Bauer Willi
Kommentare 93

Der Name der Krise…

Ein Gastartikel von Reinhard Jung, geschrieben im Jahr 2001, nach der BSE-Krise. Warum ich den Text – nach fast 20 Jahren – jetzt hier bringe? Weil sich der Name der Krise geändert hat, aber sonst (fast) alles geblieben ist.

Wer Bauer bleiben will, muß Idealist sein

Ich habe Brötchen geholt beim Bäcker um die Ecke am Morgen des 24. November 2000, und weil ich warten mußte, wanderte mein Blick einmal quer über die Titel­seiten der Zeitungen. Bei „BSE-Verdacht in Schleswig-Holstein“ blieb er stehen, zu Hause schaltete ich das Radio ein. Ich weiß nicht, wie die meisten Landwirte die Massenhysterie vor einem Jahr erlebt, die öffentliche De­mü­tigung und existen­zielle Bedrohung empfunden haben, welche sie ausgelöst hat und deren Folgen bis heute nachwirken. Ich weiß nur, daß ich sehr erkältet war und bis Weih­nach­ten jedes Wo­chenende ins Büro mußte, um den Internet-Auftritt meines Arbeitge­bers fertigzustellen. So erinne­re ich mich, wenn ich an diese Zeit zurückdenke, vor allem an das Gefühl der totalen Ohnmacht und tiefen Verzweiflung darüber, nichts tun zu können.

Sobald es wieder möglich war, habe ich mir dann Urlaub genom­men und die Bro­schü­­re „Rind­fleisch-positiv – warum ich Rinder liebe, warum ich Rinder esse“ ge­schrie­ben, auf eigene Rech­nung gedruckt, 1.000 Stück an einen Verteiler aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Medien geschickt und inzwischen fast 3.000 Stück ver­kauft. Ob dies besonders wirkungsvoll war, sei dahingestellt, jedenfalls kann ich seit­dem wieder frei atmen und lachen, immerhin.

Bedeutungslose Randgruppe

Die Ereignisse vor einem Jahr waren schmerzhaft, aber je länger sie zurückliegen, desto mehr tritt ein zweiter Aspekt in den Vordergrund. Der Umgang unserer Ge­sellschaft mit BSE war ungeheuer lehrreich, denn er hat unabhängig vom Thema (auf das ich hier aus Platzgründen nicht eingehen kann) in nicht zu überbietender Klarheit sichtbar gemacht, was die Betroffenen im Alltag gern verdrängen: Wie es um die Landwirtschaft in Deutschland steht.

  • Die Landwirtschaft ist nach fünfzig Jahren Anpassung an dieses Gesellschafts­system zur bedeutungslosen Randgruppe geworden. Unter den Bedingungen der Globalisierung ist der Agrar­standort Deutschland nicht mehr konkurrenz­fähig – aufgrund der kleinteiligen Strukturen, ungünstigen natürlichen Vor­aus­­set­zungen, hohen Löhne und strengen Umweltauflagen produ­zieren unsere Be­­triebe schlicht zu teuer. Und es entspricht der Interessenlage großer Kon­zer­ne, die be­reit stehen, mit Bio- und Gentechnik auf attraktiveren Standorten in den Er­näh­rungs­sektor einzusteigen, wenn es in Deutschland künftig keine ernst­zu­neh­­mende Konkurrenz mehr gibt. Essen werden die Menschen nämlich weiterhin, soviel ist abzusehen.
  • Die Landwirtschaft hat keine Verbündeten in dieser Gesellschaft. Die al­ten Bünd­­­nis­se mit den konservativen und liberalen Käften, im Mittelstands- und Be­­sitz­denken begründet, funktio­nie­ren nicht mehr, weil die staatliche Stüt­zung unserer Betriebe immer deutlicher dem freien Han­del mit Industriegütern und Dienst­leistungen entgegensteht. Neue Bündnisse mit den sozialen und öko­­logischen Kräften konnten nicht geschmiedet werden, weil die landwirt­schaft­lichen Organisationen sich nie die Mühe gemacht haben, deren Denkwei­sen zu verstehen und darin ei­ne Existenzberechtigung für die Landwirtschaft zu begründen. Auch umgekehrt gibt es wenig Verständnis für landwirtschaftliche Zusammenhänge, was wohl durch niemanden eindrucksvoller verkörpert wird als in der Person von Renate Künast.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich glaube nicht an eine „Verschwörung“ gegen die Landwirtschaft, die BSE oder die Massenhysterie verursacht hätte – dafür waren die Ereignisse selbst zu chaotisch, die Entwicklung zu jedem Zeitpunkt unkalkulierbar. Ich spreche also nicht von einer bewußten Lenkung der Ereignisse, sondern von deren billigender Inkaufnahme. Wenn das Zu­grundegehen der Landwirtschaft den politischen und wirtschaftlichen Eliten in Deutschland nicht gelegen kommt, so ist es ihnen zumindest total egal.

Weiter Wachsen oder Weichen?

Wer dem oben Gesagten auch nur in Ansätzen zustimmt, muß sich fragen, ob die mittlerweile ein halbes Jahrhundert alte Theorie vom Wachsen oder Weichen heute noch brauchbar ist. Der mo­der­ne landwirtschaftliche Unternehmer könne nur am Markt bestehen, wenn er auf immer größeren Einheiten mit immer teurerer Technik immer intensiver produziert, besagt die Theorie, und wer da nicht mithalten kann, müsse seinen Betrieb aufgeben. Hat diese Logik in den letzten fünfzig Jahren den wachsenden Betrieben mehr schlecht als recht das wirtschaftliche Über­leben gesichert, so stellt sich unter den Bedingungen der Globalisierung die Frage nach dem Sinn derartiger Anstrengungen völlig neu.

Das Weichen ist dabei noch unproblematisch, denn wer weicht, ver­hält sich abso­lut systemkonform: Er stellt die Lebensmittelerzeugung in Deutsch­land ein, schafft Platz für alternative Formen der Flächennutzung wie Siedlungs- und Straßenbau, Erdabbau und Deponien, Naturschutz und Landschaftspflege oder belastet die in der Lebensmittelerzeugung bleibenden Betriebe mit (relativ) hohen Kosten für Pacht bzw. Grunderwerb.

Schwieriger ist es mit dem Wachsen. Wer wächst, bleibt zwar in der Lebensmittelerzeugung, lei­stet gewissermaßen Widerstand gegen das System, aber um wel­chen Preis: Er investiert sehr viel Arbeit, oft sein “Lebenswerk”, und in der Regel auch sehr viel Kapital in eine betriebliche Entwicklung, die immer weniger mit der Natur zu tun hat, dafür umso mehr auf zugekaufte Energie, Che­mie und künftig auf lizensierte Bio- und Gentechnik angewiesen ist … und das alles, um diese satte, selbst­gerechte und an der Landwirtschaft offensichtlich völlig desinteressierte Gesellschaft weiterhin mit billigen Lebensmitteln zu versorgen. Das mag betriebs­wirt­schaftlich richtig sein, aber nur in jenem engen Verständnis von Betriebs­wirtschaft, das keine Welt außerhalb der Landwirt­schaft kennt. Und damit ist es spätestens vor­bei, wenn der erhoffte Hofnachfolger seine unbefangenen, freilich nicht unbe­rech­tigten Fragen stellt, die da lauten: Was verdiene ich (nicht gemessen an anderen Landwirten, sondern an den Klassenkameraden oder Studienkollegen) und bringt die Arbeit mir Spaß (denn nur das kann einen geringeren Verdienst – vielleicht – ausgleichen)?

Bedenkt man, mit welchem Know-how, Kapital- und Arbeitseinsatz moderne landwirtschaftliche Unternehmer wirtschaften und wie wenig sie dabei verdienen, verglichen mit den Möglichkeiten, die andere Wirtschaftszweige bei demselben Engagement bieten würden, sind viele von ihnen längst Idealisten, Hobbybauern. Sie üben ihren Beruf aus, weil er ihnen Spaß macht, obwohl sie kei­ne Chance haben, mit der gesellschaftlichen Einkommensentwicklung mitzuhalten. Damit mei­ne ich nicht die­jenigen, die ihre Betriebe kalkuliert auslaufen lassen, noch die Restlaufzeiten für Gebäude- und Maschinenkapital mitnehmen. Ich meine diejenigen, die heute in die Zukunft inve­stieren. Zu erkennen, daß Landwirtschaft unerwünscht ist in diesem Gesellschaftssystem, ist der erste Schritt – sich einzugestehen, daß fast jeder, der heute in die Landwirtschaft investiert, dies aus Idealismus tut, folgt daraus konsequent.

Den Hof über die Zeit retten

Das Bekenntnis zu einer idealistischen Grundlage des eigenen Handelns schließt prag­matisches Vorgehen keineswegs aus. Selbstverständlich bleibt die sorgfältige Kalkulation der Einnahmen und Ausgaben auch in Zukunft entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg, und natürlich kann es sinnvoll sein, überschaubar zu wach­sen, wenn sich entsprechende Möglichkeiten bieten. Für min­destens ebensowichtig halte ich es jedoch – wie gesagt – sich darüber klarzuwerden, warum man trotz der oben beschriebenen trostlosen Lage der Landwirtschaft diesen Beruf ausüben möchte, die persönlichen Ideale zu definieren und daraus eine auf die individuelle betriebliche Situation zugeschnittene Strategie für den eigenen Hof zu entwickeln. Zum Beispiel anhand der folgenden drei Fragen, deren Beantwortung ich hiermit zur Diskussion stelle:

  • Was ist Landwirtschaft?

Landwirtschaft ist die Erzeugung von Lebensmitteln durch Sonnenenergie, Bodenfruchtbarkeit und menschliche Arbeit. Alles andere sind Hilfsmittel, die ihre Bedeutung zu ihrer Zeit haben, jedoch nicht den Kern von Landwirtschaft ausmachen und deshalb nicht überbewertet werden sollten. Landwirt ist ein Gott unmittelbarer, ewiger Beruf mit der wertvollen, wichtigen Aufgabe, durch einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung die Men­schen zu ernähren, sie also vor Hunger zu bewahren. In einem dicht­besiedelten Land wie Deutsch­land brauchen wir eine intensive ökologische Landwirtschaft mit mög­lichst vie­len Menschen, die Eigentum haben, und noch mehr Menschen, die darin Arbeit fin­den. Diese Überzeugung steht im radikalen Gegensatz zum herrschenden Gesellschaftssystem, das Wert und Wichtigkeit der Landwirt­schaft für Deutsch­land verleugnet.

  • Was muß trotz allem erhalten bleiben?

Erhalten bleiben muß zunächst der eigene Hof, das Eigentum an der Hofstelle und den landwirtschaftlichen Flä­chen, wobei diese möglichst gün­stig zur Hofstelle gelegen sein sollten. Erhalten werden muß weiterhin die Boden­frucht­bar­keit, weil diese sonst nur unter sehr großen Mühen wiederher­ge­stellt werden kann. Nicht verlorengehen dürfen außerdem die robusten, leistungs­starken Pflan­zensorten und Tierrassen, die das Ergebnis jahrzehntelanger angepaßter Züch­t­­ung sind. Nicht kaputtgehen sollten schließlich auch die Gebäude, in de­nen oftmals die Tradition des Hofes zum Ausdruck kommt, sowie eine Grund­aus­stattung an Maschinen und Gerät. Und vor allem darf man sich selbst nicht ka­puttarbeiten, sondern muß die Belastungen bewältigen, die Erfolge genie­ßen können, denn nur dann läßt sich die Freude am Beruf glaubwürdig an die nächste Generation weitergeben.

  • Wie kann der Hof über diese Zeit gerettet werden?

Auf diese Frage muß es zwangsläufig viele individuelle Antworten geben. Die einfachste Methode besteht sicher darin, sich mit einem geringeren Einkommen zufrieden zu geben. Dies klingt auf den ersten Blick lächerlich, wird aber auf vielen Betrieben bereits seit langem praktiziert. Ausgehend von dem Wohlstandsniveau, das unsere Gesellschaft mittlerweile erreicht hat, ist eine solche auf Verzicht basierende Strategie durchaus schlüssig, wenn dahinter die be­wuß­te Entscheidung für eine höhere Lebensqualität steht, welche die Landwirt­schaft bieten kann. Die andere Methode, die vor allem da greifen muß, wo der Verzicht nicht mehr zumutbar ist, besteht im Nebenerwerb: Entweder wird das Geld in einem landwirtschaftsfremden Beruf verdient, dann kommt es darauf an, den Betrieb so extensiv wie möglich nebenher zu organi­sieren. Eine solche Land­wirtschaft wird also im Zweifelsfall weniger Spaß machen. Oder das Geld wird über die Direktvermarktung der eigenen Erzeugnisse verdient (auch eine Form von Nebenerwerb), dann liegt es nahe, eine intensive ökologische Landwirtschaft zu betreiben und deren Vorzüge den Verbrauchern zu vermitteln. Wer sich für diesen Weg entscheidet, hat sicher mehr Spaß an der Landwirt­schaft, muß aber bereit sein, sich ständig mit den dummen Fragen und klugen Bemerkungen der Verbraucher auseinanderzusetzen, was auch nicht jeder gut verträgt.

Das alles sind keine tollen Perspektiven – wie auch, in der Zeit, in der wir leben? Aus diesem Gesellschaftssystem verabschieden können wir uns leider nicht: So hat die extensive Landwirtschaft nebenher natürlich etwas mit Weichen zu tun, so ist auch die Direktvermarktung von Qualitätsprodukten in Konkurrenz zu den Billigstrukturen zum Wachsen gezwungen. Und so wird sich bei allen Anstrengungen, den Hof über diese Zeit zu retten, sicher nicht alles erhalten lassen, was zu erhalten wichtig wäre, es werden Kompromisse nötig sein, die von den Idealen ab­weichen.

Die persönliche Ideale definieren

Aber genau das wäre der fundamentale Unterschied: Es gäbe Ideale! Die Schwä­che der deutschen Landwirtschaft in der gegenwärtigen Situation rührt wesentlich daher, daß sie keine Ideale hat, daß sie sich in den letzten fünfzig Jahren hat treiben lassen von einer scheinbar alles beherrschenden Entwicklung ohne Ziel, der einzelne Landwirt immer in der Hoffnung, ausgerechnet sein Hof würde nicht nur überleben, sondern gestärkt daraus hervorgehen. Der Abschied von dieser Illusion fordert die­jenigen, die trotzdem Bauer bleiben oder werden wollen, geradezu heraus, ihre persönlichen Ideale zu definieren, wie ihr Hof, wie die Landwirtschaft in Deutschland idealerweise aussehen soll, und zwar unabhängig davon, wie sich Märkte und Mei­nungen und Maßnahmen für oder gegen die Landwirtschaft wei­ter­entwickeln. Ideale, zu denen wir stehen, nicht weil sie sich heute rechnen, sondern weil sie auch mor­gen richtig sind.

Zurück zu BSE und der Massenhysterie, die vor nunmehr einem Jahr begann: Sie hat uns klar vor Augen geführt, wie es um die Landwirtschaft in Deutschland steht, aber sie war auch ein Spiegelbild dieser Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der mit öffentlichen Mitteln gesunde Kühe verbrannt und Kälber totgeschlagen werden, hat sich so weit von den Bedingungen der eigenen Existenz entfernt, daß ihre Existenz­fähigkeit zu Recht angezweifelt werden darf. In der Geschichte gab es für derarti­ge Zustände geistiger Umnachtung immer wieder eine überaus wirksa­me Therapie, nämlich Hunger. Ich sage damit nicht, daß uns Hunger droht oder daß wir ihn uns wünschen sollten. Er ist allerdings Realität in vielen Teilen der Welt und war es oft genug schon in Deutschland. Wir sollten unse­ren Idea­lismus also nicht darauf gründen, aber auch nicht ausschließen, daß noch zu unseren Leb­­zeiten eine Situation eintritt, in der Landwirtschaft plötzlich wieder sehr gefragt ist. Dann dürfen wir keinen Moment zögern, die Führungsrolle zu übernehmen, die dem Bauern­stand zusteht.

Wer es nicht glauben mag: der Text wurde tatsächlich 2001 verfasst und in keinem Wort geändert.

Privat ist Reinhard Jung unter http://www.jung-lennewitz.de/ zu finden.

Und was er sonst noch macht, könnt ihr hier erfahren: http://www.bauernbund-brandenburg.de/

(Aufrufe 2.800 gesamt, 1 heute)

93 Kommentare

  1. Ottmar Welker sagt

    Auch bei der ausgebliebenen Schweinegrippe Pandemie wurden Milliarden für Impfstoffe ausgegeben und nicht gebraucht, was der Pharmaziebranche nützte aber auch der Vorbereitung für eine wirkliche, SARS, Vogelgrippe etc. gut tat.
    Der Schüler von Professor Kohler und damals neue Professor an der Fachhochschule Rottenburg hielt in Hohenheim einen provokanten Vortrag: “ Ein Jahr nach der BSE Wende.“
    Er prognostizierte ein Zuwachsen der Weideflächen und Veränderung der Landschaft dadurch.
    Ich wurde vom Rathaus in Alpirsbach später gebeten, ein Freiberufler- auch mit Dienstaufträgen vom Hause Fürstenberg lud mich dorthin ein- mir anzusehen und zuzuhören, was getan werden könne, um gemähtes Gras zu Bioenergie an Ort und Stelle umzuwandeln, was ich auch einen ganzen Tag lang tat und in Oberndorf einen weiteren.
    Es erboste ihn zudem, dass Landwirte, Stroh, das er ihnen anlieferte nicht in Felder einarbeiteten und auch kompostiertes vergärtes Gras nicht verwenden wollte. Mit der Fachhochschule Offenburg ging er eine Kooperation zur Verkohlung nach dem Fischer-Tropsch Verfahren ein. Ein ehemaliger Chemiker des Max- Planck- Institutes aus Oberndorf beteiligte sich zunächst nicht.

    0
  2. Astorianer sagt

    Artikel 1 des Grundgesetz lautet die Würde des Menschen ist unantastbar. Doch die Würde der Bauern wird immer mehr mit Füßen getreten. Das sollten die verantwortlichen Politiker in der Regierung einmal abstellen in dem sie diesen Organisationen die Gemeinnützigkeit endziehen.

    0
  3. Bauer CHRiSCHeN sagt

    Tja so war das schon immer und so bleibt es: Wenn es der Sau zu gut geht schmeißt sie den vollen Futtertrog um.

    5+
  4. Ehemaliger Landwirt sagt

    Will der Milchbauer überleben, dann braucht der 100 Kühe, die jeweils 10.000 Liter geben. 200 mit jeweils 5.000 Liter gehen nicht, einmal weil er die Arbeitsmäßig nicht schafft, auch finanziell wäre es ein Fiasko.

    6+
    • Eben intensive Nutzung der Kreatur, damit man es so billig wie möglich dem LEH und den Milchverarbeiteten Konzernen zur Verfügung stellen kann.

      2+
      • Also
        nutzt der Verbraucher und der Mitarbeiter im LEH und den verarbeitenden Konzernen mit aus!

        Es wird Zeit, dass er von den Bauern mal aufgeklärt wird oder sich selbst schlau macht, wo seine Nahrungsmittel her kommen.
        Wie man sie der Natur abringt!

        0
  5. Friedrich sagt

    Die BSE-Krise war aus meiner Sicht der Beginn der Angstmache , um unliebsame Dinge bei der Bevölkerung durchzusetzen. Auch das Waldsterben , Klimawandel, AKW-Abstellung ,usw. wurden dafür benutzt. Derzeit will man die 80 Mrd. Euro Steuern eintreiben , weil man sich vollkommen übernommen hat. Dazu wurde der CO2 Wahnsinn mit Greta und Co installiert. Dafür unterstützt man auch die Hilfstruppen , wie Greenpeace, Schülerdemos, NABU,BUND, Antifa, Dt.Umwelthilfe, Potsdamminstitut usw. . Wenn junge Leute mit Plakaten zur DEMO gehen , wo draufsteht :Nun verbietet uns endlich was ! — Dann ist das Wahnsinn erster Klasse. Anstatt einmal was zu hinterfragen , wird einfach blind gefolgt .Hatten wir das nicht schon einmal ? Es hies doch :Nie wieder !?
    Selbst Denken und abwägen ist gefragt und nicht sich fremdbestimmen lassen. — Das die BSE-Forschung auf der Insel Riems in der Ostsee nichts gebracht hat , kann man an nicht vorhandenen Forschungsergebnissen sehen. Auch in GB sind keine Menschen gestorben , obwohl unsere Politik von über 140.000 Toten redete. Mit Rot-Grün ist seinerzeit die Angstmache in die Politik eingezogen und hat sich als Krake vermehrt. Mit der Einschränkung der Meinungsfreiheit hat die Politik jetzt alle Mittel in der Hand , um unliebsame Kritiker still und klein zu machen. Dieses politische Handeln steht mit Sicherheit nicht im Einklang unseres Grundgesetzes. Das man sich über das Grundgesetz und EU-Verträge hinwegsetzt ist eine gefährliche Entwicklung und erfordert bürgerlichen Widerstand.

    13+
    • Reinhard Seevers sagt

      Eine weitere Kuriosität im Zusammenhang mit BSE ist ja, dass das von Renade geforderte und initiierte BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) neutral arbeitend, jetzt auch nicht mehr ausreicht, um die dummen Bauern zu gängeln, denn es bewertet Glyphosat nicht so, wie Renade es gerne gehabt hätte….da muss schläunigst ein Bundesisntitut für Indoktrinationsförderung her, damit endlich Schluss ist mit dem Bauernvolk. (Achtung Sarkasmus!)

      9+
  6. brouss sagt

    BSE war ein Pharmaproblem, das verstuscht werden musste. So wie es mal Schweine-Insulin gab, gab es Rinderhirn-Wachstumshormone.
    Alle Rinder in England sind durch Hormonspritzen infiziert worden.

    Nach meinen Erfahrungen der letzten Jahre würde ich aber eine Führungsrolle für die Bauern-wie in letzten Satz gefordert- ablehnen.

    0
    • Ottmar Welker sagt

      Der BSE Erreger gehörte zu den Prionen. Eine heilende Behandlung ist bisher nicht möglich.

      0
  7. fingerphilosoph sagt

    Nicht nur hat sich eine Gesellschaft, in der gesunde Kühe verbrannt und Kälber totgeschlagen werden, so weit von den Bedingungen ihrer Existenz entfernt, dass ihre Existenzfähigkeit zu Recht angezweifelt hat, sondern ebenso hat sich eine Landwirtschaft, in der reine Pflanzenfresser mit Fisch- und Tiermehl gefüttert wurden, wie das damals vor BSE der Fall war, im gleichen Maße von den Bedingungen ihrer Existenz entfernt.
    Man sich schon die Frage stellen, wer seinerzeit mit dem „Wahnsinn“ angefangen hat. Die Rinder waren es auf jeden Fall nicht!

    4+
    • 0bstbäuerin sagt

      Der richtige Wahnsinn hat aber erst angefangen, als mit Berechnungsmodellen suggeriert wurde, dass in allernächster Zeit Millionen Menschen an den Folgen von Rinderwahnsinn sterben werden. Inwieweit diese Hochrechnungen mit denen der Klimamodelle vergleichbar sind, wird die Zukunft zeigen.

      14+
      • fingerphilosoph sagt

        Wegen der Afrikanischen Schweinepest werden heuer vorsichtshalber ganze Schweinebestände in China, Bulgarien, Dänemark gekeult, ohne dass die Tiere Krankheitszeichen aufweisen. Und wer steckt dieses Mal dahinter? Bestimmt nicht die „Gesellschaft“, denn die hat von der Afrikanischen Schweinepest nichts zu befürchten.

        2+
        • Obstbäuerin sagt

          Wie meinst Du das, fingerphilosoph? Diese Modelle haben doch Wissenschaftler damals über die Medien verbreitet und erst dann wurde die „Gesellschaft“ hysterisch oder habe ich das falsch in Erinnerung?

          3+
          • fingerphilosoph sagt

            Ich will damit sagen, dass heute in Sachen Schweinepest ebenfalls vorsichtshalber ganze Bestände gekeult werden. Im Unterschied zu BSE oder Vogelgrippe ist in diesem Fall nicht die „Gesellschaft“ hysterisch. Also wer dann?

            0
            • Obstbäuerin sagt

              Aufgrund der Panikmeldungen haben sehr viele Verbraucher aufgehört, Rindfleisch zu essen. Das hat das Problem zusätzlich verschärft. Für die Gesetze bei Tierseuchen gibt es ja Vorschriften, die sinnvoll oder weniger sinnvoll sein können. Die Schweinegrippe wiederum ist ein Beispiel dafür gewesen, wie man mit Panikmache ein Grippeschutzmittel an den Markt bringen konnte.

              1+
            • Reinhard Seevers sagt

              Tiergesundheitsgesetz noch nie gelesen? Von Verständnis mal ganz zu schweigen. Hier zum Nachlesen: https://www.gesetze-im-internet.de/tiergesg/BJNR132400013.html

              Nicht Einhalten stellt eine Ordnungswidrigkeit und bei Vorsatz eine Straftat dar…..sie möchten doch nicht Tierhalter zu einer Straftat anstiften oder?

              Nach der Keulung und Veröffentlichung sind dann die Medien und die ethisch morlaisch Überlegenden wieder hysterisch….das ist aber normal, kennen wir bereits.

              2+
        • Ferkelhebamme sagt

          Wo werden in Dänemark denn Schweine gekeult? Gekeult wird nur in einem gesetzlich vorgegebenen Radius, wo ein Ausbruch stattgefunden hat. So soll die Ausbreitung dieser hochansteckenden, tödlich verlaufenden Seuche verhindert werden. Die Gesellschaft hat von der Seuche zu befürchten, dass es hier kein Schweinefleisch mehr gibt, sonst nichts…

          4+
    • Christian Bothe sagt

      Entschuldigung Fingerphilosoph!Was für dümmliche Kommentare Sie heute publizieren.Was die Aufgaben der Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft sind,haben Sie leider immer noch nicht begriffen.Daran ändern auch Ihre „Predigten“ weiter unten zu obigen Artikel von Jung nichts. Dieser Beitrag hat von seiner Aktualität nichts verloren. Ich wiederhole mich,die LW hat die Aufgabe die Bevölkerung mit hochwertigen Nahrungsmitteln zu versorgen und dazu betreibt sie eine intensive Pflanzenproduktion unter Einbeziehung des von Wissenschaft und Technik und hält Nutztiere.Um effektiv zu wirtschaften, auch intensiv und den Tieren bekommt das scheinbar,sonst würden diese nämlich nicht solche Milchleistungen,MTZ und Legeleistungen erbringen. Also beschäftigen Sie sich mal etwas mehr mit praktischen der LW,ihren Aufgaben und die Wichtigkeit selbiger in einer Volkswirtschaft. Besuchen Sie mal Bauern vor Ort,um dann Ihre geistigen Ergüsse landwirtschaftsnah präsentieren zu können auch in diesem Blog!

      4+
      • fingerphilosoph sagt

        Dass aus den den Tieren abverlangten Milchleistungen, MTZ und Legeleistungen der Rückschluss gezogen wird, dass dies den Tieren „bekommt“, ist ein Fehlschluss, der nicht gerade von der Fähigkeit des logischen Denkens zeugt.

        Diese Logik auf den Bauer angewendet, kann man also schließen, dass dem schlecht bezahlten Bauer die schlechte Bezahlung „bekommt“.
        Diese Logik auf den gedopten Leistungssportler angewendet, kann man also schließen, dass dem Sportler das Doping bekommt, weil der ja die Leistung erbringt, auch wenn er dann mit 35 Jahren vorzeitig stirbt.
        Und genau das passiert ja mit den Kühen, denen man die Hochleistung von 11.000 Liter pro Jahr abverlangt. Nach 4 oder 5 Jahren sind die „fertig“, werden unfruchtbar, während eine normal gehaltene Kuh 20 Jahre alt werden kann.

        Persönliche Angriffe sind für mich gleichbedeutend mit einem Mangel an guten Argumenten, die meine Position widerlegen können.

        8+
        • Reinhard Seevers sagt

          Fingerphilosoph, irgendwie wird mir immer schwindelig bei Aussagen darüber, dass eine Kuh ja 20 Jahre alt werden kann, wenn sie „normal“ gehalten werden kann. Es gab und gibt wohl kaum eine sinnvolle Argumentation, denn allein eine ethisch moralische ob des Zeitpunktes zur Tötung eines Nutztieres. Wenn man es so weit runterbrechen möchte, dann ist jede Argumentation zur Versorgung der Menscheit mit ausreichend tierischen Proteinen überflüssig. Ist ihre moralische Integrität höher, als die der Rinderhalter? Wenn ja, warum?
          Übrigens gab es bereits in den 30er Jahren in Ostpreußen Herdbuchzüchter deren Spitzentiere ohne Qualzucht, Genfutter, Laufstall, etc. 11000 bis 14000kg Milch erzeugten. Aber seis drum, sie möchten ihre Blase ja auch nicht verlassen, warum sollten wir es tun.

          6+
          • fingerphilosoph sagt

            Gestern habe ich mir einen kurzen Film angeguckt über einen Milchviehbauern, der über das schlechte Image der Landwirtschaft, die Missachtung des Berufsstands, die finanziellen Probleme usw. gejammert hat. Im Hintergrund war eine Kuh zu sehen, die wegen ihres Rieseneuters, das bis fast auf den Boden runterhing, kaum laufen konnte. So was spricht für sich. Da muss man die Ethik- und Moralkeulen überhaupt nicht bemühen, die kann man im Schrank lassen. Mich wundert es nur, dass dieser Bauer offenbar nicht kapiert, warum ihm die Zuschauer nicht glauben, wenn er behauptet, dass es den Kühen gut geht.

            2+
            • firedragon sagt

              fingerphilosoph,
              spätestens jetzt, wäre doch dieser Landwirt anzuhören.
              Der könnte Dir das Alter der Kuh nennen, er könnte Dir auch sagen, wie viele Kälbchen sie zur Welt gebracht hat und er könnte Dir sogar auch noch sagen, ob diese Kuh möglicherweise am Tag oder zwei Tage zuvor ein Kälbchen bekommen hat.
              Das sind mitunter alles Faktoren, die bei einer „Beurteilung“ eines Euters (hier einer Kuh) zu berücksichtigen sind.
              Von einer alten Dame kannst Du schließlich auch nicht verlangen, daß sie die Brust einer Teenagerin hat.

              4+
              • fingerphilosoph sagt

                Wie kommt es dann, dass dieses Euter voll prall war? Mit dem Alter verbinde ich, sorry, schlaffe Euter. Und dann war ich mal auf einer Landwirtschaftsausstellung, da sind die Kühe prämiert worden, die auch so ausgesehen haben und die waren keine 20. Erklärt mir das mal!

                Ein Kalb braucht m.W. ca. 10 Liter Milch/Tag. Diese Kühe geben 100 Liter Milch/Tag. Erklärt mir das mal!

                Hier, so was:

                https://kurier.at/chronik/oesterreich/super-turbokuh-setzt-almen-unter-druck/400090289

                1+
                • firedragon sagt

                  fingerphilosoph,
                  derzeit habe ich in unserer kleinen Herde eine tragende Kuh, sie ist sechs Jahre alt. Ihr Euter hängt schlaff herunter, die Milchkammern sind absolut leer. Das wird sich zum zeitigen Frühjahr stark wandeln.
                  Das Euter dieser Kuh ist zum Geburtstermin so prall gefüllt, dass es zu „platzen“ droht (tut es natürlich nicht). Diese Kuh ist eine Mutterkuh, die Milch ist ausschließlich für ihr Kalb.
                  So viel zu schaffen Eutern und dem Alter einer Kuh.
                  Und um das Ganze für Dich noch bildlicher zu gestalten – Frauen, die Milch geben haben pralle Brüste. Geben sie keine, hängt alles mal mehr mal weniger und da spielt das Alter ebenfalls keine Rolle.

                  3+
                • fingerphilosoph sagt

                  Ja, okay! Mit prall und schlaff magst du Recht haben, aber ein Kalb braucht 10 l Milch und keine 100, und deshalb hinkt dein Vergleich. Wenn ein Euter, das 100 Liter Milch gibt, schlaff ist, tritt die Kuh halt drauf.

                  Da ich keinen Ärger mit #metoo will, nehme ich ein anderes Beispiel: von Sumo-Ringern weiß man, dass die mit 30 oder 40 Jahren am Ende sind und an Herz-Kreislauferkrankungen, Wirbelsäulen- und Gelenksproblemen leiden, wenn man unbedingt schon sozusagen „überzüchtete“ Menschen als Vergleich heranziehen will.
                  Ähnliches muss man einem Tier nicht antun, für das man die Verantwortung hat.

                  0
                • firedragon sagt

                  Mit Sumo – Ringer kenne ich mich nicht aus, fingerphilosoph.

                  1+
                • Elisabeth Ertl sagt

                  Also, was die Almen betrifft, so habe ich mich bereits in den 1980er Jahren u.a. mit den Trittschäden und ihren Folgen beschäftigt. Die kommen vor allem daher, dass das Vieh nicht mehr von Hirten geführt wird und sich daher bevorzugt in bestimmten Bereichen bewegt. Aber auch schon die traditionelle Almwirtschaft beschäftigte seinerzeit neben den Hirten eigene Almputzer, die unter anderem die Trittschäden im Steilgelände laufend auszubessern hatten. Das ist nichts Neues. Die Konzentration des Betritts auf bestimmte Bereiche wird jetzt verstärkt dadurch, dass Hochleistungstiere mit karger Almweide allein nicht auskommen. Außerdem verlangt der Handel nur noch schnell gewachsene Masttiere, sodass selbst Mutterkuhhaltung ohne Kraftfutter nicht mehr möglich ist. Das wird jetzt tonnenweise auf die Almen gekarrt und verursacht dort ein Überdüngungsproblem, das der Vegetation mindestens so zusetzt als das Gewicht der Tiere. Dieses Zufüttern erschwert auch die Weiderotation. Früher standen auf den Galtalmen überall verstreut einfache Unterstände, dazwischen Zäune, aber du kannst nicht zu jedem solchen Hüttl eine Straße hinbauen. Aber sicher stimmt es auch, dass sich nicht jede Rasse für die Almweide gleich gut eignet. In den 80er Jahren habe ich gesehen, wie die Schwarzbunten mit ihren zarten Knochen häufig lahmten, während die Pinzgauer und das Grau- und Braunvieh wie die Gämsen kletterte.
                  Wer diesen Entwicklungen entkommen will, der setzt auf Direktvermarktung. Und diese Betriebe arbeiten dann wieder mit den alten leichteren Rassen.
                  Übrigens alpen die Schweizer ihre Rinder schon seit vielen Jahren kaum noch, auf den dortigen Almen stehen v. a. Schafe und Ziegen. Das hat auch damit zu tun, dass in den Westalpen die Almen auf größeren Höhen liegen als bei uns. Auch hierzulande waren die Hochalmen schon immer vor allem den Schafen vorbehalten. Die Milchkühe lebten auf den fetteren Almen weiter unten.
                  Also so einfach wie dargestellt ist es nicht.

                  2+
                • fingerphilosoph sagt

                  Mit dem Link wollte ich ein anschauliches Beispiel geben, wie die Kuh in dem Film hinter dem Bauer ausgesehen hat. Worum es im Artikel geht – Probleme mit Hochleistungskühen auf Almen – war jetzt gar nicht so das Thema, aber es ist sehr interessant, darüber was zu erfahren.
                  Wenn ich Ihren Kommentar lese, Frau Ertl, dann stellen sich mir als am Thema Interessierter ein paar Fragen:
                  Warum um alles in der Welt fährt man Kraftfutter auf die Almen hinauf statt die Hochleistungskühe wieder runter zu tun? Dass tonnenweise auf Almen verstreutes Kraftfutter Probleme mit der Vegetation macht, das kann man sich doch denken.

                  Warum wählt man nicht unbedingt für Almen geeignete Rassen (Schwarzbunte) aus, wenn Braunvieh viel besser für Almen geeignet ist?

                  Wieso verlangt der Handel schnell gewachsene Masttiere? Verlangt der Handel nicht Fleisch einer bestimmten Qualität, unabhängig davon, ob das Fleisch schnell oder langsam auf die Rippen gekommen ist? Als Leser habe ich bspw. bestimmte Erwartungen an ein Buch, aber es ist mir vollkommen egal, ob der Autor das in 3 Monaten oder in 3 Jahren geschrieben hat.

                  1+
                • firedragon sagt

                  fingerphilosoph,
                  das mit den zehn Litern pro Tag für ein Kalb stimmt so nicht ganz. Das ist wohl eher die Menge, die es bekommt, wenn es nicht an der Mutter saugen darf.
                  Ich habe zwar keine Skala an den Eutern unserer Kühe, ich kann Dir allerdings versichern, dass die Kälber wesentlich mehr als zehn Liter am Tag aus dem Euter ziehen.

                  1+
                • Elisabeth Ertl sagt

                  @Fingerphilosoph:
                  Hier finden Sie Infos über in Österreich gebräuchliche Rassen: file:///C:/Users/Elisabeth/Downloads/Deutsch-ZAR-Folder.pdf
                  Nur 7% sind Holstein, also die mit diesen unproportional großen Eutern. Die findet man auf Almen nur selten. 75% sind Fleckvieh, eine Zweinutzungsrasse Milch/Fleisch, die man größer gezüchtet hat, damit ihre Milchleistung mit den Holstein halbwegs mithalten kann. Die haben bis zu 850 kg. Deren Proportionen sind ausgewogener, und da wird bei der Zucht durchaus auch auf Alptauglichkeit geachtet. Aber denen wird im Artikel vorgeworfen, dass sie mehr Vegetationsschäden machen als die leichteren Tiere. Fleckvieh gibt es überall in Österreich, also auch außerhalb der Alpen.
                  Die reinen Fleischrassen werden halt gezüchtet, damit man Kreuzungsstiere hat, mit denen man die Mutterkühe besamt, welche Masttiere produzieren sollen. Diese Kreuzungskälber sind sehr robust und wachsen besonders gut. Die Fleischrassen machen daher zusammen nur 3% aus, mehr braucht man nicht, weil ja meist künstlich besamt wird.
                  Und der Rest sind dann diese Robustrassen, die noch vor 30 Jahren in den Alpen viel häufiger waren als das Fleckvieh.
                  Da ich selber keine Rinder züchte, weiß ich nicht genau, welches Gewicht die Schlachttiere mit welchem Alter haben müssen. Ich weiß nur, dass Lämmer mit 4 Monaten 45 kg haben müssen, nur diese Tiere nimmt der Handel. Und das geht nicht ohne Kraftfutter. Der Handel sagt Qualität, wenn er Quantität meint – ist so. Ältere langsam gefütterte Tiere haben oft mehr Fett, natürlich gefütterte junge sind ihm zu klein.
                  Warum man die Tiere dann überhaupt auftreibt: 30% der österreichischen Agrarfläche sind Almfutterflächen. Damit produziert man Nahrungskalorien für schätzungsweise 300.000 Menschen. Zudem prognostizieren die Klimaforscher, dass das alpine Grünland von Klimawandel profitieren wird, während das Ackerland im Osten und Nordosten darunter leiden wird. Und überdies wäre eine Aufgabe der Almen ökologisch noch problematischer als Trittschäden und Überdüngung. Und man kann dieses Land auch anders nicht nutzen. Es eignet sich nicht als Ackerland, nicht einmal für Wirtschaftswald.
                  Erfreulich, wenn es jemand schafft, über Direktvermarktung zu einer ökologisch angepassten Wirtschaftsweise zurück zu kehren, z.B.:
                  http://www.tauerngenuss.at/

                  1+
                • firedragon sagt

                  fingerphilosoph,
                  danach zu fragen, ob der Handel nicht Qualität verlangt ist gut.
                  Die Metzgerei oder Schlachterei, die ja ganz vereinzelt noch gerade so gibt, wird darauf achten. Die Metzger, die wir kennen, kommen in unseren Stall und schauen sich die Tiere an.
                  Das ist aber nicht DER HANDEL.
                  Tiere, die in großen Schlachthöfen für den Handel (Discounter) geschlachtet werden, müssen der Norm entsprechen. Warum das?
                  Die „Schlachtstraße“ ist genormt. Da können die Schlachtkörper, die in diese Norm passen, effektiver verarbeitet werden. Und was heißt das jetzt?
                  Das Tier hat in einem bestimmten Zeitraum, eine bestimmte Größe und das entsprechende Gewicht vorzuweisen. Nur dafür gibt es Geld.
                  Ist das Tier zu groß, zu klein oder zu alt gibt es Abzüge, auch wenn die Fleischqualität gut ist.
                  Das ist DER HANDEL.

                  4+
                • Elisabeth Ertl sagt

                  Mittlerweile ist es bei den Lämmern sogar schon so, dass es für nicht normgerechte Tiere nicht einmal mehr Abzüge gibt. Mit denen kannst wieder heimfahren und sie selber essen.

                  2+
                • fingerphilosoph sagt

                  @ Elisabeth Ertl
                  Hier in Frankreich gilt, dass gutes Fleisch auch Fett hat, wegen dem Geschmack. Mageres Fleisch wird gern bardiert, weil es sonst zu trocken ist. Man müsste den Leuten franz. Esskultur nahebringen, das könnte eine Chance für langsam gefütterte Tiere sein.

                  Seit die Leute fettarm und entrahmt essen, sind sie komischerweise immer dicker geworden, aber nicht mal das bringt sie zum Nachdenken.
                  Das Hirn braucht gutes Fett, sonst funktioniert es nicht. Neulich habe ich gelesen, dass der IQ seit den 70er Jahren in den Industrieländern abnimmt. Vielleicht liegt das nicht nur an Videospielen, sondern auch am fettarm. 🙂

                  Danke für die Infos, das umreißt die Problematik mit den Almen so ein bisschen. Der obere Link geht nicht, nur der untere.
                  Direktvermarktung ist eine gute Lösung, aber ich fürchte, dass es nur eine Nische sein kann, wenn 75% der Bevölkerung heute in Städten leben.

                  @firedragon
                  Das ist nicht der Handel, sondern die Industrialisierung. Normen braucht es bei standardisierten, technischen Abläufen. Aber wenn heute der 80jährige glaubt, er muss denselben Blutdruck wie der 30jährige haben und deshalb brav Blutdrucksenker oder -erhöher schluckt, braucht man mit dem Thema Normierung und Massenmensch erst gar nicht anfangen, das ist eh hoffnungslos.

                  1+
                • Elisabeth Ertl sagt

                  Fingerphilosoph: Es kommt halt auf das Tier an: Schweinefett schmeckt besser als Rinderfett und Schaffett. Eine gewisse Fettauflage ist eh gewünscht, man hat uns gesagt, wir müssen jetzt die Lämmer nimmer fettärmer züchten. Aber diese Fettauflage ist eben auch genormt, und ältere Lämmer sind nun einmal fetter als jüngere. Wenn mir ein Schaf zu viel Fett hat, schneide ich es weg und füttere die Hühner damit. Aber im Schlachthof ist dafür keine Zeit.
                  Vielleicht geht dieser Link: https://www.zar.at/Rinderzucht-in-Oesterreich.html
                  Da gibt es den PDF – Folder in verschiedenen Sprachen.
                  Ja, leider ist Direktvermarktung nur eine Nische, obwohl es bei uns da schon viele Initiativen für die Vermarktung gibt, Versandsysteme, es ist schon ein wachsendes Segment, aber noch viel zu wenig.
                  Und jetzt sagen Sie mir, was ein Almbauer tun soll, wenn er in der Direktvermarktung nicht Fuß fassen kann?

                  1+
                • Elisabeth Ertl sagt

                  Und im übrigen gehören die Österreicher durchaus zu den Gourmets. 🙂

                  1+
            • Möglicher Weise war die Kuh im Hintergrund genau die 20 jährige, die Du einforderst. Mit 20 Jahren sehen die nämlich genau so aus. Und dann ists wieder nicht recht!

              3+
            • Reinhard Seevers sagt

              ….ob es Kühen gut geht oder nicht, beurteilt der Laie an der Größe der Euter???
              Bei Menschen beurteilt der Philosoph die Intelligenz der Frau nach der Größe der Brust oder nach der Haarfarbe? Unglaublich…wirds noch schlimmer hier?

              5+
              • fingerphilosoph sagt

                …. ob es den Kühen gut geht oder nicht, beurteilt der Laie daran, ob die Kühe laufen können oder von den Eutern behindert werden.

                Bei Menschen beurteilt der Philosoph die Intelligenz nach dem, was dieselben an Kommentaren von sich geben, unabhängig vom Geschlecht 🙂

                2+
                • firedragon sagt

                  fingerphilosoph,
                  die Kuh von der ich oben schrieb, kann mit dem Euter auch nicht „rennen“.
                  Die Größe des Euters „normalisiert“ sich im Laufe eines Monats oder zwei, je nachdem, wie das Trinkverhalten des Kalbes ist.

                  1+
        • Christian Bothe sagt

          So viel Unsinn auf einmal, einfach nur unterirdisch, aber für mich als Dipl.agr.ing. unheimlich unterhaltsam…

          1+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Will der Milchbauer überleben, dann braucht der 100 Kühe, die jeweils 10.000 Liter geben. 200 mit jeweils 5.000 Liter gehen nicht, einmal weil er die Arbeitsmäßig nicht schafft, auch finanziell wäre es ein Fiasko.

          1+
        • Ottmar Welker sagt

          Ökonomisch ist das nicht günstiger 5 Kühe 20 Jahre durchzufüttern statt einer Hochleistungskuh 5 Jahre, ebenso bei Hühnern.
          Sie haben recht, dass auch diese auf die Weide oder freigehalten gehörten und auf große Wertschätzung treffen sollten, ähnlich wie die wertvollen Einzelkinder in China.
          Am Sonntag besuchte ich bei schönem, warmem Wetter den 92000 Meter großen Volkspark in Schanghai. Hinter so vielen, vielen Regenschirmen die Elternteile auf der Suche nach Lebenspartnern für ihre Kinder. Darauf alle wichtigen Daten.
          Nicht nur das, auch ich wurde angesprochen und eine ältere Dame, die mich schon auf der Nanjing road einmal ansprach, und herausbekam, dass ich mit einer Chinesin verheiratet bin, schaute uns beide sehr genau in das Gesicht und auf die Figur.
          Meine Frau:“ Die sieht ja so leicht bekleidet aus“. Antwort. “ Das nächste Mal zieht sie sich an wie du“.
          Für den nicht kleinen Teil der Chinesischen Bevölkerung stellt es ein großes Problem dar. Der Cousin meiner Frau, der neben dem Park wohnt, sucht schon seit Jahrzehnten.

          0
      • firedragon sagt

        Herr Bothe, fingerphilosoph,

        Sie haben beide recht.
        Jetzt bitte nicht die Keule rausholen und auf mich eindreschen.

        Ganz früher gab es viele kleine Bauernhöfe, das ist allgemein bekannt. Diese Höfe hatten Mehrnutzrassen. Fleisch x Milch, Fleisch x Ei und gleichzeitig als Arbeitstier.
        Irgendwann war man in der Zucht so weit, die Eigenschaften einer jeweiligen Rasse zu optimieren – heute nehmen die Streitigkeiten über den Erfolg der jeweiligen Zuchtrichtung kein Ende.
        Das hängt ganz entscheidend davon ab, aus welcher Sichtweise man das alles betrachtet.
        fingerphilosoph, es gibt sehr viele Betriebe, die ihre Tiere sehr gut halten und die nicht alles rausholen. Über solche Betriebe werden auch oft Reportagen gebracht. Das Gute bleibt halt nur nicht lange im Kopf, da Bilder von gequälten und ausgenutzten Tieren zur besseren Sendezeit und gefühlt in Dauerschleife gezeigt werden. Die Bilder halten sich eben sehr hartnäckig in unseren Köpfen.

        5+
        • Reinhard Seevers sagt

          Woran erkennt man denjenigen, der alles aus seinen Tieren „rausholt“ und denjeinigen, der das nicht tut? Am Beitrag des Journalisten? Am Schild am Hoftor? Am Preis des Produktes im Regal? Werden die Tiere anders vermarktet? Steht neuerdings nicht nur die Herkunft, die Menge der Preis etc. , sondern auch noch der Anspruch der Ausbeutung ? Ich bin verwirrt.

          5+
          • firedragon sagt

            Tja, Herr Seevers,

            gute Fragen.
            Die kann wohl nur jeder für sich beantworten.
            Wie schon geschrieben, es hängt von der Sichtweise ab und von der Bereitschaft eines jeden zuzuhören, sich erklären zu lassen und dabei in der Lage zu sein, Gegebenheiten nachzuvollziehen. Aber dazu gehört auch, die Möglichkeit zu haben, Gegebenheiten in Frage stellen zu dürfen. Gerne ohne gleich Vorwürfe hangeln zu lassen, weil man vielleicht denkt, man wüsste es besser.

            1+
            • Reinhard Seevers sagt

              „Gerne ohne gleich Vorwürfe hangeln zu lassen, weil man vielleicht denkt, man wüsste es besser.“
              Guter Vorsatz….dann bitte auch Vorwürfe ohne Verallgemeinerung und Beweise unterlassen.

              1+
                • Reinhard Seevers sagt

                  Ich hatte ihre Aufforderung, wie auch die meine als allgemeingültig angesehen….sorry, wenn es persönlich rüberkam!

                  0
    • Georg Summerer sagt

      Genaugenommen haben einige Kälbermilchpulverhersteller in ihr Produkt das Tiermehl eingemischt. Auf dem Beipackzettel stand dann ganz unverfänglich …tierisches Extraktionsfett… . Dieses Tiermehl wurde dann zum Infektionsträger als in Grossbritannien die Temperatur bei der Tiermehlherstellung von über 130 auf 110 Grad Celsius gesenkt wurde um Kosten zu sparen. Ich habe viele Jahre später beim Aufräumen einer Schmuddelecke einen alten Sackanhänger gefunden und dann erst realisiert was da drauf stand. Die auf BSE folgende Massenhysterie war ein Lehrbeispiel für Überreaktion einer total psychotischen Gesellschaft die Schlimmstenfalls auch wieder die Hexenverbrennung durchführen würde.
      Reinhard, ein sehr treffender Artikel der aufzeigt dass sich nichts geändert hat.

      5+
      • Falsch, als infektiös galt nie das Tierfett, sondern das Prionprotein! In der Hysterie wurden allerdings aller Futtermittel tierischen Ursprungs geächtet, und zwar auch für Schweine. In Deutschland war BSE nie eine Seuche, sondern eine äusserst selten auftretende Spontanerkrankung des Rindes (insgesamt gibt es nur EINEN klinischen Fall von BSE in Deutschland). Für England gibt es eine Vielzahl von Hypothesen, Fakt ist jedoch, dass BSE für die Engländer ein sehr gutes Geschäft war…

        2+
        • Ehemaliger Landwirt sagt

          Ein älterer Metzger hat damals gesagt,
          das gab es schon immer, das war der Hirndippel.

          1+
        • Ottmar Welker sagt

          Beim Blutspenden muss jemand ausschließen, dass er zu jenen Zeiten sich länger in GB aufgehalten hat, da die Kreutzfeld-Jakob Krankheit erst nach vielen Jahren beim Menschen auftritt. Tiermehl von Schafen, die an Scrapie erkrankt waren, wurde an Rinder verfüttert. vermutlich erkrankten auch Katzen und Zootiere daran. Ein Infektionsweg wurde von Schweizer Forschern über die Luft entdeckt.

          0
    • @f..ph
      „Landwirtschaft ist die Erzeugung von Lebensmitteln durch Sonnenenergie, Bodenfruchtbarkeit und menschliche Arbeit.“ Sicherlich hat R. Jung, den ich übrigens seit dieser Zeit kenne, damals nicht daran gedacht, dass diese „Definition“ einer philosophischen Prüfung standhalten muss. Vielleicht hätte sonst zumindest geschrieben:“ „Landwirtschaft ist die Erzeugung von Lebensmitteln aus Pflanzen und Tieren durch Sonnenenergie, Bodenfruchtbarkeit und menschlicher Arbeit.“
      Für mich ist BSE, das habe ich hier auch schon öfters kundgetan, die erste große, durch Fakewissenschaft und Medien ausgelöste Massenhysterie auf Kosten der Landwirtschaft. Auch wenn sich dann später alles in „Luft“ auflöst, es bleibt immer was hängen. So auch hier. Es stimmt einfach nicht dass in Deutschland oder der Schweiz Rinder mit Tiermehl oder Fischmehl (dies wurde allerdings nie mit BSE in Zusammenhang gebracht) gefüttert wurde. Also hat man flugs die Infektiosität der „Prionen“ potenziert und dann behauptet, schon geringste Spuren von Verschleppungen in Tankzügen würde ausreichen……
      Seit BSE werden in regelmäßigem Turnus neue Skandalsäue durchs Dorf getrieben, immer nach dem gleichen Muster. Wer dieses mehrmals Mitgemacht hat, der wird irgendwann misstrauisch, und ganz ehrlich, dieses Misstrauen gegenüber den Skandalen, welche der LW angehängt werden, war quasi immer berechtigt!

      2+
      • fingerphilosoph sagt

        Ich erinnere mich an einen Kommentar von Alois Wohlfahrt, dahingehend, dass seinerzeit auf der Landwirtschaftsschule gelehrt wurde, die Rinder mit Tiermehl zu füttern, und dass die Bauern das deshalb für eine tolle Sache gehalten haben.

        Für die Entdeckung der Prionen gab es 1997 den Nobelpreis für Stanley Prusiner, deshalb halte ich es für ziemlich gewagt, die BSE-Geschichte bloß als Fake darzustellen.

        Pflanzenfresser wie Kühe mit Tiermehl zu füttern, halte ich für genau so pervers wie Fleischfresser wie Hunde vegan zu ernähren.

        1+
        • fp, wenn ich mich recht erinnere, ist Alois ein Österreicher. In Deutschland war die Verfütterung von Tiermehl an Wiederkäuer nie ein Thema. In GB sehr wohl. Darum traten im Königreich auch sehr viele BSE-Fälle auf. In Deutschland wurde BSE in dramatischer Weise aufgebauscht (hunderttausende könnten bei Rindfleisch verzehr sterben), mit existenzbedrohenden Folgen für die Rinder haltenden Betriebe. Tatsächlich musste in Deutschland niemand wegen BSE sein Leben lassen.

          4+
          • Reinhard Seevers sagt

            „Aus Sicht der
            Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft ist die BSE-Krise die
            Folge einer seit Jahren verfehlten Agrarpolitik. «Es ging immer nur
            darum, möglichst viel möglichst billig zu produzieren», sagt die
            Vorsitzende Maria Heubuch. Eine vollkommen natürliche Ernährung und Aufzucht von Rindern sei wegen des immensen Kostendrucks für
            Agrarprodukte selbst in kleinen Familienbetrieben kaum möglich.“
            (MOPO, 12/2000)
            Tja, lügen konnten einige schon immer…Hauptsache es nützt ihrer eigenen Sache….

            0
          • Elisabeth Ertl sagt

            In Österreich gab es bisher 7 erkrankte Rinder und einen menschlichen Todesfall mit Creutzberg-Jakob-Syndrom. In Deutschland keinen Creutzberg-Jakob-Fall, aber 400 erkrankte Rinder. In GB 177 Creutzberg-Jakob-Fälle

            0
          • Georg Summerer sagt

            Auch wenn wir das Thema BSE jetzt beenden sollten, Alois ist kein Österreicher und ich kann mich auch mit Grauen daran erinnern dass über die Tiermehlverfütterung an Rinder nachgedacht wurde. Als krankheitsursache dürfte dies aber aufgrund der Inkubationszeit (4 – 10 Jahre) ausscheiden. Die Infektion müsste sehr jung erfolgt sein! Jedoch wird dieses Thema auch immer wieder hervorgekramt um gegen die Landwirtschaft zu hetzen, nur halt immer mit neuen Horrormeldungen ergänzt. Was passiert wenn das Volk einmal hungert dann glaube ich könnten unsere schlimmsten Albträume übertroffen werden. Einige scheinen doch schon jetzt bei dem „dein und mein“ keine Hemmungen mehr zu haben.

            1+
          • Bauer Fritz sagt

            Einspruch:
            So schnell läßt sich ein echter Bayer nicht zum Österreicher machen. Und ein Allgäuer wie Alois schon gar nicht.
            Dennoch ist jeder Bayer in Österreich gern gesehen ….

            Zu BSE: Seit dem 1. BSE-Fall in Österreich im Dezember 2001 wurden mehr als 2,5 Millionen Rinder auf BSE untersucht. Es gab insgesamt acht BSE-Fälle. Das letzte positive Rind (September 2010) war ein 15 Jahre altes Tier. Rund 19.000 Proben werden dennoch pro Jahr auf BSE untersucht.

            1+
          • Ottmar Welker sagt

            Justus von Liebig hat meines Wissens die Verfütterung von Tiermehl seinerzeit propagiert, genauso wie die Rinderbrühe(Fleischextrakt) aus der Tierhäute -Gewinnung anfallenden Abfallfleisches aus Südamerika.

            0
      • fingerphilosoph sagt

        @ Mark
        Fischmehl ist im Milchersatz für junge Kälber, Lämmer und Zicklein seit 2008 wieder erlaubt. Außerdem ist die Verfütterung von Fischmehl und blutprodukthaltigen Mischfuttermitteln in Betrieben, die Wiederkäuer halten, unter bestimmten Auflagen möglich.
        So das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz. Stimmt das?

        0
  8. Obstbäuerin sagt

    Heute heißen die Frames Insektensterben, Nitratbelastung (Vergiftung des Wassers), Pestizitbelastung u.a.. Sie sitzen fest in den Köpfen und das überall. Wer gestern die Übertragung der Veranstaltung „Pflanzenschutz und Biodiversität“ bei top agrar gesehen hat, der weiß wie die Positionen heute besetzt sind. Unsere Umweltministerin hat es vorgezogen, erst gar nicht zu erscheinen, weil plötzlich die agritechnika stattfand und was da von Herrn Flassbart und Aikens geäußert wurde, lässt das Schlimmste vermuten. Am meisten getroffen hat mich die Aussage von Aikens, die Bauern sind selber schuld an ihrem schlechten Image und wenn sie Ihren Hofnachfolgern ständig die Ohren volljammern, brauchen sie sich nicht zu wundern, dass die nicht mehr Landwirt sein wollen. Allerdings erwähnte er, dass immer mehr junge Menschen „grüne Berufe“ studieren wollen. Ich vermute mal Umweltmanagement und Ökologie.
    Das Thema Pflanzenschutz selbst wurde nur am Rande diskutiert und wird aber in Zukunft für einen Großteil der Bauern darüber entscheiden, ob und wie er überleben kann.

    4+
  9. Reinhard Seevers sagt

    Andi, in der gesellschaftlichen Wahrnehmung, in der medialen Darstellung und in der politischen Erklärung ist Bayern das „gelobte“ Land hinsichtlich kleinstrukturierter Landwirtschaft. Wenn nun einige sich aus einer wohlsituierten Position zusammenraufen und sich für Bienen einsetzen, so ist das lediglich ein Stellvertreterkrieg, weil sie ja nicht in Vechta wohnen….in Umfragen aber stehen Bayern, Österreich und die Schweiz als Musterbeispiele „bäuerlichen“ Handelns da. Wenn dann ein „Großer“Konventioneller im Bayernland dann mal danebengreift, dann ist es doch ein Beweis dafür, dass „Groß“ böse“ und „klein“ eben „gut“ ist oder sein muss.

    1+
    • Reinhard, leider ist deine Wahrnehmung, dass Bayern in den Medien das gelobte Land bezüglich Landwirtschaft ist, nicht richtig. Gegen die konventionelle Landwirtschaft wird hier genauso Stimmung gemacht, wie überall in Deutschland. Das die Saat bereits aufgegangen ist, beweist der große Erfolg des Volksbegehrens für die Rettung der Bienen. Ich will dass aber nur dahingehend verstanden wissen, dass wir diesbezüglich im Süden genauso frustriert sind, wie ihr nördlich des Weißwurstäquators.

      4+
  10. Elisabeth Ertl sagt

    Toller Artikel, erstaunlich aktuell! Ein Zitat, das mir als Hobbybäurin besonders ins Auge sticht: „Der Abschied von dieser Illusion fordert die­jenigen, die trotzdem Bauer bleiben oder werden wollen, geradezu heraus, ihre persönlichen Ideale zu definieren, wie ihr Hof, wie die Landwirtschaft in Deutschland idealerweise aussehen soll, und zwar unabhängig davon, wie sich Märkte und Mei­nungen und Maßnahmen für oder gegen die Landwirtschaft wei­ter­entwickeln. Ideale, zu denen wir stehen, nicht weil sie sich heute rechnen, sondern weil sie auch mor­gen richtig sind.“ Hobbybauer sein kann man ja nur so. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich mehr Geld investiere als ich herauswirtschafte, meine Arbeit noch gar nicht gerechnet, müsste ich augenblicklich aufhören.
    Ich lese gerade E.F. Schumacher, „Small Is Beautiful“ aus dem Jahr 1973, wieder 28 Jahre früher. Ein paar Zitate zur Landwirtschaft: „Es erhebt sich die Frage, ob Landwirtschaft tatsächlich eine Industrie ist oder ob sie etwas wesentlich anderes darstellt … Das Ideal der Industrie besteht in der Ausschaltung des Lebendigen, und das heißt auch des menschlichen Faktors, und darin, den Produktionsprozess den Maschinen zu überlassen … Und so wie das Leben ohne den Tod keine Bedeutung hätte, so hätte die Landwirtschaft keine ohne die Industrie. Doch es ist nach wie vor wahr, dass die Landwirtschaft Vorrang hat und die Industrie erst an zweiter Stelle kommt …. die Versöhnung des Menschen mit der natürlichen Welt … lässt sich nicht durch Tourismus, Ferien auf dem Bauernhof oder andere Arten von Zeitvertreib erreichen, sondern nur dadurch, dass die Struktur der Landwirtschaft in eine Richtung geändert wird, die der von Mansholt vorgeschlagenen und von … Fachleuten unterstützten genau entgegengerichtet ist … Als Ergebnis (Letzterer, Anm.) wird die weitere Umwelt des Menschen nicht etwa durch landwirtschaftliche Tätigkeiten des Menschen menschenwürdig gestaltet und veredelt, sondern zur Ödheit genormt und zur Hässlichkeit erniedrigt. All das geschieht, weil der produzierende Mensch sich „den Luxus, unwirtschaftlich zu handeln“ nicht leisten und daher die so sehr nötigen „Luxusgüter“ wie Gesundheit, Schönheit und Dauerhaftigkeit nicht produzieren kann, die der konsumierende Mensch mehr als alles andere wünscht. Es wäre zu teuer; und je reicher wir werden, desto weniger können wir uns leisten … Es liegt daran, dass unsere westliche Gesellschaft keine meta-wirtschaftlichen Wertmaßstäbe hat … Die Frage ist nicht, was wir uns leisten können, sondern wofür wir unser Geld ausgeben wollen.“
    Vielleicht wäre es jetzt unsere Aufgabe, der Gesellschaft philosophiosche Grundlagen zu liefern, weil nur wir geistige Konzepte formulieren können, die buchstäblich auf dem Boden der Tatsachen stehen.

    1+
    • Reinhard Seevers sagt

      Elisabeth, die Problematik führt automatisch hin zur Frage, ob die westlichen, kaitalistischen und christlichen Wertmaßstäbe wirklich das Maß der Dinge sind. Sie werden zunehmend in Frage gestellt und in der Thematik der Landwirtschaft wird es seit längerem zurerst sichtbar. Es gibt eben „mehr“ als nur Ökonomie und Spaß.
      Ökonomie bestimmt alle Lebenslagen und- entscheidungen. Die Grenzen sind irgendwann sichtbar, sie werden aber ersteinmal an der Landwirtschaft offenbar. Zum Erkennen, was der Sinn des Lebens ist, fliegt manch einer in tibetische Esoteriklager und kommt geläutert zurück, um der Landwirtschaft erstmal klar zu machen, dass es mehr gäbe, als Wachsen oder Weichen, dann im nächsten Jahr wieder hinfliegen usw…..
      Kreuzfahrer treffen sich zum Weinen im Arktiseis, junge Work and Traveller erarbeiten sich Lebenserfahrung in Neuseeland und Australien, kommen zurück und kämpfen gegen die Kliamkatastrophe, Spanische und Italienische Jugendliche haben keinen Job und tippen sich an die Birne…es gibt mehr als nur Ökonomie!

      3+
    • Ottmar Welker sagt

      Bitte verschenken sie das weiter an ihre beste Feindin. Für mich war es Karriereschädigend, als ich in der mündlichen Französischprüfung für das einjährigen Blanckenburg Ökonomie Seminar an der FU Berlin der französischen Lehrerin zu deutlich widersprach. “ Für diese war es ihr Neues Testament.
      Beim zweiten Anlauf erzählte mir am Ende einer der Entscheider von seinem Aufenthalt auf Zypern, wo die ganzen Entwicklungshelfer sturzvoll betrunken, zusammentrafen wegen dem in arabischen Ländern geltenden Alkoholverbot. Darauf lobte mich die daneben sitzende Mit Entscheiderin wegen meiner zukünftig wohl eintreffenden guten Vorsätze und Perspektiven. (Auch Dr. Ehrhard Eppler schrieb mir handschriftlich Mut zu und tat danach nichts.“ Die Leute sind noch nicht so weit“), dabei lehrte der andere sein Weinglas über ihren Rock vor Schreck: „Entschuldigung!“
      „Lassen Sie sich niemals mit solchen Leuten ein wie mich“!
      Immer erzählten sie die grausamsten Geschichten von der Massenermordung der schädlichen Webervögel durch Pestizide, bei der GTZ. Die Gesprächspartnerin auf den Telefonanruf:“ Wollen sie bei ihrer Wasserhyazinthen Bekämpfung den ganzen Sudan vergiften“?
      Bei der Psychologin sagte ich sofort, dass ich dringend zum Zug gehen müsse usw.
      Die Straßensperren im Yemen waren grausam und in Syrien wurde eine verheiratete Deutsche ausgewiesen, weil sie einem Scheich „schöne Augen“ gemacht hatte. Ihren Mann brauchte die GTZ dann in Portugal wieder. In Algerien wurden die Deutschen wie Franzosen gehasst und die Pflanzenbeschau für die Deutsche Importwirtschaft an Häfen war zu gefährlich.

      0
  11. Brigitta Blume sagt

    Danke, Reinhard, wunderbarer Text, hellsichtig und treffend.

    Fast zwei Jahrzehnte spaeter muessen wir vielleicht ganz anders umdenken. Auf den Verbraucher ist kein Verlass, und auf die Politik ebenfalls nicht. Auch wenn die Aktivitaeten zur Zeit wichtig und richtig sind, sie werden IMHO keinen ausreichenden Erfolg haben.

    Warum also nicht zuerst an uns selber denken? Wir haben Energie, Lebensmittel und Sprit genug fuer uns alle. Ich denke, es ist an der Zeit, ueber ein weitreichendes Netzwerk auch zuerst uns alle gegenseitig und moeglichst unabhaengig von Politik und Verbraucher zu versorgen.

    Es kann doch nicht angehen, dass wir 80 Millionen Forderer immer weiter fuettern und selber am Hungertuch nagen ?!

    6+
    • Reinhard Seevers sagt

      Genauso Brigitta!
      Hier im Landkreis wird demnächst eine große Wasserstoffproduktion aus Windkraft entstehen. Parallel ist die erste Vollaufbereitungsanlage für Gülle in Betrieb gegangen. Die Erfüllung des Wasserschutzes und die nachhaltige alternative Stromerzeugung sollten etliche Landwirte in die Lage versetzen, sich von einigen Fesseln zu lösen und der Gesellschaft vielleicht selbst mal den Spiegel vorzuhalten…..Netzwerke und Solidarität untereinander sind dafür aber die Voraussetzung, …wobei wir bei einem großen Unsicherheitsfaktor sind.

      1+
    • Elisabeth Ertl sagt

      Nur dass 250.000 gegen 80 Millionen sowieso keine Chance haben. Wenn die hungern, fallen sie wie die Heuschrecken ein und fressen alles weg, was Bauern zur Selbstversorgung horten.
      Die einzige potentielle Stärke liegt auf der geistigen Ebene, und das hat Bauer Willi verstanden. Wenn das nicht funktioniert, wird das Hungerschicksal über uns ALLE hereinbrechen. Und dieses Wissen ist es, welches Bauern nie leichtfertig aufgeben lässt. Wohl kein anderer Berufsstand hat ein vergleichbares Beharrungsvermögen!

      1+
      • Ottmar Welker sagt

        Solches hörte ich von einem jungen, effektiven eher unmodernen Pächter des Hofs Neckarburg schon vor 50 Jahren als einer von zwei Zuhörern bei einer Diskussion oder Vortrages eines Altphilologen und nebenberuflichen VHS Leiters. Die Menschen würden dann wieder mit dem Spaten ihre „Gärtle“ umgraben usw. Tatsächlich machten dies rückkehrende Nepalesen oder Chinesen 2008 wieder, als in der Industrie weltweit Betriebe Leute entließen.
        Die Antwort von Herrn Altenburger war, dass der weltweite Handel und die Vernetzung dem entgegenwirken würde.

        0
    • Paulus sagt

      Was einige mühsam aufgebaut haben, werfen andere mal eben mit dem Arsch wieder um. Sie werden es aber, genauso wie einige ihrer Berufskollegen nicht verstehen, gnädige Frau. Einen angenehmen und fruchtbaren Dialog wünsche ich noch.

      0
        • Paulus sagt

          Elisabeth, mit der gnädigen Frau meinte ich Brigitte Blume. Bei einer von mir geschätzten Bergbäuerin käme mir selbstverständlich nur „hochverehrte gnädige Frau“ nebst einem vollendeten Diener in den Sinn. 🙂

          1+
          • Der Brandenburgbauer sagt

            @Paulus????, ob „gnädige Frau“ oder“ hochverehrte gnädige Frau“
            “ Deine Worte: Was einige mühsam aufgebaut haben, werfen andere eben mal mit dem Arsch wieder um“. So kann man mit diesen Damen doch nicht reden. Paulus ,Etikette muss schon sein.
            Danke für deinen Beitrag.

            1+
    • „Warum also nicht zuerst an uns selber denken? Wir haben Energie, Lebensmittel und Sprit genug fuer uns alle. Ich denke, es ist an der Zeit, ueber ein weitreichendes Netzwerk auch zuerst uns alle gegenseitig und moeglichst unabhaengig von Politik und Verbraucher zu versorgen.“

      Und was soll diese Selbstversorgergeschichte bringen?
      Niemand hindert Sie, Brigitte Blume. Für die allermeisten Betriebe ist das sicher keine Zukunftsvison .
      Ich muss gestehen, dass mir der Beitrag von R. Jung nicht besonders gefällt.
      Klar, dass der Artikel heute noch aktuell ist, zeigt , dass sich die Grundsituation wenig geändert hat. Und wie bereits gesagt, statt BSE sind es heute andere Themen, neudeutsch „Frames“.
      Richtig finde ich auch diese Feststellung:
      “ Die Landwirtschaft hat keine Verbündeten in dieser Gesellschaft.
      Die al­ten Bünd­­­nis­se mit den konservativen und liberalen Käften, im Mittelstands- und Be­­sitz­denken begründet, funktio­nie­ren nicht mehr, weil die staatliche Stüt­zung unserer Betriebe immer deutlicher dem freien Han­del mit Industriegütern und Dienst­leistungen entgegensteht. Neue Bündnisse mit den sozialen und öko­­logischen Kräften konnten nicht geschmiedet werden“

      Aber ohne Verbündete wird es nicht gehen. Und die bekommt man nur über einen Dialog. Vielleicht. Ob Herr Jung diesen Dialog möchte , kann ich nicht beurteilen. Für mich klingt es anders. Er hate seine Auffassung, die Gesellschaft soll bitte folgen. Wird sie so eher nicht machen, wenn von einer „Führungsrolle der Bauern“ die Rede ist. In welcher Zeit lebt der Mann?
      Liebe Brandenburger hier im Blog, was ist dieser Bauernbund für ein Club?
      Mir kommt das etwas „rückständig“ vor. Und auch leicht aggressiv . Ist das falsch?

      2+
  12. fingerphilosoph sagt

    Der Autor fragt „Was ist Landwirtschaft?“ und beantwortet diese Frage wie folgt: „Landwirtschaft ist die Erzeugung von Lebensmitteln durch Sonnenenergie, Bodenfruchtbarkeit und menschliche Arbeit.“

    Und damit offenbart der Autor des Artikels das ganze Dilemma, in dem die Landwirtschaft steckt. In dieser Definition kommt nämlich weder das Wort „Pflanze“ noch das Wort „Tier“ überhaupt vor.

    Der Landwirt stellt sich nicht mit den Lebewesen, sondern mit Sonnenenergie und Bodenfruchtbarkeit auf dieselbe Stufe. Zwischen Lebewesen und Lebensmittel wird überhaupt kein Unterschied gemacht. Tiere und Pflanzen sind in dieser Definition lediglich Produkte, die man beliebig erzeugen, benutzen und gegebenenfalls auch wegwerfen kann. In dieser Auffassung von Landwirtschaft steckt schon drin, dass Tiere und Pflanzen, für sich genommen, nichts wert sind. Wenn man dann weiter mit „Gott“ und dem „verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung“ daherkommt, klingt das wie bitterer Hohn.

    Sonnenenergie steht unendlich viel zur Verfügung, und das ganz umsonst. Fruchtbarkeit ist eine Eigenschaft der Böden, die ebenfalls mal in Hülle und Fülle kostenlos da war, wie der ursprüngliche, natürliche Bewuchs der Erde und das ursprüngliche reiche Wildleben zeigt. Und menschliche Arbeit wird mehr und mehr durch Maschinen ersetzt. Wie also soll irgendjemand auf die Idee kommen, dass Landwirtschaft, wenn sie so definiert wird, etwas Wertvolles, Kostbares ist?
    Und so kommt es dann, dass ein Kalb für 8,49 Euro zu haben ist, wie gestern in der FAZ zu lesen war.

    In dieser Auffassung von Landwirtschaft steckt auch drin, dass man mit Pflanzen und Tieren machen kann, was man will, sofern sie den Zweck erfüllen, Lebensmittel für die Menschen zu sein. Man kann sie beliebig überzüchten, zusammenpferchen, kastrieren, schreddern, ausnutzen, solange sie nur den Zweck, Lebensmittel zu sein, erfüllen.

    Wenn Tier und Pflanzen in der Definition von Landwirtschaft noch nicht mal genannt werden, wenn bloß Sonnenlicht, Bodenfruchtbarkeit und menschliche Arbeit eine Rolle spielen, dann ist Landwirtschaft alles Mögliche, aber kein wechselseitiger Vertrag zwischen Tier/Pflanze und Mensch, der darin besteht, dass dafür, dass Tiere und Pflanzen ihr Leben geben, sie sich im Gegenzug das Recht auf ein „gutes“ Leben erwerben, was heißt, dass angemessen und artgerecht für sie gesorgt wird, solange sie leben.

    Genau dieser Vertrag wäre das Wertvolle, Kostbare an der Landwirtschaft. Doch dieser Vertrag wurde offenbar gar nicht geschlossen.
    Also ist es doch gar kein Wunder, dass die Landwirtschaft nun da ist, wo sie ist.

    3+
    • Brigitta Blume sagt

      „Tiere und Pflanzen sind in dieser Definition lediglich Produkte, die man beliebig erzeugen, benutzen und gegebenenfalls auch wegwerfen kann.“

      Das siehst Du aus Sicht eines Staedters, oder?

      Landwirtschaft beinhaltet zB auch zu wissen, dass Tiere, Pflanzen, Boden und Wasser und wir selber voneinander abhaengen. Tiere weglassen zB geht nicht. Von der Natur oder auch nur von „natuerlicherer“ Landwirtschaft leben geht auch nicht, jedenfalls nicht, solange unsere Staedte weiterhin Raubbau am Land betreiben und zwar jeden Tag 3x gefuettert werden wollen, dem Land und dem Boden aber nichts weiter als (ebenfalls taeglich) Giftmuell und Dreck zuruckgeben. Landwirtschaft beruht auf Ketten und Kreislaeufen.

      Ohne euch saehe das schon anders aus, da koennte man sich die natuerlichen Verluste schon eher leisten

      Es geben uebrigens jeden Tag 1000 Hoefe auf in der EU. Wer also mit der Arbeit und der vermeintlichen Einstellung der Landwirte nicht zufrieden ist, der hat jede Chance der Welt es selber fuer sich und seine Freunde besser zu machen. Immerhin sind wir ja nicht mehr eure Leibeigenen und ein Recht auf unsere Arbeit nach euren Vorgaben ist nirgends festgeschrieben.

      LGBB

      5+
      • Obstbäuerin sagt

        „….ein Recht auf unsere Arbeit nach euren Vorgaben ist nirgends festgeschrieben.“
        Liebe Brigitta Blume, wie ist das zu verstehen? Sobald wir die Gesetze und Vorgaben nicht einhalten, können wir aufhören zu produzieren.

        0
    • Ottmar Welker sagt

      Ich war 1984 auch in Olszty (Allenstein) Polen im Spätsommer sowohl an der dortigen Agrarhochschule als auch privat auf den Hof des Bruders von Urszula, die ein Praktikum in Hohenheim gemacht hatte und als eine der Besten ihres Jahrgangs das Diplom erst nach ihrer Rückkehr ausgehändigt bekam.
      Als ich auf dem Hof sah, wie ein ganz langer Transporter aus Italien die Jungrinder der umliegenden privaten Bauern einlud, nachdem zahlreiche Tierärzte sie kontrolliert und vorher untersucht hatten und Wodka auf Wodka mit dem Fahrer auf das Wohl der Landesfreundschaft- nicht der EU- in sich hineinschütteten, entfernte ich mich und las den ganzen weiteren Tag in „Josef und seine Brüder von Thomas Mann“. Am nächsten Tag kam ein Tierarzt mit fehlenden Schneidezähnen wieder, weil sich sein Fiat Polski nachts überschlagen hatte und erzählte seine Geschichte, die mir Urszula übersetzte. Sie hatten alle unter dem Mantelaufschlag das Parteiabzeichen der Land Solidarnosch versteckt.
      Urszula fühlte sich an der Hochschule nicht wohl, weil sie zu viel Ferkel mit ihren Mutterschweinen herausbrachte und sie als „Kapitalistin“ bezeichnet worden war. Wir fuhren beim Zweiten Besuch nach Warschau, wo sie an der Vermittlungsstelle für ein Stipendium, sich wegen ihrer guten Promotion bewarb, aber nur die der Regierungspartei bekamen überhaupt eines. Später heiratete sie einen Bundestagsabgeordneten der CDU und zog nach Norddeutschland auf seinen Betrieb, bekam eine Fortbildung zur Programmiererin und die deutsche Staatsbürgerschaft. Der Vater hatte „goldene Hände“, eine handwerkliche Ausbildung in der deutschen Zeit gemacht und Angeboten widerstanden deutscher zu werden und seinen Nachnamen polnisiert behalten; die Tochter nicht.
      Dass die Verschickung der Jungrinder nach Spanien verboten wurde, wegen der weiten Reise durch das Landwirtschaftsministerium ist der Grund, dass nun ein Überangebot auf dem Deutschen Markt vorhanden ist.

      0
  13. Reinhard Seevers sagt

    Schöne Analogie. Für den „Altgedienten“ ein dejavu, für den Jungbauern und seine Zukunft keine Lösung. Was soll daraus folgen. Die Unterschiede innerhalb der Branche sind so groß, das am Ende der Diskussion lediglich der gemeinsame Kampf gegen Bürokratie und der Ruf nach gerechten Preisen bleiben wird. Diese beiden Forderungen sind aber weder national noch politisch lösbar, weil vom „System“ verursacht. Die Bürokratie vom Vorsorgeprinzip der Angstgesellschaft und der Preis von der kapitalistischen globalen Wirtschaftsordnung.
    Es wird meiner Meinung nach wieder auf eine Anpassung aller Teilnehmer hinauslaufen. Und die Bauern werden sich gegenseitig zerstören, weil das „System“ eine Individualisierung einfordert : Kleines Bayern = gut, Großes Brandenburg = schlecht. Bio = gut, Konventionell = schlecht. ……..

    1+
    • Hallo Reinhard, wo hast du gelesen, dass konventionelle Betriebe in klein strukturierten Bayern als „gut“ bezeichnet werden?

      0
    • firedragon sagt

      Therapie : Hunger

      Erstaunlich, wie aktuell der Beitrag nach zwanzig Jahren ist.
      Sollte jedem zu denken geben.

      Erstaunlich, daß sich nichts geändert hat. Im Gegenteil, die Daumenschrauben, die der Landwirtschaft vor Jahrzehnten angelegt wurden, werden kräftig weiter gedreht.

      Erstaunlich, daß nicht schon längst alle Landwirte hingeschmissen haben. LW ist sehr leidensfähig, warum?

      Zur Therapie : Ich kenne keinen Landwirt, der sich diese nicht wünscht.
      Eigentlich wünscht man niemandem Hunger, allen sind Bilder von hungernden Menschen im Kopf und jeder schüttelt den Kopf, wenn er Bilder von hungernden Kindern sieht.
      Weil wir wissen, es ist vermeidbar.

      Unserer Wohlstandsgesellschaft geht es (leider) zu gut, eigentlich schlimm solche Gedanken zu haben. Wenn aber dieser Wohlstand dazu führt, die Wertigkeit der Grundversorgung der Menschen durch LW zu ignorieren und mit Füßen zu treten, kann man den Wunsch nach irgendeiner, wie auch immer gearteten, „Therapie“ nachvollziehen.

      6+

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.