Bauer Willi
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Essen ist politisch…

Nicht nur in Deutschland, nein, auch in Frankreich ist die moralische richtige Ernährung ein Thema. Sie wird sogar zum Gegenstand der politischen Auseinandersetzung, denn wer Steak mit Pommes isst, soll, so die Diskussion, politisch dem rechten Lager zuzuordnen sein.

https://www.lemonde.fr/m-perso/article/2022/01/27/jean-laurent-cassely-le-steak-frites-est-passe-a-droite_6111150_4497916.html

Die deutschen Medien haben dieses Spektakel natürlich auch kommentiert. Dabei geht es nicht nur um das Essen, sondern viel mehr um divergente Lebensstile. So ist dann auch von den “Quinoa-Linken” die Rede, die abschätzig auf den Plebs herabschauen.

https://www.heise.de/amp/tp/features/Beefsteak-und-Pommes-sind-jetzt-politisch-rechts-6342701.html

Das alles erinnert ein wenig an den Sturm, der durch den deutschen Blätterwald rauschte, als sich Altkanzler Gerhard Schröder verärgert über die Entscheidung von Volkswagen zeigte, in einer ihrer Kantinen keine Currywurst mehr anzubieten.

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/gerhard-schroeder-ueber-aus-von-currywurst-in-kantine-von-volkswagen-17479812.html

https://www.zeit.de/news/2021-08/11/altkanzler-schroeder-veraergert-ueber-ende-der-vw-currywurst

https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/gerhard-schroeder-wettert-gegen-aus-fuer-currywurst-in-vw-kantine-a-dfb9214e-d7ef-40c5-b698-0cf9cc350c4e

Meine Meinung: wenn wir sonst keine Probleme haben…

Danke an Marian E. Finger (Fingerphilosoph) für den Hinweis.

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37 Kommentare

  1. Elisabeth Ertl sagt

    Kommentar Christian Bachler:
    Wir haben gestern Abend, mal wieder für uns intern gekocht. Es gab allerlei eigenes Fleisch und diesmal auch Fleischersatzprodukte. In erster Linie machen wir das, damit alle im Team wissen und verstehen, was wir meinen wenn wir von Qualität und Gaumensex sprechen. Natürlich verkosten wir bei solchen Gelegenheiten auch mal Produkte unserer Kollegen, bzw auch mal was exotisches oder neues. Denn nur so kann man dann halt auch mitreden…. Gestern haben wir dann noch länger debattiert, wobei folgende Überlegung bzw Frage aufkam, die mich heute den ganzen Tag beschäftigt hat.
    Wie völlig abseits der Wünsche und Vorstellungen unserer Mitmenschen produzieren wir den größten Teil unseres Fleisches, wenn diese lieber auf hochverarbeitete Ersatzprodukte ausweichen, als unser Billigfleisch zu essen??? 🤷‍♂️🤷‍♂️🤷‍♂️
    Müsste uns als Branche schon zu denken geben, oder?
    Könnte es sein, dass die Zeit von “nix im Hirn als wie produzieren” vorbei sind?
    Könnte es sein, dass in der Zukunft “weniger ist mehr” viele Probleme lösen könnte??
    Wie kann es sein das 08/15 Beilagengemüse teurer ist als das 08/15 Schnitzel?
    Wie seht ihr das??
    Und bevor jetzt wieder die übliche Argumentation ala – unser Ama Gütesiegel Zeug is supermegageil und fui die Premiumqualität bzw pflanzlich is böse usw los geht, sei noch folgendes gesagt.
    Nessi, hat das Ama Gütesiegel Fleisch genauso verschmäht wie den veganen Käse. Und das heißt was beim cattle dog…..
    Ps: Ich lebe zwar letzlich vom Fleisch, aber an einer Reduktion unseres Fleischkonsums auf eine Größenordnung von ca 20 kg pro Jahr, führt meiner Meinung nach überhaupt kein Weg vorbei….
    https://www.facebook.com/BergerhofKrakauebene/

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  2. Marian E. Finger sagt

    Die Vorstellung, dass der Mensch ist, was er isst, ist nicht neu. Die gibt es schon im indischen Ayurveda und diese Lehre vom Leben ist 2.500 Jahre alt. Neu ist auch nicht, dass Essen und Lebensstil miteinander verknüpft werden oder dass die Öffentlichmachung der Essgewohnheiten der Selbstdarstellung dient. Der gute Mensch, der seinen Beitrag zur Klimarettung und Weltverbesserung leistet, ist selbstverständlich Veganer und deshalb redet der gute Mensch gerne über Veganismus und macht Werbung für diese Ernährungsweise.

    Was an der im Artikel genannten Politisierung der Essgewohnheiten neu ist: Der Fleischesser ist nun nicht länger der Normalo, sondern die zu bekämpfende Ausnahme. Wer im Restaurant Steak frites bestellt, outet sich als rechtsextremer Nazi, als einer, der Marie Le Pen oder Eric Zemmour wählt. Der Steak-frites-Liebhaber diskreditiert sich durch die Bestellung von Steak frites. Er wird zu jemand, auf den die Quinoa-Jünger zu Recht mit dem Finger zeigen bzw. sich angewidert abwenden. Der Steak-frites-Liebhaber wird zum Ausgestoßenen, zum Paria.

    Dieser neue Ton ist gleichermaßen uralt, finden wir ihn doch auch in den fundamentalistischen Formen der Weltreligionen. Der Ungläubige outet sich dadurch, dass seine Nahrung nicht koscher ist oder nicht halal. Der Ungläubige ist für die jeweilige fundamentalistische Religion ein Mensch zweiter Klasse. Und genau dasselbe passiert hier. Der Steak-frites-Liebhaber wird in die rechte Ecke geschoben und damit zu einem Menschen zweiter Klasse gemacht.

    Noch findet diese Diskreditierung hauptsächlich nur in den Medien statt, aber in den letzten Jahren haben wir ja erfahren, dass die wahren Machthaber nicht die Politiker, sondern die Medienfritzen sind.

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    • Stadtmensch sagt

      Der Mensch in der “rechten Ecke” ist aber auch verdammt unflexibel. Wie ein Klotz am Bein…

      “Zwar waren Nazis an Waffen interessiert, aber zu dumm zu verstehen, dass sich die langfristige Überlegenheit einer Zivilisation aus einem kultivierten Interesse für die Naturgesetze speist.”
      https://www.heise.de/tp/features/Next-Level-6344350.html?seite=2

      Und wenn ich mir die Teilnehmer diverser NPD geführter Protestaktionen so anschaue, komme ich auch ins Grübeln. Also nach dem Fremdschämen…

    • Inga sagt

      Deswegen muß ein mündiger Bürger auswählen.

      Er lässt sich auf keine Propaganda und keine Werbung ein!
      Er entschiedet nur nach Qualitätskriterien!

      Und vor dem WK2 gab es nur einen Radiosender!
      Und die Presse wurde auch zensiert!

      Wollen wir das wieder haben?

  3. Karl Timme sagt

    Ein Teil meines Kommentars aus dem vorherigen Beitrags:

    “Habe die Sendung bei Lanz heute Abend mit Chem gesehen.
    Zitat:
    “Ich bin der ldw-Minister aller Bäuerninnen und Bauern, damit auch der 70%, die 2030 noch in Ihrem Stall wirtschaften”
    Kein Konzept der vielen Zielkonflikte. Die Sicht, der drei (Lanz, Chem und der Journalistin Anne Kunze) bewegte sich ausschließlich auf der Erzeugerseite. Frau Kunze hat das eigentliche Problem einmal (sogar unter Namensnennung -Aldi-) benannt, worauf ich erwartet hatte das Lanz darauf eingeht, Fehlanzeige!”

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      • Reinhard Seevers sagt

        Was für ein elitäres Dummschwätzer-Trio. Der Chem hat noch weniger Ahnung, als ich vermutete.
        Die Lösung besteht aus noch mehr Kontrolle. Das ist doch mal eine Lösung. Die Ursache, der Wohlstand, basierend auf dem kapitalistischen System in Verbindung mit unseren Industrieexporten wird weder erkannt, noch benannt. Das Huhn muss glücklich sein, das Ei muss glücklich sein….der Bürger dreimal in Urlaub fahren dürfen.

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        • Smarti sagt

          In den gezeigten angeblichen Schockbildern der Biotierhaltung haben sie schlafende Legehennen von hinten gezeigt. Die waren in der Mauser und deshalb teils federlos…dazu zweimal der Kommtentar von Lanz ( der von den beiden andern nicht berichtigt wurde…) und diese Tiere landen dann als Hähnchen auf unserem Teller.
          Drei Leute, die nicht mal eine Hähnchenmast von einer Legehennenhaltung unterscheiden können – entscheiden über das weitere Schicksal der Bauern.

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          • Inga sagt

            Das hat mich auch gestört, Smarti!

            Die laden höchsten in Hühnerfrikassee oder Hühnerbrühe!

    • Andi sagt

      Ich wollte Cem Özdemir wirklich eine Chance geben, aber wenn er öffentlich lügt und behauptet in Bayern gebe es nur alle 40 Jahre eine Kontrolle, und damit suggeriert, die Bauern können doch machen was sie wollen, kontrolliert doch eh niemand, ist er bei mir unten durch. Ich habe alleine bei den Schweinen drei Kontrollen jährlich. Zweimal ITW und einmal SGD.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Sei ihm nicht böse Andi, er ist gestern so klar entlarvt worden. Der war froh, dass Frau Kunze da war, die hat ihm immer die Bälle zugespielt…ich wette, dass er in 6 Monaten das Handtuch wirft.
        Auf seiner website ist immer noch kein sterbens Wörtchen zu seiner neuen Aufgabe zu lesen. Ich habe das Gefühl, er hatte es sich ganz leicht vorgestellt und merkt nun, dass das Thema seinen Intellekt übersteigt. Anton scharrt schon mit den Hufen!😎

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        • Inga sagt

          Was kann der Herr Diplombiologe besser?

          Was hat er mehr mit Landwirtschaft zu tun?
          Ausser, dass sein Nachbar ein Bauerhof hat.

          Wer ist der gewissenhafter von beiden?

      • Ostbauer sagt

        Ja,ja der Cem. 🙂
        Ich würde ihm ja seine Ambitionen durchaus abnehmen, nur mit Zahlen und Statistiken sollte man ihn nicht überlasten. Da redet er sich um Kopf und Kragen.
        Mal schön, dass die Grünen das mal unter sich ausmachen müssen.

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      • Inga sagt

        Er hat ja noch eingeräumt,
        dass diese 40 Jahre das Mittel sind,
        also einige öfter und einige seltener, Andi!

  4. Elisabeth Ertl sagt

    Schon 2003 produzierte der ORF den Spielfilm “Das Fest des Huhnes”. Das ist eine Satire auf den Rassismus der ländlichen Zeltfest-Besucher mit ihrem Bier- Grillhendl- und Pommes – frites – Konsum:
    Schwarzafrikanische Forschungsreisende dringen in die Weiten Oberösterreichs vor, um Sitten und Gebräuche der dort lebenden Stämme zu studieren und entdecken dabei völlig neue und in der ethnologische Literatur bisher nicht beschriebene Kulturphänomene. Die Kirchen, einst wichtige Versammlungsorte, sind leer – dafür drängen sich die Ureinwohner in einem riesigen Zelt zusammen. Dort trinken sie gewaltige Mengen einer gelblichen Flüssigkeit und vertilgen hauptsächlich Hühner … Das Huhn hat das Lamm abgelöst.
    https://www.youtube.com/watch?v=3SIUybd9K7g

    Die Gleichsetzung exzessiven Fleisch- und Alkoholkonsums mit Rassismus ist in Intellektuellen – Kreisen nichts Neues. Das ist ein uralter Hut.

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    • Stadtmensch sagt

      Das Fest des Huhns.
      Genau mein Humor. Das schau ich mir heute Abend an. Danke für den Tip…

    • Inga sagt

      Ja wenn die oberösterreichischen Stämme so viel anders sind wie sind als die in Niederösterreich?
      Und wie werden sie im restlichen Europa sein?
      Was haben die für eine Kultur und wovon ernähren die sich?
      An was glauben die und haben die Respekt vor der Natur?

  5. Reinhard Seevers sagt

    “Wer sich heute an nichts mehr hält, der hat sich sehr wohl verändert.”

    Tja, der Mensch hat sich verändert…
    Früher hieß es auch “Eigenlob stinkt”, heute geht Influenzen nur mit Eigenlob und Selbstverliebtheit…..und Millionen schauen zu.
    Klick, Klick, Klick …..und der Rubel rollt.

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    • Stadtmensch sagt

      Weiß nicht. Ich bilde mir ein, diese Befindlichkeiten ganz gut rausfiltern zu können. Würde ich nie lesen solche Artikel. War vor ein paar Wochen in Schneeberg (Erzgebirge) und hab nach einer länglichen Wanderung Pommes und fettigen Backfisch an die Familie verfüttert. Lecker. Der Betreiber vom Marktstand sah auch so aus, als könnte er mehr vom Leben erzählen als ein “Quinoa-Linker”.
      Wenn Paulus noch hier wäre, könnte er sicher Stories über Gourmet-Verarsche für ahnungslosen Besserleber zum Besten geben, die irgendwas in ihren Lifestylemagazinen aufgeschnappt haben.

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      • Bauer Willi sagt

        @Stadtmensch
        Eben kam ein Bericht über die Skifahrer in Ischgl, die sich freuen, dass die Pisten so leer sind. In der Jausenstation haben 60% Kalbsschnitzel bestellt für 27 €. Mit Pommes natürlich.
        Auf die Frage, warum das so teuer sei antwortet der Wirt: Sind ja schließlich 250 g vom Kalb.
        Die Diskussionen werden wahrscheinlich nur in den Medien geführt. Der Mensch an sich bleibt normal. Oder sehe ich das falsch und bin ein Saurier, der nichts mitbekommt?

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Aber, aber Stadtmensch,
        Fisch wo die Weltmeere fast leergefischt sind?
        Da gönne ich mir lieber ein Schnitzel, gerade in der Zeit wo es zu viele Sauen gibt.😉

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  6. Jürgen Donhauser sagt

    “….politisch dem rechten Lager zuzuordnen sein”
    Ich habe grundsätzlich den Eindruck, wenn man die letzten 20 Jahre einfach nur auf seinem konservativen Standpunkt geblieben ist, wurde man durch den Mittel- bis Linksruck automatisch an den rechten Rand gedrückt. Obwohl man sich nicht verändert hat!

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    • Lady sagt

      Wie geht es euch denn, Jürgen?

      Ich sehe hier übrigens eher auf der wirklich rechten Seiten einen Hang zur “Natur” , daher gerne ökologischer Landbau , zumindest vegetarische Ernährung und andere eher zweifelhafte “Welten”. Da wäre eine Steak mit Pommes viel zu “etabliert”.

    • Elisabeth Ertl sagt

      Speisevorschriften gab es früher auch bei den Katholiken:
      Freitags kein Fleisch, im Advent und in der Fastenzeit Fleisch nur am Sonntag; da bekamen wir Kinder auch keine Süßigkeiten; an den strengen Fasttagen nur einmalige Sättigung;
      Braten oder Schnitzel gab es sowieso nur am Sonntag; am Samstag Würstel, und nur der Vater bekam auch am Donnerstag Fleisch. Kenn ich alles aus meiner Kindheit.
      Wer sich heute an nichts mehr hält, der hat sich sehr wohl verändert.

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      • Bauer Willi sagt

        Dazu habe ich eben was geschrieben. Sonntags Braten, aber den Rest der Woche auch einiges vom Tier, was heute niemand mehr isst.

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        • Elisabeth Ertl sagt

          Ja, am Samstag waren es nicht immer Würstel, auch Beuschl, Leber, Hirnpofesen, Blutwurst, Sulz, Knochensuppe, Markknödel etc. Damals musste man ja auch noch Zuwaage nehmen beim Fleischer.

        • Inga sagt

          Aber die Wurst und der Schinken der tägl. des Abends auf den Tisch kam.
          Aber auch die Sülzwurst, wo Sachen reinkamen, die man nicht verkaufen konnte.
          In die Blut und Leberwurst auch.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Die Frau des Hauses war damals glücklich, Freitags kein Fleisch servieren zu müssen,
        war gut für das Haúshaltsbudget.

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        • Inga sagt

          Geld ist doch wichtiger wie Fleisch, oder?
          Früher gab es ja auch 2 Eintopftage, füt einen Tag frisch gekocht und für einen aufgewärmt.
          Die schlaue Hausfrau wusste das schon hin zu kriegen?
          Wenn der Mann zu geizig war!

      • Inga sagt

        Die Speisevorschriften gibt es heute weniger von der Kirche, also mehr von der Industrie.

        Es gab ‘Zeiten, da war Margarine gesünder, als Butter.

        Heutzutage ist Hafermilch gesunder als richtige Milch!
        usw.
        Es kann nicht sein, dass die Industrie den Trend vorgibt.
        Die Natur muß den Trend vorgeben, zumal wir ja wissenschaftlich und politisch so gebildet sind!

        Darüber kann unser Landwirtschaftsminister auch mal drüber nachdenken.
        Und der Gesundheitsminister auch!

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