Alle Artikel in: Bauer Willi

Nachbars Zaun

Entschuldigung lieber Verbraucher

Da bin ich mit meinem Brief „Lieber Verbraucher“ vielleicht doch etwas über das Ziel hinausgeschossen. Aber es gibt Tage, da bekommt man nur schlechte Nachrichten und gestern war so einer. Mein Frust über die niedrigen Erlöse und die steigenden haben mein Nervenkostüm halt arg strapaziert. Bin auch Verbraucher Und irgendwo bin ich ja auch Verbraucher. Wenn ich bei einem dieser großen Discounter, egal ob der mit A oder der mit L als Anfangsbuchstaben, in der Non-Food-Abteilung eine Gartenschere für 3,99 € sehe, greife ich auch zu. Ich will ja auch billig. Obwohl ich genau weiß, dass die nicht viel taugt. Aber das scheint so ein Reflex zu sein. Und ich weiß auch, dass die wahrscheinlich in Asien gefertigt wurde, wo von gesetzlichem Mindestlohn keine Rede sein kann. Trotzdem falle auch ich immer wieder darauf rein. Zusammenhänge Auch ich habe halt von vielen Dingen keine Ahnung. Doch wenn ich darüber aufgeklärt würde, würde ich wahrscheinlich anders handeln. Bei Kleidung z.B. mache ich das. Weil hier jeder aufgeklärte Bundesbürger wissen müsste, dass man für 3 € kein …

Nachbars Zaun

Lieber Verbraucher

Sicher haben manche Leser auf unserer Seite bemerkt, dass der nachfolgende Beitrag für kurze Zeit offline war. Es gab in der Community der Landwirte und Landwirtinnen, die hinter Frag-den-Landwirt stehen, Diskussionen, ob die emotionale Art und Weise des Artikels, wie er sich an die Verbraucher richtet, nicht als pauschale Anklage herüber kommt. Das ist so nicht gemeint! Eigentlich sollen auf unserer Seite ja vorrangig grundsätzliche Fragen und Anfragen von Lesern erklärt werden, wie Landwirtschaft heute funktioniert. Dennoch sind viele in der Gruppe auch der Meinung, dass ein Blick in die Seele unseres Schreibers Willi doch nicht schaden könnte. Stellvertretend spricht er vielen Berufskollegen aus der Seele und liefert viele Punkte, worüber sich trefflich diskutieren lässt. Wir haben uns nun entschlossen, den Artikel nochmals einzustellen. Bitte entschuldigt, wir sind nun mal kein professionelles Redaktionsteam sondern müssen noch viel lernen. Heute habe ich dermaßen die Schnauze voll. Habe heute Morgen die Abrechnung meines Nachbar von Pommes-Kartoffeln außerhalb des Vertrages gesehen: 1 LKW = 25 t = 250 €. Für die, die nicht rechnen können: das ist 1 …

Brötchen

Das Brötchen im Wandel der Zeit

Vorgestern Mein Urgroßvater fährt das Getreide mit Pferd und Wagen zur Windmühle nach Stommeln. (3 km). Das Pferd frisst Heu (gibt es auf dem Hof), die Windmühle braucht Wind (gibt es hinterm Haus). Der Müller bringt das Mehl mit dem Pferd zu Bäckern in Stommeln und Umgebung. Außerdem verkauft er Mehl an Hausfrauen, die davon Brot backen. In seinem Betrieb hilft der Sohn mit, der Lehrling bekommt Kost und Logis und ein Taschengeld. Der Bäcker backt Brot und verkauft es. In seinem Betrieb hilft der Sohn mit, der Lehrling bekommt Kost und Logis und ein Taschengeld. Auch der Handwerker im Ort backt sein Brot im Holzofen selbst. Das Holz holt er aus dem Wald. Jeder handelt mit jedem einen fairen Preis für sein Produkt aus. Kein Mensch redet vom Brötchenpreis. Gestern Mein Vater fährt das Getreide mit dem Traktor (braucht Diesel) zum Landhändler im Ort. Der fährt das Mehl zur Mühle nach Neuss.(20 km) Die Mühle wird mit Strom (RWE) betrieben und hat etwa 20 Mitarbeiter. Die Mühle packt das Mehl in Kleinpackungen und liefert …

Nachbars Zaun

Lieber Nachbar

Sie werden mich nicht kennen, aber vielleicht haben Sie mich schon mal mit dem Schlepper durch das Dorf fahren sehen. Und wenn Sie heute schon ihr Frühstücksbrötchen mit Wurst oder Marmelade gegessen haben, dazu eventuell ein Glas Milch getrunken oder einen Joghurt verspeist haben, dann haben Sie möglicherweise einige meiner Produkte gekauft. Ihr bin nämlich Ihr Landwirt aus der Nachbarschaft, der Sie Tag für Tag mit dem versorgt, was Sie zum Leben brauchen. Mit Lebensmitteln.  Aber nicht nur dass, sondern einiges mehr. Ich will Ihnen deshalb mal einiges über meine Arbeit berichten. Die wichtigsten Grundnahrungsmittel wie z.B. Mehl, Zucker, Milch, Fleisch, Obst, Kartoffeln und Gemüse stammen aus Deutschland. Damit sie frisch sind und nicht unnötige Umwelt-Kosten verursachen sollen, vertragen sie keine weiten Transporte.  Daher ist es sinnvoll, regionale Produkte zu bevorzugen. Außerdem werde ich als deutscher Bauern sehr streng kontrolliert. Von der Bodenbearbeitung über das Saatgut bis hin zu Pflanzenschutz und Düngung ist alles reglementiert. Ich schreibe alles auf, was ich tue und jeden Tag kann ein Kontrolleur unangemeldet kommen und sich meine Unterlagen ansehen. …