Jahr: 2019

Weniger Insektenmasse aber mehr Vielfalt. Gut so!

Herwig Scholz ist seit seiner Jugend ein Insekten-Fan, arbeitet bei der Landwirtschaftskammer NRW, ist für den Naturschutz zuständig und ist Mitglied des NABU. Er ist Agraringenieur, lebt bei Krefeld und kennt das Naturschutzgebiet Orbroich, in dem die Krefelder Insektenstudie gemacht wurde, seit über 30 Jahren. Nebenher bewirtschaftet er mit seiner Frau einen kleinen Bioland-Betrieb mit Obst und Gemüse. Hier seine Erkenntnisse und Erläuterungen über die Entwicklung der Insekten. Aus erster Hand. Wort für Wort sehr lesenswert, weil er die Gründe für den Rückgang der Fluginsekten-Biomasse ganz woanders sieht. Zunächst einmal zu meiner Person. Ich bin Agraringenieur und war von 1986 bis 1999 landwirtschaftlicher Betriebsberater der Landwirtschaftskammer in der Stadt Krefeld. Ich kenne daher seit über 30 Jahren das Naturschutzgebiet Orbroich und die Landwirtschaft dort. Seit dem Jahr 2000 bin ich unter anderem auch als Referent für Naturschutzplanung tätig. Seit langem bin ich auch Mitglied im NABU. Ich bin „nur“ gelernter und kein „geborener Bauer“ sondern im ähnlichen Wortsinn „geborener Biologe“. Meine Eltern waren begeisterte Botaniker, mein Vater war Biologielehrer und Naturschutzbeauftragter im ehemaligen Rhein-Wupper-Kreis. Schon …

Schafe

Wanderschäfer – Ein Beruf stirbt aus

Eine sehr gute Dokumentation über Wanderschäfer in Deutschland. Ohne Wanderschäfer keine Artenvielfalt. Es gibt derzeit nur noch 900 Berufsschäfer und mit dem Nachwuchs sieht es nicht gut aus. Aber im Wettbewerb mit z.B. Australien und Neuseeland haben deutsche Wanderschäfer keine Chance, denn nur von den Erlösen kann hier niemand davon leben. Die Wolle ist fast nichts wert, und das Fleisch wird nur wenig nachgefragt. Den Beitrag zur Landschaftspflege will aber niemand bezahlen. Und es geht auch um den Wolf… https://www.zdf.de/dokumentation/planet-e/planet-e-schaefer-in-not—ein-traditionsberuf-vor-dem-ende-100.html?fbclid=IwAR3cmz6tDCzekJflOQ-ANDcju0xKvPNMeLsWQKzUHHE7kHGZMqQVJsBO9NE Wer den Wanderschäfern eine Stimme geben will, sei auf diese Petition hingewiesen: https://www.change.org/p/rettet-die-letzten-sch%C3%A4fer-innen-deutschlands-ein-traditionsberuf-am-ende-sch%C3%A4fereiretten Das kostet nichts und ist etwas mehr als nur Mitleid… Bauer Willi

Mehr Bio – etwas mehr Ehrlichkeit bitte!

Ein Gastartikel: Dietmar Groß ist Bio-Bauer der ersten Stunde. Hier die Gedanken eines bäuerlichen Pioniers des Biolandbaus zur Ausweitung des Bio-Landbau: „Bio“ boomt mal wieder in der Werbung der Lebensmittelhandelskonzerne und auch in der Politik. Lidl wirbt ganzseitig und großflächig mit Bioland-Produkten. Aldi hält ebenso großformatig mit Bio-Qualität zum Aldi-Preis dagegen. Auch in der Politik hat das Thema Konjunktur: Aufgeschreckt durch Hiobsbotschaften von Naturschützern (z.B. Artenschwund), aber auch durch die Wahlergebnisse der Grünen ist die Förderung des Ökolandbaus wieder mal ein Mainstream-Thema. Auf Bundesebene sollen es nach dem Willen von Schwarz-Rot 20% werden(dieses Ziel haben Gerhard Schröder und Renate Künast schon vor zwanzig Jahren proklamiert); Hessens schwarz-grüne Landesregierung nennt 25% Ökolandbau als Ziel für die laufende Legislaturperiode. Auf der Ebene der Landwirtschaft liegen derzeit wohl die geringsten Hindernisse. Der Frust über die (ökonomischen) Rahmenbedingungen der konventionellen Landwirtschaft ist in allen Erzeugungsbereichen hoch, der Glaube an die Verheißungen einer auf Export setzenden Agrarindustrie tendiert gegen null. Und auf der praktischen Ebene zeigen immer mehr erfolgreiche Biobetriebe, dass Landwirtschaft auch ohne Agrarchemie betrieben werden kann. Außerdem geht …

Deutschland ab vom Wege

Eine Buchbesprechung von Bauer Fritz Deutschland ab vom Wege – Eine Reise durch das Hinterland (Henning Sußebach; Erstveröffentlichung im April 2017) Vorbemerkung: Es gibt sehr viele, sehr lesenswerte Rezensionen zu diesem Buch. Diese ist eine, in der ich mir persönlich einprägsame Sätze, besondere Passagen mit Bezug zur Landwirtschaft und ausgewählte Gedanken des Autors hervorheben möchte. Sie haben an Aktualität nichts verloren – ganz im Gegenteil. Henning Sußebach durchmisst etwa Mitte des Jahres 2016 Deutschland, aber ab vom Wege. Also nicht im Auto oder im Zug, also nicht im Schnell-oder Eiltempo und somit nicht en passant. Sondern zu Fuß und dann auch noch so gut es geht nicht auf Straßen, sondern eher querfeldein. Da stört im Zuge eines Sonntagsspaziergangs durch die Natur plötzlich eine Straße den Gehenden. Der Gehende ist Redakteur bei der „Zeit, dem Zentralorgan des deutschen Bildungsbürgertums“ und lebt und arbeitet in Hamburg. Er erlebt unverhofft seine bisherige Welt als „ein Leben auf toter Fläche“. Er erlebt seine gewohnten und geschätzten Freiheiten als Stadtmensch unverhofft eigentlich „als fixierte Bewegungsabläufe auf begradigten Bahnen“, stellt fest, …

Feinstaub u.a. – was stimmt denn nun?

Mit der Unterstützung von Martin Hofstetter (Greenpeace), der mir einige sehr gute Links geschickt hat, (danke dafür) habe ich mal ein paar Fakten zusammengestellt, die vom Umweltbundesamt (UBA) veröffentlich wurden. Die letzten Daten stammen aus 2016. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/384/bilder/dateien/3_tab_emi-ausgew-luftschadst_2018_0.pdf NOx:        Von 1217 Tsd. t stammen 126 Tsd. t aus der Landwirtschaft Methan:  von 1052 Tsd. t stammen 204 Tsd. t aus der Landwirtschaft Schwefeldioxid: von 356 Tsd. t stammen 77 Tsd.t aus der Landwirtschaft Staub (gesamt): von 347 Tsd.t stammen 62 Tsd. t aus der Landwirtschaft (17,8%) Bei der feinsten Fraktion (PM 2,5) stammen von 100,8 Tsd. t  lediglích  4,6 Tsd. t aus der Landwirtschaft, was ziemlich genau 4,6% entspricht. Die von diversen Organisationen und Medien (Deutsche Umwelthilfe, Monitor)  aufgestellte Behauptung, wonach 45% des Feinstaubs aus der Landwirtschaft stammt, dürfte damit widerlegt sein. Oder hat sich da jemand mit der Kommastelle vertan? Bei Ammoniak sieht es dagegen nicht so gut aus. Laut UBA stammen 629 Tsd. t aus der Landwirtschaft, bei einer Gesamtmenge von 663 Tsd. t. Sieht man sich die Zeitreihe an, so haben sich die Zahlen seit 1990 …

Genom Editing – reden Sie mit!

Kaum ein Thema wird so kontrovers diskutiert wie Gentechnik. Doch was wissen wir eigentlich wirklich darüber? Was soll erlaubt sein und was nicht? Welche Ängste verbinden sich mit dem Thema? Zwei Kontrahenten stehen sich am 14. März gegenüber. Dr. Christoph Then von Testbiotech e.V, einem vehementen Kritiker der Gentechnik und Dr. Klaus Kurz, Bayer AG. Die Moderation  der Diskussion mit dem Publikum wird von der Evangelischen Akademie übernommen. Die Veranstaltung in Leverkusen beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei, eine Anmeldung bei der Evangelischen Akademie ist erforderlich. Die Veranstaltung ist für alle Interessierten offen. Details dazu hier: https://www.ev-akademie-rheinland.de/tagung/genome-editing—zuechtung-der-zukunft–385 P.S.: Ich bin an dem Tag zu einem Vortrag in Sachsen-Anhalt und kann leider nicht dabei sein.

Maischberger…und nun? Diskurs über Naturschutz

Der typische Konflikt zwischen Bürgern und Bauern. Und ein Paradebeispiel für eine journalistisch unfaire und unsachliche Gesprächsführung. Hier die ganze Sendung: http://mediathek.daserste.de/Maischberger/Rettet-die-Biene-sch%C3%BCtzt-den-Wolf-Was-/Video?bcastId=311210&documentId=60689468 Achtet mal darauf, wer die meisten Wortbeiträge liefern „darf“. Und wer ständig unterbrochen wird. Ich habe persönlich den Eindruck, dass immer dann, wenn Fakten zur Sprache kommen, abgebrochen wird. Die Moderation der Sendung ließ jedenfalls sehr zu wünschen übrig. Zum Inhalt: Mir gefallen die Wortbeiträge von Frau Konrad (ab Minute 41, ab Minute 52) und Herrn Fleischhauer (ab Minute 48). Frau Schulze bemüht sich sehr, den (konventionellen!) Landwirten nicht die Schuld in die Schuhe zu schieben. (ab Minute 45)  Leider ohne Erfolg. Ihre Vorlieben konnte sie nicht verbergen. Bei Andreas Kieling muss ich immer an den roten Glyphosat-Kanister denken, den es nicht gibt. Das Video (aus 2017) siehe unten. Schade, dass es in der Sendung nicht wirklich zu einem Dialog kam, der lösungsorientiert war. Irgendwie typisch für die heutigen Formate von Talk-Shows und ein Parade-Beispiel, wie man Dialoge nicht machen sollte. Denn nicht immer hat der Lauteste auch recht… Bildquelle: ARD Sie sehen gerade …

Foodwatch – Die Essensretter

Ein Bericht über einen Dialog, an dessen Text von beiden Seiten lange „gefeilt“ wurde. Damit es keine Missverständnisse gibt. Essensretter. So nennt sich die Organisation Foodwatch im Untertitel. Laut Wikipedia ist Foodwatch „ ein deutscher gemeinnütziger Idealverein, der sich mit den Rechten von Verbrauchern und der Qualität von Lebensmitteln auseinandersetzt.“ Was unterscheidet Foodwatch von anderen NGO´s? Das wollte ich wissen und habe mich im Berliner Büro von Foodwatch mit Martin Rücker (Geschäftsführer) und Andreas Winkler (Pressesprecher) unterhalten. Foodwatch ist vor allem eine Organisation, die sich ganz generell und unvoreingenommen mit der Qualität von Lebensmitteln beschäftigt, was zu der Erkenntnis geführt hat, dass z.B. Bio-Lebensmittel nicht per Se ohne Qualitätsmängel sind oder eine bessere Umweltbilanz aufweisen müssen. Das unterscheidet sie schon mal von anderen Organisationen. Tierhaltung Doch mich interessierte, was Foodwatch in Richtung Landwirtschaft sonst noch an Zielsetzungen auf der Agenda hat. Dazu zählt eine Tierhaltungswende, für die online Unterschriften gesammelt werden, damit „Julia Klöckner endlich Tiergerechtigkeit durchsetzt„. Vom staatlichen Tierwohllabel hält Foodwatch im Übrigen nicht viel. Aber auch nicht von der Label-Vielfalt diverser Organisationen oder Lebensmittelketten. …

Auf Bio umstellen!?

Vor ein paar Tagen war ich mit unserem Sohn auf einer Veranstaltung des Maschinenrings, auf der sich konventionelle Landwirte über die Umstellung auf Öko-Landbau informieren konnten. Ein Vertreter der Landwirtschaftskammer und ein Bio-Ackerbauer, der 2010 umgestellt hat, berichteten.  Was ich für mich mitgenommen habe, hier in Stichpunkten. Ohne Leguminosen geht es im Ackerbau nicht. Mit Kleegras beginnt die Fruchtfolge, im vierten Jahr kommen noch mal z.B. Ackerbohnen. Die Fruchtfolge ist deutlich länger. Im vorgestellten Fall 6-jährig. Sommerungen gehören dazu, um so das Unkraut im Griff zu halten Reiner Bio-Ackerbau ist anspruchsvoll und erfordert sehr viel Beobachtung, weil man nichts mehr reparieren kann Zuckerrüben und Raps sind nur etwas für absolute Spezialisten. Im Falle der Zuckerrüben sind pro Hektar etwa 200 Arbeitsstunden für die Unkrautregulierung einzuplanen. Bei Raps ist ein vollständiger Ertragsausfall einzuplanen, weil die Bekämpfung der tierischen Schädlinge äußerst schwierig ist. Also besser Finger weg. Vor der Entscheidung steht eine sehr sorgfältige Planung der Liquidität. Die ersten zwei Jahre der Umstellung sind kritisch, weil die Naturalerträge sinken, die Ware aber nur konventionell vermarktet werden kann. …