Bauer Willi
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Zukunft Landwirtschaft – Modell 2: Macht es selbst

Aus der Serie “Zukunft Landwirtschaft” hier nun Modell 2: Verpachtung an Selbstversorger. Für alle, die Modell 1 gelesen und eventuell missverstanden haben: es geht mir in den Modellen darum, einen Gedanken konsequent bis zum Ende zu denken, ohne Rücksicht auf die Chance einer Realisierung. Durch diese Überspitzung kann man sich der tatsächlichen Konsequenzen durch eigenes Nachdenken bewußt werden.

Wir Landwirte bekommen viele Ratschläge von Menschen, die offensichtlich der Meinung sind, sie wüssten, wie wir Landwirte es richtig machen sollten. Meist von Menschen, die mit praktischer Landwirtschaft nichts am Hut haben. Diese Ratschläge bekommen wir auch laufend von Redakteuren, Politikern und Vertretern spezieller Organisationen.  Wir werden ständig in Talk-Runden von sogenannten „Experten“  so dargestellt, als wären wir unfähig, mit unserem Boden, den Pflanzen und unseren Tieren anständig umzugehen. War unsere mehrjährige Ausbildung also überflüssig? Reicht es heute schon eine Ahnung von Dingen zu haben, die man nicht gelernt hat? Reicht es, Galileo und Quarks & Co zu sehen, um mitreden zu können? Da habe ich mir gesagt: Macht es doch selbst! Und habe folgende Anzeige aufgesetzt:

SnipImage (1)

Rein rechnerisch bekommt jetzt jeder von euch 1454 qm Acker und 616 qm Grünland. (Übrigens: ein Fußballfeld  ist 7.140 qm groß) Auf den rund 2.000 qm könnt ihr dann so wirtschaften wie es euch gefällt. Aber alle Vorschriften, Verordnungen, Richtlinien, Erlasse und sonstige staatlichen Reglementierungen, die wir Landwirte einhalten, müsst ihr dann auch befolgen. Ihr zeichnet alles auf, was ihr wann wo und warum gemacht habt (nennt man Schlagkartei) und verwahrt das auf für die staatlichen Kontrollen. Macht ein wenig Arbeit, aber dafür gibt es ja Formulare. Wo es die gibt? Frag den Landwirt. Ihr haltet die Fruchtfolge ein und verwendet 4% eurer Flächen für die Stilllegung. (Den Pachtpreis bezahlt ihr natürlich auch dafür). Dann macht ihr eine Düngeplanung für das kommende Jahr, was ihr wann, wo und wie viel düngen wollt und verwahrt die auch auf.  Aufschreiben, lochen, abheften. Falls ihr Hilfe braucht: Frag den Landwirt.

Was soll denn auf eurem Land wachsen? Das Grünland muss bleiben, das dürft ihr nicht umbrechen, das ist verboten. Von 600 qm bekommt ihr aber keine Kuh satt. Vielleicht noch ein Schaf, aber das auch nur im Sommer. Futter für den Winter wächst aber nur auf dem Acker. Wieviel Futter ihr da braucht? Frag den Landwirt. Und wie ihr Schafe schert, das wisst ihr ja. Und wie man die Klauen gesund hält auch. Vergesst bloß nicht die Ohrmarke und die Anmeldung in der HIT-Datenbank,  sonst droht Ärger.

Nun geben Schafe zwar Milch, aber meist nur für die Lämmer. Na ja, dann gibt es halt keine Milch, Käse, Joghurt oder Kefir. Ihr wollt Schweinefleisch? Geht, wenn ihr dafür Reste aus der Verarbeitung von Lebensmitteln verwendet. Auch die aus eurer Küche.  Was ist, wenn das Schwein mal krank wird? Was man da tun kann? Frag den Tierarzt. Übrigens, wenn ihr das eine Schwein aufgegessen habt, ist Ende mit Schweinefleisch. Oder ihr habt ein männliches und ein weibliches Schwein, dann gibt’s nämlich Ferkel (das ist der Nachwuchs von Schweinen 🙂 ) Zwei Schweine brauchen aber noch mehr Futter. Und falls ihr die draußen frei rumlaufen lassen wollt: habt ihr das beim Amtsveterinär beantragt? Habt ihr einen wolfssicheren Zaun mit Untergrabeschutz errichtet? Und auch hier: Ohrmarke, HIT-Datenbank und Bestandsregister nicht vergessen.

Wenn ihr Vegetarier seid, gibt es zwei Fragen:  1. Was macht ihr mit dem Gras vom Grünland? 2. Wo bekommt ihr jetzt den organischen Dünger her? Sonst ist das mit dem Ackerbau auch bald am Ende, so ganz ohne Dünger. Wie ihr das trotzdem hinbekommt? Frag den Landwirt.

Ihr wollt Eier? Kein Problem. Hühner oder Gänse kann man mit dem Schaf auf dem Grünland laufen lassen, muss nur auf den Fuchs aufpassen. („Fuchs du hast die Gans gestohlen“ 🙂 ) Aber auch hier gilt eine „Tierschutznutztierhaltungsverordnung“ und die Hühner brauchen im Winter auch Futter und einen Stall. So, jetzt wäre das mit der Tierhaltung geklärt. Falls ihr noch Fragen habt: Frag den Landwirt.

Kommen wir zu den Pflanzen. Was planen wir denn da? Gut, Getreide fürs Brot. Da nehmen wir am besten Weizen, weil Gerstenbrot? Gibt´s eigentlich nicht. Aus Gerste macht man z.B. Bier, oder Futter für die Tiere, siehe oben. Der Weizen kann auch krank werden, bekommt Mehltau, Rost oder giftige Fusarium-Pilze.  Oder kann Schädlinge kriegen wie Blattläuse oder Getreidehähnchen (kennt ihr nicht?). Was ihr da tun könnt? Frag den Landwirt. Und unbedingt an den Spritzen-TÜV denken!

Wenn ihr  Kuchen backen wollt, braucht ihr Zucker. Dafür gibt es Zuckerrüben. Den Zucker könnt ihr aber nicht selber machen, den macht die Zuckerfabrik. Wo die ist? Frag den Landwirt. Die Zuckerrüben tauscht ihr dort gegen Zucker ein. Das macht die Fabrik aber nicht umsonst, die will da Geld dafür. 🙁

Bei vielen Gerichten braucht man Öl. Das könnt ihr aus  Raps machen. Wie der bei euch am besten wächst? Frag den Landwirt. Kartoffeln wollt ihr auch? Prima, denn jetzt haben wir schon eine schöne Fruchtfolge aus Weizen, Gerste, Zuckerrüben, Raps und Kartoffeln. Aber Achtung: damit das keine Pleite gibt, müssen die in der richtigen Reihenfolge angebaut werden. Wie das geht? Frag den Landwirt.

Jetzt fehlen aber noch die Vitamine. Obst wäre nicht schlecht, die Bäume pflanzt ihr am besten auf die Wiese. Aber Achtung: da laufen ja schon das Schaf und die Hühner und Gänse! Wie man die Obstbäume im Winter richtig schneidet? Frag den Landwirt. Wie wär’s mit Gemüse? Das wächst leider nur im Sommer, und im Winter wäre es etwas dünn mit den Vitaminen. Da baut ihr einfach Weißkohl an und macht davon Sauerkraut. Wie das geht? Frag den Landwirt. Das Sauerkraut könnt ihr auch im Winter essen. Geht auch mit Rosenkohl. Ist dann im Winter etwas viel Kohl und das bläht auch etwas. 🙁 Aber ihr seid ja viel draußen. 🙂 Es gäbe da auch noch andere schöne Kulturen wie zum Beispiel Chicoree. Aber das ist was sehr spezielles und da hätte ich einen sehr guten Rat: Frag den Landwirt!

So, diese Geschichte könnte man noch endlos weiterspinnen, will ich aber nicht. Was meint ihr? Schafft ihr das? Oder sollen wir Landwirte es nicht doch wieder für euch machen? Wir wissen wie es geht weil wir das alles in unserer Ausbildung gelernt haben. Und uns ständig weiterbilden. Und es mit Herzblut machen, weil wir jeden Tag mit und in der Natur leben und arbeiten. Ihr könnt natürlich auch die Redakteure, Politiker und Vertreter spezieller Organisationen fragen. Denkt mal drüber nach …

Übrigens: Es gibt es schon ein Angebot auf die Verpachtungs-Anzeige: von den Chinesen.  🙂 (Achtung: Satire!)

Der Text ist eine Abwandlung eines früheren Artikels. Er darf gerne kopiert und weiterverbreitet werden. Gerne auch mit Quellenangabe… 🙂

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85 Kommentare

  1. Smarti sagt

    MyAcker ist ein Projekt, das seit heute morgen im Schweizer Radio gesendet wird. Da haben Hunderte/ Tausende ? Leute letztes Jahr jeweils für mehrere Hundert Fränkli per Mausklick ihr Gemüse in “ihren Garten” gesetzt und mussten dann nur noch bezahlen und warten, bis das Grünzeug per Post geliefert wird. Sie warten noch immer und langsam wundern sie sich. Jetzt wollen sie ihr Geld zurück… klar, das Wetter war schlecht das letzte Jahr, das versteht man ja schon… aber trotzdem hat man ja Gemüse bestellt und das bisschen, was gekommen ist war klein, schimmelig und madig… na so was 🙂 .
    Merke: Maus und Gemüse vertragen sich nicht.

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  2. Ostbauer sagt

    Wie sangen die “Ärzte” einstmals: ” Lasst die Leute reden und lächle einfach mit, die meisten Leute haben ihre Meinung aus der Bild.Und die besteht nun mal, wer wüßte das nicht, aus Angst,Hass ,Titten und dem Wetterbericht”.
    So empfinde ich im Moment die aktuelle Diskusion um die Landwirtschaft.
    Alle Szenarien der zukünftigen Landwirtschaft (obwohl ich die 3. noch nicht kenne) sind in bestimmten Bereichen vorstellbar und bestimmt auch tragfähig, ob sie zur Ernährung der Gesamtbevölkerung beitragen, wage ich zu bezweifeln.
    Aber, wie heißt es so schön: Versuch macht klu”ch”.
    Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen; Man fährt ein durchaus halbwegs funktionierendes System voll gegen die Wand um die letzten Prozente raus zu holen.
    Was für ein Schwachsinn. Das macht nur ein Land, dass Hunger und Not vergessen hat!!
    Natürlich gibt es immer auch neue Erkenntnisse in der Landwirtschaft, welche auch wissenschaftlich belegt sind, welche auch von der LW angenommen werden (früher oder später). Landwirtschaft lebt ja auch von Veränderung. Die landwirtschaftliche Produktion hat sich eigendlich noch nie den Neuerungen verschlossen. Nur; LEBEN muss sie davon können.
    Mein Großvater sagte oft:”Essen müssen sie alle”. Allerdings hatte er auch keine Vorstellung von den einzelnen Entwicklungen und der Dekadenz der heutigen Gesellschaft.
    Wir als Betrieb versuchen uns durch die teilweise hirnlosen Bestimmungen zu lavieren und das tägliche Miteinander zu gestalten; egal mit welcher Variante der zukünftigen Landwirtschaft.Für das große und ganze sind die gewählten Politiker verantwortlich; die Jacke zieh ich mir nicht an.
    Jede Hochkultur in den letzten 3-4 tausend Jahren ist an ihrer eigenen Dekadenz gescheitert. Anscheinend dürfen wir diese Serie nicht brechen.
    Jeder Bauernhof ist fast autark, aber was macht Stadtie?
    Kann man nicht einfach die lw Produktion anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen normal weiterentwickeln und SIE als das sehen was sie nun mal ist; Die Ernährungsgrundlage der Bevölkerung!?
    Ich versteh es einfach nicht !
    Und so alt bin ich nun auch noch nicht. 🙂

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    • Thomas Bröcker sagt

      “Kann man nicht einfach die lw. Produktion anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen weiterentwickeln …”

      Das Problem ist, dass inzwischen jede Gruppe ihre eigenen wissenschaftlichen Erkenntnisse hat, oder “erzeugt”. Die Weltuntergangsheulsusen haben mehr Möglichkeiten ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse an den Mann, die Frau zu bringen.
      Es ist einfach eine Frage der grundsätzlichen Standpunkte, die man jeweils einnimmt.

      Wir als Landwirte sehen täglich draußen, wie wenig die Panikmache mit der Realität übereinstimmt. Die mit der Weltrettungsmission unterwegs sind, wollen nach dem “Vorsorgeprinzip alles, aber auch wirklich alles, in Regel, Gesetze und Bestrafungen pressen.

      Was dabei herauskommt, sind solche freudlosen, traurigen Männlein und Weiblein nach der Art eines Karl Lauterbach. Ich jedenfalls möchte mir keine Welt vorstellen, in der ich nur noch von solchen Gestalten umgeben bin und mit Leichenbittermiene zum Tofu-Grillen eingeladen werde.

      Wir hatten gestern Winterschulung Pflanzenschutz: da graust´s einen nur noch. Da sollst du inzwischen Biologe sein und jedes alte und neue Tierchen in seiner kompletten Biologie kennen, das ganze für jedes Tierchen ständig zählen und beobachten und vor allem dokumentieren, damit die in Verwaltung, NGO und Politik dir auf Antrag die Bekämpfung erlauben. Zum Arbeiten kommst du da nicht mehr. Mich packt da nur noch eine ohnmächtige Wut – ein guter Berater ist die allerdings auch nicht.

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    • Arnold Krämer sagt

      “Man fährt ein durchaus halbwegs funktionierendes System voll gegen die Wand um die letzten Prozente raus zu holen”.

      Politik ist in fast allen Bereichen zum Selbstzweck verkommen. Sie versucht entweder Probleme zu lösen, die sie selbst geschaffen hat (Beispiel: aktuelles Düngerecht) oder sie schafft mit der Lösung eines Problems neue Probleme (Beispiel: Kükentöten findet jetzt im Ausland statt und den Tiergärten fehlt das Futter für viele Tierarten).
      Dabei müssen die Politiker den Wahlbürger bei “Laune halten”, denn dem verdankt sie in immer mehr Fällen ihre “berufliche” Existenz. Und da ist den Parteien fast jedes Mittel recht, auch wenn es zu Lasten einzelner gesellschaftlicher Gruppen geht. Und die großen wirtschaftlichen Akteure (z.B. Automobilwirtschaft, Energiewirtschaft) werden mit Steuergeld “ruhig gestellt”.

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      • Thorens sagt

        “Und die großen wirtschaftlichen Akteure (z.B. Automobilwirtschaft, Energiewirtschaft) werden mit Steuergeld “ruhig gestellt”.”

        …, oder ziehen gar die Fäden, unter Hinweis auf Arbeitsplätze, BIP u. dgl.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Tierparks, Zoos, Falkner, Aufzuchtstationen….allen fehlen Eintagsküken. Aber Peta ist froh, dass mit einer Maßnahme eben auch diese unsäglichen Zoos, Tierparks und Falkner vielleicht langfristig ihr tierquälerisches Handeln einstellen….So hat alles auch wieder ein “Gutes”! Und wieder ist ein Pfund Knäckebrot zur Weltrettung an die Front geschafft worden!

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  3. A. Renner sagt

    Die hier kommentieren haben wahrscheinlich Spass an Gartenarbeit. Ich kenne viele, die ihre Gärten mit Kies zu zementiert haben, weil sie eben gar keinen Spass daran haben.
    Die stelle ich mir gerade stundenlang jeden Tag, auch am WE auf dem Acker vor. Dazu kommt: die Leute wollen, weil sie es gewohnt sind, ein reichhaltiges, exotisches Nahrungsangebot. Was im Selbstanbau gar nicht machbar ist. Als Anfänger schonmal Blumenkohl gezogen? Viel Spass … Für mich leben die meisten Menschen hier in einem überzogenen, romantischen Traumland. Ich bin durchaus für Bio und mag keine Äpfel essen, die im Wachstum 27 x gespritzt wurden, aber bei mir darf ein Apfel auch “natürlich” aussehen und nicht blank poliert als käme er Garten Eden. Ich finde es auch furchtbar, wenn Kälber nach drei Tagen von ihren Müttern getrennt werden, aber die Leute sollten erstmal sich selbst und ihr Konsumverhalten reflektieren bevor sie mit erhobenem Zeigefinger auf der Landwirtschaft rumhacken.

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    • Bauer Willi sagt

      @A.Renner
      Auch Bio-Äpfel werden gespritzt. Oft sogar häufiger als “normale” Äpfel. Und wenn wir Milch trinken wollen, müssen Kühe Kälber bekommen. Umso früher sie von der Kuh getrennt werden, umso weniger Stress ist es für Kalb und Kuh. Klingt merkwürdig, ist aber so.

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      • Smarti sagt

        Willi, Jungwölfe bleiben meist zwei, manchmal auch drei Jahre in ihrem Rudel, erst dann “werden sie von den Eltern getrennt”. Hundewelpen werden aber aus ziemlich egoistischen Gründen mit zehn Wochen von der Hündin getrennt, Katzen, Pferde, Kaninchen, Meerschweinchen… alle genauso.
        Positiv bei den Kälbern und Ferkeln ist, sie leben wie in der Natur auch, in Gruppen.

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          • Smarti sagt

            Als “aufgeklärter Homo sapiens muss man sich heutzutage dazu äussern” dass man das trennen von Kuh und Kalb nicht gut heisst. Dass aber gleichzeitig alle “Streichel-Babytierchen” sehr viel früher als in der Natur vorgesehen vom Muttertier getrennt werden hat noch niemand auf dem Schirm. Klar, man macht das, weil die Tierchen so zahm, “wohnungsfreundlich” und “kinderähnlich” werden. Mit Natur hat das ebenso wenig zu tun wie in der Nutztierhaltung. Hunde können in der Natur überleben… streunende Stassenhunde, halbwilde Katzen…. Unsere Milchkühe würden verhungern – sind also meiner Meinung nach sehr viel mehr domestiziert ( Haustier geworden ) als der Hund. So wie mehr als die Hälfte der Hühner nicht mehr brütet, so sieht sich in mehr als der Hälfte der Fälle die Kuh nicht mehr nach dem Kalb um… sie freut sich, wieder in der gewohnten Herde zu sein, die Leidenschaft der Kuh ist: Fressen. Danach hinlegen und Widerkauen.
            Die kuhgebundene Kälberaufzucht wird kommen in Deutschland, da bin ich sicher. Das wird in die Tierhaltungsstufen integriert, ohne dass der Landwirt auch nur einen Cent mehr bekommt.

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          • Smarti sagt

            Ja, Wölfe sind Nutztiere. Sie entfernen aus der Natur die kranken und toten Tiere. Schauen, dass sich andere Räuber nicht zu stark ausbreiten – töten auch mal einen Fuchs oder einen Hund wenn sie ihn erwischen. Was können sie dafür, dass der Mensch das selber machen will ?
            In Portugal werden die wiederangesiedelten Geier lastwagenweise mit Schlachtabfällen gefüttert. Da kann man auch Wölfe gucken.
            Den Schafen werden in dieser Gegend die Beine mit Stricken zusammengebunden, damit sie nicht weglaufen und jede Nacht in den Schuppen gesperrt, zusammen mit dem Hund. Wenn du da mit einem Elektrozaun kommst, wirst du ausgelacht.

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            • evo.... sagt

              Die Wölfe fressen den Rehmamis und den Hasenmamis blöderweise auch mal die Babys weg.

              Das ist dann Natur und nicht menschliches Tun.

            • Inga sagt

              Wer macht die ganze Arbeit`?

              Wie genau verändert der Wolf unsrer Natur
              Was ist mit den die kranken und toten Tieren kin der Natur vorher passiert, bevor der Wolf da war?
              Sind sie von Insekten, Käfer und Würmern gefressen worden?
              Die unserer Biodiversität bereichert haben?

              wo und wie genau schädigt er sie, in dem er Nutztiere von der Weide frisst oder reißt!
              Ist das klein Tierquälerei?

              Von dem wirtschaftlichen Verlust des Halters abgesehen.
              Hoffentlich wird der von unseren Steuergelder entlastet oder bekommt Schadenersatz!

              • Smarti sagt

                Inga, ich möchte bestimmt nicht, dass der Wolf wieder zurückkommt. Wenn ich sehe, was alleine die Wildschweine für Schäden anrichten..
                Jetzt schiessen die Jäger wenigstens noch einige Schweine, bezahlen auch ein Teil der Schäden… was, wenn der Wolf kommt ?
                Lohnt sich da der Einsatz für Jäger noch, wenn keine Rehe und Sikas mehr da sind ? ( die Leben bei einem Rudel Wölfe nicht mehr lange).
                Wirtschaftliche Verlust für Tierhalter: eher gering, bis die Wölfe da sind, gibt es kaum mehr Tierhalter.

      • A. Renner sagt

        Wir haben 5 Äpfelbäume, alles Altobstbestände. Und die sind seit wir hier wohnen, also 16 Jahre noch nie gespritzt worden und tragen fleissig, schöne, essbare Äpfel… ich würde sie durchaus als BIO bezeichnen. Und ich kenne einen Bauern, der seine Kälber nicht so früh trennt und es klappt trotzdem mit der Milch. Ich denke schon, das würde funtkionieren, aber dafür müssten die Menschen ihr Konsumverhalten reflektieren. Achtsamkeit im Umgang mit Nahrungsmitteln -> instinktvolleres Verhalten -> weniger Konsum -> geringerer Bedarf bei fairen Preisen, die dem Bauern nicht zu Massenproduktion zwingen. Man muss einen Yoghurt nicht wegschmeissen, nur weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Ich habe diesen noch 2 Wochen später gegessen, einfach weil ich mich nicht auf ein aufgedrucktes Datum sondern auf mein Sehvermögen und meinen Geruchs- und Geschmackssinn verlassen habe. Das tun in unserer Wegwerfgesellschaft viel zu wenige. Das ist meine bescheidene Laienmeinung, die nicht – das möchte ich hier klarstellen – die Wahrheit für sich beansprucht.

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        • Reinhard Seevers sagt

          “Ich denke schon, das würde funtkionieren, aber dafür müssten die Menschen ihr Konsumverhalten reflektieren. Achtsamkeit im Umgang mit Nahrungsmitteln -> instinktvolleres Verhalten -> weniger Konsum -> geringerer Bedarf bei fairen Preisen, die dem Bauern nicht zu Massenproduktion zwingen.”

          Das ist richtig erklärt….leider ist es etwas schwierig Menschen von einem Weg auf einen anderen zu bringen, ohne Zwang, Indoktrination, ohne Paternalismus oder Diktatur. Vernunft geht auch nur partiell….Geld wäre ein Weg.
          Da gilt ganz einfach der Zusammenhang: je reicher eine Gesellschaft, umso Ressourcenverschwendender, je ärmer, umso umweltschonender…..dann mal los, lasst uns den Wohlstand endlich zu Gunsten der Umwelt und der Rettung des Planeten abschaffen! Wer nicht mitmacht………ist doof.
          Die Vorreiter kämpfen breits auf deutschen Autobahnen und werden von Wohlstandsbürgern brutal weggerissen….😮

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          • Arnold Krämer sagt

            Verhaltensänderungen beim Menschen ist immer auf dreierlei “Gründe” zurückzuführen: Geld, “Peitsche”, Einsicht.
            Frage: Wo ist was angemessen? Die “Peitsche”, sprich Ordnungsrecht wird mehr und mehr Gewicht bekommen, weil das Geld ausgeht und es mit der Einsicht den meisten Politikern und ihren jugendlichen “Einpeitschern” nicht schnell genug geht. Frage dabei aber auch: Wie lässt es sich durchsetzen?

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            • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

              “Geld, “Peitsche”, Einsicht.”

              niemals Einsicht,sondern Emotion!

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                • Reinhard Seevers sagt

                  Stadtmensch, da trifft aufeinander, was öffentlich noch nicht thematisiert ist: der arbeitende Bürger und der Aktivist.
                  Bisher hat die politische Kaste immer die Seite der Aktivisten als notwendig und demokratisch legitimiert, verteidigt. Wenn es aber dazu kommt, dass Bürger, anderen Bürgern Möglichkeit zum Lebensunterhalt und die aktuelle Freiheit nehmen, dann kommt es zu solchen Szenen. Ottawa ist ein weiteres Beispiel….der Wind wird rauher, auch für Gutmenschen.

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                • Ehemaliger Landwirt sagt

                  Der Schlag in das Gesicht ist eine Tätlichkeit, bei den Aktivisten eine Nötigung.
                  Beides sind Straftaten.

              • Peter sagt

                Ja: Als man zur Einsicht kam, dass die Lebensgrundlage im Wald nicht mehr ausreichte, bekann man mit Ackerbau und Viehzucht!

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          • Smarti sagt

            O, o, man stelle sich nur mal vor, wenn diese Aktivist-innen erfahren würden, was mit dem ganzen Gemüse und Obst passiert, das von den Bauern zwar produziert wurde, aber dann vom LEH nicht angenommen wird, weil ein anderer, ( meist ausländischer Produzent ) billiger ist. Was wäre wohl da los, wenn die plötzlich merken würden, dass in der Zeit “vor” der Ladentheke viel mehr beste Ware verkommt als danach ?

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          • Marian E. Finger sagt

            “… je reicher eine Gesellschaft umso Ressourcen verschwendender, je ärmer, umso Umwelt schonender … ”

            Das ist wohl Ironie. Wenn nicht, empfehle ich mal ein paar Reisen in die ärmeren Regionen der Welt.

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        • Thorens sagt

          Gut, Herr Renner. Sie sprechen genau das Problem an bei den Äpfeln. Die am eigenen Baum gewachsenen sind die, die da sind. Die werden auch vom Eigentümer akzeptiert so, wie sie da sind. Er hat halt keine anderen. Und da ist es dann auch nicht schlimm, wenn sie ein wenig fleckig sind, etwas Schorf haben oder ein Wurm sich eingenistet hat. Die unschönen Stellen werden weggeschnitten und alles ist gut.

          Geht derselbe Mensch in den Laden, dann sucht er sich natürlich die schönsten Äpfel aus, die in der Auslage liegen. Warum denn ein makelbehaftetes Exemplar wählen, wenn die tadellosen das gleiche kosten? Und damit der Obstanbauer seine Produkte über den Lebensmittelhandel verkaufen kann, muss er Sorge tragen dafür, dass seine Äpfel dort nicht liegenbleiben. Andernfalls muss er sich im nächsten Jahr einen anderen Abnehmer suchen oder auf seinem Obst sitzenbleiben.

          Yoghurt z.B. ist bei richtiger Lagerung gerne auch 2 Monate über das MHD hinaus noch genießbar.

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        • Bauer Willi sagt

          A. Renner

          Nichts gegen Ihre 5 Obstbäume. Wir haben auch einen großen Garten und versuchen, so weit wie möglich, ohne Pflanzenschutz auszukommen. Dazu gehört aber dann auch, dass man einiges überhaupt nicht ernten braucht, weil es tatsächlich durch Krankheiten oder Schädlinge entweder nichts geworden ist oder ungeniessbar. Oder wollen Sie Grünkohl essen, der voll ist mit Weißer Fliege? (Hätten wir es früh genug gemerkt, hätten wir gespritzt)
          Sie reden von der oben geschilderten Selbstversorgung, die aber Hobby ist. Es gibt immer noch den Supermarkt, in dem jeder alles kaufen kann. Wie es dahingekommen ist, interessiert niemand. Und es interessiert auch niemand, was der, der es hergestellt hat, dafür bezahlt bekommt.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Auch als ehemaliger Wein und Obstbauer hatten wir nur 2 Apfelbäume, ungespritzt, für den Eigenverbrauch, die hälfte der Ernte gab Tafelobst, die andere Saft.
          Innerhalb von 2 Jahren hat der Schorf so zugeschlagen, dass das Laub herunterfiel, Ernte gleich null.
          Warum dies nach 40 Jahren so passierte, wurde ich mal gerne von einem Verbraucherexperten erfahren.
          In unserem Hausgarten wird nur wenig Pflanzenschutz angewendet, weil wir nicht so anspuchsvoll sind, was die äußere Qulalität betrifft. In den letzten 2 Jahren haben die Jungen – bei den Auberginen – der mamorierten Blattwanzen zugeschlagen, innerhalb 2 Tagen waren die Blätter weggefressen.
          Der Natur freien Lauf lassen, dann wären die Tomaten und Gurken auch weg, an die gehen die auch.

          • Reinhard Seevers sagt

            Ehemaliger, wie sagt doch der Martin:

            “Einmal erleben wir, wie Martin einen Großteil des Weißkohls vernichten muss, weil er nach dem vielen Regen zerplatzt ist. Hagelschauer haben auch schon einmal eine ganze Ernte vernichtet, und weil es letztes Jahr sehr trocken war, ist der Kartoffel-Ertrag klein ausgefallen. Martin kann auch das gelassen nehmen. Wenn alles planbar wäre, sagt er, wäre es doch „scheißlangweilig“.

            Damit es nicht so langweilig ist, hat der Herrgott die Schädlinge erfunden…die einen fressen die Nutzpflanzen, die anderen halten den Verkehr durch Sitzblockaden auf…es wird nie langweilig.😎

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    • Bene sagt

      Es werden Kinder in die Kinderkrippe angemeldet die noch gar nicht auf der Welt sind . Es gibt Kinder die die ersten Schritte in der Krippe machen , und nicht vor den Augen der Eltern , aber das macht ja nix .

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  4. Smarti sagt

    Unser Hof könnte in 500 Grundstücke für ebenso viele Personen geteilt werden. Allerdings sind es bei uns nur 15 % Ackerland, der Rest ist Grünland, teils leichte Hanglage, teilweise sehr idyllisch gelegen am schattigen Waldrand. Positiv daran ist, dass es keine FFH-Wiesen sind 🙂 .
    Was ich schon lange richtig krass finde: tatsächlich produzieren wir mehr Lebensmittel. Milch, Fleisch und etwas Hafer für über 600 Personen seit wir Bio sind, vorher das Doppelte.
    Alle diese 600 Leute ( oder deren Zwischenhändler ) bringen es nicht fertig, uns diese Lebensmittel so zu bezahlen, dass wir und unsere Kühe davon leben können. Mist, wie soll man so etwas positiv formulieren für die Werbung :). Vielleicht so: und deshalb leben auf unserem Hof nicht nur glückliche Menschen und glückliche Rindviecher, sondern auch jede Menge glückliche Pferde und Hunde.

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    • Stadtmensch sagt

      Smarti, machs wie jeder vernünftige Mensch im Spätkapitalismus:
      denke einfach nur vom Geld her!

      Hier, alles wird gut. Wir haben Wachstum ohne Ende.
      Waren werden gekauft und Energie wird verbraten.
      Alle sind glücklich, weil eine elektronisch gespeicherte Zahl auf einem Datenträger größer wird (Kontostand).

      https://www.heise.de/hintergrund/Rekord-Abermillionen-Grafikkarten-schuerfen-die-Kryptowaehrung-Ethereum-6351753.html

      Wenn ich bedenke, dass so eine GraKa 500W zieht…
      Also dafür lohnt sich doch PV auf dem Acker!
      Lasst uns noch etwas philosophieren bis zum bitteren Ende.
      Es heißt ja nicht umsonst “Philosophie als erste und letzte Wissenschaft”…

      Ich hab keine Ahnung, wie sie auf das “sapiens” bei “homo sapiens” gekommen sind.

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      • Smarti sagt

        Ich habe damit nur ein Problem: Geld schmeckt mir nicht.
        Was ist ein Kontostand 🙂 . Ich wäre zufrieden mit ner Null… da steht man aber irgendwann drüber… es gibt wirklich Wichtigeres.
        Kryptowährung finde ich einfach nur peinlich…

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      • Marian E. Finger sagt

        “Homo sapiens” ist ein Beispiel für das sog. “Leitbild-Syndrom”. In einem Leitbild steht immer das drin, was wünschenswert wäre und vielleicht einmal (in ferner Zukunft) erreicht werden soll, d.h., dass es in der Zeit, in der das Leitbild gilt, eben noch nicht verwirklicht ist.

        Oder um es mit Karl Valentin zu sagen: “Kunst ist, wenn man es nicht kann, denn wenn man es kann, is es koa Kunst.”

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        • Stadtmensch sagt

          “Leitbild-Syndrom”

          Danke Marian. Ich war kurz etwas zermürbt. Da es nun eine wissenschaftliche Erklärung zu geben scheint, geht’s wieder halbwegs. Zumal, wenn damit bis in ferne Zukunft brotlose Kunst möglich sein wird.

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  5. Das Modell der Verpachtung an “Selbsterzeuger” gibt es doch bereits mit kleinen Parzellen. Ich habe von einer Anlage gehört, die wahrscheinlich lukrativer als ein Solarpark ist: der Bauer besteht auf “nachhaltigem Bio-Saatgut” das nur von ihm bezogen werden darf, er vermietet kleine Maschinen, verkauft Dünger, bio-Pflanzenschutz und Beratung. Die Pächter, die 2x pro Woche mit dem SUV zu ihrem Feld kommen sind glücklich, der Bauer auch.
    Das dabei nichts rauskommt ist nebensächlich – dafür gibt es ja den Supermarkt.

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    • Inga sagt

      Ach, Saatgut gewusst bezahlen
      Nicht einfach so im Pachtpreis drin!?!
      Das macht was aus.

      Vielleicht nach Sorte, denn die haben ja verschiedene Eigenschaften.
      Auch ins Bewusstsein holen.

      Ist da bei den Parzellen ein Grillplatz bei?

    • Ehemaliger Landwirt sagt

      Für mich stellt sich die Frage:
      Wie lange bleiben die Pächter glücklich?
      Die Zahl, die bei der Stange bleiben, wird überschaubar sein.

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    • Smarti sagt

      Herr Nellen, das wird ein Bio-zertifizierter Betrieb sein. Das sind die normalen Vorschriften von BioLand. Wenn die Anbindung an eine Stadt besteht ( wer Bio gärtnern will fährt nicht so gerne lange mit dem Auto ) und wenn ein Landwirt Spass daran hat ist es eine tolle Sache. Reich wird man eher nicht, denn die Leute und der Garten brauchen viel Betreuung.

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    • Smarti sagt

      Mit zweimal pro Woche in den Garten bringen Sie nicht mal einen Kopfsalatsetzling hoch. Geschweige denn irgendwas, was Sie direkt säen… wenn die Sonne scheint heisst es giessen, wenn es regnet die Schnecken kontrollieren. Sonst Aldi.

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  6. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Ein Bauer kann ausschließlich Flächen verpachten an „Do it yourself!“ wenn er auch Eigentümer selbiger ist. Bei etwa 70% hierzulande ist das leider nicht mehr der Fall, Tendenz steigend.

    Nur vage angedacht: Sollte Modell II unsere Zukunft sein und jeder seine Nahrunsmittel selbst erzeugen, bricht ganz schnell die aktuelle Architektur des gigantischen Verwaltungs- und Kontrolleurs-Apparates komplett zusammen; hungernde Beamte in Massen vor unseren bundesweiten Ämtern für Arbeitsvermittlung hätte dies zur Folge. – Hunger gleichzeitig aber das Stichwort schlechthin: Schaffung von NEUEN Arbeitsplätzen demgegenüber massenweise auf dem Acker, auch der hochgelobte „Bleistiftspitzer“ erfährt wieder eine ganz andere Dimension händischer Arbeit. Die Giganten des Ackers auf 2000 qm haben schließlich Pause…

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    • Bauer Willi sagt

      Genau genommen bliebe keine Zeit für andere Arbeit. Man ist ja fast jeden Tag auf dem Acker. Arbeitslosigkeit gäbe es kaum, nur dass die Arbeit nicht bezahlt wird…

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      • unkomplizierter Wurzelwicht sagt

        Man lebt also sprichwörtlich wieder “von der Hand in den Mund” und ist dabei wie die Amish People einfach nur glücklich. 🙂

        Wer braucht dafür schon mein Haus, mein Auto, mein Boot, meine mir stets treu zur Seite stehenden NGOs, mein…

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      • Inga sagt

        Das hieße

        Ja dann,
        90% der Arbeitskraft oder kann man es auch Monatseinkommen benennen für die gesunden selbstgeernteten Nahrungsmittel?

        Da bliebe ja gar keine Zeit mehr einem Hobby nachzugehen?

        (Ne,nee, das können die Bauern machen, die sind ja stark genug und arbeiten gerne umsonst.)

        Das müsste mal der Chem Ö. Mit seinem Gerechtigkeitssinn hören,

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  7. Picard sagt

    Ach ja und noch was: es wird scheitern, an den Bauern. Ich kenne da jemanden, der will 3800qm pachten. Um genau obiges zu versuchen. Der Landbesitzer kündigt dem Gross-Industriebauern die Fläche nicht weil er den Druck des Bauern fürchtet. Wegen der Direktzahlungen akzeptiert der nicht den klitzekleinsten Flächenverlust. Dass die kleine Fläche mittlerweile umzingelt von Bioanbauflächen ist, interessiert ihn nicht. Ein echter Kotzbrocken, und “Ursprungstier” des vielbesprochenen Bauernbashings….

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    • Thomas Bröcker sagt

      Der Grund, warum Eigentümer den Bauern nicht zu Gunsten von “Experimentierern” die Pacht kündigen, ist ein ganz anderer: der Bauer zahlt regelmäßig und seit Jahren zuverlässig seine Pacht !
      Ich habe mit solchen Alternativprojekten zu tun, weil ich immer sage: Lass die doch probieren, das macht das Ganze bunter. Die Vermittlung an die Grundeigentümer zur direkten Verpachtung geht in der Regel schief (auch bei mir liegt die Pachtquote über 50 %)

      SOLAWI: seit 2017= 6 ha : Eigentümer: “Du kannst das gerne auf dein Risiko unterverpachten, ich mache mit denen keinen direkten Pachtvertrag.”
      Ich habe verpachtet, inzwischen sind Die bei 35 ha !

      Permakultur Gemüse: seit 2019 6 ha: Eigentümer: “Mit solchen Kandidaten machen wir keine Pachtverträge. Du kannst für deine Pachtdauer bei uns unterverpachten auf eigenes Risiko”
      Ich habe verpachtet. Dieses alternative Projekt geht gerade den Bach runter!

      Streuobstwiesenprojekt.: Die wollten Streuobstwiesen hinsetzen und das als CO2-compensation an Firmen für “Greenwashing” verkaufen. Mit der tatsächlichen Bewirtschaftung wollen die nichts zu tun haben, nach Ende der bezahlten Entwicklungspflege (5 Jahre) wollen die sich einen “Partner” suchen, der die Pacht übernimmt.
      Die haben sogar von mir keinen Pachtvertrag bekommen – weil, wenn ich schon das spätere Risiko tragen soll, kann ich auch das Kompensationsgeld selbst verdienen.

      Ansonsten dürfen sich immer noch Leute melden, die solche Projekte ausprobieren wollen – Voraussetzung ist eine Vereinbarung zur Input – Output – Datenerfassung.

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      • Bauer Willi sagt

        Am Stadtrand von Köln hat ein Landwirt 4 ha parzelliert. Das Gartenstück von 40 qm wird für 160 €/Jahr verpachtet. Gemüse wird mit einer 8reihigen Rübendrille über den gesamten Schlag eingesät. In jedem Säaggregat eine andere Sorte/Art.
        Abzüglich der grünen Wege bleibt da ganz gut was übrig…

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        • Thorens sagt

          …es braucht aber doch bestimmt auch grüne Parkplätze, deren Fläche ebenfalls abgezogen werden muss.

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      • Stadtmensch sagt

        “Dieses alternative Projekt geht gerade den Bach runter!”

        Oje! Woran liegts? Fallendes Angebot (alles zu Tode kompostiert mit Biodynamik?) oder fallende Nachfrage wegen gestiegener Kosten?

        • Ostbauer sagt

          Mangelnde Grundkenntnis der landwirtschaftlichen Produktion,der
          gesamtheitlichen Betrachtung von der Saat bis zur Vermarktung.
          So einfach die Erklärung!

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          • Stadtmensch sagt

            Hm – da könnte was dran sein. Der Artikel von Kenneth Anders übers Erfahrungswissen der Menschen passt da ganz gut. Steht eben nicht alles in Büchern bzw. alle Theorie ist grau…

            • Ostbauer sagt

              Stadtie, ich glaub, aus Dir könnte ein guter Landwirt werden!(Honig,Honig)
              So viele Gedanken machen sich meine Lehrlinge und manche Angestellten nicht!!!

              • Stadtmensch sagt

                “So viele Gedanken…”

                Naja, bin ja auch sone Art “Stadtbauer” im Null-Erwerb. Und dann die vielen schlauen Leutchen hier… da schaue ich mir gerne an, was die für eine Sicht auf die Gesamtsituation haben.
                Ist eine schöne Abwechslung.

            • Reinhard Seevers sagt

              Eigentlich komisch, dass die Bürger ihre Autos überhaupt noch in Werkstätten geben. Bei YouTube gibt es so viele Anweisungen zur Reparatur.
              Bei Landwirtschaft scheint das anders, das kann plötzlich jeder, und er kann es sogar besser, als ausgebildete Agrarflächendesigner.
              Es muss mit Urinstinkten zu tun haben und mit Urängsten.

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              • Inga sagt

                Das denke ich auch,
                Heute war in hr- Fernsehen eine Sendung über Stress, die könnte erklären, warum die Leute, die auf dem Land groß geworden sind mit Stress besser umgehen können.

                Es würde auch wieder spekuliert, dass das mit dem Schmutz im Stall zu tun haben könnte.

                Aber vielleicht muss man auf dem Land auch öfter mit Urängsten wie z.B. Wald umgehen.

                Und Kühe beißen nicht.

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                • evo.... sagt

                  Auf dem Land sind die Leute länger in die Kirche gegangen. Das war ne ganz gute Massenpsychotherapie.

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          • Thomas Bröcker sagt

            Hätte ich nicht besser zusammenfassen können. Der Kanadier hat 2 Ernten in Unkraut, Insekten und Pilzkrankheiten ersaufen lassen, mit den gleichen Fehlern in beiden Jahren – völlig ahnungslos, aber auch völlig beratungsresistent. Die Bewässerung habe ich noch auf meine Kosten aufgebaut und betrieben – aber Wasser allein machts halt auch nicht. Jetzt iss Geld alle und Holland in Not. Muss das irgendwie noch kostenneutral zu Ende bringen.

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            • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

              “Der Kanadier”

              Nordamerikaner denken in ganz grossen Maßstäben,der US-Amerikaner hier hatte immerhin 40 Jahre durch gehalten,weil er sein bestimmtes Klientel sogar dazu brachte,einen Kredit aufs eigene Haus aufzunehmen,um undefinierbare Projekte zu fördern.
              Förderung aus NRW gabs auch noch dazu.

              • Reinhard Seevers sagt

                ….ich glaube es ist der “Kandidat”, der aufgrund der Autokorrektur zum Kanadier mutierte , oder? 😎

      • Smarti sagt

        Herr Bröcker, haben Sie für so eine Input-Output-Datenerfassung vorbereitete Masken ? Das wäre vielleicht spannend in grösserer Reichweite, jetzt wo langsam der Dünger knapp wird…?

    • Reinerstoff sagt

      Aus welcher Ecke Deutschlands kommen Sie denn, wo ein Verpächter “Angst” vor einem Pächter hat?

      Diese 0,38 ha ergeben ungefähr 100 € an Direktzahlungen für den “Gross-Industriebauern” und viele der größeren Landwirte, zumindest die die ich kenne, wären froh wenn sie solche “Fetzen” nicht mehr extra anfahren müssten, umgeben von Bioflächen schon zweimal. Das sind einfach Anhängsel wenn man ganze Betriebe pachtet.
      Klingt also alles etwas unglaubwürdig.

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  8. Smarti sagt

    Das ist ja alles gut und Recht, aber in Zeiten von Energieknappheit und Klimawandel sollte man unbedingt auch bedenken, dass die erneuerbaren Energien mit berücksichtigt werden. Ob es nun Solaranlage, Biogas oder Windrad sein soll: Geschmacksache ( je nach dem, was Deine Nachbarn tolerieren).
    Wenn Du weiter so Leben willst wie der Durchschnitt der Deutschen-dann musst Du Dein ganzes Land, was Dir zur Verfügung steht, z.B. mit Solaranlagen zustellen… kein Problem, Kartoffeln und Kohl wachsen auch darunter. Ist dann halt etwas mehr Handarbeit.

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  9. Picard sagt

    “Deine” 2000 qm sind ziemlich genau die gleichen 2000qm die laut den vielgescholtenen NGO’s reichen um eine Person (nicht eine Familie) zu ernähren. Es gibt also schon Daten.

    • Reinhard Seevers sagt

      Wenn ich eine Hand auf die heiße Herdplatte und die andere in Eiswasser halte, dann ist die Temperatur im Durchschnitt ok…..😎
      Solche Angaben über qm/Einwohner sagen nichts aus, es sei denn, man möchte damit Polemisieren.
      Ich glaube auch, dass die Diskussion um Selbstversorgung ganz langsam wieder in der Versenkung verschwinden wird. Sie ploppen immer mal wieder auf, wie auch schon in den 70ern.
      Im Moment haben die Bürger laut Umfrage ganz andere Probleme: Inflation und den damit verbundenen Wohlstandsverlust.
      Wenn man natürlich die lauten Minderheiten als Maßstab nehmen möchte, dann ist die Sicht immer eine andere. Heute Klima, morgen Gender, übermorgen Ukraine….
      Die Gesellschaft ist aufgescheucht und verängstigt. Sie kann gar nicht genau sagen, welche Krise gerade die schlimmste und die für sie Beängstigendste ist.
      In den urbanen Zentren werden Initiativen für Quartiersbelebung angeschoben und staatlich unterstützt. Im ländlichen Raum schießen LEADER – Projekte aus dem Boden. Beides Versuche dem Bürger das Gefühl zu geben, dass er etwas ändern und beeinflussen könne. Am Ende steht immer die gleiche Frage: ist das nachhaltig und wer investiert in diese Nachhaltigkeit. Woher kommt die Kohle, wenn keiner Interesse an den Maßnahmen hat?
      Die Landwirtschaft sollte einfach ihr Ding machen aber den Menschen das Gefühl der sicheren, gesunden und dauerhaften Versorgung vermitteln, dann hätte sie die Mehrheit hinter sich und die lauten Schreihälse können parallel ihr Gemüse anbauen.
      Was sie langfristig sowieso wieder aufgeben…..meine Prognose.

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      • Bauer Willi sagt

        Ich denke, dass das mit solchen Artikeln wie diesem hier geht. Weil den Menschen damit bewusst wird, was wir Bauern ihnen an Arbeit abnehmen.

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      • Smarti sagt

        “Die Landwirtschaft sollte einfach ihr Ding machen aber den Menschen das Gefühl der sicheren , gesunden und dauerhaften Versorgung vermitteln, dann hätte sie die Mehrheit hinter sich und die lauten Schreihälse können parallel ihr Gemüse anbauen”.
        Machen “wir” das nicht schon immer ? Und warum werden dann BUND, Peta und Co immer lauter, mächtiger und gieriger. Ist die Zerstörung der Landwirtschaftlichen Betriebe nicht spürbar und sichtbar ?
        Also ich finde die Herdplatte schon recht heiss. Und ich bin kein Schweinebauer.

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        • Reinhard Seevers sagt

          Smarti, du hast mich nicht richtig verstanden.
          Werbung verkauft ausschließlich Positives. Wenn Peta die Tierhaltung in dunkelster Farbe anprangert, dann mit dem Versprechen, sich mit Hilfe von Spenden positiv für die lieben Tierchen einzusetzen = Botschaft positiv.
          Wenn der Ressourcenverschwender und Umweltzerstörer AIDA seine Kreuzfahrten können noch so viele Menschen ökologische Gewissen haben, AIDA verspricht eine positive Zeit auf ihren Schiffen.
          Wenn Landwirtschaft seit Jahren wiederholt von allen Seiten angegangen wird und sich nichts wirklich ändert, dann muss man irgendwann mal den Spieß niederlegen und sich positiv verkaufen….immer, überall, alle.
          Die Mehrzahl der Menschen will in einen lächelnden Spiegel schauen, nicht in einen ihn anfletschenden. Und die Mehrheit weiß, was auf dem Spiel steht, glaub mir. Die nächsten Landtagswahlen werden ziemlich viele wieder runterholen von ihrem Roß.

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          • Smarti sagt

            Reinhard, danke für die gute Erklärung, ja, das hilft mir zu verstehen. Positiv zu denken und sich positiv zu verkaufen ist ja auch viel lebenswerter als kämpfen und immer und immer wieder gegen Mauern zu rennen.

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        • Inga sagt

          BUND, PETA und Co

          sind ja nur so groß geworden, weil sich der größte Teil der Bevölkerung von der Landwirtschaft entfernt hat und sie ihr fremd geworden ist, deswegen kommt bei ihr Misstrauen auf und da helfen BUND, PETA und Co ab.

          Nur anstatt aufklärerisch zu handelt, gehen sie kriegerisch vor und schüren Vorurteile.
          Das muss sich ändern, wie kann man denen die Aufgabe abverlangen aufklärerisch tätig zu sein?

          Und dann können die Leute noch besser entscheiden, nach welchen Kriterien sie kaufen wollen.

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    • Thorens sagt

      Zur Ermittlung der verfügbaren Fläche pro Nase im Land braucht es bestimmt keine NGOs. Auch die Datenermittlung ist fix gemacht, wenn man will.
      16 Mio ha LN im Land geteilt durch 80 Mio Nasen.
      Wenn die NGOs angeben, dass 2.000 qm/Person ausreichen, dann wäre unser theoretischer Selbstversorgungsgrad bei 100 % für die komplette Ernährung, ausgehend von der verfügbaren Gesamtfläche. Davon sind jedoch ca. 30 % Grünland, die Grünland bleiben müssen (Umbruchverbot). Also entweder davon ein Tier ernähren, was gegessen werden soll, oder dort ein Blühwiesenbiotop entstehen lassen, für dessen Existenz zwei Fastentage in der Woche eben drin sein müssen.

      Ich könnte sofort 15 solcher Parzellen zur Pacht anbieten. Die wären in der Eifel, satte 40er Böden und Steine sammeln inclusive. Dafür ist der Pachtpreis Verhandlungssache. Gern nehme ich Angebote entgegen.

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      • Smarti sagt

        Auch wir geben solche Ausprobierparzellen zum gärtnern ab. Wer möchte so richtig mit Mithilfe bei den Tieren, Streuobst etc. Eine treue Seele ist seit Jahren dabei, die Anderen kommen und gehen. Bei den Urlaubskindern kommen sehr viele seit Jahren regelmässig – da ist es teils schon die nächste Generation.
        Natürlich könnten wir uns hier in D zu 100 % selbst versorgen. Land ist genug da, Wasser auch. Das Problem ist, dass der Nahrungsmittelerzeuger seine Arbeit ( und die seiner Angestellten ) nicht angemessen bezahlt kriegt. Lebensmittel anbauen lohnt sich nicht – und wer es doch macht, kriegt eins aufs Dach.

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  10. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Tatsächlich will jemand von mir eine kleine Fläche zur privaten Nutzung pachten,aber die Vorstellungen,was da machbar wäre und was nicht,sind schon enorm.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Auszug aus dem Film:

      “Christianes Hände sind rau und erdig. Sie ist eine anpackende und zupackende Frau. Hauptberuflich außerdem Assistentin der Geschäftsführung in einer Rohrbaufirma. Acht Stunden Tage sind in so einem Leben nicht vorgesehen. Auch geregelte Arbeitszeiten sind Fehlanzeige. Wer einen großen Garten anlegt und bewirtschaften will, der gehorcht den Gesetzen der Natur – bei Regen und Trockenheit. In allen Jahreszeiten. Gegen alle Feinde, die aus dem Boden oder aus der Luft das Selbstgepflanzte angreifen und möglichst natürlich abgewehrt werden sollen. Nicht immer mit Erfolg. Einmal erleben wir, wie Martin einen Großteil des Weißkohls vernichten muss, weil er nach dem vielen Regen zerplatzt ist. Hagelschauer haben auch schon einmal eine ganze Ernte vernichtet, und weil es letztes Jahr sehr trocken war, ist der Kartoffel-Ertrag klein ausgefallen. Martin kann auch das gelassen nehmen. Wenn alles planbar wäre, sagt er, wäre es doch „scheißlangweilig“.
      ……
      Plötzlich krachen Bäume aus dem eigenen Wald aufs Auto, der Flusszulauf ist von fallenden Blättern verstopft, die Wasserrohre sind zugefroren. Und mit drei Kindern und einer Frau, die ganz und gar im Garten aufgeht, kommt die Paarbeziehung auch zu kurz. Und dennoch dürfen wir immer wieder Momente beobachten, wenn Michael, erschöpft von der harten körperlichen Arbeit, die es jeden Tag zu stemmen gilt, verliebt seine Frau mit ihrem Eimer anschaut, der randvoll mit den ersten geernteten Kartoffeln ist. Und auch wenn beide Mist und Mulch auf die Beete bringen, bleibt Zeit für ein Lächeln zueinander, einen flüchtigen Kuss. Für den weitgereisten Familienvater ist das die neue „Quality Time“, Zweisamkeit im Kartoffelacker. Neben dem Full-Time-Job, der den Lebensunterhalt sichert.

      Gerade haben wir erfahren, dass bei der Hochwasser-Katastrophe Saras und Michaels gesamter Permakultur-Garten weggeschwemmt wurde – die beiden tun uns wahnsinnig leid!”

      Echt jetzt? Der Permakulturgarten ist weggeschwemmt? Ja wie ist das möglich? So eine resliente Form der Bewirtschaftung darf, kann nie weggeschwemmt werden…Leute, Leute…..Aldi hat Gott sei dank noch auf!

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