Alle Artikel in: Bauer Willi

Das Sterben der Würmer…

In kaum einer Studie erforscht und von niemanden bemerkt läuft in der Natur ein Sterben von biblischem Ausmaß ab. Ein ökologisches Armageddon, ein Zusammenbruch des Ökosystems mit kaum absehbaren Folgen und einer Dramatik, die ihresgleichen sucht. Die Regenwürmer sterben! Doch anders als beim Insektensterben berichten die Medien darüber nicht. Auch von der Gesellschaft kommt kein Aufschrei, denn Regenwürmer findet man halt nicht auf der Windschutzscheibe. Sie leben tief im Boden und wann hat der normale Bürger das letzte Mal einen Spaten in der Hand gehabt? Wer weiß, dass die kleinen Erdhäufchen auf dem Boden vom fleißigen Werk der glitschigen Erdbewohner geschaffen wurde?  Wer ist sich der Bedeutung der von ihnen geschaffenen Regenwurmröhren für die Versickerung des Regenwassers bewusst? Und wer weiß überhaupt, wo diese so wichtigen Humusbildner Anfang und Ende haben? Nein, Regenwürmer haben keine Lobby, sie sind stumm. Und so werden sie zu Millionen jeden Tag getötet. Von uns, den gedankenlosen Bürgern, in deren Auftrag jeden Tag hunderttausende Quadratmeter wertvollen Bodens von Acker und Wiese in Beton und Asphalt umgewandelt werden, um unsere Gier nach Kathedralen des …

Der glückliche Bauer Franz

Franz Kinker ist Bauer, eben Bauer Franz.  Genauer noch: Bio-Bauer im Allgäu, mit Blick auf Schloss  Neuschwanstein. Aber er ist kein gewöhnlicher Bauer sondern er bloggt auch. Jetzt hat er, wenn er nicht gerade im Kuhstall war, ein Buch geschrieben mit dem schönen Titel „Glücksgefühl to roll on“.  (ISBN 978-3-7843-5516-0) Ich habe es „in einem Rutsch“ gelesen, die 120 Seiten zeigen viele Bilder vom Hof, von den Kühen, der Landschaft und der Familie. Die vielen Geschichten und Anekdoten sind amüsant aber auch nachdenklich. Von Kälbern die Zähne putzen bis zu den großen Fragen, wohin die Landwirtschaft 4.0 führt. Mein Fazit: ein Buch nicht nur für Bauern sondern auch für alle, die von der bäuerlichen Landwirtschaft schwärmen. Euer Bauer Willi  

Bauern-Morde…

Nein, keine wirklichen Morde, sondern die, die in dem Krimi von Friedo Petig passieren. Ich habe es in zwei Abenden regelrecht verschlungen, weil es zum einen sehr packend geschrieben ist, zum anderen unglaublich viele Details der westfälisch-lippischen Landwirtschaft beschreibt, die aber auch anders wo genau so zu finden sind. Der Titel „6 aus 49“ führt den Leser erst einmal in die Irre, denn mit Lotto hat das Buch nichts zu tun. Warum der Titel so heißt, erschließt sich dem Leser erst, nachdem er rund die Hälfte des Buches gelesen hat. Ich habe viele Personen, besser noch Menschen-Typen sofort wieder erkannt. Den Vollgaslandwirt, die fleißige Bäuerin, den Bio-Bauern und die in die Jahre gekommene Revoluzzerin der 68iger Jahre. Es ist von Trecker-Marken die Rede, vom Großmaststall und den Widerständen und auch die Biogas-Anlage spielt eine wichtige Rolle. Und auch der ganz normale Bürger mit seiner Sicht auf die Landwirtschaft bekommt eine Stimme. Für alle, die ein passendes Geschenk für einen Bauern suchen, hier ist es. http://www.lippe-krimi.de/index.php/krimis/petig-krimi Aber auch für Nicht-Landwirte (also ganz normale Menschen) wirklich toll zu …

Deutungshoheit…

Nach der sehr intensiven Diskussion am Wochenende habe ich mich gefragt: Wer darf eigentlich mitreden? Wer macht Meinung? Ein schwieriges Thema, nicht nur bei agrarischen Themen. Hier meine Gedankensplitter. Der mündige Bürger „Es ist alles ganz furchtbar. So wie heute Landwirtschaft betrieben wird, kann es nicht weitergehen. Massentierhaltung, Nitrat, Glyphosat, Antibiotika, alles ganz furchtbar und gehört abgeschafft.“ Und das möglichst sofort. Schließlich ist der Bürger der Souverän und was er will ist Gesetz. Wenn alles so liefe, wie er es wollte, wäre die Welt in Ordnung. Er hat die Deutungshoheit. Punkt. Ende. Aus. Die Bauern „Die sollen sich doch raushalten, die haben doch alle keine Ahnung“. So oder ähnlich lauten die Kommentare, wenn wieder einmal ein kritisches Thema aufkommt und von bäuerlicher Seite zerlegt wird. Da wird gefordert, dass sich diejenigen, die sich äußern, doch bitte erst einmal selbst auf dem Hof gearbeitet haben müssten, sie von der Realität keine Ahnung hätten, nur vom Schreibtisch aus entscheiden würden und es am besten wieder eine Hungernot geben müsste. Reflexartig wird in alle Richtungen gekeilt, auf „die“ Politiker, „die“ Journalisten, …

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben…

So, Alois hat das Video mit den Bilder aus dem Orbroicher Bruch fertig. Das passt zu unserem Text von gestern. In Orbroich haben Insektenforscher die Entwicklung der Fluginsekten beobachtet. Die werden da immer weniger und ich persönlich kann mir jetzt auch gut vorstellen, WARUM es weniger werden. Weil ich es gesehen habe und gefragt habe. Die wirkliche Ursachenforschung hat aber bisher keinen interessiert, keinen Journalisten und kein Drehteam vom Fernsehen. Mich hat es sehr interessiert und darum war ich da. Vielen Dank an Ralf Pauelsen​ aus Orbroich, der mir meine Fragen beantwortet hat. Und ihr geht jetzt mal auf seine Facebook-Seite und bedankt euch auch mit einem „Gefällt mir“. Falls ihr Bauern seid: Kostet nix 😉 Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Mehr Informationen Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren

Warum weniger Insekten in Orbroich?

Die Sache mit dem Insektensterben lässt mir keine Ruhe. Ich will es jetzt wissen, was da in der Nähe von Krefeld passiert ist. Ich will es mit eigenen Augen sehen, wie es dort ausschaut und nicht nur rumdiskutieren und vermuten. Das bringt nichts. Durch Facebook bin ich auf Ralf Pauelsen aufmerksam geworden und eher durch Zufall habe ich gesehen, dass er in Orbroich bei Krefeld wohnt, also genau am Rande des Naturschutzgebietes, in dem der Entomologen-Verein seine Insektenfallen aufgestellt haben. Also bin ich hingefahren und habe ihn befragt. Das hat bisher noch keiner gemacht: Jemanden gefragt, der dort seit 49 Jahren (in Kürze 50 Jahre 🙂 ) lebt, Bauer ist und selbst dort Flächen bewirtschaftet. Mehr Ahnung geht nicht. Dazu gibt es ein kleines Video, aber das kommt später. Hier könnt ihr euch aber schon mal unser ausführliches Gespräch anhören: https://www.bauerwilli.com/wp-content/uploads/2017/11/Orbroich.mp3 Was ist mir aufgefallen und was davon könnten Ursachen für einen Rückgang der Masse von Fluginsekten sein? Es wurde ja nur das Gewicht in den Fallen bestimmt und meines Wissen nicht die Arten der Fluginsekten. (Bodenlebende Insekten wurden nicht …

Das geheime Seelenleben eines Bauern

Ich weiß jetzt nicht, ob dieser Artikel ein Bestseller wird. So wie ‚“Das geheime Leben der Bäume“. Vermutlich nicht, aber trotzdem muss ich das (aus gegebenem Anlass) mal schreiben. Aber Achtung: es wird ein Rundum-Schlag… Was viele Bauern, so auch mich, umtreibt ist die nicht nachlassende Kritik an ihrer Arbeit. Kritik ist ja zulässig, aber wenn diese zu Schuldzuweisungen werden, trifft es nicht mehr nur den Beruf, sondern den Menschen. Das schmerzt. Es geht dann nicht mehr nur um die Sache, sondern darum, den einen Schuldigen auszumachen, den man dann in kollektivem Aufschrei verantwortlich machen kann. So auch bei der Insektenstudie, die von allen Medien sofort aufgegriffen wurde und in Überschriften wie „Ökologisches Armageddon“ und ähnlich starken Worten beschrieben wurde. Diejenigen, die nur das Zustandekommen und die Bewertung der Zahlen kritisch hinterfragen, werden geradezu reflexartig als „Realitätsleugner“ oder „Gekaufte Freunde der Konzerne“ diskreditiert. Wenn gefordert wird, die möglichen Hintergründe und Ursachen zu erforschen, so wird diese Reaktion als blamabel dargestellt, es ist von polemischen Verrissen die Rede und vulgärem Lobbyismus. Das ist harte Kost und verletzend. Geht …

Tödliche Fallen…

„Männer umschwirrn mich wie Motten um das Licht“ lautet eine Textzeile eines Songs von Marlene Dietrich im dem Film „Der blaue Engel“. Jeder von uns kennt das, wenn er an einem lauen Sommerabend nachts bei Beleuchtung auf der heimischen Terrasse sitzt. Wir alle nehmen das unbeteiligt zur Kenntnis, machen uns aber keine Gedanken darüber, welche Folgen Kunstlicht auf die Insektenwelt hat. Ich bin der Sache mal nachgegangen. Zuerst einmal die Feststellung, dass es erstaunlich wenig Literatur zu diesem Thema gibt. Ein paar Quellen habe ich unten mal angegeben. Festzustellen ist aber, dass die bloße Zahl von künstlichen Lichtquellen in Europa deutlich zugenommen hat. Jede Versiegelung der Landschaft führt meist auch dazu, das Wohn- und Gewerbegebiete mit Beleuchtung ausgestattet werden, die dann die ganze Nacht über eingeschaltet bleiben. Forscher aus Mainz haben einmal hochgerechnet, dass so jede Nacht alleine in Deutschland etwa 1 Milliarde Insekten diesen Lichtfallen zum Opfer fallen. Entweder sie fallen erschöpft zu Boden oder sie verbrennen schlichtweg an den heißen Birnen. Aber auch indirekte Folgen hat das Licht: Aufgrund der Ablenkung durch das …

Der Masterplan!

Der Bürger möchte mehr Tierwohl, weniger „Pestizide“, weniger Nitrat, mehr Biodiversität usw: Der Verbraucher wünscht sich sichere und preiswerte Lebensmittel, dem Bauer liegt viel an der gesellschaftlichen Akzeptanz und einem stabiles Einkommen. Das müsste doch zu machen sein! Hier der Masterplan: Der Wunsch des Bürgers In einer Selbstverpflichtungs-Erklärung haben sich die Bauern auf folgende Maßnahmen geeinigt: Der Einsatz von Pflanzenschutzmittel und Dünger wird limitiert. Aber nicht durch Steuern sondern durch festgelegte Höchstmengen. Lässt sich einfach erfassen und kontrollieren. Thema „Pestizide“ erledigt. Für die Tierhaltung gibt es eine Höchstgrenze pro Hektar (z.B. 2 Großvieheinheiten = GV pro Hektar, Großvieheinheiten kann man googeln), die Tiere müssen auf Stroh gehalten werden, Kühe dürfen nicht angebunden sein und es ist allen Tieren Auslauf ins Freie zu garantieren. Eingriffe am Tier sind verboten. Thema Tierwohl erledigt! Weil es mit 2 GV/ha keine Probleme mit den Nährstoffmenge gibt und die Tier auf Stroh gehalten werden (es fällt keine Gülle an), ist das Thema Nitrat und Dünger auch erledigt. Jetzt müssen noch 5% der Flächen eines jeden Betriebes für Hecken, Grünstreifen, kleine Gehölze und Brachflächen bereitgestellt …

Intuitive eating

Neulich war ich auf einem Erntedankempfang. Den gibt es schon seit Jahrzehnten und er lief ab wie immer: Grußwort vom Landrat, von der Politik, von den Landfrauen und so weiter. Dann noch eine launige Rede und der Männerchor hat auch gesungen. Doch dann endlich das erlösende Wort: „Das Buffet ist eröffnet“. Insgeheim hatten darauf doch alle gewartet, denn das Buffet, von den Landfrauen selbst gemacht, ist wirklich toll. Und so stellte sich jeder in die Reihe und bediente sich an dem, was dort aufgetischt wurde: Kasseler und Rinderbraten, Brat- und Rosmarinkartoffeln, grüne Bohnen, selbstgemachter Nudelsalat, Fleischsalat, Mehrkornbrötchen und viele Käsesorten. Und zum Schluß  noch was Süßes. Einfach lecker! Laktosefrei, glutenfrei, kalorienarm, halal? Ich habe niemanden gehört, der an diesem Abend danach gefragt hätte. Was ist eigentlich dran an den vielen Ernährungs-Trends? Íst nicht im Augenblick „clean-eating“ in? Paläo war ja gestern und vegan soll ja angeblich auch schon wieder auf dem Rückzug sein. Und nachdem Chia-Brötchen jetzt auch schon eingeschweißt beim Rewe zu bekommen sind, haben die auch irgendwie ihren Reiz verloren. Wir haben alle …