Jahr: 2019

Du Bauern-Opfer!

Ein Gastbeitrag von Ricarda Berg* Die freiwillige Preisgabe der deutschen Landwirtinnen und Landwirte mit dem Ziel, für eine andere Umweltpolitik öffentlichen Beifall zu erlangen, ist ein unkluger Schachzug der Bundesregierung. Neue Frage: Warum spielt die Politik überhaupt mit der Hand, die uns füttert!? Das Agrar-Paket der deutschen Bundesregierung beweist erneut, dass Politikerinnen und Politiker im Austeilen Riesen, im Einstecken hingegen Zwerge sind. Wenn es nämlich darum geht, eine gerechte und EU-weit vergleichbare Bemessungsgrundlage für Nitratwerte im Grundwasser zu schaffen und den Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel sowie die Komplexität von Artenschutz politisch so zu kommunizieren, dass allen gesellschaftlichen Interessen eine Grundlage zur politischen Willensbildung geboten wird, vertragen sie Kritik schlecht. Entscheidungen fallen in geschlossenen Gruppen und das Wohl der übrigen Menschen bleibt auf der Strecke – bis zur nächsten Wahl! Warum auf die Kleinsten in der Wertschöpfungskette? Ich erspare mir die Geschichte von der Zeit, als etwa 90 % der Gesellschaft mit Fackeln und Mistgabeln assoziiert wurden und komme gleich zu den bestausgebildeten und innovativsten Landwirtinnen und Landwirten der Welt. Unsere gegenwärtige Zivilgesellschaft ist durch Spezialisierung geprägt. …

verhältnismäßig…

Preis und Leistung ist immer eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Mit einem Smartphone kann man telefonieren und sonst noch so einige Dinge tun. Im Prinzip ist es von der Sache her ein Stück Metall und Plastik, also verhältnismäßig wenig. Doch manchen Menschen ist es den Preis wert. Wenn man bedenkt, dass vielen Menschen pro Tag für Lebensmittel nur 5,50 € zur Verfügung stehen, kann man mit dem Betrag des Smartphone einen Menschen 10 Monate lang versorgen. Das ist verhältnismäßig lange. Was ein Bauer verkaufen muss, um sich das neue Smartphone leisten zu können, ist verhältnismäßig viel. Einen schönen 3. Advent. Bauer Willi 0

Frau Klöckner zur Landwirtschaft der Zukunft

Ende November erschien in der FAZ ein Artikel von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner zur Landwirtschaft der Zukunft. Ich habe ihn mittlerweile mehrfach gelesen. Was meint ihr? https://www.bmel.de/SharedDocs/Interviews/2019/2019-11-28-Namensbeitrag_Landwirtschaft_der_Zukunft.html;jsessionid=8B5A0D64569651B83D3C599020F200DC.1_cid296?nn=5999556#Start Zwei Sätze aus dem Artikel: „Die tatsächlich bestehenden Zielkonflikte zwischen wirtschaftlich tragfähiger Landwirtschaft und den Anforderungen, die Umwelt-, Natur- und Klimaschutz stellen, müssen wir ehrlich benennen und lösen. Wir stehen an einem Scheidepunkt. Was wird aus der Energie auf den Straßen? Meine Antworten speisen sich aus großer Hoffnung darauf, dass technische Entwicklungen Zielkonflikte lösen werden, dass Ernten gesichert werden können, aber auf umweltschonendere Weise.“ Da sind sie wieder, die Zielkonflikte. Frau Klöckner, lesen Sie bitte diesen Artikel. https://www.bauerwilli.com/was-ich-frau-merkel-fragen-will/ Sie finden eine Reihe von Zielkonflikten. die wir Landwirte nicht auflösen können. Da sind Sie gefragt. Und was mich noch interessieren würde: Wie sehen Sie die Zukunft der Landwirtschaft? Bauer Willi   0

Lebensmittel müssen billig bleiben

Immer mehr Menschen leben von den Tafeln, von denen es in Deutschland mittlerweile fast 1.000 gibt. https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/immer-mehr-menschen-auf-lebensmittelspenden-angewiesen,RjwwVP1 Sollten die Preise für Lebensmittel steigen, so würde die Zahl derjenigen, die auf die Tafeln angewiesen sind, weiter ansteigen. Dazu der Vorsitzende des Bundesverbandes der Tafeln: „Brühl forderte Unterstützung der Politik…..Um noch mehr zu leisten, müsse aufgestockt werden. Zugleich warnte der Verband vor einem Ruf nach höheren Lebensmittelpreisen: „Einfach nur höhere Lebensmittelpreise zu fordern ist zu einfach. Das würde die Kundenzahl bei den Tafeln in die Höhe treiben“, warnte Brühl. Zwar sei das Anliegen von Landwirten und Teilen der Politik verständlich. Aber: „Auch Menschen, die wenig haben, müssen sich gesund ernähren können.“ Dies ist ein Dilemma, den der gesellschaftliche Wunsch nach mehr Bio-Lebensmitteln,  passt nicht zur Realität einer immer größeren werdenden Gruppe der Bedürftigen. Hier noch weitere Informationen zu den Tafeln: https://www.tafel.de/ueber-uns/die-tafeln/zahlen-fakten/   1

Halbierung bis 2030? Green Deal

Lt. Medienberichten will die EU-Kommission den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis 2030 halbieren. Auch Düngemittel sollen betroffen sein. https://www.handelsblatt.com/politik/international/medienbericht-eu-kommission-plant-neue-agrarstrategie-fuer-mehr-umweltschutz/25311782.html?ticket=ST-25610369-Ddon4lqx9N4JVs2DigbL-ap2 https://www.agrarheute.com/politik/eu-kommission-will-pflanzenschutz-einsatz-offenbar-halbieren-562466 Bisher sind die Meldungen aber noch unbestätigt. Am Mittwoch will die Kommission ihre Vorstellungen zum Green Deal vorstellen. Nun darf man auf die Ackerbaustrategie des BMEL gespannt sein, die ja für den Herbst 2019 erwartet wurde und jetzt für Dezember angekündigt wird. Und noch was ist interessant: Frau Klöckner hat ja eine Road-Show zum besseren gegenseitigen Verständnis von Bauern und Verbrauchern angekündigt. In Brüssel hat man den Plan, „dass für den Bereich Landwirtschaft und Ernährung im Frühjahr 2020 ein Ideenpapier unter dem Titel „Vom Erzeuger zum Verbraucher“ präsentiert werden soll.“  Klingt doch recht ähnlich. Ob man sich da etwa abgestimmt hat? 0

12 Ergebnisse beim Agrargipfel?

Auf der Seite des BMEL wurden 12 Ergebnisse des Agrargipfels vom 2.12.2019 veröffentlicht. Hier nachzulesen: https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2019/244-landwirtschaftsdialog.html Es scheint mir so, als wären manche Punkte schon vor der Veranstaltung geschrieben worden. Ich habe mir die Punkte mal im Einzelnen angesehen und meinen Senf dazugegeben. Was zum Schluss übrigbleibt, ist recht wenig. Einrichtung einer „Zukunftskommission Landwirtschaft“, die unter Einbindung von Praktikern, Wissenschaftlern und gesellschaftlichen Akteuren, praxistaugliche Wege für eine produktive und ressourcenschonende Landwirtschaft aufzeigen wird. –> Das ist tatsächlich ein neues Ergebnis. Man darf gespannt sein. Im Herbst 2020 wird es ein weiteres Treffen der heutigen Runde im Bundeskanzleramt geben, um bis dahin erreichte Ergebnisse und Fortschritte sowie weiteren Handlungsbedarf zu besprechen. –> Gut, wenn sich die Kanzlerin dafür nochmals Zeit nimmt. Wenn nicht… Koalition etc…. Es wird ein Treffen der Bundeskanzlerin und Bundesministerin Julia Klöckner mit dem Handel im Bundeskanzleramt geben. –> das hätte ja schon längst passiert sein können. Kein Ergebnis dieser Runde. Start eines nationalen Dialogforums zur Landwirtschaft durch das Bundesministerium sowie einer Informationskampagne zur besseren gegenseitigen Wertschätzung –> ist bekannt, kein Ergebnis dieser Runde, …

Weihnachtsgeschenk für Kinder

Normalerweise mache ich hier keine Werbung. In diesem Fall mache ich eine Ausnahme, denn das Kinderbuch, geschrieben von Guido Höner (kenne ich von top agrar) und illustriert von Noemi Bengsch ist wirklich toll gelungen. Es ist vor allem eines: realistisch. Es werden genau die Maschinen, Geräte und Gebäude gezeigt, die heute auf jedem normalen Bauernhof zu finden sind. Die Texte sind kindgerecht und ehrlich. Was die Treckerfarbe (rot bzw. blau) angeht, so kann man darüber sicherlich in Fachkreisen diskutieren. Aber das werden die Kinder sicherlich nicht merken. Ein kleines Quiz am Ende des Buches vertieft das Gelesene. Auch das ist pfiffig gemacht. Das Buch ist im Landwirtschaftsverlag Münster-Hiltrup erschienen. Zum Bestellen hier die ISBN-Nummer. ISBN 978-3-7843-5636-5 0

Dezember-Rüben (Video)

Zum wahrscheinlich letzten Mal in 2019 ein Video aus dem Feld. Das dürften dann wohl auch die letzten Rüben sein, die in Deutschland gerodet werden. Im Norden und Süden liegen die schon länger am Feldrand.   Und wer wissen will, wie es früher ging, hier ein Video aus der Schweiz.   0

Runter vom Gipfel…

Ich bin wieder zurück auf dem Hof. Bin von Berlin noch nach Ulm zu einem Vortrag vor Schweinemästern gefahren. Im Ulmer Münster habe ich für die Politiker aller Parteien gebetet. Und nachgedacht. Wie alles geschah Am 4. September 2019 wurde das Agrarpaket bekannt, am 7. September standen die ersten grünen Kreuze auf den Feldern um den Ängsten, Sorgen und auch der Ohnmacht vieler Landwirte Ausdruck zu verschaffen. In einem stillen Protest, vor allem gegen das Agrarpaket. In einer unglaublichen Woge der Solidarität standen schnell einige hundert , dann Tausende von Grünen Kreuzen überall in Deutschland. Es folgte, vier Wochen später, Anfang Oktober, die Gründung der Bewegung „Land schafft Verbindung“ mit zahlreichen Demonstrationen. Die größte Demo – mit rund 8.500 Traktoren – fand in Berlin statt. Dieser laute Protest war dann auch der Auslöser für den Agrargipfel am 2.12. 2019 bei der Kanzlerin in Berlin. Die Einladungsliste Eingeladen wurden zu diesem Gipfel die üblichen Verdächtigen, vor allem die üblichen Verbände, die allerdings in den Wochen vorher nicht zu bemerken waren. Was der GaLaBau, die Imker, Biogas, …

Eine Roadshow…

Hier ein Kommentar von „agrarheute“ zu den Ergebnissen des Agrargipfels. Und warum diejenigen, die mit dem Trecker nach Berlin gefahren sind, jetzt aufpassen müssen. https://www.agrarheute.com/politik/liebe-landwirte-achtung-falsche-show-562313 Mein Artikel kommt morgen.   0