Bauer Willi
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Der globale Tisch

Ein Gastartikel der „Obstbäuerin“, einer unserer Kommentatorinnen, zum globalen Fleischkonsum mit unterschiedlichen Zukunftsszenarien.

2010 habe ich einen Vortrag erarbeitet, in dem es einerseits um den weltweiten pro Kopf Ausstoß von CO2 und andererseits um den Fleischkonsum aller Erdenbürger ging.

Da die Zahlen nicht mehr der Realität entsprechen, habe ich sie auf den neuesten Stand (2015) gebracht. Dabei musste ich feststellen, dass sehr unterschiedliche Zahlen in den Statistiken auftauchen und deshalb kann es sein, dass Abweichungen auftreten. Im Großen und Ganzen dürften sie aber stimmen.


Insgesamt sitzen 2018 rund 75 Erdenbürger – je 1 steht für 100 Millionen Menschen – am Tisch. Die Verteilung ist sehr anschaulich in der Grafik oben zu sehen.

2015 wurden 321 Milliarden kg Fleisch weltweit gegessen. Das ist die Ausgangssituation. Im Folgenden spiele ich verschiedene Varianten durch, wie der Fleischverbrauch sich entwickeln könnte und welche Auswirkungen das hat.

Was passiert, wenn alle Menschen die gleiche Menge Fleisch essen wie wir Europäer? In Asien würde jeder 44 kg mehr essen, in Afrika jeder 56. Sinke müsste der Verbrauch in Nordamerika (-44), Australien (-44) und Lateinamerika (-2). Bei diesem Szenario steigt der weltweite Verbrauch auf 565 Milliarden kg Fleisch, was eine Steigerung um 244 Milliarden kg bedeutet.

Verzichten in Nordamerika und Europa 50% der Bevölkerung auf Fleisch und werden Vegetarier aber in Asien und Afrika essen alle 30 kg pro Kopf und Jahr mehr, steigt der Verbrauch trotzdem auf 441 Milliarden kg. Das sind 120 Milliarden mehr als in der Ausgangsituation. Die Entscheidung der Hälfte der Bevölkerung Europas und Amerikas, auf Fleisch zu verzichten, hat kaum Auswirkungen auf die globale Weltlage.

Noch deutlicher wird das, wenn alle Menschen weltweit 60 kg Fleisch pro Jahr essen, nur die Europäer vollkommen auf Fleisch verzichten. Ein Anstieg auf 408 Milliarden kg lässt klar werden – wir Europäer haben nur marginalen oder gar keinen Einfluss auf die Weltsituation.

Erst ein weltweiter pro Kopf Verbrauch von 43 kg würde von der derzeitigen Fleisch-Produktion abgedeckt werden. Es ist jedoch unrealistisch zu glauben, dass in den Ländern mit extrem hohem Fleischkonsum eine Reduzierung auf diese geringe Menge erfolgen wird. Wahrscheinlicher ist die Steigerung des Fleischkonsums in den asiatischen Ländern.

Vernachlässigt wurde aber bei allen Beispielen der Bevölkerungszuwachs, der vorzugsweise in Asien und Afrika eintreten wird. Egal welches Szenarium eintritt, die Fleischproduktion auf heutigem Niveau reicht in keinem Fall aus, um die Nachfrage zu befriedigen.

Eure Obstbäuerin

 

 

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5 Kommentare

  1. Mark sagt

    Da heist doch, das in anderen Regionen der Welt die Fleischproduktion deutlich ansteigen wird. In Europa wird sie allerdings zurückgehen, da hier die vegane Tierschutzkirche die Nutztierhaltung mit allen Mitteln bekämpft

    2+
    • Obstbäuerin sagt

      Mark, das glaube ich nicht, denn der Bedarf in diesen Regionen wird schneller steigen, als sie in der Lage sind, zu produzieren. Da bleiben noch ein paar Jahre für gute Absatzmöglichkeiten und auch in Europa werden nur wenige dieser »Tierschutzkirche« folgen oder vegan werden.

      1+
      • Mark sagt

        1. Bedarf alleine führt noch lange nicht zu „guten“ Absatzmöglichkeiten. Erst wenn der Bedarf mit Kaufkraft ausgestattet ist führt er zur Nachfrage am Markt. Dies ist meist (noch) nicht der Fall. D.h. zuerst müsste das Einkommen der „Bedürftigen“ gesteigert werden um eine Kaufkraft zu initieren.
        2. Die lautstarke, aggressiv auftretende Tierschutzkirche zieht die eingeschüchterte Mehrheit samt deren schwächelnden Politikvertreter am Nasenring durch die Mainstreamarena. Man lese sich nur mal die Kommentare durch, welche diese Tierschutzaktivisten zur Aufnahme des Tierschutzes ins GG abgegeben haben, dann wird vieles klar.

        6+
        • Inga sagt

          Ja Mark,

          das sieht man ja in den Ländern, wo Mc. Donalds Einzug gehalten hat!

          0
  2. bauerhans sagt

    menschen in entwicklungsländern streben danach,westlichen lebensstandard zu erreichen d.h. mehr fleisch und milchprodukte und automobile (unsere alten dieselfahzeuge sind besonders in afrika gefragt)
    wir können mit unserem wunschdenken „von der heilen welt“ daran nix ändern.

    11+

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