Bauer Willi
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Die digitale Beziehung…

Das Forum Moderne Landwirtschaft hatte zusammen mit der Andreas-Hermes-Akademie diesmal zu einem Design-Thinking-Workshop nach Hamburg eingeladen. Thema: „Landwirte und Verbraucher – wie gestalten wir zukünftig unsere Beziehung?“

Nicht nur das Thema war spannend, sondern auch die Form des Workshops, der paritätisch mit Landwirten und Verbrauchern besetzt war. Spannend deshalb, weil zum einen die diversen Schritte des Workshops eng getaktet waren (was wirklich eine hohe Konzentration erforderte) zum anderen, weil für mich als Ackerbauer, der ja selten mit dem Endkunden in Verbindung kommt, die Denkweise und die Erwartungen an mich thematisiert wurden. Wann sagt mir den schon mal ein Konsument direkt in´s Gesicht, was er von mir erwartet? Das mag im Hofladen anders sein, aber den habe ich nun mal nicht.

Aus meiner Sicht, und nur die kann ich hier wiedergeben, war das beherrschende Thema: Wo kommen die Lebensmittel her und wie transparent ist die Herstellung? Dahinter verbirgt sich – nach meiner Ansicht – der Begriff des Vertrauens. Kann sich der Verbraucher, wenn er in den Laden geht und Lebensmittel einkauft, darauf verlassen, dass der Landwirt vernünftig gearbeitet hat? Aus seiner Sicht sind da durchaus Zweifel angebracht, denn immer wieder hört er in den Medien von „Skandalen“, die sein Vertrauen, zumindest zeitweise, erschüttern. Von daher auch die Forderung nach mehr Transparenz, ja fast schon einer persönlichen Beziehung zu „seinem“ Landwirt. Die kann aber in der Realität des Alltags nur selten praktiziert werden, weil eben der Supermarkt sein Einkaufsort ist und nur selten der Hofladen. Er könnte das ändern, tut dies aber aus auch für mich nachvollziehbaren Gründen nicht. (Zeitmangel, Erreichbarkeit etc.)

Nach der Analyse, wie Landwirte und Verbraucher wieder in einen engeren Kontakt treten könnten, wurden dann auch Lösungen wie Hofladen, Wochenmarkt oder Solidarische Landwirtschaft zwar als machbar kategorisiert, da aber alle ein breiteres „Publikum“ erreichen wollten, rückten digitale Lösungen immer mehr in den Vordergrund. Die Aufgabenstellung der Seminarleitung: Entwickeln sie Ideen, die ruhig auch verrückt sein dürfen. Und: Geld spielt keine Rolle! Wann bekommt man das schon mal gesagt!

So wurden App´s mit QR-Code am Reißbrett entworfen, am Einkaufswagen Tablet´s installiert oder auch Bildschirme mit Kontaktmöglichkeit zum Landwirt geschaffen, damit man ihn direkt ansprechen kann. Dies alles findet im Supermarkt statt, dort, wo die überwiegende Zahl der Verbraucher einkauft. Dazu gehört eine durchgängige Nachverfolgbarkeit vom Acker oder Stall bis in´s Regal. Technisch umsetzbar dürfte dies heute schon sein. Allerdings wurde allen Beteiligen schnell klar, dass bei verarbeiteten Produkten aus mehreren Zutaten eine Liste aller Herkünfte schnell an ihre Grenzen stoßen würde. Keine Packung ist groß genug, dies alles aufzudrucken und von daher ist eine digitale Lösung für den interessierten Verbraucher wesentlich besser, um eine maximale Transparenz zu erreichen.

Meine ganz persönliche Einschätzung: Bei aller Begeisterung für vertrauensbildende Maßnahmen durch mehr Transparenz fehlt mir bei den digitalen Lösungen irgendwas. Was genau, kann ich aber nicht sagen. Ähnliche Ansätze waren ja auch schon beim ersten Workshop in Düsseldorf entwickelt worden. Von daher sind die in Hamburg gewählten Ansätze also kein Zufall. Im September findet der dritte Workshop in München statt. Man darf gespannt sein, ob dort andere Ideen entwickelt werden, wie die Beziehung zwischen Landwirt und Verbraucher zukünftig gestaltet werden kann. Dort wird Alois teilnehmen. Wir werden berichten.

Euer Bauer Willi

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4 Kommentare

  1. Günter Reichard sagt

    Zunächst einmal ist es immer gut, wenn Erzeuger und Bauern miteinander reden und dadurch vielleicht ein gewisses Verständnis füreinander entsteht.
    Aber in sochen Arbeitskreisen ( Workshops ) sind meist nur wirklich interessierte Menschen vertreten, die mit den Themen in gewisser Weise schon vertraut sind.
    Eine breite Öffentlichkeit wird damit vermutlich eher nicht erreicht.
    Was die Öffentlichkeitsarbeit anbelangt, befindet sich die Landwirtschaft meiner Meinung nach eher in der Steinzeit.
    Da wird auch ein Design-Thinking-Workshop nicht viel ändern.
    Ich hatte mal in der Schule einen Aufsatz über die Entstehung der Genossenschaften schreiben müssen, dabei ging es zwar überwiegend darum einander zu helfen, aber die Folge daraus war auch der gestärkte Zusammenhalt und die Sprache der einzelnen Mitglieder glich sich im Laufe der Zeit an.
    Bei uns in Südtirol sind die meisten Molkereien noch Genossenschaften, deren Mitglieder eben die Milchbauern sind, in der Regel ist der Milchpreis im Durchschnitt ca 20% – 25% höher.
    Vielleicht sollten Bauern, die gleiche Vorstellungen und Visionen haben, es einmal mit einer Genossenschaft versuchen, die nur die Aufgabe hat, eine glaubwürdige Aussendarstellung der Bauern aufzubauen, die Preisgestaltung von Produkten entsprechend der Herstellung und Qualität selbst in die Hand nehmen und je mehr Bauern dabei wären, umso mehr Gewicht würde das ganze bekommen.
    Der wichtigste Aspekt aber wäre meiner Meinung nach, dass die Bauern ihren Handlungsspielraum wieder ein Stück weit zurückbekommen.
    Dann reicht eben ein Arbeitskreis und es braucht keinen Workshop

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    • bauerhans sagt

      „Eine breite Öffentlichkeit wird damit vermutlich eher nicht erreicht.“

      die breite öffentlichkeit kauft gut und günstig und hat nix zu beanstanden!

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  2. Lieschen Müller sagt

    Ich finde den Ansatz: macht erstmal über Kosten reden wir nicht, gut, da man so vielleicht herausfindet, wie man die ganzen Konfliktpunkte unter einen Hut bekommen kann.
    Ich denke, es geht nur digital, wieviele Menschen versorgt ein Landwirt im Schnitt nochmal? Also wenn man jetzt den Weg der „relativ großen“ Erzeuger weitergeht. Aber vielleicht findet ihr noch ganz andere Ansatzpunkte.

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