Monate: Juni 2018

Kleinere und ökologischere Betriebe fördern

Hier ist der Alois. Hier ein interessanter Mailverkehr zwischen mir und dem Agrarexperten von Greenpeace, Herrn Martin Hofstetter, zum Thema kleinere und ökologischere Betriebe in Zukunft besser zu fördern. Mit Interesse habe ich die Pressemitteilung von Greenpeace gelesen, dass sie gemeinsam mit der AbL eine Demonstration in Bonn veranstaltet haben, in der beide Organisationen fordern, die EU-Zahlungen zukünftig anders zu verteilen und kleine und ökologisch arbeitende Betriebe stärker zu fördern. Mehr Förderung für kleine Betriebe wäre sicher gut.  Aber die Subventionen haben ja auch so ihre Tücken.  Dazu hätte ich folgende Fragen: Was halten Sie von Direktzahlungen an die Landwirte? Wäre es nicht zielführender, diese durch faire Produktpreise zu ersetzen und so die EU-Bürger steuerlich zu entlasten? Hofstetter: Die Direktzahlungen gibt es als Ausgleich für die Senkung der Interventionspreise in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Nach so einer langen Zeit wird es langsam schwierig Steuerzahlern zu erklären, warum da jetzt noch Geld fließt. Erst recht, wenn vieles schief läuft in der Landwirtschaft und die Verteilung der Agrargelder extrem ungerecht ist. in der Regel zahlt …

Die digitale Beziehung…

Das Forum Moderne Landwirtschaft hatte zusammen mit der Andreas-Hermes-Akademie diesmal zu einem Design-Thinking-Workshop nach Hamburg eingeladen. Thema: „Landwirte und Verbraucher – wie gestalten wir zukünftig unsere Beziehung?“ Nicht nur das Thema war spannend, sondern auch die Form des Workshops, der paritätisch mit Landwirten und Verbrauchern besetzt war. Spannend deshalb, weil zum einen die diversen Schritte des Workshops eng getaktet waren (was wirklich eine hohe Konzentration erforderte) zum anderen, weil für mich als Ackerbauer, der ja selten mit dem Endkunden in Verbindung kommt, die Denkweise und die Erwartungen an mich thematisiert wurden. Wann sagt mir den schon mal ein Konsument direkt in´s Gesicht, was er von mir erwartet? Das mag im Hofladen anders sein, aber den habe ich nun mal nicht. Aus meiner Sicht, und nur die kann ich hier wiedergeben, war das beherrschende Thema: Wo kommen die Lebensmittel her und wie transparent ist die Herstellung? Dahinter verbirgt sich – nach meiner Ansicht – der Begriff des Vertrauens. Kann sich der Verbraucher, wenn er in den Laden geht und Lebensmittel einkauft, darauf verlassen, dass der Landwirt vernünftig …

Anruf von RTL

Außer der Reihe heute ein zweiter Blog-Artikel. Alois hat mir die Telefonnummer einer Redakteurin von RTL weitergeleitet. Sie suchen für morgen (Donnerstag) einen Bauern, der sich über die Folgen der Nitratklage der EU gegenüber Deutschland äußert, die morgen eintreffen soll.  Nachdem ich ihr das alles am Telefon erzählt habe, wollte Sie wissen, ob ich vor der Kamera sagen könnte, was es für mich bedeutet, wenn das Nitrat verboten wird. Für alle die, die es nicht kapieren, warum mich das erschüttert: Nitrat findet sich so ziemlich in jedem Lebewesen, im Mensch genau so wie im Tier und natürlich auch in Pflanzen. Wenn ihr aus dem Fenster schaut und etwas Grünes seht: Da ist auch Nitrat drin. Mir ist aber eines klar geworden: Unsere Mitbürger, und dazu gehören auch Journalisten, sind unendlich weit weg von ihren/unseren Lebensmitteln. Das ist erst einmal nicht schlimm. Aber wir können es ihnen erzählen. Fangen wir an… Bauer Willi 0

„Wir kaufen saisonal und regional“

Wer hat diese Aussage nicht schon gehört. Hier der dazu passende Wurfzettel von Samstag (erkennt man an den Deutschland-Fähnchen) Avocado: Peru/Südafrika/Chile/Kolumbien Tafeltrauben: Ägypten Wassermelone: Italien/Spanien Himbeeren: Spanien/Portugal Tafelbirnen: Argentinien/Chile/Südafrika Grüner Spargel (BIO!!): Griechenland/Italien/Spanien/Slowakei Und frische Kirschen (nicht auf dem Bild) kommen aus der Türkei. Gibt es Kirschen nicht aus Deutschland? Wir hätten welche. Spargel hat der Nachbar. Das wäre saisonal und regional. Irgendwie passen Aussagen und Kaufverhalten nicht zusammen. Das nervt mich. Oder liegt das da alles nur zum Anschauen? Und was ist das nur für eine Herkunftsbezeichnung, wenn da vier Länder für ein Produkt genannt werden? Warum schreibt REWE nicht drauf: „von überall auf der Welt“? Das wäre doch wenigstens ehrlich. Euer Bauer Willi 0

Es geht auch ohne Bauern

  Wir bekommen immer wieder Ratschläge von Menschen, offensichtlich der Meinung sind, sie wüssten, wie wir Landwirte es richtig machen sollten. Meist von Menschen, die mit praktischer Landwirtschaft nichts am Hut haben. Diese Ratschläge bekommen wir auch laufend von Redakteuren, Politikern und Vertretern spezieller Organisationen.  Wir werden ständig in Talk-Runden von sogenannten „Experten“  so dargestellt, als wären wir unfähig, mit unserem Boden, den Pflanzen und unseren Tieren anständig umzugehen. War unsere mehrjährige Ausbildung also überflüssig? Reicht es heute schon eine Ahnung von Dingen zu haben, die man nicht gelernt hat? Reicht es, Galileo und Quarks & Co zu sehen, um mitreden zu können? Da habe ich mir gesagt: Macht es doch selbst! Und habe folgende Anzeige aufgesetzt: 1

Gifte im Garten

Die ZDF-Sendung Planet-e brachte am 03.06.2018 eine halbstündige Sendung zur Problematik der Pflanzenschutz- und Düngeranwendung bei den Hobby-Gärtnern. (Zum Ansehen bitte auf das Bild unten klicken) Planet-e gibt den Umfang des Pflanzenschutz-Einsatzes in Deutschland im Privatgartenbereich mit 5000 Tonnen jährlich an. (Quelle: Umweltinstitut München). Im Vergleich: in der gesamten deutschen Landwirtschaft wurden im Jahr 2017 rund 47.000 Tonnen PSM   *(Quelle Umweltbundesamt) vermarktet. (incl. inerte Gase für den Vorratsschutz) Die Sendung beleuchtet auch eingehend die Abgabe- und Beratungspraxis der PSM-Mittel an die ungeschulten Privatverbraucher. Und zu guter letzt widmet sich die Sendung den Bodenuntersuchungen von Privatgärten, wo oft Überdüngung und Schwermetall-Altlasten den Traum vom eigenen Bio-Gemüse platzen lassen. Schonungsloses Fazit eines Professors in der Sendung: „Die Hobby-Gärtner sollten die Finger von den Pflanzenschutz- und Düngemittel lassen, weil sie mit der Anwendung überfordert sind.“ Und ein anderer Experte: „Man kauft hochkonzentrierte Dünger und düngt dann nach Gefühl“ Ich finde diese Sendung jedenfalls sehr informativ. Und empfehle sie deshalb gerne weiter. Euer Alois 0

(G)Artenvielfalt

Jetzt, Mitte Juni, sieht es im Garten richtig toll aus. Wir können die ersten Zucchini ernten, die Tomaten werden bald folgen. Durch den vielen Regen und die warmen Temperaturen gedeiht alles prächtig und wir kommen beim Salat mit dem Essen gar nicht hinterher. Kürbisse, Bohnen, Tomaten, Spinat, alle möglichen Kohlarten und mehrere Sorten Kartoffeln. Dazu noch Zuckermais, Lein und anderes. Neben den vielen Nutzpflanzen haben wir aber auch Saaten für die Insekten ausgebracht. Und das zu mehreren Terminen, damit immer ein Nektar-Angebot da ist. Schaut doch mal rein, was unser Sohn so alles im unserem Garten anbaut. 0

Der globale Tisch

Ein Gastartikel der „Obstbäuerin“, einer unserer Kommentatorinnen, zum globalen Fleischkonsum mit unterschiedlichen Zukunftsszenarien. 2010 habe ich einen Vortrag erarbeitet, in dem es einerseits um den weltweiten pro Kopf Ausstoß von CO2 und andererseits um den Fleischkonsum aller Erdenbürger ging. Da die Zahlen nicht mehr der Realität entsprechen, habe ich sie auf den neuesten Stand (2015) gebracht. Dabei musste ich feststellen, dass sehr unterschiedliche Zahlen in den Statistiken auftauchen und deshalb kann es sein, dass Abweichungen auftreten. Im Großen und Ganzen dürften sie aber stimmen. Insgesamt sitzen 2018 rund 75 Erdenbürger – je 1 steht für 100 Millionen Menschen – am Tisch. Die Verteilung ist sehr anschaulich in der Grafik oben zu sehen. 2015 wurden 321 Milliarden kg Fleisch weltweit gegessen. Das ist die Ausgangssituation. Im Folgenden spiele ich verschiedene Varianten durch, wie der Fleischverbrauch sich entwickeln könnte und welche Auswirkungen das hat. Was passiert, wenn alle Menschen die gleiche Menge Fleisch essen wie wir Europäer? In Asien würde jeder 44 kg mehr essen, in Afrika jeder 56. Sinke müsste der Verbrauch in Nordamerika (-44), Australien (-44) und …

Stress in der Landwirtschaft

Folgende Nachricht erreichte uns bei Facebook: Hallo Bauer Willi, Ich verfolge regelmäßig Ihre Nachrichten. Ich finde es super, das Sie vor allem zu kritischen Themen Stellung beziehen. Genau solche Köpfe braucht gerade in der heutigen Zeit unsere Landwirtschaft. Ich bin Landwirt aus dem Allgäu und studiere Landwirtschaft an der Hochschule Weihenstephan Triesdorf. Im Rahmen meiner Bachelorarbeit befasse ich mich mit dem Thema Stress in der Landwirtschaft. Peter Damit möchte ich herausfinden, welche Faktoren Landwirte stresst. Somit kann abgeleitet werden, welche Tätigkeiten oder Auflagen Landwirte vor große Herausforderungen stellt. Bisher haben schon ganz viele Landwirte teilgenommen. Ich weiß, das Sie bestimmt sehr beschäftigt sind. Aber wenn Sie an der Umfrage teilnehmen würde mich das ganz besonders freuen. Zudem wäre es super wenn Sie mich unterstützen und meinen Link posten. Das machen wir gerne. Hier der Link: https://ww2.unipark.de/uc/bandr_HOCHSCHULE_WEIHENSTEPHAN-T/954a/ Die Umfrage geht wirklich schnell. Die Fragen sind in drei bis vier Minuten beantwortet. 0