Bauer Willi
Kommentare 58

Eine Frage der Haltung

Wir, die Unterzeichner, sind Menschen, die sich seit längerem für und in der Landwirtschaft engagieren und dazu auf verschiedenen Wegen Kontakt mit den Mitbürgern suchen.

Mit großer Sorge haben wir die Berichterstattung über die Demonstrationen am Rande der EU-Agrarministerkonferenz in Koblenz verfolgt. Im Mittelpunkt des medialen Interesses stand ein großes Banner auf einem LKW, das eine Reihe von bekannten Personen als „Henker der Landwirtschaft“ bezeichnete. Große Aufmerksamkeit erzielte auch die von einigen Landwirten mitgeführte schwarze Fahne mit Pflug und Schwert, die von den Medien als Zeichen einer zunehmenden Radikalisierung aller Landwirte interpretiert wurde.

Es entsteht der Eindruck, dass die berechtigten Forderungen seitens der Landwirte hinsichtlich der Ausrichtung und Gestaltung der Agrarpolitik nicht mehr ernst genommen werden. Die vor einem Jahr durch die grünen Kreuze ausgelöste Aufbruchstimmung, die positive Berichterstattung über die große Demo in Berlin und die dadurch ermöglichten Gespräche mit den Entscheidungsträgern werden durch unüberlegte Aktionen einiger Weniger gefährdet.

Der Unmut im Berufsstand ist vielfach verständlich, Protest berechtigt, aber Protest alleine reicht nicht. Und wenn Protest, dann mit Herz, Sinn und Verstand. Eine Verleumdung von Personen ist kontraproduktiv und wird von uns abgelehnt.

Mit der Farm-to-Fork-Strategie der EU- Kommission ist die zukünftige Ausrichtung der europäischen Agrarpolitik vorformuliert. Sie wird die gesetzgebenden Prozesse der nächsten Jahre bestimmen z. B. auch die nationalen Maßnahmenpläne im Rahmen der EU-Agrarförderung ab 2023.  Deshalb sollten wir Landwirte uns jetzt rechtzeitig in die Diskussionen mit unseren konkreten Lösungsvorschlägen einbringen. Die Vorarbeiten dazu sind schon gemacht.

Agnes Greggersen, Angeliter Deern

Amos Venema

Anita Lucassen

Anke Knuf    @grenzlandeis

Arnold Krämer, Unternehmensberater

Bernhard Barkmann, Blogagrar

Bettina Hanfstingl

Dirk Nienhaus, Bocholter Landschwein

Franz Kinker

Gabriele Mörixmann, Aktivstall für Schweine

Gerhard Langreiter

Heike Müller

Hof Albersmeier

Ludwig Wreesmann

Marco Becker

Nadine Henke, Brokser Sauen

Norbert Oberniehaus,  Landwirtschaftsmomente

Ralf Pauelsen,  Bauer aus der Nachbarschaft

Rene Rempt

Thomas Andresen, Hof Barslund

Willi Kremer-Schillings, Bauer Willi, www.farm2fork.eu

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58 Kommentare

  1. unkomplizierter Wurzelwicht sagt

    Ich muss ehrlicherweise eingestehen, das alternativ gewünschte Symbol einer blutroten Forke auf unseren Äckern weckt in mir genauso wenig positive Assoziationen wie das Fahnenmeer in Koblenz. Die Zeichensetzung ist für mich beide Male ein bildlich unverkennbarer ziviler Ungehorsam.

    Wobei man über letzteren angesichts der aktuellen agrarpolitischen Positionierungen nicht grandios verwundert sein kann. Tatsächliche Gewaltauswüchse hat es bislang auf keiner Seite noch gegeben.

    Insofern verstehe ich nunmehr nicht unbedingt diese nachdrückliche Distanzierung von einigen Bauernkollegen. Wäre es nicht gescheiter, diesen weit eher mäßigend zur Seiten zu stehen.

    …Nur randständig angemerkt: In meinem Umfeld ist noch keine blutrote Mistgabel auf einem Acker zu sichten, die grünen Kreuze stehen aber nach wie vor.

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  2. Ottmar Ilchmann sagt

    Es muss bitter sein, dass die Agarbloggerszene in der Zukunftskommission Landwirtschaft gar nicht vertreten ist. Dadurch wird ihre tatsächliche Bedeutung sichtbar. Vielleicht rührt daher dieser etwas frustfrierte Beitrag.

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    • Bauherr sagt

      Hätte nie gedacht, dass mir mal ein Beitrag von Ottmar gefällt… Die „Not“ scheint Bauern zu vereinen im weitesten Sinne. Es muss noch schlimmer werden und man bekommt die drei Bauern unter einem Hut, ohne welche tot zuschlagen

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        Da sieht man mal wieder, wie jemand mit einer un-bedeuteten Kleinigkeit jemand anderem Freude schenken kann.

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    • Christian Bothe sagt

      Ach H. Ilchmann, glauben Sie wirklich das das nötig wäre. Ist doch nur Zeitverschwendung oder?

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  3. fingerphilosoph sagt

    Mir wird bei diesem Aufruf nicht ganz klar, worauf die Unterzeichner eigentlich hinauswollen. Werden die Medien kritisiert, die sich bei den Bauern-Demos auf schwarze Banner oder/und Henker-Sprüche fokussieren oder werden die Landwirte kritisiert, die schwarze Banner und Henker-Sprüche auf ihren Traktoren mitführen? Es entsteht bei mir der Eindruck, dass die schwarzen Banner und Henker-Sprüche nur deshalb von den Unterzeichnern kritisiert werden, weil die Medien vorzugsweise eben darüber berichten.
    In diesem Fall läuft das Anliegen der Unterzeichner lediglich auf das Anmahnen von „political correctness“ hinaus, also auf eine willfährige Anpassung an die Gepflogenheiten der medialen Berichterstattung, und das m.E. hat mit Herz, Sinn und Verstand auch nicht besonders viel zu tun.

    Auch hier bei Bauer Willi wird darüber diskutiert, und Bauer Willi sagt es selbst, dass der Umbau der Landwirtschaft, so wie die Politik ihn plant, einer Abschaffung der Landwirtschaft in Europa gleich kommt, oder habe ich das jetzt sooo falsch verstanden?

    Abschaffung kann man plastisch durchaus als „Tod“ der Landwirtschaft darstellen. Wenn man die Personen, die dabei sind, die Landwirtschaft in Europa abzuschaffen, als „Henker“ darstellt, inwieweit soll das dann Verleumdung sein? „Henker“ trifft es m.E. auch besser als „Totengräber“, wie in der Diskussion vorgeschlagen wird, denn die europäische LW stirbt ja offenbar nicht eines natürlichen Todes, sondern eines Todes, der politisch verursacht wird. Und ein „Henker“ handelt ja im Rahmen der staatlichen Vorgaben.
    Es handelt sich also gar nicht um eine Verleumdung, sondern um die Überspitzung eines an sich korrekten Sachverhalts, ähnlich wie ein Aphorismus das leistet. Wenn sich also jemand ins Unrecht setzt, dann doch eher die Unterzeichner des Aufrufs, die von Verleumdung reden, wo keine ist.

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  4. Bauherr sagt

    Arnold Krämer, ich bin tief enttäuscht, dass Sie sich da eingereiht haben. Ihr Fachwissen und Ihre Empathie habe ich immer geschätzt

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    • Arnold Krämer sagt

      Bauherr, Wo haben Sie sich bezüglich meiner früheren Aussagen und der der Aussagen im obigen Text getäuscht, so dass Sie jetzt enttäuscht sind? Was ist dort „enttäuschend“?

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      • Bauherr sagt

        Sie haben dich an einen persönlichen Rachefeldzug des Bauern Willi gegen MSB beteiligt zum Schaden aller. Diese Aktion hilft nur Klöckner. Wenn sie nicht widersprechen, rufe ich mal an in den nächsten Tagen

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        • Arnold Krämer sagt

          Gerne, ich stehe im Telefonbuch, dann erfahre ich auch, was MSB heißt.
          Das ist jetzt nicht nur schweigende Zustimmung.

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Sind die Bits innerhalb einer Binärzahl gemäß MSB 0 nummeriert, dann hat das Bit mit dem höchsten Stellenwert (Englisch most significant bit) die Nummer 0 (= ist das Bit mit dem Index 0).

          MSB ist bei einer Binärzahl mit den Positionen 0 , 1 , … , N − 1 {\displaystyle 0,1,\ldots ,N-1} {\displaystyle 0,1,\ldots ,N-1} die Bitposition 0 die höchstwertige, dann ist deren Wert mit 2 N − 1 {\displaystyle 2^{N-1}} 2^{N-1} zu multiplizieren.
          Verstanden?
          Nein, macht auch nichts.

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  5. firedragon sagt

    Eigentlich goldig, dass sich hier über Ein Banner unterhalten wird.
    Gerade im Radio, Leipzig. Drei Tage Randale, von Links oder wem auch immer, wg Wohnraum. Ich habe keine Ahnung, was da genau los ist.
    Frau Klöckner hatte sich in Koblenz dahingehend geäußert, dass sie Angst hätte, vor den (radikalen) Bauern. Sie hatte den Bauern schon einmal Radikalität anhängen wollen …
    Ich schreibe es gerne nochmals – kein Landwirt würde sich so verhalten, wie sich derzeit verschiedene Gruppen in den Städten aufführen!
    Ja, Landwirte äußern ihren Unmut, sie schaden aber niemandem, sie respektieren Fremderleuts Eigentum und vergreifen sich nicht daran, anders als die Politik mit ihren Auflagen. Und ich glaube, eine Frau Klöckner, selbst eine Frau Schulze, ist im Kreise von wütenden Landwirten immer noch am sichersten aufgehoben.

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      • Paulus sagt

        Ehemaliger, darauf hätten die Bauern auch intelligent antworten können. Statt mich darüber aufzuregen hätte ich (z.B. als DBV) eine entsprechende Agentur mit jungen Kreativen bemüht. Die hätten die Ministerin samt ihrem Gefolge garantiert lächerlich gemacht. So nach dem Motto, tanzt die Ministerin auf einem Bein …, mir fällt jetzt nur was unanständiges ein aber andere können das garantiert besser.
        Aber dazu seid ihr zu altbacken und zu knickerig.

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        • Schmeckt gut sagt

          Darf ich insbesondere für den letzten Satz den „Daumen heben“ oder sollte ich mich als Bauer zurück halten 😉

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        • Ehemaliger Landwirt sagt

          „. So nach dem Motto, tanzt die Ministerin auf einem Bein …, mir fällt jetzt nur was unanständiges ein aber andere können das garantiert besser.“

          Die gespielte Empörung hätte bei den Medien zur Seitenweise Berichten geführt.

          Bauern haben zu kuschen und nichts unanständiges zu sagen.
          Beim letzten Satz gebe ich dir direkt Recht, ohne den Hinweis zu vergessen, dass ich Ehemaliger bin.😜

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    • Paulus sagt

      firedragon, dein letzter Satz dürfte zutreffend sein. Die wütenden Bauern würden doch übertrieben gesagt, niemals zulassen, dass den Damen auch nur ein Haar gekrümmt wird.
      Abgesehen von diesem unglücklichen Banner verlief doch alles friedlich und diszipliniert, genau so wie bei den Treckerdemos. Ich fand es toll wie diese organisiert wurden und abliefen. Was hier irritiert ist tatsächlich dieser Aufruf, der Außenstehenden mal wieder die Tatsache der Uneinigkeit unter den Bauern vermittelt. So wird das nix, nie und nimmer!
      Als viel schlimmer empfinde ich diese Aktion mit diesen bedrohlichen Mistforken. Das verstehen die Pseudo-Kommunikationswissenschaftler unter den Bauern aber nicht. Ist aber nur eine unmaßgebliche Einzelmeinung, sehr geehrter Herr Dr. Kremer-Schillings. 🙂

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      • firedragon sagt

        Ja Paulus …und Du weißt ganz genau, dass es eben keine „unmaßgebliche Einzelmeinung“ ist.

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  6. LSV aktiv sagt

    aaaalso …

    zum Thema Radikalisierung. Was da von unseren Qualitätsmedien da herbeigeschrieben wird ist unglaublich. Da wird krampfhaft nach jedem Schwachpunkt gesucht um irgendwie einhaken und die Initiative der Landwirte in die Naziecke stellen zu können.
    Das Thema der Flaggen wurde hinlänglich intern ausgiebig diskutiert, ich selbst wies mehrfach auf den Kontext der Farbgebung schwarz-weiß-rot, die eben mit den Nazifahnen gesetzt sind hin, habe für die Kollegen wiederholt Entwürfe mit LsV-Farben vorgeschlagen, leider ohne Erfolg, die Landwirte aus dem hohen Norden kleben an ihrer Landvolk-Fahne, auch wenn sie im Geiste eigentlich damit nach meiner Beobachtung nicht mehr konform sind und hinter dem Motto „wir bitten zu Tisch“ im Sinne von „wir wollen das Gespräch“ stehen.

    Wir kennen doch das Schema mittlerweile von Nürnberg z.B., tausende demonstrieren, gesittet, ordentlich, sachlich aber die Schmutzfinken picken sich zwei Fahrzeuge mit provokanter Beflaggung heraus um die ganze Truppe in den Dreck zu ziehen.
    Wir kennen das Problem ja zu Genüge, wenn Berichte über die Landwirtschaft bebildert werden, da werden Feldspritzen die Getreidebestände behandeln herangezogen beim Thema Glyphosat, Bilder von übel zugerichteten Kühen oder Schweinen zum Thema Haltungsbedingungen, Güllewagen zum Thema Nitrat usw., die Beispiele sind Legion.

    Ich frage mich immer öfter: Cui bono?

    Läuft es nur noch auf „divide et impera“ hinaus?

    Die Distanzeritis jedenfalls ist fehl am Platze, vorallem von unserem PV-Präsidenten. Er wäre gut beraten sich einzureihen und mal die Frage zu stellen „warum führen die diese Zeichen?“
    Das Frau Klöckner tut was sie tut, ist klar, sie ist Politikerin, muss sich mit dem Wind der öffentlichen Meinung drehen, das ist ihr Job … es stellt sich aber die Frage auf was diese öffentliche Meinung basiert und aus dieser Sicht war das provokante Plakat schlicht falsch adressiert (ausgenommen der EU-Vertreter). Eigentlich hätten da andere Gesichter drauf gehört:

    Giovanni di Lorenzo
    Hans Werner Kilz
    Steffen Klusmann
    Barbara Hans
    Clemens Höges
    Robert Schneider
    Rainald Becker
    Dr. Thomas Bellut
    Tom Buhrow

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    • Ostbauer sagt

      Wer Radikalisierung sehen will, der sieht sie. Ob nun in der Fahne des Landvolkes oder in Bernd das Brot.
      Wenn man die gleichen Maßstäbe bei der Beurteilung der Fahne auch bei der Historie des Demeterverbandes anlegen würde; ja was dann?
      Es läuft doch auf den Demos alles noch ganz relaxt! Bei manchen Sachen würde ich für mich sagen; ok, ist jetzt nicht so mein Ding, aber distanzieren im vorauseilenden Gehorsam brauch sich eigendlich keiner.
      Es sei denn, man hat die Befürchtung, dass die Politiker dieses zum Anlass nehmen den Dialog abzubrechen. Das wäre allerdings in meinen Augen ein Armutszeugnis!

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  7. oberländer sagt

    Lasst euch nicht aus einander reisen .
    Stellt Einigkeit her .
    Steht zusammen wie eine Wand .
    Redet klar und mit einer Stimme .
    Haltet Euch nicht mit Schwätzern auf .
    Zehn Worte sind genug für einen Satz .
    Nennt die Kinder beim Namen .
    Und wenn es sein muss die Faust auf den Tisch

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  8. Friedrich sagt

    Ich stimme den Unterzeichnern voll zu und verurteile auch das Henkerplakat . Auf der anderen Seite dürfen wir den Meinungskorridor nicht zu sehr verengen , denn mit der EU-Politik wird vielen Bauern die Existenzgrundlage entzogen und dann kommen solche Plakaterscheinungen zum Vorschein. Was die EU-Kommission hier vorhat ist ja auch vergleichbar einer Diktatur, denn gewählt sind diese Leute ja nicht und einen demokratischen Prozeß gibt es auch nicht. Was die EU hier vorhat, hat nichts mit Realpolitik zu tun , sondern ist der Ausdruck von Moral und Ideologie, eine fatale Entwicklung. Mit Rechtsstaatlichkeit hat das nichts mehr zu tun. Es ist der Kniefall vor den NGOs und der politisierenden Presse. Ein Ausdruck in richtung Diktatur ist auch das komplette Brechen nahezu aller EU-Verträge. Dazu hat keiner unsere Politiker gewählt. Letztlich wird das kräftige Wohlstandsverluste für uns alle bringen und den weiteren Weg in DDR 2.0 ebnen.

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    • Ostbauer sagt

      Friedrich,
      in Deinem ersten Satz“ verurteilst“ Du das“ Henkerplakat“.
      Aber wenn ich den Rest Deines Kommentares und Deine vielen anderen zu aktuellen Themen der Landwirtschaft lese, komme ich schon ins grübeln.
      Deine Aussagen:
      -vergleichbar einer Diktatur
      -keinen demokratischen Prozess
      -mit Rechtsstaatlichkeit hat das nichts mehr zu tun
      -Kniefall vor den NGO`s
      -Wohlstandsverluste ala DDR 2.0
      Wenn wir 89 mal so höflich bei Honnie gefragt hätten, was Ihm denn so genehm sei, wäre wohl nicht viel dabei rausgekommen.
      Eigendlich müsstest Du noch ganz andere PLakate aufhängen. (-:

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  9. Obstbäuerin sagt

    Auch bei anderen Demos, egal welchen Inhaltes, nutzen Randgruppen die Möglichkeit mit ihren Ansichten in die Öffentlichkeit zu kommen. Wie will man das verhindern. Im Umkehrschluss ergibt sich daraus aber leider auch die Möglichkeit eine Demo in Verruf zu bringen, indem man solche Leute beauftragt oder einschleust. Ich bin nicht der Ansicht, dass man solch marginalen Erscheinungen noch eine größere öffentliche Plattform bieten sollte.
    Ich kann mich noch gut an die Naziaufläufe in Frankfurt erinnern, die in den Medien hochgepuscht wurden und dazu geführt haben, aus Frankfurt eine rechte Schmuddelecke zu machen. Von teilnehmenden Nazis kamen mehr als 50% mit dem Zug irgendwo her und waren dann im Schnitt 120 Teilnehmer. Die Gegendemo umfasste so zwischen 300-500 Teilnehmer und die Polizei war schon mal mit 500 Polizisten vor Ort. Diese schützten dann die Nazidemo vor den Protesten der Antidemo. Hätte man die Nazidemo ignoriert, wäre ihnen weniger Aufmerksamkeit beschieden gewesen und hätte sich sehr viel schneller erledigt. So wurden es von Demo zu Demo immer weniger Nazis (die letzte glaube ich mit 30 Teilnehmern) und seit einigen Jahren gibt es diese Demos nicht mehr.
    Viel kritikwürdiger finde ich, dass sich die Politik von ihren Kritikern so abschottet, dass die Kontaktmöglichkeiten so eingeschränkt werden, wie es diesen genehm ist.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Die Medien haben doch nur marginal berichtet und wenn dann sachlich und ohne Aufregung: https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/bauern-demo-koblenz-100.html

      Ruckwied hat sich auch distanziert!
      Die Demo verlief friedlich und ohne große Aufmerksamkeit. Sogar die Corona-Regeln wurden eingehalten und Bauern ließen sich am Stadtrand abfangen, ohne „durchzubrechen“ und Krawall zu machen…die Polizei lobte die Veranstalter…..
      Noch mehr konformes Verhalten geht wohl kaum.

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    • Arnold Krämer sagt

      „Viel kritikwürdiger finde ich, dass sich die Politik von ihren Kritikern so abschottet, dass die Kontaktmöglichkeiten so eingeschränkt werden, wie es dieser (der Politik) genehm ist.“

      Tut sie das? Ich glaube das nicht. Zwischen „Wahrgenommenwerden“ und „Beachtetwerden“ bzw.“Berücksichtigtwerden“ liegt eine ziemlich große Diskrepanz.

      Politik wird von Menschen gemacht. Also muss man den Zugang zu den Menschen finden, den Menschen in den Apparaten und den Menschen an der Spitze der Apparate, die nach Wahlen häufig ausgewechselt werden, ganz nach dem Motto „Politiker kommen, Politiker gehen, Beamte bleiben“. Daher ist auch die Personalpolitik ein wichtiges strategisches Mittel der parteipolitischen Machtausübung.
      Das Ganze macht die Sache mit dem Zugang für Außenstehende grundsätzlich immer schwierig, insbesondere wenn man offensichtlich in Opposition zur Mehrheit des Apparats und gleichzeitig zu dessen politischer Führung steht.
      „Gutes Benehmen“ ist wahrscheinlich immer eine Grundvoraussetzung, um überhaupt Zugang zu mittelbaren oder unmittelbaren Entscheidungsträgeren zu bekommen, unabhängig von der Klarheit und Deutlichkeit eigener Argumente. Und auch darum geht es Willi und seinen Mitstreitern (ich muss das jetzt nicht mit Genderssternchen schreiben oder?)

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      • Obstbäuerin sagt

        „Gutes Benehmen“ ist wahrscheinlich immer eine Grundvoraussetzung, um überhaupt Zugang zu mittelbaren oder unmittelbaren Entscheidungsträgeren zu bekommen, unabhängig von der Klarheit und Deutlichkeit eigener Argumente.
        Da scheinen NGO`s und sämtliche Gegner der konventionellen Landwirtschaft einfach die bessere Kinderstube zu haben? Kann man bei „Wir haben es satt!“ immer wieder gut beobachten. Da wird dann schon mal von „bösen konventionellen“ Bauern vergifteter Honig vor das BMEL gekippt – von anderen Anschuldigungen ganz abgesehen.
        „…Imker schüttet verunreinigten Honig vor BMEL…“

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        • Arnold Krämer sagt

          Da haben Sie nicht genau genug gelesen. Der Satz davor:
          „Das Ganze macht die Sache mit dem Zugang für Außenstehende grundsätzlich immer schwierig, insbesondere wenn man offensichtlich in Opposition zur Mehrheit des Apparats und gleichzeitig zu dessen politischer Führung steht“, gehört zu meiner Argumentation dazu.

          Sie liefern jetzt ein „schönes“ Beispiel für manipulatives Zitieren. So kenne ich Sie ja garnicht.

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          • Obstbäuerin sagt

            Ich hatte nicht die Absicht manipulativ zu zitieren, Herr Krämer. Irgendwie verstehe ich Ihre Argumentation einfach nicht. Ist es eventuell so gemeint?
            Wenn ich in Opposition zu den Beamten und zur politischen Kaste stehe, kann ich mir nur durch vorbildliches Verhalten Gehör verschaffen. Ausfälligkeiten sind allerdings gern erlaubt, wenn ich auf den gemeinsamen Feind eindresche.

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            • Arnold Krämer sagt

              „nur durch vorbildliches Verhalten“ … habe ich nicht geschrieben und auch nicht gemeint. Und es geht ja in der politischen Auseinandersetzung nicht nur um Gehör (Verstehen) sondern in erster Linie um Verständnis und angemessene Berücksichtigung der jeweils eigenen Argumente. Auch das Auftreten der schlimmsten „Rabauken“ wird gehört und „verstanden“ oder ggfls „mißverstanden“.

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  10. Christian Bothe sagt

    „Radikalisierung“ sehe ich nicht so, aber massive Proteste sollten und müssen sein, weil das die einzige Sprache ist, welche die Politikerkaste noch versteht.Frankreich‘s Farmer sind da schon weiter und lassen sich mit allgemeinem Politikergeschwafel nicht mehr abspeisen…Also Bauer Willi, man sollte alle Mittel nutzen, um diese „Farm to fork Strategie“und anderen Unsinn der EU zur Diskussion zu stellen und entsprechend reagieren.

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    • Bauer Willi sagt

      „Henker der Landwirtschaft“…Ist das in Ordnung? Ich habe da ein anderes Empfinden.
      Was haben die französischen Bauern erreicht? Die Pflanzenschutzgesetze sind dort schärfer als bei uns…

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      • Christian Bothe sagt

        „Henker der LW“. Sagt aber inhaltlich alles aus, wenn auch etwas brutal formuliert…

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        „Henker der Landwirtschaft“…?

        Was sagt das aus?

        Nach meiner Meinung ist die, dass die Schreiber dieses Spruches das Ende ihres Berufes sehen, das Ende ihres Berufstandes.
        Ich bin ja aus diesem Problem raus, wer aber meine Meinung hören will, wenn man die Politiker streichelt, wird man nicht weiterkommen.
        Andere Gruppen führen die Proteste wesentlich härter, selbstverständlich müssen die Gesetze eingehalten werden.

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        • Bauer Willi sagt

          Ich denke, es ist den meisten hier klar. was mit „Henker“ gemeint ist.

          Meines Wissens ist es im Mittelalter noch niemandem gelungen, mit seinem Henker einen Dialog zu führen. Der stand am wörtlich „´längerem Hebel“… 😉

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          • Reinhard Seevers sagt

            Man kann auch die Bezeichnung
            “ Überinterpretation“ nutzen……
            Zuspitzung ist im Journalismus ein gängiges Handwerkszeug. In einer existentiellen Demo zulässig und nicht der Distanzierung notwendig finde ich.

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          • Christian Bothe sagt

            @bauer Willi, die Frage ist aber ob die Verantwortlichen in Berlin und Brüssel überhaupt dialogbereit sind??Das ist doch ziemlich zweifelhaft, wenn ich mir die letzten Jahre der Entwicklung unserer LW anschaue.Ausserdem gibt‘s ja bald Wahlen…

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          • Ehemaliger Landwirt sagt

            Der Henker war der Scharfrichter, der hat den Verurteilten ins jenseits befördert. Habe selbst schon so ein original Schwert in der Hand gehabt.

            Ein Dialog zu führen, bedarf 2 gleichwertige Menschen, wo beide gehört werden, aber wer sitzt am längeren Hebel, wenn man denen nicht entgegen tritt?
            Man hat es beim Volksbegehren in BW gesehen, die NGOs schicken 2 Hampelmänner vor und die Politik macht ein Gesetz wo man noch Landwirtschaft machen darf, aber kaum überleben kann.

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          • Ich denke, wir haben jetzt eine andere Gesprächskultur,

            und wer sich nicht daran hält wird öffentlich und sozial sanktioniert, oder?

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  11. firedragon sagt

    Grundsatz einer Demokratie – jeder darf seine Meinung äußern.
    In Form einer Demo, in Form dieses Beitrages.
    „Die Berichterstattung über die Demonstration am Rande der Agrarministerkonferenz“ in Koblenz war mehr als nur sehr dürftig, schreibe ich aus RLP.
    Ich unterhielt mich mit jemandem, der bei LsV aktiv ist und dort war…
    Falls jemand von LsV den, mit Unterschriften versehenen Beitrag liest, bitte nicht ausfällig darauf reagieren – denkt an die Meinungsfreiheit und schreibt sachlich, wie es war.
    Ich wünsche allen einen schönen Sonntag!

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  12. Der Brandenburgbauer sagt

    Herr Seevers, ihre Auffasung “ Warum müssen sich engagierte Menschen öffentlich von etwas distanzieren,was sie nicht vertreten haben? “ kann ich nicht teilen.
    Meines Wissens hat sich Willi sehr mit dem beschäftigt was die Dinge in Koblenz betreffen und ich unterstütze diesen Aufruf. Ich lehne auch jede Form der Radikalisierung ab, da diese doch immer wieder einen offenen erhlichen Meinungsaustausch unterbindet.
    Wenn dann wie in Koblenz geschehen, Plakate wie “ Henker der Landwirtschaft“ aufgetaucht sind, darf man nicht schweigen. Da muss man schon einen “ Ar… in der Hose haben“ und Position beziehen.

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    • Reinhard Seevers sagt

      Brandenburger, ich distanziere mich auch….weiß aber gar nicht worum es geht. Die Welt hat doch gar nichts wahrgenommen, von dem es sich zu distanzieren gilt.
      Und wenn sich Willi distanziert, dann ist das ok. Aber die Unterzeichner distanzieren sich ebenfalls, warum und unter welcher Direktive, welcher Instanz? DAS erschließt sich mir eben nicht.
      Distanziert sich die Politik auch von den an die Landwirtschaft gerichteten Vorwürfen aus Reihen der ihren?
      Hier entwickelt sich ein Sturm im Wasserglas und vorauseilender Bückling ist da wohl wenig hilfreich, zumal ohne Verantwortung jeglicher Art.

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    • Thomas Apfel sagt

      Denkst Du nicht, das gegenseitige „Auseinanderdistanzieren“ über gezieltes Herauspicken solcher Transparente dient eher dem politischen Zweck „teile und herrsche“, als der Einigung der Protestbewegungen. Man kann sich von solchen Transparenten distanzieren; wenn man danach gefragt wird; nur diese Distanzierungen in „vorauseilendem Gehorsam“ geben solchen Formen des Protestes soviel unproportionale Aufmerksamkeit, dass diese medial dazu genutzt wird LsV auszugrenzen. Und das ist vorsichtig formuliert unanständig, da m.E. die Grünen Kreuze in der Wahrnehmung eher von den Demos von LsV im Januar mitgezogen wurden als umgekehrt. Wieso kann man nicht einfach „miteinander in der Vielfalt“, sondern fängt „Distanzierungorgien“ an ?

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  13. bauerhans sagt

    der berufsstand lässt sich ja immer noch überwiegend vom Bauernverband vertreten und da passiert NIX!
    eine professionelle vertretung muss her,die will aber keiner finanzieren,obwohl das machbar und bezahlbar wäre.

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  14. Thomas Apfel sagt

    Imposante Unterschriftenliste, nur kann ich die Aufregung über „Radikalisierung“ überhaupt nicht nachvollziehen. Es hat doch in Bezug auf Koblenz eher eine Nicht-Berichterstattung über die begleitenden Proteste stattgefunden. Zumal die Proteste ja extrem auf Abstand gehalten wurden. Mein Eindruck ist eher, dass die Proteste, egal welcher Art, überhaupt keinen Einfluß auf die politischen Entscheidungen in Bezug auf die Landwirtschaft haben.

    Das ist jetzt als Unterstützung für „Bunte Gabeln“ gedacht, oder habe ich das falsch verstanden?

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    • René Rempt sagt

      Nur mal am Rand. LSV.e V. Hat Mails an die Presse/Journalisten geschickt, das Sie nicht in Verbindung gebracht werden möchten mit dem „Henkerbanner“.

      Wir Graswurzeler standen den „Traktorprotesten“ immer etwas kritisch gegenüber und haben zur Mäßigung auf gerufen. Ob dies Einfluss hatte oder nicht kann man schwierig Beurteilen, aber ich denke dadurch sind die moderaten Stimmen überall bisher lauter, als die extremen.

      1Jahr „Demos“ haben mehr erreicht, als wir gedacht hätten. MERCOSUR steht auf den Prüfstand und es gibt eine Zukunfstkommesion.
      Das die DVÜ nicht zurück gedreht wird war klar, aber bei der Durchführung und Umsetzung wird einiges geändert.
      Frau Merkel sagte mir anfange des Jahres zur DVÜ: Da müssen wir jetzt 5-6 Jahre durch bis zur Lockerung. Landwirtschaft ist kein Herzensthema von ihr.

      MERCOSUR wäre gegen den Widerstand der NGOs umgesetzt worden, erst durch die Ablehnung der Bauern wird es überprüft.

      Ich denk das wir Bauern nicht „extrem“/„Abmximal“ Foderungen gestellt haben, führt dazu das „die Poltik“ mit uns redet.

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      • Obstbäuerin sagt

        Ganz anders sieht es aus, wenn solche „maximal“ Forderungen von der Öko-Schiene kommen. https://www.topagrar.com/oekolandbau/news/eu-will-neue-oekoverordnung-auf-2022-verschieben-12341310.html?utm_source=topagrar

        „….Ökolandbau Verbündeter beim Green Deal
        Wojciechowski bezeichnete den Ökolandbau als „wichtigen Verbündeten“ bei der Umsetzung der Farm-to-Fork- und der Biodiversitäts-Strategie. Die Kommission werde den Ökolandbau dabei unterstützen, das 25%-Ziel für landwirtschaftliche Flächen im ökologischen Landbau bis 2030 mit den entsprechenden politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu erreichen….“

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        • Arnold Krämer sagt

          Die konventionelle Landwirtschaft hat „meinungsstrukturell“ einen riesengroßen Nachteil. Während in der großen Politik in Brüssel und Berlin, getrieben von Medien und NGO’s, die große Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft angedacht, vorformuliert und teilweise auch bereits massiv durch technische Vorgaben (Bsp. Automobilindustrie mit den CO2-Vorgaben für den Flottenverbrauch) umgesetzt wird, geht es für die konservative Landwirtschaft (das ist sie bezüglich der Produkte in jedem Fall und für die Herstellung grundsätzlich im Rahmen von kontinuierlicher Verbesserung auch) doch grundsätzlich um die Forderung „Alles soll so bleiben, wie es ist“. Damit kann man aktuell immer noch schlecht „punkten“, weil die Krisenerscheinungen noch nicht stark genug sind („Die Wirtschaft ist schon wieder auf Kurs“ dank………) oder noch nicht Eingang gefunden haben in die Gedankenwelt der Politstrategen in Brüssel.

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      • Ehemaliger Landwirt sagt

        „Jahr „Demos“ haben mehr erreicht, als wir gedacht hätten. MERCOSUR steht auf den Prüfstand und es gibt eine Zukunfstkommesion.“

        Mercosur steht auf dem Prüfstand, weil dieses Abkommen kaum mehr der Bevölkerung zu vermitteln ist.

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  15. Reinhard Seevers sagt

    Warum dieses Pamphlet? Warum müssen sich engagierte Menschen öffentlich von etwas distanzieren, was sie nicht zu vertreten haben? Welche Legitimation steckt dahinter? Soll das eigene „Gehörtwerden“ damit aufgewertet werden?
    Einige können sich nicht anders einbringen, als zu protestieren, weil sie nicht in der Lage sind sich öffentlich darzustellen….
    Irgendwie irritiert mich der Aufruf.

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    • Arnold Krämer sagt

      1. Der Begriff Pamphlet (Def. Wikipedia: Ein Pamphlet oder eine Schmähschrift ist eine Schrift, in der sich jemand engagiert, überspitzt und polemisch zu einem wissenschaftlichen, religiösen oder politischen Thema äußert. Die sachliche Argumentation tritt dabei in den Hintergrund; die leidenschaftliche Parteinahme gegen eine Sache hingegen überwiegt bei der Argumentation) ist hier wohl völlig fehl am Platze!
      2. In der Tat geht es um das „Gehörtwerden“. Ein Teil der Unterzeichner ist Mitglied im sogenannten Praktikernetzwerk des BMEL, das Unterstützungsarbeit für den „Apparat“ leisten soll, denn Agrarpolitik ist aufgrund der Komplexität der landw. Themen das „Bohren dicker Bretter“ und bedarf der fachlichen Unterstützung aus der Praxis.
      Der Zugang zu den politisch Verantwortlichen muss auf unterschiedlichen Kanälen erhalten bleiben.
      3. Auch wenn die in Koblenz Angegriffenen die Proteste einzuordnen wissen, etwas bleibt immer hängen und das dürfte nicht zum Vorteil des Berufsstandes sein.

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      • Reinhard Seevers sagt

        Ich distanziere mich von dem von mir genutzten Begriff „Pamphlet“ und sagen Text….ändert aber nicht den Inhalt des von mir Geschriebenen…..
        So genehm?

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