Bauer Willi
Kommentare 66

Bio: jetzt trifft es auch diesen Markt

Was passiert, wenn bei politischen Überlegungen der Markt „vergessen“ wird? Das beschreibt der nachfolgende Artikel. Die Bio-Ware ist nicht vermarktbar und wie das dann in einer Marktwirtschaft so ist, fällt der Preis. Das wird aber in vielen Medien nicht erwähnt…

Jetzt wird auch dieser schöne Nischenmarkt „konventionalisiert“. Den Handel und Verbraucher wird es freuen.

https://www.nachrichten.at/wirtschaft/zu-viel-bio-getreide-preis-faellt-um-ein-viertel;art15,3150945

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66 Kommentare

  1. Elisabeth Ertl sagt

    Die Hauptmotive für den Konsum von Bio in Österreich sind weder Tierwohl noch Umweltfragen, sondern die eigene Gesundheit.
    https://www.diepresse.com/5685031/warum-die-osterreicher-bio-lebensmittel-kaufen
    Biofleisch ist generell schwer zu vermarkten, weil zu teuer. https://www.derstandard.at/story/2000097885377/oesterreicher-wollen-bio-essen-aber-konventionell-zahlen
    Bei Lammfleisch ist der Absatz von Bioprodukten in Österreich sogar bereits wieder rückläufig, nur Konvi legt zu:
    https://bauernzeitung.at/oesterreichische-schaf-und-ziegenboerse-steigert-absatzzahlen-heuer-um-rund-24/

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  2. Berthold Lauer sagt

    Auf top agrar wurde am Freitag eine Studie zu den Kosten der Biomilcherzeugung vorgestellt, die zu dem Ergebnis kam, dass ähnlich wie im konventionellen Bereich keine Kostendeckung erzielt wird! Eigentlich verwunderlich, denn da hat man doch einen begrenzten Markt, eine Kundschaft die (angeblich) zu Höherem bereit ist und auch noch eine Angebotsbeschränkung indem man lt Bioland nur dann neue Lieferanten aufnimmt wenn der Markt das hergibt! Was läuft hier falsch oder wer rechnet hier falsch?

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    • Arnold Krämer sagt

      Jeder Betrieb hat eine individuelle Kostenstruktur und auch Kostenhöhe. Der kritische Bereich sind die Faktorkosten, also die Kosten für den Boden, das sonstige Kapital und für die Arbeitskraft. Diese setzen sich wiederum zusammen aus den tatsächlichen Faktorkosten, die erwirtschaftet und auch gezahlt werden müssen für Fremdkapital, für Pachtflächen und für FremdArbeitskräfte. Was für die dem Unternehmer gehörenden eigenen Produktionsfaktoren berechnet werden muss, hängt vor allem von der Familiengröße, und dem Anspruchsniveau ab. Diese als absolute Größen zu kalkulierenden Beträge sind dann auf unterschiedliche Produktions Einheiten (500.000 kg Milch oder 700.000 kg Milch oder gegebenenfalls 1 Million kg Milch umzulegen (hier geht es dann um die Degressionseffekte). Nicht nur bei Bio Milcherzeugung, sondern auch bei ihren konventionellen Berufskollegen gibt es durch die sehr unterschiedlichen betrieblichen und privaten Bedingungen auch ganz unterschiedliche Preise, die seitens der Molkereien gezahlt werden müssten. Für alle Betriebe kann es schlicht und einfach keine Vollkostendeckung geben. Und diese Tatsache führt dazu, dass Betriebe aus der Produktion aussteigen, oder sich bemühen, die Stückkosten zu senken, um mit dem gegebenen Auszahlungspreis zurecht zu kommen. So einfach ist das zu erklären, so schwierig aber auch im Einzelfall in der betrieblichen Praxis umzusetzen.

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      • Georg Summerer sagt

        Durchaus richtig. Doch wenn weniger als 25% der Betriebe einen nachhaltig ausreichenden Gewinn erwirtschaften, und das über viele Jahre, dann läuft etwas gewaltig aus dem Ruder. Ein Indikator ist die Verschuldung der Betriebe je ha und die steigt seit vielen Jahren wesentlich stärker als die Inflationsrate.

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        • Arnold Krämer sagt

          Die Situation stellt sich aber je nach Produktionsschwerpunkt und Region sehr unterschiedlich dar. Grundsätzlich haben Sie recht. Aufgrund der hohen Bodenvermögenswerte ist die Beleihungsfähigkeit landw. Betriebe sehr hoch. Die Banken lassen bei den Landwirten selten Geld sitzen. Das sind die besten Kunden. Und die bleiben trotz unrentabler Ergebnisse im Vergleich zu übrigen Unternehmen einfach zulange in der Produktion. Die Marktentlastung durch ausscheidende Betriebe ist deshalb im Vergleich zu langsam, zu gering und wurde in der Vergangenheit immer wieder durch Kapazitätsaufbau (tlw. öffentlich gefördert wie im Milchviehbereich), durch Übernahme der Kapazitäten (nicht nur Fläche, auch Ställe) von den verbleibenden Betrieben und die Tatsache, dass die verbleibenden Betriebe meist bessere Leistungen erzielen, überkompensiert.
          Aber: Der Staat hat ja ein Interesse an billigen Lebensmitteln und die Verabeitungsindustrie (Molkerei, Schlachterei) will ihre Kapazitäten auslasten. Wenn der Absatz dort stockt, wird der ökonomische Druck ja immer an den Rohstoffproduzenten oder in bestimmten Sektoren (z.B. Schlachtschweine) auch an die Mitarbeiterschaft weitergegeben. Diese Beschreibung trifft allerdings in dieser pauschalen Form nicht für alle Sektoren und alle Abnehmer landw. Erzeugnisse zu.

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      • Berthold Lauer sagt

        Das weis ich ja, Herr Krämer, wir haben lange genug unsere eigene BZA gerechnet um zu wissen, wo wir stehen und was ich von solchen sehr verallgemeinernden Studien zu halten habe. Mir ging es vielmehr darum, diejenigen zu widerlegen, die uns immer weismachen wollen, die Lösung aller Probleme sowohl ökologischer als auch ökonomischer Art läge in einer Agrarwende in eine bestimmte Richtung. Mitnichten!! Auf die Ökologie möchte ich mich jetzt gar nicht einlassen, aber auch ökonomische Grundprinzipien setzt man nicht einfach durch einen Richtungswechsel außer Kraft. Das gilt für Kleine wie für Große und für konventionelle wie für Bio!

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        • Arnold Krämer sagt

          Völlig richtig, mein Kommentar war nur als Ergänzung gedacht. Es lesen hier ja auch Menschen mit, die ökonomisch nicht so bewandert sind. Die ökonomischen Regeln gelten auch für die Biobetriebe, das kann man nicht deutlich genug unterstreichen. Deshalb gibt es ja auch dort die Aussteiger und die Rückumsteller.

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  3. werner locher sagt

    Wie hat es Romuald Schaber im Gespräch mit Bauer Willi doch so schön gesagt:“ Der Biomarkt ist ein zartes Pflänzchen. Er muss von der Nachfrageseite wachsen, sonst geht er kaputt“

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    • Stephan sagt

      Das ist doch das fatale, der Biomarkt wird aus der EU bedient. Der LEH nimmt das dankbar an ( Spanne super) und dann wird der strukturschwache SO ( zB Rumänien) mit Subventionen gefüttert. Hier entstehen dann große Betriebe, die um die 1000 ha gross sind und mit Biozertifikat EU verkauft werden. Der andere Weg der Bioware läuft über Zertifizierungen in Italien oder zB Mazedonien hier rein. Auch hier gilt wie bei Obst Gemüse Zucker etc.: Ohne funktionierenden Aussenschutz kann nicht zu den geforderten Standarts produziert werden und der Markt gehalten werden !
      Es bleibt eine Niederlage wegen ungleicher Bewaffnung !!

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      • Nico Schott sagt

        Tja das kommt davon wenn man sich jahrelang gegen Bio sträubt. Jetzt ist es bereits zu spät um da mithalten zu können. Es wurde verpasst eigene Techniken und Vermarktungen aufzubauen. Das übernehmen jetzt andere. Der deutsche Bauernmichel schaut in die Röhre, und der Bauernverband ist sich keiner Schuld bewusst.

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  4. Michael Metzger sagt

    Genau das will doch die Politik erreichen Bio-Qualität zu bezahlbaren Preisen, hat man in Berlin auch gemerkt an den Aussagen von Klöckner und Schulze ihr bekommt doch eine Flächenprämie also macht mal mehr für die Umwelt. Das Funktioniert leider nicht aber wird dennoch verlangt.

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    • firedragon sagt

      Was sind „bezahlbare Preise“? Oder anders gefragt – warum muss immer alles teurer werden?
      Das frage ich mich schon lange.
      Wer hat damit angefangen? Der Staat, weil er Steuern erhöht und neue erfindet? Versicherungen? Firmen /Hersteller?
      Wir sind alle Verbraucher und es wird nichts wirklich „billiger“. Als Betrieb habe ich jedes Jahr höhere Kosten zu decken, nicht aus Luxusüberschwang – sonder weil sich drumherum alles verteuert (Energie u.a)
      Warum ist das so?
      Für ein Produkt haben wir Direktvermarktung. Mit den Preisen, die wir verlangen, sind wir zufrieden, die Kunden auch. Allerdings müssen wir erhöhen, weil die Kosten um dieses Produkt herum gestiegen sind – das wird die Kunden nicht freuen, sie werden uns treu bleiben, allerdings weniger kaufen, da sich deren Ausgaben ja ebenfalls erhöhen.
      Wieso ist es nicht möglich diese Kostenschraube zu stoppen?
      Und auf der anderen Seite bekomme ich nicht den Preis für mein Getreide, um davon meine Kosten locker abdecken zu können.
      Wenn ich mir dann jetzt noch vorstelle, dass wir in der LW in eine Bioproduktion gedrängt werden und abzusehen ist, wohin das, allein nur finanziell, hinführt, seh‘ ich da keine rostigen Zeiten auf uns zukommen.

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  5. Friedrich sagt

    Jetzt passiert genau das , was jeder Biodirektvermarkter gefürchtet hat. Die Menge steigt , der
    LEH hats im Regal und jetzt fallen die Preise durch staatlich geförderte Subventionspolitik.
    Hier zeigt sich auch , daß der Staat ein grausiger Unternehmer ist. Viele konv. Betriebe steigen zur Zeit in die Bioschiene ein , weil auf Grenzertragsstandorten die staatl. Flächenprämien entscheidend sind um zu Überleben. Jetzt zeigt sich auch , daß der Verbraucher , wie von der Politik gefordert, nicht mitspielt , oder auch nicht mitmachen kann , weil der Staat den Leuten über die immer höheren Steuern (CO2-Steuer), steigende Mieten , Mietnebenkosten usw. den Geldhahn für teurere Biolebensmittel abdreht und so kein Euro mehr übrig bleibt. Neulich erzählte mir ein Freund , daß in einem Altenheim die Umstellung von konv. Essen auf Bioessen rd. 8 Euro/Tag , also 240 Euro/Monat mehr kosten würde. Wer kann sich schon so etwas erlauben ? — Jetzt wird das Biohöfesterben auch losgehen , obwohl es gerade eine Nische für kleinere Betriebe war . Wollten unsere grünen Politiker nicht gerade die Familienbetriebe erhalten ? Habe mich schon gewundert , daß auch viele Biobauern mit auf den Demos waren. Jetzt weis ich es.

    21+
  6. Paulus sagt

    Thomas Apfel und Christian Bothe haben die Wirklichkeit was Bio betrifft nach meiner Auffassung sehr gut zum Ausdruck gebracht. Bevor ich mich weiter dazu äußere, und das möchte ich gerne, werden mir kompetente LW sicher erklären aus welchem Grund das Futter für sogen. Biotiere zwingend aus biologischem und garantiert gentechnikfreiem Anbau stammen muss. Hat das was mit dem Tierwohl, der Qualität des Fleisches oder gar mit der menschlichen Gesundheit zu tun?
    Meine dumme Frage ist ernst gemeint, bis jetzt konnte sie mir noch keiner plausibel beantworten.

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    • Elisabeth Ertl sagt

      Weil Bio einen bestimmten Umgang mit der Natur bedeutet, von dem der Kunde überzeugt ist, und weil er sich daher erwartet, dass diese Prinzipien auch bei der Futtergewinnung gelten.

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      • Obstbäuerin sagt

        Das würde aber bedeuten, dass auch die Bio-Insektizide biologisch erzeugt werden müssten und das ist bei den Chrysanthemen in Afrika definitiv nicht der Fall.

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        • Elisabeth Ertl sagt

          Ich wollte jetzt bio gar nicht unkritisch verteidigen, sondern nur erklären, warum es so ist.

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    • Paulus, das können andere sicher sachlicher. Meine Vorstellung wäre: Wo bio rauskommen soll, muss auch bio vorher rein. Eher Dogma, als wirklich begründet. Sonst wäre es wohl eine Mogelpackung und würde nicht der Erwartung entsprechen.
      Ich stelle mir das laienhaft so ähnlich wie bei der Stickstoffdüngung vor: Der Pflanze dürfte es doch herzlich egal sein, ob der Stickstoff aus organischer oder mineralischer Düngung stammt. Die Prozesse sind etwas anders, aber deswegen schmeckt die Möhre bei gleicher Menge an N nicht anders.

      11+
      • Sabine sagt

        Es ist aber schon eine Mogelpackung wenigstens bei der Milch und den Eiern. Die Bullenkälbchen – auch aus den angeblich so viel ethischeren besseren Demeterbetrieben- landen nach zwei Wochen in der konventionellen Mast in Italien oder Gott weiß wo, weil auch es in Deutschland schlicht keinen Markt und damit auch kein Auskommen für einen Mäster gäbe, der Michvieh-Bullies großzieht. Auch bei Bio-Bauern laufen meist Lohmanns-Hybriden, die Hahnenküken landen nach wie vor meist im Tierfutter, denen kannst Du Schmalzbrote füttern, da kommt kein Gewicht dran. Die Mädels sind dort auch nach 17 Monaten, wenn die Mauser nicht mehr aufzuhalten ist, lebendiger Müll, der entsorgt werden muss. Darüber redet man zwar in den Verbänden und viele überzeugte Bio-Bauern suchen verzweifelt nach Alternativen zu den bestehenden „Müllklappen“, doch würde man diese ethischen Lücken stopfen, wäre das selbst für gut betuchte Bio-Fans kaum noch zu bezahlen.
        Dass sich das viele genau dieser Bio-Fans anders vorstellen, ist jedem bewusst und daher tritt man es lieber nicht in der Öffentlichkeit breit.

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        • Elisabeth Ertl sagt

          Ich kenne einen konsequenten Demeterbauern im Weinviertel, der es schafft, seine Eier um 4 Euro das Stück an betuchte Wiener zu verkaufen …

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          • Sabine sagt

            Mit solchem verkäuferischen Geschick, könnte der in der Industrie Millionen verdienen und einen Gnadenhof für Hühner finanzieren.

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            • fingerphilosoph sagt

              Das Töten von Küken wird als widernatürlich, anti-BIO, nicht mit Tierwohl vereinbar klassifiziert, gerade so, als ob es das massenhafte Töten von Jungtieren in der Natur nicht gäbe. Das Gegenteil ist der Fall. Aus den wenigsten Entenküken werden erwachsene Enten. Dasselbe gilt für Kaninchen, Meeresschildkröten …. die Liste ist lang. Die Natur selektiert, der Mensch selektiert, wenn auch nach anderen Kriterien. Gnadenhöfe sind in der Natur überhaupt nicht vorgesehen.

              Deshalb muss man die Frage stellen, warum Kükenschreddern nicht BIO sein soll und was genau daran unethisch ist, wenn man die Küken danach als Tierfutter verwendet.

              Die Antwort auf diese Frage ist, dass Tierschützer und Veganer nicht bereit sind, die Prozesse in der Natur soweit zu akzeptieren, dass der Mensch sie zu seinen Zwecken imitieren darf. Das heißt, dass es bei BIO nicht um naturgemäßes Wirtschaften geht, sondern um eine Landwirtschaft, bei der man so tut, als würden die Aspekte, die dem in einem naturfernen Umfeld aufgewachsenen Menschen Unbehagen bereiten, in der Natur gar nicht existieren. Darauf basiert der Erfolg von BIO. Dieser Erfolg kann nur vorübergehend sein, weil sich meiner Ansicht nach die Wirklichkeit auf Dauer nicht ausblenden lässt.

              6+
              • Reinhard Seevers sagt

                In den Anforderungen an die Landwirtschaft spiegelt sich die Gesellschaft wider. Sie überträgt eigenes Unbehagen, eigene Versäumnisse und Fehler auf die Landwirtschaft. Es ist eine Form des Ablasshandels. Die Ökoseite verbindet es zusätzlich mit ethisch moralischen Aspekten. Der Verbraucher/Bürger/Mensch verspürt beim Kauf von BIO ein Unbehagen darin, dass er eine ethisch-moralische Höherstellung erreichen soll, die er aber nicht erfüllt. Deshalb kaufen viele auch nur sporadisch BIO, da kann man sich temporär besser fühlen, aber eben nicht konsequent. Wenn die Moralkeule irgendwann mal verschwinden sollte und alle zu besseren Menschen geworden sein sollten, dann könnte der Marktanteil steigen. Habeck ist schon auf dem Weg zu einer milden Ökologisierung. Die Akzeptanz soll steigen, auch in der Politik. Deshalb ist es wichtig, dass sich die konventionelle Landwirtschaft aufmacht sich zu präsentieren…wie ich schon oft betont habe. Ansonsten überlässt man anderen das Feld der Deutungshoheit.

                6+
                • fingerphilosoph sagt

                  Wenn man sich konsequent besser fühlt, verschwindet dieses Gefühl rasch durch die Gewöhnung. „Besser“ verlangt immer eine Abgrenzung, eine Moralkeule. Spätestens wenn der Marktanteil von BIO den von KONVI überschreitet, genügt BIO nicht mehr als Unterscheidungsmerkmal. Dann muss es ein neues Merkmal her, mit dem man sich von der Masse unterscheidet. Schätze mal, in 20 Jahren werden wir ähnliche Diskussionen wie heute haben, nur werden an der Stelle der heutigen KONVIs die BIOs sein, und das neue BIO wird so was wie PRIMAKLIMA sein.

                  4+
              • Sabine sagt

                Ein Hühnerhaufen braucht keinen Schredder, allerdings kann man Hühnerhaltung in dem Ausmaß und zu den Preisen nicht anders bewerkstelligen. Wieviel Recht wir dazu haben andere Lebewesen so sehr unserem Geiz auszuliefern, ist eine Frage aus der man sich mit der Natur nun wirklich nicht rausreden kann.

                3+
                • fingerphilosoph sagt

                  @Sabine
                  Aus Ihrem Kommentar spricht Dogmatismus, der mit dem Geiz-Argument wieder zum moralischen Knüppel greift. Aber das ist nicht die Antwort auf die aufgezeigte Problematik.

                  Das Problem ist nicht der Geiz, sondern wie Sie weiter oben selbst sagen, dass die Hahnenküken kein Fleisch ansetzen, auch wenn man sie mit Schmalzbroten füttert.

                  Was soll man denn mit Hähnen machen, wenn aus o.g. Grund kein Mensch Hähne essen will? Mit den Hennen zusammen aufziehen, in trauter Eintracht schlachten und erst danach als Tierfutter verwenden? Wäre das besser? Moralischer? Weniger geizig? Oder muss jeder, der Hühnchen isst, per Gesetz dieselbe Menge Hähne essen, auch wenn er nur einen Haufen Knochen auf dem Teller hat, weil die Moral das eben verlangt?

                  Meinen Sie, dass es für das Hahnenküken einen Unterschied macht, ob es von einem Fuchsmaul oder von einem Hackmesser geschreddert wird?
                  Meiner Ansicht nach macht es für das Hahnenküken keinen Unterschied, wohl aber für den Menschen, der die entsprechenden Bilder sieht.

                  Man kann schon drüber diskutieren, ob wir eine „moralische“ Tierhaltung wollen, aber man sollte Moral nicht als Natur verkaufen, denn die Natur ist nun mal nicht moralisch. Moral hat ihre Basis in einer Übereinkunft, die Menschen untereinander treffen.

                  Die Frage ist dann, wem die Moral dient, was mit einer „moralischen“ Tierhaltung bezweckt wird. Dient sie dem Tier oder dem Menschen, für den das Töten von Tieren problematisch geworden ist? Die „moralische“ und die „naturnahe“ Tierhaltung sind, wie man am Beispiel mit dem Kükenschreddern sieht, nicht dasselbe. In den Diskussionen wird zwischen „moralisch“ und „naturnah“ bzw. „artgerecht“ nicht unterschieden, deshalb dreht sich die Debatte auch immer schön im Kreis.

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                • Sabine sagt

                  Schön, dass sich jemand der sich Philosoph nennt, so schlecht zuhören kann und so schnell einen in eine Schublade steckt und dabei das Wort dogmatisch verwendet ohne wohl die genaue Bedeutung zu kennen. Sollte eigentlich im christlichen Abendland bekannt sein, aber nochmal für die, die im Reli-Unterricht und Geschichtsunterricht gepennt haben: Ein Dogma ist ein religiöse Lehraussage, deren Wahrheitsanspruch als allumfassend und unumstößlich gilt und so verkündet wurde. Wo zu Teufel tu ich das?
                  Ich bin, im Gegensatz zu vielen anderen Frauen, nicht Papst.
                  Nächst Sache mit der Moral, die angeblich nur Menschen besitzen. Leider ist das von Verhaltensbiologen schon ewig lang widerlegt. Viele andere Tiere, gerade die, die in stabilen Gruppen leben, sind nicht nur fähig zu Empathie, sondern auch so etwas wie Gerechtigkeitsempfinden und können Handlungsmuster und Konventionen in ihren Gruppen etablieren und Verstöße da gegen bestrafen. Kurz: Sie können moralisch handeln. Uns schwimmen seit Jahrzehnten die Felle weg, wenn wir versuchen ein Alleinstellungskriterium für unsere Art zu finden. Sehr schnell fielen der Werkzeuggebrauch, danach die Sprache als Alleinstellungsmerkmal. Inzwischen ist ist Selbsterkenntnis, vorausschauendes Denken und vieles mehr von der Liste. Alles auch bei anderen Tieren vorhanden. Wenn man uns verschieden von den anderen Tieren denken will und einen Keil zwischen uns und die Natur schieben möchte, muss man schon religös werden, sonst klappt es nicht. Von Seiten der Biologie kommt da so gar keine Schützenhilfe mehr. Statt sich auf die Suche nach der wie auch immer gearteten Erwähltheit unserer Art zu machen, kann man versuchen zu erkennen, was uns einen solchen unglaublichen biologischen Vorteil verschafft hat. Und da landet man recht schnell bei der Kooperationsfähigkeit über Artgrenzen hinaus. Können andere Tiere auch, aber wir sind da echt sehr, sehr gut drin. Wenn man das als Vorteil seiner Natur erkannt hat, kann man auch die Frage stellen, wo uns dieser Vorteil auch in biologische Sackgassen und Engführungen leiten kann. Ein Risiko, was ich für wahrscheinlich halte, ist z.B. dass wir die Spezies, mit deren Hilfe wir so wahnsinnig erfolgreich wurden, verlieren. Diese Gefahr ist, imho, da gegeben, wo wir deren Genom, deren Eigenschaften zu sehr auf eine Art der Produktion anpassen und diese Anpassung nur wenigen hochspezialisierten Individuen unserer Spezies anvertrauen. Genau dies tun wir aber im Bereich der Hochleistungszucht bei Geflügel. Weil ich in meiner ganz persönlichen Risikobewertung zu dem Schluss gekommen bin, dass ich ohne großen Aufwand diesem Risiko ausweichen kann, bin ich da raus. Meine Entscheidung und einzige Begründung, die für mich notwendig ist: Weil ich es kann. Das ist nicht dogmatisch, das ist schlichter gelebter Egoismus von meiner Seite. Diesem Vorwurf nehme ich an, den des Dogmatikers nicht.
                  Ich überlasse es jedem seine eigene Risikobewertung und seine ganz eigenen Handlung darauf zu gründen.
                  Aus oben ausgeführten Erwägungen bin ich kein Freund von Lohmanns Braun, Ross 308 oder Cobb 500.
                  Ich schlachte übrigens nächsten Sonntag wieder junge Hähne. Das werd ich unter Berücksichtigung aller Tierschutzvorschriften tun und so Stress und schmerzfrei wie es nur eben geht, auch hier ist meine einzige Begründung warum ich sie nicht leidvoll zerfledder wie ein Fuchs: Weil ich es kann. Dafür, dass sie im Grünen aufgewachsen sind und nicht am ersten Tag im Tierfutter oder im Fuchsbauch landen, ist meine Begründung auch: Weil ich es so machen kann, weil ich es so will.
                  Und genau aus dem Grund darf ich andere, oft wirtschaftlich besser gestellte Leute fragen, ob ihren Handlungen nicht vllt. einem Unwillen entspringt, ihre Lebenzeit, ihren Lebensraum und ihre Emotionen und ihr Geld mit anderen, auch anderen Spezies, zu teilen oder für ihr Wohlergehen zu verwenden. Denn genau das ist Geiz, wie man den bewertet, muss wieder jeder selber wissen.
                  Achtung: Nicht immer so schnell die eigenen Vorstellungen über jemanden zur Erkenntnis erkennen und aus diesen Erkenntnissen Wahrheiten ableiten, dann gehen Diskussionen auch nicht so schnell in die Hose. Ansonsten kann ich nur empfehlen die Klassiker der Verhaltensforschung zu lesen, Frans de Waal ist für den Einstieg, denke ich, auch für Fachfremde recht erhellend.

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        • Paulus sagt

          Sabine, es mag ja sein das ich etwas einfältig oder schwer von Begriff bin. Aber erklär mir doch bitte, aus welchem Grund deutsche Demeter-Bullenkälber zur Mast nach Italien oder sonst wo hin transportiert werden. Als z.B. „original“ Wiener Schnitzel bekomme ich sie doch eh zurück. Es ist schwer verständlich, aus welchem Grund die Tiere solche Umwege machen müssen. Die Demeter-Fritzen, die so gerne als moralische Instanz daherkommen, machen sich mit derartigen Praktiken doch völlig unglaubwürdig. Selbst wenn deren Bullenkälber im Ausland ausgemästet werden stellt sich doch die Frage, warum schaffen sie es mit ihrer vermeintlichen Premiumqualität im Höchstpreissegment dann nicht selbst? Das Argument, dass es für die Mäster kein Auskommen gäbe zieht doch nicht.
          Ich hege schon lange meine Zweifel an diesem ganzen Bio- und Ökogedöns, sowohl was die Erzeugung auf dem Acker als auch die im Stall betrifft.

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          • Sabine sagt

            Ich weiß nicht welche Förderprogramme oder Ausnahmeregelungen im Tierschutz es gibt, dass im Ausland die Mast bei Milchviehkälber sich noch irgendwie rechnet, aber sie rechnet sich wohl noch, denn dahin gehen sehr viele Michviehkälbchen. Wie gesagt, heißes Thema auch in den Verbänden. Schau mal bei Hofhuhn.de vorbei. Der macht sich unter dem Titel „Das Schweigen der Kälber“ genau darüber Gedanken und wünscht sich für seinen Betrieb sehr, dass er bald anders mit den Bullis umgehen kann.

            2+
    • Brötchen sagt

      Paulus Bio ist historisch entstanden. Da sind je nach Anbauverband bestimmte Regeln festgelegt für alle Bereiche der LW. Vom Ackerbau bis Tierhaltung.
      Bis auf Details sind alle Regelungen unter den bioverbänden grob gleich.
      Dann gibt es noch das sogenannte EU Bio.
      Neuland z.b. ist kein Bio und hat Haltungsbedingungen wie Bio, aber keine biofütterung.
      Die Produkte haben keine physikalisch feststellbar bessere Qualität. Der Mehrwert ist hauptsächlich ideell. Also das die Bedingungen eingehalten werden.

      2+
    • bauerhans sagt

      die pferdepension hier durfte den mist nicht auf ihre bioflächen streuen,weil das futter und das stroh konventionell waren.

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    • Berthold Lauer sagt

      Das müssen Sie Vertreter der Branche fragen! Außerdem gibt es für Futter, Stroh und Saatgut auch Ausnahmen, wenn Grad nichts anderes verfügbar ist. Es muss nicht alles logisch sein! Die eingesetzten Maschinen Gebäude und Werkzeuge sind ja dieselben wie in der konventionellen LW auch und die Traktoren fahren in der Regel auch nicht mit Biodiesel! Selbst der Boden bleibt der gleiche und ist nach 2 Jahren von allen Verseuchungen durch Jahrzehnte lange konvi-LW befreit!

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    • Vielleicht gehen die etwaigen Rückstände (Spritzmittel) aus den konventionell angebauten Pflanze in das Fleisch oder Milch und Eier der Biotiere über, und darf nicht sein,
      denn das ist nicht 100%ig biologisch!?!

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        • firedragon sagt

          Guten Morgen Herr Seevers,
          Inga meint schon das Richtige.
          Bio ist in meinen Augen zum Einen, die eigene Überzeugung und zum Anderen, der eigene Glaube, wie viel Bio es sein muss – für die eigene Überzeugung.
          Ein Beispiel gefällig? Mal wieder aus eigener Erfahrung :
          Wir haben Günland, hin und wieder düngen wir, je nach Bedarf, nach. Das Heu dieser Wiesen verfüttern wir im Winter an unser Vieh. Im Sommer ist das Vieh auf einer Weide. Da wegen der Trockenheit im Sommer kaum Gras wuchs, haben wir mit unserem Heu zugefüttert.
          Nebenan sind kleine Flächen Luzerne angelegt, von einer Hobbybiobäuerin. Sie pflanzt Kartoffeln, Gemüse und so weiter. Wir hatten gefragt, ob die Tiere auf die Luzerneflächen dürfen, um dort zu fressen.
          Nein, durften sie nicht. Begründung: wir düngen unsere Wiesen, das Heu fressen die Tiere, die Tiere würden dann auf ihre Fläche kacken und dann kann sie dort keine Kartoffeln pflanzen, das sei dann nicht mehr Bio und das wolle sie nicht essen.
          Wir durften die Luzerne mähen und dann an unsere Kühe nebenan verfüttern.

          1+
  7. Sandra Harms sagt

    Tja, das passiert halt, wenn man mehr auf den markt bringt wie an absatz da ist… und wenn man so dämlich ist sich dann auch noch den diskountern anzubiedern….

    4+
    • Schmeckt gut sagt

      Unsere österreichischen Nachbar machen es schon ganz gut und trotzdem gibt es diese Probleme. Obwohl die regionale Vermarktung dort nicht mit den Verhältnissen in D vergleichbar ist. „Regional“ ist ein „Must have“, neudeutsch ausgedrückt. Davon sind wir in D noch meilenweit entfernt. Merkwürdigerweise kommt man, auch mit deutlichen Worten, bei den Bioverbandsoberen mit seinen Vorbehalten nicht durch. Probleme werden schön geredet. Auch das kennen wir aus der Konvi-LW. Man kann es folgenderweise zusammenfassen: Bei 30% Bio in Bayern und 50% Bio in BW wird der Zug mit Vollgas vor die Wand fahren. Die anderen Bundesländer sollten die Füße stillhalten, denn unsere Kollegen in den beiden Bundesländern werden schon sehr viel Geld in die Hand nehmen müssen, um einen einigermaßen stabilen Markt abzusichern. Aber die Politik will ja helfen – ich lach mich kaputt.

      5+
      • Sabine sagt

        Man könnte hier sehr viel für eine bessere Vermarktung über die Direkt-Schiene tun. Wie es in anderen Länder – ich weiß das von Italien- üblich ist, könnte man z.B. Produkte bei deren Herstellung der Arbeitslohn über dem Preis für das Ausgangsprodukt liegt, anders besteuern als industrielle Massenware mit geringem Arbeitsaufwand im Land. Das würde auch vielen Handwerkern das Leben erleichtern.
        Beispiel zur Erläuterung: Mein Schwager ist Fensterbauer, wenn der fertige Fenster aus Polen holt und einsetzt, muss er seinen Kunden die volle Mehrwertsteuer berechnen, auch auf die Monteur-Stunden. Kauft er nur Profile, Glas, Dichtungen, Schrauben etc. und baut das Fenster im Land mit seinen Leuten zusammen, reduziert sich die Mehrwertsteuer auf den Arbeitsstundenanteil drastisch. So ist er in der Lage maßgefertigte Fenster nach Vorstellungen des Kunden für den selben Preis oder sogar günstiger anzubieten, wie die Fertigfenster aus dem Import. Reparaturen mit hohem Arbeitsaufwand und geringem Materialeinsatz, kann er ebenfalls zum ermäßigten Steuersatz abrechnen. Er hat ausgerechnet, dass das nur bei seinem kleinem Betrieb einem Monteuren den Arbeitsplatz sichert.
        Jetzt haben wir in D eh schon einen ermäßigten Steuersatz auf Lebensmittel. Würden wir den Steuersatz für fertig abgepackte Produkte im Laden mit dem vollen Prozentsatz besteuern, aber Waren aus der direkten Vermarktung, den Metzgereien, Bäckereien, die oft einen sehr viel höheren Personalkostenanteil im Betrieb haben als die Massenfertigung, nur mit 7% oder meintwegen mit 4% besteuern, könnte das doch schon einiges bewirken, oder? Psychologisch wäre das auch ein Zeichen, dass man menschliche Arbeit und Kreativität mehr schätzt als Maschinen. Es würde auch der Konzentration von Produktion auf möglichst große und durchrationalisierte Anlagen entgegenwirken. Denn uns sind ja in den letzten Jahrzehnten nicht nur viele Höfe abhanden gekommen, uns fehlt auch gerade in der ländlichen Region die Infrastruktur. Die großen Ketten große Verarbeiter, große Verarbeiter wollen große Höfe, die konstant entsprechende Mengen liefern können.

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  8. Thomas Apfel sagt

    Das Problem der BIO – Landwirtschaft tritt hier deutlich zu Tage. Danke lieber Herr Niemann für diesen ergänzen den Artikel aus der Branche selbst der eher die Problemlage illustriert als beruhigt.. Das Problem ist der extrem hohe Anteil an Futterbau (auf über 80 % der Bioflächen wächst Tierfutter!!).
    Das Bio-Ackerbausystem ist auch nur so aufrecht zu halten. Nur die Futterkulturen ermöglichen die weiten Fruchtfolgen mit nennenswertem Umfang der einzelnen Fruchtfolgeglieder. Das Problem potenziert sich jetzt aus 3 Gründen:
    1. Zu hoher Flächenverbrauch:
    Bio Tierhaltung braucht etwa 3 X soviel Platz fürs Vieh und dazu doppelt soviel Futterfläche wie konventionelle Erzeugung (wegen der halb so hohen Erträge). Dazu kommen die höheren Ausfallraten wegen schlechterer Tiergesundheit. Im Endeffekt muss der Preis für die tierischen Erzeugnisse eigentlich 2,5 bis 3 mal so hoch sein wie aus konventioneller Erzeugung. Das ist am Markt nicht durchsetzbar.
    2. Zu geringes Ertragsniveau in der Pflanzlichen Erzeugung.:
    Das Ertragsniveau der Bio Äcker liegt bei 50 – 60 % gegenüber moderner Landwirtschaft.
    Auch dieses Niveau ist nur mit einem entsprechen hohen Anteil an tierischer Erzeugung zu halten, da ansonsten erhebliche Flächenanteile für die Nährstoffversorgung der Marktkulturen gebunden sind. Der Grundfehler des System ist der dogmatische Verzicht auf Synthetische Stickstoffdünger, denen nachweislich die Hälfte der Menschheit ihre Existenz verdankt.
    3. das durch die eigene Begleitpropaganda Anti- konventionelle und Anti- Fleischverbrauchs- Feindbild blockiert die Entwicklung im Bio-Sektor.:
    Ich kann der Branche nur viel Spaß mit der vom eigenen medialen Umgebung erzeugten Stimmung wünschen.
    – Vegetarisch und Vegan versus notwendige Tierhaltung zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit (vegan ist der Tod vom Bio-Anbau).
    Meine Prognose: Je mehr die Vor- und Nachteile beider Landwirtschaftlicher System in nüchternen Vergleich übergehen, desto schneller werden Sie verschmelzen, wie man Essen eben nicht herbeireden, sondern analog erzeugen muss.
    Das dogmatische Marktabgrenzungs-Bio der Verbände wird in seinem bisherigen Umfang seiner Follower verharren. Einfach weil objektiv kein Mehrwert für Ernährung, Mensch, Natur und Umwelt nachzuweisen ist. Die Branche fällt wieder in den Bereich der „Gläubigkeit“ zurück, und die Gläubigkeit der Menschen ist glücklicherweise auf dem absteigenden Ast.

    16+
    • „Das dogmatische Marktabgrenzungs-Bio der Verbände wird in seinem bisherigen Umfang seiner Follower verharren. Einfach weil objektiv kein Mehrwert für Ernährung, Mensch, Natur und Umwelt nachzuweisen ist. Die Branche fällt wieder in den Bereich der „Gläubigkeit“ zurück, und die Gläubigkeit der Menschen ist glücklicherweise auf dem absteigenden Ast.“

      Die sonstige Analyse ist sicher zutreffend, Thomas.
      Als Christin habe ich natürlich so meine Probleme, dass die Gläubigkeit der Menschen glücklicherweise zurückgeht. Und ich sehe das auch anders. Gerade in Deutschland nimmt aus meiner Sicht die „Gläubigkeit“ zu, zwar nicht an Gott aber dafür an alles Mögliche, geht bei Zuckerkügelchen los und trifft eben auch die Landwirtschaft. Da glauben sehr viele Menschen, dass Landwirtschaft eigentlich das „Grundübel“ schlechthin ist. Zur Not auch noch schuld ist am Feinstaub. Die anderen Themen haben wir oft genug angesprochen. Also da sehe ich keinen Rückgang der „Gläubigkeit“ , im Gegenteil !
      Daher sehe ich es nicht, dass so schnell die wirklich rationalen Argumente die Oberhand gewinnen.

      5+
  9. Christian Bothe sagt

    H.Niemann,Ihre Marktanalyse sagt nix.Ich behaupte mal einfach so, das der ökologische Landbau und die Vermarktung seinen Höhepunkt erreicht hat.Im LEH wird das nichts weiter wie ein Nischenprodukt bleiben und wieder ausgetauscht oder entfernt zugunsten eines konventionellen preislich günstigeren Produktes, wenn es sich nicht mehr rechnet.Ich beobachte das gerade vor Ort, wo Netto und ein Biomarkt 30m voneinander verkaufen.Netto ist immer voll und der Biomarkt?Sieht nicht so toll aus, weil Preise jenseits von „gut und böse“. Tut mir für die engagierten Inhaber sogar leid! Die Mehrzahl der Verbraucher ist eben nicht bereit mehr Geld für Grundnahrungsmittel auszugeben, zumal die Bioprodukte ernährungsphysiologisch keine Vorteile haben. Also Bio wird eine Nischenproduktion bleiben,auch wenn man industrielle LW wie Dennree betreibt.

    6+
    • fingerphilosoph sagt

      Es ist doch so, dass BIO auch dann keine Zukunft hat, wenn der Verbraucher bereit wäre, dreimal so viel Geld für seine Lebensmittel auszugeben. Geld löst weder das Problem der Flächeninanspruchnahme noch der niedrigeren Erträge noch den Widerspruch zwischen veganer Lebensweise und der Notwendigkeit von Tierhaltung zwecks Düngung der Felder, wie das Thomas Apfel weiter oben dargelegt hat.
      Das Geld ist doch bloß ein Stellvertreter-Argument.

      Es ist doch so, dass BIO überhaupt nur funktioniert, weil es auf den starken Schultern der Konvi-Landwirtschaft steht. Das ist allerdings weniger eine Nische als vielmehr ein Luxus, den sich die Gesellschaft aufgrund des technischen Fortschritts derzeit halt leisten kann.

      Und genau genommen bietet BIO ja auch nicht die Art von Landwirtschaft mit drei glücklich gackernden Hühner vorm mit Blumen geschmückten Bauernhaus, wie das dem Verbraucher ständig vorgegaukelt wird. Der einzige Bereich, wo das Bild mit der Wirklichkeit in etwa übereinstimmt, ist die Almwirtschaft mit den glücklichen Kühen, und die funktioniert auch bloß wegen den Einnahmen aus dem Tourismus und bloß im Sommer.

      14+
      • Gephard sagt

        Felder ließen sich auch ohne massiven Tierdung-Einsatz langfristig bewirtschaften. Man muss nur das, was die Tiere leisten, anderweitig mit Pflanzen umsetzen. Außerdem ist tierfreie Landwirtschaft ja nur von frei Zwangshaltung, frei lebende Arten tragen weiterhin zur Bodendiversität bei, wobei hoher Artenreichtum sicher von Vorteil ist.

        Oder werden jetzt Heerscharen einer Tierart durch die Wälder getrieben, um sie zu düngen?

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        • fingerphilosoph sagt

          Wo sich mit intensiv bewirtschafteten Feldern 80 Millionen Menschen ernähren lassen, sind es noch 40 Millionen, wenn man dieselben Felder extensiv bewirtschaftet und schätzungsweise 20 Millionen, wenn man darüber hinaus auf Tierdung verzichtet. Wovon sollen bei gleichbleibender Fläche die 40 bzw. 60 Millionen Menschen ernährt werden, die von tierfreier BIO Landwirtschaft NICHT ernährt werden können.

          Im Mittelalter lebten in Deutschland ca. 9 Millionen Menschen von sog. biologischer Landwirtschaft mit Tierdung und Dreifelderwirtschaft, und die Ernährung galt nicht als sichergestellt.

          Die frei lebenden Arten, die sich auf den Ackerflächen tummeln, sind unsere Nahrungskonkurrenten, die den Ertrag ggf. bis auf Null dezimieren.

          Wälder müssen nicht gedüngt werden, weil Bäume einen langen Lebenszyklus haben, in dieser Zeit genügend Nadeln und Laub abwerfen und mit allen möglichen Pilzen Symbiosen eingehen. Ein Wald ist nicht mit einem Acker zu vergleichen, der jedes Jahr abgeräumt wird.

          11+
      • Elisabeth Ertl sagt

        Für manche Almwirte ist der Tourismus eine Zusatzeinnahme, aber längst nicht für alle! Für viele wird der Tourismus im Gegenteil immer mehr zum Hindernis. Die momentane Tourismusmode wünscht eine vom Menschen verlassene Wildnis mit Wolf. Die Touristenmassen belästigen das Almvieh. Während Hunde in meiner Kindheit auf Bergwanderungen tabu waren, haben Touristen mittlerweile die Mitnahme ihrer Hunde durchgesetzt. Daher gibt es immer mehr Zwischenfälle mit Weidevieh mit verschärften Haftungsfragen für die Bauern.
        Aber es stimmt schon, dass der hohe Bio-Anteil in Österreich auch mit den naturräumlichen Gegebenheiten zu tun hat.
        Die Direktvermarktung wächst, das kann ich auch aus meiner Gegend bestätigen. Allerdings findet man in den Bauernläden nicht nur Bioware, dort lassen sich auch konventionelle Produkte gut vermarkten, wenn der Geschmack stimmt.
        Und jene Höfe, die Hofläden führen, die bemühen sich schon um ein ästhetisches Ambiente, und das lässt sich auf den vielen Kleinbetrieben in Ö. auch verwirklichen.

        1+
      • genau richtig, Fingerphilosph

        Warum funktioniert BIO nur, weil es auf den Schlultern der Konvibauern steht?

        1+
    • Nichts, Ko Nich,
      wenn er seine Ernte nicht verkaufen kann, weil die Nachfrage nicht auf den gleichen Level steigt!

      1+
  10. Eckehard Niemann sagt

    Hier aus Gründen der Sachlichkeit eine etwas differenziertere und zudem auch aktuellere Marktanalyse:

    Kommentar zur Situation des Ökolandbaus
    von Carsten Niemann, Vorsitzender des Fachausschusses „Ökologischer Landbau“ im Bauernverband Sachsen-Anhalt e.V. – aus 8/2019

    (…) Wir haben es nicht mit einem Markt oder einem Problem zu tun. Wir haben drei Bereiche zu betrachten:

    1. Der etablierte, auf über 10 Mrd. € gewachsene Biomarkt für anerkannte Bio-Ware – nach der Umstellung. Hier haben wir einen stabilen Markt, der nicht von der Schwemme an Umstellungsgetreide in die Tiefe gerissen wurde oder wird, da die Produkte gebraucht und verkauft werden. Die jetzt zu verzeichnenden Preis-bewegungen sind völlig normal am Bio-Markt. Zum Beispiel Preise ab Station Ldw.:
    • Leicht fallend: Bio-A-Weizen von 40 – 42 € auf 36 – 38 € oder Futtergerste von 32 auf 28 €
    • Stabil: Hafer um 36 €, Dinkel 45 €
    • Steigend: Bio-Kartoffeln von 50 auf 62 €
    Lediglich der Bio-Roggen steckt in einer Krise, da die gute Bio-Roggen Ernte ’19 kaum Käufer findet. Aber hier müssen wir Bio-Bauern uns leider an die eigene Nase fassen, inkl. der Autor. Wir haben uns nach der Ernte 2018 verzockt! In der Ernte ’18, bis in den September des gleichen Jahres, wurde mit dem Argument „schlechteste
    Dürreernte ever“ auf extreme Preise spekuliert und nicht verkauft. Die Mühlen glaubten an die Nichtverfügbarkeit dt. Ware und haben sich bis Anschluss Ernte ’19 mit baltischer und kanadischer Ware eingedeckt. Das merkten die dt. Bio Bauern viel zu spät und seitdem steht der Markt. Das hat nichts mit Umstellern oder zu hoher Ökoförderung zu tun!

    2. Die Bio-Markt Stärke: Wie leistungsfähig der kleine Bio-Markt geworden ist, war während der letzten Umstellungswelle 2015/2016 im Milchbereich zu sehen. Auch dort hatten wir zwei Jahre große Umstellerzahlen, die aber mit Verkaufswachstums-Raten von bis zu 50 %(!) im Markt bei gleichbleibenden Preisen untergebracht werden konnten. Maßnahmen, die das ermöglichten, waren eine gute und durch den BÖLW als Branchendachverband moderierte Branchenkommunikation, Wartelisten in den Molkereien und Austausch von Importware durch dt. Ware, Auflage von Neuprodukten durch die Molkereien usw.

    Ich war in der Zeit selbst Verbandsvorsitzender und habe unseren Betrieben nur gesagt: Ich weiß nicht, ob es klappt, aber wir als Bio-Branche haben zum ersten Mal die Chance es hinzubekommen, da unser Markt eine kritische Schwelle überschritten hat. Es hat geklappt. In den Umstellungswellen davor haben wir in jeder Welle mindestens ein Jahr gelitten, aber der Bio-Markt und die dahinterstehenden Verbraucher haben sich immer wieder weiter nach oben entwickelt. Das wird auch dieses Mal so sein, denn das Umweltbewusstsein wird nicht geringer.

    3. Die aktuelle Umstellungswelle: Da gibt es nichts zu beschönigen – der Drops ist für die Ernte ’19 gelutscht. Aber man muss die Gründe verstehen, um nicht zu verzweifeln. Wir haben in ’17 und ’18 bei einer bisherigen Bio-Fläche von ca. 50.000 ha eine Steigerung von 34.000 ha gehabt. Und diese gesamte Fläche darf nur ein „U-Bio-Monoprodukt“ produzieren, nämlich Bio-Umstellungsfuttergetreide. Und dieses darf laut dt. Verbandsrichtlinien nur zu 1/3 dem Bio-Futter beigemischt werden. D.h. hier ist eine derartige Marktübersättigung gegeben, die diesen extremen, schmerzhaften Preisverfall bedingt.

    5+
    • Schmeckt gut sagt

      Aha, Rechtfertigungen statt Lösungsansätze aufzuzeigen. Kennen wir das nicht irgendwo her. Fakt ist, um die deutlich ansteigenden Mengen in Biosegment gut zu verkaufen, sind starke Marketingaktivitäten nötig. Das Schlechtreden der konventionellen Erzeugung reicht jetzt nicht mehr. Die Verbraucher sind nicht blöd und bleiben (leider) immer preissensibel. Auch im Biomarkt (siehe die Zuwächse bei den Discountern).

      6+
      • Brötchen sagt

        Ja ist so, die waren verwöhnt. Deshalb wâre es Wahnsinn da Unmengen Geld rein zu pumpen. Das muss sehr überlegt entwickelt werden. Eine Massnahme ist Bio muss günstiger werden! Das geht auch, meiner Meinung nach auch.

        0
  11. Brötchen sagt

    Die Preise die Bio vorher hatte, sind „fantasiepreise“ 350 Euro sind doch noch gut!

    Und Bio muss sich darum kümmern, das das Getreide verwertet wird!
    Das bedeutet mehr Tierhaltung, nicht nur Weidetierhaltung!

    4+
      • Sabine sagt

        Guck Dir die meisten Bio-Betriebe mit Tierzucht an, da wird in irrsinniger Selbstausbeutung oft Selbstvermarktung betrieben. Sogar über ebay versuchen viele Bio-Bauern ihre Fleischpakete los zu bekommen. Nicht gerade ein Hinweis darauf, dass die Vermarktung über die Verbände funktioniert. Du kannst im Moment teilweise für 12 Euro das Kilo Galloway-Pakete bekommen, wenn Du aufs Filet verzichtest und genau so viel Kochfleisch wie Steak und Braten nimmst.

        1+
          • Sabine sagt

            Die sind auch super, nur tut es mir leid, wenn der Bauer mir erzählt, dass auch die Öko-Kundschaft scheinbar mit Beinscheiben nicht viel anzufangen weiß und lieber Steak haben will. Das letzte Ossobuco auf Gemüsebett mit Bandnudeln war fantastisch und ist mit Römertopf so gut wie keine Arbeit. Ich versteh’s nich.

            3+

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