Monate: November 2019

Agrarpaket – ein Moratorium

Selten hat ein politischer Vorschlag die Bauern so aufgebracht wie das Agrarpaket. Aber auch innerhalb der politischen Parteien herrscht Uneinigkeit. Manch ein Fraktionsmitglied hadert mit der Ministerin, die ja seiner Partei angehört. Irgendwie ist die Situation verfahren, keiner ist zufrieden, jeder erwartet vom Anderen mehr Verständnis. Wer kennt diese Situation nicht aus seinem privaten Umfeld?! Was dann hilft ist der gute Rat, doch „noch einmal eine Nacht drüber zu schlafen“. Nein, das ist keine Aufschieberitis, sondern mit einem solchen Moratorium besteht die Möglichkeit, eine Lösung zu finden, die für alle Seiten tragbar ist. Was bedeutet das für das Agrarpaket? Die Umschichtung von 1,5% von der ersten in die zweite Säule sollte in der vergangenen Woche schon beschlossen werden. Weil aber spät in der Nacht der Bundestag aus Mangel an Abgeordneten nicht mehr beschlussfähig war, konnte darüber nicht abgestimmt werden. Es wird wohl in Kürze wieder auf die Tagesordnung kommen. Ausgang ungewiss. Die Einschränkungen der Anwendung von Glyphosat stehen ebenfalls zur Entscheidung an. Aus Sicht der Landwirtschaft muss die Anwendung vor der Saat und die Stoppelbehandlung …

Der Name der Krise…

Ein Gastartikel von Reinhard Jung, geschrieben im Jahr 2001, nach der BSE-Krise. Warum ich den Text – nach fast 20 Jahren – jetzt hier bringe? Weil sich der Name der Krise geändert hat, aber sonst (fast) alles geblieben ist. Wer Bauer bleiben will, muß Idealist sein Ich habe Brötchen geholt beim Bäcker um die Ecke am Morgen des 24. November 2000, und weil ich warten mußte, wanderte mein Blick einmal quer über die Titel­seiten der Zeitungen. Bei „BSE-Verdacht in Schleswig-Holstein“ blieb er stehen, zu Hause schaltete ich das Radio ein. Ich weiß nicht, wie die meisten Landwirte die Massenhysterie vor einem Jahr erlebt, die öffentliche De­mü­tigung und existen­zielle Bedrohung empfunden haben, welche sie ausgelöst hat und deren Folgen bis heute nachwirken. Ich weiß nur, daß ich sehr erkältet war und bis Weih­nach­ten jedes Wo­chenende ins Büro mußte, um den Internet-Auftritt meines Arbeitge­bers fertigzustellen. So erinne­re ich mich, wenn ich an diese Zeit zurückdenke, vor allem an das Gefühl der totalen Ohnmacht und tiefen Verzweiflung darüber, nichts tun zu können. Sobald es wieder möglich war, habe …

Dialog ist möglich: Greenpeace

Es ist sehr bequem, den Dialog einzufordern und dann zu warten, ob sich jemand meldet. Oder den Dialog zu versagen, weil es unangenehm werden könnte. Es hat mich sehr gefreut, mit Martin Hofstetter, Agrarexperte von Greenpeace, zusammenzutreffen. Ralf Stephan, Chefredakteur der Bauernzeitung war Moderator und hat das Gespräch zusammengefasst. “Bauer Willi” gegen Greenpeace 0

Wie kann man Glyphosat ersetzen?

Dieser Frage ist das „Handelsblatt“ nachgegangen. Fachlich sauber. Sehr lesenswert, auch für die Kritiker. https://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/unkrautbekaempfung-roboter-pfluege-elektroschocks-wie-die-landwirtschaft-glyphosat-ersetzen-will/25058756.html?ticket=ST-4756656-r2bBvHHwQKeScb6Eku6d-ap2 0

Damit der MdB sich kümmert: #grünes Agrarpaket

Was glaubt ihr, wie viele Bundestagsabgeordnete über das Agrarpaket des Bundesregierung Bescheid wissen? Die Mitglieder des Agrarausschusses sicher, aber wer sich sonst mit Sozialem oder Steuerrecht beschäftigt wohl eher nicht. Aber über das Agrarpaket werden zum Schluss alle Abgeordnete des Bundestages (MdB) abstimmen. Daher gilt es, auch alle Abgeordnete darauf hinzuweisen, welche Auswirkungen es für uns Bauern hat. Ich habe jetzt endlich mein #grünes Agrarpaket an Ministerin Svenja Schulze im BMU geschickt. Und neben einer Auswahl von verschiedenen Kartoffelsorten auch einen Brief dazugelegt. Hier der Text: Sehr geehrte Frau Ministerin Schulze Heute möchte ich Ihnen ein grünes Agrarpaket schicken. Eingepackt habe ich Ihnen neben leckeren Kartoffeln aus unserem Garten unsere Sorgen und Nöte. Seit Jahren werden wir mit immer neuen Forderungen konfrontiert. Bisher haben wir die neuen Gesetze und Regelungen auch immer noch meistern können. Das am 4. September vorgestellte Agrarpaket von BMU und BMEL hat uns jedoch geschockt. Die direkten und indirekten Auswirkungen sind so weitreichend, dass damit die Existenz unseres 40 Hektar großen Ackerbaubetriebes im Rheinland gefährdet ist. Gerne würde ich den Betrieb …

Eine Idee für die Zukunft…

Stellen Sie sich einmal vor, Sie werden gefragt, wie die deutsche Landwirtschaft in 20 Jahren aussehen wird, also 2039. Wie groß werden die Betriebe sein? Was werden sie produzieren? Wem werden diese Betriebe gehören? Wer wird dort arbeiten? Welche Nahrungsmittel werden dann verzehrt? Haben wir Landwirte eine Idee von der Zukunft? Hat die Politik eine Idee von der Zukunft der Landwirtschaft? Welche Ideen für die Zukunft der Landwirtschaft haben die NGOs? Und wie stark werden diese Ideen die Politik bestimmen? Wenn ich eine Prognose wagen sollte, so wird es in 20 Jahren in Deutschland weniger als 100.000 landwirtschaftliche Betriebe geben. Genau genommen meine ich wirtschaftende Einheiten, denn die steuerliche Betrachtung interessiert wenig, wenn es darum geht, von wem die Arbeit mit wem für wen erledigt wird. (Maschinenringe, Kooperationen, Lohnunternehmer) Nach dieser rein statistischen Betrachtung wird es schon schwierig. Ob in 20 Jahren noch Zuckerrüben, Winterraps oder Kartoffeln angebaut wird, hängt stark davon ab, ob die Möglichkeit der Bekämpfung von Krankheiten und Schäden durch Sorten oder Pflanzenschutz möglich ist. Derzeit sieht es nicht danach aus. Durch …

#grüneBänder zur Agritechnica

In ganz Deutschland wurden in den letzten Wochen #grüneKreuze aufgestellt. Sie dienen als Mahnung, die Landwirte nicht mit immer mehr Auflagen, Gesetzen und Verordnung sowie einer gesellschaftlichen Ächtung zur Aufgabe zu zwingen. Die Resonanz der Aktion, ausgelöst von unabhängigen Agrarblogger (siehe Facebook: Die Graswurzler), war überwältigend und wird selbstverständlich fortgesetzt. Wir wollen es jedoch nicht bei der Mahnung belassen, sondern diese ergänzen. Als äußeres Zeichen des Verbindenden, der Bereitschaft zum Dialog und der Gemeinschaft wollen wir alle in und außerhalb des Agrarbereichs bitten, ein grünes Band zu tragen. Dies kann ein grünes Geschenkband (auf 2- 3 cm abschneiden) mit Sicherheitsnadel an der Kleidung sein, ein grünes Armband, ein grünes Band um den Hut oder auch ein grüner Schal. Wer möchte, kann das Band auch beschriften. Eurer Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Fertige grüne Bänder könnt ihr auch auf der Agritechnica bei den Firmen Amazone (Halle 9) und geo-konzept (Halle 15 Stand J20)  erhalten. Solange der Vorrat reicht. Wer von euch zur Agritechnica nach Hannover kommt: Tragt #grüneBänder! Oder macht ein grünes Band an euren …

Wie europäisch ist Europa?

Ein Gastartikel von Thomas Apfel Einheitlicher Pflanzenschutz in Europa ??? „Pflanzenschutz ist Phytomedizin und sichert das Überleben der Menschheit !“ Diesen Kernsatz haben wir versäumt zu kommunizieren !!! Auffassungen wie in dem nachfolgenden Zitat aus dem Spiegel, werden seit Jahrzehnten als Dauerberieselung durch alle Medien über die geneigten Leser, Zuhörer und Zuschauer ergossen: „Täglich müssen die Käufer zwischen zwei Übeln wählen. Sollen sie sich mit den Pestiziden des Bauern von nebenan vergiften und so eine Mitschuld an der verseuchten Natur tragen ?  Oder sollen sie den Bioapfel aus Übersee kaufen und so den Klimawandel beschleunigen ?“ (Bioäpfel vom Ende der Welt – eine Ökosauerei ? Spiegel 11.06.2007) Insbesondere diese Dauerberieselung ohne Gegenargumentation von unserer Seite (Bauern, Verbände und Phytopathologen) hat dazu geführt, dass die Bauern als „Umweltvergifter“, „Bodenzerstörer“, „Bienenkiller“ und „Tierquäler“ dargestellt, und teils auch wahrgenommen werden. Die technische Ausbringung der Präparate, das „Spritzen“ ist medial zum Kampfbegriff gegen die Landwirtschaft aufgebaut worden. Dabei hat sich gerade beim Pflanzenschutz in Deutschland in den letzten 30 Jahren sehr viel verändert. Ich möchte das Ganze an einem Beispiel …