiner Gemeinde und eine landwirtschaftliche Genossenschaft tätig. Er hat mich gebeten, seine Anonymität zu wahren, weil …

Nachbars Zaun

Lieber Verbraucher – was ich verstanden habe…

Der nachfolgende Artikel wendet sich in erster Linie an diejenigen, die den Artikel „Lieber Verbraucher“ gelesen haben. Lieber Verbraucher – was ich verstanden habe… … dass die überwiegende Zahl der Kommentatoren meinen emotionalen Unmut verstanden haben.  Und meine – wirklich ganz persönlichen Sichtweise –  nachvollziehen können.  Aber es gibt auch Fragen, auf  die ich keine Antwort habe.  Beispiel: was antworte ich Menschen, die den Cent dreimal umdrehen müssen und auf billigste Lebensmittel angewiesen sind? Die empfinden meinen pauschalen Angriff auf „die Verbraucher“ als arrogant und zynisch. Und das verstehe ich. Es gibt auch Stimmen, die mir zu verstehen geben, dass es sie nicht interessiert, wie es mir geht und mir weinerliche Heuchelei vorwerfen.  Schade. Ich hab zwar meinen Emotionen freien Lauf gelassen, fand die aber nicht weinerlich. Eher das Gegenteil. Heuchelei würde Vorsatz bedeuten. Das trifft mich. Das im freien Markt halt jeder sehen muss wo er bleibt: das ist mir überhaupt nicht neu. Doch wo sollen – Ihrer Meinung nach – jetzt die Lösungen herkommen? Die Politik… …wurde sehr häufig genannt. Meine – wieder …