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Wasserverbrauch: mit 10 Kilo Käse ein Schwimmbad füllen

Pflanzenwachstum und Wasserverbrauch – eine fast schon philosophische Betrachtung Ein Gastkommentar von Christian Krumphuber, ehemaliger Leiter der Abteilung Pflanzenbau, Landwirtschaftskammer Oberösterreich Im Zuge der Klimakrise und dessen medialer Abhandlung gerät die Landwirtschaft immer mehr unter Druck und in die Täterrolle. Ein Zehntel – nach anderen Quellen bis zu einem Drittel – der globalen Treibhausgasemissionen gingen auf das Konto der Landwirtschaft. (Also so ganz genau weiß man‘s offensichtlich nicht..) Wasserverbrauch – neues Schlachtfeld in der (Nachhaltigkeits)diskussion. Im Zuge der Klimadiskussion kommt die Landwirtschaft bzw. der Pflanzenbau auch zunehmend ins Gerede hinsichtlich des Wasserverbrauchs. Unter www.presseportal.de/pm/130544/3934035 kann man sich als Konsument – insbesondere wenn man auch tierische Produkte mag – so ein richtig schlechtes Gewissen antun. Es werden (Wasser-)Verbrauchszahlen pro Kilo Lebensmittel von 27.000 Liter bei Kakao oder ca. 15.500 Liter pro Kilo Rindfleisch angegeben. Am sparsamsten wären demnach Tomaten mit 110 Liter pro Kilo, also ausgerechnet der Kultur, die einst aus Holland als „Wasserbomben“ zu uns kamen. Nicht aufgeklärt wird man, ob sich die genannten Wasserverbrauchszahlen auf Frisch- oder Trockenmasse beziehen – auch ein nicht ganz …

Der Horror-Katalog

Der nachfolgende Artikel liest sich wie ein Stück aus dem Tollhaus. https://www.agrarheute.com/politik/50-prozent-weniger-pflanzenschutz-eu-gesetz-590108 Was steht drin? Reduktion der Pflanzenschutzmittel bis 2030 um 50% soll Gesetz werden. Referenzjahre 2015-2017 (mir ist nicht klar, ob Wirkstoffmenge, Produktmenge oder….) Nationale Ziele dürfen um 5% nach oben oder unten abweichen (in Bulgarien herrschen andere Verhältnisse als in den Niederlanden oder Deutschland, die Zahlen gelten aber für alle gleich) Jeder Landwirt soll jede Pflanzenschutz-Maßnahme in einem elektronischen Register erfassen. Mit Begründung und Nennung des Namens des Beraters (mir fehlen die Worte. Sind wir in Nordkorea oder in Europa?) Die Staaten müssen einen jährlichen Fortschrittsbericht über den Rückgang an Pflanzenschutzmitteln an die EU melden. Veröffentlichung im Internet. (Wozu soll die Veröffentlichung dienen? Selbst Schulnoten werden nicht öffentlich gemacht!) Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in „sensiblen Gebieten“ wird verboten. Gilt zum Beispiel für Natura 2000-Gebiete. Und für städtische Grünanlagen. (Bin gespannt, was man dann macht, wenn sich die Bevölkerung beschwert. Auch ja, Ausnahmen sind möglich) Wenn Spritzungen mit Ausnahmegenehmigung durchgeführt werden sollen, muss der Anwender vorher am Feldrand Schilder aufstellen. (Leute, ist das euer …

Zukunft Landwirtschaft – Modell 4: Ohne Subventionen

Und wieder ein Modell zur Zukunft der Landwirtschaft. Diesmal eine Annahme, die jeden Landwirten erschrecken wird. Modelle taugen oft nicht für die Realität, sind aber nützlich, um die Auswirkungen theoretisch zu durchdenken. Wie das gehen kann? Ab 2025 werden in einem Zeitraum von z.B. 5 Jahren sämtliche Zahlungen jedes Jahr um 20% abgeschmolzen. Damit werden ab 2030 keine Subventionen mehr an alle Bauern in der gesamten EU gezahlt. Gleichzeitig wird die Steuerbelastung für die Bürger Zug um Zug um den dann frei werdenden Betrag gesenkt. Dieses Geld steht dann dem Bürger zusätzlich zur Verfügung und und wird von diesen teils wohl verwendet (werden müssen) um die vermutlich doch um einiges höheren Lebensmittelpreise zu begleichen. Wie könnte die Reaktion sein? Nach Bekanntgabe dieser Nachricht werden viele Landwirte europaweit überlegen, ob sie unter diesen Konditionen noch wirtschaftlich arbeiten können. Viele werden zu dem Entschluss kommen, dass dies nicht mehr der Fall ist und werden ihren Betrieb verpachten oder verkaufen. Schlagartig wird es ein großes Angebot an Flächen auf dem Markt geben. Ohne die flächenbezogenen Zahlungen werden sich …

Zukunft Landwirtschaft – Modell 3: 100% Bio

Aus der Serie „Zukunft Landwirtschaft“ jetzt ein Modell mit 100% Bio in ganz Deutschland. Und mit der Frage, warum politisch eine Grenze bei 30% Bio gezogen wird. Sowohl in der Strategie „Farm to Fork“ als auch im Koalitionspapier der Ampel-Koalition ist die Zielsetzung, den Anteil der Bio-Landwirtschaft bis zum Jahr 2030 auf 25 bzw. 30% zu erhöhen. Diese Zielsetzung ist inkonsequent. Wenn Bio-Landwirtschaft die ihr nachgesagten Vorteile hat, so ist es notwendig, möglichst bald die gesamte Landwirtschaft in Deutschland auf Bio-Landwirtschaft umzustellen. Bisher konnte mir auch niemand erklären, warum es nun gerade 30% bis 2030 sein soll. Und was ist dann mit den „restlichen“ 70% konventionellen Landwirten? 100% Bio bis 2025 muss das Ziel sein. Was bedeutet 100% Bio? Ich habe mich in früheren Jahren schon einmal mit den Zahlen beschäftigt, die Zahlen im Titelbild stammen aus dem Jahr 2014: 100% Bio in Deutschland – Teil 1: Die Zahlen Diese Zahlen sind heute nicht mehr ganz aktuell, aber sie geben die Richtung an. Klar ist, dass die Selbstversorgung auch bei Getreide, Kartoffeln und Fleisch nicht …

Man kennt sich, man hilft sich…

Wie nennt man es, wenn ein(e) Mitarbeiter(in) einer NGO in ein Ministerium wechselt? Ob Frau Baerbock das mit den Koalitionspartnern abgestimmt hat? Was sagt die FDP dazu? https://www.spiegel.de/politik/deutschland/annalena-baerbock-holt-greenpeace-chefin-jennifer-morgan-ins-auswaertige-amt-a-af976920-a84d-43f3-9802-0699eec36ade https://www.zeit.de/politik/deutschland/2022-02/klimabeauftragte-bundesregierung-greenpeace-jennifer-morgan-internationale-klimapolitik https://www.n-tv.de/politik/Baerbock-gibt-Greenpeace-Chefin-wohl-neuen-Job-article23113801.html    

Zukunft Landwirtschaft – Modell 2: Macht es selbst

Aus der Serie „Zukunft Landwirtschaft“ hier nun Modell 2: Verpachtung an Selbstversorger. Für alle, die Modell 1 gelesen und eventuell missverstanden haben: es geht mir in den Modellen darum, einen Gedanken konsequent bis zum Ende zu denken, ohne Rücksicht auf die Chance einer Realisierung. Durch diese Überspitzung kann man sich der tatsächlichen Konsequenzen durch eigenes Nachdenken bewußt werden. Wir Landwirte bekommen viele Ratschläge von Menschen, die offensichtlich der Meinung sind, sie wüssten, wie wir Landwirte es richtig machen sollten. Meist von Menschen, die mit praktischer Landwirtschaft nichts am Hut haben. Diese Ratschläge bekommen wir auch laufend von Redakteuren, Politikern und Vertretern spezieller Organisationen.  Wir werden ständig in Talk-Runden von sogenannten „Experten“  so dargestellt, als wären wir unfähig, mit unserem Boden, den Pflanzen und unseren Tieren anständig umzugehen. War unsere mehrjährige Ausbildung also überflüssig? Reicht es heute schon eine Ahnung von Dingen zu haben, die man nicht gelernt hat? Reicht es, Galileo und Quarks & Co zu sehen, um mitreden zu können? Da habe ich mir gesagt: Macht es doch selbst! Und habe folgende Anzeige aufgesetzt:

Die Sache mit dem Sonntagsbraten…

Sie kennen die Sätze auch? „Wir essen jetzt nicht mehr so viel Fleisch“ „Früher gab es ja auch nur den Sonntagsbraten“ „Ich finde es schlimm, dass die Leute so viel wegwerfen“ Es sind mittlerweile Standardsätze geworden, auf die ich schon nicht mehr reagiere. So wie auch Umfragen, in denen ähnliche Antworten gegeben werden. Das tatsächliche Kaufverhalten ist ein gänzlich anderes. Das nennt man auch citizen-consumer-gap. Das es „früher“ meist nur am Sonntag einen Braten gab, stimmt. Was aber dabei vergessen wird, dass es auch in der Woche Teile vom Tier gab, die heute so gut wie nicht mehr auf der Speisekarte stehen. Versuchen Sie mal im Supermarkt an der Frische-Theke frische Nieren zu kaufen. Gleiches gilt für Lunge. Bei Leber könnte man noch Glück haben. Blutwurst (im Rheinischen: Flönz) gibt es hingegen in typischen Kölner Brauhäusern sehr wohl. Panhas (ein mit Buchweizenmehl eingedickte Blutsuppe) ist hingegen mehr eine regionale Spezialität. All diese Speisen gab es in meiner Kindheit häufig. Vor allem nach der Hausschlachtung, die damals einmal im Jahr stattfand. Das Ergebnis: volle Kühltruhe und …

Zukunft Landwirtschaft – Modell 1: Energiewirt

In loser Folge werde ich in den nächsten Tagen und Wochen Modelle vorstellen, wie eine Zukunft der Landwirtschaft aussehen könnte. Im Moment handelt es sich (noch) um theoretische Denkmodelle.  Mit der Erzeugung von Nahrungsmitteln lässt sich der Klimawandel nicht stoppen. Unsere Zukunft liegt deshalb nicht länger in der Land-, sondern in der Energiewirtschaft. Schon immer haben wir Landwirte flexibel auf die Anforderungen der Gesellschaft reagiert. Und Ernährung wird sowieso total überbewertet. Mittlerweile dürfte es dem Letzten klar sein: der Klimawandel ist Realität und wir müssen schnellstens etwas unternehmen. So wie es jetzt läuft, kann es nicht weitergehen. Das haben wir Bauern dank Habeck, Lemke und Özdemir auch verstanden. Auch unsere Berufs- und Interessenvertretungen, die für uns in der Zukunftskommission Landwirtschaft gesessen haben, sind der Meinung, dass die Landwirtschaft einer Transformation unterzogen werden muss. Und genau das sollten wir Landwirte jetzt in die Realität umsetzen. Laut Klimaschutzministerium sollen 2% der Landfläche Deutschlands für die Aufstellung von Windkraftanlagen (WKA) genutzt werden. Das bietet uns Landwirten die Möglichkeit, auf unseren Flächen solche WKA´s zu errichten. Neben der Windkraft …

Essen ist politisch…

Nicht nur in Deutschland, nein, auch in Frankreich ist die moralische richtige Ernährung ein Thema. Sie wird sogar zum Gegenstand der politischen Auseinandersetzung, denn wer Steak mit Pommes isst, soll, so die Diskussion, politisch dem rechten Lager zuzuordnen sein. https://www.lemonde.fr/m-perso/article/2022/01/27/jean-laurent-cassely-le-steak-frites-est-passe-a-droite_6111150_4497916.html Die deutschen Medien haben dieses Spektakel natürlich auch kommentiert. Dabei geht es nicht nur um das Essen, sondern viel mehr um divergente Lebensstile. So ist dann auch von den „Quinoa-Linken“ die Rede, die abschätzig auf den Plebs herabschauen. https://www.heise.de/amp/tp/features/Beefsteak-und-Pommes-sind-jetzt-politisch-rechts-6342701.html Das alles erinnert ein wenig an den Sturm, der durch den deutschen Blätterwald rauschte, als sich Altkanzler Gerhard Schröder verärgert über die Entscheidung von Volkswagen zeigte, in einer ihrer Kantinen keine Currywurst mehr anzubieten. https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/gerhard-schroeder-ueber-aus-von-currywurst-in-kantine-von-volkswagen-17479812.html https://www.zeit.de/news/2021-08/11/altkanzler-schroeder-veraergert-ueber-ende-der-vw-currywurst https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gerhard-schroeder-wettert-gegen-aus-fuer-currywurst-in-vw-kantine-a-dfb9214e-d7ef-40c5-b698-0cf9cc350c4e Meine Meinung: wenn wir sonst keine Probleme haben… Danke an Marian E. Finger (Fingerphilosoph) für den Hinweis.