Bauer Willi
Kommentare 102

Zurück zur Natur?

Was wäre eigentlich, wenn wir die Landwirtschaft in Deutschland aufgeben und die Flächen sich selbst überlassen? Gäbe es dann mehr Biodiversität (gemeint ist die Anzahl der Arten) oder weniger? Die Antwort scheint auf den ersten Blick einfach zu sein.

Gehen wir die Schritte im einzelnen durch: wer schon mal seinen Garten ein Jahr lang nicht bewirtschaftet, weiß, dass sich zuerst vor allem Gras, aber auch andere Pflanzen wie Disteln und Brennesseln die Fläche besiedeln. In relativer kurzer Zeit kommen später Gehölze dazu. Je nach Region, Bodenqualität und Klima sind es verschiedene Arten von Bäumen. In unserer Region sind es häufig Birken, anderswo Weiden oder Kiefern. Flächen, die diese Entwicklung durchmachen, nennt man Sukzessionsflächen. Die Phase der Sukzession dauert nur wenige Jahre bis Jahrzehnte.

  • Zurück zur Natur

Das, was heute Deutschland und früher Germanien war, war zur Zeit der Römer fast vollständig von Wald bedeckt. Es war überwiegend Laubwald mit Buchen und Eichen. Nun ist aber erwiesenermaßen die Biodiversität von Wald deutlich geringer als Flächen, die von Landwirten bewirtschaftet werden. Im Gegensatz zum Wald sind es viele verschiedene Pflanzen, die angebaut werden, seien es nun die großen Kulturen wie Getreide, Raps, Zuckerrüben oder kleinere Kulturen wie die diversen Gemüse- und Obst-Arten oder auch Wein. Ganz wichtig für die Biodiversität sind auch Wiesen und Weiden, die von Nutztieren vom Baumbewuchs freigehalten werden. Gäbe es keine Nutztiere, gäbe es auch keine Landschaften wie Heide oder Gebirgs-Almen. Ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian nur auf Almwiesen. Und viele Lieder über die Heide mit ihrer Erika wären ohne die Bewirtschaftung mit Heidschnucken auch nicht entstanden.

  • Was sind die Gründe für die höhere Artenvielfalt?

1. Das Lichtangebot als entscheidender Faktor

Der mitteleuropäische Klimax-Wald – meist von Buchen dominiert – bildet im Sommer ein dichtes Kronendach. Im schattigen Waldboden finden daher nur spezialisierte, schattenverträgliche Pflanzen (wie Moose, Farne oder Frühblüher) ausreichende Bedingungen. Landwirtschaftliche Flächen hingegen bieten volle Sonneneinstrahlung. Dieses Licht lockt eine Vielzahl wärme- und lichtliebender (helio- und thermophiler) Arten an, darunter Wildkräuter, Tagfalter, Eidechsen und unzählige Insektenarten.

2. Erhöhte Dynamik und ständige Störung

Durch die landwirtschaftliche Bearbeitung – wie Mähen, Beweiden oder Pflügen – entstehen immer wieder freie, unbewachsene Flächen. Pionierpflanzen und Spezialisten, die im stabilen Wald rasch verdrängt würden, finden hier dauerhaft neue Nischen.

3. Hohe Struktur- und Mosaikvielfalt

Ein abwechslungsreicher Agrarraum setzt sich aus vielen kleinen Lebensräumen zusammen:

  • Feldraine, Hecken und Gräben

  • Trockenrasen und Saumstrukturen

  • Kombinationen aus Bäumen und Grünland (z. B. Streuobstwiesen)

Dieses Mosaik schafft Mikroklimata auf engstem Raum. Ein Tier kann im offenen Feld Nahrung suchen und sich im angrenzenden Gebüsch vor Räubern verbergen – eine Kombination, die ein monotoner Wald nicht in diesem Maße bietet. (Erst gestern abend habe ich eine Ricke mit ihrem Nachwuchs gesehen, die sich nach meinem Anblick schnell im Mais versteckt hat)

4. Zusätzlicher Nährstoffeintrag

Der Wald ist meist ein nährstoffarmes, geschlossenes System. Moderate Nährstoffeinträge in der Agrarlandschaft können das Pflanzenwachstum anregen und die Biomasse steigern, was wiederum eine größere Population verschiedener Pflanzenfresser und deren Fressfeinde ernährt.

Ich denke, es ist klar geworden, wie wichtig die Landwirtschaft für die Biodiversität ist. Würden wir die Landschaft „der Natur überlassen“, wären wir ärmer an vielen Pflanzen- und Tierarten.

(Aufrufe 2.466 gesamt, 1 heute)

102 Kommentare

  1. evonik sagt

    Ich habe gerade entdeckt, dass andere Leute ähnliche Ideen haben wie ich:

    https://www.agrarzeitung.de/nachrichten/start-up/eiweissversorgung-aardaia-gibtseed-finanzierung-ueber-5-mio.–bekannt-158229?utm_source=%2Fmeta%2Fnewsletter%2Fnewsletter&utm_medium=newsletter&utm_campaign=nl9908-basic&utm_term=6db8846dece03885aec040d3d22ebe26

    Da könnte man -wie ich schon geschrieben habe- den Gänsefuß nehmen, weil der nach meinen Beobachtungen eine natürliche Trockenheitsresistenz hat.

    1
    • Zgnflüstrr sagt

      Bezahlschranke, 399,00 €/Jahr. Für eine „Proteinkartoffel“, eine 3 cm große Erdmandel, die arme Leute angeblich früher schon aßen, wenn sie nicht genug Grassamen fanden.

      Bei mir gibt’s derzeit ungepellte Pellkartoffeln (1 €/kg) mit Matjesfilet (6,50 €/kg) in Paprika- (2,70 €/kg) Sahnequark (2 €/kg). Das sind Proteine ohne Ende, und es schmeckt himmlisch.

      Angesichts der Verbraucherpreise werden jetzt die Bauern wieder stinkig, und die Fischer sagen: „Für den Preis gebe ich den Hering nicht vom Kutter“, aber irgendwann müssen sie doch.

      P.S.: Habt ihr’s schon mitgekriegt? In Brüssel ist wieder großer Bauernaufstand. Die ersten Videos zeigen herumspringende Polizisten, die nicht von den dicken Treckern umgefahren werden wollen. Jedenfalls ist da wieder was los.

      Wenn ich was sehe, sage ich bescheid, und ihr erfahrt’s direkt hier bei Bauer Willi.

      Aber zu den Bauernaufständen noch: Die Trecker zerstören und durchbrechen da massive Durchfahrtssperren, unter scheinbar hilfloser Aufsicht der Polizei, bedrohen auch Polizisten durch schnelle Fahrt auf sie zu. – Aber mal ehrlich: Wenn der Staat hoheitliche Anordnungen nach geltendem Recht trifft, dann sind die Regeln einzuhalten. Anderenfalls müssen die schweren Täter als Verbrecher behandelt werden, unabhängig von ihren sonstigen Anliegen. Gewalt und Zerstörung darf sich der Staat eigentlich nicht sehenden Auges gefallen lassen.

      1
      • Zgnflüstrr sagt

        Und mal ehrlich: Wenn ich da in Brüssel Polizeioffizier wäre im staatliche Auftrag, und meine Ordnungskräfte würden durch schwere Geräte und unberechenbare Täter an Leib und Leben bedroht oder gar gefährdet, würde ich den Tätern eine Tränengas…. ähm -ladung durch die Frontscheibe jagen und sie aus der Kabine holen.

        In den USA ist das bei Terrorismus üblich, während in Brüssel der Toleranzrahmen für widerspenstige Bauern offenbar noch weit gesteckt ist.

        1
  2. Farmer Billy alias Stefan Michel sagt

    Danke, Bauer Willi, für Deine im Großen und Ganzen treffliche Analyse. Insbesondere Veganer der extremeren Sorte (PETA) wollen ja nicht begreifen, dass es ohne Beweidung (und die alten gewachsenen Landwirtschaftsstrukturen) den Großteil unserer wilden Tier- und Pflanzenarten gar nicht gäbe.
    „Wir dürfen keine Tiere essen! Ach nein?“
    https://open.spotify.com/episode/52ks6dM1zqd2ZwZM01IeID?si=DZLaAw7BT4yQ_d-EEh4j0Q
    Etwas Wesentliches unterschlägst Du aber: Kaum ein Landwirt unterhält noch Hecken und Baumreihen, lässt Ackerrandstreifen ungedüngt und ungespritzt, lässt eine Feuchtwiese feucht bleiben, usw. Klar, wo das zu Ertragseinbußen führt, muss das ausgeglichen werden. Aber in dieser Richtung ist die derzeitige Bundesregierung wohl eher nicht unterwegs.

    • Farmer Billy alias Stefan Michel sagt

      Ach ja, und wie viele unserer Rinder sind noch auf der Weide und erhalten Grünland, hmm?

      • Limes sagt

        wieviel Rinder sollen denn auf die Weide und warum? Wichtig ist die Rinder haben gute Lebensbedingungen. Das kann auch im Stall sein.
        Menschen leben ja auch nicht mehr wie Affen auf Bäumen, in Höhlen oder gar unter freiem Himmel sondern in extra geschaffenen speziellen Räumen.

        2
        • Kemetbauer sagt

          @L
          Menschen können das auch frei entscheiden. Wenn Rinder auch die Möglichkeit bekommen, dann sind sie überwiegend draußen.

          • Zgnflüstrr sagt

            @Kb: „Wenn Rinder auch die Möglichkeit bekommen, dann sind sie überwiegend draußen.“

            Aktuell regnet es hier tatsächlich wieder, und zwar anhaltend. Da müssen die Weidekühe ohne Stallanschluss jetzt durchhalten. Mein Vater meinte, unsere Kühe wären zu doof, um beim Regen in den Stall zu gehen, aber vielleicht brauchten sie einfach auch mal eine Dusche.

  3. Elisabeth Ertl sagt

    Seit Jahrzehnten predigen uns Agrarexperten, dass unsere Viehzahlen für eine naturschonende nachhaltige Landwirtschaft zu hoch sind, und fordern politische Lenkung. Wofür aber die Politik bis heute nicht bereit war, das wird jetzt von der Natur selber erzwungen:
    https://salzburg.orf.at/stories/3367321/

    2
  4. Elisabeth Ertl sagt

    Schon im 19. Jahrhundert war Renaturierung ein Herrschaftsinstrument.
    Die Revolution von 1848 scheiterte. Den Bauern allerdings brachte sie die Befreiung von der Erbuntertänigkeit. Dabei ging es aber weniger um Gerechtigkeit und Menschenwürde. Bauern wurden auf diese Weise zu freien Unternehmern und unterlagen der Konkurrenz untereinander. Damals bereits begann das „Wachse oder weiche“. Davon erhoffte man sich eine Effizienzsteigerung und Modernisiserung dieses Wirtschaftssektors.
    An benachteiligten Standorten konnten viele Höfe nicht überleben. In den steirischen Alpen eigneten sich die Industriellen die Bauerngründe als Jagdreviere an, was Peter Rosegger zum Roman „Jakob der Letzte“ inspirierte: https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_der_Letzte
    Biodiverse Kulturlandschaften verwaldeten und machten die Steiermark zur „grünen Mark“.

    2
    • Reinhard Seevers sagt

      In Nordwestdeutschland stellte sich die Lage völlig anders dar. Dort waren zeitweise bis zu 80% der Bevölkerung bis in die 30er Jahre des 20.Jahrhunderts besitzlose Abhängige von den besitzenden Bauern. Erst als die Heuerlinge und Häuslinge zu Eigentum kamen entwickelte sich eine prosperierende Landwirtschaft, u.a. die Schweinehaltung. Kleinbauern auf Grenzstandorten mit Schweinehaltung waren der Ursprung für die heutige intensive Viehhaltung in der Region.
      Viele der damals Abhängigen wählten linke und sozialistische Parteien, die ihnen die Freizügigkeit ermöglicht hatten…..mein Opa war überzeugter SPDler, als Heuerling, der dem Bauern entkommen war und nun selbst Flächen pachten und beackern konnte.😉

      5
      • Stadtmensch sagt

        Tzja, und nun wählt die Dritte Generation die Partei der Christlichen Unternehmer Deutschlands und Grenzstandorte werden wieder zu Lustgärten und Jagdrevieren für die neue Aristokratie, von denen 80% ihr Vermögen ausschließlich durch Erbschaft erhalten haben. Die können dann dort stiftungs- und steuergeldgefördert „Schöne Landwirtschaft“, „Rewilding“ und andere Alibi-Veranstaltungen am Markt vorbei betreiben.
        Ich ziehe meine bösartige, polemische, unbelegte Aussage zurück 😉

        3
        • Reinhard Seevers sagt

          Genau Stadtmensch….interessant wird es zu erfahren, was die folgenden Generationen in der Lage sein werden aus den Flächen und dem „Nichtwissen“ hervorzubringen, wenn die Erbschaften aufgebraucht sein werden.😎

          5
            • Reinhard Seevers sagt

              „Isabell Stamm spricht nicht von Superreichen, sondern von der sogenannten „Eigentumselite“. Mit den Theorien des Soziologen Pierre Bourdieu geht sie davon aus, dass auch diese gesellschaftliche Schicht erlernt und weitergibt, welcher Habitus – also welche Art von Sozialverhalten, Umgangsformen und Art zu sprechen etwa – zum Dasein als Familienunternehmer oder Gesellschafterin dazugehört. Nachfolgende Generationen werden also zu Eigentümer*innen sozialisiert, der gesellschaftliche Status der Eltern wird reproduziert.“

              ooooaaahh, oooaaahh…ganz großes Neiddebattenthema. Was wohl los wäre, wenn ein Soziologe derart abfällig über die Vererbung von Sozialgeldempfängern, Arbeitsscheuen und Taugenichts schreiben würden. Wie tief sind wir gesunken….?

              5
              • Stadtmensch sagt

                Wieso abfällig? Alles ist gut untersucht und wissenschaftlich belegt. Auch der Blick auf die „Taugenichtse“ und warum sich sowas in einer Gesellschaft (die nicht ab und zu durch äußere Umstände gquirllt wird) wie in einem Absetzbecken stabilisiert. Siehe auch Thomas Piketty.
                Bei mir ist das nur Interesse an menschlichen Verhaltensweisen. Kein Neid. „Weiß nicht, was ich mit Geld soll“ (Sibylle Berg)
                Mich nervt dann nur, wenn jemand „Leistung muss sich wieder lohnen“ oder ähnlichen Sprachballast produziert.

                Man kann Biodiversität und Natur und Landwirtschaft nicht erklären, wenn man nicht über Menschen reden darf. Wenn die Zustände sich übel anfühlen, profitiert irgend jemand anderes. Wenn man das nicht ohne Schaum besprechen kann, geht alles seinen geordneten Gang, bis die Unten nicht mehr können und die Oben nicht mehr wollen.

                2
                • Reinhard Seevers sagt

                  „Mich nervt dann nur, wenn jemand „Leistung muss sich wieder lohnen“ oder ähnlichen Sprachballast produziert.“

                  Ja, wenn man diesen Satz nicht verstehen kann, dann ist irgendetwas schief gelaufen. Wie willst du Menschen motivieren etwas zu leisten, wenn du ihm den Großteil seines erarbeiteten Lohns wegnimmst, um es denen zu geben, die gar nicht arbeiten (wollen).
                  Wie willst du Menschen überhaupt motivieren, eine Leistung zu erbringen, wenn er dafür keine für ihn lohnende Gegenleistung erhält. Woher kommen die Gelder für die sozialen Segen in diesem Land? Fallen die vom Himmel?
                  Till Brönner hat dazu ja ein schönes Video gemacht…da wird evtl. jedem klar, warum Menschen sich wünschen, dass sich Leistung wieder lohnen sollte.

                  16
                • Stadtmensch sagt

                  „dann ist irgendetwas schief gelaufen“

                  1,8 Millionen erwerbsfähige Bürgergeldempfänger verursachen Kosten zwischen 15 und 20 Milliarden Euro pro Jahr. Knapp die Hälfte davon wird an die Leistungsträger in der Verwaltung durchgereicht. Viel geht auch an die Vermieter von Schrottimobilien (leistungslose Einkommen). Von 5.500 Euronen pro Jahr kann sich der Mensch, für den der Markt keine adäquate Beschäftigungsmöglichkeit bietet, Toastbrot, Kippen und Alk kaufen. Was will der Jazz-Trompeter hier ändern? Bin gespannt…

                • Reinhard Seevers sagt

                  Stadtmensch, ich geb auf. Ich schaffe es nicht, so verquer zu denken, wie ein Linker, oder Sozi oder Stadtmensch…..nicht möglich.🫤

                  5
            • Bauer Willi sagt

              @Stadtmensch
              Danke für das neue Thema „Erben in der Landwirtschaft“. Auf dem Papier sind nämlich viele Landwirte Millionäre. Aber auch nur, wenn sie Haus und Hof versilbern.
              Wir haben unseren Hof vor zwei Jahren an unseren Sohn weitergegeben. Nennt man „Vorgezogene Erbauseinandersetzung“. Soll er dafür Erbschaftssteuer bezahlen? Und falls ja, wieviel?

              2
              • Kemetbauer sagt

                @BW
                Das Thema „Erben in der Landwirtschaft“ ist sehr umfangreich und auch noch belastet mit Vorgaben aus der Historie (Höfeordnung). Dort wo keine privilegierte Vererbung stattgefunden hat, kann man an den ldw. Strukturen das Problem Realerbteilung festmachen. Kleine Flächen, auf denen man wirtschaftlich sinnvoll nicht mehr arbeiten kann. Abfindungen für weichende Erben mit Nachabfindungsanspruch und ähnliches, waren schon immer Streitpunkte, an denen Familienbande zerbrochen sind. Ertragswerte als Grundlage für Abfindungen, stehen oft in keinem Verhältnis zum Realwert des Betriebes. Die völlige Freiheit des Erblassers in Bezug auf Benennung des privilegierten Alleinerben, lässt Raum für Manipulation und Verschwörung. Rückübertragungsansprüche aufgrund von „Undank“, komplettieren das Bild von „typisch Landwirtschaft“. Herauslösen von Vermögensgegenständen zum Zweck der privaten Nutzung, mit entsprechender Versteuerung, sind immer noch ein kleines Schmankerl.
                Für die Frage nach der Steuer im Erbfall bleibt die Frage nach der Bemessungsgrundlage. Ertragswert? Geteilter Realwert? Nachversteuerungsanspruch des Staates? Teilbesteuerung bei Hofaufgabe? Immer noch stolpern viele Betriebe in die Steuerfalle, weil sie sich nicht ausreichend vorab informiert hatten. Und der Staat reibt sich die Hände.

        • Thomas Bröcker sagt

          Ich liebe Deine „bösartigen, polemischen, unbelegten Aussagen“ Stadtmensch 🤣😎

          4
      • Elisabeth Ertl sagt

        1970 übernahm auch in Österreich die SPÖ für 17 Jahre die Agenden der Landwirtschaft. Minister war nur kurze Zeit der parteilose Johann Öllinger. Der nachfolgende Oskar Weihs zog sich mit leeren Versprechungen den Zorn der Bauern zu. Unter Günter Haiden schließlich fanden bedeutende agrarpolitische Fortschritte statt. Es ging nun um die Industrialisierung der Landwirtschaft mit zwei Zielen:
        1) Dienstboten sollten nach der Übernahme ihrer Arbeit durch Maschinen die Möglichkeit erhalten, sich aus dem Patriarchat der ländlichen Gesellschaft zu befreien und ihren Interessen besser entsprechende Karrieren einzuschlagen. Das war ein positiver Ausleseprozess, der nur die Motiviertesten und Fähigsten in der Landwirtschaft zurück ließ.
        1978 wurde das Bauern-Sozialversicherungsgesetz beschlossen, das den Landarbeitern ihren bäuerlichen Arbeitgebern gegenüber dieselben Rechte einräumte wie den Industriearbeitern.
        2) Der Strukturwandel hin zu weniger, dafür größeren, somit effizienteren industrialisierten Betrieben (1970: 433000 Betriebe, 1995: 239.000) sollte gleichzeitig die Preise für Lebensmittel senken und der ganzen Bevölkerung zu einem bis dahin beispiellosen Wohlstand verhelfen. Agrarwissenschafter organisierten Schulungen und Beratungen für Landwirte, um sie über die jeweiligen technologischen Neuerungen zu informieren und finanzielle Unterstützung für Investitionen anzubieten. Damals begann man z.B. die Tierfabriken zu fördern, damit sich die Bevölkerung täglich Fleisch leisten kann. Die hohe Flächenproduktivität machte den Anbau ausreichender Futtermittel möglich.

        1
    • Elisabeth Ertl sagt

      Nicht nur der NGOler, sondern auch der Jagdtourist sucht Natur. Und beim WWF sind Naturschützer und Jagdlobbyisten sowieso in Personalunion aktiv wie Klaus Hackländer.

      1
  5. Thomas Bröcker sagt

    Ich habe grade nochmal KI bemüht um den Beitrag und die Diskussion von Herwig Scholz zum Insektensterben im Orbroicher Bruch aus 2019 zu finden.
    https://www.bauerwilli.com/weniger-insektenmasse-aber-mehr-vielfalt-gut-so/
    Diesen Beitrag und die Diskussion damals dazu wollte ich @Kemetbauer zum Nachlesen ans Herz legen. Da ist nämlich zum Zusammenhang von Insektenmasse und Vielfalt und der Art der Landnutzung (Landwirtschaftlicher Nutzung versus „Zurück zur Natur“ durch „Rewilding“) exemplarisch beschrieben.

    4
  6. Limes sagt

    Ein „zurück zur Natur“ wird es in unseren Breiten insbesondere in D nicht geben das ist eine Illusion denn seit Jahrhunderten ist alles um uns herum menschengemachte Fläche. Im Ergebnis haben wir eine Vielzahl von Pflanzen und Tiere genutzt die vor allem mit Unterstützung der Menschen gewollt oder ungewollt eingewandert sind und unsere Umgebung prägen. Dies hat zu einer Vielfalt geführt die sich von den ursprünglichen eher eintönigen Wald- oder Moorflächen unterscheiden.
    Ja selbst die so bezeichneten „Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete etc“ entstehen und folgen ausschl. menschlichen Interessen, je nach Vorliebe der jeweiligen Protagonisten. Alles folgt dem immer gleichen Vorgehen, ein Verband oder Einzelpersonen meinen gerade an diesem Platz fehlt eine bestimmte Pflanzen- bzw Tier Art oder sonstiges, es werden Forderungen gestellt nach der Devise wir müßen unbedingt was ändern sonst geht die Welt unter.
    Interessant auch die Neugestaltung erfolgt fast immer in Verbindung mit landwirtschaftlichen Massnahmen z.B Freihalten und Pflege durch Schafe, Ziegen, Rinder oder gar importierten Wasserbüffeln um ein gewolltes vermeintliches Parardis zur Weltenrettung zu kreieren. Selbst die Projekte zur Umwandlung in Moore kommen nicht ohne menschliche/landwirtschaftliche Pflege aus. Das ist doch alles keine Natur. Hinzu kommt das Klima ändert sich regelmässig und das seit Ewigkeiten.
    Wem ist eigentlich damit gedient wenn Flächen von z.B Pflanzen wie Getreide, Raps, Kartoffeln oder Zuckerrüben die hier in unseren Breiten vorzüglich wachsen und regelmässig hohe Erträge bzw wesentlich höhere Erträge als in anderen Regionen liefern nicht genutzt werden. Bewusster Ertragsverzicht führt zu mehr Flächenverbrauch in anderen Regionen dies muß man sich bewusst machen.

    10
  7. Tim Lossen sagt

    Leider haben wir die Beweidung mit Rindern und Pferden, die einen besonders positiven Einfluss auf die Biodiversität hat, inzwischen stark reduziert. Diese könnte teilweise die Funktion der ausgestorbenen Grossherbivoren (Auerochse, Mammut, Waldelefant etc.) ersetzen.

    4
  8. Sonja Dengler sagt

    Diejenigen, die angeblich „zurück zur Natur“ wollen – sind das dann auch die, die wieder Holzäpfel essen?

    8
    • Elisabeth Ertl sagt

      Sie verschwenden Ressourcen, indem sie die Rinderzucht um mehr als 4000 Jahre zurückwerfen und Mutterkuhhaltung betreiben statt Milchwirtschaft.

      1
      • Kemetbauer sagt

        @EE
        Dort wo heute Mutterkuhhaltung betrieben wird, wurde früher oft Milchviehhaltung betrieben. Warum kam es zur Veränderung? Weil sich die Milchviehhaltung auch dort nicht mehr rechnete. Wir sollten froh sein über die heutige naturverträgliche Nutzung.
        Welche sinnvolle Alternative sollte es dort geben?

        • Limes sagt

          „Wir sollten froh sein über die heutige naturverträgliche Nutzung.“
          Das ist eine Nebelkerze und keine naturverträgliche Nutzung denn es ist eine Fläche die von Menschen so gemacht wurde und bearbeitet damit folgt sie ideelen und wirtschaftlichen Interessen eines Menschen oder einer Gruppe, das hat nichts mit Natur zu tun. Das sie froh sind kann ich verstehen aber „Wir sollten froh sein…“ da hab ich meine Zweifel.
          Folgt man den derzeitgen Forderungen einiger Akteure dann sollten diese Flächen vollständig in verschiedenen Sukzessionsphase der Natur zugeführt werden d.h kein Eingriff vom Menschen vor allem wenn sie an Gewässern liegen.

        • Elisabeth Ertl sagt

          Schon klar, wie es zur Veränderung kam: durch die Entwertung der Lebensmittel. Jetzt müssen wir froh sein, dass wenigstens noch (!) nicht alles verwildert. Aber das kommt auch bald! Mutterkühe, die aus dem Menschen draußen haltenden Freilaufstall im Tal direttissima auf die Almen gekarrt werden und dort den Wolf kennen lernen, attackieren die Hunde liebenden Touristen, und es wird der Ruf immer lauter, dort, wo die Touristen flanieren, die Mutterkühe zu Hause im Stall zu lassen. Dann können wir dort nur noch als Jäger und Sammler existieren … vorerst als sehr reiche Jäger und Sammler 🙂 Da müssen wir wohl froh sein, dass es immerhin noch jemanden gibt, der mit der Landschaft irgend etwas anfangen kann, nicht wahr?
          https://www.youtube.com/watch?v=FTu18DA0fWk

  9. Smarti sagt

    Wenn in Deutschland die Landwirtschaft aufgegeben wird: würden dann die Strassenkapazitäten ausreichen ? Es müssten ja dann unzählige Lastwagenladungen mehr an Obst und Gemüse, Milchprodukten und Fleisch sowie Mehl täglich auf den Strassen unterwegs sein. Jetzt wird ein nicht geringer Anteil an nicht (mehr) für den menschlichen Verzehr geeigneten Lebensmitteln an Nutztiere verfüttert, auch diese Futtermittel plus die Komposterde würden in Deutschland nicht mehr gebraucht und würde auf dem Strassenweg exportiert werden.
    Wir wären vollständig abhängig von Stromlieferungen aus dem Ausland, von Erdölprodukten um die Lebensmittel transportieren zu können und den Landwirtschaftlichen Erzeugnissen aus der ganzen Welt. Ob dies wie jetzt freiwillig geschieht oder wenn die Landwirtschaft bald abgewürgt wird und es unfreiwillig geschieht ist eine ganz andere Hausnummer.

    10
  10. Polymesos sagt

    Wenn ich heute durch meine Weinberge fahre
    befinde ich mich oft inmitten einer Wolke von Schmetterlingen,
    und denke mir,
    wie schade, dass diese Tage gezählt sind,
    weil die Einkäufer beschlossen haben,
    meine Produkte durch Importe zu ersetzen,
    so dass meine Anlagen obsolet werden.

    Ich möchte mal eine ganz andere Art vorschlagen,
    mit der die Bauern darauf hinweisen könnten.

    Was wäre zu halten von ca 1 Meter breiten Streifen,
    die entlang gern benutzter Wanderwege
    maximal biodivers gestaltet wären?

    Dazu wäre eine einfallsreiche Pflege erforderlich.
    Die maximale Biodiversität widerspricht vielen Umweltschutzvorschriften.
    Nur wenn man sich sachte darüber hinwegsetzt, wird sie überhaupt möglich.
    Nur wenn es nicht geregelt wird, bleibt es bezahlbar.

    Man müsste ja alle paar Meter die Pflege ändern.
    Abmähen zu unterschiedlichen Zeiten.
    Ab und zu auch mal gar nicht.
    Etwas Mist oder Gülle ausschütten.
    Ein paar Meter grubben
    oder auch mal punktuell Glyphosat daraufgeben,
    dann eine Stelle mit Laub oder Kompost bestreuen.
    Einen Eimer eingraben, ein paar Steine und gelegentlich Wasser reintun.

    usw. Das ist nur abseits jeglicher bürokratischer Kontrolle möglich.
    Sobald jemand eine Regel darüberwerfen wollte,
    wäre es mit der Biodiversität vorbei.

    Klingt nach einer verschenkten Fläche,
    aber richtig kommuniziert könnten das
    die ertragreichsten Flächen der Landwirtschaft werden,
    denn sie könnten die Herzen der Menschen erreichen.
    Brücken sind besser als Klagen.

    Die Aussage wäre in etwa:
    Schaut her.
    Ist das nicht wunderschön?
    aber nur möglich mit sachten menschlichen Eingriffen,
    ohne behindernde Vorschrift,
    denn jede Regel zerstört die Vielfalt.
    Und auch die Hochertragsfläche direkt daneben ist eine gute Sache,
    denn nur eine lokale Produktion verhindert ausufernde Importströme.

    Wenn Euch das gefällt,
    dann sagt etwas Positives über Landwirtschaft.

    Achtung: Das Wort Natur darf nirgends vorkommen,
    weil man ansonsten ja bereits wieder gegen das Verbot
    der Naturschutz Werbung verstößt.
    In Zukunft darf nur noch zertifiziert regelbasierter Naturschutz
    Naturschutz genannt werden.

    Das war ja genauso im Sozialismus,
    wo nur parteiideologische Arbeitnehmer Unterdrückung
    als wahrer Sozialismus bezeichnet werden durfte.

    8
    • Peter sagt

      Der 1m breite Streifen wäre sofort die beste Hundetoilette und damit noch „maximal biodiverser“ …und sch. auf Sozialismus!

      16
  11. Thomas Bröcker sagt

    https://www.biologie.uni-wuerzburg.de/aktuelles/single-startseite/news/insekten-im-klima-und-landschaftswandel-2/
    Das ist die vom Versuchsdesign bisher beste Untersuchung im Themenbereich Landnutzung und Artenvielfalt (bei Insekten).
    Im Grunde kann man aber auch die „berühmt-berüchtigten“ Krefelddaten aus dem Orbroicher Bruch nehmen. Nicht „DIE LANDWIRTSCHAFT“ war die Ursache für den beobachteten Arten- und Massenschwund, sondern DER NATURSCHUTZ wie er dort praktiziert wurde (Vernässen, verwildern , Landwirtschaft verbannt).
    Speziell in diesem Falle war DIE LANDWIRTSCHAFT in der dort betriebenen Form der Garant der vormaligen Artenvielfalt und Insektenmasse.

    19
    • Kemetbauer sagt

      @TB
      Naja, Artenvielfalt und Insektenmasse? Wenn Blattläuse über eine Kultur herfallen, gibt es dort auch vorübergehend eine erhebliche Insektenmasse. Wenn eine ldw. Nutzfläche in eine Naturschutzfläche umgewandelt werden soll, werden da zunächst alle an die ldw. Nutzung angepassten Arten verschwinden. Erst mittelfristig werden sich andere Arten einstellen. Diese Neubesiedlung allerdings wird langfristig allerdings wesentlich mehr Arten aufweisen.
      Es ist schon etwas lustig, wenn hier die ldw. Nutzung als der große Artenretter dargestellt wird. Nein, das ist zumindest die konv. Landwirtschaft nicht.
      Zum Schluss der Ernte hier oben wird mein Getreide geerntet. Der Mähdrescher muss komplett gereinigt werden und das macht man nicht mitten in der Ernte. Mein Mäher sagt, dass er nirgendwo so viele Insekten im Erntegut hat wie auf meinen Flächen. Ich hatte das für normal gehalten. Auf dem Zwischenlager meines Getreides findet sich immer eine große Schar von Vögeln ein. Sie laben sich an den Insekten. Warum gibt es im konv. Erntegut keine Insekten? Werden die vorher aus dem Bestand gescheucht?

      2
      • evonik sagt

        Es macht doch keinen Sinn auf dem Acker Insekten zu züchten und sie dann im Mähdrescher zu töten.
        Hab ich ja hier beobachtet.:

        Disteln in Massen mit viel Insekten, dann der Mähdrescher, dann Stroh schwaden, dann Stroh pressen, dann Stroh abfahren, dann pflügen, dann Saat und zum Schluß Wiesenwalze.

        Hat da wohl ein Insekt überlebt?

        2
      • Reinhard Seevers sagt

        ja, nee ist klar…..bei uns in der Stadt gibt es so wenige Insekten wie noch nie und hier leben so viele Ökos, wie kann das?
        Diese billige Korrelation-Kausalitäts-Argumentation geht einem langsam auf den Senkel.

        17
        • Kemetbauer sagt

          @RS
          Sie kommen offensichtlich nicht daran vorbei, meine Kommentare zu lesen. Dass sollten Sie aber, schon Ihrer Gesundheit wegen, trainieren.

          1
          • Bauer Willi sagt

            @Kemetbauer
            Ich möchte nicht gerne persönlich werden, aber Ihre Kommentare gehen mir auch auf den Senkel. Warum?
            – Sie unterstellen Dinge, die so nicht gesagt worden sind
            – Sie diskreditieren bewusst den Verfasser der Artikel (ich halte das aus, finde es aber unpassend)
            – Sie sind alleine sind im Besitz der Wahrheit, alle anderen sind unwissend oder dumm.
            – nur Ihre Bio-Landwirtschaft ist gut, konventionelle Landwirtschaft ist des Teufels und zu bekämpfen

            Sie mögen sagen, dass ich übertreibe. Das mag sein, aber das ist halt die Reaktion auf Ihre Arroganz.

            Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.

            27
            • Kemetbauer sagt

              @BW
              Ich wünsche mir mehr Objektivität Ihrerseits. Dass Sie lediglich die konv. Seite beurteilen können und deshalb immer mal wieder die Freundschaft zu einem Demeter-Bauern als quasi Objektivitätshinweis anbringen, ändert nichts an Ihrer einseitigen Beurteilung. In meinen Beiträgen begebe ich mich lediglich auf das Niveau der jeweiligen Kommentatoren. Das sollte erlaubt sein.

              1
              • Bauer Willi sagt

                @Kemetbauer
                Mit diesem Kommentar belegen Sie eindrucksvoll das von mir Gesagte. Diskreditieren, Überheblichkeit, Anspruch auf die alleinige Wahrheit.

                Inhaltlich: Ich kenne mehr als nur den Demeter-Bauer (der allerdings nicht ideologisch vernagelt ist). Unser Sohn hat seine Masterarbeit über die Umstellung unseres Betriebes auf Bio geschrieben. Uni Hohenheim, Prof. Bahrs. Er konnte dabei auf meine Kontakte zurückgreifen. Ich habe seine Arbeit von Herzen unterstützt. (Er hat nicht umgestellt)

                Im Zuge meiner beruflichen Tätigkeit habe ich zwei Jahre lang die Bio-Rüben aus ganz Norddeutschland in eine Zuckerfabrik organisiert. Dabei habe ich mit über Hundert Bio-Bauern zusammengearbeitet.

                Desweiteren sollte ich Geschäftsführer einer Bio-Kette werden. Ich habe nach langer Prüfung abgelehnt. Auch weil ich feststellen musste, dass die Interpretation von Bio im Handel sehr weit ausgelegt wird. Und das ist jetzt sehr diplomatisch ausgedrückt.

                So weit zum Thema „dass Sie lediglich die konventionelle Seite beurteilen können“ und „einseitige Beurteilung“.

                7
      • Thomas Bröcker sagt

        Nicht nur die Zusammenfassung lesen @KB. Die Studie ist vom Aufbau her erstmals neutral im Ansatz (mit ein paar kleinen Einschränkungen … der „stark strukturierte Waldrand“ ist eine schmale Übergangszone und kein Landnutzungstyp, wurde wohl wegen der erwartbar hohen Artenvielfalt mit einbezogen).
        Der Kernsatz ist ja auch nicht „die moderne konventionelle Landwirtschaft erzeugt Artenvielfalt“, sondern: Landschaften, die von der Landnutzung überwiegend mit dem Ziel der Erzeugung von Pflanzenmasse (resp. Landwirtschaft) geprägt sind, erzeugen die größte Insektenmasse. Die Vielfalt ist in städtisch geprägten Gebieten in diesen Untersuchungen etwas größer als bei LW. Geprägten Gebieten, die Insektenmasse allerdings nur etwa halb so hoch.
        Das entspricht auch meinen Beobachtungen und scheint mir nachvollziehbar.
        Da Sie damals noch nicht dabei waren, fehlen Ihnen die damals lang und breit diskutierten Aussagen von Herwig Scholz, einem dort (Krefeld) ansässigen Bio-Berater. Das ist bei Willi in der Historie sicher noch zu finden. Also um diese platte „Bäh Konvi“ und „toll Bio“ Diskussion ging es da nicht.

        7
          • Kemetbauer sagt

            @BW
            Mir sind die Aussagen durchaus bekannt. Was hat denn Weidegang heute noch mit konv. Tierhaltung zu tun? Ja, der Dung der Wiederkäuer ist die Grundlage für erhebliches Insektenvorkommen, Es handelt sich allerdings um viel Insektenmasse und relativ wenige Arten.

            1
            • Reinhard Seevers sagt

              Welche Arten in welcher Größenordnung werden von ökologisch bewirtschafteten Betrieben erhalten, geschaffen oder nicht dezimiert. Welche ökonomischen Wirkungen entfalten diese eventuellen aus deiner Sicht besseren Verhältnisse für unsere Nation für unser Volk, für die globale Bevölkerung? Sprich, wie kann man die gepriesene Höherwertigkeit evaluieren?

              5
              • Kemetbauer sagt

                @RS
                Allein die Häufigkeit der Schnittnutzung beim Grünland, läuft jeder Insektenentwicklung zuwider. Keine Insekten ist gleichbedeutend mit keine Bodenbrüter. Wenn im Ökoackerbau gepflügt, mit der Drillkombination gesät und dann erst im Spätsommer der Drusch ansteht, gibt es reichlich Zeit für faunales und florales Wachstum. Das setzt allerdings voraus, dass die Fruchtfolge funktioniert. Da können allerdings die meisten Berufskollegen nicht einmal zwischen Fruchfolge und Anbauabfolge unterscheiden. Gut wäre es auch, wenn von den konv. Flächen nicht AFU einwandern würde.
                Mit Verlaub aber mit „Volk“, „Nation“, „globale Bevölkerung“ habe ich nichts am Hut.
                Ich finde es lustig, wenn Sie hier den Versuch unternehmen, der Landwirtschaft eine ethisch-moralische Sonderstellung zuzuschreiben. Ich bin Unternehmer und damit zunächst meinem Betrieb verpflichtet.

                2
                • Reinhard Seevers sagt

                  „Ich bin Unternehmer und damit zunächst meinem Betrieb verpflichtet.“
                  Das ist lustig……was hat dann der Bodenbrüter mit der Unternehmung zu tun? Doch nicht etwa eine ethisch-moralische Höherstellung gegenüber den Kollegen?😆

                  8
                • Kemetbauer sagt

                  @RS
                  Für Sie mag das ein Widerspruch sein. Für mich ist das einfach nur Ausdruck einer ganzheitlichen Sicht. Es ist die Gradwanderung zwischen Ökonomie und Ökologie.

                • Andi sagt

                  @Kemetbauer, wusste gar nicht, dass bei euch Ökos nur gepflügt, gesät und geerntet wird. Ich dachte immer, das zwischendurch auch mehrmals gestriegelt werden muss. Muss ich mich wohl getäuscht haben. Möchte ihnen aber noch kurz mitteilen, dass ich als Konventioneller Feldlerchen auf meinen Flächen beherberge, mein Ökonachbar dagegen nicht. Vielleicht können sie mir sagen woran das liegt?

                  5
                • Kemetbauer sagt

                  @A
                  Ich hatte meine sparsamen Kulturmaßnahmen schon in Abhängigkeit von einer guten Fruchtfolge gesehen. Dort wo die Veredlung mit Wiederkäuern im Ökolandbau entweder dem Zeitgeist oder der Bequemlichkeit geopfert wurde, sieht es natürlich ganz anders aus.
                  Feldlerchen fühlen sich in höheren Beständen nicht sicher. Entweder muss man sogen. Feldlerchenfenster einrichten oder gelegentlich ein paar Reihen ausfallen lassen. Feldlerchenfenster werden allerdings auch ganz schnell zum Imbiss für das Raubwild. Fahrspuren sind grundsätzlich auch geeignet aber dann darf man sie auch nicht mehr benutzen. Bei mir hier brüten die Feldlerchen auf dem beweideten Grünland. Da gibt es Nahrung in Hülle und Fülle und die Mutterkühe haben ein Auge auf das Raubwild.

                • Thomas Bröcker sagt

                  Das Problem mit der „Guten Fruchtfolge“ ist für Bio-Betriebe mit ausreichenden Viehbeständen definitiv lösbar. Dann sind auch späte Striegelgänge meist vermeidbar. Wird die Viehhaltung aufgegeben (in der Regel nicht aus Bequemlichkeit sondern aus wirtschaftlichen Gründen), wird es, genau wie bei Konvi´s ohne ausreichend Vieh schwierig mit der Fruchtfolge. Ich kenne hier in der Umgebung mindestens 2 Bio-Großbetriebe, die dieses Problem haben. Die Bestände sind dann oft optisch genauso sauber wie die Konvi-Nachbarfelder. Da ist dann aber auch alles Leben, ausser bei den Getreidespezialisten unter den Insekten, zu Tode gestriegelt. Die allgemein zunehmende Ablehnung und der damit verbundene Rückgang der Tierhaltung sind das viel größere Problem … und zwar für beide Systeme. Energie (sprich Biogas) ist da auch keine dauerhafte Lösung, da der Kohlenstoff- und vor allem Ligningehalt der Gärreste nie auch nur in die Nähe von Stallmist kommt.

                  3
                • Elisabeth Ertl sagt

                  In den 1970er Jahren machte sich die Ökobewegung sehr wohl Gedanken über die Ernährung der Weltbevölkerung und kam zu dem Schluss, dass das biologisch möglich wäre. Damals gab es erst 4 Millionen Menschen auf der Welt. Die Bewegung war sehr wohl ethisch motiviert, vor allem ethisch motiviert.
                  Jemanden, der über seine Grundstücksgrenzen nicht hinausschauen will und sich für seine Bedeutung im großen Ganzen nicht interessiert, den kann ich eigentlich nicht ernst nehmen.
                  Was ich manchen konventionellen Diskutanten hier übel nehme, das ist genau, dass sie sich für Ethik nicht interessieren.

      • Ehemaliger Landwirt sagt

        „Auf dem Zwischenlager meines Getreides findet sich immer eine große Schar von Vögeln ein. Sie laben sich an den Insekten. Warum gibt es im konv. Erntegut keine Insekten? Werden die vorher aus dem Bestand gescheucht?“

        Kacken die auch auf das Getreide im Lager?
        Mir wurde bereits mitgeteilt, dass in Bioprodukten oft winzige Tiere vorkommen, die Fäden spinnen. In dieser Angelegenheit liegen sie richtig.

        6
      • Limes sagt

        „Auf dem Zwischenlager meines Getreides findet sich immer eine große Schar von Vögeln ein. Sie laben sich an den Insekten.“
        @ K
        Interessant. Klingt nicht nach viel Vogelkot und Insektenrückständen auf dem Getreide fördert wahrscheinlich noch Vorratsschädlinge. Irgendwie unappetitlich und wahrscheinlich auch nicht förderlich beim Verzehr.
        Sinnvoll solche Produkte aus Gesundheitsvorsorge zu meiden. Deshalb Danke für die Info werde mich entsprechend verhalten und weiter erzählen.

        6
        • Kemetbauer sagt

          @L
          Sie sollten sich angewöhnen, meine Texte korrekt zu lesen. Im Zwischenlager wird das geerntete Getreide lediglich für einige Stunden zwischengelagert. Dorthin wird das Getreide verbracht, um zeitnah auf LKWs verladen zu werden. Auf meinen Äckern rollen nämlich keine schwergewichtigen Transportfahrzeuge. Wenn ich hier die Überladegespanne mit einem Fassungsvermögen von z.T. mehr als 12t, plus Ackerschlepper, auf den Flächen herumfahren sehe, oder die Transportzüge mit Straßenbereifung parallel zum Mähdrescher fahren sehe, frage ich mich immer was die Landwirte wohl unter Bodenschutz verstehen.

          3
          • Limes sagt

            @K
            ich hab den Ablauf schon verstanden. Ihr Getreide Zwischenlager mit Insekten plus grosse Vogelschar und damit Vogelkot. Die Insekten und das Vogelkot Getreide wird auf LKW verladen das ist ein neue zusätzliche Info. Devise aus den Augen aus dem Sinn. Gut für sie das sie Abnehmer für ihr verschmutztes Getreide finden.
            P.S herrlich subtil jetzt dann noch einen Hinweis zum Abtransport Getreide vom Acker durch Nachbarlandwirte anfügen um ihr bedenkliches Verhalten zu beschönigen.

            6
            • Kemetbauer sagt

              @L
              Sie haben es mal wieder nicht verstanden. Es geht hier nicht um die sich vorübergehend in meinem Erntegut befindlichen Insekten, sondern um die wahrscheinlich auch Ihrem Erntegut fehlenden Insekten. Konv. Getreidebestände sind, auch weil es dort keine Beikrautpflanzen gibt, lebensraumfeindlich. Aber das ändert sich ja gerade. AFU, Windhalm und Co. finden, aufgrund von Resistenz, zunehmend den Weg zurück auf den Acker. Gegenmittel? Fehlanzeige! Nein, dieses ewige Hase-Igel-Spiel ist vorbei. Die Agrochemische Industrie ist nicht mehr bereit, immer wieder neue Mittel zu kreieren. Zu teuer und damit nicht wirtschaftlich, lautet die Feststellung. Dazu kommen Probleme, bedingt durch den Klimawandel. Die Schilfglasflügelzikade lässt grüßen.
              Hier in der Region gab es in diesem Jahr erhebliche Probleme mit Mutterkorn. Viel Getreide endete in der BGA. Ein wirtschaftlicher Totalausfall. Man ersparte sich lediglich die Entsorgungskosten. Schon im letzten Jahr gab es, lokal sehr unterschiedlich, Probleme. Aus der Historie wissen wir, dass eine flache Bodenbearbeitung den Infektionsdruck rapide steigen lässt. Trotzdem wurde normal gehandelt. Wie sagt der Volksmund: Sowas kommt von sowas“.
              Der ständige Ruf nach neuen PS-Mitteln verhallt wohl auch weiterhin ungehört. Lakonisch könnte man sagen: „Helft euch selbst, dann……..“. Aber, viele konv. Landwirte wissen sich nicht zu helfen. Ende aus, Tür zu.

              1
              • Thomas Bröcker sagt

                Langsam wirds aber platte Propaganda Kemeti.
                Erstens geben prozentual mehr Bio Betriebe auf (weil der wirtschaftliche Druck in BEIDEN Systemen durch den international agierenden Handel aufgebaut wird)

                Zweitens ist das Getue, als wenn es im Öko-Anbau keine Probleme mit invasiven und anderen Schädlingen gäbe der blanke Schwachsinn (für gewöhnlich können Schilfgraszikaden und andere Insekten und Pilzsporen nicht lesen und ignorieren die Bioland Schilder am Feldrand einfach)

                Drittens scheitert auch der nationale Bio-Anbau in Hochkostenländern am Handelsgebaren des LEH (internationaler Billigeinkauf).

                Wir sitzen wirtschaftlich im selben Narrenschiff und schlagen uns wegen der immer weniger werdenden staatlichen und EU-Beruhigungsgelder die Köpfe ein … das ist Absurdistan Kemeti.

                4
                • Kemetbauer sagt

                  @TB
                  Ach Herr Bröcker, wir sind Wettbewerber in einem immer enger werdenden Markt. Da gilt es sich, auf der Basis der unterschiedlichen Erzeugungsprozesse, abzusetzen. Das ist ein ganz normaler Vorgang in der Wirtschaft. Wir sind zwar Landwirte aber eben doch unterschiedliche. Solange die Auseinandersetzungen darüber verbal akzeptabel verlaufen, so meine ich, kann das kein Nachteil sein. Wenn Sie sich jetzt auf die Suche nach Diffamierungen begeben wollen, sollten Sie auch mal bei @L, @EL, @RS, @e und Co. nachschauen.

                  1
                • Reinhard Seevers sagt

                  Kemet, bis hierhin war alles gut……könnte ins Gegenteil kippen.

                • Kemetbauer sagt

                  @RS
                  Ich bleibe bei meiner sachlichen Darstellung.
                  Wie heißt es doch gleich: Wer austeilt, der muss auch einstecken können.

              • Elisabeth Ertl sagt

                Die Agrochemische Industrie ist deshalb nicht mehr bereit, immer wieder neue Mittel zu kreieren, weil zu erwarten ist, dass NGOs ihre Zulassung sowieso blockieren. So wird es in Zukunft in der Landwirtschaft auch keine nebenwirkungsärmeren Mittel geben, während die allopathische Medizin diesbezüglich noch Fortschritte macht.

                2
                • Limes sagt

                  „Die Agrochemische Industrie ist deshalb nicht mehr bereit, immer wieder neue Mittel zu kreieren, weil zu erwarten ist, dass NGOs ihre Zulassung sowieso blockieren….während die allopathische Medizin diesbezüglich noch Fortschritte macht.“
                  Das ist korrekt für D und evtl die EU für den Rest der Welt wird wird weiter nach neuen Mitteln geforscht und diese auch zugelassen. Nach der Zulassung wird geprüft ob auch ein Interesse in D besteht und gegebenfalls in eine Zulassung investiert.
                  Was soll allopathische Medizin in Verbindung mit Pflanzenschutz sein und wie werden Wirkung und Nebenwirkungen geprüft?

              • Limes sagt

                „vorübergehend in meinem Erntegut befindlichen Insekten,…“
                Welche Insekten genau haben sie denn in ihrem Getreide gefunden die für sie wünschenswert sind. Was passiert mit denen final nachdem sie diese auf den LKW verladen haben? Sie werden ja hoffentlich alle weiter betreut im Sinne von Tierwohl zu mindesten die welche nicht von Vögeln in ihrem Lager gefressen werden oder?
                Natürlich erfordern immer neue Pflanzen, Insekten, Pilze in ldw Kulturen (nicht nur dort) nach neuen Lösungen. Betroffen sind Landwirte aller Bewirtschaftungsformen deshalb kommen Forderungen nach neuen Produkten/Lösungen von einer breiten Allianz von Landwirten.

                • Kemetbauer sagt

                  @L
                  Das Getreide läuft nach dem Abladen über eine Reinigung und wird erst dann verladen.

          • Reinhard Seevers sagt

            10dt/ha Weizen mit dem 12to Überladewagen abzutransportieren, ist in meinen Augen nachhaltiger, als 5dt/ha mit dem Lastenrad wegzubringen……aber muss ja jeder selbst wissen, wie er durchs Loch kommen will.😎

            5
              • Reinhard Seevers sagt

                „Nachhaltigkeit bedeutet, heute so zu leben und zu wirtschaften, dass die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt werden, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. Das Prinzip verlangt, den Verbrauch von Ressourcen so zu steuern, dass sich die natürlichen Systeme stets erholen können.“
                Quelle wiki

                3
                • Kemetbauer sagt

                  @RS
                  Richtig, aber wie steht Ihre Aussage im Kommentar dazu? Wie erholen sich die Systeme z.B. beim Verbrauch von fossilen Energieträgern? Da ist das Lastenfahrrad wohl doch eher nachhaltig, oder?

                  1
        • Elisabeth Ertl sagt

          Also wollen Sie auf Ihren Flächen weder Insekten noch Vögel, Unkraut sowieso nicht Wie kann dann die Biodiversität höher sein als von Gegnern der Landwirte behauptet?

      • Elisabeth Ertl sagt

        Der Höhepunkt der Artenvielfalt war vor über 200 Jahren, und er war menschengemacht: der Bevölkerungszuwachs führte zu äußerst kargen biodiversen Flächen, sodass die Menschen gehungert haben. Mit einer solchen Biodiversität können Sie auch als Biobauer bei weitem nicht mithalten.
        https://www.youtube.com/watch?v=w95uEJ0xriM

        1
        • Thomas Bröcker sagt

          Die allmähliche Verbesserung der Ernährung der damals wie heute wachsenden Bevölkerung ist NUR den Agrarreformen im 19. Jhd. zu verdanken. Fruchtfolge, das Vieh in den Stall zu stellen, Beendigung der Brache der Dreifelderwirtschaft (brachte sofort 30 % zusätzlich nutzbare Ackerfläche an den Start). Dazu gehörte auch die Privatisierung der Allmende und deren „Verkoppelung“ zu größeren Stücken. Die Allmende wurde meist gemeinschaftlich übernutzt … mit den entsprechenden negativen Folgen für die Ertragsfähigkeit.
          In Deutschland waren das Albrecht Daniel Thaer im Zusammenspiel mit den Steinschen Agrarreformen und später Justus Liebig, die die Landwirtschaft auf wissenschaftlicher Basis weiterentwickelt haben. Die Böden sind seitdem durchgehend fruchtbarer geworden … damit war auch der Rückgang der Biodiversität verbunden.

          6
          • Kemetbauer sagt

            @TB
            Ja was denn jetzt? Verbesserte ldw. Produktion und Rückgang der Biodiversität? In den anderen Beiträgen wird doch beides als wachsend beschrieben.

            1
            • Elisabeth Ertl sagt

              Der Vorteil der Biolandwirtschaft ist doch längst nicht mehr der, der er ursprünglich war! Die Biobauern haben sich vom Neoliberalismus über den Tisch ziehen lassen und sich diesbezüglich den konventionellen Bauern angenähert. Der Krieg, der da in Deutschland zwischen Bio und Konvi tobt, ist nur noch lächerlich und löst im Bio-Europameisterland Österreich Kopfschütteln aus.
              Dieser Landwirt macht einen Schritt zurück zur ursprünglichen Idee:
              https://www.youtube.com/watch?v=MC5Ij_aC2R0

                • Kemetbauer sagt

                  @EE
                  Schöne Ideen. Keine Kontrolle, Verschwiegenheitspflicht, geerdetes Fachwissen, Artenkenntnisse und prakt. Wissen bei Pflegearbeiten. Das wird eine Illusion bleiben.

                • Elisabeth Ertl sagt

                  @K
                  Interessant, dass ausgerechnet Sie das als Illusion bezeichnen.

              • Kemetbauer sagt

                @EE
                Es gibt keinen Krieg zwischen Öko und Konvi aber eine Auseinandersetzung auf der Basis von Argumenten. Was ist schlecht daran?
                Öko wird heute ganz klar gesetzlich vorgegeben. Was hat sich in den mittlerweile 50 Jahren denn grundsätzlich negativ verändert? Ich bin seit mehr als 40 Jahren dabei und kann keine Veränderung in den Grundzügen erkennen.
                Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn hier einige Kommentatoren mit ihren selbstgestrickten Ökovorstellungen den Ökolandbau kritisieren wollen. Selbst Öko machen, kommt natürlich nicht infrage. Anderen die hehren Ziele vorgeben wollen, natürlich schon.

                • Elisabeth Ertl sagt

                  Es hat sich gewaltig viel verändert. Die Pioniere hatten ja nicht nur das Ziel einer ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft. Dazu kam auch das Ideal materieller Genügsamkeit und minimalstem Technikeinsatz, wie es heute noch von Kaspanaze Simme vertreten wird.
                  https://www.youtube.com/watch?v=nrwJ8F7V7Cs
                  Eine Freundin von mir hat einen Biobauernhof allein bewirtschaftet. Zum händischen Unkrautjäten auf den Äckern hat sie noch in den 1980er Jahren ihre Freunde und Bekannten eingeladen und mit einer Jause entlohnt.
                  Ihr heutigen Biolandwirte verpulvert ja weitaus mehr Diesel als die konventionellen – zum Schaden von Klima und Humusgehalt. Im Jahr 2013 habe ich einmal ein paar Module einer Biodynamik-Ausbildung besucht. Es ging bei einem um den Boden. Ein Demeter-Bauer hatte zwei Bodenziegel mit. Einer wurde etwas besser bewertet als der andere. Der war vom konventionellen Nachbarn des Teilnehmers. Es wurde dann intensiv darüber diskutiert: dass es gar nicht so einfach ist, als Biobauer einen gesünderen Boden zu pflegen unter den heutigen wirtschaftlichen Gegebenheiten.
                  Warum ist das so? Weil ihr euch in den 1990er Jahren mit dem LEH ins Bett gelegt habt.

            • Thomas Bröcker sagt

              Wie immer geht es darum was man vergleicht. Die Biodiversität des späten 18. Jhd.´s (wie sie dokumentiert ist – es gab damals auch einen Wettbewerb, z.B. möglichst seltene Schmetterlinge zu finden und zu dokumentieren … da wurde durchaus auch manches Exemplar dort hingetragen wo wo es gezeigt werden sollte … war auch eine Modeerscheinung … das nur ganz am Rande) ist so nicht wieder erreichbar. Es ist ebenso müßig Bio-als Retter der Biodiversität nach vorn spielen zu wollen, wie zu behaupten, die reinen Produktionsflächen (beider Anbauformen) würden die Biodiversität retten. Es kommt auf die Landschaftsstruktur an und da haben sich in der Vergangenheit tatsächlich die Bio´s mehr Mühe gemacht. Die Zeiten sind aber vorbei, auch große Agrargenossenschaften können und machen das inzwischen sehr gut (Z.B. Trebbin oder Saarmund im Potsdamer Raum … nur so als Beispiel).. Einer der Gründe ist auch der Umstand, dass die Flächen hier billiger sind und der Nutzungsdruck nicht mehr so hoch ist.

              1
              • Reinhard Seevers sagt

                Nur noch einmal zum Verständnis…..wozu dient eine hohe Biodiversität in Deutschland, global betrachtet? Ist es vielleicht ausschließlich als Kampfwerkzeug für eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe gedacht? Wie viel Biodiversität ist notwendig? Wie wird diese gemessen und entlohnt, belohnt. Wer profitiert von einer besseren oder hohen Biodiversität und in welcher Form profitiert er/es/sie?

                4
                • Elisabeth Ertl sagt

                  „Wer profitiert von einer besseren oder hohen Biodiversität und in welcher Form profitiert er/es/sie?“
                  Auf jeden Fall die menschliche Psyche, die weder ohne Singvögel noch ohne Schmetterlinge leben möchte. Aber diese Psyche ist ja für dich nur Gegenstand von Spott.

                • Reinhard Seevers sagt

                  Du musst mir nicht unterstellen, dass ich die Psyche von Menschen verspotte, das ist gelogen und infam. Es geht mir darum, dass Mehrheiten einer Minderheit eine Verantwortung zuspielen und zuschreiben, und gleichzeitig selber alle Annehmlichkeiten der Wohlstandsgesellschaft in Anspruch nehmen. Ich habe als Kind darunter gelitten, dass ich als stinkender Bauernlümmel die Kinder der Ärzte und Unternehmer nicht einladen mochte, weil wir weder Badezimmer noch WC hatten und man zum Klo durch den Stall laufen musste. Urlaub habe ich mit meinen Eltern nie gemacht, das einzige und letzte mal im vergangenen Jahr gemeinsam mit meiner Mutter und meiner Partnerin, welche heute beide nicht mehr leben….

                  3
                • Limes sagt

                  Tja die gewünschte sogenannte Biodiversität darüber lasst sich trefflich philosphieren das ist eine gute Sache solange man nicht selber betroffen ist.
                  Augenscheinlich wird es jetzt zur Wespen Zeit. Eifrig wird im Biergarten, beim Kaffeeklatsch auf der Terrasse oder anderen Orten nach jeder Wespe geschlagen.
                  Türen und Fenster werden mit Insektenschutzgittern versehen damit ja nicht ein Insekt ins allerheiligste eindringt und es evtl verschmutzt. Gelingt es doch einer Fliege oder einem anderen Insekt irgendwie einzudringen dann klatsch. Beim Bier und Kaffee mit Hafermilch wird dann philosphiert wie Landwirte ihre Flächen bewirtschaften sollen und dort möglichst viele Insekten dulden bzw fördern sollen.

                  3
                • Reinhard Seevers sagt

                  Die Trockenheit hat bei uns dazu geführt, dass wir NullkommaNull Mücken haben. Das ist so wohltuend, wenn man die ganze Nacht das Fenster offen lassen kann. Was auffällt ist aber auch die Totenstille am Morgen. Vögel sind bei Dämmerung nicht wahrnehmbar…..das ist unheimlich.

                  1
                • Elisabeth Ertl sagt

                  @RS
                  „Es geht mir darum, dass Mehrheiten einer Minderheit eine Verantwortung zuspielen und zuschreiben, und gleichzeitig selber alle Annehmlichkeiten der Wohlstandsgesellschaft in Anspruch nehmen.“
                  Das Problem ist halt, dass Du diesen Istzustand stets verteidigst gegen jeden, der mit anderen Lösungsvorschlägen – und sie mögen vorerst Utopie sein – daher kommt.

                • Reinhard Seevers sagt

                  Elisabeth, ich habe im Studium eine baubiologische Gruppe mitbegründet, 1983. Ich hab ein 250Jahre altes Bauernhaus ökologisch saniert und habe 15Jahre lang eine Außenstelle der Interessengemeinschaft Bauernhaus geleitet. Wir waren schon ethisch unterwegs, als andere noch gar nicht geboren waren. Was ist denn geblieben? Wer soll daran die Schuld bekommen, dass es immer noch kein flächendeckendes ökologisch geprägtes Bauen gibt? Ich nicht, ich hab alles getan und hab mich dann den Wurzeln des Lebens zugewandt, der Landwirtschaft……und zwar den Konvis, den Ökos, den BIOS, den Demeters, den AGs, den KGs, den GmbHs, u.v.m. Und nun steh ich hier und lass mir von einer Österreicherin fehlende Ethik vorwerfen? 🤓🖕

                  3
  12. Reinhard Seevers sagt

    Wer stellt denn die Frage? Gibt es einen Anlass diese Frage zu betrachten? Wenn man die Great Plains betrachtet, so stimmt die These irgendwie nicht. Ist die Frage und die These zur Natur also als eine rein nationale, deutsche zu sehen? Eine „deutsche“ Natur? 🤔

    2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert