Alle Artikel in: Bauer Willi

Weihnachten 2020

Unser Schäfer mit den Schafen ist wieder da. Er kommt seit sehr vielen Jahren und weidet unsere Zwischenfrucht ab. Ein echtes Win-Win-Modell: Er hat Futter, wir haben den Häcksler und das Glyphosat gespart.  Ansonsten wird sehr wenig über Schäfer geredet und das mag auch an der stark sinkenden Zahl liegen: „Im Jahr 2017 zählte der Bundesverband Berufsschäfer in Deutschland 989 hauptamtliche Schäfer, sowie 1,1 Millionen Mutterschafe, 0,6 Millionen weniger als im Jahr 2001. Laut „Schafsreport Baden-Württemberg“ lag der Durchschnittslohn bei 6,15 Euro pro Stunde.“ (Quelle: Wikipedia) Alle Tierhalter, auch die Schäfer, müssen die Tiere auch an Weihnachten versorgen. Ein ganz normaler Tag und von „vier Feiertagen in Folge“ ist im Feld und Stall nichts zu spüren. Schäfer haben Sorgen. Nicht nur, dass die Wolle nichts kostet und oft sogar auf der Deponie entsorgt wird, sondern auch wegen des Wolfes. Die Diskussion über die Bejagung versteht der nicht, der sich jeden Tag um seine Tiere kümmert und keines davon verlieren will. Der normale Bürger findet Schafe in der Landschaft „toll“ und die Lämmer „süß“. Sie sind …

„Wir haben es satt“ – Bauernproteste international

Bauernproteste sind keine deutsche „Erfindung“. Hier einmal eine Übersicht über die letzten Monate international Aktuell gehen auch Bauern in Indien auf die Straße. Viel darüber berichtet wird allerdings nicht. https://www.diepresse.com/5910678/indische-bauern-rufen-zum-marsch-auf-delhi-auf Auch in Moldawien fahren seit wenigen Tagen die Traktoren https://de.euronews.com/2020/12/10/moldau-landwirte-protestieren-mit-ihren-traktoren-gegen-die-regierung In Dänemark werden die Bauern aktuell von deutschen Kolleg*innen mit ihren Traktoren  unterstützt https://www.nordschleswiger.dk/de/nordschleswig-sonderburg-daenemark/protest-gegen-symbolpolitik-deutsche-landwirte-demonstrieren Seit Oktober sind die Bauern in Polen unterwegs https://www.wochenblatt.com/landwirtschaft/agrarpolitik/polen-bauernproteste-gegen-die-regierung-dauern-an-12392069.html Bereits im Sommer war es in den Niederlanden zu Protesten gekommen. https://www.agrarheute.com/politik/holland-bauernproteste-gehen-570685 Im Frühjahr 2020 waren etwa 3.000 Traktoren in ganz Österreich unterwegs https://oesterreich.orf.at/stories/3036462/ Zeitgleich waren die Bauern im Januar und Februar in Spanien auf den Strassen: https://www.topagrar.com/panorama/news/anhaltende-bauernproteste-in-spanien-11984765.html Vor etwa einem Jahr sind in Frankreich die Bauern zur Demonstration nach Paris gefahren: https://www.agrarheute.com/land-leben/strassen-blockiert-bauernproteste-frankreich-562057 Wer sich für die Geschichte der Bauernkriege und -aufstände interessiert: http://www.bauernkriege.de/EuropaNEUZEIT.html

Dürre in Deutschland?!

Ein Artikel kurz vor Weihnachten über Trockenheit? Draussen regnet es doch! Hier ein aktueller Artikel des „Spiegel“, der auch auf die Situation in der Landwirtschaft hinweist. Mit einer interessanten Grafik, in der Entwicklung der letzten Jahre aufzeigt. https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/duerre-boden-in-deutschland-leidet-unter-regenmangel-a-9fa6df06-11b9-4bc4-8ae3-54a8edb52096 Hier geht es zur Seite des Dürremonitors, in dem man sehen kann, dass es selbst im Oberboden schon wieder trocken wird. https://www.ufz.de/index.php?de=37937 Wer sehen will, wie es mit der Bodenfeuchte in der Region bis 60 cm aussieht, wird hier fündig: https://www.dwd.de/DE/leistungen/bodenfeuchte/bodenfeuchte.html Aktuell gibt es Unwetterwarnungen vor Dauerregen. Brauchen könnten wir den. Ihr könnt es ja jetzt mal mitverfolgen. Hier ein Video des Helmholtz-Institutes: https://www.youtube.com/watch?v=FGLs0VmM3Xc  

In eigener Sache

Kurz vor Weihnachten möchte ich kurz einige Dinge erläutern, die sich in den letzten Wochen ereignet haben und aus denen ich jetzt Konsequenzen ziehen werde. Im Dezember 2019 habe ich auf dem Agrargipfel im Bundeskanzleramt Dirk Andresen kennengelernt. Er wurde seitens der Bundesregierung als Vertreter von „Land schafft Verbindung“ in die Zukunftskommission Landwirtschaft eingeladen. Gerne habe ich ihn mit Fachinformationen unterstützt, ihm Fragen beantwortet, Sachverhalte mit ihm diskutiert und Vorschläge gemacht. Als er mich ansprach, dies auch zur Vorbereitung des Gespräches mit dem LEH zu tun, habe ich gleiches auch in diesem Fall getan. Ich habe ihn und die Teilnehmer des LEH stets darauf hingewiesen, dass ich nicht Mitglied des LsV bin, somit kein Verhandlungsführer und auch nicht an Entscheidungen beteiligt. Ich bin ebensowenig Mitglied in anderen, in den letzten Monaten entstandenen Interessensgruppen. Mein Fehler Aus heutiger Sicht war es mein Fehler, am Gespräch vom 11.12.2020 teilgenommen zu haben. Ich habe dadurch in den Augen einiger Berufskollegen einen Teil meiner Unabhängigkeit und Eigenständigkeit verloren. Diesen Menschen möchte ich nochmals sagen, dass ich an den Entscheidungen …

Im Dezember 1922

Gestern haben wir  den 98igsten Geburtstag einer der wichtigsten Personen in meinem Leben gefeiert, wenn nicht der wichtigsten Person überhaupt: unserer Mutter. Sie hat jetzt das 99igste Lebensjahr begonnen. Bei voller Gesundheit, mit viel Humor und Lebensfreude, an vielem interessiert und den Menschen zugewandt. Was hat sie alles erlebt? Als Kind die Machtergreifung eines Diktators, als Jugendliche die Verirrungen eines ganzen Volkes, im Krieg den Verlust von 4 Geschwistern. Anfang der 50er Jahre Hochzeit und Geburt von drei Kindern auf unserem Hof. Der Hof war zu dieser Zeit noch so eine Idylle, wie es sich der normale Bürger heute noch vorstellt: Kühe, Schweine, Enten, Gänse, Katzen. Dazu Ratten und Mäuse, weil es viel Futter gab und in den Ställen warm. 1964 wurden die Kühe abgeschafft, ein paar Jahre dann auch die Schweine. Statt dessen Hühner in Bodenhaltung, etwas später mehrere Tausend Legehennen in Käfighaltung. Schließlich wurden auch die abgeschafft, weil wir, die Kinder, ins Studium gingen und für die Vermarktung der Eier an der Haustür (Mittwochs war „Eiertag“) keine Zeit mehr hatten. Im Jahr 2000 …

Eine Milliarde in einem Kubikzentimeter

Haben Sie das gewusst? Dass in einem Kubikzentimeter Boden eine Milliarde Bakterien leben? Diese und andere unglaubliche Fakten hat Ludger Weß in seinem Buch „Winzig, zäh und zahlreich“ niedergeschrieben. Wussten Sie, dass erst vor kurzem entdeckt wurde, dass Bakterien noch in 5 km Tiefe in der Erdkruste vorkommen? Und somit hohe Temperaturen aushalten. Andererseits auch in der Stratosphäre, also unter extrem niedrigem Luftdruck? Dass es Bakterien gibt, die sich am Magnetfeld orientieren, weil sie in ihrem Inneren sogenannte Magnetosome ausbilden. Dass es Bakterien im Kühlwasserkreislauf von Atomreaktoren gibt, aber auch solche, die in der Lage sind, Dioxin zu zersetzen. Was ja sehr nützlich sein kann. Dass Bakterien absolut notwendig sind, um diverse Milchprodukte (Joghurt, Kefir, Buttermilch etc.) herzustellen, müsste eigentlich Allgemeinwissen sein. Eigentlich. Bakterien sind übrigens auch daran „schuld“ dass wir Sauerstoff atmen können. Cyanobakterien waren es nämlich, die Sonnenlicht zur Fotosynthese nutzten und so zu einer Anreicherung der Atmosphäre mit Sauerstoff sorgten. Dieses Gas war für die damaligen Lebewesen giftig, so dass Evolutionsforscher von der „Sauerstoffkatastrophe“ sprechen. Die Lebewesen sind am Sauerstoff gestorben. So …

Bei Lidl sehe ich Schwarz…und rot…

Ich war heute Getränke holen und bin aus einem besonderen Interesse beim Lidl reingesprungen. (Gekauft habe ich nichts)  Ich wollte sehen, ob die Verbrauchertäuschung von Montag dort noch zu finden war. Da lag nämlich in der Kühltheke „Minutensteak“ in der Version Bauernhilfe für 3,39 € direkt neben der Variante „Minutensteak“ jetzt 37% billiger für 1,93 € (jeweils 400 g) Wer nicht vollkommen schwachsinnig ist, wird zu der zweiten Variante greifen. Bernhard Barkmann hatte auch darüber geschrieben: https://blogagrar.de/politik/lidl-so-geht-das-nicht/ Nun gut, dieser Produktvergleich war jetzt nicht mehr zu finden. Dafür aber Schweinenackensteaks 500 g für 3,39 € in der Variante „Bauernhilfe“ direkt neben Schweinenackenkotelett 700 g für 2,90 € Wer nicht vollkommen schwachsinnig ist, wird zu der zweiten Variante greifen. Genau das Gleiche 50 cm weiter: Schweine-Geschnetzeltes in der Variante „Bauernhilfe“ 500 g für 3,39 € (warum da Gyros dran steht weiß ich nicht, es war nicht eingelegt) und direkt daneben Schweine-Gulasch 500 g für 2,70 € (von 3,39 ! im Preis gesenkt. Und auch hier: Wer nicht vollkommen schwachsinnig ist, wird zu der zweiten Variante greifen. …

Brief an die Kunden

Antonia vom Obsthof Kitt am Bodensee (ist ein Betrieb des „Lernort Bauernhof“) hat einen tollen weihnachtlichen Gruß an Mitmenschen und Kunden geschrieben. Den Link findet ihr hier: Weihnachtsbotschaft 2020 Sie hat mir erlaubt, diesen allen Lesern zur Verfügung zu stellen. Wer also einen Hofladen oder sonst eine Selbstvermarktung hat, darf diese Weihnachtsbotschaft gerne herunterladen und verschicken. Aber natürlich auch sonst alle…

Die Einigung! Die Einigung?

In den vergangenen Wochen haben Bauern die Zufahrten zu den Zentralläger diverser Lebensmittelketten blockiert. Darauf hin kam es zu einem Gespräch zwischen LEH und LsV. Jetzt wurde das Ergebnis öffentlich: LsV-LEH-Medienstatement_final_15-12-20 Die nun veröffentlichte Fassung habe ich den Medien entnommen. Schon bevor die gemeinsame Erklärung von LEH und LsV veröffentlich wurde, hat sich Prof. Spiller mit den Forderungen der Landwirte beschäftigt und analysiert, was davon halbwegs realistisch ist und was eine „Schnapsidee“. Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren Weitere Informationen Im nachfolgenden Artikel wird auch der DBV erwähnt: „Unterdessen forderte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, die Handelsketten auf, dem Beispiel von Rewe und Lidl zu folgen und Herkunft und Standards besser zu vergüten.“ https://www.agrarheute.com/management/agribusiness/landwirte-stellen-lebensmittelhandel-ultimatum-576206?utm_campaign=ah-mo-fr-nl&utm_source=ah-nl&utm_medium=newsletter-link&utm_term=2020-12-15 Die letzten Tage waren sehr anstrengend. In meinem Kopf brummt es und es gibt so vieles, was man dazu sagen könnte. Ich mache es aber nicht, weil …

Die Zwickmühle

„Eine Zwickmühle ist eine Spielstellung beim Mühlespiel, bei der mit einem Zug eine bestehende Mühle geöffnet und gleichzeitig eine andere offene Mühle geschlossen wird. Ein entsprechender Zug in die gegensinnige Richtung bewirkt wiederum das Schließen der vorher geöffneten Mühle.“ (geändert: Wikipedia) Stein um Stein und Zug um Zug verliert der Mitspieler Handlungsspielraum, bis er zuletzt völlig verspielt hat. In genau so einer Zwickmühle befinden derzeit die Landwirte. Wenn 250 g veganes Schnitzel (aus importiertem Soja, Zusatzstoffen und Wasser)  genau so viel kosten wie 1000 g deutsches Schweinefleisch, wenn 1 l Soja- oder Haferdrink  das Sechsfache von dem kosten, was ein Landwirt für seine Milch bekommt, wenn für Luxus-Katzenfutter 10 €/kg bezahlt werden, dann stimmt was nicht. Auch wenn die Lebensmittelhändler jetzt den Preis für das Fleisch etwas anheben, ändert das nichts daran, dass das Ungleichgewicht überdeutlich ist. Nun ist es ja so, dass dem Konsumenten das Tierwohl am Herzen liegt. So jedenfalls die Aussage bei Umfragen. Doch sobald der Meinungsforscher das Interview beendet hat, geht der Weg des Bürgers dann doch zur Tiefkühltheke mit dem …