Autor: Bauer Willi

Wie Landwirte zu Interessenvertretern von Bauernverbänden und Agrarkonzernen werden

Ein Gastartikel von Jürg Vollmer, Agrarjournalist in der Schweiz, der eine erfundene Geschichte erzählt, die so aber auch tatsächlich passiert sein könnte. Er berücksichtigt dabei die Situation nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland und Österreich, Der Artikel ist länger als sonst, aber bis zum Schluss lesenswert. Theoretisch sind die Landwirte «Eigentümer» von Bauernverbänden und Agrarkonzernen wie zum Beispiel Molkereien. In der Praxis agieren Verbände und Agrarkonzerne oft gegen die Interessen der Landwirte. Landwirte sind Mitglieder ihrer Verbände und bei vielen Genossenschaften zugleich deren Eigentümer. Trotzdem entscheiden professionelle Funktionäre und Manager über Milchpreise, Investitionen und Marktstrategien. Wie kommt es, dass jene, die formal Einfluss besitzen, sich in der Praxis oft nicht durchsetzen? Die folgende Fallstudie ist frei erfunden. Personen, Orte und Organisationen dienen der Veranschaulichung. Die beschriebenen Entscheidungswege und Interessenkonflikte orientieren sich an öffentlich dokumentierten Strukturen in der Landwirtschaft des deutschsprachigen Raums. Herbst 2026. Im Gasthaus «Krone» von Hintermoos liegen dreissig weisse Briefumschläge auf den Tischen. Einer für jeden Milchbauern der Region. Absenderin ist die Alpenmilch AG. Der Abnahmepreis müsse um 4 Cent …

Süsse-Steuer…

Im Augenblick gehen die Wogen bezüglich der sogenannten „Zuckersteuer“ hoch. Wenn man den Medien glaubt, sollte die Steuer nicht nur auf mit Zucker gesüßte Getränke erhoben werden sondern auch auf Getränke, die mit Süßungsmittel gesüsst wurden. Das würde zum Beispiel auch Fruchtnektar und Haferdrinks einbeziehen. https://www.welt.de/politik/deutschland/video6a8d1555511d4fd3bc4e2d93/auch-auf-cola-zero-eine-doppelte-steuererhoehung-regierung-plant-ab-2027-zuckersteuer-auf-getraenke.html https://www1.wdr.de/wirtschaft/zuckersteuer-zero-gesund-100.html Vor wenigen Stunden (26.8. um 19:00 Uhr) erteilt Finanzminister Klingbeil diesen Plänen eine Absage. https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/zuckersteuer-lars-klingbeil-verwirft-steuer-auf-zero-getraenke-a-687f724c-e1ca-40e1-b987-c7afadefb70a Mir geht es nicht um Sinn (?) und Unsinn (!) der Zuckersteuer. Was ich kritisiere ist das Vorgehen. Man setzt die rot-grüne Bevormundung der abgewählten Ampel-Regierung nahezu unverändert fort und merkt nicht, dass der normale Bürger dies mehr als leid ist. Und um das Chaos perfekt zu machen, nimmt man der Plan, die Steuer auf Süsse (es müsste dann ja Süsse-Steuer heißen) nach kurzer Zeit wieder vom Tisch. Damit merkt ja auch der letzte Bürger, dass es weniger um unserer aller Gesundheit sondern nur um eine neue Geldquelle geht. Die Konsequenzen dieser handwerklich schlechten Politik sind nicht abzusehen. Oder doch: sie sind abzusehen und das ist es, was mich ärgert. Es wäre nämlich …

Agrarsysteme der Zukunft

Mehr durch Zufall habe ich diese Seite gefunden, die sich nach eigenen Angaben mit den „Agrarsysteme der Zukunft“ beschäftigt. https://agrarsysteme-der-zukunft.de/ Ich habe lange gesucht, was dort für einen praktischen Landwirten zu finden ist. Etwas, das mir sagt, wie die Agrarsysteme der Zukunft aussehen werden. Etwas wirklich Brauchbares habe ich nicht gefunden. Schauen Sie mal unter „Konsortien“, mit welchen Themen man sich aktuell beschäftigt. Die dort verwendeten Abkürzungen habe ich noch nie gehört. Bei „GreenGrass“ geht es – Überraschung – um die Weidewirtschaft, bei „Suskult“ um Indoor-Lebensmittelproduktion. Die dort gemachten Aussagen halte ich für sehr gewagt. Was ich mich auch frage: für wen werden solche Arbeiten gemacht? Wo werden die Ergebnisse umgesetzt? Oder ist es doch Selbstbeschäftigung im Elfenbeinturm?  

Doch kein Protest gegen Tönnies in Lorup

Ein Gastartikel von Arnold Krämer Clemens Tönnies, Inhaber des mittlerweile größten deutschen Schlachtunternehmens, auch mit einer Produktionsstätte im Emsland, war kürzlich auf Einladung der hiesigen CDU-Kreisverbände ins Emsland eingeladen. Er sollte über die Perspektiven der Veredelungswirtschaft in der Region referieren. Angesichts der aktuell desaströsen Schweinepreise hatte der LSV („Land schafft Verbindung“, zum DBV alternativer Berufsverband) zu lautstarken Protesten und Blockaden aufgerufen, weil man auch Clemens Tönnies für die Misere speziell im Schweinesektor verantwortlich macht. Rund 350 Landwirte und Vertreter aus dem wirtschaftlichen Umfeld waren der Einladung auf das Betriebsgelände der EZG Hümmling gefolgt. Außer einigen Pfiffen gleich zu Beginn der Veranstaltung gab es aber keinerlei Proteste. Von blockierenden Schleppern war weit und breit nichts zu sehen. https://www.noz.de/lokales/werlte/artikel/warum-bauern-in-lorup-nicht-gegen-toennies-protestierten-51033727 So konnte C. Tönnies seine Sicht der Dinge vortragen und den Vorschlag für einen mit dem Berufsstand, den Schlachthöfen und dem LEH abgestimmten festen Halbjahrespreis für Schlachtschweine formulieren. Dieser ist mittlerweile von seinem Unternehmen weiter präzisiert worden. https://www.topagrar.com/schwein/news/tonnies-will-schweinepreise-stabilisieren-und-investitionen-absichern-20028232.html https://www.topagrar.com/schwein/news/neue-liefervertrage-tonnies-will-eigenen-schweinepreis-ansetzen-20028355.html Angesichts des Veranstaltungsverlaufs stellt sich grundsätzlich auch die Frage nach der Wirksamkeit von Protestaufrufen. So sollen jetzt die bekannten …

Bauernbashing, Klima, Verbände und Politik

Jürg Vollmer ist selbstständiger Agrarjournalist in der Schweiz, der sich kritisch mit allem auseinandersetzt, was rund um die Agrarbranche passiert. Ich habe seinen Newsletter abonniert, weil ich seine Texte für sehr lesenswert halte, auch wenn sie nicht jedem (Landwirt) gefallen könnten. Aber wer kann das schon. Im nachfolgenden Text geht es um Bauernbashing, Klima und Verbandspolitik. Und das in Deutschland, Österreich und der Schweiz. https://open.substack.com/pub/juergvollmer/p/trockenheit-bauern-bashing? Wie ist euer Kommentar? Hat er die Situation richtig beschrieben?

Selbstverständlich? Selbstverständlich!

Ich habe lange überlegt, ob ich etwas zum Engagement der Landwirte bei den Waldbränden in der Eifel und im Hohen Venn schreiben soll. Ein wenig haben die Medien je berichtet, aber meist nur in Interviews mit den Landwirten selbst. Was dabei vergessen wird: Es wird ja mit enormem Kapitaleinsatz gearbeitet. So ein Schlepper mit Wasserfass kann schon mal gut und gerne 300.000 € Neuwert kosten. Dazu kommen noch die Kosten für den Diesel und natürlich die Arbeitszeit. Die Kosten dafür werden meines Wissens von niemandem übernommen. Alles erfolgt ehrenamtlich. Für viele Landwirte vor Ort ist das selbstverständlich. Unser Sohn und ich waren bei der Ahrflut als Helfer dabei und haben sehr viele Berufskollegen und -kolleginnen dort getroffen, für die die Unterstützung der Mitbürger ebenso selbstverständlich war. Aber lesen Sie nun, was die LZ schreibt. Ich würde mir wünschen, dass dies auch von Medien außerhalb der Landwirtschaft übernehmen würden. https://www.lz-rheinland.de/nachricht/sie-sind-zur-stelle/

„Die Bauern sollen nicht so jammern“

Nachdem Herr Rukwied (Präsident des Deutschen Bauernverbandes) zur Situation in der Landwirtschaft wegen Hitze und Dürre befragt wurde und daraufhin mit der Forderung nach billigerem Diesel geantwortet hat, ging in den sogenannten Sozialen Medien so richtig die Post ab. Und dann kam natürlich sofort wieder der Satz: „Die Bauern sollen nicht so jammern, die kriegen doch Subventionen“. Dazu Folgendes: In Deutschland gehört Jammern zum Handwerk. Egal ob es der Bauer, der Lokführer (lange nichts mehr gehört), der Handwerker oder der Angestellte ist: alle jammern und sind unzufrieden. Sogar Beamte jammern. Wenn der Bauer jammert, sollten wir hingegen zufrieden sein, denn er ist noch da und macht seine Arbeit. Sorgen machen sollten wir uns erst, wenn keiner mehr aufs Feld fährt und für unser Essen sorgt. Es ist aber in der Tat eine schwierige Situation. Alle wollen regionale, perfekte Lebensmittel zu niedrigen Preisen, verlangen aber gleichzeitig Höchststandards beim Tier- und Umweltschutz. Und keiner will Zugeständnisse machen, wenn eines davon nicht geht. In der Regel entscheidet sich der Verbraucher gegen Tier- und Umweltschutz und für niedrige Preise. …

Zurück zur Natur?

Was wäre eigentlich, wenn wir die Landwirtschaft in Deutschland aufgeben und die Flächen sich selbst überlassen? Gäbe es dann mehr Biodiversität (gemeint ist die Anzahl der Arten) oder weniger? Die Antwort scheint auf den ersten Blick einfach zu sein. Gehen wir die Schritte im einzelnen durch: wer schon mal seinen Garten ein Jahr lang nicht bewirtschaftet, weiß, dass sich zuerst vor allem Gras, aber auch andere Pflanzen wie Disteln und Brennesseln die Fläche besiedeln. In relativer kurzer Zeit kommen später Gehölze dazu. Je nach Region, Bodenqualität und Klima sind es verschiedene Arten von Bäumen. In unserer Region sind es häufig Birken, anderswo Weiden oder Kiefern. Flächen, die diese Entwicklung durchmachen, nennt man Sukzessionsflächen. Die Phase der Sukzession dauert nur wenige Jahre bis Jahrzehnte. Zurück zur Natur Das, was heute Deutschland und früher Germanien war, war zur Zeit der Römer fast vollständig von Wald bedeckt. Es war überwiegend Laubwald mit Buchen und Eichen. Nun ist aber erwiesenermaßen die Biodiversität von Wald deutlich geringer als Flächen, die von Landwirten bewirtschaftet werden. Im Gegensatz zum Wald sind es …

Wer interessiert sich aktuell eigentlich für die Landwirtschaft?

Aktuell haben wir in Teilen von Deutschland eine fast schon historische Dürre. Besonders schwer betroffen sind das Rheinland, Rheinland-Pfalz aber auch Teile von Baden-Württemberg. In anderen Regionen hat es auch wenig geregnet und es war sehr heiß, so dass auch dort Einbußen in der Landwirtschaft zu verzeichnen sind, die aber bisher noch nicht so dramatisch ausfallen. In den Medien wird vor allem über niedrige Flusspegel berichtet und dass der Schiffsverkehr behindert ist. Dadurch könnte vieles teurer werden. Wie war denn nun die Ernte bisher? Der DRV hat dazu eine aktuelle Meldung herausgegeben. Fazit in Kürze: unter dem langjährigen Schnitt. 2026_08_13_PM-Ernteschätzung Die Versorgungssicherheit ist aber nicht gefährdet und Brot wird wegen der knappen Getreideernte auch nicht teurer. Vermutlich aber wohl wegen steigenden Kosten für Energie, Logistik oder Löhnen. Was sagt die Politik zu Hitze und Dürre? Alois Rainer (unser derzeitiger Agrarminister)  hatte angesichts der extremen Dürre und Trockenheit im August 2026 bei einer Almbegehung salopp geäußert: „Ich kann’s nicht regnen lassen, sonst tät ich’s machen.“ Freunde hat er sich damit nicht gemacht. Das Ministerium wird wie …