Bauer Willi
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Zukunft Landwirtschaft – Modell 4: Ohne Subventionen

Und wieder ein Modell zur Zukunft der Landwirtschaft. Diesmal eine Annahme, die jeden Landwirten erschrecken wird. Modelle taugen oft nicht für die Realität, sind aber nützlich, um die Auswirkungen theoretisch zu durchdenken.

Wie das gehen kann?

Ab 2025 werden in einem Zeitraum von z.B. 5 Jahren sämtliche Zahlungen jedes Jahr um 20% abgeschmolzen. Damit werden ab 2030 keine Subventionen mehr an alle Bauern in der gesamten EU gezahlt. Gleichzeitig wird die Steuerbelastung für die Bürger Zug um Zug um den dann frei werdenden Betrag gesenkt. Dieses Geld steht dann dem Bürger zusätzlich zur Verfügung und und wird von diesen teils wohl verwendet (werden müssen) um die vermutlich doch um einiges höheren Lebensmittelpreise zu begleichen.

Wie könnte die Reaktion sein?

Nach Bekanntgabe dieser Nachricht werden viele Landwirte europaweit überlegen, ob sie unter diesen Konditionen noch wirtschaftlich arbeiten können. Viele werden zu dem Entschluss kommen, dass dies nicht mehr der Fall ist und werden ihren Betrieb verpachten oder verkaufen. Schlagartig wird es ein großes Angebot an Flächen auf dem Markt geben. Ohne die flächenbezogenen Zahlungen werden sich die Preise entsprechend anpassen und fallen. Kaufen oder pachten werden nur noch diejenigen Betriebe, die niedrigste Stückkosten haben oder eine sehr lukrative Marktnische besetzen. Flächen, die eine niedrige Produktivität (Ertragslage) aufweisen, sind ohne Prämienzahlung nahezu unverkäuflich und werden nicht mehr bewirtschaftet. Dies wirkt sich nicht nur senkend auf das Angebot an Lebensmittel aus sondern ist auch positiv für die Biodiversität.

Derzeit machen die Agrarsubventionen in konventionellen Betrieben statistisch gesehen rund 40% des Betriebsgewinns aus, in ökologisch bewirtschafteten Betrieben etwa 80%. Deshalb wird ein Wegfall der Subventionen die Bio-Betriebe besonders schwer treffen. Ob dann das politische Ziel von 30% Bio zu erreichen ist, darf bezweifelt werden.

Werden Lebensmittel teurer?

Wenn die staatlichen Zahlungen wegfallen, steht zu vermuten, dass die landwirtschaftlichen Produkte in Europa deutlich teurer werden. Denn eigentlich werden mit den Subventionen die Lebensmittel verbilligt. Jedoch ist eine Verteuerung der Lebensmittel keineswegs selbstverständlich. Da die meisten Produkte, die die Landwirte herstellen, unverarbeitete Rohstoffe sind, müssen die Preise, die zur Deckung der Kosten notwendig sind, von der aufnehmenden Hand auch gezahlt werden. Bisher konnte die fehlende Kostendeckung zum Teil durch die Subventionen aufgefangen werden. Werden keine höhere Preise gezahlt, so besteht die realistische Gefahr, dass eine Vielzahl der europäischen Landwirte aufgeben. Ob die Flächen dann ungenutzt brach liegen, von Agrarholdings extensiv bewirtschaftet werden oder für die Energiegewinnung (Photovoltaik, Biogas oder ähnliches)  kann nur vermutet werden.

Es ist aber auch sehr wahrscheinlich, daß eine Vielzahl der dafür geeigneten Flächen von der öffentlichen Hand oder internationalen Investoren als Reserven für künftige Verbauungen (Wohnungen, Häuser, Straßen, Industrie- und Gewerbeflächen) gekauft werden wird. Durch das hohe Flächenangebot und die dadurch fallenden Grundstückspreise wird der Immobiliensektor einen weiteren Aufschwung erleben.  Der für Immobilien nicht dazu brauchbare Rest wird unter klingenden Namen (Naherholungsgebiet, Diversitäts-Erholungsflächen, Natur-Begegnungszonen) verbuschen, versteppen oder verwalden.

Die besondere Situation in Deutschland

Da die Auflagen in Ackerbau und Viehhaltung in Deutschland höher sind als im Rest Europas (asugenommen Schweiz) wird die Entwicklung in Deutschland möglicherweise schneller und ausgeprägter stattfinden.

Übrigens: Was glauben Sie, wohin die meisten Subventionen fließen? Sie werden erstaunt sein: https://www.iwd.de/artikel/subventionen-was-der-staat-am-staerksten-foerdert-379010/?utm_source=nl&utm_medium=email&utm_campaign=kw06-2022&utm_content=staatsausgaben-subventionen-steuern-klimaschutz

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56 Kommentare

  1. Obstbäuerin sagt

    Nachdem ich mir die Theorie der »Peterpyramide« von J.P. Laurence aus dem Jahr 1987 noch mal angesehen habe, komme ich zu dem Schluss, dass die Aufhebung von einmal eingeführten Maßnahmen, ob sinnvoll oder nicht, in komplexen bürokratischen Verwaltungspyramiden kaum mehr möglich ist. »Wenn ein bürokratische Verfahren erst einmal eingeführt worden ist, entfaltet es ein gewaltiges Beharrungsvermögen. Je größer die Bürokratie, desto schwieriger, etwas an ihr zu ändern.« Die Zahlungen von Subventionen beschäftigen Heerscharen von Mitarbeitern in öffentlichen Verwaltungen auf allen Ebenen der europäischen Verwaltungspyramide. Dazu kommen noch die Softwarespezialisten, die sich immer neue Abrechnungs- und Kontrollsysteme einfallen lassen. Spielt da der produzierende Landwirt mit seinen Problemen überhaupt noch eine Rolle?

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  2. Smarti sagt

    Wie Herr Finger weiter unten schreibt, gibt es unter den Berufstätigen ein grosses Problem. Nebst ihren Kindern müssen sie zusätzlich mehr als einem anderen Menschen “den gesamten Lebensunterhalt” mitfinanzieren. Zusätzlich ist absehbar, dass die “Belohnung” – die eigene Rente immer weiter nach hinten verschoben wird und immer kleiner wird.
    Fast alle produzierenden Betriebe haben Nachwuchssorgen, arbeiten lohnt sich für viele nicht mehr. Lieber gehen sie auf Reisen und leben von der Hand in den Mund…
    Oder sie finden eine Stelle beim Staat – und nur um mit einigen dieser Angestellten nichts mehr zu tun haben zu müssen, würde ich Modell 4 wählen. Nützt nur nichts… die wären ja nicht weg…
    Also Modell 5: Den Bekanntheisgrad ( in den Medien ) der Landwirtschaft zu Nutze machen, um dieses “Arbeiterproblem” zu artikulieren. Nicht der Preis des Lebensmittels ist für Geringverdiener das Problem, sondern die viel zu vielen Staatsangestellten, die angestellt sind um viel zu viel zu kontrollieren, sanktionieren, subventionieren…
    Wenn niemand mehr arbeitet ( oder fast nur noch schwarz ) dann ist auch Schluss mit Bio. Als Ziel zum Beispiel: 30 % weniger Lohnausgaben für Staatsangestellte bis 2030.

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    • Thorens sagt

      Bei all dem, was hier im Blog immer so zu lesen ist, der ganzen Überregulierung, die uns lähmt und den Verwaltungsapparat immer mehr zum reinen Selbstzweck verkommen lässt und mit Blick auf die Regierenden hier, in Brüssel und auch in anderen EU-Staaten sowie die Uneinigkeit in dieser EU bei nicht zu erkennenden Perspektiven, denke ich mir immer öfter, macht doch euern Sch… allein. Ich mach nicht mehr mit, schmeiß den Bettel hin und gönne mir noch ein paar angenehme Jahre mit meinen Ersparnissen, bevor ich mir davon nichts mehr kaufen kann. Und wenn sie aufgebraucht sind, dann nehme ich teil am sozialen Auffangsystem. Ehrlich: Ich könnte nur noch speien.

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    • Bauer Fritz sagt

      An dieser Stelle ist es sinnvoll, folgende Grundregeln in der (v.a. öffentlichen) Verwaltung nachzulesen und auf ihre Wirksamkeit im Bereich der agrarischen Verwaltungslinien zu überprüfen:

      A) Das PETER-Prinzip: „In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“

      B) Die PARKINSON-Gesetze:
      1) Das Gesetz des Bürokratiewachstums: „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“ (– und nicht in dem Maß, wie komplex sie tatsächlich ist).
      2) Das Gesetz der Trivialität: „Die auf einen Tagesordnungspunkt verwendete Zeit ist umgekehrt proportional zu den jeweiligen Kosten.“ Inkompetenz in wichtigen Sachfragen wird durch ausführliche Wortmeldungen zu trivialen Punkten kompensiert, wodurch es immer wieder zu verheerenden Fehlentscheidungen und Fehlallokation von Ressourcen komme.
      3) Das Gesetz vom Vakuum: „Die durch menschliches Versagen entstandene Leere wird stets durch neue Tätigkeit wieder ausgefüllt.“

      C) MURPHYs Gesetz: „Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonst wie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genau so machen.“
      Kurzversion: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“

      …… und sie sind erstaunt, daß der Agrarbereich der EU so aussieht, wie er jetzt aussieht ??? 🙂

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  3. Ich bin der Meinung, es würde sich für den ” durchschnittlichen ” Landwirt fast nichts ändern. Subventionen verbilligen die Lebensmittel. Ca. 4 Milliarden Direktzahlungen in Deutschland verbilligen die Lebensmittel im Jahr um 50€ pro Bundesbürger( 4,20€ im Monat), Ernährungssicherheit gibt es gratis dazu. Nach der Agrarreform gibt es eh nur noch 180€ pro Hektar, das entspricht nicht einmal 3 € pro dt Getreide. In den momentan hohen Getreide- und Rapspreisen ist wahrscheinlich die anstehende Agrarreform bereits teilweise mit eingepreist. Wen die Subventionen wegfallen steigen die Weltmarktpreise und evtl. fallen die Pachtpreise. Auch für den normalen Biobauern können die Preise genauso steigen, es würden dann die extrem hohen Gewinnmargen des LEH bei Biolebensmittel etwas sinken müssen. Der Prämienabzocker mit z.B. 1000 Hektar Biogrünland mit ein paar Mutterkühen wird es natürlich schwer haben. Wenn bei uns die Subventionen wegfallen wird dies zu weltweiten Verwerfungen führen. In Nordafrika wird dieLage wegen steigender Preise heigel werden. In Brasilien wird der Regenwald noch besser brennen.

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  4. Thorens sagt

    Subventionsstreichung und Gegenfinanzierung durch Steuersenkung wird nicht funktionieren, denn von Steuersenkung profitiern nur die, die auch Steuern zahlen. Aufgrund der Steuerprogression würde der am meisten entlastet, der es am wenigsten nötig hätte. Sozialschwache hingegen müssten wiederum gefördert werden.

    Die jährlich durch Bund, Länder und Kommunen gezahlten Sozialleistungen steigen munter weiter und erreichten 2020 den Wert von knapp 1,2 Billionen €. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/sozialstaat-sozialausgaben-durch-corona-auf-hoechststand-17415640.html

    Vor Corona lag der Wert bei knapp 1,0 Billionen €. Das macht, ausgehend von den Zahlen 2020, je Bundesbürger und Jahr 15.000 €. Vom Kleinkind bis zum Greis. Soweit ich weiß, sind darin die gesetzlichen Renten enthalten. Beamtenpensionen werden aus dem aktuellen Steueraufkommen gezahlt und sind demnach nicht enthalten.

    Die Allermeisten, die dafür sorgen, dass das Geld auch zur Verfügung steht, haben wenig bis nichts von dem Segen, solange sie einzahlen. Das Ganze wird von einem kaum zu überschauenden Verwaltungsapparat mit ungezählten, im eigentlichen Sinn nicht produktiven und öffentlich finanzierten Mitarbeitern betreut, die dafür aus dem Steueraufkommen entlohnt werden.

    Wenn man sich diese Situation so anschaut, dann kann man sich fragen, ob ein Bürgergeld oder vielleicht ein bedingungsloses Grundeinkommen nicht doch einer näheren Betrachtung bedürfen. Immerhin stünden rechnerisch einem jeden Bundesbürger rund 1.200 €/Monat zu, gemessen an den Sozialausgaben 2020. Und zwar auch denen, die das System am Laufen halten. Wem das z.B. für das tägliche Leben nicht ausreicht, der muss sich um Verdienst bemühen. Wem das für die Rente nicht ausreicht, der muss sich beizeiten um eine zweite “Säule” kümmern. Schon aufgrund der vielen freiwerdenden Arbeitsplätze in der öffentlichen Verwaltung würde der Staatshaushalt vermutlich enorm entlastet werden können.

    Wenn wir schon von Subventionsabbau sprechen, dann aber doch bitte umfassend.

    Aber vermutlich ist auch dieses Brett viel zu dick, als dass sich potentiell Bohrende in der Politikszene finden ließen, die da mal Hand anlegen wollen. Da arbeitet man sich doch lieber an Themen ab, wo man möglichst niemandem auf die Füße steigt und falls doch, dann sollte es möglichst eine für den nächsten Wahlausgang eher unbedeutende Gruppe sein, wie z.B. die Landwirtschaft.

    In diesem Zusammenhang fällt mir auch noch das Thema “Gendern” ein. Bevor wir damit unsere Sprache immer schwerer verständlich machen, schlage ich vor, künftig Englisch als Landessprache einzuführen. Dort kennt man nämlich keine männlich oder weibliche Form, es gibt lediglich einen einzigen Artikel. Wenn das keine geschlechtsneutrale Sprache ist. Immerhin wir das ja auch in Brüssel so zelebriert, obwohl Deutsch die Muttersprache der größten Gruppe der EU-Bewohner ist.

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    • “Subventionsstreichung und Gegenfinanzierung durch Steuersenkung wird nicht funktionieren, denn von Steuersenkung profitiern nur die, die auch Steuern zahlen. ”

      Also profitiert jeder. Ich würde jedenfalls die Umsatzsteuer/MwSt nicht gerade als nichts bezeichnen.
      Ich fürchte, dir sind einige Begriffe nicht klar. Daher ist auch die Berechnung des möglichen Grundeinkommens anhand des Sozialbudgets nicht richtig . Der Staat hat dieses Geld gar nicht ! Die Steuereinnahmen 2020 betrugen doch “nur ” rund 740 Mrd.
      Und auch sonst ist da gedanklich einiges nicht stimmig. Wenn etwa der Staat den Zuschuss zur Rente anderweitig ausgibt – etwa für ein BGE- dann ist es eben weg, aber die Lücke besteht weiter.

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      • Thorens sagt

        Mag sein, dass da Einiges nicht stimmig ist. Ich bin ja auch kein Volkswirtschaftler, sondern lediglich ein einfacher Bürger, der sich aber Gedanken dazu erlaubt und diese auch formuliert. Selbst in ungünstigem Fall kann ich aus der Diskussion vielleicht einen Erkenntnisgewinn davontragen.

        Das mit der Umsatzsteuer mag so lange funktionieren, wie die Preissteigerung den aktuellen USt.-Satz nicht übersteigt.

        Das Steueraufkommen mag bei 740 Mrd. liegen. Bei den Sozialausgaben sind aber auch Rentenzahlungen und Zahlungen aus den Krankenversicherungen enthalten. Müssten da nicht konsequenterweise die Beiträge dafür hinzugerechnet werden? Begehe ich einen Denkfehler?

        Mir ist nicht bekannt, wie hoch die staatlichen Zuschüsse für die Rente jährlich ausfallen. Ich weiß aber, wie viel ich in die staatl. Rentenversicherung eingezahlt habe und auch, wie viel in meiner Angestelltenzeit der jeweilige Arbeitgeber auf dasselbe Konto eingezahlt hat. Ja, ich weiß: Generationenvertrag und so. Jedenfalls müsste ich etwa 87 Jahre alt werden, um auch nur das in Summe ausgezahlt zu bekommen, was beide Seiten eingezahlt haben und zwar ohne Berücksichtigung der Rentenbesteuerung. Meine statistisch aktuelle Lebenserwartung endet etwa 7 Jahre vorher. Wo muss denn der Staat da zuschießen? Und wenn doch, dann hat der Staat doch offenbar auch bereits vorher eingezahlte Gelder anderweitig ausgegeben, womit sie ebenfalls weg sind. Die Lage scheint sich immer mehr zuzuspitzen. Eine zielführende und grundlegende Reform des Rentensystems scheint aber nach wie vor niemanden zu interessieren.

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        • Thorens, der Staat kann nur Geld ausgeben, das er auch hat. Und er kann es nur einmal ausgeben. Das klingt jetzt vielleicht etwas ulkig, aber so manchem Politiker scheint das nicht klar zu sein. Und die Haupteinnahmequelle sind unsere Steuern. Dabei ist die Lohnsteuer ein großer Posten, klar, aber eben auch die Mehrwertsteuer und weitere Verbrauchsteuern, die eben jeder von uns zahlt.
          Wenn wir jetzt mal nur den Bundeshaushalt betrachten , stehen da Steuereinnahmen von knapp 290 Mrd. Größter Posten ist die Lohnsteuer, dicht gefolgt von der Umsatzsteuer. Für gedankliche Spiele zu einem BGE stünde dieses Geld theoretisch zur Verfügung und wäre dann “weg”. Keine weiteren Leistungen vom Bund!!
          Beiträge zu Sozialversicherungen hingegen stehen dafür nicht zur Verfügung. Dann würde sie doch den Sozialkassen fehlen.
          Die Graphik aus der FAZ zeigt etwas ganz anderes. Nämlich Geld , das aus ganz verschiedenen Quellen – z. B auch von Unternehmen- in Bereiche fließt, die wir im weitesten Sinn als “Sozialbereich” bezeichnen . Dabei sind etwa auch Beamtenpensionen. Die kannst du natürlich nicht nochmal verteilen.
          Diese Zahlen sind daher auch nicht identisch mit dem, was im Bundeshaushalt als Ausgaben des Arbeits- und Sozialministeriums ausgewiesen wird ( etwa 164 Mrd)

          Also deine Rechnung , was angeblich für ein BGE zur Verfügung stehen würde , stimmt schon mathematisch nicht. Verhaltensänderungen kämen dann noch on top,

          Der Staat zahlt mittlerweile mehr als 100 Mrd jedes Jahr als Zuschuss an die Rentenkasse. Eben weil der Generationenvertrag, also das Umlageverfahren , nicht mehr funktioniert. Das wird auch nicht besser, wenn alle in nur eine Rentenkasse einzahlen würden. Da gebe ich dir vollkommen recht, da ist ein grundlegende Reform zwingend notwendig. Und seit Jahrzehnten überfällig,, ist ja keine neue Entwicklung.

          • Thorens sagt

            Danke!

            Zwar bin ich kein Politiker, doch auch mir ist nach wie vor Einiges nicht ganz klar. So ist der Bund ja nicht der Einzige, der Sozialleistungen zahlt. Länder und Kommunen sind doch ebenfalls beteiligt. Deren Budgets finden sich nicht im Bundesetat.

            Die Härtefälle einmal ausgenommen, würden die Sozialkassen doch gar nicht mehr in Anspruch genommen, wenn jeder ein BGE erhält. Dto. bei der Rentenversicherung. Mit diesem BGE wäre die öffentliche Hand zumindest weitestgehend raus aus der finanziellen sozialen Verantwortung für den Einzelnen. Natürlich müssten weiter Beiträge eingezahlt werden. Woher käme das Geld sonst? Auch Beamte sollten sich in gleicher Weise beteiligen müssen, denn auch ihnen stünde das BGE zu. Beamtenpensionen wären damit aber obsolet. Wer mehr Rente will, muss eben zusätzlich privat vorsorgen.

            Seit zwanzig Jahren schon bekommt der brave Bürger zu hören, dass die Rente nicht sicher ist und er doch besser auch privat vorsorgt. Diejenigen, die unter SPD-Schröder Riester und Rürupp auf den Leim gegangen sind, stellen heute fest, dass das Ganze lediglich der Versicherungswirtschaft und deren Anteilseignern gedient hat. Und wir machen einfach immer so weiter?

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        • Marian E. Finger sagt

          1980 bestand die deutsche Bevölkerung aus 63 Mio. unter 60jährigen und etwa 15 Mio. über 60jährigen. 2020 waren es 59 Mio. unter 60jährige und 24 Mio. über 60jährige. Die Zahl der über 80jährigen ist allein in den vergangenen vier Jahren um eine runde Million angewachsen.

          Von den Wahlberechtigten im vergangenen Herbst standen 45% in Arbeitsverhältnissen und 55% lebten von staatlicher oder sonstiger Unterstützung, Rente, Sozialhilfe, Bafög wie auch immer. Das heißt, grob gesagt, ein Arbeitnehmer/Selbständiger muss bereits heute, abgesehen von seinen minderjährigen Kindern, zusätzlich eine weitere Person mitfinanzieren. Das überfordert diejenigen, die im Berufsleben stehen, also die 25 bis 65jährigen. Und es ist auch ungerecht, denn die die jetzt in Rente sind, waren zu dritt oder gar zu viert, wenn es darum ging, eine zusätzliche Person mitzufinanzieren.

          In den nächsten Jahren wird sich diese Situation weiter zuspitzen, denn in den nächsten 7 oder 8 Jahren gehen ja die berüchtigten Babyboomer in den Ruhestand.

          Für die Generation, die jetzt gerade ins Berufsleben eintritt, lohnt es sich überhaupt nicht mehr, Karriere zu machen, weil sie zuwenig für sich selbst behalten dürfen. Es sei denn, sie sind beim Staat angestellt, was ja auch ein guter Prozentsatz der Schulabgänger anstrebt, womit sie aber auch dem Steuerzahler auf der Tasche liegen.

          Die Anderen machen lieber Reise- oder Selbstversorger- oder Tiny-House-Blogs, bringen ihren Altersgenossen also bei, wie man sich abseits des Generationenvertrags durchschlägt. Verdenken kann ihnen das niemand.

          Da bin ich auch gespannt, wie mit diesem Problem weiter verfahren wird. Bislang wird es ja hauptsächlich verdrängt, aber das dürfte nicht mehr lange funktionieren.

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          • Thorens sagt

            Man beschäftigt sich eben lieber mit Nebenkriegsschauplätzen, die aus dem Ärmel gezogen werden, wie z.B. der Landwirtschaft, um Tatendrang vorzugaukeln. Denn das eigentliche Problem wird ja erst eine Generation später wirklich brisant. Bis dahin wird sich durchlaviert so gut es eben geht und wenn es soweit ist, sind andere verantwortlich.

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      • Die gesparten Steuern werden in den individuell interessanteren Konsum verschwendet, als in Nahrungsmttel.

  5. In diesem Blog wurden nun 4 Modelle zur Zukunft der Landwirtschaft vorgestellt. Alle Modelle haben mehr oder weniger stark ausgeprägte Schwächen, die allesamt nicht akzeptabel sind und daher abzulehnen sind. das Problem dieser Modelle ist, dass sie polarisieren von “voll Öko” bis “voll Marktradikal”. Was wir dringend brauchen, ist ein Modell der Vernunft!! Daran sollten wir uns machen!

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    • Bauer Willi sagt

      @Mark
      Du hast den Auftrag! Du schreibst jetzt das “Modell der Vernunft”. Wenn das für alle akzeptabel ist, wählen wir Dich zum Landwirtschaftsminister. 🙂

      Ich habe mehrfach betont, dass es Modelle sind, die so nicht praxistauglich sind. Sie polarisieren nicht, sondern sollen bewusst 100% einer möglichen Richtung darstellen, damit man Stärken und Schwächen besser erkennt.

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    • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

      “Was wir dringend brauchen, ist ein Modell der Vernunft!!”

      wie denn,wenn nur noch Emotionen das Tagesgeschehen beherrschen??

      Heute wurde mal wieder die wirklich gut sichtbare Gelbe Tonne bei mir stehen gelassen.
      Ich melde das sofort per mail an die Gemeinde und den Abfallentsorger,
      wenn ich Glück habe, wird das schnell erledigt,es kann auch länger dauern,je nach Tagesform.

  6. Klemens Minn sagt

    das Modell 4 ist eine Illusion. Kein Staat verzichtet freiwillig auf Steuern. Man sollte eine Alternative zu 4 diskutieren: Statt Subvention an Landwirte bedingungsloses Grundeinkommen für 30 bis 40 % der Menschen mit den heute niedrigsten Einkommen.

    • Smarti sagt

      Herr Minn, 12 Euro Mindestlohn kommt noch dieses Jahr für ungelernte Kräfte. Verdienen Kita – und Pflegefachleute viel mehr ? Da würden sich aber viele Angestellte sehr gut überlegen, ob sie statt teurer Wohnung oder langem Arbeitsweg nicht gleich Grundeinkommen beantragen und glücklich und zufrieden auf dem Land leben.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Das BGE (Bedingungslose Grundeinkommen wird nicht kommen. Das Gutachten des Wirtschaftsbeirates des Finanzministeriums hat letztes Jahr geschrieben, Auszug:….”

      Die Finanzierungsprobleme sprechen aus
      Sicht des Beirats eindeutig gegen die Einführung eines BGE. Der Verzicht, Sozialleistungen von einer durch staatliche Institutionen
      zu überprüfenden Bedürftigkeit abhängig
      zu machen, führt nicht nur zu substantiellen
      Steuererhöhungen. Es wird in der Quintessenz zudem dazu führen, dass die Kontrolle
      derjenigen, die mit ihren Arbeitseinkommen
      das BGE finanzieren, massiv ausgedehnt werden muss. Höhere Steuern lassen eine Auswanderung vieler Leistungsträger erwarten
      und erschweren damit die Finanzierbarkeit …”

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      • Thorens sagt

        Nun, das Milchmädchen in mir sieht das anders (s.o.). Dei Notwendigkeit zur Steuererhöhung kann ich nicht erkennen, im Gegenteil, es würden deutlich weniger Beschäftigte zur Kontrolle gebraucht, was die Finazen entlasten würde. Und bitte, diejenigen, die mit ihrem Arbeitseinkommen das BGE finanzieren swürden, sind doch dieselben, die mit ihrem Arbeitseinkommen das heutige Steueraufkommen, ebenfalls kontrolliert, finanzieren. Was, außer dem Namen des Kindes, würde sich ändern? Das bekäme ich gern einmal erklärt.

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          • Thorens sagt

            Ich habe jetzt mal ein bisschen quergelesen darin.

            Natürlich müsste dem eine Reformierung des Renten- und Krankenversicherungssystems vorausgehen. Es wäre eine Generationenaufgabe und bestimmt nicht in einer Legislatur zu schaffen. Bei der Rentenbesteuerung hat man aber doch einen Weg gefunden, diese schrittweise über viele Jahre einzuführen. Warum soll so etwas nicht auch für andere Bereiche machbar sein? Nur noch eine einzige Krankenversicherung und Pflichtmitgliedschaft für jeden Einkommensbezieher. Pflichtmitgliedschaft in der gesetzl. Rentenversicherung für jeden Einkunftsbezieher. Das wäre doch schon mal ein Anfang.

            Wenn wir hier schon über den Abbau von Förderungen sprechen, sollten dann nicht auch aufgeblähte und wenig effiziente Strukturen in den Sozialsystemen beleuchtet und die je nach Berufsgruppe heute möglichen Ausnahmen hinterfragt werden? Immer mehr renditeorientierte Unternehmen erzielen ihre Erlöse aus diesen Sozialtöpfen (Krankenhausgesellschaften, Pflegeeinrichtungen). Kann das der richtige Weg sein?

            Mit diesem Gutachten sagt man meiner Ansicht nur aus, dass es keine Bereitschaft dazu gibt, alte Zöpfe mal zur Disposition zu stellen.

            • Reinhard Seevers sagt

              Aus der Sicht der Bezieher ist alles ganz toll….es müssen aber auch die Einzahler mitspielen. Wenn das Grundeinkommen nicht mehr aus den Einnahmen gezahlt werden kann, weil die Wirtschaft es nicht hergibt, was dann? Oder wenn der Einzahler meint, weniger zahlen zu müssen?
              Alle Erwartungen und Hoffnungen in der Weltrettung, wie auch beim Grundeinkommen gehen immer von einer Mehrheit “guter Menschen ” aus….das ist eben ein Fehler und deshalb wird weder die Welt gerettet, noch das Grundeinkommen- kommen, so sehe ich das.

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              • Thorens sagt

                Ob es ein Grundeinkommen geben wird oder nicht, wird sich weisen. Und die Welt wird damit sicher auch nicht gerettet.

                Andererseits gibt es schon heute diejenigen, die sich bewusst nicht mehr am Gemeinwesen beteiligen und ihr Auskommen ausschließlich mit den Segnungen des Sozialstaats finden. Dabei spreche ich nicht von Härtefällen, die natürlich vom System aufgefangen werden müssen.

                Eine kleine Geschichte aus meinem früheren Leben:
                Ich war schon selbstständig und musste aber aufgrund geänderter lebensumstände vorübergehend eine Mietwohnung bewohnen. Mein Nachbar, alleinerziehend mit seinem Sohn, hatte mir in einem Gespräch sein Unverständis darüber zum Ausdruck gebracht, wie man nur jeden Morgen so früh schon mit dem Tagwerk beginnen könne. Wohingegen er sich täglich, nachdem der Sohn das Haus in Richtung Schule verlassen hatte, wieder ins Bett legte. Er könne ja nicht arbeiten, denn wer würde sich dann um den Kleinen kümmern. Für Lebensunterhalt, Dach überm Kopf, das Auto und den vorhandenen Kampfhund kamen ja andere auf. Einige Zeit später erfuhr ich, dass die Mutter des Sohnes, seine “Ex”, wie er sagte, es in separater Wohnung und zusammen mit der gemeinsamen Tochter, genauso praktizierte.

                Ein Einzelfall? Diejenigen, die sich aus freien Stücken nicht am Gemeinwesen beteiligen, haben wir also heute auch schon. Zumindest ist das mein ganz persönlicher Eindruck.

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                • Reinhard Seevers sagt

                  “Diejenigen, die sich aus freien Stücken nicht am Gemeinwesen beteiligen, haben wir also heute auch schon.”

                  Eben. Und deshalb glaube ich auch nicht, dass der “Kapitalerwirtschaftende” zusätzlich bereit sein wird, weitere Personen, die sich eine derartige Lebensform durchaus vorstellen können, auch noch zu finanzieren.😉

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                • Thorens sagt

                  Mir ist bekannt, dass solche Modelle bereits auprobiert wurden und auch, dass sie gescheitert sind. Ich weiß aktuell nicht, woran.

                  Der Kapitalerwitschaftende würde ebenfalls partizipieren, weil ein BGE jedem zustünde. Warum sollte sich seine Einstellung ändern, wenn seine Belastung insgesamt dadurch nicht größer würde? In deiner Annahme gehst du davon aus, dass sich mehr als heute in die Hängematte legen. Das kann man zwar vermuten, ist aber nicht erwiesen.

        • Thorens sagt

          Außerdem geht man in dem Gutachten anscheinend von vornherein davon aus, dass es sich beim BGE um eine Sozialleistung handelt. Wenn diese Zahlungen aber, wie es der Begriff schon sagt, tatsächlich bedingungslos im Wortsinn sind, erübrigt sich dann nicht jedwede Kontrolle? Ist eine bedingungslose Leistung, die jedem Bürger zusteht, eine Sozialleistung? Was wäre da noch zu kontrollieren?

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            • Thorens sagt

              Nur, um das klarzustellen: Ich gehöre nicht zu denen, die ein BGE fordern. Aber man wird ja wohl noch darüber diskutieren dürfen.

              Es zahlen dieselben ein, wie heute auch. Denn so, wie heute auch, wird sich nicht ein jeder ausschließlich mit dem zufrieden geben, was die Zahlung eines BGE hergibt, wenn es auch ausreichen müsste, den Grundbedarf abzusichern. Ich denke nicht, dass durch ein BGE das Leistungsprinzip nicht mehr stattfände.

      • Hans Gresshöner,Landwirt sagt

        Zuwanderung ist auch ein Problem,weil wir nämlich nicht alle finanzieren werden können,nüchtern betrachtet.

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        • Darüber habe ich mir auch schon oft Gedanken gemacht.
          Aber die Zuwanderer konsumieren ja auch.
          Das tut unserer Volkswirtschaft gut.
          Es geht nur um Ressourcen.
          Die müssten dann wieder eingeführr werden.

            • Reinhard Seevers sagt

              Alles und jeder wird auf “Geld” reduziert. Jeder ist dem Kapitalismus unterworfen. Man könnte auch über Gerechtigkeit, gerechte Verteilung, Eigentum, Besitz, Bildung, Wohlstand usw. diskutieren.
              Der Wohlhabende will seinen Wohlstand behalten, der Arme möchte daran teilhaben. Je nachdem an welchem Ort der Erde man geboren wird oder wurde, wird man zum “Armen” oder zum “Reichen”. Das hört nicht auf, es wird sogar noch schlimmer…..aber immer ist das Geld der Treibstoff für Angst, Hass und Gewalt.
              Und der “Reiche” fühlt sich sogar noch als Heiliger und Menschenfreund, wenn er dem Armen zugesteht, von seinen Krumen zu kosten.

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              • Thomas Bröcker sagt

                Ich hasse besonders diese widerliche “Charity-Mentalität”, den modernen Ablasshandel, der mit dieser Macht und Gelverteilung verbunden ist.

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    • Picard sagt

      Doch, es gibt da Staaten, die sind dazu verurteilt worden, den dort ansässigen Global Players ihre Steuern abzunehmen die sie nicht wollten. Für den Laien und kleinen Steuerzahler absolut unverständlich.

  7. evo.... sagt

    Ich träume immer noch von Marken in Bauernhand. Im letzten Blog habe ich von Rohmilch direkt von Bauernhöfen geschrieben.
    Da könnte man doch ne Marke machen und eine Zentrale betreiben, die sich um das Management kümmert.
    Die Milchbauern benutzen die Marke im Franchise-System (wie z.B. McDonalds, Rewe, Subway,..) . Dann kann man auch überregional Werbung machen.

    Gibt es noch einen Hersteller von Melktechnik in Deutschland? Für die wäre das auch interessant und vielleicht würde da einer mal Geld und Hirnschmalz investieren. Oder vielleicht würde sich auch eine Genossenschaft an der Entwicklung beteiligen. Weiß da jemand von potentiellen Interessenten?

    Als Zukunftsthema bezüglich Ernährung erwarte ich die Genforschung. Die Leute unterscheiden sich optisch und sie werden sich auch in ihren Verdauungs-/Stoffwechselgenen unterscheiden.

    • Reinhard Seevers sagt

      Die Rohmilchvermarktung ist ein tot geborenes Kind. Die Deklarierung, die Verpackung, die Haltbarkeit, Ehec, ….haben wir doch schon vor 25 Jahren in Schulen probiert.
      Der Hausmeister war das Problem, der musste die Sauerei immer wegmachen, die Anlage instandhalten etc.
      Milch ist ein viel zu kleines Segment, und bei Rohmilch mit viel zu viel Risiko und Aufwand verbunden. Das kannste inne Tonne kloppen.

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      • Smarti sagt

        Das sehe ich auch so, das Risiko ist viel zu hoch – ein Kind mit Bauchschmerzen und du stehst mit einem Bein im Gefängnis.

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      • Schmeckt gut sagt

        Ist es in anderen Bereichen besser? Die Kennzeichnung, Auflagen zur Verarbeitung, zur Hygiene, allein zu den Verarbeitungsräumen und -anlagen sind so hoch, dass ein Einstieg der Bauern in die Verarbeitungsstufen über der Urproduktion sehr genau überlegt werden muß. Dazu gehört ein 365/7/24 Betrieb und eine straffe, kostengünstige Logistik. Einzelbeispiele, die dies erfolgreich machen gibt es. Aber noch mehr scheitern. Es beginnt mit einer umfassenden und zielgenauen Ausbildung.

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  8. Thomas Bröcker sagt

    Die Bewertung “geringe Ertragsfähigkeit” kann man ganz grob auf 1/3 der Flächen anwenden.
    Problematisch ist die ungleichmäßige Verteilung in der Republik und auch in den Ländern und erst recht auf den Einzelbetrieb heruntergebrochen. Besondres extrem dürften die Auswirkungen im Nordosten der Republik sein, wo schon die Einschränkungen in der Düngung und der geringe Tierbesatz die “Wertschöpfung” teilweise NUR über die Subventionen erzielt wird. Die alten und neuen Barone werden mit ihren Beziehungen nach Brüssel ein Szenario ohne flächenbezogene Förderung zu verhindern wissen.
    Hier bei uns im Nordosten werden dann alle Flächen mit Tongehalten unter 7 % aus der Bewirtschaftung fallen. Das ergibt einen Flickenteppich an Nutzung mit dem Potential der Massenvermehrung von Schädlingen in den stillgelegten Bereichen. Bei mir im Betrieb ist die aktuelle Maikäferplage nachweislich aus einer großen Brachfläche im 2.000 ha Nachbarbetrieb heraus entstanden (die Fläche liegt seit 1990 brach und wird durch jährliches Mähen Strauchfrei gehalten).

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    • Picard sagt

      Zahlungen für Flächenstillegungen oder ähnliches sind keine Subventionen. Jedenfalls nicht, wenn Verträge auf Augenhöhe mit der Landwirtschaft ausgehandelt werden.

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  9. Smarti sagt

    Wie hier schon oft geschrieben wurde, müssten ALLE Subventionen gestrichen werden. Kurzarbeitergeld, Corona-Hilfen, Förderungen für Elektrofahrzeuge und Häuslebauer.
    Es würde nur den Mittelstand noch stärker belasten als bisher. Die Reichen trifft es nicht und die Ärmeren werden noch mehr “subventioniert”, vorausgesetzt, sie haben die Kraft und Ausdauer, die Hilfen auch einzufordern.

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  10. Ludwig sagt

    Der deutsche Sonderweg macht alles was Produktion ist zu teuer und damit sind wir nicht mehr wettbewerbsfähig. Alles drängt in die öffentliche Verwaltung , aber erarbeitet wird es von den Leuten draußen in der Produktion die dann immer mehr gegängelt werden. Globalisierung und Just in Time geht dem Ende entgegen und damit geht das Geschäftmodell Deutschlands dem Ende entgegen. Vorratshaltung und mehr selber herstellen ist angesagt. Dazu muß der Standort wettbewersfähiger werden. Alle Ausgaben in der Öffentlichen Verwaltungen müßen auf den Prüfstand mit dem Ziel die Staatsquote zu senken und zwar wettbewerbsfähig in den Bereich von 30% , statt der bisherigen über 50%. Ebenso muß der Bürokratieaufwand in den Betrieben radikal sinken. Lt. Fachleuten beträgt der in der Volkswirtschaft hier rd. 20%. Unter diesen Bedingungen brauchte die hiesige Landwirtschaft keine Subventionen , denn letztlich geht es immer nur um Umverteilung. Mit immer mehr Staatswirtschaft wird unser Wohlstand immer schlechter.
    Vertragsfreiheit und mehr private Initiative sind der Schlüssel zum Erfolg. Ludwig Ehrhard läst grüßen , aber Herr Habeck beerdigt jetzt endgültig die Soziale Marktwirtschaft.

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  11. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Eine Gedankenwelt, die so etwas unrund daherkommt, für meine Begriffe:

    Ein Jahr „Miese“ kann ein Bauer noch verkraften, danach ist wohl bei den meisten Schluss. – LandWIRTSCHAFT – es existiert ein durchaus legitim reelles Bestreben, innerhalb dieses Sektors prinzipiell Geld verdienen zu wollen/müssen. Jeder der auf seinen Äckern, in seinen Ställen, kein positives Betriebsergebnis erwirtschaften kann, wird über kurz- oder lang aufgeben müssen. Sobald die Eigenmittel aufgebraucht sind, wird‘s von heute auf morgen schwierig bis unmöglich, Geld beizuschaffen. Wer investiert schon sehenden Auges in einen solchen maroden Betrieb!?

    Finanzholdings wollen auch nichts anderes, als ganz profan Geld auf der Fläche zu verdienen. Wenn‘s dem Bauer nicht mehr gelingt, sind diese „Profis“ die besseren Bewirtschafter!? Sie leben das Motto wie bei der Hochzeit zu Kana, wie unsere Vögel des Himmels…? – Nun, in der heutigen Zeit wird das wohl eher nicht funktionieren.

    Wie komplex heute Immobilienbesitz in Deutschland ist, wird ab Sommer 2022 die in 2025 angestrebte Grundsteuerreform zutage fördern, ein Datenwust, der heute schon berechtigt lautes Stöhnen in vielen Schreibzimmern initiiert. ZUSÄTZLICH(!) überbordende Sammelwut von Daten mit deren Eigentumsverhältnissen en détail…, neben dem eigentlichen Tagesgeschäft.

    Gibt‘s übrigens keine Prämien mehr für die Bauern, muss dieser welchen Kostenblock sofort abschmelzen, wenn er selbst als Bewirtschafter ansonsten kein Geld mehr verdient!?… Sind nicht auch sehr viele Entscheidungsträger hiervon sofort negativ tangiert!? Ob sich diese tatsächlich damit ihre Wurst vom Brot rauben lassen, ohne selbst nur einen Finger krümmen zu müssen!?

    Eine in Zukunft überdimensional zwingend notwendige Wertschöpfung auf der Fläche findet vorstehend argumentativ leider nicht entsprechendes Gewicht:

    Hierzu nur ein hochaktueller Hinweise mit zwei brisanten Zahlen: In Bayern werden derzeit etwa 85 Terrawattstunden Strom verbraucht; und nun die ernüchternde, geradezu erschütternde Zahl: Nur etwa 5 Terrawattstunden werden hier als grüner Strom erzeugt (von bis, incl. Wasserkraft). Ein Armutszeugnis für eines unserer reichsten Bundesländer, in BaWü sieht‘s übrigens nicht sehr viel besser aus.

    Unsere Politiker gestehen sich heute schon ein, dass wir Strom in astronomischen Mengen importieren müssen. Das reiche flächenstarke Bundesland Bayern, der Leuchtturm bundesweit, ist außerstande, sich selbst mit Strom zu versorgen. – Ist das nicht ein grandioses Armutszeugnis, ein Politikversagen auf ganzer Linie!? In Bayern wird es jedenfalls -so oder so- KEINEN HUNGER(!) geben… Die Wertschöpfung über den Energiekreislauf ist gigantisch, die Bauern jedenfalls hält man von diesen fetten Trögen in Dauerschleife bewusst fern; …und wir lassen das so auch über uns ergehen, solange wir Diskussionen in vorstehender Art und Weise führen. In unseren Hinterzimmern wird man sich höchst erfreut die Hände reiben.

    Wollen wir daran nichts verändern, lieber Willi!? 🙂

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  12. Smarti sagt

    Ist die derzeitige Praxis nicht bereits die Vorbereitung auf Modell 4 ? Konventionell wird ausgebremst/ geschwächt und Bio gepäppelt. Ist Konvi genug “tot” – dann geht Bio den gleichen Weg…. denn dann heisst es für “Bio”: tritt an gegen “Klimawandelmassnahmen, Artenschutz, quasi Tierhaltungsverbote und Freizeitbedürfinsse”.
    Aber da der Landwirt “leider,leider” die Bevölkerung nicht mehr ausreichend ernährt, muss ihm staatlicherseits das Land entzogen werden – dafür wird halb D auf die Strasse gehen, sobald die Lebensmittelpreise steigen.

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    • sonnenblume sagt

      Die Preise könnten steigen. Was ist aber mit den Drittlandimporten? Da wird sich doch so mancher Produzent außerhalb der EU dran erfreuen. Den Handel kann man nicht stoppen. WHO! Der Bedarf an günstigen Lebensmittel wird durch die vielen frei gestellten Arbeitskräfte enorm steigen. Und dieser Markt wird bedient werden. Ganz sicher!

      • Smarti sagt

        Sonnenblume, ganz sicher ? Auch wenn Erdöl ( Diesel ) und Energie knapp werden ?
        Denn wenn das so ist: dann passen Modell 4 und Modell 1 (Energiebauer) doch bestens zusammen. Für mich nehme ich aber lieber noch ein bisschen “mach es selbst” aus Modell 2 dazu. Mein Vertrauen in irgendwelche Voraussagen schwindet.

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        • Thorens sagt

          Auf jeden Fall würde dann auch dabei ein Teil der Wertschöpfung nicht mehr im Inland stattfinden.

  13. Reinhard Seevers sagt

    Das ist häufig genau anders herum, der ökonomisch Erfolgreiche kann auch mal ohne Subventionen auskommen. Der Mitnahmeeffekt ist aber ein gern gesehenes Bonbon.
    Die Leidenszeit unwirtschaftlicher Betriebe wird durch Subventionen oft unnötig verlängert.

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  14. Picard sagt

    Ehrlicher wäre die Sache allemal. Jetzt profitieren Leute vom System, ohne Subventionen würde der Tüchtige gefördert und der Liederliche müsste schauen wo er bleibt. Auch der Konsument wäre (müsste) erwachsener werden.

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  15. Hans Gresshöner,Landwirt sagt

    Es wird deshalb nicht zu einem Stopp aller Agrarzahlungen kommen,weil es 1. zu dermassen starken Verwerfungen innerhalb der EU käme,die speziell die Südländer nicht hinnehmen würden und 2. die EU-Verwaltung schafft sich doch nicht selbst ab,genauso auch unsere Landwirtschaftskammern oder Ämter.

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    • Die Ämter und Kammern haben doch nur die Aufgabe das Geld zu verteilen.
      Dann bekommen die Mitarbeiter in dem Fall eben andere Aufgaben. oder?

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