Jahr: 2019

Wie war´s bei der Kanzlerin?

2. Dez. 2019 um 14 Uhr. Eine erste Stellungnahme von Nadine und mir, eine Stunde nach dem Agrargipfel bei der Kanzlerin. Wir sitzen hier am Hauptbahnhof, haben uns einen Kaffee gegönnt und unseren ersten Eindrücke festgehalten. Alles weitere später. Die Medien haben ja auch schon vieles berichtet und werden es noch berichten. Erst einmal durchschnaufen und die Gedanken sortieren. Ob es was gebracht hat? Ja, denn #grüne Kreuze und #Land schafft Verbindung haben es bewirkt, dass im Kanzleramt erstmals seit längerer Zeit wieder mit der Branche gesprochen wurde. Ob sich was ändert? Ich bin nach diesem Treffen sehr ernüchtert. Aber ich muss noch nachdenken. Sitze derzeit im Zug nach Ulm, wo ich morgen einen Vortrag habe. Kann also mit der Analyse noch etwas dauern. Ist ja Adventszeit, Zeit der Erwartung… Bis dahin könnt ihr ja die Pressemeldung des BMEL lesen… https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2019/244-landwirtschaftsdialog.html Übrigens: die Milchkanne auf dem Foto habe ich der Kanzlerin geschenkt. Ihr wisst schon, wegen  5G an jeder Milchkanne…   0

Agrarwende – jetzt konsequent

Alle wollen die Agrarwende. Nachdem wir aus der Atomkraft und aus der Braunkohle aussteigen, ist es ja nicht unwahrscheinlich, dass die Regierung beschließt, auch aus der konventionellen Landwirtschaft auszusteigen. Die Gründe, die sie dafür anführen könnte: mehr Klimaschutz, mehr Insekten und überhaupt mehr Artenschutz, keine Überdüngung, mehr Tierwohl und so weiter. Wir wollen jetzt nicht darüber streiten, ob diese Ziele tatsächlich damit erreicht werden, aber dem Bürger wird es gefallen, den Grünen hat man ein Schnippchen geschlagen und die Große Koalition kann weiter regieren. Wenn das so käme, so hätte das finanzielle Konsequenzen. Ich habe das mal durchgerechnet: Deutschland verfügt über rund 16,5 Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche. Nach Abzug der derzeitigen Flächen der Ökobetriebe teilen sich die konventionell bewirtschafteten Flächen in rund 11,32 Mio. Hektar Ackerland und 4,06 Mio. Hektar Grünland auf. Weil die Umstellungsprämien je nach Bundesland unterschiedlich hoch sind, habe ich mir die Freiheit genommen, einen Durchschnittssatz von 300 €/ha bei Ackerland und 270 €/ha bei Grünland anzusetzen, der zu den derzeitigen Flächenprämien hinzukommt. Billig wird das nicht… In der Multiplikation mit der …

Bio: jetzt trifft es auch diesen Markt

Was passiert, wenn bei politischen Überlegungen der Markt „vergessen“ wird? Das beschreibt der nachfolgende Artikel. Die Bio-Ware ist nicht vermarktbar und wie das dann in einer Marktwirtschaft so ist, fällt der Preis. Das wird aber in vielen Medien nicht erwähnt… Jetzt wird auch dieser schöne Nischenmarkt „konventionalisiert“. Den Handel und Verbraucher wird es freuen. https://www.nachrichten.at/wirtschaft/zu-viel-bio-getreide-preis-faellt-um-ein-viertel;art15,3150945 0

Was ich Frau Merkel fragen will…

Am Montag, dem 2.12.2019 bin ich ins Bundeskanzleramt zu Frau Merkel eingeladen. Insgesamt sind es 39 verschiedene Adressaten, die mit ihr und Frau Klöckner über die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland diskutieren sollen. Dazu sind drei Stunden Zeit. Nun kann sich jeder vorstellen, was da wohl herauskommen wird. Ich muss mir also schon genau überlegen, was ich in der Kürze der Zeit vortragen will, um ein Minimum an Wirkung zu erzielen. Für meinen Redebeitrag habe ich mir deshalb eine (sicher unvollständige) Reihe von produktionstechnischen, wirtschaftlichen  und vielleicht auch ethischen Zielkonflikten und Widersprüchen in der Landwirtschaft aufgeschrieben, zwischen denen die Politik eine Güterabwägung zu treffen hat. Das tut sie bisher auch schon, aber zunehmend einseitig, mit vermutlich fatalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen für Landwirte, Beschäftigte in den vor- und nachgelagerten Sektoren und die Verbraucher in unserem Land. Ein solcher „Agrargipfel“ wird sicherlich gänzlich anders verlaufen als ein Auto- oder Stahlgipfel. Die eingeladenen Organisationen (z. B. DBV, DLG, BÖLW, AbL und BDM) vertreten zum Teil nur Partikularinteressen und haben deshalb eine z.T.  unterschiedliche Sicht und Wertung der …

Vernunft in der Agrarpolitik…

Zitat: „45 Professoren der Agrarökonomie haben sich in einer Erklärung zur agrarpolitischen Wende geäußert, die jetzt von der Bundesregierung geplant ist.“ https://www.agric-econ.uni-kiel.de/Abteilungen/marktlehre/research/download/Appell%20Agrar%F6konomen.pdf Der Text liest sich in weiten Teilen, als wäre er vor kurzem veröffentlicht worden. Hier ein Ausschnitt: „Wir unterstützen das Bestreben, in Zukunft mehr Wert auf den Verbraucherschutz, die Sicherheit unserer Nahrungsmittel und auf artgerechte Tierhaltung zu legen und erkennen in dieser Hinsicht die Notwendigkeit von Veränderungen. Wir sind aber nicht davon überzeugt, daß die jetzt angestrebte Agrarpolitik einen Beitrag zu diesem Ziel leisten kann, sondern halten sie für verfehlt.“ Tatsächlich stammt die Erklärung aus dem Jahr 2001.  Und schon damals war von „Agrarfabriken“ und „industrieller Landwirtschaft“ die Rede. Und von Verbraucherschutz, Bio-Landbau, Subventionen… Von den Unterzeichner dürfte heute wohl niemand mehr in Amt und Würden sein. Es wäre aber interessant zu erfahren, ob sich ihrer Meinung nach bis heute etwas geändert hat. Gerade den etwas älteren Kommentator*innen dürfte der ein oder andere Name noch bekannt vorkommen. Bauer Willi   0

Insekten, Bauern und Berlin

In der nächsten Woche wird das Praktikernetzwerk im BMEL  in  Berlin unter anderem auch über das Thema Insektenschutzprogramm reden. Ich kann nicht dabei sein, deshalb auf diesem Weg ein paar Hinweise und hoffentlich wertvolle Links. Wer weitere Infos hat, schreibe die doch bitte in die Kommentare. Wer wissen will, wie man viele unterschiedliche Insektenarten in die Natur zurückbekommt und warum das weniger mit Naturschutz sondern viel mehr mit der Arbeit der Landwirte geht, muss diesen Vortrag unbedingt durchschauen. Dort ist viel Erhellendes zu finden und so mancher Naturschützer wird sich wundern. Für die Diskussion, was die Landwirte tun können, sehr wertvoll. (Der Download kann etwas dauern) http://www.kunz.hhu.de/fileadmin/redaktion/Fakultaeten/Mathematisch-Naturwissenschaftliche_Fakultaet/Biologie/Institute/weitere_und_ehemalige_Dozenten/Prof._Dr._Kunz/Vortraege/Imker_2019_Vortrag.ppt Wer das Krefelder Naturschutzgebiet schon lange kennt, weil er dort wohnt, ist Herwig Scholz. Für diesen Artikel hat er viel Kritik bekommen. Logisch, denn nicht jeder verträgt die klaren Worte. https://www.bauerwilli.com/weniger-insektenmasse-aber-mehr-vielfalt-gut-so/ Ich war mit Ralf Paulsen im Orbroicher Bruch. Dort, wo die Krefelder Entomologen ihre Fallen aufgestellt haben. Hier berichte ich, was wir dort vorgefunden haben. Passt gut zum Text von Herwig Scholz. Warum weniger Insekten in Orbroich? Hier …

Kompost ist gut? Aber nicht immer…

Ein Bericht des WDR über Kompost für den Garten. Die ersten Minuten sind was für Hobbygärtner. Spannend wird es ab der 4. Minute, wo die Herstellung im Kompostwerk gezeigt wird. Es ist haarsträubend, was alles in der Tonne für organischen Abfall landet. Das kommt mir nicht auf den Acker, der ist ja keine Mülldeponie! https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/markt/video-gartenkompost-im-check-100.html 0

Bauernprotest – von außen betrachtet

Das schreibt der Tagesspiegel über die Bauerndemos: https://www.tagesspiegel.de/politik/proteste-gegen-landwirtschaftspolitik-sind-die-bauern-die-neuen-gelbwesten/25234536.html Und so stuft ein Protest-Forscher den Erfolg der Demos ein: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/proteste-der-deutschen-landwirte-buergern-ist-das-klima-wichtiger-als-die-probleme-der-bauern/25248244.html?fbclid=IwAR3TxyUSyGQldmKM13YaDQEe0fXzvILCzpkpi9zG5ThYSe5B-QEueYCyNnI Man darf gespannt sein…     0

Gabi und Greenpeace – so geht Dialog (Video)

Gabi Mörixmann ist auch eine Graswurzlerin. Gerne hat sie sich dem Dialog mit Greenpeace gestellt, denn wenn man aufeinander zugeht, ist der Weg nur noch halb so weit. Nur wenn man gemeinsam Verantwortung übernimmt, kann man was erreichen und Vertrauen aufbauen. Gabi hat ihren Aktivstall für Schweine und die Schwierigkeiten in der Vermarktung super erklärt. Schaut selbst. 0

Der längste…Regenwurm (Video)

Heute mal nichts Politisches sondern ein Video vom Acker, dass ich am 8. November aufgenommen habe. Und bevor das Schimmel ansetzt, wollte ich das noch schnell bringen. Wir haben erstmals seit Jahren wieder diese Parzelle gepflügt. Vorher stand dort Petersilie, die vier Mal geschnitten wurde. Wir haben mit Bodenverdichtungen gerechnet, zumal im Sommer auch beregnet wurde. Wir haben uns nicht getraut, so wie sonst üblich, nur zu grubbern. Schaut euch mal an, wie der Boden krümelt. Und wie viele Regenwürmer zu finden sind. Ich bin überrascht und stelle fest, dass man auch im hohen Alter noch neue Erfahrungen machen kann. (Das mit dem hohen Alter war jetzt Ironie) Am nächsten Tag haben wir dort Winterweizen gesät. Vorne am Trecker Kurzgrubber mit Prismenwalze, hinten Kreiselegge/Drillkombination. Es ist ein wunderbares Saatbeet geworden. Und ja, ich weiß, die Furche ist etwas krumm geworden. Aber am Ende hat es wieder gepasst, ehrlich. Bauer Willi 0