Autor: Bauer Willi

Stadt trifft Land – Ein Dialog!?

Dieser Gastbeitrag ist von Elisabeth aus Österreich. Aber vielleicht auch typisch für andere Länder. Ich dachte immer, als weitgehend biologisch arbeitende Hobbybäuerin mit einer kleinen Schafherde würde ich urbanen Idealvorstellungen von Landwirtschaft entsprechen und sei gegen Angriffe von Städtern gefeit. Weit gefehlt! Kürzlich wurde ich von einem älteren Herrn aus der Wiener Oberschicht beschimpft, der sich schon vor einigen Jahren in der Pension hier angesiedelt hat. Schon der Begriff “Nutztier” sei für ihn ein Reizwort, er könne überhaupt nicht verstehen, wie man es zusammenbringt, solche Tiere zu schlachten. Ich habe entgegnet, dass 40% der Agrarfläche der Welt sich ausschließlich für Viehzucht eignet, und wir bald 8 Milliarden Menschen zu versorgen haben. Auch Österreichs Agrarfläche bestehe zu einem Drittel aus Almen und zu einem weiteren Drittel aus Dauergrünland. Das nahm er zähneknirschend zur Kenntnis. „Aber dann muss der Staat endlich für eine Ausbildung sorgen, wie man als Bauer Tiere richtig zu halten hat, denn so wie es jetzt ist, so kann es nicht weiter gehen“, sagte er, “Und das sag ich Ihnen jetzt ins Gesicht: es …

Eine Frage der Haltung

Wir, die Unterzeichner, sind Menschen, die sich seit längerem für und in der Landwirtschaft engagieren und dazu auf verschiedenen Wegen Kontakt mit den Mitbürgern suchen. Mit großer Sorge haben wir die Berichterstattung über die Demonstrationen am Rande der EU-Agrarministerkonferenz in Koblenz verfolgt. Im Mittelpunkt des medialen Interesses stand ein großes Banner auf einem LKW, das eine Reihe von bekannten Personen als „Henker der Landwirtschaft“ bezeichnete. Große Aufmerksamkeit erzielte auch die von einigen Landwirten mitgeführte schwarze Fahne mit Pflug und Schwert, die von den Medien als Zeichen einer zunehmenden Radikalisierung aller Landwirte interpretiert wurde. Es entsteht der Eindruck, dass die berechtigten Forderungen seitens der Landwirte hinsichtlich der Ausrichtung und Gestaltung der Agrarpolitik nicht mehr ernst genommen werden. Die vor einem Jahr durch die grünen Kreuze ausgelöste Aufbruchstimmung, die positive Berichterstattung über die große Demo in Berlin und die dadurch ermöglichten Gespräche mit den Entscheidungsträgern werden durch unüberlegte Aktionen einiger Weniger gefährdet. Der Unmut im Berufsstand ist vielfach verständlich, Protest berechtigt, aber Protest alleine reicht nicht. Und wenn Protest, dann mit Herz, Sinn und Verstand. Eine Verleumdung …

Spätsommer-Lektüre

Heike hatte mir ihr Buch schon im Frühjahr („vor Corona“) geschenkt. Gelesen habe ich es im Urlaub, an zwei Nachmittagen, also fast an „einem Stück“. Um was geht es? Eine Bäuerin, Anfang fünfzig, bewirtschaftet den Betrieb mit Milchvieh nach dem Tod ihres Mannes in Mecklenburg weiter. Bei einem Spätsommergewitter sucht eine Gruppe Musiker Schutz auf dem Bauernhof. Darunter Piet, Bauernsohn aus Norddeutschland, jetzt Trompeter. Es stossen aufeinander: Ostdeutsch und westdeutsch sozialisiert, Atheistin und Gelegenheits-Christ, beide ohne Illusionen. In die Liebesgeschichte der Beiden eingewoben die Gedanken der Milchbäuerin über Milchpreise, Kälbergeburten, Futterwerbung, Arbeitszwänge und über die Zukunft ihres Betriebes. Und genau das hat mir so gut gefallen, weil es sehr authentisch und ohne jedes Pathos beschrieben wird. Ich verstehe jetzt die ostdeutsche Seele etwas besser. Außerdem öffnet sich die Tür zu einem modernen Milchvieh-Betrieb. Lesenswert für alle. Geschrieben hat das Buch Heike Müller, Jahrgang 1965, die an der Uni Rostock Tierproduktion studiert hat. Sie ist im Ehrenamt auch für den Bauernverband und die Landfrauen unterwegs. Und bei Facebook, und bei Instagram… und… Ich kann nicht alle …

Nitrat in Bio-Spinat!

In einer Sendung von WISO ging es wieder einmal um die Frage: „Billig oder teuer – was ist besser“. Diesmal hatte man Bio-Spinat im Test und es stellte sich heraus, dass die Ware vom Discounter besser war als die Ware im Bio-Laden. Was mich aber elektrisiert hat, war die Ausweisung der Nitrat-Werte. https://www.zdf.de/verbraucher/wiso/tk-spinat-in-bio-im-check—wie-hoch-ist-der-nitrat-wert-100.html Der lag beim Bio-Spinat von Alnatura bei 1011 mg/kg. Zum Vergleich: der zulässige Höchstwert bei Trinkwasser liegt bei 50 mg/l, also um das zwanzigfache niedriger. Als Begründung für diesen Grenzwert wird oft angegeben, dass Nitrat nach Umwandlung zu Nitrit bei Säuglingen zur Blausucht führen kann. Nun wird kein Mensch 1 Kilo Spinat essen, aber mit einer Portion von 200 g nimmt man immerhin rund 200 mg Nitrat auf. Für die gleiche Menge müsste man 4 Liter Leitungswasser mit dem zulässigen Höchstwert trinken. Tatsächlich hat Deutschland bestes Leitungswasser und sollte dem Wasser aus der Flasche vorgezogen werden. https://www.sueddeutsche.de/wissen/umwelt-berlin-schulze-wirbt-fuers-leitungswasser-trinken-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-190815-99-470335 Um eines klarzustellen: Natürlich enthält jeder Spinat Nitrat, nicht nur Bio-Spinat. Aber so eine Überschrift liest sich halt besser… Journalistischer Trick… Übrigens: Neulich wurde ich …

Der Mensch als gespaltene Persönlichkeit

Es herrscht eine Diskrepanz zwischen Bürger und Verbraucher. Wir reden anders als wir handeln, auch beim Lebensmitteleinkauf. Hier eine wissenschaftliche Analyse: Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden. Inhalt entsperren Erforderlichen Service akzeptieren und Inhalte entsperren Weitere Informationen Sehr interessant zu lesen. Aber wirklich weiter bringt mich das auch nicht, weil es bei der Analyse bleibt.

Bauern und Bürger

Von Sonntag bis Dienstag ist in Koblenz das EU-Agrarministertreffen. Dazu passt die nachfolgende Dokumentation, die recht ausgewogen die derzeitige Stimmung in der Landwirtschaft darstellt und beschreibt, warum die Bauern auf die Strasse gegangen sind. Das wird schon im einleitenden Text deutlich. https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-bauern-und-buerger-100.html Sowohl Thomas als auch Dirk Andresen kommen zu Wort. Mit durchaus unteschiedlichen Ansichten. Und auch das ist derzeit typisch für die Stimmung, die sich zwischen Lethargie und Aggression bewegt. Ob die Demonstrationen in Koblenz daran etwas ändern?  

#bunteGabeln – was einer alleine nicht schafft…

Die EU-Kommission, genauer EU-Kommissar Frans Timmermans, hat kürzlich die „Farm to Fork“-Strategie vorgestellt. Die Details findet man unter diesem Link: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:52020DC0381 Die Strategie enthält sehr viele Zielkonflikte und Widersprüche. Wenn die Strategie so wie im Entwurf realisiert wird, kann dies vielen Betrieben die Existenz kosten.  Man hat uns bei der Erstellung der Strategie zwar nicht gefragt, aber wir wollen uns bei der Umsetzung beteiligen. Noch sind keine Gesetze geschrieben. Damit unsere Bereitschaft für alle sichtbar wird, stellen wir Landwirte #bunteGabeln auf. Nicht nur in die Felder, sondern an möglichst viele Orte. Nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Städten, entlang von Strassen. Überall dort, wo sie den Menschen ins Auge fallen. Wie bei den #grünen Kreuze wird das alles nur funktionieren, wenn viele mitmachen. Also gebt die Information auch an alle weiter, die nicht jeden Tag im Internet unterwegs sind. Wie die Gabel aussieht, spielt keine Rolle, man muss sie nur als solche erkennen. Welche Farbe sie hat, auch nicht. Halt das, was auf dem Hof an Farbe noch da ist. Seid kreativ. …

Farm to fork – Der Bio-Markt und 25%

Was schreibt die Kommission in ihrer „Farm-to fork-Strategie“? Der Markt für Biolebensmittel wird weiter wachsen und der ökologische Landbau muss weiter vorangetrieben werden. Er wirkt sich positiv auf die biologische Vielfalt aus, schafft Arbeitsplätze und bietet attraktive Bedingungen für Junglandwirte… … Zusätzlich zu den GAP-Maßnahmen wie Öko-Regelungen, Investitionen und Beratungsdiensten sowie den Maßnahmen der gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) wird die Kommission einen Aktionsplan für ökologische Landwirtschaft vorlegen. Mit diesem werden die Mitgliedstaaten dabei unterstützt, sowohl das Angebot als auch die Nachfrage nach ökologischen Erzeugnissen anzukurbeln. Das Verbrauchervertrauen wird dabei durch Absatzförderungskampagnen und ein umweltfreundliches öffentliches Beschaffungswesen sichergestellt und die Nachfrage wird so angekurbelt. Dieser Ansatz wird zur Verwirklichung des Ziels beitragen, bis zum Jahr 2030 mindestens 25 % der landwirtschaftlichen Flächen in der EU ökologisch zu bewirtschaften und die ökologische Aquakultur beträchtlich auszubauen. Der Ansatz, den Absatz für Bio-Lebensmittel zu fördern, ist richtig. Wenn der Absatz (zu auskömmlichen Preisen) funktioniert, wird die Erzeugung folgen. Eine Kette macht nur dann Sinn, wenn man an ihr zieht. Es muss aber sichergestellt sein, dass keine Bio-Produkte aus dem Ausland mit geringeren …

Farm to fork – eine Strategie ohne Farm (er)?

Was plant die EU-Kommission in ihrer Strategie „Farm to Fork“? Der Einsatz chemischer Pestizide in der Landwirtschaft trägt zur Verschmutzung von Böden, Wasser und Luft sowie zum Verlust der biologischen Vielfalt bei und kann Nichtzielpflanzen, Insekten, Vögeln, Säugetieren und Amphibien schaden. Die Kommission hat bereits einen harmonisierten Risikoindikator aufgestellt, um die Fortschritte bei der Verringerung der mit Pestiziden verbundenen Risiken zu quantifizieren. Demzufolge haben sich diese Risiken in den letzten fünf Jahren um 20 % verringert. Die Kommission wird weitere Maßnahmen ergreifen, um bis 2030 den Einsatz von und das Risiko durch chemische Pestizide insgesamt um 50 % und den Einsatz von Pestiziden mit höherem Risiko um 50 % zu verringern. Dazu einige Fragen: Was soll erreicht werden? Was ist mit „chemischen Pestiziden“ exakt gemeint? Auch Kupfer? 50% Verringerung wovon? Vom Wirkstoff, vom Produkt, vom Umsatz? Welches Jahr ist die Ausgangsbasis? Warum wird zwischen chemischen Pestiziden und Pestiziden mit höherem Risiko unterschieden? Warum wurde als Maßzahl 50% gewählt? Warum nicht 30% oder 80%? Warum nicht ein generelles Verbot? Ist die Nutzung von „Chemie“ generell negativ oder nur wenn …

Farm to Fork – was die EU-Kommission schreibt

In den letzten Tagen habe ich mich intensiv mit der Strategie „Farm to Fork“ der EU-Kommission befasst. In den nächsten Tagen dazu einige Texte und meine persönliche Bewertung.  Bei manchen Sätzen stockte mir der Atem. Einige Sätze aus der Strategie, die von einigen Bürger vermutlich so gesehen werden, für einen Landwirt jedoch problematisch sind: …Darüber hinaus haben die Herstellung, die Verarbeitung, der Einzelhandel, die Verpackung und der Transport von Lebensmitteln einen wesentlichen Anteil an der Verschmutzung von Luft, Böden und Wasser und an den Treibhausgasemissionen sowie tiefgreifende Auswirkungen auf die biologische Vielfalt. Obwohl der Übergang der EU zu nachhaltigen Lebensmittelsystemen in vielen Bereichen eingeleitet ist, sind diese Systeme nach wie vor einer der Hauptverursacher von Klimawandel und Umweltzerstörung. Es ist dringend erforderlich, die Abhängigkeit von Pestiziden und antimikrobiellen Mitteln zu verringern, den übermäßigen Einsatz von Düngemitteln zu reduzieren, den ökologischen Landbau zu intensivieren, den Tierschutz zu verbessern und den Verlust an biologischer Vielfalt rückgängig zu machen. Die Herstellung, Verarbeitung usw. von Lebensmitteln haben tatsächlich Auswirkungen, was aber auch vollkommen logisch ist. Nicht zuletzt sind sie …